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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Locker und tiefsinnig
Ich äußere mich hier bei Amazon nur gelegentlich, aber diesmal muss es sein. Die bisher negativen Bewertungen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Für mich ist dies eins der besten Bücher aus der SZ-Bibliothek, wenn nicht das beste.
Ich kannte Calvino vorher nur dem Namen nach, aber inzwischen lese ich alles von ihm, was ich kriegen...
Veröffentlicht am 25. März 2005 von Jolimo

versus
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gelungenes, wenn auch überspanntes Spiel mit dem Leser
Trotz anfänglicher Enttäuschungen über die vielen abgebrochenen Geschichten und das (vergebliche) Warten auf eine Verknüpfung der Geschichten miteinander gefiel mir der literaturphilosophische Ansatz Calvinos gut: Seine Reflektionen über die Subjektivität von Wahrnehmung und Rezeption, die Essenz von Romanen und über Literatur per se...
Veröffentlicht am 3. Januar 2007 von hartmutw


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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Locker und tiefsinnig, 25. März 2005
Ich äußere mich hier bei Amazon nur gelegentlich, aber diesmal muss es sein. Die bisher negativen Bewertungen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Für mich ist dies eins der besten Bücher aus der SZ-Bibliothek, wenn nicht das beste.
Ich kannte Calvino vorher nur dem Namen nach, aber inzwischen lese ich alles von ihm, was ich kriegen kann. Warum? Calvino ist - nicht nur für mich - ein Zauberer der Literatur, ein Philosoph, dem das Schwerste gelingt, nämlich scheinbar Sprödes, Bedeutungsschweres mit magischer Leichtigkeit darzustellen. Wenn ich sage, dass es in diesem Buch unter anderem um die Philosophie des Schreibens und Lesens geht, um das Verhältnis von sogenannter Realität und Kunstwerk, dann rufe ich damit wohl ein Aufstöhnen hervor: dazu lesen wir keine Romane. Aber Calvino macht daraus ein wunderbar lockeres Spiel, ohne banal zu werden. Erzählen kann man den Inhalt nicht, man muss sich auf die Wendungen und Sprünge des Buches einlassen. Aber wer Sinn hat für ernste Scherze, wer dazu die ironische Kunstfertigkeit Calvinos genießen kann, der mit großer Selbstverständlichkeit ganz verschiedene Schreibweisen beherrscht, der wird das Buch mit dem Gefühl aus der Hand legen, eine Entdeckung gemacht und einen Schriftsteller kennengelernt zu haben, wie es in Deutschland keinen gibt. Und fast nebenbei viel über sich als Leser erfahren zu haben. (Und wer will, kann noch vieles andere finden, auch Tiefsinniges)
Also: unbedingt probieren. Und wenn man wirklich eine andere Wellenlänge hat - das merkt man dann schon. Aber die Gefahr. etwas zu versäumen, ist größer.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verrückt, 11. März 2010
Ein Mann geht in eine Buchhandlung, kauft sich ein Buch, liest es, stellt es in sein Regal und wendet sich wieder seinem Alltag zu. Das Buch ist ein bloßes Konsumgut mittels dessen die Zeit vertrieben werden kann. 'So nicht!'-sagt Calvino und zeigt dem abgestumpften Leser was eigentlich alles hinter und in einem Buch stecken kann.
Der 'Roman' fängt bei der privaten Vorbereitung zur Lektüre an, thematisiert die Entstehung eines Erzählung und gewinnt mit jeder Seite immer mehr an Fahrt. Calvino belehrt uns über das Lesen nicht in dem er etwa sagt, dass Lesen was tolles sei. Vielmehr dekonstruiert er die Vorstellung, dass hinter einem Buch nur geringfügiger Zeitvertreib steht. In Verlaufe dieses Prozesses regt er den Leser zum Denken an, er verleitet ihn dazu Fragen zu stellen. Wie ist das Verhältnis Autor-Werk-Leser? Ist der Autor ein Schöpfer, ein Produzent oder etwas anderes? Gehört ihm das Werk? Was ist ein (literarisches) Werk? Ist es isoliert oder mit anderen Texten verwoben? Wie kann man lesen (einfach privat, hermeneutisch, semiotisch, strukturalistisch usw.)? Weiter geht es mit der industriellen Herstellung (Verlag), der wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Literatur (Universität), dem Einfluss der Literatur auf Politik und Kultur und schlussendlich auf den Leser selbst. Es wird mit Erzählperspektiven (ein fiktives (?) 'du' ist der Protagonist), mit den Gattungen (Tagebuchroman, symbolistischer Roman, erotischer Roman, Briefroman usw.) und mit den Konzepten des Lesens. Und dies sind nur wenige von den thematisierten Apekte.
Calvino lehrt den Leser, dass Literatur eben nicht nur ein Konsumgut ist sondern mit dem Leben verzahnt ist. Jede Lebensgeschichte ist Literatur und alle Literatur berichtet vom Leben.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schrecklich gut, 14. September 2003
Von 
K. Victor Volle (Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich verstehe jeden, der dieses Buch entnervt zur Seite legt und doch liebe ich es. Ein witziges, selbstironisches Puzzle in dem sich die Geschichten und die Rahmenhandlung (Über einen Leser, der diese Geschichten liest) in einander verknoten, bis man selber verknotet ist.

Stellen Sie sich vor sie kaufen ein Buch und stellen nach 30 Seiten fest, dass es falsch gebunden ist und nur immer wieder die ersten 30 Seiten enthaelt, die Sie schon gelesen haben. Als Sie das Buch umtauschen wollen, stellen sie fest, dass es nicht nur falsch gebunden war, sondern gar nicht die Geschichte enthielt, die sie eigentlich lesen wollten. Und so geht es weiter, von einer angefangen Geschichte zur naechsten, nur das sich die Geschichten anfangen aufeinander zu beziehen. Das Buch selber scheint zu leben, Rauch zieht über die Seiten, der Leser wird direkt angesprochen, selbst der Akt des Buchkaufs taucht im Buch auf (Nachdem man sich an den Büchern, die man schon immer lesen wollte, an den Büchern, die man immer schon vorgegeben hat, gelesen zu haben und einigen weiteren Abwehrringen vorbeigemogelt hat). Je weiter man vordringt, desto stärker hat man den Eindruck in einer Art Verschwörung zu versinken.

Doch zum Schluss liegen der Leser und die inzwischen aufgetauchte Leserin zusammen im Bett und ...

lesen!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 10 Romananfänge in einem!, 19. März 2007
Ein wirklich verwirrendes Spielchen treibt der "Schelm" der italienischen Literatur Italo Calvino in diesem Buch mit dem Leser.

In der Geschichte gibt es einen Leser, der sich beschwingt nach Hause bewegt, um den gerade erstandenen Roman in möglichst gemütlicher Position zu genießen. Nach dreißig Seiten jedoch, just an der spannendsten Stelle fängt das Buch wieder von vorne an. Zurück in die Buchhandlung erfährt der Leser: nicht nur falsch gebunden war das Buch, sondern auch das falsche Buch. Mit dem vermeintlich Richtigen wieder zu Hause lässt sich der Leser wieder in eine neue Geschichte ein, doch wieder am ungünstigsten Punkt folgen nur noch leere Seiten.

Schiere Verzweiflung!

Gemeinsam mit einer anderen Leserin, die dasselbe Schicksal erleidet, macht sich nun die Hauptfigur, auf um den Rest der begonnenen Geschichten zu suchen. Ein Höhepunkt der Geschichte ist die Recherchearbeit der beiden enttäuschten Leser an der Universität. Noch weitere acht Mal wiederholt sich der hoffnungsvolle Beginn einer Lektüre. Dabei zieht Calvino ziemlich alle denkbaren Register, die in Romanform denkbar sind: romantisch, fantastisch, thrillermäßig, philosophisch und nie langweilig.

Das Spiel von Calvino ist doppelbödig, denn mit jeder neuen Geschichte zieht er auch den realen Leser von "Wenn ein Reisenden in einer Winternacht" in seinen Bann, um ihn durch die abrupten Abbrüche dann als Leidensgenossen des Lesers im Buch dastehen zu lassen. So kommt es zu einer Solidarisierung aller Leser, um zum Recht einer fortgesetzten Lektüre zu kommen.

Irrwitzig!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch, 11. Januar 2000
Von Ein Kunde
Er ist sicherlich einer der ganz Großen, der italienische Autor Italo Calvino, und "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" ist nicht nur eines seiner besten, sondern auch eines seiner schönsten Romane, wenn nicht sogar der schönste überhaupt. Calvinos Buch ist eine Parabel über das Lesen überhaupt. Schon auf der ersten Seite nimmt der Autor den überraschten Leser bei der Hand, wird ihm dann im Verlaufe der Lektüre eine Leserin zur Seite stellen (auf daß sie einander erkennen und lesen) und die beiden bis zum Ende nicht mehr loslassen. Dies ist der eine Teil des Buchs, die Haupthandlung, und wer glaubt, das sei ein bißchen dürftig, ahnt nicht, auf welche abenteuerlichen Reisen Calvino ihn schicken wird. Der andere Teil, sorgfältig verflochten mit dem ersten, besteht aus zehn Geschichten, genauer gesagt: aus den Anfängen von zehn Geschichten, denn immer, wenn der Leser sich in eine von ihnen stürzt, geschieht Seltsames: das imaginäre Buch im Buch zeigt nur noch leere Seiten oder wiederholt immer denselben Text oder ist in Wirklichkeit gar nicht das, was der Leser eigentlich kaufen wollte, sondern im richtigen Einband steckt der falsche Roman usw.
Das klingt jetzt alles schwer vorstellbar, gar verwirrend? Macht nichts. Umso schneller sollte man sich "Wenn ein Reisender ..." zulegen und lesen. Niemand, der gerne liest, wird die Lektüre dieses wunderbaren Buchs bereuen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großer Klassiker !, 5. September 2007
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Ein unglaublich packendes und verwirrendes Buch. Man wird davon als Leser aus der Bahn geworfen! Italo Calvino baute keine durchgehende Geschichte auf, sondern reiht zehn Roman Fragmente aneinander, die durch eine Rahmenhandlung untereinander verbunden sind. In diesem Rahmen geht ein Leser in einen Buchladen und kauft sich ein Buch. Er fängt an zu lesen, doch plötzlich geht es auf Grund eines Druckfehlers nicht weiter. Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee auf der Suche nach einer korrekt gebundenen Ausgabe, während der er in verschiedene andere Bücher hineinliest um das richtige zu finden. In dieser Rahmenhandlung merkt man, wie der Autor mit den Erwartungen seiner Leser spielt, er spricht sie sogar direkt an, man ist total eingebunden. Man fühlt sich ertappt, aber auf angenehme Weise, denn der Ton ist stets amüsant und verständnisvoll zugleich.

Diese Fragmente sind ziemlich verschieden und leider immer viel zu früh zu Ende: man hat immer wieder Lust auf mehr, bleibt unbefriedigt. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine große Herausforderung, sich den Rest der Geschichte selber auszumalen bzw. sie einfach auf sich wirken zu lassen. Worauf man sich immer verlassen kann, ist, dass das nächste Fragment noch eins draufsetzt, noch wahnwitziger und noch spannender ist - das ist der Strohhalm, an dem man sich festhält! Es ist erstaunlich wie schnell es Calvino gelingt, den Leser mit den vielen neuen Situationen vertraut zu machen und ihn immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Darin zeigt sich das großartige Erzähltalent und es macht riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen. Es gibt eine gewisse spürbare Interaktivität, der Leser wird gefordert, kein Buch zum abchillen! Absolut empfehlenswerter Klassiker!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Jagd nach der vollendeten Geschichte, 1. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Wenn ein Reisender in einer Winternacht: Roman (Taschenbuch)
Italo Calvino schreibt mit WENN EIN REISENDER IN EINER WINTERNACHT nicht ein Buch, er führt durch elf einzelne, vollkommen unterschiedliche Geschichten, von denen bloß eine einzige wirklich zu einem Ende geführt wird. Die Haupterzählung, die sich durch das gesamte Buch hinweg zieht, scheint den Leser gleich zu Beginn direkt anzusprechen: „Du schickst dich an, den neuen Roman Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich.“

Die Hauptfigur des Lesers lehnt sich entspannt zurück, nachdem er den Klappentext kurz überflogen hat, und nimmt die Verfolgung der ersten Geschichte auf, die sich vor ihm aus dichten Nebelschwaden auf einem Bahnhof enthüllt. Es scheint sich um eine Agentengeschichte zu handeln, voller mysteriöser Treffen auf nächtlichen Bahnsteigen und einem Koffer, der ausgetauscht wird. Höchst spannend – bricht die Geschichte an ihrem Höhepunkt ab.

Nicht nur man selbst als Leser, auch die Hauptperson des Buches, die ein unpersönliches „Du“ bleibt, stockt irritiert. Ob dies wohl Absicht ist?
Für die Leser des Buches: Es ist volle Absicht. Für die Hauptperson jedoch ist es ein Versehen. Seine Ausgabe ist nämlich ein Exemplar, in dem ein Fehler der Buchbinderei vorliegt. So tauscht er diese fehlerhafte Ausgabe um, und trifft beim Buchhändler auf die Leserin Ludmilla. Sie tauschen die Telefonnummern aus und beschließen, einander zu kontaktieren, sollten sie auf Unstimmigkeiten stoßen. Die lassen nicht lange auf sich warten. Jedes Kapitel beginnt anders, als hätte die Hauptperson zuvor ein völlig anderes Buch in der Hand gehalten.

Im Laufe der Rahmenhandlung kommen sich Ludmilla und der Leser näher, und gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach dem Ende der zehn Geschichten, die immer an den spannendsten Stellen abzubrechen scheinen – und nach dem richtigen Buch. Dabei treffen sie auf allerhand kuriose Gestalten aus der Welt der Literatur: ein Lektor, ein Professor mit seinen Studenten, ein Schriftsteller in Sinnkrise, schließlich sogar einen Zensor in einem fernöstlichen Land – der sich als großer Literaturliebhaber herausstellt. Im letzten Kapitel finden sie sich in einem Ehebett wieder – jeder mit seiner Bettlektüre. Der Leser bittet im letzten Absatz noch um fünf Minuten, da er gerade dabei sei, „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ zu lesen.

Italo Calvino, selbst Literaturwissenschaftler, spielt in seinem Buch mit seinem eigenen Metier und den vielen Facetten des Lesens und der Bücherwelt, wie es bislang kaum dagewesen ist. Gleich zu Anfang überrumpelt Calvino die Leser, welche ein klassisches „Es war einmal“ erwarten, und reißt sie aus jeder möglichen bereits vorgeformten Haltung gegenüber seinem Buch. Die Frustration der Leser wächst mit der des Hauptcharakters, je mehr der zehn unvollendeten Geschichten er hinter sich lässt. Auf der abenteuerlichen Reise durch die begonnenen Geschichten, welche allesamt kein Ende nötig zu haben scheinen, spielt Calvino mit der modernen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Er parodiert die einen, zollt den anderen Respekt und wechselt bei jedem Mal den Ursprungsort, bewegt sich gewandt zwischen Kafka, südamerikanischem Realismus, Psychothriller, Symbolismus und Gangsterroman hin und her. Durch diese vielen Berührungspunkte wird dieser Roman auch als 'Metaroman' bezeichnet. „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist ein Buch über das Lesen und die Bücher – vor allem jedoch dreht es sich um die Liebe zum Buch.

WENN EIN REISENDER IN EINER WINTERNACHT erschien 1979 im italienischen Original unter dem Titel „Se una notte d'inverno un viaggiatore“ im Verlagshaus Einaudi, die deutsche Version erschien 1983. Es ist einer der bekanntesten Romane des italienischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Italo Calvino (1923-85).

Erika
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leser, gut geschüttelt, 20. September 2001
Sicher, dieses Buch ist grausam zu seinem Leser. Hinterhältig macht es einem den Mund wässrig, und plötzlich... Es haut einem die Geschichten - und nebenbei die verschiedensten Genres und Stile - derart kunstfertig um die Ohren, dass man hinterher keinem Buch mehr so traut wie vorher.
Dieser heilsame Vertrauensverlust in die Literatur - und in die Welt - stellt es in eine Reihe mit anderen meisterlichen "Büchern über Bücher" wie Borges' "Fiktionen" und Ecos "Foucaultschem Pendel" und mit letzterem teilt es auch das Problem, ein solches Labyrinth mit einem überzeugenden Schluß zu versehen. Dennoch: Für mich ein kleines - und unterschätztes ! - Meisterwerk der Literatur.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gelungenes, wenn auch überspanntes Spiel mit dem Leser, 3. Januar 2007
Trotz anfänglicher Enttäuschungen über die vielen abgebrochenen Geschichten und das (vergebliche) Warten auf eine Verknüpfung der Geschichten miteinander gefiel mir der literaturphilosophische Ansatz Calvinos gut: Seine Reflektionen über die Subjektivität von Wahrnehmung und Rezeption, die Essenz von Romanen und über Literatur per se sind wohl schon postmodern zu nennen. Sehr pointiert und einprägsam waren auch die genretypischen Anfänge der "Romane", die von Witz und Einfallsreichtum zeugen - einige mehr, manche weniger.

Vermutlich hätte ich dem Buch trotz seiner fehlenden Kohärenz (bis auf die finale Verbindung von Leser und Leserin) 4 Sterne für die klugen Analysen und die vielfältigen originellen Ansätze gegeben. Was mich aber sehr gestört - um nicht zu sagen genervt - hat sind die fantastischen Elemente, die auch in die Rahmenhandlung einfließen: Wenn sich dort auf Kommando Boden, Himmel und Umgebung auflösen und Zensur Gegenzensur impliziert oder Revolutionskommando Konterrevolutionskommando "infiltriert", so erscheint mir dieser Versuch surrealistischer Literatur als der anfänglichen Idee des Buches nicht mehr angemessen. Der vorher konstruktive Dialog mit dem Leser wird hier zugunsten etwas willkürlicher Streifzüge durch totalitäre Systeme und fantastische Welten aufgegeben.

Italo Calvinos experimenteller Roman verlangt sicherlich einiges an Konzentration und Geduld vom Leser. Ich kann deshalb nur jedem Interessenten empfehlen, ihn möglichst in einem Guss zu lesen, so dass alle Handlungsstränge, Perspektivwechsel etc. präsent bleiben. Für mich ist das Spiel mit dem Leser hier deutlich gelungener als bei James Joyce, wenn auch wie gesagt die Ausflüge in die diversen fiktiven, offensichtlich totalitären Regime (Zensur, Manipulation der Wahrnehmung, Infiltration) den guten Willen des Lesers arg strapazieren - hier entfernt sich Cavino m.E. zu weit von der Intention des Dialogs mit dem,'Leser des Lesers'.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen macht Lust auf mehr, 26. April 1999
Von Ein Kunde
...es war mein erstes Buch von Calvino, einfach wegen des Titels ins Regal gegriffen...und dann habe ich ewig gebraucht , um reinzukommen...Inhalt: ein Leser faengt ein Buch mit dem titel "Wenn..." an, nur dann endet das Buch, weil die Seiten vertauscht wurden, der Leser geht in den Buchladen und holt sich nun das neue Buch, in welchem er denkt das erstere wiederzufinden, er liest sich rein und wieder ist das Buch vorzeitig zu Ende...dieser Vorgang findet 9 Mal statt , 9 neue Geschichten, alle sehr spannend und verschieden enden ploetzlich und werden auch nicht weitergefuehrt, dazu kommt noch eine Leserin, die mit dem Leser, die Buchenden sucht(verschiedene Lebensweisheiten des Autors spielen eine Rolle) .....alles sehr fantastisch und ein wenig verworren...und sehr schade, dass es eigentlich kein Ende zu den einzelnen Geschichten gibt, ich hatte mich auch jedes Mal in eine Neue mit viel Eifer reingelesen...wahrscheinlich als Experiment gemeint, spielt "Wenn.." mit der Leselust des Einzelnen... ....da ich 9 Mal immer wieder aus dem Lesen rausgekommen bin, habe ich das buch eher wie eine Sachgeschichte ueber das Lesen empfunden...wer sich gern mit dem Begriff "Lesen" auseinandersetzt oder theoretische Arbeit zu diesem Thema betreibt, dem sei das Buch empfohlen...ich werde es wohl noch einmal mit einem anderen Buch versuchen muessen..
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Wenn ein Reisender in einer Winternacht: Roman
Wenn ein Reisender in einer Winternacht: Roman von Italo Calvino (Taschenbuch - 19. Juli 2012)
EUR 9,99
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