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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unschuldig verurteilt
In Italien kennt jeder Erwachsene den Fall Carlotto. Doch über die Grenzen des Landes heraus ist Massimo Carlotto, wenn überhaupt, aus den letzten Jahren eher als Kriminalschriftsteller bekannt, denn als die Hauptperson eines Kernstückes der italienischen Justizgeschichte.

Sechs Jahre Gefängnis und fünf Jahre als Flüchtling,...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2010 von M. Lehmann-Pape

versus
1.0 von 5 Sternen zu verworren und ohne erkennbaren Leitfaden
Das erste Buch das ich von Massimo Carlotto gelesen habe war "Arrivederci Amore Ciao" von dem ich sehr begeistert bin, daraufhin war ich an der Biografie dieses Autors natürlich interessiert. Leider war "Der Flüchtling" für mich eine Enttäuschung, ich konnte mich mit dem Flüchting nicht identivizieren. Er wechselte ständig die Schauorte, ohne...
Vor 22 Monaten von Susi Biller veröffentlicht


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unschuldig verurteilt, 16. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Gebundene Ausgabe)
In Italien kennt jeder Erwachsene den Fall Carlotto. Doch über die Grenzen des Landes heraus ist Massimo Carlotto, wenn überhaupt, aus den letzten Jahren eher als Kriminalschriftsteller bekannt, denn als die Hauptperson eines Kernstückes der italienischen Justizgeschichte.

Sechs Jahre Gefängnis und fünf Jahre als Flüchtling, vornehmlich in Paris und Mexiko haben den, zu Beginn des Falles 19jährigen, jungen Mann geprägt.
Die Zeit der Flucht, aber auch die darauffolgenden Jahre im Gefängnis und mit Blick auf die 11 Prozesse, die über Carlotto einerseits hereinbrachen und die er andererseits zum Erweis seiner Unschuld je selber angestrebt hat, diese Geschichte erzählt Massimo Carlotto in seinem Buch. 1994 in Italien erschienen markiert das Buch das Ende der Zeit als Verurteilter. Allerdings nicht, weil offiziell seine Unschuld in einem der Prozesse festgestellt und ausgesprochen wurde, sondern aufgrund einer Veränderung im Rechtssystem selbst, die es endlich in den Raum stellt, dass aus Mangel an Beweisen freizulassen und nicht zu verurteilen ist. In Zuge seines Falles wurde letztendlich das entsprechende Gesetzeswerk in Italien grundlegend verändert. Carlotto hat somit auch in der Wirkungsgeschichte seines Falles ganz handfest Gesetzesgeschichte geschrieben. Dies allerdings erwähnt er im Buch nur am Rande der Einleitung, sein eigentliches Thema ist seine Erinnerung an jene Jahre der Flucht und des Untertauchens im Exil.

Seine Odyssee durch die Gefängnisse und seine Flucht beginnt 1976 mit dem Mord an der Studentin Margherita Magello. Massimo Carlotto, ebenfalls Student und gerade 19 Jahre alt findet das Opfer und meldet den Mord der Polizei, die ihn umgehend festnimmt, anklagt und in einem Schauprozess zu 15 Jahren Gefängnis zu verurteilen gedenkt. Einem Prozess, der den linksradikalen Hintergrund Carlottos fest im im Blick hat und ein Exempel statuieren will. Kurz vor der Urteilsverkündung flieht Carlotto und taucht zunächst in Paris, später in Mexiko unter.

Immer, und das ist seine eigentliche Crux, wirkte er im Kontakt mit den Justizbehörden, kühl, unnahbar, distanziert. Eine innere Haltung, die seinem Schreibstil eng verwandt ist. Und empfindet doch zunehmend Verzweiflung über das, was über ihn hinein bricht. Nichts Abenteuerliches ist dann auch im Verlauf des Buches an seinem Leben im Untergrund erkennbar. Der häufige Wechsel der Identitäten, das ständige Leben in Angst vor jedem forschenden Blick im Cafe, nichts wirklich zu besitzen, was ein Gefühl von Heimat geben könnte, denn alles muss in eine Tasche packen und schnell verstaut sein. Der Verlust der inneren Heimat seiner Familie, mit der zunächst nur erschwert, in Mexiko dann gar kein Kontakt mehr möglich ist. Das alles gekrönt von den brutalen Erfahrungen in den diversen Gefängnissen lässt ein Bild vor dem Auge des Betrachters entstehen, das erschreckender kaum sein könnte. Die Solidarität unter den Flüchtlingen, in deren Gemeinschaft Carlotto von Beginn an eintaucht, mildert diesen erschreckenden Impetus des Buches in keiner Weise.

Mit kühler, präziser Sprache öffnet Carlotto den Blick auf einen Menschen, der äußerlich hart und kühl wirkt, der aber im Gegenzug alles in sich hineinfrisst und dies im wörtlichen Sinne des Wortes. Fresssüchtig und nikotinsüchtig in hohem Grad taumelt Carlotto mehr durch sein Exil, denn das er für sich selber Hoffnung zu finden vermag. Einen Sprachstil zudem pflegt Carlotto, der lapidar und distanziert sich einprägt, der das Erschrecken gerade in einigen Szenen aus den Hafttagen intensiv in den Raum zu setzen vermag, Szenen, die an Brutalität kaum zu überbieten sind und gerade aufgrund der nüchternen Beschreibung unerträglich werden.

Ein flüssig und gut zu lesendes Buch, das einen über die Dauer des Lesens hinaus nicht loslässt im Blick auf das, was in modernen Zeiten von Seiten der Justiz und im Blick auf ein Leben im Untergrund immer noch möglich ist.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen für eine bessere Welt, 17. August 2010
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Autor schreibt in diesem Roman von sich selbst. Den wichtigsten Teil seines Lebens breitet der Italiener Massimo Carlotto vor uns aus.

Mit 19 Jahren entdeckt der linksradikale Student Massimo die Leiche einer jungen Frau. Er benachrichtigt die Polizei und wird als Täter vor Gericht gestellt. Für den jungen Mann häufen sich die Prozesse. Er sitzt Jahre lang im Gefängnis, lebt im Exil in Mexiko und Frankreich.

Endlich, 1993 wird er vom italienischen Präsidenten begnadigt. Mit diesem Buch lässt Carlotto noch einmal ein Stück italienischer Geschichte lebendig werden. Viele werden sicher zum ersten Mal etwas von Roten Brigaden lesen.

Mit diesem Buch beschreibt der Autor nicht nur seinen Fall. Er legt auf erschreckende Weise Zeugnis darüber ab wie politische Gefangene in Italien behandelt werden.

Massimo Carlotto ruft mit diesem Buch laut um Hilfe für alle politischen Gefangenen auf dieser Welt. Er schreibt von haftbedingten Krankheiten und Justitzirrtümern, er schreibt für eine Politik des neuen Umgangs miteinander.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Woher die Grimmigkeit kommt, 10. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Taschenbuch)
Massimo Carlotto, mittlerweile bekannt durch stilistisch eiskalte, inhaltlich zutiefst pessimistische Meditationen über gut und böse, über das Wesen des Menschen, über das, was wir einander bereit sind anzutun für nichts, die meist im Gewande knallharter Thriller daherkommen, legte 1994 diesen schmalen Band vor, in dem er einen ganz realen Thriller erzählt, nämlich den seines eigenen Lebens. Und der hat es in sich. Der 19jährige Massimo Carlotto, Mitglied der ultralinken Organisation "Lotta Continua", findet im Januar 1976 die Leiche einer ermordeten Studentin. Er meldet dies und wird statt wie ein Zeuge schnell wie ein Verdächtiger behandelt. Der im Jahre 1978 ergangene Freispruch wird im Jahre 1979 wieder kassiert und Carlotto zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. 1982 schließlich, der Kassationsgerichtshof hat die Revision nicht zugelassen (die italienischen Mühlen der Justiz mahlen langsam, auch heute noch), flieht der kurzzeitig aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassene Carlotto nach Paris. Die Flucht führt ihn schließlich nach Mexiko, einer Liebe zuliebe. 1985 kehrt er zurück, stellt sich und begibt sich ins Gefängnis. Hier wird er die kommenden Jahre unter enormen gesundheitlichen Problemen verbingen, wird zwischenzeitlich mit Haftverschonung belegt, sein Verfahren findet Wiederaufnahme, verschleppt sich und wird dann Opfer einer Justizreform, wodurch Gutachten, die für die Unschuld Carlottos sprechen, keine Zulassung vor Gericht mehr finden. Dieses Justizspektakel zieht sich dann noch bis in den April 1993 hin, als Staatspräsident Scalfaro den vermeintlichen Mörder begnadigt. Carlotto ist frei. 19 Jahre hat seine Odyssee gedauert, seine Gesundheit wenn nicht ruiniert, so zumindest stark beeinträchtigt und ihn Freundschaften und die Liebe gekostet, von einem geregelten Leben einmal ganz abgesehen.

Auf diesen gerade mal 184 Seiten schildert Massimo Carlotto seinen Fall, den 'Caso Carlotto', zunächst mit erstaunlich viel Humor (den er braucht, wie er schreibt, denn nähme er alles zu ernst, müsse er verrückt werden), der darin kulminiert, nach Dutzenden verschiedener Verkleidungen und geschickter Tarnmanöver, die er sich im Laufe der Zeit zugelegt hatte, festzustellen, daß er gar nicht verfolgt wurde, zumindest nicht international. Ebenso amüsant zu lesen sind seine Versuche, in der Pariser Gesellschaft meist politischer Flüchtlinge zurecht zu kommen, er , der ja "nur" wegen eines herkömmlichen Mordes - also einer auch von politisch Verfolgten durchaus abzulehnenden Straftat - auf der Flucht ist. Doch zusehends, vor allem in jenen Teilen des Buches, die sich seinen Jahren in Mexiko widmen, schleicht sich dann doch durchaus auch Trauer um ein zusehends verpasstes Leben in den Text. Zudem läßt Carlotto keine Zweifel daran aufkommen, daß das Leben in Mexiko hart ist und es ihm zumindest nicht gut getan hat. Im Gegenteil: es hat ihm Angst gemacht. Dennoch war er wohl schließlich an einem Punkt, da er sich entschloß, dem Heimweh zu entsagen und die mexikanische Staatsbürgerschaft anzustreben. Daß es dann eben der Anwalt, der ihm zu dieser verhelfen sollte, sein wird, der ihn schließlich verrät, macht die ganze Sache sozusagen rund.

Dieser Band ist gut und schnell zu lesen und er zeigt den Autor, den man bisher vor allem grimmig kannte von ganz anderen Seiten. Man versteht allerdings nach der Lektüre noch viel, viel besser, woher diese Grimmigkeit kommt. Von einem Justizverbrechen zu wissen (denn bekannt war der 'Fall Carlotto' auch in Deutschland) ist dann eben doch etwas anderes, als die Stimme eines Justizopfers zu vernehmen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Stück großer Literatur, das einen wichtigen literarischen Beitrag zur Aufarbeitung einer "bleiernen Zeit" in Italien leistet, 11. August 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der italienische Schriftsteller Massimo Carlotto gehört mittlerweile in Italien zu den großen Kriminalautoren, der sich so wie andere immer wieder den aktuellen Themen der italienischen Gesellschaft wie zum Beispiel der Korruption bis in allerhöchste Kreise und der mafiosen Durchsetzung immer größerer Teile von Wirtschaft und Verwaltung auseinandersetzt.

In dem vorliegenden in der Reihe Tropen bei Klett-Cotta veröffentlichten und von dem bedeutenden und preisgekrönten Übersetzer Hinrich Schmidt - Henkel ins Deutsche übertragenen Roman erzählt er autobiographisch seine eigene Geschichte und leistet damit einen weiteren literarisch wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des linksradikalen Terrors um die Roten Brigaden und die Reaktion der italienischen Gesellschaft darauf in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Vergleiche in diesem Zusammenhang auch das wunderbare Buch des ehemaligen Bürgermeisters von Rom, Walter Veltroni, "Die Entdeckung des Sonnenaufgangs", das auch in diesem Jahr ebenfalls bei Klett-Cotta verlegt wurde.

Massimo Carlottas Geschichte beginnt,als er als 19 -jähriger Student, der sich der linksradikalen Bewegung angeschlossen hatte, einen Mord an einer Mitstudentin bei der Polizei meldet, nachdem er die mit unzähligen Messerstichen malträtierte Tote aufgefunden hatte. Das war der Beginn einer Odyssee mit einem Schauprozess, seiner Flucht nach Paris und nach Mexiko und seiner endlichen Rehabilitierung.

In einem Stück großer Literatur erzählt Massimo nicht nur seine unglaublichen Erlebnisse als "Flüchtling", sondern beleuchtet auch eine Epoche der italienischen Gesellschaft, die in Deutschland die "bleierne Zeit" genannt wurde, und deren endgültige Aufarbeitung noch aussteht.

Carlottas Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu.
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5.0 von 5 Sternen Eine kurze aber eindrucksvolle Darstellung des Irrsinns der irdischen Gerichtsbarkeit, 13. Dezember 2012
Von 
Florian Hilleberg (Göttingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Taschenbuch)
Padua, 1976
Durch Zufall findet der 19jährige Massimo Carlotto die Studentin Margherita Magello, die in ihrer Wohnung mit 59 Messerstichen ermordet wurde. Er verständigt umgehend die Carabinieri, die ihn sofort verhaften, in dem Verdacht, dass er der Mörder sei. Damit beginnt für den jungen Mann ein Martyrium von beispielloser Grausamkeit, das ihn physisch und psychisch an seine Grenzen führt. Im Jahr 1978, nach über einem Jahr der Ermittlungen, wird Massimo schließlich freigesprochen, nur um bei der Revision des Oberlandesgerichts doch noch zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt zu werden. Massimo Carlotto flieht nach Paris und von dort weiter nach Mexico City, wo er schließlich an die dortigen Behörden verraten und ausgeliefert wird. Massimo Carlotto lernt als Flüchtling unter Seinesgleichen zu überleben, doch sein Leben im Gefängnis und auf der Flucht hat Spuren auf Körper und Seele hinterlassen.

Massimo Carlotto gilt als einer der besten Kriminalschriftsteller Italiens, doch Berühmtheit erlangte er schon viel früher, als „Der Fall Carlotto“ (Caso Carlotto), der beispiellos in der italienischen Justizgeschichte ist. Ironischerweise wurde dadurch der Grundstein für seine Karriere als Schriftsteller gelegt, denn es ist dieser Roman, seine Geschichte, die Carlotto als erste niederschrieb und veröffentlichte. Womit ich nicht in Abrede stellen möchte, dass er auch ohne diese leidvolle Erfahrung zu einem bemerkenswerten Schriftsteller geworden wäre. Aber vermutlich hätte er dann andere Texte verfasst. „Der Flüchtling“ ist auch die erste Taschenbuchveröffentlichung von Carlotto im Heyne Verlag, die nicht unter dem Label „Heyne Hardcore“ erschienen ist, obwohl der Roman wohl Carlottos härtester sein dürfte, zumindest unter dem persönlichen Aspekt des Schriftstellers betrachtet. „Der Flüchtling“ ist gerade mal 180 Seiten lang und besitzt nicht unbedingt eine klassische Daramturgie. Der eigentliche Fall, wegen dem Carlotto verurteilt wird, wird lediglich in Nebensätzen erwähnt und über das Verhältnis von Carlotto zu der ermordeten Studentin erfährt der Leser überhaupt nichts. Vielmehr geht es dem Autor um die plastische Beschreibung seines Lebens als Häftling und als Flüchtling. Dabei geht er nur bei wenigen Episoden, die ihn nachhaltig beeinflusst haben, ins Detail. Er erwähnt, wie er unter verschiedenen Identitäten in Paris und Mexico City als Heimatloser überlebt hat, immer auf dem Sprung und immer mit der Angst im Nacken entdeckt, verhaftet und ausgeliefert zu werden. Ein Martyrium, das man seinem ärgsten Widersacher nicht wünscht, und zu Recht eine öffentliche Debatte über Justizirrtümer auslöste. Trotz der unkonventionellen, chronologischen Berichterstattung ist Carlottos minimalistischer Stil deutlich erkennbar und gestaltet die Lektüre durchaus kurzweilig, wenn auch erschütternd. Eine dem Roman angeschlossene „Chronik der Ereignisse“ gibt dem Leser eine kurze und bündige Übersicht über den „Fall Carlotto“, von seiner Verhaftung im Jahr 1976 bis zu seinem endgültigen Freispruch im Jahr 1993.
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4.0 von 5 Sternen Der Fall Carlotto, 8. August 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Chronik dieser Justizgeschichte treibt einem die Tränen in die Augen.
1976 findet der neunzehnjährige Massimo Carlotto eine Studentin mit neunundfünfzig Messerstichen ermordet auf. Er wird unter Mordanklage gestellt. Die erste Instanz spricht ihn mangels Beweisen frei, doch das Oberlandesgericht der Provinz Venedig verurteilt ihn 1979 zu achtzehn Jahren Zuchthaus. Das Kassationsgericht lehnt den Revisionsantrag der Verteidigung ab und bestätigt das Urteil. Massimo flieht, erst nach Paris, dann nach Mexiko.
"Der Flüchtling" erzählt von seinen Erlebnissen und Begegnungen aus der Zeit der Flucht. Er beschreibt nicht nur die psychischen und physischen Qualen, die das Leben abseits jeder Legalität im Exil mit sich brachte, sondern auch eine Zeit, in der Gruppierungen verschiedenster ideologischer Anschauungen gegen den herrschenden Feind kämpften. Ich fand das alles ungewöhnlich und sehr interessant. Das Buch steckt auch voller kleiner Anekdoten und liest sich erstaunlich leicht.

Zurück zur Chronik: Absolut erschütternd ist der Irrsinn, dass Massimo, nachdem er von seinem mexikanischen Anwalt verraten und ausgeliefert wurde, erneut in die grotesken Mühlen der italienischen Justiz geriet. 1991 verkündet das Verfassungsgericht seinen Freispruch, doch ein Jahr später bestätigt der Kassationsgerichtshof das Urteil der Provinz Venedig und spricht ihn wieder schuldig. Auf Druck verschiedener Menschenrechtsorganisationen, internationalem Protest und achtzehntausend Unterschriften wird Massimo Carlotto 1993, kurz vor seinem Selbstmord, begnadigt.
Wie die Justiz ein ganzes Leben versauen kann – ein Skandal, der seines gleichen sucht.
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1.0 von 5 Sternen zu verworren und ohne erkennbaren Leitfaden, 17. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Taschenbuch)
Das erste Buch das ich von Massimo Carlotto gelesen habe war "Arrivederci Amore Ciao" von dem ich sehr begeistert bin, daraufhin war ich an der Biografie dieses Autors natürlich interessiert. Leider war "Der Flüchtling" für mich eine Enttäuschung, ich konnte mich mit dem Flüchting nicht identivizieren. Er wechselte ständig die Schauorte, ohne es vorher anzukündigen, warum, wie lange er sich wo aufhielt und eine Kronologie im Verlauf seiner Flucht waren für mich nicht wirklich erkennbar. Ich hatte so den Eindruck, er hat den Leser einfach vergessen, ihm fiel was ein und er schrieb es auf. Ab der Mitte des Buches fing ich an querzulesen, es langweilte mich einfach. Fazit ein Buch das ich mir nicht in Bücherregal stelle.
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1.0 von 5 Sternen Es soll so spannend sein ......, 14. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Taschenbuch)
aber ich finde, es ist durchweg fade. Irgendwie fehlt der "rote Faden" und vieles scheint mir an den Haaren herbeigezogen. Habe das Buch nach der Hälfte weggelegt. Kein Vergleich zu Papillon, was man gar nicht weglegen kann, wenn man mal damit angefangen hat.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ich kann mich den positiven Meinungen nur anschließen, 20. November 2012
Von 
A. Jürgens (Schleswig-Holstein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Gebundene Ausgabe)
Seine Genre sind Thriller und Krimis in denen es um die Mafia, die korrupte Gesellschaft, bestechliche Politiker, das Militär, um Skandale geht, die einen nicht einfach so kalt lassen können, weil sie zu viele reale Bezüge enthalten. Seit seinem Debütroman Il fuggiasco verfasste er etwa 20 Romane, die übersetzten tragen Titel wie Tödlicher Staub, Wo die Zitronen blühen, Banditenliebe oder auch Die dunkle Unermesslichkeit des Todes.

In seinem autobiografischen (Debüt-)Roman erzählt Massimo Carlotto jedoch seine Geschichte, die ihren Anfang 1976 nahm. Damals meldete der linksradikal eingestellte 19jährige Massimo Carlotto den Mord einer Kommilitonin, wurde festgenommen, wegen Mordes angeklagt. Über ein Jahr später wurde er zunächst freigesprochen, dann zu 18 Jahren verurteilt, sein Revisionsantrag 1982 abgelehnt. Carlotto gelang die Flucht, die ihn über Paris nach Mexico führte. Drei Jahre später kam er erneut ins Gefängnis. Bevor seine Begnadigung im Jahr 1993 aufgrund einer Gesetzesänderung aus Mangel an Beweisen erfolgte, musste Carlotto lernen zu überleben. Unter politisch Verfolgten ebenso wie unter Schwerverbrechern. Heute zählt der 1956 in Padua geborene Carlotto zu den erfolgreichsten Krimiautoren Italiens.

Doch zurück zu Der Flüchtling, der im Original bereits 1994 erschienen ist und dazu beigetragen haben dürfte, dass der Autor nach 17 Jahren Exil und Gefängnis als Opfer der Justiz auch über die Grenzen Italiens und diverser Organisationen hinaus bekannt ist. Der Roman beginnt nach seiner Abschiebung aus Mexico und der erneuten Festnahme in Italien. Das Buch lag bedauerlicherweise länger auf meinem SuB. Nicht wirklich ungelesen, aber unbesprochen, weshalb ich es am vergangenen Wochenende ein zweites Mal in Angriff nahm. Gleich vorab: Die Wirkung ist die gleiche geblieben.

Wer erwartet, Genaueres über den Mordfall zu lesen oder denkt, dass Carlotto nur mit der italienischen Justiz abrechnen will, liegt falsch. Stattdessen erfährt man von seinem jahrelangen Untertauchen, der Angst vor Verfolgung, daraus resultierender Panik, Todesangst, schweren gesundheitlichen Folgen.

Die Flucht und das Untertauchen - beides ist nur durch Helfershelfer möglich und man kann Carlotto einerseits getrost beglückwünschen, dass er darauf zurückgreifen konnte. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wohin ich mich im Fall der Fälle so schnell und sicher wenden sollte. In gewisser Weise hatte er auch Glück, weil sich beispielsweise 1985 das internationale Komitee Gerechtigkeit für Massimo Carlotto gründete und in Italien, Frankreich und England aktiv um seine Freilassung bemühte oder ab 1987 auch die Internationale Liga für Menschenrechte für ihn kämpfte, indem sie eine Untersuchung des Falles einleitete und sich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens aussprach. Andererseits half ihm das zwar insgesamt betrachtet, konnte jedoch weder die psychischen noch die physischen Folgen verhindern. Die Jahre, die ihm so genommen wurden, kann ihm niemand zurückgeben, die gemachten Erfahrungen niemand abnehmen.

Unsentimental, geradezu nüchtern und gleichförmig distanziert berichtet der Autor von diesen Erlebnissen. Dennoch werden Verzweiflung und Verfolgungswahn deutlich, fordern zunehmend Raum. Obwohl er unter falschem Namen mit falscher Identität leben kann und dabei durchaus kein vollkommen isoliertes Dasein in einem abgeschlossenen Raum fristet, befindet sich der Autor doch in keiner Gemeinschaft, fühlt sich alleine. Niemand kann den Druck abfedern, der auf ihm lastet und der plötzlichen Entwurzelung geschuldet ist. Der durch falsche Identitäten ebenso wächst wie durch das Fehlen eines sicheren sozialen Milieus. Da hilft es auch nichts, dass seine Familie ihn finanziell in der Fremde unterstützt. Aus Angst vor Entdeckung führt ihn seine Flucht von Paris nach Mexico. Was in Paris zunächst noch recht gut funktioniert, kann in Mexico nicht gut gehen. Dort wird nicht nur der Kontakt zu seiner Familie zunehmend schwieriger bis unmöglich. Zu katastrophal ist auch das damalige Leben dort. Dennoch überlegt Carlotto, ob er die mexikanische Staatsbürgerschaft annimmt. Dazu braucht er jedoch Hilfe. Er vertraut sich dem Falschen an. Der nimmt ihn nicht nur nach Strich und Faden aus, sondern verrät ihn zudem an die dortigen Behörden. Prompt wird Carlotto nach Italien abgeschoben.

Paranoia ist ein Gefühl, das entsteht, wenn wir uns verfolgt fühlen. Es ist keine Paranoia mehr, wenn wir denn tatsächlich verfolgt werden und so scheint der Begriff im Bezug auf den Autoren eindeutig falsch gewählt. Doch ohne dass Carlotto etwas davon ahnt, ist der Haftbefehl gegen ihn auf wundersame Weise verloren gegangen. Niemand sucht nach ihm. Und nur, weil er sich nach seiner Abschiebung bei der Ankunft in Italien selbst stellt, wird er wieder fest genommen.

Es folgen nicht nur für ihn nervenaufreibende Jahre, in denen sein Fall wiederbelebt wird und gleichzeitig unendlich scheint. Carlotto droht zwischen den Mühlrädern der Justiz zerrieben zu werden. Hängt hoffnungslos zwischen Verfahren, Urteilen, Folgeprozessen, Gefängnis und Haftverschonung, ohne dass die Aussicht besteht, dass alles irgendwann einmal ein Ende hat. Ein Gnadengesuch könnte ihm helfen. Allerdings stellt sich die Frage, wie er bereuen soll, was er nicht getan hat. Um es selbst stellen zu können, müsste er jedoch Reue zeigen. All das fordert nicht nur in zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden Tribut, sondern lässt auch Suizidgedanken in ihm aufkeimen. Erst ein entsprechendes Gesuch seiner Eltern sorgt letztlich für seine Begnadigung, nachdem die italienische Gerichtsbarkeit auch auf zunehmenden öffentlichen, teils internationalen Druck nicht bereit war, einzulenken.

In diesem autobiografischen Roman geht es wie eingangs erwähnt, weniger um die juristische Aufarbeitung und Abrechnung mit der Justiz. Die gefühlsmäßigen Folgen der Flucht, des Untertauchens, der elf teils selbst initiierten Prozesse und der Gefängnisaufenthalte stehen im Vordergrund. Zwar wird sehr deutlich, wie die Justiz gegen rechtsstaatliche Denkweisen verstößt. Doch noch viel klarer kristallisieren sich die Folgen aus der eigentlich an sich unspektakulären Tatsache heraus, dass der Autor zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die daraus entstehende alltägliche und sich über viele Jahre hinziehende Tortur füllt die Seiten des 184 Seiten starken Hardcoverbuches sehr nachdrücklich. Bildhaft und erschütternd lässt Carlotto seine LeserInnen daran teilhaben, hebt das Unerträgliche daran gerade durch seinen distanzierten Sprachstil hervor.

Fazit:

Obwohl flüssig geschrieben, lässt sich Der Flüchtling nicht einfach so nebenbei lesen. Dazu erschüttert die Thematik zu sehr. Wer leicht verdauliche Mainstream-Geschichten mag, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Was davon der Fantasie des Autors oder der von ihm erlebten Realität geschuldet ist, weiß vermutlich nur er selbst. Mit Der Flüchtling hat er jedoch einen autobiografischen Roman geschaffen, der auch nach Beendigung der Lektüre für ein überaus unangenehmes Gefühl sorgt, den man nicht so einfach vergisst. Deshalb möchte ich dem Roman fünf von fünf Punkten geben.

2012, Antje Jürgens (AJ)
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5.0 von 5 Sternen Hartes Thema gut geschrieben, 1. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Flüchtling: Roman (Taschenbuch)
Ein derart hartes Thema wie das Leben eines Flüchtlings, der unschuldig verfolgt wird, so gut lesbar geschrieben. Ein Buch, was man gelesen haben sollte, um nicht blind durch unsere Welt zu gehen.
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Der Flüchtling: Roman
Der Flüchtling: Roman von Massimo Carlotto (Gebundene Ausgabe - 1. Juli 2010)
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