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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine faszinierende Biographie im 20. Jahrhundert
'Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich.'

Wem dieser Anfang schon skuril erscheint, der wird im Laufe der Lektüre feststellen, dass der Autor dies noch um einiges weiter treiben kann. Herbjörg ist 80 Jahre alt, sie ist die Enkelin eines ehemaligen isländischen...
Veröffentlicht am 25. September 2011 von leserattebremen

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Matratzenhyäne
Mit „Hella“ begann der Isländer Hallgrímur Helgason bereits 1990 seine Schriftstellerkarriere, bekannt wurde er hierzulande mit seinem 2002er Roman „101 Reykjavík“, der auch verfilmt wurde. Helgason arbeitete nebenher auch als Autor für Hörspiele, Essays und Theaterstücke und trat als Stand-up-Comedian auf. Der...
Veröffentlicht am 12. April 2013 von MissVega


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38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine faszinierende Biographie im 20. Jahrhundert, 25. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
'Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich.'

Wem dieser Anfang schon skuril erscheint, der wird im Laufe der Lektüre feststellen, dass der Autor dies noch um einiges weiter treiben kann. Herbjörg ist 80 Jahre alt, sie ist die Enkelin eines ehemaligen isländischen Präsidenten und hat eine bewegte Lebensgeschichte, auf die sie in diesem Roman zurückblickt. In Island, Dänemark, Deutschland und Argentinien hat sie Zeit verbracht, die furchtbaren Seiten des Zweiten Weltkriegs am eigenen Leib miterleben müssen, vier Kinder geboren, von denen nur drei überlebt haben. Besuch bekommt sie jetzt mit 80 in ihrer Garage aber kaum noch, nachdem die Kinder ihr Haus verkauft haben und versuchten, sie in ein Pflegeheim abzuschieben, aus dem sie abgehauen ist. Und so liegt sie jetzt da, mit ihrem Laptop und der Handgranate, die ihr Vater ihr vor Jahren gab, um sich im Notfall verteidigen zu können, und lässt ihr Leben für uns Leser Revue passieren.

All dies beschreibt Hallgrímur Helgason mit einer bildhaften und gleichzeitig harten Sprache, die einen beim Lesen immer wieder schlucken lässt, wenn die krebskranke Frau den Angriff der Krankheit auf ihre Organe mit dem Vorrücken der deutschen Wehrmacht vergleicht und von Vergewaltigungen während ihrer Flucht im Krieg berichtet. Herbjörg ist ganz sicher keine nette ältere Dame von nebenan, im Gegenteil, sie ist ziemlich durchtrieben, wenn sie zum Beispiel das Mailpostfach ihrer Schwiegertochter hacken lässt, um rauszufinden, ob die ihren Sohn betrügt. Dennoch fühlt man mit ihr auf ihrer Reise durchs Leben, die skurile alte Dame wächst einem während der Lektüre ans Herz und um so stärker wirken ihre Erlebnisse. Der Stil des Autors ist einzigartig und die sprachlichen Elemente, der Reichtum an Bildern und Metaphern beeindruckend. Obwohl die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird sondern wild durch das 20. Jahrhundert springt, kann man ihr problemlos folgen.

Die Geschichte von Herbjörg ist sicher kein Buch, dass man beendet hat, wenn die letzte Seite gelesen ist, sondern eines, das einen begleiten kann und in dem bei erneutem Lesen immer neue Dinge ins Auge springen, so facettenreich ist das Leben dieser isländischen alten Dame.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein hervorragendes Buch aus Island, das lange nachwirkt, 25. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Die Buchrückseite zeigt folgendes Zitat des Buches: "Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit meinem Laptop und einer alten Handgranate. Wir haben es wahnsinnig gemütlich." Für viele ist das vielleicht schon zu schräg und sie werden das Buch beiseite legen, aber manch andere macht das Buch bestimmt neugierig. So wie mich und ich wurde keineswegs enttäuscht, ganz im Gegenteil sogar!!! Denn so schräg ist es gar nicht, es ist eine sehr traurige Geschichte.

Herbjörg Maria Björnsson ist eine 80-jährige, schrullige Frau, die aus ihrer Garage heraus mit dem Leser eine Reise in die Vergangenheit macht. Sie schreibt ihre Memoiren und erzählt dem Leser von Erlebnissen aus dem Zweiten Weltkrieg, von ihren Liebschaften und vielen Bekanntschaften, von ihrem Leid, dass sie erfahren musste, von ihren drei Söhnen, zu denen sie keinen wirklichen Kontakt hat sowie von ihrem bevorstehenden Tod.

Hallgrimur Helgason ist meines Erachtens ein ziemlich genialer Schriftsteller, der sein Buch sehr facettenreich gestaltet hat. Dieses Buch ist zugleich komisch, aber auch sehr tragisch. Auf der einen Seite muss man laut lachen, auf der nächsten Seite kommen einem die Tränen. Mit Herbjörg Maria Björnsson hat er einen sehr vielschichtigen Charakter geschaffen, den man zu Anfang sehr schrullig und schräg findet, manchmal sogar für verrückt erklärt, mit dem man aber gegen Ende nur noch Mitleid empfindet. Was hat diese Frau in ihrem Leben durchgemacht...

Den Großteil des Buches befinden wir uns in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Hallgrimur Helgason schildert den Zweiten Weltkrieg aus einer ganz anderen Perspektive, weder aus der Perspektive eines Deutschen noch aus der Perspektive eines Juden, sondern aus der Perspektive einer Isländerin. Interessant war dabei die geschichtliche Entwicklung Islands, bspw. die Abnabelung der Islands von Dänemark, die Besetzung durch die Amerikaner, usw. Wissenswertes für die Allgemeinbildung...

Der Autor widmet einige Kapitel der Gesellschaft, betrachtet diese sehr sozialkritisch und stellt dabei sehr interessante Thesen auf. Das hat wohl dazu beigetragen, dass man dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen konnte. Mich hat dieses Buch in vielerlei Hinsicht sehr zum Nachdenken angeregt.

Zu guter Letzt möchte ich ein großes Kompliment an den Übersetzer aussprechen, der, soweit ich das beurteilen kann, durch hervorragende Wortwahl die Intentionen des Autors an den Leser weitergeben konnte.

Ein hervorragendes Buch aus Island.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schräg, eigen und Femme Fatal mit 80, 5. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich ihr Leben lang war Herbjörg Maria Björnsson, durch einen Sprachfehler einer Bediensteten 'Herr' genannt und durch einen unglückliches Traditionsverständnis als eine der wenigen Isländerinnen mit dem Namensbeisatz 'Son' versehen bei 1000 Grad.
Das hört auch jetzt mit 80 Jahren als 'krankes Klappergestellt', als 'gammelnder Garagengötze' (sie lebt in einer ausgemusterten Garage in ihrem Krankenbett mit ihrem altersschwachen, aber surfbereiten Laptop samt diverser 'gefakter' Facebookaccounts) keinesfalls auf. Und das nicht nur wegen der zwei Schachteln Pall Mall am Tag und weil es ihrer Gewohnheit entspricht, eine deutsche Handgranante aus dem zweiten Weltkrieg unter ihrer Bettdecke verstaut zu halten. Nein, 1000 Grad scheint die lebenslang vorhandene 'Hitze' der Herbjörg gewesen zu sein. Sei es mit ihren 'Jonskerlen', mit denen diverse Ehen und einige gemeinsame Kinder im Raume stehen, sei es mit ihren vielfältigen Eigenarten, schon zu Zeiten, in denen 'Emanzipation' ein unbekanntes Fremdwort war, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Mit Wein, (oder härterem), Männern und Gesang. Als Enkelin des ersten isländischen Präsidenten und zugleich versehen mit dem, was man als 'äußerst loses Mundwerk' bezeichnen könnte, zieht sie ihre Bahnen durch das letzt Jahrhundert von 1929 an bis zum Jahre 2009 und ist nun, kurzatmig, bettlägerig, klapprig, todgeweiht immer noch mit scharfer Zunge und klarem Verstand per Internet in emsigen Kontakt mit der 'Welt da draußen', auch wenn sie immer wieder (assoziativ und nicht unbedingt chronologisch geordnet) in den 'alten Geschichten versinkt'.

Da, wo John Lennnon sie küsste und nur deswegen nicht mehr daraus wurde, weil ihr just in diesem Augenblick so traurig zumute wurde ob des frühen Todes ihrer ersten Tochter, die im alten von drei Jahren von einem Auto überfahren wurde. Oder bei der kurzen Begegnung mit Jean Paul Sartre auf dem Gang zur Toilette im Pariser Bistro, wo Herbjörg aber ganz gerne dem 'gierigen Blick' auswich (und kein gutes Haar an Sartre und Beauvoir lässt).

Ein pralles Leben auch (aber nicht nur) mit der Prominenz der Zeit, immer mit großer Bugwelle versehen, auf die Härten des Lebens ungefiltert prallend, zudem mit rabenschwarzem Humor, konsequentem Zynismus und spitzer Zunge gesegnet. Ein pralles Leben damals und jetzt, in das der isländische Comedian und Autor Helgason den Leser wie auf einen unermüdlichen Ritt mitnimmt.

Herbjörg, die unter anderem den Namen und das Bild einer ehemaligen 'Miss' sich zu eigen gemacht hat, um dem ein oder anderem Mann bei Facebook zur eigenen Freude romantische (und darüber hinausgehende) Gedanken zu entlocken. Die in ihrer Garage daliegt wie eine 'bedürfnislose Leiche', die abwechselnd 'auf den Tod oder auf jemanden mit einer lebensverlängernden Spritze wartet', Herbjörg hat gelebt. Aus dem Vollen. Aber mit ihr wurde auch gelebt. Mit Härten. Und der Teer und nikotingeschwängerte Atem reicht immer noch, der drallen Pflegerin Loa zu erläutern, endlich mal einen 'ranzulassen', denn die 'Brunftzeit vergeht'. Und wer mit 80 Jahren als Facebookstatus 'is killing dicks' angibt, der wird über Brunftzeiten ja durchaus Bescheid wissen. Mit allen Wassern gewaschen auch im Blick auf den Rest des Lebens ist Herbjörg übrigens selbstredend auch. Ihre undankbare Bagage hält sie per Net unter strikter Beobachtung und liefert sich beileibe nicht hilflos aus.

So laufen die Seiten des Buches wie aus einem Guss, mit großem sprachlichen Witz und jederzeit den Leser faszinierend voran. Schwenken aus der Gegenwart der 80jährigen ab in die diversen Jahrzehnte eines prall gefüllten Lebens, dies allerdings eher assoziativ und (zum Glück, denn die Gegenwart ist noch spannender als all die Erlebnisse der Vergangenheit) nicht als 'Buch im Buch'. Trotz des hohen Sprachwitzes und des knochentrockenen Zynismus der alten Dame, was sie erlebt, was alles passiert, das bildet auch die Härten der Zeit ab, da finden sich vielfach wunde Stellen der Trauer unter der brettharten Schale der Greisin. Emotionen, die Helgason in umwerfender Weise in Sprache zu bannen versteht und die einen das Buch nicht aus der Hand legen lassen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herbjörg, ich ziehe den Hut vor dir, 21. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Wie oft ich während des Lesens dieses Romans das Cover betrachtet habe, weiß ich nicht. Selten war eins besser getroffen, als dieses. Ein beeindruckendes Gesicht versteckt die Augen hinter einer dicken Brille, damit ich nicht tiefer hineinsehen kann. Eine unangezündete Zigarette und rosa schimmerndes Haar deuten auf einen unbeugsamen Charakter hin und den hat sie - Herbjörg Maria Björnsson. Aus ihrem Krankenbett, das in einer Garage steht, ist sie über das "Facebuch" mit der Außenwelt verbunden. Viele Freunde aus der ganzen Welt halten den Kontakt zu ihr und lieben sie. Dass sie ihr Profil nicht ganz wahrheitsgemäß so zurechtbog, wie es gerade passte, ist eine Kleinigkeit, bei der sich Herbjörg nicht aufhalten will. Die 80jährige überlässt nichts dem Zufall und hat sich schon einmal ein warmes Plätzchen bei einem Bestattungsunternehmen bestellt. Der Termin ist ausgemacht und die Versicherung der Angestellten, dass zum genannten Zeitpunkt ordentlich eingeheizt sein wird, beruhigt Herbjörg sehr. Die verbleibende Wartezeit vertreibt sie sich mit ihrem ständigen Begleiter - einer Handgranate aus dem 2. Weltkrieg - indem sie auf ihr Leben zurückschaut. Dabei schont sie weder sich, ihre Familie noch die Gesellschaft.
*
Wie das mit Erinnerungen oft so ist, springt die Erzählung in der Zeit ständig hin und her und man muss schon sehr aufmerksam lesen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Oft wird ein wichtiges Detail nur ansatzweise oder wie im Vorbeigehen erwähnt und ich musste im Text zurückgehen, da ich mir nicht sicher war, es richtig interpretiert zu haben. Bald schon gab ich es auch auf, die ungewohnten isländischen Bezeichnungen einer Person, Stadt, Straße oder Speise richtig zuzuordnen. Dies schien fast unmöglich, obwohl es sehr amüsant zu lesen war. Ansonsten war das Buch keineswegs amüsant, auch wenn der Autor einen eigenwilligen skurrilen Schreibstil hat, der einen oft dazu verleitet, über unfassbar traurige Dinge zu schmunzeln. Diesen Stil durfte ich bereits in dem Buch "Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen" kennenlernen, so dass ich hier vorgewarnt war.
*
Herbjörg gibt vor, eine lustige Alte zu sein, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, ihr Leben im Griff hat, unbeugsam und stark ihren Weg geht. Und doch, und doch steckt so viel mehr dahinter, dass mir oft beim Lesen die Augen brannten. Über Trauriges konnte ich nicht weinen, da es lustig beschrieben war und über Lustiges nicht lachen, da es so viel Leid barg. Hallgrimur Helgason setzte mich in eine Achterbahn und freute sich diebisch darüber, dass mein Magen ständig in Bewegung war. Nur durch zeitweiliges Zuschlagen des Buches verschaffte ich mir eine kleine Verschnaufpause, um kurze Zeit später wieder in den Wagen zu steigen und eine weitere Runde zu drehen. Die Erzählung hat mir einen Blick auf das Leben Herbjörgs verschafft und doch bin ich mir nicht sicher, ob ich sie richtig kennengelernt habe und das macht mich traurig. Dennoch bin ich dankbar, ein Stück mit ihr gegangen zu sein.
*
Ich denke, das Buch "Eine Frau bei 1000°" ist nicht für jeden geeignet. Keine ganz leichte Lektüre liegt hier vor. Wen der Schreibstil Hallgrimur Helgasons aber erst einmal gepackt hat, wird es schwer haben, den Roman aus der Hand zu legen. Dieses Buch finde ich noch viel besser als seinen Vorgänger, der mir schon außergewöhnlich gut gefiel. Ich frage mich oft, warum diese Art von Romanen so wenig Beachtung finden. Der breiten Masse bleiben sie verborgen. Nur ein vergleichsweise kleiner Kreis, der das Glück hatte, auf den Autor aufmerksam gemacht worden zu sein, kann dessen Kunstwerke genießen. Froh bin ich, dass ich dazu gehöre.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kultbuch in Island?, 5. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Ein Kultbuch in Island wird schon getitelt. Hier hat sich Hallgrimur Helgason selbst übertroffen, wie ichfinde. Alleine, wenn man das Cover anschaut, nimmt man es unwillkürlich in die Hand, man kann gar nicht vorbei laufen.

Sprachlich wortgewandt mit herrlichen Begriffen und Vergleichen, wie Sie hatte Beine wie 40jährige Birkenstämme" oder so Ausdrücke wie Navigationselse und Marathonquasselei machen es zu einem lesenswerten Buch bei dem man auch herrlich lachen kann. Aber andere Male bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Herbjörg Maria Björnsson (genannt Herra) ist 80 Jahre alt und meint, es reicht jetzt auch. Sie findet das Leben in keinster Weise mehr lebenswert, zumal sie verarmt und pflegebedürftig, krebskrank in der Garage von Freunden liegt. Lediglich ihr Laptop, die Zigaretten und ihre Handgranate leisten ihr Gesellschaft. Die einzige Abwechslung die sich bietet sind 2 Frauen vom Pflegedienst, die sich um sie kümmern. Die Vorbereitungen für ihren bevorstehenden Tod laufen bereits, aber Herra plaudert wie eine alte Dame beim Kaffeekränzchen über ihr langes Leben. Vom Anfang bis zum Ende, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern immer über das, was ihr so einfällt. Sie springt da schon so manche Jahre oder Jahrzehnte hin und her, was allerdings kein Problem erscheint, denn hier wird in einer brutal ehrlichen Art und Weise das erzählt, was und wie es wirklich war.

Zwischendurch rechnet sie noch ab mit ihren Söhnen und Schwiegertöchtern und zeigt ihnen, das das Abschieben nicht funktioniert. Solange man mit dem Computer am Netz hängt, kann man immer noch am Leben teilnehmen, sogar an dessen der untreuen Schwiegertochter

Sie war die Enkeltochter des Präsidenten von Island, hat in Dänemark, Deutschland und Argentinien gelebt. 4 Kinder geboren von denen 3 noch leben, ihre 3 Söhne, die sich nicht für ihre Mutter interessieren und da sie eh alle verschiedene Väter hatten. An ihren Männern lässt sie kein gutes Haar, Ihre Eltern haben sie schwer enttäuscht und dennoch ist sie durch das Leben gekommen. Die Figur, die Hallgrimur Helgason hier geschaffen hat, die muss man einfach mögen.

Ein großes Lob muss ich dem Übersetzer Karl-Ludwig Wetzig aussprechen, er hat hier ganze Arbeit geleistet und eine grandiose Übersetzung geliefert. Isländisch ist halt keine Allerweltssprache. Es ist mein Buch des Monats Oktober. HH, wir warten auf ein neues Buch!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was für eine Frau, 24. Oktober 2011
Von 
Ritja - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist bissig, zynisch und hart zu den Charakteren und teilweise auch gegenüber dem Leser. Anfangs empfand ich das Buch noch als bissige-humorvolle Lektüre einer alten Frau, die über ihr Leben nachdenkt und sich an den Menschen, die sie nicht mehr beachten, rächt. Sie ist hart gegen sich selbst und andere. Herbjörg Maria Björnsson ist eine 80jährige Frau, die in einer Garage auf den Tod wartet. Ihren Einäscherungstermin hat sie sich bereits reserviert und so nutzt sie die letzten Tage/Wochen, um aus ihrem Leben zu erzählen. Sie (Isländerin) zog mit ihren Eltern nach Deutschland und hat an den Schulen kein leichtes Leben gehabt. Ihr Vater war ein fanatischer Anhänger der NS-Politik und in der SS. Er zog in den Krieg und kam als gebrochener Mann zurück. Ihre Mutter geht nach Dänemark und lässt sie zurück. Sie kommt durch den Krieg an die Nordsee und erlebt dort wohl ihre schönste Zeit. Später muss sie ständig vor Hunger, Elend und Vergewaltigungen fliehen und doch wird sie immer wieder eingeholt. Diese Kriegsjahre werden von Hallgrimur Helgason sehr ausführlich und hart an der Grenze (zumindest für mich) beschrieben. Herbjörg härtet durch die verschiedenen Erfahrungen in ihrem Leben ab und nimmt sich am Ende immer was und wen sie will. Ihre Söhne müssen mit und bekommen nur wenig Mutterliebe und Geborgenheit. Dies spiegelt sich auch in dem jetzigen Verhältnis zu ihrer Mutter wider.

Das Buch hat mich stellenweise schockiert und traurig gemacht, da konnte selbst der bissige Humor, der immer wieder durchkommt, nicht helfen. Man sollte sich nicht von den ersten Kapiteln täuschen lassen...nein, es ist kein humoristisches Buch über eine alte Frau...mehr eine Lebensgeschichte, die sehr hart und traurig ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Frau, 29. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Ein rasanter Beginn, eine alte Frau sitzt abgeschoben in einer Garage und bereitet sich auf das Fegefeuer vor, einen Termin hat sie schon. Sie ist kratzbürstig und herrisch und da die Familie keinen Kontakt mit ihr hält, spioniert sie diese mit Hilfe des Internets aus. Sie weiss Bescheid.

Ein tolles Bild eine alte Frau, abgestellt irgendwo in Island und mit triefenden schwarzem Humor.

Doch dann wird es stiller im Buch, man begleitet die Frau auf ihre Rückreise ins Leben, ihre erst vaterlose Kindheit auf den Inseln und dann wird sie aufs europäische Festland katapultiert, wo auch schon bald der zweite Weltkrieg ausbricht.

Dieser ist Dreh- und Angelpunkt des Buches, hier verliert sie ihre Kindheit, Jugend und Familie. Es werden der Irrsinn und das Grauen des Weltkrieges beschrieben. Hier schluckt man. Und trotzdem kommt immer wieder der schwarze Humor durch - nur manchmal nicht zum lachen.

Es gibt starke und harte Sätze über Island und die Isländer und den Rest der Menschheit. Ich kenne "die Isländer" nicht, aber ich hoffe sie erkennen sich und können auch darüber lachen.

Es gibt viele skurrile Geschichten und Begebenheiten. Und am Ende wird es ganz still.

Ich kann dieses Buch weiterempfehlen, wenn jemand ein turbulentes Leben erzählt bekommen will mit einigen Schattenseiten und trotzdem viel Humor - auch im Krieg.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen fantastisch!, 21. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
schon von "101 reykjavik" war ich begeistert, seit "eine frau bei 1000 grad" ist es definitiv: halgrimur helgason zählt nun zu meinen lieblingsschriftstellern.

eine alte frau, die viel erlebt hat, kann immer viel erzählen. die geschichte, die herra erzählt, ist eine besondere geschichte der verletzungen und der verluste, die der 2. weltkrieg, der die vom kontinent weit entfernten isländer eigentlich gar nichts angehen hätte können, ihr als kind und jugendliche zugefügt hat. dieses frühe verlieren und verloren gehen zieht sich durch das gesamte leben und das buch. äusserlich stark und hart ist herra aber innen tief verletzt, würde das jedoch niemandem gegenüber zugeben, am allerwenigsten sich selbst gegenüber.

schon seit langem nicht hat mich eine geschichte so gefesselt wie diese in zeiten und örtlichkeiten hin- und herspringenden erinnerungen der herra björnson, die mit zigaretten, laptop und handgranate als bettgenossen in einer garage darauf wartet, dass der krebs, der in ihr wütet, zu seinem finalen schlag ausholt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bissig und scharfsinnig, 25. Oktober 2011
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Was braucht man zum Leben? Der 80jährigen Herbjörg Maria Björnsson, die in einer Garage lebt, genügen ihr Bett, ihr Laptop und ihre Handgranate.
Munter chattet und facebookt sie mit jungen Männern auf der ganzen Welt, wobei sie sich als Schönheitskönigin ausgibt. Lügen ist eine echte Spezialität von ihr.
So ganz nebenbei erzählt sie in diesem Buch ihr wechselhaftes und interessantes Leben. Sie ist viel herumgekommen, hat in vielen verschiedenen Ländern gelebt und berühmte Persönlichkeiten kennengelernt.
Hauptthema sind jedoch ihre Männergeschichten ' und die Männer kommen dabei nicht besonders gut weg. Scharfzüngig, bissig, und dabei immer auf dem Punkt rechnet sie mit ihrem Leben ab.
Mir hat der schwarze Humor des Autors sehr gefallen. Das Buch ist flüssig geschrieben, liest sich sehr gut und die ungewöhnliche Geschichte macht einfach Spaß.
Helgason hat eine widerspenstige, kratzbürstige und sehr scharfsinnige Hauptfigur geschaffen, die einem lange in Erinnerung bleibt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefschwarzer Humor einer 80jährigen, 4. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson (Gebundene Ausgabe)
Herbjörg, die irgendwann den Spitznamen "Herr" verpasst bekommen hat, ist Baujahr 1929 und lebt mit ihrem Laptop und einer Handgranate in einer Garage.

Sie selbst beschreibt sich so: 40 Kilo krebsmariniertes Weiberfleisch, ein gammelnder Garagengötze, ein krankes Klappergestell mit kondomförmigen Hautsäcken, die einmal Brüste gewesen sind. Auch als Faltenmonster und fauchendes Katzenweib bezeichnet sie sich gerne.

Sie bekommt nur noch selten Besuch und vertreibt sich unter anderem ihre Zeit bei Facebook und mit ihrer Handgranante, die immer wieder mal in dem Buch erwähnt wird.

Herbjörg schwelgt abwechselnd in Vergangenheitserinnerungen und erzählt aus ihrem gegenwärtigen Leben. Dabei springt sie - nicht immer chronologisch - zwischen den Zeiten hin und her. Sie nimmt sie kein Blatt vor den Mund.
Auch nicht, wenn es um ihre Fehler im Leben geht.

Man bekommt einen Einblick in die Höhen und Tiefen dieser alten Frau.

"Herr" hat den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach hautnah miterlebt. So erzählt sie uns, dass das "Ei" ein Andenken aus eben dieser Zeit ist. Sie erzählt von Kriegsvergewaltigungen, von ihrem Vater und darüber, als Island unabhängig wurde.

Schonungslos rechnet sie ab. Mit ihren Männern und Kindern. Mit den Menschen, die ihr nichts Gutes wollten. Mit dem Leben!

Und man erfährt, warum sie so ist, wie sie eben ist!

Zeitweise ist die Sprache in diesem Buch sehr hart und vulgär und mit einer besonderen Art Sarkasmus durchzogen. Herbjörgs Erlebnisse sind oft schockierend, werden aber sehr sachlich wiedergegeben, sodaß die Grausamkeit nicht überhand nimmt.

Nicht jeder kommt mit dieser Art Geschriebenen zurecht. Aber warum das Leben schönreden? Es ist nun einmal hart und Herbjörg spricht, wie ihr der "Schnabel gewachsen ist".

Manch einer mag sich daran stören, dass die Erlebnisse nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Ich fand das überhaupt kein Problem. Es störte weder den Lesefluss, noch kam ich durcheinander. Im Gegenteil, alles greift irgendwie ineinander.

Manchmal kamen mir bei den Erzählungen aus der Kriegszeit die Tränen. An anderen Stellen musste ich wieder sehr schmunzeln und lachen.

Meine Lieblingsstelle in dem Buch findet man bereits auf Seite 11 ganz unten:
"Krieg zu führen liegt nun mal in der Natur des Menschen. In Wahrheit fürchten wir doch nichts mehr als Frieden auf Erden. Die Angst davor ist allerdings unbegründet. Wo Leben ist, ist auch Krieg."
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Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson
Eine Frau bei 1000°: Roman. Aus den Memoiren der Herbjörg María Björnsson von Hallgrímur Helgason (Gebundene Ausgabe - Januar 2012)
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