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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auferstehung - in der Tat.
Tolstoj erzählt in seinem 3. großen Roman die Geschichte des Fürsten Nechljudow, der während einer Gerichtsverhandlung in der Angeklagten eine Freundin aus seiner Jugendzeit wiedererkennt. Diese Begegnung veranlasst ihn, alles, sein Leben, die Welt, ihre Ordnung, neu zu überdenken. Ein meisterhafter Roman, der den geistigen Umbruch der...
Am 8. April 2000 veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Aktuell und dennoch aus der Zeit gefallen
Natürlich ist das Thema gerade in unserer Zeit, in der es sehr häufig an persönlichem Verantwortungsbewusstsein für gesellschaftliche, politische und soziale Entwicklungen mangelt, stattdessen viel zu oft "das ich gewinnt", besonders aktuell. Dennoch sind Sprache und Sprachgebrauch so aus der Zeit gefallen, dass das Lesen über die vielen...
Vor 19 Tagen von Andra veröffentlicht


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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auferstehung - in der Tat., 8. April 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung (Taschenbuch)
Tolstoj erzählt in seinem 3. großen Roman die Geschichte des Fürsten Nechljudow, der während einer Gerichtsverhandlung in der Angeklagten eine Freundin aus seiner Jugendzeit wiedererkennt. Diese Begegnung veranlasst ihn, alles, sein Leben, die Welt, ihre Ordnung, neu zu überdenken. Ein meisterhafter Roman, der den geistigen Umbruch der Hauptfigur und allmähliche Veränderung der Ansichten auf eine nicht zu übertreffende Art und Weise schildert. Dies geschieht nicht zuletzt, da Tolstoj mit seinem Fürsten Nechljudow eine Kopie seiner selbst die Handlung bestimmen lässt. Nur wer den Autor und sein Buch verstehen lernt, erhält einen vollkommenen Einblick in die Psychologie Tolstojs. Dieser Roman ist nicht nur lesenswert - er ist geradezu eine Pflichtlektüre.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Auferstehung schon vor dem Sterben, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
In seinem letzten Roman, an dem er zehn Jahre lang schrieb (beendet im Jahre 1899), erzählt der große russische Autor eine Auferstehung anderer Art als man sie vielleicht erwartet. Der Name ,Auferstehung' (im Russischen ,Wosskressenije'') ist ja neutestamentlich besetzt und lässt an einen Gestorbenen denken, der aus seiner Gestorbenheit in die Welt der bewegten Körper zurückkehrt oder zurückgeholt wird. Hier allerdings ist eher eine sittliche Auferstehung eines Mannes aus seiner todesähnlichen Gleichgültigkeit gegenüber seinen Mitmenschen und dem Leben durch die Umkehr zu Liebe und Nächstenliebe hin gemeint.
Der reiche Müßiggänger und Gardeleutnant Fürst Dmitri Iwanowitsch Nechljudow führt ein im Grunde sinnloses Dasein zwischen Nutten und Nichtstun, Empfängen und endlosem Zigarettenrauchen, bis er zufällig Geschworener einer Gerichtsverhandelung wird, in der ein vor acht Jahren von ihm "in einem tollen Rausche der Leidenschaft" verführtes und sitzen gelassenes Mädchen, nunmehr Prostituierte, des Giftmordes an einem reichen Freier angeklagt wird. Als der Fürst ihrer gewahr wird, bricht seine faule Fassade zusammen und er empfindet, er sei des Schicksals dieser Angeklagten schuldig, weil er sie sitzen gelassen. Er setzt sich im Prozess für sie und ihre Unschuld ein; vergebens. Sie wird zu Verbannung nach Sibirien verurteilt. Aber er reist ihr nach, gesteht ihr seine Schuld, bekennt ihr seine Liebe und bietet ihr sogar die Ehe an, was sie jedoch ablehnt, weil sie ihn liebt und ihn nicht mit sich zu belasten wünscht, die sie sich als zu niederig für ihn beurteilt.
"Lass die Toten ihre Toten begraben!" (Mt 8,22) und "Weckt Tote auf!" (Mt 10,8). Diese Aufforderungen aus der Evangeliumsschrift nach Matthäus belegen, dass die Toten nicht unbedingt Gestorbene sind, sondern Menschen ohne das höhere Leben, weil sie nicht daran glauben. Tolstoi hingegen weckt seinen "toten" Fürsten Nechljudow aus dieser Leblosigkeit auf und lässt ihn also auferstehen, indem er ihn die liebende Teilnahme und -gabe für seine Nächsten entdecken und leben lässt. Wunderschön!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Leiden des Fürsten Nechljudow - ein Entwicklungsroman des Glaubens, 6. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
Leo Tolstois breit angelegter Roman "Die Auferstehung" ist ein großes Werk, das sich mit der Frage zu Schuld und Sühne, bzw. dem Glauben per se beschäftigt.

Der reiche und dandyhafte Fürst Nechljudow, der "nebenbei" eine Affaire mit einer verheirateten Frau unterhält, wird als Geschworener ins Gericht gerufen, wo er zu seinem Entsetzen feststellt, dass die wegen Giftmord angeklagte Dirne seine erste Liebe Katjuscha Maslowa ist, die er vor vielen Jahren nach einer kurzen Liason auf dem Hof seiner Tanten mit einer großzügigen Geldspende abgespeist hatte. Er versteht, dass sein egoistisches Handeln damals das Leben der Angeklagten erst in die dunklen Bahnen der Prostitution gelenkt hat. Das Gefühl von tiefer Schuld beginnt in ihm zu reifen.

Durch einen Formfehler und eines unfähigen Advokaten wird die Angeklagte zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt und der Fürst setzt alle Hebel in Kraft, um die Maslowa zu retten. Die reiche und gehobene Gesellschaft beginnt ihn anzuwidern und er beginnt, seine Grundstücke an die dort arbeitenden Bauern abzutreten, um mit Katja Maslowa nach Sibirien mitzugehen und sie dort zu heiraten. Sie lehnt dieses Opfer jedoch ab.

Leo Tolstois Roman ist ein wunderbares Beispiel eines psychologischen Entwicklungsromans. Ein Plädoyer für Menschlichkeit und Güte, ein Fausthieb gegen die feine Gesellschaft seiner Zeit, die arme Menschen in die Kategorien dritte und vierte Klasse Mensch abgestempelt hatte. Ein Manifest gegen die Unsinnigkeit der ad absurdum geführten Verhaftungen von wegen Nichtigkeiten angeklagten Menschen.

Beeindruckend ist, wie Leo Tolstoi langsam seine Fühler ausstreckt und so den Leser mit jeder Zeile immer stärker zu fesseln vermag, obwohl das Tempo dieser Erzählung am ehesten im Bereich einer extremen Langsamkeit hängen bleibt, bevor der Autor im dritten und letzten kurzen Teil seine dramatische Pranke offenbart und diese "Auferstehung" offensiv dem Ende zutreibt. Großartige Figurenzeichnung, die alle ProtagonistInnen so lebhaft und echt erscheinen lassen, dass man das sich einschleichende Gefühl, sie persönlich zu kennen, nicht los wird; sowie präzise, poetische, ja fast riechende Beschreibungen Moskaus, St. Petersburgs und der Reise nach Sibirien zerren den Leser in diesen Roman hinein und lassen ihn erst nach der letzten Seite wieder los.

Die Übersetzung von Ilse Frapan ist zum Großteil wirklich sehr gut und überzeugend, die nicht in die Falle tappt, die im Russischen typischen Verniedlichungen ins Deutsche zu übernehmen. Manche russische Wendungen/Worte/Floskeln sind zu direkt übersetzt, sodass der Sinn verloren geht. Während im Russischen ein Portier ein "Schweijzar" ist, so ist die Übersetzung mit "der Schweizer" absolut misslungen. Und wenn Nechljudow eine Affäre romantischer Natur hat, die im Russischen ein "Roman" ist, so ist sein Roman mit einer verheirateten Dame" eine kleine übersetzungstechnische Entgleisung.

Tolstois Tendenz zur moralischen Läuterung ist mitunter etwas nervend, doch ist gerade dieses an den Nerven Zerrende der Schlüssel zum Verständnis der inneren Kämpfe des Protagonisten. Was in den Händen eines geringeren Schriftstellers altbacken, bzw. unmöglich und mit dem Drive eines Oberlehrers daherkommen würde, wird hier zum spannenden, literarischen Glaubenskampf, dem man sich, auch als wenig religiöser, oder atheistischer Mensch kaum entziehen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fundamentale Gesellschafts- und Justizkritik Tolstois, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung (Taschenbuch)
Tolstois dritter und letzter Großroman (nach den wesentlich umfangreicheren Monumentalromanen "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina") "Die Auferstehung" (1899) beinhaltet eine geballte und die im Grunde bis heute vorherrschenden Gesellschaftsnormen und insbesondere Rechtsgrundsätze in Frage stellende, querdenkerisch aber vollkommen logisch und überzeugend dargelegte Kritik Tolstois an gerichtlicher Rechtsprechung und nachfolgendem Justizvollzug.

Hauptprotagonist ist der müßiggängerisch, und sorgenfrei vor sich hinlebende Fürst Nechljudow der durch einen Zufall zum Geschworenen bei einem Raubmordprozess berufen wird, bei der sich auch das einst von ihm verführte und hernach vergessene ehemalige Zimmermädel Katjuscha Maslowa die nunmehr als Prostituierte mit auf der Anklagebank sitzt. Allein durch einen im Grunde läppischen Fehler der Geschworenen zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, versucht Nechljudow das fragwürdige Urteil wieder aufzuheben und der Maslowa das Leben im Gefängnis zu erleichtern.
Dabei lernt der geläuterte und aus seinem bisherigen Leben gerissene Nechljudow die teils absurden Verhältnisse im Justizwesen und die unhaltbaren Zustände in den Gefängnissen kennen und zweifelt in zunehmenden Maße:

1. an der abgehobenen Gesellschaftsschicht der er angehört, die sich auf Kosten der breiten Volksmassen ein schönes Leben macht

2. am Sinn menschlicher Rechtsprechung bei der teils schlechtere Menschen Urteile über Menschen fällen deren Verhalten bei einer fairen Berücksichtigung ihrer Lebensumstände als absolut entschuldbar und verzeihlich erscheint und eine tatsächliche Verurteilung nur der dumpfen Huldigung eines unerbittlichen, starren und weltfremden Gesetzes- und Rechtsnormendschungels dient

3. am Strafvollzug der seiner Meinung nach einen noch nicht völlig verdorbenen Menschen durch ein Zusammensperren mit völlig verdorbenen Elementen sowie durch ein jahrlanges, verhängnisvolles Nichtstun vollends und dauerhaft demoralisiert und auf die falsche Bahn führt.

Insgesamt ein wirklich geniales, extrem querdenkerisches und revolutionäres Buch die den Autor beim russischen Staat und bei der Staatskirche ziemlich unbeliebt machte und zusammen mit anderen Schriften und Handeln die Exkommunikation (Ausschluss auf Widerruf) aus der orthodoxen Staatskirche bescherte und dem ich bedenkenlos 5 Sterne für eine wirklich hervorragend aufgebaute Gesellschaftskritik verleihe.

Die Ausgabe des Aufbau Taschenbuch Verlag weist ein schönes, sauber gedrucktes Schriftbild mit wenigen, nicht störenden Druckfehlern auf. Ein Glossar ist enthalten in dem auch die für Tolstoi typischen französischen Gesprächspassagen übersetzt werden.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das berührende Glaubensbekenntnis eines Abtrünnigen, 16. Oktober 2009
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung (Taschenbuch)
"Nur ein Lump, ein Schuft konnte so handeln! Und ein solcher Lump, ein solcher Schuft bin ich! Ja, bin ich denn wirklich..." - er unterbrach für einen Augenblick sein Umherwandeln, - "... bin ich denn wirklich ein solcher Schuft? Ja, was denn sonst?" fragte er sich. "Und es ist ja nicht nur das allein!" fuhr er in seiner Selbstbezichtigung fort. "Ist mein Verhältnis mit Maja Wassijewna, mein Verhalten gegenüber ihrem Mann, nicht auch eine Gemeinheit, eine Nichtswürdigkeit? Und meine Einstellung zum Besitz? Dass ich unter dem Vorwand, das Geld stamme von meiner Mutter, einen Reichtum ausnutzte, den ich für unrechtmäßig halte? Und dazu mein ganzer müßiger, abscheulicher Lebenswandel! Und das abscheulichste von allem: wie ich mich zu Katjuscha benommen habe! Ja, ich bin ein Lump, ein Schuft! Alle anderen mögen von mir halten, was sie wollen, aber mir selber kann ich nichts vormachen." Zitat aus "Auferstehung".

Selbsterkenntnis ist ein erster Schritt zur Besserung. Aber wie radikal der Held dieses Romans positive Veränderungen in seinem Leben umsetzen will, zeigt Leo Tolstoi in unnachahmlicher Weise. Eine Zufallsbegegnung weckt in dem adligen Gardeleutnant, Dmitri Iwanowitsch Nechljudow, das moralische Gewissen, welches er neu formen und damit auch altes Unrecht sühnen und wieder gutmachen möchte. Dabei studiert er gewissenhaft gesellschaftliche Strukturen, macht sich mit umwälzenden, neuen politischen Ideen vertraut und stellt die religiöse Grundordnung seiner Zeit auf den Prüfstein der Heiligen Schrift. Das Ergebnis seiner Studien ist so brisant, dass der Autor dieses Werkes im Anschluss an die Veröffentlichung von der heiligen Kirche exkommuniziert wurde.

Als junger Mann hatte der gewissenlose Nechljudow die vertrauensselige Katjuscha in einer Osternacht, dem Fest der Auferstehung Christi (daher auch der Titel) verführt und später sitzen gelassen. Jahre später begegnet er der jungen Frau erneut. Diesmal ist er als Geschworener im Gerichtssaal anwesend. Die schwarzäugige Katjuscha, die als Angeklagte Maslowa vorgeführt wird, soll einen Mann vergiftet haben. Obwohl an der Unschuld der Frau kein Zweifel besteht, sorgt ein Formulierungsfehler im Urteilsspruch der Geschworenen dafür, dass Maslowa zu Zwangsarbeit in Sibirien verdonnert wird. Sofort versucht Nechljudow Rechtsmittel einzuschalten, um den Fehler zu berichtigen. Doch die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam. Die ehemalige Geliebte des jungen Herrn, für dessen gesellschaftlichen Abstieg sich unser Held verantwortlich fühlt, bleibt im Gefängnis. Durch sein neuerwachtes Ehrgefühl gibt Nechljudow sein Leben als Müßiggänger auf und beschließt seine Angelegenheiten so zu regeln, dass er Katjuscha auf ihrem Weg begleiten und ihr sogar die Ehe antragen kann. Als er sie im Gefängnis besucht, erkennt ihn Katjuscha zwar sofort, lehnt sein Anliegen aber rundheraus ab, da sie es für eine vorübergehende Anwandlung aus Mitleid und Schuld des Sünders hält. Als er jedoch weiter treu in den Angelegenheiten seiner ehemaligen Geliebten tätig bleibt, und auf Wunsch der jungen Frau auch für einige Mitgefangenen sorgt, erwachen die zärtlichen Gefühle erneut, die sie in ihrer Laufbahn als Prostituierte bereits verloren geglaubt hatte. Doch auch Katjuscha hat ein tiefgeprägtes Ehrgefühl und so weigert sie sich beharrlich, den Heiratsantrag von Nechljudow anzunehmen. Als die Gefangenen schließlich tatsächlich in Sibirien ankommen, verschlechtern sich die Haftbedingungen dramatisch. Nechljudow, der bereits mit einigen politischen Gefangenen Freundschaft geschlossen hat und über Katjuschas Wohl wacht, verzweifelt beinahe an seiner Aufgabe. Doch dann erreicht ihn ein Brief aus Moskau, der alles verändern könnte.

Unverholen spricht Tolstoi in seinem Werk über die verschiedenen Missstände in seinem Land. Eine Gesellschaft, die ehemals ehrbare Bürger zu Dieben und Mördern macht und sie dann unmenschlich bestraft, ist ihm ein Rätsel. Auch die Religion seiner Tage sorgt für keine Erleichterung. Mit unverstellter Ironie beschreibt er einen Gefangengottesdienst. Hier erfahren die armen Seelen keinen Trost und der unfähige Geistliche giert nur nach dem Wein, der nach der seltsamen Zeremonie übrig bleiben wird. Kein Wunder, dass sie Kirche nicht sehr amüsiert war und den Autor daraufhin ächtete.
Eigentlich müsste der Roman "Vergebung" heißen. Nach Ansicht des Autors ist dies der Schlüssel zu einem friedevollen, ja geradezu paradiesischem Miteinander. Seine Ausführungen zu der Bergpredigt, die Nechljudow am Schluss der Geschichte analysiert, sind sehr berührend. Doch die Erfüllung seines Traumes sollte Zeit seines Lebens eine Utopie bleiben. Denn der Bildung einer Gesellschaft, wie sie dort beschreiben wird, steht wohl ein wesentliches Element entgegen: der Mensch selbst. Hoffen wir, dass dem großen Humanisten der Glauben an das Gute im Menschen trotz allem bis zuletzt nicht verloren ging.

Wirklich ein großer, lesenswerter Roman!
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4.0 von 5 Sternen Tolstois Religion, 17. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
Das Buch handelt von einem Fürsten, der in jungen Jahren ein Auge auf eine Magd wirft, mit ihr gesittet ein paar schöne Tage verbringt, dann jedoch im Kriegsdienst verroht und die junge Dame verführt und rücksichtslos benutzt. Während die Frau deswegen innerlich zerbricht, in der Gosse landet und schließlich wegen eines Morddeliktes im Gefängnis, lebt der Fürst auf großem Fuß und hat die Geschichte mit der Frau schlicht vergessen. Erst als er vor Gericht als Geschworener ansehen muss, wie das Gericht aufgrund eines technischen Fehlers die Frau falsch verurteilt, brennt ihm das Gewissen. Im Folgenden wird der Wandel beider Personen dargestellt: Der Fürst versucht, das geschehene Unrecht wieder gut zu machen, und diesen Schwung aufnehmen will, sich insgesamt zu einem guten Menschen zu machen, ist die Frau anfangs innerlich abgestumpft und kaum empfänglich, befreit sich jedoch aus diesem inneren Nebel und lässt sich auf die Möglichkeit, wieder ein guter Mensch zu werden, ein. Für beide gibt es Hindernisse, die innere Wandlung stellt sich als ein harter Prozess dar. Tolstoi vergisst auch in diesem Buch nicht sein Lieblingsthema, das Unrecht des Großgrundbesitzes. Auch hier hat der Fürst an sich zu arbeiten.

Hauptthema ist jedoch die Wandlung eines Menschen von dem inneren Faulheit, von dem sorglos, gewissenlos und rücksichtslos in den Tag leben, hin zu einem Menschen, der das Gute will und dafür kämpft. Das ist dasjenige, was Tolstoi in dem biblischen Thema der Auferstehung vermutet. Die Auferstehung als Wandlung des Menschen zum Guten ist der rote Faden im Roman, sein Bekenntnis seiner religiösen Vorstellung. Insoweit ist dieses Buch genial, der Wandel des Menschen als innerer und äußerer Kampf wird realistisch und ungeschönt dargestellt, jeder so weit er sich zum guten wandeln (auferstehen) kann und will. Dennoch wird Tolstois Kritik an der damals vorherrschenden religiösen Überzeugung nicht indirekt eingearbeitet, sondern als Gedankenkonvolut des Fürsten ungebremst, direkt, beinahe wie ein hämischer Aufsatz in den Roman, frontal eingesetzt. Das wirkt störend, aggressiv, überhaupt nicht geschickt darstellend, nicht überzeugend, sondern schlicht platt, kurz: diese Stellen wirken nicht wie Literatur. Das kostet einen Stern. Daneben ist die Kritik am Großgrundbesitz auch nicht sonderlich filigran, auch hier kann sich Tolstoi kaum bremsen, diese Thematik direkt im Roman aufzugreifen. Vom unfairen und unwirklichen Frauenbild Tolstois, das sich ganz schlimm in Familienglück und Kreutzersonate widerspiegelt, bleibt man hier aber größtenteils verschont. Die etwas platten Tendenzen zu Großgrundbesitz und insbesondere Religion trüben das Bild leicht, welches im Übrigen so schön ist wie das Vorderbild vom Fischerverlag. Das Buch ist insgesamt ein innerer Gewinn und noch ein großer Tolstoi. Mit dem Thema von Verführung und Reue, von dem Bewusstsein der Möglichkeit, sich und andere zum Guten anregen zu können, Versöhnung und Verzicht siedelt Tolstoi sich wieder ganz vorne ein. An Krieg und Frieden sowie an Anna Katherina reicht es nicht ganz heran, aber dennoch ist es ganz große Weltliteratur.
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3.0 von 5 Sternen Aktuell und dennoch aus der Zeit gefallen, 5. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
Natürlich ist das Thema gerade in unserer Zeit, in der es sehr häufig an persönlichem Verantwortungsbewusstsein für gesellschaftliche, politische und soziale Entwicklungen mangelt, stattdessen viel zu oft "das ich gewinnt", besonders aktuell. Dennoch sind Sprache und Sprachgebrauch so aus der Zeit gefallen, dass das Lesen über die vielen Seiten hinweg einfach mühsam bleibt und man mehr als einmal geneigt ist, das Buch zur Seite zu legen. Die Kernbotschaft des Romans - Verantwortung für das eigene Tun und für andere zu übernehmen, herrschende Meinung zu hinterfragen und sich eine eigene, menschliche Haltung zu erarbeiten - wird deutlich, aber auch sehr holzschnittartig und wenig differenziert transportiert. Auferstehung ist sicher ein großer Roman, aber im Wortsinne auch ein wirklich alter...
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zum Großteil überraschend zeitlos, 12. März 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung (Taschenbuch)
Ich hatte noch nie etwas von Tolstoi gelesen und fand mich dafür überraschend leicht in diesem Werk zurecht, vielleicht deshalb, da der Roman in seinen meisten Aussagen ohne Probleme auch heute noch Gültigkeit hat. Einzig in seiner negativen Darstellung von Homosexualität ist der Autor ganz Kind seiner Zeit, sodass diese Darstellungen schon fast wie Fremdkörper im Werk aussehen. Die Ausgabe von Aufbau ist auch schön gestaltet. Schade, dass die Verfilmung der Gebrüder Taviani zur Zeit nicht auf DVD erhältlich ist.
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4.0 von 5 Sternen Tolstois kürzester Roman, 10. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
Von den 3 Romanen Tolstois ist dies der kürzeste - er hat "nur" 600 Seiten. Bei 'Krieg und Frieden' und 'Anna Karenina' jedoch habe ich es angesichts der typisch russischen Längen nicht geschafft, bis zum Ende durchzuhalten - ungeachtet der Qualitäten. Zunächst: Die 'Auferstehung' vermochte mich von Anfang bis Ende zu fesseln. Der von 1889-1899 entstandene Roman stellt jedoch eine Abrechnung mit dem gesellschaftlichen System des Zarismus dar - mit dem Heer, der Verwaltung und der Kirche. Über weite Strecken wird hier ein Staat in seiner ganzen Brutalität präsentiert, den es zwanzig Jahre später so schon nicht mehr gab (ob das darauffolgende System nicht noch schlimmer war, ist eine andere Frage). Das ist historisch interessant, auf die Dauer von etlichen hundert Seiten aber auch ermüdend und belastend für den Leser. Darum heute nur 4 Sterne für ein Buch, das sich bei Erscheinen seine 5 Sterne mehr als verdient gehabt hätte, weil es glänzend recherchiert und geschrieben ist.
Der auch heute noch fesselnde Teil der Story betrifft die beiden Hauptfiguren. Zunächst den Fürsten Nechljudow, der bei einer Tätigkeit als Geschworener feststellen muss, dass seine Jugendfreundin Maslowa des Giftmordes angeklagt ist. Er erfährt in der Folge, dass er sie damals mit jugendlicher Leichtfertigkeit geschwängert hat und sie dadurch zur Prostituierten geworden ist. Nachdem sie wegen unglücklicher Umstände zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt wird, erwacht sein Gewissen, er unternimmt alles, um die Verurteilung rückgängig zu machen und bietet ihr die Heirat an. Er begleitet sie zunächst auf die Reise nach Sibirien. Nach ihrer Begnadigung zur dortigen Ansiedlung entschließt sie sich, einen politischen Gefangenen zu heiraten, der sich in sie verliebt hat. Der Fürst dagegen möchte ein neues Leben nach Grundsätzen des Evangeliums beginnen.
Bei der 'Auferstehung' handelt es sich NICHT um eine religiöse im Sinne der christlichen Kirche, sondern um eine moralisch-ethische der Hauptfiguren - des Fürsten und der Maslowa vor allem, vielleicht auch des polischen Gefangenen, der diese heiraten wird. Dies ist die Rahmenhandlung, innerhalb derer der Fürst immer neue Erfahrungen vor allem mit der russischen Verwaltung und den Gefängnissen sammelt, die den Leser wie gesagt trotz Tolstois Meisterschaft auf Dauer ermüden. Die politischen Gefangenen werden insgesamt grossteils mit Sympathie dargestellt. Das russische Strafrechtssystem wird ebenso verdammt wie die russische christlich-orthodoxe Kirche - dies hatte die Exkommunizierung Tolstois zur Folge. Insgesamt wird eine nihilistische Welt ohne Religion gezeigt, weshalb die plötzliche Besinnung des Fürsten auf das Evangelium (im letzten Kapitel) etwas überraschend kommt und nicht ganz überzeugend wirkt. Aber es handelt sich hier auch um die persönliche Einsicht Tolstois, die dieser in seinem Bekenntnis-Werk 'Mein Glaube' (1884) überzeugender dargestellt hatte.
Die frühe Übersetzung von Ilse Frapan (neu bei FISCHER) krankt an z. T. altmodischer Ausdrucksweise (z. B. 'trotzdem' für 'obwohl' oder der technische Ausdruck 'Getriebe' für ein 'Treiben'). Hier wie auch bei der korrigierten Winkler-Übersetzung fehlen die Anmerkungen (es gibt z. B. viele französische Sätze!). Die DDR-Übersetzung (Rütten und Loening) von Asemissen scheint mir passabel und hat viele Anmerkungen (das real-sozialistische Nachwort braucht man ja nicht zu lesen).
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5.0 von 5 Sternen Lebensgeschichte eines Fehltritts mit Folgen und Versuchen zur Wiedergutmachung, 17. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auferstehung (Kindle Edition)
Wertvoll zu lesen, allerdings muss man wissen, dass dieses Buch geschrieben wurde, als die Menschen sich noch viel Zeit zum Lesen gegönnt haben.
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Auferstehung: Roman (Fischer Klassik)
Auferstehung: Roman (Fischer Klassik) von Leo N. Tolstoi (Taschenbuch - 6. Mai 2008)
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