Kundenrezensionen


198 Rezensionen
5 Sterne:
 (122)
4 Sterne:
 (24)
3 Sterne:
 (21)
2 Sterne:
 (18)
1 Sterne:
 (13)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön und unsentimental
Eigentlich habe ich etwas gegen Bücher, die aus kindlicher Perspektive ein ernstes Thema behandeln, weil durch die naive Erzählperspektive oft auf etwas "billige" Weise Mitleid erzeugt wird. Das ist hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil, der Erzählstil ist zwar kindlich-naiv, aber dennoch unsentimental. Auf den moralischen Zeigefinger wird verzichtet;...
Veröffentlicht am 30. Juli 2007 von Christina2506

versus
37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In vielen Punkten zu gewollt naiv
Ich bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass...
Veröffentlicht am 9. September 2009 von Bouquineur


‹ Zurück | 1 220| Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In vielen Punkten zu gewollt naiv, 9. September 2009
Von 
Bouquineur "AnkeH" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass ein 9-jähriges Kind deutlich besser über sein Umfeld Bescheid weiß als man es Bruno hier attestiert. Dass er nicht in der Lage war, die Wörter Auschwitz und Führer richtig auszusprechen und es selbst nach mehreren Korrekturen seitens seiner Schwester oder anderen Personen nicht auf die Reihe bekommen hat, fand ich überzogen.
Dieses Bild wird für mich noch unglaubwürdiger, wenn ich an die Erzählungen meines Vaters denke, der Jahrgang 1932 ist und damit zur Zeit, in der dieses Buch spielt, zwei Jahre älter als Bruno. Kein Kind war zu dieser Zeit so blauäugig wie Bruno, jedes Kind kannte den Unterschied zwischen Juden und "der Gegenseite", wie es hier im Buch ausgedrückt wird. Rassenkunde war Bestandteil des Schulunterrichtes. Des Weiteren fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass Bruno nicht erkennt, dass er ein hungerndes Kind vor sich hat und sich statt dessen fragt, warum Schmuel so grau und so dünn aussieht.

An der Art des Erzählens haben mich die ständigen Auslassungen geärgert. Als hätte der Autor Angst gehabt, die "bösen" Wörter zu nennen. Ich denke, dass man auch Kinder, die ja Zielgruppe dieses Buches sind, für solche Dinge sensibilisieren kann. Wie will dieses Buch etwas vermitteln, wenn die Dinge, um die es geht, nicht ausgesprochen werden?

Highlight dieses Buches war für mich Schmuel, der trotz der unerträglichen Situation, in der er sich befindet, nie verzweifelt oder sich aufgibt. Den Schluss fand ich überraschend und hätte ein solches Ende nicht vermutet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend bezüglich Erwartungen, die man gehegt hat, 11. Mai 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich kann mich meinen Vorrezensenten nur anschließen, welche dieses Buch mit nur einem oder höchstens zwei Sternen bewertet haben. Vorab muss ich sagen, dass ich selbst für mein Alter ein sehr neugieriges Wesen habe bezüglich früheren Zeiten. Ich mag Musik, Filme, Klamotten etc. von 1920 bis 1950. Darunter interessiert mich historisch gesehen auch die Zeit des Holocaust und Nazitums. Ich bin also mit großen Erwartungen an dieses Buch rangegangen und wurde schlussendlich, nachdem ich den letzten Buchstaben ausgelesen hatte, ziemlich enttäuscht. Vom Anfang bis circa in der Mitte des Buches geschieht nichts Außergewöhnliches. Der neunjährige Bruno verhält sich ziemlich unwissend und stellt sich so hin, als ob er sich alles um sich rum nicht vorstellen könne. Dauernd formt er ein "O" mit seinen Lippen, wenn ihn was erstaunt. Der Autor wiederholt das so oft, dass es schon unglaubwürdig klingt und man als Leser nur noch den Moment abwartet, wenn Bruno in der Gaskammer steht (die Szene kommt ja zum Schluss) und dort auch nochmal ein staunendes "O" formt, weil er glaubt die Nazi-Soldaten stecken so viele Menschen in eine Kammer um sie zu trocknen vom Regen. Andererseits nimmt das Buch einen schon mit, aber dann scheint es wieder zu abenteuerlich, übertrieben und allzu phantastisch. Selbst als der jüdische Junge namens Schmuel Bruno zeigt und sagt, dass er von den Nazis misshandelt wird, sie nichts zum essen haben im KZ und viele Häftlinge rumlaufen, bezweifelt Bruno das. Das Buch kommt ziemlich seicht rüber, weil kaum etwas geschieht, vor allem nichts schlimmes, außer, dass ein nazi mal "dreckiger jude" sagt, ein hund erschossen wird (wobei das nacherzählt wird vom autor und nicht aktiv in der geschichte geschieht) oder die szene am schluss mit der gaskammer kommt. Aus Kinderaugen gesehen kann es schon sein, dass ein deutscher Junge die Juden für Leute in gestreiften Pyjamas hält, aber alle anderen Dinge, die Bruno nicht verstehen will, obwohl er es kann, scheinen schier absurd. Seine Schwester wird ständig als "hoffnungsloser Fall" bezeichnet, sie selber sagt über ihren Bruder dauernd aus er sei doch erst neun Jahre alt und dann kommt wieder das staunende "O", das sich sogar einmal auf die Mutter überträgt und letztendlich schreibt der Autor immer über "Sachen, die bei Bruno ganz hinten im Schrank liegen, nur ihm gehören und keinem etwas angehen", aber dennoch: zuletzt wird nicht aufgedeckt, was diese "Sachen" eigentlich sind!?

Viel zu lang gewaschen die Wäsche. Keine Härte, kein Gefühl für den Leser von der Handlung mitgerissen zu werden. Nur ein bisschen Entdeckungsreise in eine Welt, die absurd scheint (wie kann denn ein jüdischer Junge sich ein Jahr lang mit eine deutschen Jungen unterhalten von Zaun zu Zaun ohne dabei von den Nazis strengstens überwacht zu werden über solch einen Zeitraum!?). Ach und dann schmuggelt Schmuel noch so ohne weiteres Häftlingsklamotten aus einer Kammer, die solcherlei extra beinhaltet, ja klar: er darf ja so ohne weiteres in diese Kammer als Häftling immer ein und ausgehen, wann es ihm passt. Ad absurdum, wie gesagt. Ich hoffe ich finde in Zukunft ein ergreifenderes Buch, das ich hier nun mal besser bewerten kann.

Dieser Text wurde von einer 17-jährigen verfasst.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


87 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen KEINE FABEL - sondern Holocaust für Dummis !!!, 20. März 2010
Von 
Thomas Göttges (Mönchengladbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Wer ein Buch über den Holocaust aus der Sicht eines 9-jährigen Kindes schreibt, der sollte sich natürlich auch in die geistige Entwicklungsstufe eines 9-jährigen hineinversetzen können (die der Autor hier aber klar mit der eines 5-jährigen verwechselt hat). Vor allem aber sollte er mehr als nur Grundkenntnisse von seinem Thema haben.

Durch unzählige Augenzeugenberichte, Literatur, Internetseiten, TV-Dokus, Gedenkstätten, Museen, und und und... ist es wohl bei kaum einem anderen Thema so leicht an gute Informationen heranzukommen, wie gerade beim HOLOCAUST.
Warum hat John Boyne keine dieser Möglichkeiten genutzt?

Rein sachlich betrachtet ist das Buch einfach katastrophal schlecht recherchiert und mit so haarsträubendem Unsinn angefüllt, dass der Untertitel "Fabel" die Sache am Schluss auch nicht retten kann.
Vor allem wird eine Geschichte ja auch nicht alleine deshalb zur Fabel, nur weil der Autor es so dazu geschrieben hat. Und ihm dieses Wort einfach nur stumm aus der Hand zu fressen ist sicher auch nicht der richtige Weg.

Eine Fabel ist es ja schonmal gar nicht, da die handelnden Figuren einer solchen eben keine Menschen sind (wodurch sie sich ja überhaupt erst definiert). Sie ist eine klare ABSTRAKTION im Bezug auf ihre Charaktere, die in der Fabel vollkommen wertneutral als Tiere (manchmal auch als Gegenstände) dargestellt werden.
Wenn überhaupt, so müsste es sich hier um eine Parabel handeln. Die Parabel nutzt FIKTIVE Inhalte um damit allgemeingültige Regeln im Bezug auf soziale und moralische Werte zu transportieren.
Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Der Völkermord in Auschwitz ist eben keineswegs FIKTION oder ABSTRAKTION, und eignet sich daher auch nicht als Basis für eine Fabel oder Parabel.
Vor allem ist aber auch unklar, welche Botschaft denn hier eigentlich übermittelt werden soll - oder kann mir irgendjemand plausibel erklären, was die moralische Kernaussage der Geschichte ist?

In vielen Rezensionen und Kommentaren ist zu lesen, dass Brunos Naivität als Analogie zu sehen sei, für die Millionen von Deutschen die weggeschaut haben, oder die nichts gewusst haben wollen. Dies alleine wäre allerdings noch gar keine Botschaft, sondern lediglich ein Vergleich.
Es spielt aber auch keine besondere Rolle, da solch ein Erklärungsversuch ja schon im Ansatz scheitern muss. Brunos Unwissenheit wird ja hier schließlich nicht als Schutzbehauptung dargestellt, sondern als absolut ehrlich und real. Er hätte ja sonst in dieser Analogie wegschauen und mit der Masse mitschwimmen müssen. Er wäre dann niemals so unvoreingenommen auf Schmuel zugegangen oder hätte sich gar mit ihm angefreundet. Und vor allem hätte er auch niemals die andere Zaunseite betreten.
NEIN, Bruno verkörpert hier keinesfalls die damalige deutsche Bevölkerung.

Vielleicht leistet Bruno aber irgendeine Art von Widerstand, und kann deshalb für diese Gruppe stehen?
NEIN, denn alles was er tut, tut er aus reiner Unkenntnis. Er handelt nicht aus ethischen oder moralischen Gründen und bricht niemals aktiv irgendwelche Regeln um das System zu untergraben. Er geht keinerlei Risiko ein, dessen er sich vorher bewusst gewesen wäre. Daher kann er auch nicht symbolisch für die Widerstandsbewegung angesehen werden.

Vielleicht ein Täter?
Obwohl er als deutscher (und noch dazu mit diesem Vater) klar auf der Seite der Täter steht, zeigt er nicht die aller geringsten Tendenzen zu Hass, Gewalt oder Antisemitismus. Ein Täter ist er daher ganz klar AUCH NICHT.

Also was bleibt ???

Am Ende ist Bruno einfach nur ein Naivling, der durch seine eigene Beschränktheit irgendwie in die Schusslinie gestolpert ist.
Mit anderen Worten, er ist ein Individuum, das kaum stellvertretend für irgendeine größere Personengruppe stehen kann. Aus diesem Grund erschließt sich mir hier auch kein tieferer Sinn.

Sollte sich die Moral der Geschichte aber tatsächlich NUR auf die Freundschaft beider Jungen beziehen (ohne eine wirkliche Verbindung mit dem KZ-Auschwitz), so wäre dies eine fast noch größere Frechheit von John Boyne. Der Holocaust forderte über 6 Millionen Opfer - eine unvorstellbare Zahl, die noch nicht einmal die Überlebenden beinhaltet, welche kaum weniger zu bedauern sind. Diese dann für eine solch konstruierte Geschichte herzunehmen, könnte ich dann wirklich nur noch als "Verkaufsfördernde Maßnahme" bezeichnen.

Natürlich - in jeder Geschichte (so auch in dieser) gibt ein paar Dinge am Rande, die so etwas wie eine "Botschaft" darstellen könnten. Im Bezug auf Brunos Vater kann man zum Beispiel sagen: "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Schließlich wird der am Ende ja auch irgendwie selbst Opfer seines eigenen Massenmordes.
Solche oder ähnliche Dinge sind in dieser Geschichte aber Nebensächlichkeiten. Das ist nicht die Kernaussage, und auf keinen Fall macht eine solche Botschaft das Buch zur Fabel. (Wie gesagt, etwas Ähnliches kann aus fast jeder Geschichte herausgelesen werden, selbst aus Winnetou, Harry Potter oder dem Struwwelpeter.)
Es ist auch leider etwas zu kurz gedacht wenn man annimmt, dass eine Geschichte schon alleine deshalb eine wertvolle Aussage haben müsste, nur weil sie den Holocaust zum Inhalt hat - obwohl es natürlich schön wäre, wenn man hier einen Zusammenhang voraussetzen könnte.

Doch selbst was den literarischen Wert angeht, so steckt in diesem Buch wie ich finde nicht allzu viel Lesenswertes.
Die Charaktere sind allesamt oberflächlich und entwicklungsunfähig. Der Schreibstil ist extrem simpel und bietet kaum Spannungsbögen. Die ständigen Wiederholungen (die der Autor offenbar für eine kindlichen Denk- und Sprechweise hält) nerven kolossal ab, und die unglaubliche Einfältigkeit des Protagonisten Bruno ist kaum zu ertragen.

Bruno (Sohn des LAGERKOMMANDANTEN in AUSCHWITZ), der wie kaum ein anderer Junge nationalsozialistisch gedrillt sein müsste,
- kennt Adolf Hitler nicht.
- kann selbst nach mehrfachem Vorsagen das Wort "Auschwitz" nicht aussprechen, obwohl er seit einem Jahr dort wohnt und es auf einer Parkbank sogar geschrieben gesehen hat.
- hat auch noch nichts davon gehört, dass Juden "Volksschädlinge" seien, und ist offenbar in seinem ganzen Leben (1933 bis 1943) noch mit keiner Form von Propaganda in Kontakt gekommen - weder zu Hause, noch in der Schule oder auf der Straße.
- weiß überhaupt nicht was ein Jude ist, oder ob er selber einer ist.
- kann sich auch nicht den aller geringsten Reim auf die Vorgänge in seiner direkten Umgebung machen und hinterfragt auch nichts ... (wer selber Kinder hat der weiß, was für Löcher die einem in den Bauch fragen können).
- selbst nach einem Jahr intensiver Gespräche am Zaun, wundert er sich über das fehlen von Straßencafés und Gemüseläden im Lager.

DAS ALLES IST IM HÖCHSTEN MAßE UNGLAUBWÜRDIG !!!

Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt ist die enorme Fülle an Absurditäten. Manche davon widersprechen nicht nur den historischen Fakten, sondern auch noch ganz krass dem gesunden Menschenverstand.

- Da klingeln eines Abends Adolf Hitler und Eva Braun bei Familie Höß an der Tür, weil sie zum Abendessen eingeladen sind ...
- Da kann ein jüdisches Kind, das offenbar nicht mit irgendeiner Art von Zwangsarbeit beschäftigt ist, ein ganzes Jahr lang in Auschwitz-Birkenau überleben und Tag für Tag am Zaun sitzen ...
- Da ist der kleine Schmuel, der im Gegensatz zu seinem Freund Bruno ganz genau weiß was es bedeutet, auf der inneren Zaunseite zu stehen. Und trotzdem konzentriert er sich nicht etwa darauf, wie er selbst (vielleicht mit seiner Familie) aus dem Lager entfliehen könnte, sondern wie er seinen BESTEN FREUND hineinbringen kann ...
- Dann ist da dieser vollkommen ungesicherte Zaun. Der kleine Bruno kann ihn völlig unbehelligt und unbeobachtet jeden Tag hochheben, Essen drunter durchschieben oder selber drunter her kriechen, obwohl doch genau dieser Zaun für tausende von Häftlingen eine unüberwindliche Barriere ist ...

Diese Liste lässt sich noch lange fortführen. Es reicht aber sicher zu sagen, dass ein persönlich betroffener (also ein Augenzeuge, der tatsächlich die Hölle von Auschwitz überlebt hat) diese Darstellung wohl nur wie HOHN empfinden kann.

Dass nun gerade in Deutschland das Thema Holocaust einen ganz besonderen (und unantastbaren) Stellenwert hat, ist natürlich bekannt - und auch vollkommen richtig so. Ich würde auch niemals einen Augenzeugenbericht schlecht rezensieren - selbst dann nicht, wenn ich die Umsetzung irgendwie misslungen fände.
Mein Respekt vor den Opfern, vor dem Thema im allgemeinen, und vor der enormen Verantwortung die wir deutschen seither tragen, verbietet da einfach jede Kritik - ganz besonders von Personen wie mir oder Mr. Boyne, die wir beide Jahrgang '71 sind und daher nicht aus eigener Erfahrung sprechen können.
Für ein derart hergeholtes Hirngespinst (was dieses Buch zweifellos ist) gilt mein selbst auferlegtes Kritikverbot aber nicht, im Gegenteil.
Ich sehe hier die Möglichkeit nochmal daran zu erinnern, dass wir auch gegenüber zukünftiger Generationen die Verpflichtung haben, alle historischen Tatsachen genau, unverfälscht, und vor allem nicht verharmlost an die nach uns kommenden weiterzugeben. Gerade Kinder und Jugendliche sind auf eine richtige historische Darstellung angewiesen, um einen verantwortungsvollen Umgang mit der deutschen Geschichte zu lernen (ganz abgesehen davon, dass es einem Kind dieser Altersgruppe auch kaum zuzumuten ist, sich beim lesen auf das geistige Niveau von Bruno herab zu begeben).

FAZIT - auch auf die Gefahr hin, dass ich mir hier nicht allzu viele Freunde mache ...

Dieses Buch ist bestenfalls für diejenigen Leser zu empfehlen, deren literarische Ansprüche sich bereits damit erschöpfen, dass sie am Ende reichlich Tränen wegen der herzzerreißenden Kinderschicksale vergießen können. Da braucht man sich nur die vielen positiven Rezensionen (und deren Begründungen) anzuschauen.
Wer einfach nur emotionale Unterhaltung mit viel Herzschmerz und einem rührenden Finale sucht, der ist mit diesem Buch sicher gut bedient - vorausgesetzt er hat nicht allzu viele Vorkenntnisse im Bezug auf den Holocaust, und kann sich deshalb auch nicht an all dem Unsinn in der Geschichte stören.

Es tut mir ja sehr Leid, aber allen anderen ist wirklich abzuraten !!!

Viele Grüße, Thomas Göttges
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Simple Psychologie und Verdrehung von Fakten und geschichtlichen Tatsachen, 27. März 2010
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Inhalt:
Der neunjährige Bruno und seine Familie verlassen Berlin, da der Vater einen wichtigen Posten im KZ Auschwitz bekommen hat. Bruno fühlt sich anfangs einsam, vermisst seine Freunde und das tolle Haus, in dem sie in Berlin gelebt hatten. Doch dann lernt er Schmuel kennen, den Jungen auf der anderen Seite des Zaunes.

Mein Eindruck:
Das Buch ist leicht zu lesen und sprachlich sicherlich gut geeignet für jüngere Leser. Inhaltlich würde ich aber jedem Kind, jedem Jugendlichen und jedem Erwachsenen abraten.

Meine Gründe (Vorsicht: SPOILER!!!!):
(1) Der Autor wurde 1971 in Dublin geboren und hat somit keine eigenen Erfahrungen bezüglich Nationalsozialismus/Holocaust - und das merkt man! Wenn man schon nicht aus eigener Lebenserfahrung schöpfen kann, gibt es (gerade zu diesem Thema) genug Literatur, die einen realistischen Eindruck vermitteln kann. Auch hätte der Autor Zeitzeugen zu Rate ziehen können, bevor er ein solch naives und respektloses Bild von Auschwitz zeichnet. Bei Boyne kann ein neunjähriger Junge über Monate hinweg fast täglich mehrere Stunden im Schneidersitz herumsitzen und mit einem anderen Jungen sprechen. Vielleicht hätte sich Boyne einmal über den Alltag in einem Konzentrationslager informieren sollen, bevor er seinen Protagonisten Faulheit und Rückzug zugesteht. Auch das Sitzen in der Nähe des Zaunes war sicherlich nicht so einfach, denn für gewöhnlich wurde geschossen, wenn man eines Fluchtversuches verdächtigt wurde (und als solcher kann die Annäherung an den Zaun ausgelegt werden). Der Autor beschreibt, dass der Ort, an dem Schmuel sitzt, nicht überwacht wurde und dass es gar eine Stelle gab, wo man unter dem Zaun hindurch kriechen konnte. Wie wunderbar einfach es gewesen wäre, dem Grauen zu entrinnen! Ich empfinde eine solche Schilderung als einen Schlag ins Gesicht für all jene, die in einem KZ umgekommen sind oder ihre gesamte Familie in einem KZ verloren haben.

(2) Bruno soll der Prototyp eines naiven Kindes sein, aber dermaßen naiv und unwissend ist kein Kind. Ich bin in einer Diktatur aufgewachsen, und ich kann bestätigen, dass man bereits als Kind indoktriniert und dass viel Wert auf politische Erziehung gelegt wurde. Das wird im Nationalsozialismus nicht anders gewesen sein, doch laut Autor soll ausgerechnet der Sohn eines SS-Mannes nicht wissen, wer der Führer ist und dass er nicht Furor heißt? Bruno wird als so dumm und blauäugig geschildert, dass es unglaubwürdig und unrealistisch ist.

(3) Es gibt noch zahlreiche andere Ärgernisse, wie beispielsweise die Schwarz-Weiß-Malerei des Autors, die sich durch das gesamte Buch zieht, oder die unrealistische Beschreibung von Berlin, wo es auch in Kriegszeiten überall bunte Schaufenster und überquellende Obst- und Gemüsestände gab. Auch Schmuels Begeisterung dafür, dass Bruno zu ihm ins Lager kommt, ist völlig an den Haaren herbeigezogen, denn jeder Häftling (und sei es ein Kind) wird die Allgegenwärtigkeit von Tod und Gefahr gespürt haben und wird keinen Freund ins Lager gelockt haben. Hier verharmlost der Autor Krieg und Holocaust, teilt die Welt in Gut und Böse ein und hilft so keineswegs, ein komplexes Phänomen wie das Dritte Reich verstehen zu können.

(4) Als besonders blauäugig und nahezu gefährlich empfinde ich die letzten Sätze: 'Dies ist das Ende der Geschichte von Bruno und seiner Familie. Natürlich geschah dies alles vor langer Zeit, und etwas Ähnliches könnte nie wieder passieren. Nicht in diesen Tagen. Nicht in diesem Zeitalter.'. Das ist exakt die Botschaft, die man Kindern (und auch Erwachsenen) nicht vermitteln sollte, denn die Geschichte kann sich durchaus wiederholen, vor allem wenn man das Dritte Reich nicht differenziert betrachtet und sich nicht intensiv mit Ursachen von totalitären Systemen auseinandersetzt, und solange man agierende Personen wie Adolf Hitler entmenschlicht und nur als 'böse' betrachtet - denn so einfach ist die Welt nicht und so einfach sind auch Verbrechen nicht zu erklären.

Mein Resümee:
Dieses Buch vermittelt ein verzerrtes und naives Bild vom Lagerleben und ist eine Beleidigung für die Opfer des Nationalsozialismus!

Meine Empfehlungen:
Wer sich dafür interessiert, was ein Kind in einem KZ erlebt und empfunden hat, der sollte 'Roman eines Schicksallosen' von Imre Kertész lesen. Wem dies zu schwer zugänglich ist, dem kann ich Max Mannheimer's 'Spätes Tagebuch' empfehlen.
'Worüber keiner spricht' von Allan Stratton behandelt zwar ein völlig anderes Thema (HIV und AIDS in Afrika), zeigt aber eindrucksvoll, dass man ein schwieriges Thema kindgerecht ansprechen und dadurch zur Aufklärung beitragen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Absicht des Autors: total verfehlt, 22. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Die Geschichte ist unheimlich banal. Der Autor traut sich anscheinend nicht die Worte "Auschwitz" und "Führer" zubenutzen, denn keine Person in dieser Geschichte kann sie richtig ausprechen. Oftmals werden wichtige Stellen umschrieben anstatt sie genau zu benennen. Auch das erst nach der Hälfte des Buches die versprochene Geschichte anfängt, hat mich persönlich sehr genervt. Hier hätte der Autor die 150 Seiten Einleitung unheimlich kürzen und straffen können.

Die Hauptperson ist mir zu naiv, farblos und zu flach. Der Autor kann mir nicht weis machen, dass ein 9-jähriger Junge Im Dritten Reich nicht wusst was ein Jude ist, besonders dann nicht, wenn der eigene Vater ein hohes Amt begleitet und der "Furor" anscheinend desöfteren bei der Familie zu Abend isst.

Ab dem Zeitpunkt in dem Bruno auf Schmuel trifft und regelmäßig besucht hätte ich mir mehr Ideenreichtum seitens des Autors gewünscht. Die Freundschaft bleibt aber flach und einfalls los. Dem Autor fehlten entweder die Worte oder machte nur fadenscheinige Anspielungen.

Insgesamt eine nette Geschichte, die allerdings den Hintergrund des Drittenreiches und der Judenverfolgung und -vernichtung nicht gerecht wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Jugendbuchliteratur? Jein., 1. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Bruno, ein neunjähriger Junge, forscht gern. Nein, er hat nicht den Mumm einer Pippi Langstrumpf, sondern hält sich bei seinen Expeditionen eigentlich immer an die Regeln und Grenzen, die ihm die Erwachsenen stecken. Er führt eher das Leben eines artigen Jungen, der das Jahrtausendbrausen um sich herum nicht wahrnimmt. Er lebt mit seiner Familie in einer großen Villa im Berlin der beginnenden Vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Der Vater ist ein hoher SS-Kommandant, "mit dem der Furor noch viel vor hat". Bruno hat diesen "Furor" zwar schon persönlich kennengelernt, als dieser sich mit einer netten, jungen Frau bei der Familie zu einem Abendessen einfindet. Dennoch mißt Bruno dem nicht allzu viel Bedeutung bei. Dennoch ändert sich das Leben der Familie danach schlagartig. Der Vater hat eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen. Das Reich braucht ihn. Und zwar in "Aus-Wisch". Das ist alles, was Bruno verstanden hat. Also packt die Familie ihre Koffer. Die Eltern, Bruno und seine Schwester Gretel ziehen um. Bruno ist todunglücklich. Das neue Domizil ist nicht annähernd so groß wie das Elternhaus. Nirgendwo gibt es andere Häuser oder Läden, von anderen Kindern ganz zu schweigen. Bruno will wieder nach Hause. Der Vater macht ihm aber unmissverständlich klar, dass seine Aufgabe und der "Furor" vorgehen. Bruno muckt zwar für seine Verhältnisse ziemlich vehement auf, beugt sich dann aber und findet sich allmählich mit der neuen Situation zurecht. Was im Wesentlichen an Schmuel liegt, einem Jungen im gestreiften Pyjama, der hinter dem Zaun lebt. Nachdem Haus und Nachbarschaft ihm nichts zu bieten haben, beginnt Bruno seine Umgebung zu erforschen. Er wagt sich nach langem Fußmarsch mutig an den Zaun. "Dort sah er zunächst einen Punkt, dann einen Schemen, dann ein Strichmännchen aus dem beim Näherkommen ein kleiner Junge wurde."
Bruno versteht nicht, warum Schmuel immer einen bequemen Schlafanzug tragen darf, während er in zu knappen Hosen und zu engen Schuhen herumlaufen muss. Bruno findet es auch ungerecht, dass auf der andere Seite des Zauns viel mehr Kinder leben als auf seiner Seite. Es dauert eine Weile, bis ihm Schmuel erzählt, wie er nach "Aus-Wisch" gekommen ist. Man hat ihm sein Zuhause weggenommen, genauso wie Bruno, meint Bruno. Die beiden sehen sich von nun an unter Gefahren für Schmuel jeden Tag an derselben Stelle des Zauns und freunden sich an, obwohl Bruno diese Freundschaft ganz merkwürdig findet, weil sie immer nur da sitzen und erzählen, aber nicht miteinander spielen können. Bis Bruno eines Tages beschließt, dem traurigen Schmuel bei der Suche nach dessen verschwundenem Vater zu helfen, nachdem schon der Großvater plötzlich verschollen war.
Es ist der letzte Tag von Bruno in "Aus-Wisch", weil die Eltern nach einem Streit entschieden haben, dass die Mutter und die Kinder nach Berlin zurückkehren werden, weil Ausschwitz nun doch kein Ort für Kinder sei.
Bruno besucht Schmuel ein letztes Mal und überschreitet die ihm durch den Zaun gesetzte Grenze gegen jede Regel, denn er hat es Schmuel versprochen. Welche Konsequenz das für ihn hat, soll hier nicht preisgegeben werden.

John Boyne präsentiert uns den Nationalsozialismus, die Judenverfolgung und den Holocaust aus der Warte eines unbedarften Neunjährigen, der von den Erwachsenen im Ungewissen gelassen wird, warum es den Zaun gibt und was sich dahinter abspielt. Bruno scheint nicht infiltriert worden zu sein von dem allgegenwärtigen Hass und der unübersehbaren Propaganda gegen die deutsche Bevölkerung jüdischen Glaubens, was einwenig unwahrscheinlich anmutet, aber nicht gänzlich ausgeschlossen sein muss. Er wird als guter Junge von beinahe schlichtem Gemüt geschildert, der unvoreingenommen auf einen anderen Jungen trifft. Dass die beiden unter den geschilderten Umständen wirklich fast ein Jahr täglich am Grenzzaun unentdeckt eine Freundschaft entwickeln können, macht den Plot mehr als gewagt und scheint bei Kenntnis der historischen Fakten über das Lager und seine Grenzkontrollen mehr als unwahrscheinlich. Kurioserweise stört das beim Lesen nicht, weil historische Ungenauigkeiten in diesem Fall nicht zu einer Verharmlosung oder gar Banalisierung des verbrieften historischen Geschehens führen.
Boyne führt konsequent aus Brunos Warte durch die Geschichte, wenn auch an ein bis zwei Stellen die Erzählperspektive nicht gehalten wird. Auch das stört nicht.
Es ist eine gut erzählte Geschichte, die den Leser verstört zurücklässt.
Immer, wenn monumentale Verbrechen anhand von Einzelschicksalen dargestellt werden, tut sich erst die Dimension des Schreckens auf, die Opferzahlen, selbst wenn sie noch so hoch sind, nicht ausüben können.
Und noch mehr vermag das Buch zu leisten: Es vermeidet Klischees von den bösen Tätern und den armen Opfern. Umso eindringlicher wirkt die Botschaft von der Sinnlosigkeit, Willkür und Grausamkeit der Judenverfolgung. Denn was ist an dem Jungen im gestreiften Pyjama so anders als an Bruno? Am Ende nichts. Wirklich gar nichts.

Ob das Buch von John Boyne das Zeug zum Klassiker hat, glaube ich nicht. Es ist aber eine Möglichkeit sich einem Jahrtausendverbrechen zu nähern, das sich mit zunehmender zeitlicher Distanz jedem Begreifen zu entziehen sucht, weil man es aus heutiger Warte nicht mehr nachvollziehen kann, wie sich eine solche Tötungsmaschinerie jemals in Bewegung setzen konnte.
Jedes Buch, das an dieser Stelle weiterhilft und gegen das Vergessen arbeitet, ist mir willkommen, insbesondere ein gut geschriebenes Kinderbuch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Nummer zu groß für Boyne, 2. Mai 2011
Von 
"Morgan le Fay" (Bad Reichenhall, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Wir haben "Der Junge im gestreiften Pyjama" in der Schule (9. Klasse Gymnasium) gelesen und ich hatte zuvor schon viel Gutes über das Buch gehört und wurde bitter enttäuscht.
Die Geschichte ist unrealistischer als jeder Fantasy-Film und auch wenn Boyne einen gut gemeinten Versuch gestartet hat, die Menschen aus ihrer langsam aufkommenden Gleichgültigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus, da man in Büchern und Filmen zu diesem Thema geradezu erstickt, mit seiner eigenen Art herauszureißen, der allerdings gehörig nach hinten los gegangen ist.
Nicht nur, dass Brunos Naivität (und auch genauso die seiner älteren Schwester Gretel) vollkommen unrealistisch un überzogen ist. (Bruno geht ja mit seinen 9 Jahren immerhin schon zur Schule, wo die Schüler im 3. Reich ja bereits in der Grundschule nationalsozialistisch erzogen wurden, und hat als Sohn eines überzeugten Nazis keine Ahnung von der Nazi-Ideologie, was absolut unrealistisch ist.)
Auch sind schlichtweg einige historische Fehler drin.
Die Geschichte spielt 1942, als Auschwitz bereits ein Vernichtungslager schon fast im industriellen Sinne war und es niemals eine Stelle im Zaun gegeben hätte, die 1. unbewacht und 2. an der der Zaun locker genug gewesen wäre, als dass ein Junge da hindurch klettern hätte können.
Außerdem ist Gretels Weltfremdheit am Anfang schlichweg unmöglich, da sie mit ihren zwölf Jahren bereits Mitglied in der Hitlerjugend hätte sein müssen und somit nicht mehr hätte vermuten können, dass das KZ ein Bauernhof ist.

Alles in allem hat mich an dem Buch dieses unglaublich Realitätsferne bei so einem wichtigen Thema fürchterlich gestört. Und zwar nicht nur das Ende, sondern durchgehend.
Auch ist Brunos naive Perspektive nicht interssant, sondern nur nervig, weil man so das Gefühl bekommt, Boyne wäre sich nicht sicher gewesen, ob er jetzt nun von den Grausamkeiten der Nazis schreiben soll oder nicht. (Diese Perspektive schafft es auch nicht, dass die wahren Grausamkeiten eher subtil ausgedrückt werden, was es ja bestimmt zu einem ganz besonderen Lesegenuss gemacht hätte, sondern nimmt der Geschichte wichtige Luft zum atmen.)
Eigentlich liebe ich historische Romane und habe z.B. "Die Bücherdiebin" mit Begeisterung verschlungen, aber "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist einfach nur schlecht.
Nicht einmal durch schöne Alltagsbeschreibungen macht Boyne die unrealistische Storyline wieder wett, deshalb verdient es bei mir nicht mehr als zwei Sterne, wobei der zweite Stern allein darauf beruht, dass die Szenen im einzelnen oft nicht das mieseste sind, das ich jemals gelesen habe, und die Storyline zumindest halbwegs logisch, wenn auch wie gesagt absolut unrealistisch, aufgebaut ist.

Von diesem Thema hätte Boyne eindeutig besser die Finger gelassen und das jemand anderem überlassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwieriges Thema zweifelhaft umgesetzt, 21. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Jugendliteratur über den Holocaust muss sich besonderen Schwierigkeiten stellen. Ein schon an sich schwer zu verbalisierender Sachverhalt soll in jugendgerechte Sprache und v.a.: in eine jugendgerechte Perspektive transformiert werden. Die berühmte des Messers Schneide wurde in dieser "Fabel", wie der Untertitel lautet, jedoch leider nicht einmal erreicht. Dies hängt vor allem mit der Charakterzeichnung des Protagonisten Bruno zusammen. Aus einer personalen Erzählsituation wird die Handlung durch seine Brille betrachtet.

Als Sohn des Lagerkommandanten von Auschwitz wird der neunjährige Bruno eines Tages mit Mutter und Schwester aus Berlin nach Auschwitz gebracht, wo er jenseits des Vernichtungslagers im Kommandeurs-Haus untergebracht ist. Der Wechsel Berlin-Auschwitz ("Aus-Wisch") fällt ihm schwer, er versteht nicht, was in seiner Umwelt vorgeht. Lager und Häftlinge sind für ihn ein Tabu, er sehnt sich nach seinen Freunden. Dass er eines Tages den gleichaltrigen Schmuel, einen jüdischen Häftling, auf der anderen Seite des Zaunes sitzend antrifft, ist der Beginn der Freundschaft zwischen dem Sohn des Lagerkommandanten und dem jüdischen "Jungen im gestreiften Pyjama"...

Allein der Titel als Synonym für Schmuel - der Junge im gestreiften Pyjama ' bezeugt die große Naivität, mit der Bruno das Leben jenseits des Lagers betrachtet. Warum erkennt ein Neunjähriger nicht, was Schmuel widerfährt? Warum hat ein Neunjähriger, der im nationalsozialistischen Staat aufwächst, noch nie etwas von den Juden gehört ' geschweige denn von deren angeblicher Minderwertigkeit? Warum vermag er nicht, den Ort "Auschwitz" richtig auszusprechen? Warum kann selbst er als Sohn eines hochrangigen Nazi-Funktionärs den Begriff "Führer" nicht richtig artikulieren? Dass bei ihm stets ein bloßes "Furor" dabei herumkommt ist unglaubwürdig. Eine Anspielung auf das lateinische Wort "furor" (Wut, Zorn, Hass) wäre an sich ein schöner Interpretationsansatz, um damit Hitler negativ zu kennzeichnen. Doch aufgrund der personalen Erzählsituation erscheint diese These, die man zur "Entschuldigung" anführen könnte, nicht einmal tragbar. Auch weitere Details, die nicht so recht passen wollen, sorgen für Missstimmung. In einer Analepse, die eine Anekdote aus der Zeit vor Kriegsausbruch berichtet (Brunos Mutter erzählt definitiv vor 1939 über den Ersten Weltkrieg), wird besagter Krieg tatsächlich als "Erster Weltkrieg" bezeichnet, obwohl ein "Zweiter" noch nicht ausgebrochen ist. "Weltkrieg" wäre richtig gewesen. Allerdings lässt sich an dieser Stelle nicht klären, ob lediglich ein Übersetzungsfehler für das auch heute noch im Englischen gebräuchliche "The Great War" vorliegt. Entscheidender für die Unwahrscheinlichkeit der Handlung jedoch: Warum kann Bruno durch den Zaun ins Lager gelangen, Schmuel im Gegenzug aber nicht heraus?

Trotz der gravierenden Mängel in der Anlage der Charaktere und des Plots muss der "Fabel" jedoch zugute gehalten werden, dass sie es in der Tat vermag, Emotion aufzubauen. Der Leser wird auch durch die Sprache in eine gedrückte Stimmung versetzt. So sollte der Text wohl nicht mit den Augen eines erwachsenen Literaturwissenschaftlers, sondern mit denen des jugendlichen Lesers betrachtet werden. Zwar enthält er selbst dann noch besagte Mängel, doch bietet er die Grundlage, sich mit dem schwierigen Thema auseinanderzusetzen und eine Reflexion anzuregen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Naiv, 4. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich kann mich nahezu allen Negativ-Rezensionen anschließen. Naiv! Wie kann man dieses Buch nur mit "Anne Frank" vergleichen, oder als "ein Wunder" oder als "eines der größten Jugendbücher" bezeichnen? Wie blöd muss der Hauptdarsteller eigentlich sein, dass er nicht im enferntsten weiß, was vor sich geht? Da läuft eine Horde pyjamatragender Leute herum, die komischerweise ausgemergelt aussehen, der Stachelddraht ist an einer Stelle offen -unbemerkt von den Insassen, die da offebar eine Pyjamaparty veranstalten- und Bruno stellt ichts in Frage.Er fragt nicht, niemanden. Bruno unterhält sich mit einem Lagerjungen, aber sie sprechen nicht über das, was real im Alltag des armen Judenjungen vor sich geht, sondern über dies und das (nicht näher ausformuliert, denn es fällt offenbar doch selbst diesem Autor schwer, einen echten Dialog zu erdenken, den Lagerinsasse und Kind eines Nazis geführt haben können. Worüber können sie gesprochen haben? Über den Austausch von Spielzeug? Wohl kaum.) Der Lagerinsansse sagt nichts von den Zuständen in denen er lebt und Bruno fragt auch nicht nach. Seltsamerweise hat er keinerlei NS-Erziehung erhalten, obwohl sein Vater ein hohes NS-Tier ist. Hitler kennt er nicht, er weiß nicht was Auschwitz ist und wo es liegt, er hat den Umzug nach Polen nicht begriffen und dass Hilter mal bei ihm zu Besuch war und der "Arbeitgeber" seines Vater ist- egal, hatte er alles nicht bemerkt. Mit 3 mag das möglich sein, aber mit 6??????? Alle Charaketere sind flach und Bruno offenbar maßlos dumm. Am ärgerlichsten ist, wie dieses Buch hochgelobt wurde.Der Autor verschaukelt alle Leser, die ernstahft am Thema interssiert sind.
Der Autor verharmlost selbst das Ende. Ups, da hat Bruno wieder mal nicht kapiert was vor sich geht und schwuups, wurde er -versehentlich- vergast. Na so was!
Ein Buch, welches man alsbald vergessen sollte, grottenschlecht. Wer so vereinfacht, darf sich nicht wundern...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön und unsentimental, 30. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich habe ich etwas gegen Bücher, die aus kindlicher Perspektive ein ernstes Thema behandeln, weil durch die naive Erzählperspektive oft auf etwas "billige" Weise Mitleid erzeugt wird. Das ist hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil, der Erzählstil ist zwar kindlich-naiv, aber dennoch unsentimental. Auf den moralischen Zeigefinger wird verzichtet; er ist auch gar nicht nötig, denn die Antworten, die der 9-jährige Bruno auf seine Fragen nach den "Menschen hinter dem Zaun erhält" (Antwort des Vaters: "Das sind gar keine Menschen") sind auch so erschreckend genug. Besonders glaubhaft wird die Erzählung dadurch, dass Bruno trotz allem daran glaubt, dass sein Vater ein guter Mensch ist und niemals anderen Menschen Schaden zufügen könnte. Wie könnte auch ein Kind begreifen, welche Leiden den Menschen auf der falschen Seite des Zauns (der Begriff "Jude" taucht erst ganz am Schluss des Buches auf) gerade von der Person zugefügt werden, die es am meisten respektiert? Auch das Ende der Geschichte ist daher folgerichtig ...
Eine einfache, aber äußerst eingängige und bewegende Lektüre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 220| Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Junge im gestreiften Pyjama
Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne (Gebundene Ausgabe - 27. Juli 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 4,69
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen