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56 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer (zwischen den Zeilen) lesen kann, ist klar im Vorteil
Aufgrund der zahlreichen negativen (und für mich haarsträubenden)Rezensionen in der letzten Zeit, muss ich mich jetzt hier auch einmal zu Wort melden. Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Lehramt-Studiums gelesen und habe gelacht und geweint, aber die meiste Zeit saß ich einfach nur mit offenem Mund da und konnte es nicht fassen, was ich da lese...
Vor 13 Monaten von Verena Baumann veröffentlicht

versus
32 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Nummer zu groß für Boyne
Wir haben "Der Junge im gestreiften Pyjama" in der Schule (9. Klasse Gymnasium) gelesen und ich hatte zuvor schon viel Gutes über das Buch gehört und wurde bitter enttäuscht.
Die Geschichte ist unrealistischer als jeder Fantasy-Film und auch wenn Boyne einen gut gemeinten Versuch gestartet hat, die Menschen aus ihrer langsam aufkommenden...
Veröffentlicht am 2. Mai 2011 von "Morgan le Fay"


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56 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer (zwischen den Zeilen) lesen kann, ist klar im Vorteil, 5. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Aufgrund der zahlreichen negativen (und für mich haarsträubenden)Rezensionen in der letzten Zeit, muss ich mich jetzt hier auch einmal zu Wort melden. Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Lehramt-Studiums gelesen und habe gelacht und geweint, aber die meiste Zeit saß ich einfach nur mit offenem Mund da und konnte es nicht fassen, was ich da lese.

Das Buch ist NICHT für Kinder geeignet. Die Geschichte lebt von der Kluft, die zwischen dem, was Bruno denkt und dem Wissen das jugendlichen/erwachsenen Lesers um die wahren Geschehnisse, entsteht. Das Thema Nationalsozialismus und Holocaust wird in der Schule etwa ab der 7. Klasse thematisiert, ich würde das Buch mit einer Klasse jedoch niemals vor dem 8./9. Schuljahr bearbeiten. Der Leser muss wissen, was wirklich passiert ist, das macht den Reiz der zahlreichen Leerstellen (oder wie manche es hier nennen: "Auslassungen"), aus. Leerstellen sind dazu da, damit der Leser interpretieren und aktiv am Sinnbildungsprozess teilnehmen kann. Übrigens erwähnt der Autor explizit im Prolog, dass Bruno zwar 9 Jahre alt ist, das Buch aber nicht für 9jährige geschrieben ist.

Der Autor will die Situation weder total realistisch (natürlich ist es unrealistisch, dass die beiden Jungen sich am Zaun treffen), noch geschichtlich 100 Prozent korrekt darstellen. Dafür gibt es bereits genügend andere Bücher über den Holocaust. Wie bereits oben erwähnt, sollte der Leser dieses Wissen bereits haben, wenn er dieses Buch liest. Es vermittelt also auch kein falsches Bild. Meiner Meinung nach wird hier überhaupt nichts verharmlost, ganz im Gegenteil: Alles Schreckliche, was in den Lagern passiert ist, wird dargestellt: Hunger, Misshandlung, Mord. Naürlich ist Bruno so naiv, wie es kein anderes Kind ist und wahrscheinlich auch kein Kind während des NS war. Natürlich mussten die Kinder der Nationalsozialisten die Ideologie ihrer Eltern übernehmen und haben bereits in der Schule eingebläut bekommen, was Sache ist. Aber würde dieses Buch funktionieren, wenn Bruno all das gewusst hätte? Dann wäre es ein Buch wie all die anderen auch. Auch das erwähnt der Autor im Nachwort ("[...], und zwar durch die Augen eines sehr naiven Kindes, das die schrecklichen Geschehnisse um es herum nicht versteht.") Dabei ist es egal, ob Bruno 5 Jahre alt oder 9 Jahre alt ist.

Die Aussage im letzten Satz des letzten Kapitels ist natürlich ebenfalls ironisch gemeint und soll den Leser "provozieren". Natürlich weiß der Autor, dass so etwas immer wieder passieren kann.

Er kritisiert auch den Umgang vieler Erwachsenen mit ihren Kindern, die ihren Kindern die Welt nicht erklären. Am Ende stellt sich heraus, dass Bruno gar nicht so dumm und naiv war, wie man vielleicht annimmt. Er hat etwas, dass die Erwachsenen verloren haben: Für ihn sind alle Menschen gleich, egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen. Letztendlich wurde er zum Opfer der Leichtgläubigkeit seiner Eltern, die davon ausgegangen sind, dass er all das Leid, dass er vor Augen hatte, nicht wahrnimmt, dass er keine Fragen stellt. Bruno hat sehr viele Fragen gestellt, er hat aber keine Antworten bekommen. Also hat er sich seine Welt auf eigene Art erklärt- und das ist ihm zum Verhängnis geworden.

Mich ärgert, dass meine "Vorschreiber" scheinbar keine Sekunde überlegt haben, welche Wirkung der Autor hier überhaupt erzielen will, bzw. was dieses Buch aussagen soll. Mich jedenfalls hat er erreicht.
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29 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön und unsentimental, 30. Juli 2007
Eigentlich habe ich etwas gegen Bücher, die aus kindlicher Perspektive ein ernstes Thema behandeln, weil durch die naive Erzählperspektive oft auf etwas "billige" Weise Mitleid erzeugt wird. Das ist hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil, der Erzählstil ist zwar kindlich-naiv, aber dennoch unsentimental. Auf den moralischen Zeigefinger wird verzichtet; er ist auch gar nicht nötig, denn die Antworten, die der 9-jährige Bruno auf seine Fragen nach den "Menschen hinter dem Zaun erhält" (Antwort des Vaters: "Das sind gar keine Menschen") sind auch so erschreckend genug. Besonders glaubhaft wird die Erzählung dadurch, dass Bruno trotz allem daran glaubt, dass sein Vater ein guter Mensch ist und niemals anderen Menschen Schaden zufügen könnte. Wie könnte auch ein Kind begreifen, welche Leiden den Menschen auf der falschen Seite des Zauns (der Begriff "Jude" taucht erst ganz am Schluss des Buches auf) gerade von der Person zugefügt werden, die es am meisten respektiert? Auch das Ende der Geschichte ist daher folgerichtig ...
Eine einfache, aber äußerst eingängige und bewegende Lektüre.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anrührend anders - dieses Buch zu wagen lohnt sich!, 21. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Der Lesestoff an sich ist leicht, 272 Seiten in großer Schrift, mit einer einfachen Sprache aus der Sicht eines Kindes. Der Inhalt ist aber nichts für Kinder. Ich möchte hier möglichst wenig von dem Inhalt verraten, am besten geht man völlig unvoreingenommen an dieses Buch. Sie haben an anderer Stelle schon gehört um welches Thema es in diesem Buch geht? Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, die Aufbereitung und Sichtweise des Themas ist so ganz anderes wie in anderen Büchern.

Im Stil eines Jugendbuches erzählt ein Junge von sich und seiner Familie. Die naive Sichtweise lässt einen manchmal schmunzeln und manchmal bildet sich ein dicker Klos im Hals. Sie zeigt die Widersprüche der Erwachsenen in ungewohnter Weise auf.

Dieses Buch ist geschichtlich nicht korrekt, will es aber meiner Meinung gar nicht sein. Es baut sich einen eigenen Rahmen um sich einen gewohnten Thema ungewöhnlich zu nähern. Das diese Geschichte in der Realität so nicht hätte passieren können, sollte einem bewusst sein und ist für mich der einzige Minuspunkt. Am Ende lässt einen das Buch nachdenklich zurück und hinterlässt Eindruck. Und wer die bittere Ironie im letzten Satz des Buches nicht erkennt, sieht sie vermutlich auch nicht im Rest der Geschichte und hält dieses Buch daher wahrscheinlich für unpassend.
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32 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Nummer zu groß für Boyne, 2. Mai 2011
Von 
"Morgan le Fay" (Bad Reichenhall, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Wir haben "Der Junge im gestreiften Pyjama" in der Schule (9. Klasse Gymnasium) gelesen und ich hatte zuvor schon viel Gutes über das Buch gehört und wurde bitter enttäuscht.
Die Geschichte ist unrealistischer als jeder Fantasy-Film und auch wenn Boyne einen gut gemeinten Versuch gestartet hat, die Menschen aus ihrer langsam aufkommenden Gleichgültigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus, da man in Büchern und Filmen zu diesem Thema geradezu erstickt, mit seiner eigenen Art herauszureißen, der allerdings gehörig nach hinten los gegangen ist.
Nicht nur, dass Brunos Naivität (und auch genauso die seiner älteren Schwester Gretel) vollkommen unrealistisch un überzogen ist. (Bruno geht ja mit seinen 9 Jahren immerhin schon zur Schule, wo die Schüler im 3. Reich ja bereits in der Grundschule nationalsozialistisch erzogen wurden, und hat als Sohn eines überzeugten Nazis keine Ahnung von der Nazi-Ideologie, was absolut unrealistisch ist.)
Auch sind schlichtweg einige historische Fehler drin.
Die Geschichte spielt 1942, als Auschwitz bereits ein Vernichtungslager schon fast im industriellen Sinne war und es niemals eine Stelle im Zaun gegeben hätte, die 1. unbewacht und 2. an der der Zaun locker genug gewesen wäre, als dass ein Junge da hindurch klettern hätte können.
Außerdem ist Gretels Weltfremdheit am Anfang schlichweg unmöglich, da sie mit ihren zwölf Jahren bereits Mitglied in der Hitlerjugend hätte sein müssen und somit nicht mehr hätte vermuten können, dass das KZ ein Bauernhof ist.

Alles in allem hat mich an dem Buch dieses unglaublich Realitätsferne bei so einem wichtigen Thema fürchterlich gestört. Und zwar nicht nur das Ende, sondern durchgehend.
Auch ist Brunos naive Perspektive nicht interssant, sondern nur nervig, weil man so das Gefühl bekommt, Boyne wäre sich nicht sicher gewesen, ob er jetzt nun von den Grausamkeiten der Nazis schreiben soll oder nicht. (Diese Perspektive schafft es auch nicht, dass die wahren Grausamkeiten eher subtil ausgedrückt werden, was es ja bestimmt zu einem ganz besonderen Lesegenuss gemacht hätte, sondern nimmt der Geschichte wichtige Luft zum atmen.)
Eigentlich liebe ich historische Romane und habe z.B. "Die Bücherdiebin" mit Begeisterung verschlungen, aber "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist einfach nur schlecht.
Nicht einmal durch schöne Alltagsbeschreibungen macht Boyne die unrealistische Storyline wieder wett, deshalb verdient es bei mir nicht mehr als zwei Sterne, wobei der zweite Stern allein darauf beruht, dass die Szenen im einzelnen oft nicht das mieseste sind, das ich jemals gelesen habe, und die Storyline zumindest halbwegs logisch, wenn auch wie gesagt absolut unrealistisch, aufgebaut ist.

Von diesem Thema hätte Boyne eindeutig besser die Finger gelassen und das jemand anderem überlassen.
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175 von 232 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen KEINE FABEL - sondern Holocaust für Dummis !!!, 20. März 2010
Wer ein Buch über den Holocaust aus der Sicht eines 9-jährigen Kindes schreibt, der sollte sich natürlich auch in die geistige Entwicklungsstufe eines 9-jährigen hineinversetzen können, welche der Autor hier aber klar mit der eines 5-jährigen verwechselt hat.
Vor allem aber sollte er mehr als nur Grundkenntnisse von seinem Thema haben.

Durch unzählige Augenzeugenberichte, Literatur, Internetseiten, TV-Dokus, Gedenkstätten, Museen, und und und... ist es wohl bei kaum einem anderen Thema so leicht an gute Informationen heranzukommen, wie gerade beim Holocaust.
Warum hat John Boyne keine dieser Möglichkeiten genutzt?

Rein sachlich betrachtet ist das Buch einfach katastrophal schlecht recherchiert und mit so haarsträubendem Unsinn angefüllt, dass der Untertitel "Fabel" die Sache am Schluss auch nicht retten kann. Vor allem wird eine Geschichte aber auch nicht deshalb zur Fabel, weil der Autor es nunmal so auf den Buchdeckel geschrieben hat. Und ihm dieses Wort einfach nur stumm aus der Hand zu fressen, ist sicher auch nicht der richtige Weg.

Eine Fabel ist es ja schonmal gar nicht, da die handelnden Figuren einer solchen eben keine Menschen sind - wodurch sie sich ja überhaupt erst definiert. Sie ist eine klare ABSTRAKTION im Bezug auf ihre Charaktere, die in der Fabel vollkommen wertneutral als Tiere, manchmal auch als Gegenstände dargestellt werden.
Wenn überhaupt, so müsste es sich hier um eine Parabel handeln. Die Parabel nutzt FIKTIVE Inhalte um damit allgemeingültige Regeln im Bezug auf soziale und moralische Werte zu transportieren.
Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Der Völkermord in Auschwitz ist eben keineswegs FIKTION oder ABSTRAKTION, und eignet sich daher auch nicht als Basis für eine Fabel oder Parabel.
Vor allem ist aber auch unklar welche Botschaft denn hier eigentlich übermittelt werden soll - oder kann mir irgendjemand plausibel erklären, was die moralische Kernaussage der Geschichte ist?

In vielen Rezensionen und Kommentaren ist zu lesen, dass Brunos Naivität als Analogie zu sehen sei für die Millionen von Deutschen die weggeschaut haben, oder die nichts gewusst haben wollen. Dies alleine wäre aber noch gar keine Botschaft, sondern lediglich ein Vergleich. Es spielt aber auch keine besondere Rolle, da solch ein Erklärungsversuch ja ohnehin schon im Ansatz scheitern muss. Brunos Unwissenheit wird ja hier schließlich nicht als Schutzbehauptung dargestellt, sondern als absolut ehrlich und real. Er hätte ja sonst in dieser Analogie wegschauen und mit der Masse mitschwimmen müssen. Dann wäre er niemals so unvoreingenommen auf Schmuel zugegangen oder hätte sich gar mit ihm angefreundet. Und vor allem hätte er auch niemals die andere Zaunseite betreten.
Nein, Bruno verkörpert hier keinesfalls die damalige deutsche Bevölkerung.

Vielleicht leistet Bruno aber irgendeine Art von Widerstand, und kann deshalb für diese Gruppe stehen?
Nein, denn alles was er tut, tut er aus reiner Unkenntnis heraus. Er handelt weder aus ethischen oder moralischen Gründen, noch bricht er jemals aktiv irgendwelche Regeln um das System zu untergraben. Er geht keinerlei Risiko ein dessen er sich vorher bewusst gewesen wäre, daher kann er auch nicht symbolisch für die Widerstandsbewegung angesehen werden.

Vielleicht ein Täter?
Obwohl er als deutscher (und noch dazu mit diesem Vater) natürlich auf der Seite der Täter steht, zeigt er nicht die geringsten Tendenzen zu Hass, Gewalt oder Antisemitismus. Ein Täter ist er daher ganz klar auch nicht.

Also was bleibt ???

Am Ende ist Bruno einfach nur ein Naivling, der durch seine eigene Beschränktheit irgendwie in die Schusslinie gestolpert ist. Mit anderen Worten, er ist ein Individuum, das kaum stellvertretend für irgendeine größere Personengruppe stehen kann. Aus diesem Grunde erschließt sich mir hier auch kein tieferer Sinn.

Sollte sich (wie in einigen Rezensionen zu lesen ist) die Moral der Geschichte aber tatsächlich einzig und allein auf die Freundschaft beider Jungen beziehen und gar keine wirkliche Verbindung mit dem KZ-Auschwitz haben, so wäre dies eine fast noch größere Frechheit von John Boyne. Der Holocaust forderte immerhin über 6 Millionen Opfer - eine unvorstellbare Zahl, die noch nicht einmal die Überlebenden beinhaltet, welche kaum weniger zu bedauern sind. Diese dann für eine solch stümperhaft konstruierte Geschichte über "Freundschaft" herzunehmen, könnte ich dann wirklich nur noch als "Verkaufsfördernde Maßnahme" bezeichnen.

Natürlich - in jeder Geschichte, so auch in dieser, gibt ein paar Dinge am Rande die so etwas wie eine "Botschaft" darstellen könnten. Im Bezug auf Brunos Vater kann man beispielsweise sagen: "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Schließlich wird der am Ende ja auch irgendwie selbst zum indirekten Opfer seines eigenen Massenmordes.
Solche oder ähnliche Dinge sind in dieser Geschichte aber Nebensächlichkeiten. Das ist nicht die Kernaussage, und auf keinen Fall macht eine solche Botschaft das Buch zur Fabel. Wie gesagt, etwas ähnliches kann aus fast jeder Geschichte herausgelesen werden, selbst aus Winnetou, Harry Potter oder dem Struwwelpeter.
Es ist auch leider etwas zu kurz gedacht wenn man annimmt, dass eine Holocaust-Geschichte alleine schon deswegen eine wertvolle Aussage haben müsste, nur weil sie eben den Holocaust zum Inhalt hat - obwohl es natürlich schön wäre, wenn man diesen Zusammenhang tatsächlich voraussetzen dürfte. So ist es aber leider nicht.

Doch selbst was den literarischen Wert angeht, so steckt in diesem Buch wie ich finde nicht allzuviel Lesenswertes.
Die Charaktere sind allesamt oberflächlich und entwicklungsunfähig. Der Schreibstil ist extrem simpel und bietet kaum Spannungsbögen. Die ständigen Wiederholungen, die der Autor offenbar für eine kindlichen Denk- und Sprechweise hält, nerven kolossal ab, und die unglaubliche Einfältigkeit des Protagonisten Bruno ist kaum zu ertragen.

Bruno (immerhin der Sohn des Lagerkommandanten von Auschwitz), der wie kaum ein anderer Junge nationalsozialistisch gedrillt sein müsste,
- kennt Adolf Hitler nicht.
- kann selbst nach mehrfachem Vorsagen das Wort "Auschwitz" nicht aussprechen, obwohl er seit einem Jahr dort wohnt und es auf einer Parkbank sogar geschrieben gesehen hat.
- hat auch noch nichts davon gehört, dass Juden "Volksschädlinge" seien, und ist offenbar in seinem ganzen Leben (1933 bis 1943) noch mit keiner Form von Propaganda in Kontakt gekommen - weder zu Hause, noch in der Schule oder auf der Straße.
- weiß gar nicht was ein Jude überhaupt ist, oder ob er sogar selber einer ist.
- kann sich auch nicht den geringsten Reim auf die Vorgänge in seiner direkten Umgebung machen und hinterfragt auch nichts davon ... (wer selber Kinder hat der weiß, was für Löcher die einem in den Bauch fragen können).

Selbst nach einem Jahr intensiver Gespräche am Zaun, wundert er sich über das Fehlen von Straßencafés und Gemüseläden im Lager !!!

DAS ALLES IST IM HÖCHSTEN MAßE UNGLAUBWÜRDIG.

Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt ist die enorme Fülle an Absurditäten. Manche davon widersprechen nicht nur den historischen Fakten, sondern auch noch ganz krass dem gesunden Menschenverstand.

- Da klingeln eines Abends Adolf Hitler und Eva Braun bei Familie Höß an der Tür, weil sie zum Abendessen eingeladen sind ...
- Da kann ein jüdisches Kind, das offenbar mit keiner Art von Zwangsarbeit beschäftigt ist, ein ganzes Jahr lang in Auschwitz-Birkenau überleben und Tag für Tag am Zaun sitzen ...
- Da ist der kleine Schmuel, der im Gegensatz zu seinem Freund Bruno ganz genau weiß, was es bedeutet auf der inneren Zaunseite zu stehen. Und trotzdem konzentriert er sich nicht etwa darauf, wie er selbst (vielleicht mit seiner Familie) aus dem Lager entfliehen könnte, sondern wie er seinen besten Freund hineinbringen kann ...
- Dann ist da dieser vollkommen ungesicherte Zaun. Starkstrom und Schießbefehl zum Trotz, kann der kleine Bruno ihn völlig ungehindert und unbeobachtet jeden Tag hochheben, Essen drunter durchschieben oder selber drunter her kriechen, obwohl doch genau dieser Zaun für tausende von Häftlingen eine unüberwindliche Barriere ist ...

Diese Liste lässt sich noch lange fortführen. Es reicht aber sicher zu sagen, dass ein persönlich Betroffener (also ein Augenzeuge, der tatsächlich die Hölle von Auschwitz überlebt hat) diese Darstellung wohl nur wie HOHN empfinden kann.

Dass nun gerade in Deutschland das Thema Holocaust einen ganz besonderen und unantastbaren Stellenwert hat, ist natürlich bekannt, und auch vollkommen richtig so. Ich würde auch niemals einen Augenzeugenbericht schlecht rezensieren - selbst dann nicht, wenn ich die Umsetzung irgendwie misslungen fände.
Mein Respekt vor den Opfern, vor dem Thema im Allgemeinen, und vor der enormen Verantwortung die wir deutschen seither tragen, verbietet da einfach jede Kritik. Ganz besonders von Personen wie mir oder Mr. Boyne, die wir beide Jahrgang '71 sind und daher nicht aus eigener Erfahrung sprechen können.
Für ein derart hergeholtes Hirngespinst wie dieses Buch, gilt mein selbst auferlegtes Kritikverbot aber nicht. Im Gegenteil.
Ich sehe hier die Möglichkeit nochmal daran zu erinnern, dass wir auch gegenüber zukünftiger Generationen die Verpflichtung haben, alle historischen Tatsachen genau, unverfälscht, und vor allem nicht verharmlost an die nach uns kommenden weiterzugeben. Gerade Kinder und Jugendliche sind auf eine richtige historische Darstellung angewiesen um einen verantwortungsvollen Umgang mit der deutschen Geschichte zu lernen. Ganz abgesehen davon, dass es einem Kind dieser Altersgruppe auch kaum zuzumuten ist, sich beim lesen auf das geistige Niveau von Bruno herab zu begeben.

FAZIT - auch auf die Gefahr hin, dass ich mir hier nicht allzu viele Freunde mache ...

Dieses Buch ist bestenfalls für diejenigen Leser zu empfehlen, deren literarische Ansprüche sich bereits damit erschöpfen, dass sie am Ende reichlich Tränen wegen der herzzerreißenden Kinderschicksale vergießen können. Da braucht man sich nur die vielen positiven Rezensionen, und vor allem die haarsträubenden Begründungen dazu anzuschauen.
Wer einfach nur emotionale Unterhaltung mit viel Herzschmerz und einem rührenden Finale sucht, der ist mit diesem Buch sicher gut bedient - vorausgesetzt er hat nicht allzu viele Vorkenntnisse im Bezug auf den Holocaust, und kann sich deshalb auch nicht an all dem Unsinn in dieser Geschichte stören.

Es tut mir ja sehr Leid, aber allen anderen ist wirklich abzuraten.
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5.0 von 5 Sternen Der Zaun einer anderen Welt, 11. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Bruno ist neun als er sein gemütliches Zuhause, seine besten Freunde und das Gewusel der Berliner Innenstadt für ein Leben in einem hässlichen Haus mitten im tristen Nirgendwo zurücklassen muss. Noch ahnt er nicht, welche schrecklichen Dinge im Land vor sich gehen und trauert daher vielmehr um seine Spielkameraden und die Großeltern in Berlin.

Eines Tages trifft er am nahe gelegenen Drahtzaun einen Jungen namens Schmuel. Ein seltsamer Junge, der nicht nur abgemagert ist, sondern auch wie all die anderen Menschen auf der anderen Zaunseite einen gestreiften Pyjama trägt.
Was Bruno anfangs als spielerische Entdeckungsreise ansieht, wird für ihn bald zu einer Reise in die Realität. Einer Realität, die Bruno brutal einholt und zu der er längst unwissentlich gehört.

~*°..”Seine Füße trugen ihn Schritt für Schritt näher zu dem Punkt in der Ferne, der zwischenzeitlich ein Fleck geworden war und langsam alle Anzeichen aufwies, sich in einen Klacks zu verwandeln. Und kurz darauf wurde der Klacks ein Schemen. Und als Bruno noch näher kam, sah er, dass das Ding weder ein Punkt noch ein Fleck noch ein Klacks noch ein Schemen war, sondern ein Mensch. Genau genommen war es ein Junge.”(Zitat , Seite 132)..°*~

“(..)Über den Holocaust zu schreiben ist eine umstrittene Angelegenheit, und jeder Schriftsteller, der sich mit dem Thema befasst, sollte sich seiner Absichten sehr bewusst sein, bevor er zu schreiben beginnt. Es ist vermessen anzunehmen, dass die Schrecken der Konzentrationslager aus heutiger Sicht wirklich begreifbar wären, und dennoch ist es die Pflicht eines jeden Autors, innerhalb dieser Landschaft des Grauens möglichst viel emotionale Wahrheit zu zeigen.
Beim Schreiben und Überarbeiten des Buches war ich überzeugt, dass es für mich nur einen respektvollen Weg gibt, mich dem Thema zu nähern: durch die Augen eines Kindes(..)”

Auszug aus dem Nachwort des Autors

Viele Dinge in diesem Buch sind Auslöser für hitzige Diskussionen oder ausführliche Unterhaltungen. Ich könnte mich sicherlich seitenlang über die Thematik und die großartige Umsetzung von John Boynes Werk auslassen. Tun werde ich es allerdings nicht. Selbst der Verlag hat sich bei der Kurzbeschreibung des Buches nicht dazu hinreißen lassen und es folgendermaßen formuliert:
"Die Geschichte von "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch - so glauben wir - ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt."

Treffender hätte ich es nicht formulieren können. Und da ich diese Vorgehensweise absolut nachvollziehen kann, werde auch ich mich nur nur aufs Wesentlichste beschränken. Falls dies jemandem missfallen sollte, dem rate ich, nun einfach das große X des Tabs zu drücken und es dabei sein zu lassen.

John Boynes Werk ist nicht ohne Grund Pflichtprogramm an deutschen Schulen geworden. Denn obwohl “Der Junge im gestreiften Pyjama” als eine Fabel gilt, verrät uns seine Geschichte viel mehr von der Vergangenheit unseres Landes als man anfangs annimmt.

Boyne gelingt es auf spielerische Art und Weise nichts und zugleich “die Welt” zu erzählen. Er schürt die Fantasie des Lesers, verleiht den scheinbar unbedeutenden und leisen Zeilen so viel Stimme und schenkt ihnen Nachdruck. Er konfrontiert uns mit der Vergangenheit und übermittelt uns die Wahrheit.

Eine Wahrheit, die viele vielleicht nicht mehr hören wollen, weil sie die Geschichten des Holocausts über haben, übersättigt sind von den vielen Eindrücken oder gänzlich geschockt von der Brutalität vieler unserer Vorfahren.
Und dennoch kann man sich dem Sog der Geschichte nicht entziehen. Durch Bruno führt Boyne den Leser auf eine so naive und kindliche Art und Weise an die Ereignisse des Holocausts heran, dass sie einen noch tiefer berühren, als es vielen anderen Bücher je gelang. Ich habe jede Zeile genossen, wenn auch nicht ohne Wut und Ehrfurcht vor den damaligen Ereignissen. John Boynes Werk lässt daher 5 von 5 abgemagerten Jungen im gestreiften Pyjama vorbeiziehen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Junge im gestreiften Pyjama, 24. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich habe mir das Buch ,,Der Junge im gestreiften Pyjama" gekauft, weil wir das Buch von der Schule aus lesen sollten. Ich würde das Buch keine Kinder lesen lassen, die sich vorher nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Es in dem Buch darum was Bruno denkt. Das hat meistens nichts mit der Realität zu tun. Ich würde das Buch empfehlen zu lesen, nachdem man sich mit der Thematik befasst hat.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend bezüglich Erwartungen, die man gehegt hat, 11. Mai 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich kann mich meinen Vorrezensenten nur anschließen, welche dieses Buch mit nur einem oder höchstens zwei Sternen bewertet haben. Vorab muss ich sagen, dass ich selbst für mein Alter ein sehr neugieriges Wesen habe bezüglich früheren Zeiten. Ich mag Musik, Filme, Klamotten etc. von 1920 bis 1950. Darunter interessiert mich historisch gesehen auch die Zeit des Holocaust und Nazitums. Ich bin also mit großen Erwartungen an dieses Buch rangegangen und wurde schlussendlich, nachdem ich den letzten Buchstaben ausgelesen hatte, ziemlich enttäuscht. Vom Anfang bis circa in der Mitte des Buches geschieht nichts Außergewöhnliches. Der neunjährige Bruno verhält sich ziemlich unwissend und stellt sich so hin, als ob er sich alles um sich rum nicht vorstellen könne. Dauernd formt er ein "O" mit seinen Lippen, wenn ihn was erstaunt. Der Autor wiederholt das so oft, dass es schon unglaubwürdig klingt und man als Leser nur noch den Moment abwartet, wenn Bruno in der Gaskammer steht (die Szene kommt ja zum Schluss) und dort auch nochmal ein staunendes "O" formt, weil er glaubt die Nazi-Soldaten stecken so viele Menschen in eine Kammer um sie zu trocknen vom Regen. Andererseits nimmt das Buch einen schon mit, aber dann scheint es wieder zu abenteuerlich, übertrieben und allzu phantastisch. Selbst als der jüdische Junge namens Schmuel Bruno zeigt und sagt, dass er von den Nazis misshandelt wird, sie nichts zum essen haben im KZ und viele Häftlinge rumlaufen, bezweifelt Bruno das. Das Buch kommt ziemlich seicht rüber, weil kaum etwas geschieht, vor allem nichts schlimmes, außer, dass ein Nazi mal "Dreckiger Jude" sagt, ein Hund erschossen wird (wobei das nacherzählt wird vom Autor und nicht aktiv in der Geschichte geschieht) oder die Szene am Schluss mit der Gaskammer kommt. Aus Kinderaugen gesehen kann es schon sein, dass ein deutscher Junge die Juden für Leute in gestreiften Pyjamas hält, aber alle anderen Dinge, die Bruno nicht verstehen will, obwohl er es kann, scheinen schier absurd. Seine Schwester wird ständig als "hoffnungsloser Fall" bezeichnet, sie selber sagt über ihren Bruder dauernd aus er sei doch erst neun Jahre alt und dann kommt wieder das staunende "O", das sich sogar einmal auf die Mutter überträgt und letztendlich schreibt der Autor immer über "Sachen, die bei Bruno ganz hinten im Schrank liegen, nur ihm gehören und keinem etwas angehen", aber dennoch: zuletzt wird nicht aufgedeckt, was diese "Sachen" eigentlich sind!?

Viel zu lang gewaschen die Wäsche. Keine Härte, kein Gefühl für den Leser von der Handlung mitgerissen zu werden. Nur ein bisschen Entdeckungsreise in eine Welt, die absurd scheint (wie kann denn ein jüdischer Junge sich ein Jahr lang mit eine deutschen Jungen unterhalten von Zaun zu Zaun ohne dabei von den Nazis strengstens überwacht zu werden über solch einen Zeitraum!?). Ach und dann schmuggelt Schmuel noch so ohne weiteres Häftlingsklamotten aus einer Kammer, die solcherlei extra beinhaltet, ja klar: er darf ja so ohne weiteres in diese Kammer als Häftling immer ein und ausgehen, wann es ihm passt. Ad absurdum, wie gesagt. Ich hoffe ich finde in Zukunft ein ergreifenderes Buch, das ich hier nun mal besser bewerten kann.

~Bücher-Liebhaberin~
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Groteske Kindererzählung., 11. Juni 2010
Von 
Al Mo - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Es gibt Geschichten, in denen es um weit mehr geht, als um Fakten oder logische Abfolgen oder auch die nackte Realität.
By the way: Dies ist ein Kinderbuch. Ein Märchen, wenn auch mit realem historischem Hintergrund. Ein Märchen 'inspired by'.
Ein Märchen, welches von der Unmöglichkeit - in diesem Fall einem spärlich bewachten,leicht zugänglichen und unzureichend fundamentierten Zaun - lebt. Weil es sonst diese ganze Geschichte einfach nicht gäbe.:

Der 9jährige Bruno zieht mit seinen Eltern um, weil sein Vater zum Lagerkommandant ernannt wurde. Er findet sich plötzlich staunend und erschrocken in einer Welt wieder, die er sich einfach nicht erklären kann und sie doch mit seinem kindlich-naiven Wesen zu verstehen versucht (z.B. gibt es da Menschen, die den ganzen Tag nur in Pyjamas herumlaufen oder einen Arzt, der seinen Beruf einfach aufgegeben hat, nur um Kartoffeln für andere Leute zu schälen). Als er sich schließlich mit einem anderen Jungen, der (bei den Leuten mit den Pyjamas hinter einem Zaun)im KZ ist, anfreundet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die jeglicher Propaganda trotzt und sich beneidenswert vorbehaltlos ausschließlich an inneren Werten orientiert.
Diese - phantastische - Geschichte besticht absolut nicht durch handfeste Fakten sondern durch die eigene Vorstellungskraft. Dank der großen Emotionalität und der naiven Herangehensweise, symbolisiert durch Bruno. Seine kindliche Unwissenheit steht stark im Kontrast zum Wissen des Lesers und genau darin liegt die besonders schwer erträgliche Tragik, die sich bis zum Ende hin immer mehr zuspitzt.

Es sind nicht immer ausschießlich die Fakten, die einen Menschen in sich gehen lassen, zu erschüttern vermögen, ins Nachdenken bringen, beeindrucken können. Diese unglaublich naive, unvoreingenommene Sichtweise aus Kinderaugen tut weh, geht beim Lesen durch Mark und Bein und wirken so nachhaltig beeindruckend. Diese Geschichte - grotesk und phantastisch zugleich, beschreibt dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte aus einer für sich einzigartigen Perspektive, wie sie nur Kinder sehen können - und vielleicht auch nur Kinder wirklich verstehen können.

Wenn dieses Buches dazu dienen kann, jungen Menschen auf lebendige Art und Weise diesen Wahnsinn etwas näher zu bringen, ihr Interesse wecken kann - wenn diese Geschichte sie erreicht oder auch berühren kann - dann sollte es zweitrangig sein, ob dies nun in sich schlüssig, mit knallharten Fakten oder unterwegs auch einen - durchaus legitimen - Realitätsverlust erleidet. Märchen sind nicht realistisch, aber lehrreich. Bemühen wir uns doch also einfach einmal darum, dieses unfassbare Stück Geschichte für ein paar Augenblicke mit den Augen eines Kindes zu betrachten. Dafür ist sie - meines Erachtens nach - ja auch geschrieben worden.
Fazit: Eine tief ergreifende, ganz erstaunlich erzählte Geschichte vor grausigem Hintergrund.
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51 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In vielen Punkten zu gewollt naiv, 9. September 2009
Von 
Bouquineur (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Junge im gestreiften Pyjama (Taschenbuch)
Ich bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass ein 9-jähriges Kind deutlich besser über sein Umfeld Bescheid weiß als man es Bruno hier attestiert. Dass er nicht in der Lage war, die Wörter Auschwitz und Führer richtig auszusprechen und es selbst nach mehreren Korrekturen seitens seiner Schwester oder anderen Personen nicht auf die Reihe bekommen hat, fand ich überzogen.
Dieses Bild wird für mich noch unglaubwürdiger, wenn ich an die Erzählungen meines Vaters denke, der Jahrgang 1932 ist und damit zur Zeit, in der dieses Buch spielt, zwei Jahre älter als Bruno. Kein Kind war zu dieser Zeit so blauäugig wie Bruno, jedes Kind kannte den Unterschied zwischen Juden und "der Gegenseite", wie es hier im Buch ausgedrückt wird. Rassenkunde war Bestandteil des Schulunterrichtes. Des Weiteren fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass Bruno nicht erkennt, dass er ein hungerndes Kind vor sich hat und sich statt dessen fragt, warum Schmuel so grau und so dünn aussieht.

An der Art des Erzählens haben mich die ständigen Auslassungen geärgert. Als hätte der Autor Angst gehabt, die "bösen" Wörter zu nennen. Ich denke, dass man auch Kinder, die ja Zielgruppe dieses Buches sind, für solche Dinge sensibilisieren kann. Wie will dieses Buch etwas vermitteln, wenn die Dinge, um die es geht, nicht ausgesprochen werden?

Highlight dieses Buches war für mich Schmuel, der trotz der unerträglichen Situation, in der er sich befindet, nie verzweifelt oder sich aufgibt. Den Schluss fand ich überraschend und hätte ein solches Ende nicht vermutet.
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Der Junge im gestreiften Pyjama
Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne (Taschenbuch - 6. Februar 2009)
EUR 7,95
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