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am 13. April 2014
Im ukrainischen Wald Nähe des toten Reaktors von Tschernobyl gelingt es dem FSB dank eines Spitzels einen Mafiaclan zu eliminieren. Vor der somalischen Küste wird dezent Müll im Meer entsorgt. In Indien muss eine mutige Reporterin wegen ihrer Recherche zu illegalem Organhandel mit dem Leben bezahlen. Im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Argentinien gerät ein übermütiger Drogenmittelsmann in die Schusslinie chinesischer Banden. Massimo Carlotto lässt all diese Ereignisse in Marseille in einem cleveren Gestrüpp von Geheimdiensten, Polizei, Mafiosi und Wirtschaftskriminellen zusammenlaufen.

Es messen sich ein Team unorthodoxer Polizisten, die wegen ihrer korrupt-kriminellen Vergangenheit nichts zu verlieren haben und dank der cleveren Kommissarin Bernadette Bourdet – genannt B.B. - einige Erfolge verbuchen können. Eine Gruppe hochbegabter Wirtschaftsstudenten, die glauben, den ultimativen Plan internationaler Gaunerei entwickelt zu haben und zunächst Millionen von Euros auf ihren Konten verbuchen. Lokale Drogenbosse, die ihr Geschäft in Gefahr sehen und ihren Weg mit Leichen pflastern. Eine kleine, aber feine Gesellschaft aus angesehenen Mitgliedern der französischen Gesellschaft, die bestens vernetzt sind und ebenfalls ein Interesse daran hegen, dass ihre nicht ganz sauberen Geschäfte ungestört weiterlaufen.

Ein anspruchsvoller Wirtschafts- und Drogenthriller, der hochkomplex die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Viele Figuren interagieren parallel, unterschiedliche Schauplätze, Handlungsstränge und illegale Machenschaften wechseln sich in rasantem Tempo ab und die Zusammenhänge zeigen sich erst nach und nach. Jeder glaubt jedem einem Schritt voraus – doch Carlotto führt sie alle in die Falle und wartet am Ende mit einem verblüffenden Finale, das alles in diesem Genre in den Schatten stellt.
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am 27. September 2013
Das Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser direkt in das möderische Geschehen geworfen und während man noch überlegt, wie wahrscheinlich das Geschehen an Schauplatz eins (Details möchte ich nicht verraten) ist, werden in rascher Reihenfolge weitere Schauplätze des Verbrechens - genauer gesagt der organisierten Kriminalität - "vorgestellt". Es ist nun so, dass die einzelnen Organisationen ihre Machenschaften nicht mehr länger nur in einem Stadtviertel, ein Land oder gar Kontinent ausüben, sondern bekannten Heimatbasen verlassen, um ihr Geld noch schneller bzw. noch gewinnbringender einzusetzen.
Im Fokus des Buches stehen zum einen vier ehemalige Studienfreunde, die sich geschworen haben, sich aus der Enge und den veralteten Strukturen ihrer Familien zu befreien und schneller, eleganter ein großes Vermögen zu machen, dass sie aus allen Abhängigkeiten befreit und unangreifbar macht. Ein weiterer Fixpunkt ist BB eine Polizistin, die auf Grund ihres Vorgehens gegen die "Elite" (Politiker, Anwälte, Geschäftsleute) der Stadt in Ungnade gefallen ist und nun trotz alle dem versucht der anwachsenden Kriminalität Einhalt zu bieten.
Alle Figuren bestechen durch eine gewisse Vielschichtigkeit in der Gut und Böse zu finden sind. Durch die Tatsache, dass in diesem Fall nicht unbedingt der Bessere oder das Gute gewinnt, bleibt das Buch bis zum Ende glaubhaft.
Unbedingt empfehlenswert.
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am 23. September 2013
Auf der Rückseite des Buches steht: Eine Gang aus der brillanten Verbrechern macht Marseille unsicher. Ihre Gier nach Reichtum und Macht ist grenzenlos. Nur eine durchschaut ihr Spiel: Kommissarin Bernadette Bourdet, kurz B. B.

Nach dem Lesen dieser Zeilen erwartet man einen Krimi oder Thriller mit Tätern in Nadelstreifen". Statt dessen macht die o. g. Gang nicht mal die Hälfte des Buches aus. Das Buch beginnt mit einigen Kapiteln, die als Überschrift nur Koordinaten haben. Macht man sich die Mühe, nachzuschauen, dann verteilen sich diese Koordinaten über die ganze Welt von Russland bis nach Südamerika. Der Inhalt der Kapitel allerdings ähnelt sich. Vorgestellt" oder Haupthandelnde sind diverse Verbrecher verschiedener Länder, Größe und Nationalität. Sie eint eines: alle sind sie skrupellos und brutal und ein Teil von ihnen wird sich dann aus verschiedenen Gründen in Marseille finden.

Mir hat das Buch überhaupt nicht gefallen. Keine Seite ohne diverse Morde oder Vergewaltigungen. Manchmal hatte ich das Gefühl ich bin in einem Computer-Baller-Spiel", je mehr Tote, desto besser. Auch die Kommissarin und ihre 3 Untergebenen sind nicht viel besser, brutal mit einigen Tätern zusammenarbeitend, um größere Täter zu erwischen. Das alles hinterließ einen faden Geschmack bei mir, obwohl der Schreibstil nicht schlecht war. Der Inhalt aber hat mich abgestoßen.
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am 21. Oktober 2013
Wie immer in den Romanen des Italieners Massimo Carlotto geht es um Sex und Drogen, Gewalt und Korruption. Neu sind diesmal das Thema Organhandel und die Globalisierung sowie der Schauplatz Marseille, Europas Kulturhauptstadt und gleichzeitig Hauptstadt des Verbrechens.

Es ist die Geschichte von vier ehemaligen Elitestudenten: Sosim, Sunil, Giuseppe und Inez. Sie kommen nach Marseille, um die Welt zu erobern. Ihre Gier nach Reichtum und Macht ist grenzenlos. Sosim ist Russe und verlegt zur Tarnung Unterseeleitungen. Inez kommt aus der Schweiz und ist für die Finanzen zuständig (und für Sosim). Der Italiener Guiseppe besitzt eine Klinik, in der Organtransplantationen durchgeführt werden. Sunil, der aus Indien stammt, besorgt die Organe...

Auf Seiten der Polizei ermittelt die unkonventionelle Kommissarin Bernadette Bourdet, genannt BB. Doch auch sie hat eine Menge zu verbergen. Wer ist gut, wer ist böse? Bei Carlotto sind die Grenzen fließend. "Die Marseille-Connection" ist dennoch ein typischer Carlotto: düster, hoffnungslos und unglaublich real. Carlottos Sprache ist kurz und knackig, sein Ton kraftvoll und radikal. Auf 240 Seiten kein Wort zu viel, keins zu wenig. Ganz im Stile eines Roman Noir. Sehr lesenswert!
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am 11. September 2015
Wer die Lebensgeschichte Massimo Carlottos kennt, kann sich auch ein Bild seiner Sicht auf die Welt machen. Er wurde zu Unrecht zu 18 Jahren Haft verurteilt und war in der Folge 5 Jahre auf der Flucht und 6 Jahre in Haft. Er musste 11 Prozesse ausfechten, um schließlich, 15 Jahre nach der Verurteilung, aufgrund des starken öffentlichen Drucks, begnadigt zu werden. Es fällt nicht schwer, daraus eine persönliche Verbitterung und eine konkrete Verurteilung des Systems (v.a. des Justizsystems) abzuleiten. Und somit das Bild einer Welt, die der Korruption anheimgefallen ist.
Dieses Bild spiegelt sich im vorliegenden Thriller/Krimi wieder.
Das Cover: es handelt sich um die Skyline Marseilles. Hier spielt der Wirtschaftsthriller. Das Cover ist in schwarz-weiß gehalten.
Das Weltbild: es ist ein Bild der Welt als skrupelloses, korruptes Gefüge, in dem selbst die vermeintlich Guten mit unlauteren Methoden arbeiten müssen, um zu überleben.
Die Jugend: es handelt sich einerseits um eine belesene, gebildete, gar hochbegabte Jugend. Einer Jugend jedoch, die sich andererseits durch ihre unsägliche Gier, ihre fehlende Moral und ihr Machtstreben um jeden Preis auszeichnet.
Als logische Folge daraus gehören auch die Protagonisten zu dieser machtgierigen Jugend, die bei Bedarf auch über Leichen geht. Die vier ehemaligen Kommilitonen Sosim Katajew (alias Aleksandr Peskow), Sunil Banerjee, Giuseppe Cruciani und Inez Theiler machen sich die Welt zu Eigen. Sie legen sich dafür sogar mit der russischen Mafia an, um die eigenen Machenschaften verfolgen zu können. Die Globalisierung spielt ihnen bei ihrer Zielsetzung in die Hände.
Sosim ist Wirtschaftsexperte und Kopf der Gang, Sunil der Gründer, Guiseppe Inhaber der Klinik, die den Organhandel betreibt, und Inez kümmert sich um die Finanzen der Gang (und um Sosim). Ein perfektes Ensemble, um die Welt mit Organhandel, Betrug, Geldwäsche und Ökokriminalität weiter zu vergiften.
Nur die ermittelnde Kommissarin Bernadette Bourdet durchschaut das Spiel. Allerdings ist auch sie zwischenzeitlich gezwungen, zu unlauteren Mitteln zu greifen, um den Verbrechern das Handwerk zu legen. Bourdet ist ohnehin nicht unbedingt den „Guten“ zuzuordnen. Es gibt in diesem Zusammenhang kein „Gut und Böse“. Es handelt sich vielmehr um eine untrennbare Vermischung von Beidem, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint.
Der Thriller/der Krimi hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und mitgerissen. Er malt ein düsteres Zukunfts- (und/oder Gegenwarts-?) Szenario von Morallosigkeit und düsteren Machenschaften auf der internationalen Bühne. Vor Allem die Tatsache, dass ein Thriller, der von Wirtschaftskriminalität handelt, so spannend sein kann, hat mich überzeugt.
Ich will dabei nicht ausschließen, dass der Inhalt bereits Realität ist. Ganz im Gegenteil. Das ist selbstverständlich der schockierende Teil der Geschichte. Daher gilt mein „begeistert“ auch nur, sofern es gelingt, die realistische Komponente beim Lesen kurzfristig auszublenden… und sich mit der trostlosen Realität später intensiv auseinanderzusetzen.
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am 13. November 2014
Marseille, die strahlende Stadt am Mittelmeer wird von Massimo Carlotto so ganz anders beschrieben. Sie entspricht bei ihm eher einem monströsen Rattennest.
Aber es gibt Leute die dieses Nest lieben, Kommissarin Bourdet ist so Eine. Eine die verhindern will das noch mehr Illegale ihre schöne Stadt drogentechnisch unter sich aufteilen, lieber arbeitet sie mit den hiesigen Mafiosi, als zuzusehen das Marokkaner, Mexikaner und Paraguayer sich die Klinke in die Hand geben, mal ganz abgesehen von den Osteuropäern. Also versucht sie die frisch Eingereisten abzufangen und in ihre Dienste zu stellen. Ein Opfer ist schnell gefunden, der mit Koksbeutel vollgestopfte Juan Santucho wird von seinem hiesigen Chef nach Europa „weggelobt“, und fällt der ruppigen Kriminalistin glatt in die Hände. Aber nicht nur Kleinkriminelle tummeln sich im Rattennest, der FSB, verschiedene Terrorgruppen ehemaliger Sowjetstaaten bzw. deren frühere „Brüder“ und auch eine multinationale Krawattengang mischen mit, zusammen mit all den korrupten Beamten, Finanziers, Wirtschaftsexperten und Baulöwen.

Massimo Carlottos Roman ist schmutzig, dreckig, ohne Licht und von einer melancholischen Hoffnungslosigkeit geprägt. Irgendwie beschlich mich beim Lesen mehrmals das Gefühl, duschen gehen zu müssen, um all den Dreck abzuwaschen, der förmlich zwischen den Seiten klebt. Es gibt keine Gewinner, nur große und kleine Verlierer. Wobei, bis auf die Kommissarin und teilweise die Agentinnen, die Frauen am schlechtesten wegkommen. Sie stehen in der Unterwelt ganz unten. Das beschreibt der Autor fast beiläufig und trotzdem prägt es sich ein. Die Geldmacherei die Carlotto beschreibt möchte ich mir gar nicht in der Realität ausmalen, ich fürchte aber es könnte mehr als ein Fünkchen Wahrheit dran sein, denn ich hatte immer das Gefühl der Autor weiß ganz genau worüber er schreibt. Die Geschichte ist derart komplex mit vielen unterschiedlichen Protagonisten und wechselnden Handlungsorten regelrecht vollgestopft und trotzdem kann man dem gesponnenen Faden des Autors folgen.
Ein bitterböser Roman über das Haifischbecken Kriminalität. Wer mit schwimmt gewinnt nie.
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TOP 1000 REZENSENTam 2. Januar 2014
An alle interessierten Leserinnen und Leser!!! Kauft dieses Buch auf keinen Fall wegen des Klappentextes und/oder des Titels. Beides hat nur WENIG mit dem Inhalt zu tun!
Gleich zu Beginn habe ich mich bereits gewundert, weshalb die Kritiken zu diesem Buch doch verhältnismäßig schlecht ausgefallen sind, denn Masssimo Carlotto hat einen klaren, schnörkellosen und packenden Stil, der mich schon in seinem vorhergehenden Buch 'Banditenliebe' (gibt es da keinen Nachfolger?) begeistert hat. Und an diesem Stil hat sich auch nichts verändert. Anhand diverser Verbrecherkreise und einer Kommissarin (die sich in ihren Methoden jedoch nur sehr unwesentlich von ihren 'Kunden' unterscheidet), deren Wege sich im Laufe des Buches kreuzen, wird ein Teil der Gesellschaft Marseilles beschrieben, den wohl nur die Wenigsten von uns kennen. Die äußerst ungewöhnliche Kommissarin versucht mit ihren eigenen und selten legalen Methoden eine Gruppe von korrupten Geschäftsmännern und Politikern zu überführen und gleichzeitig die Latinogruppen in ihrem Viertel aus dem Drogengeschäft zu drängen. Dabei benutzt sie ohne Skrupel einen kleinen mexikanischen Kokainschmuggler, der sich unter ihrer Aufsicht ins Geschäft drängt, dabei aber glaubt, auf eigene Rechnung handeln zu können. Zeitgleich sind vier junge, hoch intelligente erfolgreiche Ökonomieabsolventen dabei, ihr illegal erworbenes Vermögen schnellstmöglich zu vermehren - egal auf welchem Weg. Dass einer dabei dem russischen Geheimdienst FSB als Agent dienen muss, ist momentan irrelevant - irgendwie wird man sich des FSB zu gegebener Zeit entledigen. Doch dieser hat neben der Überwachung seines Agenten noch ganz andere Ziele...
Wer nun (gerade anhand des Klappentextes) eine klare durchgehende Kriminalgeschichte erwartet, wird von dieser Lektüre vermutlich nicht so begeistert sein. Denn klar und durchgehend ist sie nur hin wieder. Auch der Originaltitel weist darauf hin: Respiro corto heisst mehr oder weniger 'Kurzatmig', was sehr gut zu diesem Buch passt. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive und man muss gerade zu Beginn etwas Konzentration aufbringen, um die Personen einigermaßen auseinanderhalten können. Dann bietet sich aber eine wirklich spannungsreiche und fesselnde Geschichte, die einen beim Lesen so richtig in die Unterwelt eintauchen lässt ;-)
Aber wie schon beim letzten Buch ein kleiner Haken: Es ist einfach viel zu kurz!!! Der Stoff hätte locker auch für zwei- bis dreihundert Seiten mehr gereicht.
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TOP 500 REZENSENTam 19. November 2013
Die Biografie des italienischen Autors Massimo Carlotto bietet genügend Stoff für einen Kriminalroman: Mitglied der Lotta Continua, bereits früh im Visier der Polizei, fünf Jahre auf der Flucht, elf Prozesse, sechs Jahre inhaftiert und schließlich begnadigt. Dass er kein gutes Haar an dem System und dessen Repräsentanten lässt, ist wohl nicht weiter verwunderlich.

Carlotto hat viel zu sagen, macht aber nur wenig Worte. Im Mittelpunkt seiner Romane steht immer die organisierte Kriminalität, wobei sein Heimatland zu diesem Thema wahrlich genügend Stoff liefert. Für seinen neuesten Thriller "Die Marseille-Connection" hat er allerdings als Handlungsort die südfranzösische Hafenstadt gewählt. Als Hintergrund sehr passend, da hier Kriminelle aus aller Herren Länder zusammentreffen: Sosim, ein Russe, Sunil, ein Inder, Giuseppe, ein Italiener und Inez, eine Schweizerin - sie kennen sich seit ihren Studienzeiten im englischen Leeds und bilden die Dromos-Gang. Skrupel kennen sie keine und haben ihre Hände in allem, was Profit verspricht, ganz gleich, ob Drogen, Prostitution, Organhandel, Korruption oder Geldwäsche. Ihre Kontrahenten von der Polizeibrigade Anti-Criminalité werden von Kommissarin Bernadette Bourdet, kurz BB genannt, angeführt. Die Guten und die Bösen sind nicht so leicht zu unterscheiden, denn die Methoden von Jägern und Gejagten unterscheiden sich kaum.

Mich erinnert die Art und Weise, wie Carlotto seine Geschichten aufbaut und seine Figuren charakterisiert, sehr stark an die herausragenden Romane der französischen Historikerin und Krimiautorin Dominique Manotti. Wie diese zeichnet der italienische Autor das triste, düstere Bild einer globalisierten Gesellschaft ohne Hoffnung, die gerade nach der Finanzkrise von der Gier nach dem schnellen Geld geprägt ist, wofür ohne Moral über Leichen gegangen wird und sich die wirklichen Verbrecher nicht mehr in dunklen Ecken herumtreiben, sondern längst mit Anzug und Krawatte in den Vorstandsetagen der großen Konzerne und Banken sitzen.

Der Autor will nicht nur unterhalten, er will seine Leser aufrütteln und aufklären. Das macht er schonungslos und hart, in einer klaren, direkten Sprache, die perfekt zu dem passt, was er zu sagen hat. Ganz großes Kino!
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Die Biographie des 1956 in Padua geborenen Autors Massimo Carlotto liest sich selbst wie ein Krimi: 1976 entdeckte der 19-Jährige, der mit der extremen Linken sympathisierte, eine ermordete Studentin in ihrer Wohnung. Als er die Carabinieri informierte, geriet er selbst unter Mordverdacht, denn seine Unschuld konnte er nicht beweisen. Carlotto floh noch vor der Verkündung des Urteils, ging erst nach Paris, dann nach Mexiko, wo er gefasst und nach Italien ausgeliefert wurden. Ein venezianisches Gericht verurteilte ihn zu 18 Jahren Haft. Nach einer fünfjährigen Flucht verbrachte er sechs Jahre als vermeintlicher Mörder im Gefängnis. Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde das Urteil 1993 aufgehoben und Carlotto schließlich begnadigt.

1995 erschien sein Roman „Il fuggiasco“ („Der Flüchtling“), in dem er über diesen spektakulären Skandal berichtet.

In „Die Marseille Connection“ widmet er sich der gnadenlosen globalen Kriminalität. Im Zentrum steht die Unterwanderung der Wirtschaft durch das organisierte Verbrechen: Marseille, Metropole zwischen Afrika und Europa, wird zur Begegnungsstätte internationaler Superschurken. Es geht um Organhandel, Korruption, Prostitution und Drogen.

Der junge Russe Sosim Katajew wird von einem Mafiaboss gefördert, der ihm sogar das Studium der Betriebswirtschaft finanziert. Später verkauft er kontaminiertes Holz aus Tschernobyl für den Clan. Doch der studierte Wirtschaftsexperte ist gleichzeitig Mitglied des Inlandsgeheimdienstes der Russischen Föderation (FSB). Er tötet seinen Gönner, bringt das Vermögen an sich und zerstört schließlich die Organisation. Anschließend wird er vom FSB mit einem neuen Auftrag nach Marseille geschickt.

Allerdings spielt Sosim erneut ein falsches Spiel. In Wirklichkeit ist er Teil der vierköpfigen, internationalen Dromos-Gang, die unter Führung des Inders Sunil Banerjee eigene Ziele verfolgt. Bei den beiden anderen Mitgliedern handelt es sich um Sosims schweizerische Geliebte Inez Theiler, die als Bankerin für die Finanzen zuständig ist, und um den auf illegalen Organhandel spezialisierten Italiener Guiseppe Cruiciani. Die vier kennen sich seit ihrer Studienzeit in Leeds.

Nach außen treten sie als ehrbare Geschäftsleute auf. In Wahrheit sind sie Verbrecher in Nadelstreifen, die ihre Fähigkeiten und ihre kriminelle Energie bündeln. Ihre Ziele? Reichtum, Macht und Einfluss.

In Marseille treffen sie auf die Polizeibrigade Anti-Criminalité, die gegen die organisierte Kriminalität kämpft. Allerdings sind auch Kommissarin Bernadette Bourdet, genannt BB, und ihre Assistenten Adrien Brainard, Gérard Delpech und Baptiste Tarpin moralisch-ethisch gesehen keine Lichtblicke. Ihre Methoden sind nicht minder brutal. So nutzt BB einen korsischen Mafiaboss und einen paraguayischen Killer, einen Drogenkurier, für ihre Zwecke... Am Ende werden ohnehin andere die Lorbeeren für ihren Einsatz einsammeln.

Massimo Carlotto zeichnet ein hoffnungsloses Bild: Das globale Verbrechen hat die Welt fest im Griff. Gegen eine derartige Skrupellosigkeit gibt es kein Ankommen. Düster, hart und schonungslos präsentiert er die Schattenseiten unserer globalisierten Welt, gegen die Politik und staatliche Organisationen machtlos sind.
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am 30. September 2013
Inhaltsangabe:

Der Russe Sosim, der Italiener Giuseppe, der Inder Sunil und die Schweizerin Inez haben sich auf der Universität in Leeds kennengelernt – und dort haben sie auch beschlossen, ihr Wissen aus dem Ökonomie-Studium in einer ganz anderen Art einzusetzen als vorgesehen: sie wollen bei den ganz großen Wirtschaftsverbrechen mitmischen. Doch in Marseille bekommen sie es mit einer Realität zu tun, welche alle Theorie sprengt: ein korsischer Mafiaboss, korrupte Beamte, ein südamerikanischer Drogenhändler, der in der Stadt Fuß fassen will und nicht zuletzt Kommissarin Bourdet, die ihr Marseille schützen will, wenn auch mit ganz eigenen und nicht immer ganz legalen Methoden ...

Der erste Satz:

Die Wölfe strichen unter dem Riesenrad entlang und näherten sich gegen den Wind der Autoscooter-Anlage.

Meine Meinung zum Buch:

Der Autor hat hier eine sehr komplexe Geschichte erdacht, welche dem Leser einige Konzentration abverlangt. Immer neue Zusammenhänge tauchen auf, immer schneller werden Seiten gewechselt und immer stehen die jeweils eigenen Interessen der handelnden Personen im Vordergrund. Dafür geht man ohne Bedenken über jede Leiche – egal ob Freund oder Feind, egal ob Polizei oder Verbrecher.

Mich hat beim Lesen fasziniert, wie die Verbrecherwelt beschrieben wurde. Wenn es auch keine „normalen“ Menschen in dem Buch gibt (und es gibt sicherlich in Marseille viele davon), so verstärkt sich durch diese Konzentration das Bild, das man von der „Szene“ bekommt. Erschreckend und glaubwürdig war die Brutalität, mit der vorgegangen wird und ich kann mir auch vorstellen, dass die Polizei mit „normalen“ Ermittlungsmethoden auf verlorenem Posten stehen würde – auch wenn das gegen mein persönliches Rechtsempfinden geht.

Eine sympathische Figur darf man nicht erwarten, auch Kommissarin Bourdet ist mir zu hartgesotten und hängt zu sehr am „Zweck, der die Mittel heiligt“, um positiv zu wirken. Allerdings erfahren wir auch zum Teil, warum sie so wurde, wie sie jetzt ist – und das lässt den Leser zumindest verstehen, warum sie tut, was sie tut.

Die übrigen Figuren sind eher flach charakterisiert, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Sie definieren sich durch das, was sie sind und was sie tun und man hat ein ziemlich gutes Bild von ihnen vor sich. Und spannend ist das Buch auf jeden Fall, denn als Leser möchte man unbedingt wissen, wer hinter welchem Ereignis steht und wie die Gegenseite darauf reagieren wird – und natürlich wollte ich wissen, ob hier am Ende das Gute glaubwürdig siegen kann bzw. ob es in so einer Welt überhaupt ein gutes Ende geben kann.

Ich fand das Buch hoch interessant, denn es gewährt einen Einblick in eine Welt, die man kaum kennt – zum Glück.

Meine Bewertung: Buchtipp!
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