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5.0 von 5 Sternen "Es soll ganz groß werden hier.", 1. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Herr der Fliegen: Roman (Fischer Taschenbibliothek) (Taschenbuch)
"Die Insel gehört uns. Sie ist prima. Mensch, bis die uns holen, das gibt so ein Ding!" - So klingen die ersten Ansprachen von Ralph, dem demokratisch gewählten Anführer einer Gruppe sechs- bis zwölfjähriger Jungen, die wegen eines Atomkrieges evakuiert werden sollten, sich aufgrund eines Flugzeugabsturzes aber auf einer unbewohnten Insel wiederfinden. Zuerst übernehmen die Kinder die Verhaltensweisen, die ihnen die zivilisierte und kultivierte Welt der Erwachsenen beigebracht hat. Sie errichten Wohnstätten, pflegen sich so gut es geht und versuchen, durch eine als Versammlungsinstrument benutzte Muschel einen starken Bezug zur Demokratie herzustellen. Ein Feuer auf der höchsten Stelle der Insel soll dafür sorgen, dass sie von vorbeifahrenden Schiffen gesehen werden.
Doch je mehr Zeit ins Land streicht, desto bequemer und roher wird die Gruppe. Wozu soll man Hütten bauen, wenn man baden gehen oder exotische Früchte essen kann? Wozu soll man die Demokratie beachten, wenn weit und breit kein Erwachsener zu sehen ist, der das Verhalten der Kinder zurechtstutzt? Und wieso soll man das rettende Feuer unterhalten, wo man doch erfolgreiche Jagden nach Schweinen abhalten kann? Die allgemeinen Interessen der Gruppe rücken mehr und mehr in den Hintergrund, während sich die Hemmschwellen immer weiter verschieben und einzelne Charakterzüge immer stärker herausstellen. Der Konflikt zwischen den Jungen erlebt ihren Höhepunkt, als das Gerücht umhergeht, das sich auf der Insel ein Monster befindet. Daraufhin verlässt einer der Jungen, mit Namen Jack, die Gruppe und gründet ein totalitäres Lager für Jäger. Mit Masken und Kriegsbemalung bedeckt schrecken die Mitglieder dieser Gruppe sogar vor Gewalt und Mord nicht zurück...

Es gibt viele Beispiele für Geschichten dieser Art. Die Kuriosität ist, dass manche von ihnen sogar im Roman selbst genannt werden. So stößt man hier auf Abenteuergeschichten wie "Die Schatzinsel", "Schwalben und Amazonen" oder "Die Koralleninsel". In der Tat versprüht die Insel am Anfang eine Art Freiheit, die sich auch auf den Leser überträgt. Warme Temperaturen, ein glänzender Pazifik, saftiges Obst und jede Menge Freizeit sorgen hier für so manchen Kopfstand, sodass man sich fragt, was William Golding einem hier eigentlich erzählen möchte.
Doch der erste Versuch des rettenden Feuers, der fürchterlich schiefgeht und ein Todesopfer fordert, ist ein böses Omen. Die Geschichte wird von Kapitel zu Kapitel düsterer und die anfangs so friedliche Insel wird mehr und mehr zu einer Art Gefängnis. Diese Entwicklung wird von der gut gewählten Symbolik unterstützt, die William Golding für seinen Roman verwendet hat. Die Insel kann man mit dem Paradies vergleichen, das sich durch ein Buschfeuer und nicht zuletzt durch die simple Erwähnung einer Schlange zu einem Inferno entwickelt.

Auch der Titel des Buches ist gut gewählt. In einem Kapitel wird einem Schwein von den Jägern der Kopf abgetrennt. Dieser wird auf einem Speer aufgespießt und dem Monster präsentiert. Der Kadaver lockt schnell die Fliegen an und wird somit zum "Herr der Fliegen". Dieser Begriff ist allerdings auch ein Synonym für den Teufel, auch Beelzebub genannt. Der abgetrennte Schweinekopf "spricht" zu einem der Jungen und erklärt ihm, dass die Bestie, die auf der Insel vermutet wird, in der Gruppe selber haust. Zu diesem Zeitpunkt ist die Gruppe logischen Argumenten jedoch nicht mehr zugänglich.

Reduziert man diesen Roman auf die eigentliche Geschichte, könnte sich sehr schnell eine gewisse Langeweile aufbauen. Hinzu kommt, dass dieses Buch an vielen Schulen zur Pflichtlektüre im Englischunterricht zählt, was dazu führt, dass man auf viele negative Meinungen mancher Schüler stößt. Nimmt man allerdings die Symbolik und die Entwicklung mit Rücksicht auf Einblicke in die menschliche Psyche mit in seine Bewertung auf, wird schnell klar, dass William Golding hier ein Meisterwerk abgeliefert hat. Nicht umsonst wurde der 1993 verstorbene Schriftsteller 1983 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
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Herr der Fliegen: Roman (Fischer Taschenbibliothek)
Herr der Fliegen: Roman (Fischer Taschenbibliothek) von William Golding (Taschenbuch - 15. Mai 2012)
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