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82 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer (zwischen den Zeilen) lesen kann, ist klar im Vorteil
Aufgrund der zahlreichen negativen (und für mich haarsträubenden)Rezensionen in der letzten Zeit, muss ich mich jetzt hier auch einmal zu Wort melden. Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Lehramt-Studiums gelesen und habe gelacht und geweint, aber die meiste Zeit saß ich einfach nur mit offenem Mund da und konnte es nicht fassen, was ich da lese...
Vor 20 Monaten von Verena Baumann veröffentlicht

versus
184 von 245 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen KEINE FABEL - sondern Holocaust für Dummis !!!
Wer ein Buch über den Holocaust aus der Sicht eines 9-jährigen Kindes schreibt, der sollte sich natürlich auch in die geistige Entwicklungsstufe eines 9-jährigen hineinversetzen können, welche der Autor hier aber klar mit der eines 5-jährigen verwechselt hat.
Vor allem aber sollte er mehr als nur Grundkenntnisse von seinem Thema...
Veröffentlicht am 20. März 2010 von Thomas Göttges


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82 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer (zwischen den Zeilen) lesen kann, ist klar im Vorteil, 5. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Aufgrund der zahlreichen negativen (und für mich haarsträubenden)Rezensionen in der letzten Zeit, muss ich mich jetzt hier auch einmal zu Wort melden. Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Lehramt-Studiums gelesen und habe gelacht und geweint, aber die meiste Zeit saß ich einfach nur mit offenem Mund da und konnte es nicht fassen, was ich da lese.

Das Buch ist NICHT für Kinder geeignet. Die Geschichte lebt von der Kluft, die zwischen dem, was Bruno denkt und dem Wissen das jugendlichen/erwachsenen Lesers um die wahren Geschehnisse, entsteht. Das Thema Nationalsozialismus und Holocaust wird in der Schule etwa ab der 7. Klasse thematisiert, ich würde das Buch mit einer Klasse jedoch niemals vor dem 8./9. Schuljahr bearbeiten. Der Leser muss wissen, was wirklich passiert ist, das macht den Reiz der zahlreichen Leerstellen (oder wie manche es hier nennen: "Auslassungen"), aus. Leerstellen sind dazu da, damit der Leser interpretieren und aktiv am Sinnbildungsprozess teilnehmen kann. Übrigens erwähnt der Autor explizit im Prolog, dass Bruno zwar 9 Jahre alt ist, das Buch aber nicht für 9jährige geschrieben ist.

Der Autor will die Situation weder total realistisch (natürlich ist es unrealistisch, dass die beiden Jungen sich am Zaun treffen), noch geschichtlich 100 Prozent korrekt darstellen. Dafür gibt es bereits genügend andere Bücher über den Holocaust. Wie bereits oben erwähnt, sollte der Leser dieses Wissen bereits haben, wenn er dieses Buch liest. Es vermittelt also auch kein falsches Bild. Meiner Meinung nach wird hier überhaupt nichts verharmlost, ganz im Gegenteil: Alles Schreckliche, was in den Lagern passiert ist, wird dargestellt: Hunger, Misshandlung, Mord. Naürlich ist Bruno so naiv, wie es kein anderes Kind ist und wahrscheinlich auch kein Kind während des NS war. Natürlich mussten die Kinder der Nationalsozialisten die Ideologie ihrer Eltern übernehmen und haben bereits in der Schule eingebläut bekommen, was Sache ist. Aber würde dieses Buch funktionieren, wenn Bruno all das gewusst hätte? Dann wäre es ein Buch wie all die anderen auch. Auch das erwähnt der Autor im Nachwort ("[...], und zwar durch die Augen eines sehr naiven Kindes, das die schrecklichen Geschehnisse um es herum nicht versteht.") Dabei ist es egal, ob Bruno 5 Jahre alt oder 9 Jahre alt ist.

Die Aussage im letzten Satz des letzten Kapitels ist natürlich ebenfalls ironisch gemeint und soll den Leser "provozieren". Natürlich weiß der Autor, dass so etwas immer wieder passieren kann.

Er kritisiert auch den Umgang vieler Erwachsenen mit ihren Kindern, die ihren Kindern die Welt nicht erklären. Am Ende stellt sich heraus, dass Bruno gar nicht so dumm und naiv war, wie man vielleicht annimmt. Er hat etwas, dass die Erwachsenen verloren haben: Für ihn sind alle Menschen gleich, egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen. Letztendlich wurde er zum Opfer der Leichtgläubigkeit seiner Eltern, die davon ausgegangen sind, dass er all das Leid, dass er vor Augen hatte, nicht wahrnimmt, dass er keine Fragen stellt. Bruno hat sehr viele Fragen gestellt, er hat aber keine Antworten bekommen. Also hat er sich seine Welt auf eigene Art erklärt- und das ist ihm zum Verhängnis geworden.

Mich ärgert, dass meine "Vorschreiber" scheinbar keine Sekunde überlegt haben, welche Wirkung der Autor hier überhaupt erzielen will, bzw. was dieses Buch aussagen soll. Mich jedenfalls hat er erreicht.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anrührend anders - dieses Buch zu wagen lohnt sich!, 21. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Der Lesestoff an sich ist leicht, 272 Seiten in großer Schrift, mit einer einfachen Sprache aus der Sicht eines Kindes. Der Inhalt ist aber nichts für Kinder. Ich möchte hier möglichst wenig von dem Inhalt verraten, am besten geht man völlig unvoreingenommen an dieses Buch. Sie haben an anderer Stelle schon gehört um welches Thema es in diesem Buch geht? Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, die Aufbereitung und Sichtweise des Themas ist so ganz anderes wie in anderen Büchern.

Im Stil eines Jugendbuches erzählt ein Junge von sich und seiner Familie. Die naive Sichtweise lässt einen manchmal schmunzeln und manchmal bildet sich ein dicker Klos im Hals. Sie zeigt die Widersprüche der Erwachsenen in ungewohnter Weise auf.

Dieses Buch ist geschichtlich nicht korrekt, will es aber meiner Meinung gar nicht sein. Es baut sich einen eigenen Rahmen um sich einen gewohnten Thema ungewöhnlich zu nähern. Das diese Geschichte in der Realität so nicht hätte passieren können, sollte einem bewusst sein und ist für mich der einzige Minuspunkt. Am Ende lässt einen das Buch nachdenklich zurück und hinterlässt Eindruck. Und wer die bittere Ironie im letzten Satz des Buches nicht erkennt, sieht sie vermutlich auch nicht im Rest der Geschichte und hält dieses Buch daher wahrscheinlich für unpassend.
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31 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön und unsentimental, 30. Juli 2007
Eigentlich habe ich etwas gegen Bücher, die aus kindlicher Perspektive ein ernstes Thema behandeln, weil durch die naive Erzählperspektive oft auf etwas "billige" Weise Mitleid erzeugt wird. Das ist hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil, der Erzählstil ist zwar kindlich-naiv, aber dennoch unsentimental. Auf den moralischen Zeigefinger wird verzichtet; er ist auch gar nicht nötig, denn die Antworten, die der 9-jährige Bruno auf seine Fragen nach den "Menschen hinter dem Zaun erhält" (Antwort des Vaters: "Das sind gar keine Menschen") sind auch so erschreckend genug. Besonders glaubhaft wird die Erzählung dadurch, dass Bruno trotz allem daran glaubt, dass sein Vater ein guter Mensch ist und niemals anderen Menschen Schaden zufügen könnte. Wie könnte auch ein Kind begreifen, welche Leiden den Menschen auf der falschen Seite des Zauns (der Begriff "Jude" taucht erst ganz am Schluss des Buches auf) gerade von der Person zugefügt werden, die es am meisten respektiert? Auch das Ende der Geschichte ist daher folgerichtig ...
Eine einfache, aber äußerst eingängige und bewegende Lektüre.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eindringlich, 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Sicher habe ich mich auch über Brunos unsägliche Naivität gewundert, aber wenn man die 9-jährigen Kindern um sicher herum beobachtet, dann ist er letztlich gar nicht so naiv. Eigentlich ist er ganz normal. Die Geschichte ist anrührend und herzzerreißend zugleich, wobei mich das Ende am meisten mitgenommen hat, so dass ich tagelang noch an das Buch denken musste. Um die historische Geschichte nie zu vergessen, sollte man das Buch gelesen haben!
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184 von 245 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen KEINE FABEL - sondern Holocaust für Dummis !!!, 20. März 2010
Wer ein Buch über den Holocaust aus der Sicht eines 9-jährigen Kindes schreibt, der sollte sich natürlich auch in die geistige Entwicklungsstufe eines 9-jährigen hineinversetzen können, welche der Autor hier aber klar mit der eines 5-jährigen verwechselt hat.
Vor allem aber sollte er mehr als nur Grundkenntnisse von seinem Thema haben.

Durch unzählige Augenzeugenberichte, Literatur, Internetseiten, TV-Dokus, Gedenkstätten, Museen, und und und... ist es wohl bei kaum einem anderen Thema so leicht an gute Informationen heranzukommen, wie gerade beim Holocaust.
Warum hat John Boyne keine dieser Möglichkeiten genutzt?

Rein sachlich betrachtet ist das Buch einfach katastrophal schlecht recherchiert und mit so haarsträubendem Unsinn angefüllt, dass der Untertitel "Fabel" die Sache am Schluss auch nicht retten kann. Vor allem wird eine Geschichte aber auch nicht deshalb zur Fabel, weil der Autor es nunmal so auf den Buchdeckel geschrieben hat. Und ihm dieses Wort einfach nur stumm aus der Hand zu fressen, ist sicher auch nicht der richtige Weg.

Eine Fabel ist es ja schonmal gar nicht, da die handelnden Figuren einer solchen eben keine Menschen sind - wodurch sie sich ja überhaupt erst definiert. Sie ist eine klare ABSTRAKTION im Bezug auf ihre Charaktere, die in der Fabel vollkommen wertneutral als Tiere, manchmal auch als Gegenstände dargestellt werden.
Wenn überhaupt, so müsste es sich hier um eine Parabel handeln. Die Parabel nutzt FIKTIVE Inhalte um damit allgemeingültige Regeln im Bezug auf soziale und moralische Werte zu transportieren.
Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Der Völkermord in Auschwitz ist eben keineswegs FIKTION oder ABSTRAKTION, und eignet sich daher auch nicht als Basis für eine Fabel oder Parabel.
Vor allem ist aber auch unklar welche Botschaft denn hier eigentlich übermittelt werden soll - oder kann mir irgendjemand plausibel erklären, was die moralische Kernaussage der Geschichte ist?

In vielen Rezensionen und Kommentaren ist zu lesen, dass Brunos Naivität als Analogie zu sehen sei für die Millionen von Deutschen die weggeschaut haben, oder die nichts gewusst haben wollen. Dies alleine wäre aber noch gar keine Botschaft, sondern lediglich ein Vergleich. Es spielt aber auch keine besondere Rolle, da solch ein Erklärungsversuch ja ohnehin schon im Ansatz scheitern muss. Brunos Unwissenheit wird ja hier schließlich nicht als Schutzbehauptung dargestellt, sondern als absolut ehrlich und real. Er hätte ja sonst in dieser Analogie wegschauen und mit der Masse mitschwimmen müssen. Dann wäre er niemals so unvoreingenommen auf Schmuel zugegangen oder hätte sich gar mit ihm angefreundet. Und vor allem hätte er auch niemals die andere Zaunseite betreten.
Nein, Bruno verkörpert hier keinesfalls die damalige deutsche Bevölkerung.

Vielleicht leistet Bruno aber irgendeine Art von Widerstand, und kann deshalb für diese Gruppe stehen?
Nein, denn alles was er tut, tut er aus reiner Unkenntnis heraus. Er handelt weder aus ethischen oder moralischen Gründen, noch bricht er jemals aktiv irgendwelche Regeln um das System zu untergraben. Er geht keinerlei Risiko ein dessen er sich vorher bewusst gewesen wäre, daher kann er auch nicht symbolisch für die Widerstandsbewegung angesehen werden.

Vielleicht ein Täter?
Obwohl er als deutscher (und noch dazu mit diesem Vater) natürlich auf der Seite der Täter steht, zeigt er nicht die geringsten Tendenzen zu Hass, Gewalt oder Antisemitismus. Ein Täter ist er daher ganz klar auch nicht.

Also was bleibt ???

Am Ende ist Bruno einfach nur ein Naivling, der durch seine eigene Beschränktheit irgendwie in die Schusslinie gestolpert ist. Mit anderen Worten, er ist ein Individuum, das kaum stellvertretend für irgendeine größere Personengruppe stehen kann. Aus diesem Grunde erschließt sich mir hier auch kein tieferer Sinn.

Sollte sich (wie in einigen Rezensionen zu lesen ist) die Moral der Geschichte aber tatsächlich einzig und allein auf die Freundschaft beider Jungen beziehen und gar keine wirkliche Verbindung mit dem KZ-Auschwitz haben, so wäre dies eine fast noch größere Frechheit von John Boyne. Der Holocaust forderte immerhin über 6 Millionen Opfer - eine unvorstellbare Zahl, die noch nicht einmal die Überlebenden beinhaltet, welche kaum weniger zu bedauern sind. Diese dann für eine solch stümperhaft konstruierte Geschichte über "Freundschaft" herzunehmen, könnte ich dann wirklich nur noch als "Verkaufsfördernde Maßnahme" bezeichnen.

Natürlich - in jeder Geschichte, so auch in dieser, gibt ein paar Dinge am Rande die so etwas wie eine "Botschaft" darstellen könnten. Im Bezug auf Brunos Vater kann man beispielsweise sagen: "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Schließlich wird der am Ende ja auch irgendwie selbst zum indirekten Opfer seines eigenen Massenmordes.
Solche oder ähnliche Dinge sind in dieser Geschichte aber Nebensächlichkeiten. Das ist nicht die Kernaussage, und auf keinen Fall macht eine solche Botschaft das Buch zur Fabel. Wie gesagt, etwas ähnliches kann aus fast jeder Geschichte herausgelesen werden, selbst aus Winnetou, Harry Potter oder dem Struwwelpeter.
Es ist auch leider etwas zu kurz gedacht wenn man annimmt, dass eine Holocaust-Geschichte alleine schon deswegen eine wertvolle Aussage haben müsste, nur weil sie eben den Holocaust zum Inhalt hat - obwohl es natürlich schön wäre, wenn man diesen Zusammenhang tatsächlich voraussetzen dürfte. So ist es aber leider nicht.

Doch selbst was den literarischen Wert angeht, so steckt in diesem Buch wie ich finde nicht allzuviel Lesenswertes.
Die Charaktere sind allesamt oberflächlich und entwicklungsunfähig. Der Schreibstil ist extrem simpel und bietet kaum Spannungsbögen. Die ständigen Wiederholungen, die der Autor offenbar für eine kindlichen Denk- und Sprechweise hält, nerven kolossal ab, und die unglaubliche Einfältigkeit des Protagonisten Bruno ist kaum zu ertragen.

Bruno (immerhin der Sohn des Lagerkommandanten von Auschwitz), der wie kaum ein anderer Junge nationalsozialistisch gedrillt sein müsste,
- kennt Adolf Hitler nicht.
- kann selbst nach mehrfachem Vorsagen das Wort "Auschwitz" nicht aussprechen, obwohl er seit einem Jahr dort wohnt und es auf einer Parkbank sogar geschrieben gesehen hat.
- hat auch noch nichts davon gehört, dass Juden "Volksschädlinge" seien, und ist offenbar in seinem ganzen Leben (1933 bis 1943) noch mit keiner Form von Propaganda in Kontakt gekommen - weder zu Hause, noch in der Schule oder auf der Straße.
- weiß gar nicht was ein Jude überhaupt ist, oder ob er sogar selber einer ist.
- kann sich auch nicht den geringsten Reim auf die Vorgänge in seiner direkten Umgebung machen und hinterfragt auch nichts davon ... (wer selber Kinder hat der weiß, was für Löcher die einem in den Bauch fragen können).

Selbst nach einem Jahr intensiver Gespräche am Zaun, wundert er sich über das Fehlen von Straßencafés und Gemüseläden im Lager !!!

DAS ALLES IST IM HÖCHSTEN MAßE UNGLAUBWÜRDIG.

Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt ist die enorme Fülle an Absurditäten. Manche davon widersprechen nicht nur den historischen Fakten, sondern auch noch ganz krass dem gesunden Menschenverstand.

- Da klingeln eines Abends Adolf Hitler und Eva Braun bei Familie Höß an der Tür, weil sie zum Abendessen eingeladen sind ...
- Da kann ein jüdisches Kind, das offenbar mit keiner Art von Zwangsarbeit beschäftigt ist, ein ganzes Jahr lang in Auschwitz-Birkenau überleben und Tag für Tag am Zaun sitzen ...
- Da ist der kleine Schmuel, der im Gegensatz zu seinem Freund Bruno ganz genau weiß, was es bedeutet auf der inneren Zaunseite zu stehen. Und trotzdem konzentriert er sich nicht etwa darauf, wie er selbst (vielleicht mit seiner Familie) aus dem Lager entfliehen könnte, sondern wie er seinen besten Freund hineinbringen kann ...
- Dann ist da dieser vollkommen ungesicherte Zaun. Starkstrom und Schießbefehl zum Trotz, kann der kleine Bruno ihn völlig ungehindert und unbeobachtet jeden Tag hochheben, Essen drunter durchschieben oder selber drunter her kriechen, obwohl doch genau dieser Zaun für tausende von Häftlingen eine unüberwindliche Barriere ist ...

Diese Liste lässt sich noch lange fortführen. Es reicht aber sicher zu sagen, dass ein persönlich Betroffener (also ein Augenzeuge, der tatsächlich die Hölle von Auschwitz überlebt hat) diese Darstellung wohl nur wie HOHN empfinden kann.

Dass nun gerade in Deutschland das Thema Holocaust einen ganz besonderen und unantastbaren Stellenwert hat, ist natürlich bekannt, und auch vollkommen richtig so. Ich würde auch niemals einen Augenzeugenbericht schlecht rezensieren - selbst dann nicht, wenn ich die Umsetzung irgendwie misslungen fände.
Mein Respekt vor den Opfern, vor dem Thema im Allgemeinen, und vor der enormen Verantwortung die wir deutschen seither tragen, verbietet da einfach jede Kritik. Ganz besonders von Personen wie mir oder Mr. Boyne, die wir beide Jahrgang '71 sind und daher nicht aus eigener Erfahrung sprechen können.
Für ein derart hergeholtes Hirngespinst wie dieses Buch, gilt mein selbst auferlegtes Kritikverbot aber nicht. Im Gegenteil.
Ich sehe hier die Möglichkeit nochmal daran zu erinnern, dass wir auch gegenüber zukünftiger Generationen die Verpflichtung haben, alle historischen Tatsachen genau, unverfälscht, und vor allem nicht verharmlost an die nach uns kommenden weiterzugeben. Gerade Kinder und Jugendliche sind auf eine richtige historische Darstellung angewiesen um einen verantwortungsvollen Umgang mit der deutschen Geschichte zu lernen. Ganz abgesehen davon, dass es einem Kind dieser Altersgruppe auch kaum zuzumuten ist, sich beim lesen auf das geistige Niveau von Bruno herab zu begeben.

FAZIT - auch auf die Gefahr hin, dass ich mir hier nicht allzu viele Freunde mache ...

Dieses Buch ist bestenfalls für diejenigen Leser zu empfehlen, deren literarische Ansprüche sich bereits damit erschöpfen, dass sie am Ende reichlich Tränen wegen der herzzerreißenden Kinderschicksale vergießen können. Da braucht man sich nur die vielen positiven Rezensionen, und vor allem die haarsträubenden Begründungen dazu anzuschauen.
Wer einfach nur emotionale Unterhaltung mit viel Herzschmerz und einem rührenden Finale sucht, der ist mit diesem Buch sicher gut bedient - vorausgesetzt er hat nicht allzu viele Vorkenntnisse im Bezug auf den Holocaust, und kann sich deshalb auch nicht an all dem Unsinn in dieser Geschichte stören.

Es tut mir ja sehr Leid, aber allen anderen ist wirklich abzuraten.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Jugendbuchliteratur? Jein., 1. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Bruno, ein neunjähriger Junge, forscht gern. Nein, er hat nicht den Mumm einer Pippi Langstrumpf, sondern hält sich bei seinen Expeditionen eigentlich immer an die Regeln und Grenzen, die ihm die Erwachsenen stecken. Er führt eher das Leben eines artigen Jungen, der das Jahrtausendbrausen um sich herum nicht wahrnimmt. Er lebt mit seiner Familie in einer großen Villa im Berlin der beginnenden Vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Der Vater ist ein hoher SS-Kommandant, "mit dem der Furor noch viel vor hat". Bruno hat diesen "Furor" zwar schon persönlich kennengelernt, als dieser sich mit einer netten, jungen Frau bei der Familie zu einem Abendessen einfindet. Dennoch mißt Bruno dem nicht allzu viel Bedeutung bei. Dennoch ändert sich das Leben der Familie danach schlagartig. Der Vater hat eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen. Das Reich braucht ihn. Und zwar in "Aus-Wisch". Das ist alles, was Bruno verstanden hat. Also packt die Familie ihre Koffer. Die Eltern, Bruno und seine Schwester Gretel ziehen um. Bruno ist todunglücklich. Das neue Domizil ist nicht annähernd so groß wie das Elternhaus. Nirgendwo gibt es andere Häuser oder Läden, von anderen Kindern ganz zu schweigen. Bruno will wieder nach Hause. Der Vater macht ihm aber unmissverständlich klar, dass seine Aufgabe und der "Furor" vorgehen. Bruno muckt zwar für seine Verhältnisse ziemlich vehement auf, beugt sich dann aber und findet sich allmählich mit der neuen Situation zurecht. Was im Wesentlichen an Schmuel liegt, einem Jungen im gestreiften Pyjama, der hinter dem Zaun lebt. Nachdem Haus und Nachbarschaft ihm nichts zu bieten haben, beginnt Bruno seine Umgebung zu erforschen. Er wagt sich nach langem Fußmarsch mutig an den Zaun. "Dort sah er zunächst einen Punkt, dann einen Schemen, dann ein Strichmännchen aus dem beim Näherkommen ein kleiner Junge wurde."
Bruno versteht nicht, warum Schmuel immer einen bequemen Schlafanzug tragen darf, während er in zu knappen Hosen und zu engen Schuhen herumlaufen muss. Bruno findet es auch ungerecht, dass auf der andere Seite des Zauns viel mehr Kinder leben als auf seiner Seite. Es dauert eine Weile, bis ihm Schmuel erzählt, wie er nach "Aus-Wisch" gekommen ist. Man hat ihm sein Zuhause weggenommen, genauso wie Bruno, meint Bruno. Die beiden sehen sich von nun an unter Gefahren für Schmuel jeden Tag an derselben Stelle des Zauns und freunden sich an, obwohl Bruno diese Freundschaft ganz merkwürdig findet, weil sie immer nur da sitzen und erzählen, aber nicht miteinander spielen können. Bis Bruno eines Tages beschließt, dem traurigen Schmuel bei der Suche nach dessen verschwundenem Vater zu helfen, nachdem schon der Großvater plötzlich verschollen war.
Es ist der letzte Tag von Bruno in "Aus-Wisch", weil die Eltern nach einem Streit entschieden haben, dass die Mutter und die Kinder nach Berlin zurückkehren werden, weil Ausschwitz nun doch kein Ort für Kinder sei.
Bruno besucht Schmuel ein letztes Mal und überschreitet die ihm durch den Zaun gesetzte Grenze gegen jede Regel, denn er hat es Schmuel versprochen. Welche Konsequenz das für ihn hat, soll hier nicht preisgegeben werden.

John Boyne präsentiert uns den Nationalsozialismus, die Judenverfolgung und den Holocaust aus der Warte eines unbedarften Neunjährigen, der von den Erwachsenen im Ungewissen gelassen wird, warum es den Zaun gibt und was sich dahinter abspielt. Bruno scheint nicht infiltriert worden zu sein von dem allgegenwärtigen Hass und der unübersehbaren Propaganda gegen die deutsche Bevölkerung jüdischen Glaubens, was einwenig unwahrscheinlich anmutet, aber nicht gänzlich ausgeschlossen sein muss. Er wird als guter Junge von beinahe schlichtem Gemüt geschildert, der unvoreingenommen auf einen anderen Jungen trifft. Dass die beiden unter den geschilderten Umständen wirklich fast ein Jahr täglich am Grenzzaun unentdeckt eine Freundschaft entwickeln können, macht den Plot mehr als gewagt und scheint bei Kenntnis der historischen Fakten über das Lager und seine Grenzkontrollen mehr als unwahrscheinlich. Kurioserweise stört das beim Lesen nicht, weil historische Ungenauigkeiten in diesem Fall nicht zu einer Verharmlosung oder gar Banalisierung des verbrieften historischen Geschehens führen.
Boyne führt konsequent aus Brunos Warte durch die Geschichte, wenn auch an ein bis zwei Stellen die Erzählperspektive nicht gehalten wird. Auch das stört nicht.
Es ist eine gut erzählte Geschichte, die den Leser verstört zurücklässt.
Immer, wenn monumentale Verbrechen anhand von Einzelschicksalen dargestellt werden, tut sich erst die Dimension des Schreckens auf, die Opferzahlen, selbst wenn sie noch so hoch sind, nicht ausüben können.
Und noch mehr vermag das Buch zu leisten: Es vermeidet Klischees von den bösen Tätern und den armen Opfern. Umso eindringlicher wirkt die Botschaft von der Sinnlosigkeit, Willkür und Grausamkeit der Judenverfolgung. Denn was ist an dem Jungen im gestreiften Pyjama so anders als an Bruno? Am Ende nichts. Wirklich gar nichts.

Ob das Buch von John Boyne das Zeug zum Klassiker hat, glaube ich nicht. Es ist aber eine Möglichkeit sich einem Jahrtausendverbrechen zu nähern, das sich mit zunehmender zeitlicher Distanz jedem Begreifen zu entziehen sucht, weil man es aus heutiger Warte nicht mehr nachvollziehen kann, wie sich eine solche Tötungsmaschinerie jemals in Bewegung setzen konnte.
Jedes Buch, das an dieser Stelle weiterhilft und gegen das Vergessen arbeitet, ist mir willkommen, insbesondere ein gut geschriebenes Kinderbuch.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mich hat es weder "tief beeindruckt" noch "erschüttert", 8. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
'Der Junge im gestreiften Pyjama' war einer von diesen modernen Klassikern, die unbedingt mal lesen wollte. Leider kann ich mich der allgemeine Begeisterung nicht anschließen. Ich hatte zugegeben nicht gewusst, dass es aus Kinderperspektive erzählt wird. Ich kann nicht sagen, ob mein Unvermögen, während des Lesens das Kind als Erzähler vor Augen zu haben, anstelle des Erwachsenen, der mir die Sicht eines Kindes lediglich auftischen will, an fehlender Erfahrung meinerseits (mit 9-Jährigen, die sich wie Bruno äußern) oder doch an der Sichtweise des Autors liegt. Außerdem sind Brunos Gedankengänge, insbesondere zu Beginn der Geschichte, nicht wirklich spannend, um nicht zu sagen etwas eindimensional/belanglos und von häufigen Wiederholungen geprägt. Vielleicht ist ja gerade das authentisch - keine Ahnung -, aber es ist wirklich anstrengend zu lesen.

Problematisch ist für mich in erster Linie Brunos himmelschreiende Ignoranz. (Mir kommt da das Bild von den berühmt-berüchtigten drei Affen.) Was andere Unschuld nennen mögen, ist für mich nichts weiter, als eine andere Art des Wegsehens. Er hinterfragt absolut gar nichts. Das geht schlichtweg nicht in meinen Schädel. Ab einem gewissen Punkt sollte sich doch der gesunde Menschenverstand einschalten. Er sieht Misshandlung, er sieht den Zaun und den Zustand, in dem sich die Menschen dahinter befinden. Aber kein Gedanke daran, dass das etwas Schlechtes sein könnte. Wenn Bruno nicht so schrecklich naiv wäre, könnte man sein Verhalten glatt als Taktik - was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß - deuten. (Auch eine Möglichkeit, die Menschlichkeit zu Grunde zu richten… )

Allerdings, wenn Bruno wirklich mal hingesehen hätte, würde diese Geschichte und ganz besonders das Ende erst gar nicht funktionieren. Und da liegt für mich auch der Hund begraben. Wie weit darf künstlerische Freiheit gehen, bevor man ins Unglaubwürdige abrutscht? Mit Unrealistisch habe ich (als Fantasyleser) grundsätzlich kein Problem, nur nachvollziehbar muss es sein und das war es, was mich betrifft, eindeutig nicht. Wenn mir etwas zu konstruiert oder sogar erzwungen wirkt, mache ich in der Regel automatisch dicht auf emotionaler Ebene. Überhaupt habe ich den Eindruck gewonnen, dass man beim Lesen dieser Geschichte das Denken idealerweise komplett abstellen sollte, um nicht über die vielen Logiklöcher zu stolpern.

Und handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Fabel? Da sollte jemand wohl besser nochmal recherchieren. Andererseits fällt es mir schwer zu glauben, dass es nicht spezifisch um ein Kapitel aus der deutschen Geschichte gehen soll und stattdessen ein exemplarisches System dieser Art gemeint war, welches so oder so ähnlich überall auf der Welt zu beliebigen Zeiten zu finden wäre. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich der ein oder andere Leser über mangelnde historische Korrektheit beschwert, in dem Sinne von, so wäre es damals nicht gewesen. Dafür sind die Parallelen einfach zu augenscheinlich. Warum nennt John Boyne das Kind nicht einfach beim Namen?

In diesem Sinne könnte man auch darüber spekulieren, was die Intention hinter Brunos zeitweiliger "Sprachbehinderung" war. Soll mir das sagen, dass trotz aller Zeichen beim sogenannten "Furor" nicht die Rede von Adolf Hitler ist und es sich bei "Auswisch" nicht um Auschwitz handelt? Ich also sprichwörtlich nur das sehe, was ich sehen will? (Wer‘s glaubt…)

Das Buch wird vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen, was auch meinem Eindruck entspricht. Wenn da nicht dieses Wissen um den schwierigen historischen Hintergrund wäre, würde ich, entgegen der Aussage des Autors, sogar behaupten, dass es durchaus für (geneigte) 9-Jährige geeignet wäre. Darüber lässt sich gewiss streiten.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass, obwohl die Grundidee klar mein Interesse geweckt hat, ich dem Ganzen inzwischen sehr, sehr kritisch gegenüber stehe. Die Tragik ist fast vollständig an mir vorbeigegangen, größtenteils weil es auf mich der fehlenden Logik wegen erzwungen wirkt, und mit Bruno als Protagonisten konnte ich kein bisschen sympathisieren.
Wenn man nicht zu ernsthaft darüber nachdenkt, kann man diese Geschichte sicher genießen. Nur, ist das nicht genau das Ziel, welches man mit solchen Werken bezweckt? Die Leser zum Nachdenken bringen? Ich kann auch die Notwendigkeit verstehen, bestimmte Dinge für ein jüngeres Zielpublikum etwas sensibler zu erzählen, sprich zu verharmlosen. Wenn aber das erste, was ich zum Holocaust gelesen hätte, 'Der Junge im gestreiften Pyjama' gewesen wäre, hätte es in mir den Eindruck erweckt, dass es so schlimm damals doch gar nicht gewesen sein kann. Und das ist denjenigen, die diese Hölle (oder etwas Ähnliches) miterlebt haben, definitiv nicht fair gegenüber.

Wegen all meiner Kritikpunkte habe ich mich inzwischen auch entschlossen, von den ursprünglichen zwei Sternen (direkt nach dem Lesen) auf einen Stern (nachdem ich die Rezension geschrieben habe) runterzugehen. Nicht wegen des Schreibstils, sondern weil mir die "message", die mir dieses Buch vermittelt, viel zu sehr gegen den Strich geht, als dass ich das noch mit einem Okay (nach meiner Definition also zwei Sterne) bewerten könnte, ungeachtet der Tatsache, das dieser Eindruck gar nicht vom Autor beabsichtigt sein mag.

Mit meiner Meinung zu 'Der Junge im gestreiften Pyjama' schwimme ich offensichtlich (wieder einmal) gegen den Strom. So wie sich manche eventuell fragen, wie ich ein solches Meisterwerk schlechtreden kann, ist es mir wiederum schleierhaft, was 4- und 5-Sterne-Bewerter darin sehen. Es beruhigt mich aber zu wissen, dass es noch andere gibt, die der gleichen Ansicht sind.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eindeutig kein Kinder- und Jugendbuch!, 28. September 2010
Von 
Belles Leseinsel (Mainz, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Bei diesem Buch von John Boyne bin ich hin- und hergerissen. Zum einen hat mich der Sprachstil des Autors wieder sofort überzeugt. Scheinbar mühelos gelingt es ihm bereits von der ersten Seite an, eine Atmosphäre aufzubauen, die einfach nur als hervorragend zu bezeichnen ist. Sofort erhält man ein Gefühl für die Geschichte, taucht regelrecht in diese ein und sein bildhafter Schreibstil sorgt dafür, dass man augenblicklich jede Szene vor Augen hat.

Ich bin ziemlich unbefangen und auch unwissend in Bezug auf den Inhalt an den Roman herangegangen, wobei ich schon wusste, dass er von zwei kleinen Jungen erzählt, die sich im Umfeld eines KZ kennenlernen, und dass es sich hierbei um ein Kinder-und Jugendbuch handelt. Das Buch wurde mir empfohlen als ein anrührender, wunderbar geschriebener Roman und auch die Bewertungen zu diesem Buch haben mich überzeugt, es mir zu kaufen, ohne hierbei auch nur eine Rezension dazu gelesen zu haben. Was ein Fehler war, zumindest für mich. Ich habe bisher immer noch keine Rezension dazu gelesen, um einfach unbeeinflusst meine schreiben zu können, werde es aber danach nachholen.

Wie gesagt, anfangs war ich von dem Erzählstil, den ich bereits von seinem Roman „Das Haus zur besonderen Verwendung“ kannte, wieder total gefesselt. Doch je länger ich las umso wütender bin ich geworden. Zum einen ist mir schon recht bald die Naivität von Bruno unangenehm aufgestoßen. Wie kann ein Neunjähriger, der im direkten Umfeld des NS-Regimes aufwächst, so unwissend sein. Wenn sein Vater ein ranghoher Kommandant war, der selbst mit Adolf Hitler und Eva Braun im Kreis seiner Familie zu Abend isst, wie kann dieser seinem Sohn dann nicht eine „angemessene“ Erziehung zukommen lassen, sprich: Bruno müsste zumindest in der Hitlerjugend gewesen sein, zumal sein Vater ja voll hinter dem kranken Gedankengut der Nazis stand. Da muss es doch sein oberstes Ziel gewesen sein, seinem einzigen Sohn dies auch so schnell wie möglich zukommen zu lassen.

Dann kommt hinzu, dass Bruno nicht fähig ist, dass Wort Führer richtig auszusprechen und auch Auschwitz ist wirklich nicht so schwer zu sprechen, als dass er es nicht nach den mehrmaligen Verbesserungen, die im Roman erwähnt wurden, richtig hätte wiedergeben können. Zumal er mit anderen Wörtern absolut keine Probleme hat. Mir ist auch nicht klar, was der Autor hiermit bezwecken wollte, außer dass es mit der Zeit nervt und einem an Brunos Intellekt zweifeln lässt oder wollte er damit die kindliche Naivität hervorheben, wie diese mit einem Thema umgehen. Dann hätte er aber das Alter seines Protagonisten um einiges jünger wählen müssen, so wirkt es einfach nur unglaubwürdig.

Dann Brunos Gedanken: Sie drehen sich ausschließlich um das Haus in Berlin, um seine drei besten Freunde und das er keine Spielkameraden in Auschwitz hat und unbedingt wieder nach Hause will. Lange Zeit interessiert ihn nichts anderes. Natürlich ist dies nachvollziehbar, zumal Bruno von dem lebendigen Berlin in eine solche Einöde katapultiert wird. Aber welcher aufgeweckter Junge, und als dieser wird Bruno einem vermittelt, hätte sich nicht spätestens nach einer Woche auf Entdeckungstour an dem neuen Ort begeben, da er ja unbedingt Forscher werden möchte. Auch ansonsten hatte ich das Gefühl, dass Bruno nur mit riesengroßen Scheuklappen durchs Leben läuft und das Gemüt eines Fünfjährigen, aber keinesfalls die Intelligenz eines neunjährigen Jungen besitzt.

Er lebt in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz und bekommt über die Vorgänge, die sich dort abspielen, ebenfalls nichts mit? So wie es in dem Buch beschrieben ist, trennte nur ein Zaun die Gefangenen von den Nazis. Im Haus sind ständig Nazi-Schergen ein und aus gegangen, wie kann man da nur so desinteressiert sein? Wenn der Autor damit vermitteln will, dass auch viele Erwachsene im 2. Weltkrieg ihre Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen haben, lass ich dies so aber auch nicht stehen, da Bruno genug Menschen um sich herum hatte, die er gezielt fragen konnte, ohne Angst um sein Leben haben zu müssen.

Nie werden von Bruno Ereignisse genauer hinterfragt und gerade in dem Alter sind doch Kinder besonders neugierig und wissbegierig. Ihn interessiert kaum das kränkliche Aussehen von Schmuel, sondern er registriert nur, dass der jüdische Junge etwas grau im Gesicht ist und dünn aussieht. Zumindest scheint er mit der Zeit schon verstanden zu haben, dass Schmuel Hunger leiden muss, aber selbst hier denkt Bruno erst einmal nur an sich und futtert das für Schmuel gedachte Essen meist zur Hälfte auf dem Weg zum Zaun selbst. Das zeigt doch deutlich, dass ihm absolut nicht bewusst ist, wie schlimm es Schmuel hinter dem Zaun gehen muss und wer schon mal Bilder von KZ-Häftlingen gesehen hat, für den ist dies schwer vorstellbar. Da muss doch auch ein Neunjähriger ins Grübeln kommen. Dann der Zaun! Für mich ist es nicht vorstellbar, dass die Umzäunung eines KZ’s so nachlässig war und so unzureichend gesichert. Und wie war es Schmuel möglich, sich jeden Tag unbemerkt an die Grenze des Lagers zu begeben, ohne dass auch nur ein Soldat dies jemals bemerkt hat.

Hier wird einfach ein total falsches Bild eines Konzentrationslagers und dem Leben darin vermittelt und das ist gefährlich. Besonders erschreckend fand ich die Szene, als Schmuel von der Verhaftung seiner Familie, dem Leben im Getto und der anschließenden Verschleppung nach Auschwitz erzählt. Hier stellt Bruno immer wieder Vergleiche mit seinem Leben an, schließlich sei er ja auch nicht freiwillig von Berlin weggezogen. Das ist purer Hohn und verharmlost ungemein das Schicksal von Schmuel und seiner Familie.

Selbst als Märchen kann ich die Geschichte nicht ansehen, dafür ist das Thema einfach zu brisant. Als Autor hat man gegenüber seiner Leser auch eine gewisse Verantwortung, vor allem wenn die Zielgruppe Kinder oder Jugendliche sind. Und hier wird meiner Meinung nach sehr schlecht recherchiert auf ein Thema eingegangen, dass einfach sehr gut recherchiert vermittelt werden muss. Hinzu kommt, dass Berlin Anfang der 40er Jahre noch als Paradies dargestellt wird, in dem die Gemüse- und Obststände überquellen und Menschen bei schäumenden Getränken lachend auf der Straße sitzen und das 1943! Dass nachts Verdunklung angesagt war, wird hier nur am Rande erwähnt.

Ok, das Buch ist ein Roman und somit hat der Autor ein Recht, Fiktion und Wahrheit zu vermischen und sich auch schriftstellerische Freiheiten zu erlauben. Allerdings sollte man sich auch bei einem Roman an offensichtliche Tatsachen halten.

Etwas entschädigt hat mich das Buch dann mit seinem Ende, das mich wirklich überrascht und auch berührt hat und der jungen Leserschar vielleicht doch einen winzigen Blick auf das wahre Leben im 2. Weltkrieg und dem Holocaust werfen lässt.

Fazit: Ein anrührendes, wunderbar geschriebenes Buch, keine Frage. Aber als Kinder- und Jugendbuch absolut nicht empfehlenswert, da für das ernste Thema viel zu schlecht recherchiert wurde und so ein völlig falscher Eindruck des Holocaust vermittelt wird.
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51 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In vielen Punkten zu gewollt naiv, 9. September 2009
Von 
Bouquineur (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass ein 9-jähriges Kind deutlich besser über sein Umfeld Bescheid weiß als man es Bruno hier attestiert. Dass er nicht in der Lage war, die Wörter Auschwitz und Führer richtig auszusprechen und es selbst nach mehreren Korrekturen seitens seiner Schwester oder anderen Personen nicht auf die Reihe bekommen hat, fand ich überzogen.
Dieses Bild wird für mich noch unglaubwürdiger, wenn ich an die Erzählungen meines Vaters denke, der Jahrgang 1932 ist und damit zur Zeit, in der dieses Buch spielt, zwei Jahre älter als Bruno. Kein Kind war zu dieser Zeit so blauäugig wie Bruno, jedes Kind kannte den Unterschied zwischen Juden und "der Gegenseite", wie es hier im Buch ausgedrückt wird. Rassenkunde war Bestandteil des Schulunterrichtes. Des Weiteren fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass Bruno nicht erkennt, dass er ein hungerndes Kind vor sich hat und sich statt dessen fragt, warum Schmuel so grau und so dünn aussieht.

An der Art des Erzählens haben mich die ständigen Auslassungen geärgert. Als hätte der Autor Angst gehabt, die "bösen" Wörter zu nennen. Ich denke, dass man auch Kinder, die ja Zielgruppe dieses Buches sind, für solche Dinge sensibilisieren kann. Wie will dieses Buch etwas vermitteln, wenn die Dinge, um die es geht, nicht ausgesprochen werden?

Highlight dieses Buches war für mich Schmuel, der trotz der unerträglichen Situation, in der er sich befindet, nie verzweifelt oder sich aufgibt. Den Schluss fand ich überraschend und hätte ein solches Ende nicht vermutet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschenk für die Tochter, 11. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach Aussage meiner Tochter ein gutes Buch. Es hat nicht besonders lange gedauert, bis es komplett ausgelesen war. Wer sich für das Thema interessiert, sollte es lesen.
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Der Junge im gestreiften Pyjama
Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne (Taschenbuch - 6. Februar 2009)
EUR 7,95
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