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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menstruation als ästhetischer Hochgenuss, 25. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Erzählungen in vier Bänden Die Betrogene: Erzählungen 1940-1953 (Taschenbuch)
Vor allem die Männerwelt ist dafür bekannt, dem zutiefst weiblichen Akt der Menstruation lieber nicht allzu viel Beachtung zu schenken. In "Die Betrogene", Manns letzter Kurzgeschichte, stellt der Autor diesen natürlichen Prozess in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Und, zum Erstaunen aller männlichen Leser, tut er dies in einer Art und Weise, die nicht so erschreckend ist wie mann sich das so vorstellt.
Dabei nimmt Thomas Mann kein Blatt vor den Mund, was ihm übrigens viel Kritik eingebracht hat, sondern lässt seine sich in ihren Wechseljahren befindende Protagonisten Rosalie von Tümmler en detail über das überraschende Wiederauftreten ihrer Blutungen berichten. Dies geschieht in der Mann-Üblichen poetischen Sprache, die es fertig bringt, selbst solche einen solch quasi suspekten Akt in einen ästhetischen Hochgenuss zu verwandeln. Kein anderer außer Thomas Mann hätte diesen Verdienst wohl leisten können.
Die erste Geschichte des Bandes "Die vertauschten Köpfe" verarbeitet eine indische Legende, mit dem ewig jungen Thema: zwei Männer, eine Frau, was nun?? Seine Erzählung "Das Gesetz" berichtet von Moses Kampf seinem erwählten Volk den Glauben an den einen Gott näherzubringen. Moses wird hier als cholerische, rhetorisch eher unbegabte Person beschrieben, der viel Geduld braucht, um den Israeliten das Gesetz Gottes näherzubringen (dies erweist sich als sehr schwierig, da vor allem das Verbot der aktiv praktizierten Geschwisterliebe auf eher wenig Gegenliebe stößt).
Fazit: drei sehr lange Kurzgeschichten mit den unterschiedlichsten Themen, die nochmals Manns Sonderstellung in der deutschen Literatur verdeutlichen.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Betrogene, 4. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Erzählungen in vier Bänden Die Betrogene: Erzählungen 1940-1953 (Taschenbuch)
Hauptsächlich wegen der Erzählung auf dem Titel habe ich mir diesen Band gekauft. Und er war es voll und ganz wert.
Die Betrogene war Thomas Manns letzte Erzählung und hat alle Welt vor den Kopf gestoßen. Und noch heute mutet das Thema ungewohnt an. Zumal für einen Klassiker wie Thomas Mann, der geschlechtliche Dinge bisher nicht so ausformuliert, sondern eher angedeutet hatte. Z. B. im "Tod in Venedig".
Hier aber wird die Geschichte der Rosalie von Tümmler geschildert, die an das Leben und die Natur glaubt wie eine Karikatur fast. Sie glaubt an das Gute der Natur, das Sinnhafte und Wichtige im Leben selbst.
So denkt sie dann auch, als sie - trotz ihrer Wechseljahre - wieder blutet, die Natur beschenkt sie erneut mit Fruchtbarkeit, weil sie in den jungen Amerikaner Ken verliebt ist.
Schließlich aber endet diese Geschichte recht traurig, weil es zu einer richtigen Verbindung zwischen den beiden nicht kommt, die Natur triumphiert - auf eine gewisse Art.
Diese Erzählung wurde von der zeitgenössischen Kritik (im Jahre 1955) größtenteils zerrissen und als "passendes Geschenk für Gynäkologen" angepriesen.
Doch nichtsdestotrotz ist diese Erzählung ein veritabler und aufsehenerregender Schlußpunkt hinter einer langen Schriftstellerkarriere und verdient Beachtung. Nicht unverdient.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ut aliquid fieri videatur!, 20. März 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Erzählungen in vier Bänden Die Betrogene: Erzählungen 1940-1953 (Taschenbuch)
Die letzte wunderbare Erzählung Thomans Manns trägt den Titel "Die Betrogene".
Ich bin ein Vielleser und kann kann mit Recht behaupten, dass ich seit langem kein so interessantes und zugleich kluges Buch gelesen habe. Die sprachliche Qualität ist wahrlich Balsam für die Seele.

In diesem kleinen Epos geht es um die Kriegswitwe Rosalie von Tümmler, die mit ihren zwei Kindern ein gutes Leben führt. Deren Mann war Offizier und erlag im Krieg seinen Verletzungen. Im Werk wird er als Held hingestellt, zumindest was seine vermeintlichen "Leistungen" im Krieg betrafen.

Da wäre einmal die Tochter Fräulein Anna von Tümmler zu nennen. Sie ist dreißigjährig. Nach dem bestandenen Abitur hat sie an Akademie der Künste studiert. Anna von Tümmler interessiert sich nicht sonderlich für Wissenschaft, sondern für freie Künste. Sie kennzeichnet die kühle Sachlichkeit gepaart mit ausgeprägtem Verstand.

Der Sohn Eduard von Tümmler steht kurz vor seinen Abiturprüfungen. Zwar soll er in diesen in Latein und Griechisch geprüft werden, doch seine Mutter besteht darauf, dass er Englisch erlernt. Der Vorwand Rosalies ist der, dass Englisch zum einen wichtig sei und zum anderen soll die englische Sprache ihn entspannen im Gegensatz zu all den stressigen übrigen Schulfächern. Der private Englischunterricht für den Sohn Eduard im Hause der von Tümmlers wird von einem fünfundzwanzigjährigen Weltenbummler namens Ken Keaton erteilt.

Wie sich im Laufe der Erzählung herausstellt, verliebt sich die über fünfzigjährige Mutter Rosalie von Tümmler in den jungen Lehrer. Ein Unding zu jener Zeit.

Zwar versucht sie immer wieder, ihre sachlich argumentierende Tochter von ihrer anfangs Schwärmerei zu ihm zu überzeugen, doch ist sie der geistig geschulten und belesenen Tochter argumentativ bei weitem nicht gewachsen.
So wirft die Tochter im Laufe eines Gesprächs der Mutter vor, sie besäße eine moderne Deklassiertheit und solle doch zu dem besagten Jüngling wie eine Mutter auftreten und nicht wie eine sexuell begehrende Liebende.
Dennoch lässt sich die Frau Mama nicht von ihrem Vorhaben, ihm ihre Liebe zu gestehen, abbringen.

Doch während eines von ihr minutiös geplanten Schlossbesuchs gesteht sie dem jungen Ken Keaton ihre Liebe. Dieser erwidert sie. Sie vereinbaren, dass Frau von Tümmler ihn in seiner Behausung besuchen soll. Zurzeit befinden sie sich noch im Stadium einer aufkeimenden Liaison...

Doch nach dem Klingeln vor seiner Haustür wird sie ohnmächtig. Im Krankenhaus angekommen, wird ihr die tödliche Diagnose der Ärzte beigebracht. Ihr ganzer Körper ist befallen von sog. metastasierenden Karzinomzellen. Sie ist unpässlich! Ihre Liebe zum jüngeren K. Keaton geht weiterhin usque ad finem. Fast möchte man sagen, die Liebe geht über den Tod hinaus wie z.B. im Gedicht "Der König von Thule" von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1774. Doch leider besitzt diese Hypothese einen höchst spekulativen Charakter, weil der Erzähler dies höchstens implizit andeutet, jedoch nicht explizit erzählt.

Rosalie von Tümmler vergleicht die Liebe mit dem Erwachen der Pflanzen zum Frühling. Dieses Motiv ist in der Literatur sehr weit verbreitet wie bspw. die blaue Blume in der Romantik als epochale Zuordnung.
Rosalie von Tümmler ist wahrlich eine femme fatale mit restriktivem Charakter. Sie steht nicht gerade für Schönheit, aber doch für Liebenswürdigkeit. Denn so wird sie durch ihre Tochter beschrieben.

Wichtig meines Erachtens ist die folgende Schlüsselszene. In dieser gesteht die Mutter -mit der für Mann typischen Sprachwahl- der Tochter ihre Liebe zum jungen K. Keaton:

"Was würdest du sagen, Anna, wenn deine Mutter auf ihre alten Tage von einem heißen Gefühl ergriffen wäre, wie es nur der vermögenden Jugend, der Reife nur und nicht einem abgeblühten Weibtum zukommt?". "Wozu das Konditionale, Mama? Offenbar steht es so mit dir, wie du sagst. Du liebst?"
"Wie du das sagst, mein süßes Kind! Wie frei und kühn und offen du das Wort aussprichst, das mir so schwer über die Lippen ginge, und das ich tief in mir verschlossen gehalten habe so lange Zeit, nebst allem, was es an schamhaftem Glück und Leid besagt, -es verhehlt habe vor aller Welt und auch vor dir, so streng, dass du eigentlich aus den Wolken fallen müsstest, den Wolken deines Glaubens an die Matronenwürde deiner Mutter! Ja, ich liebe, liebe heiß und begehrend und selig und jammervoll, wie du einst liebtest in deiner Jugend." ... usw. (S. 52f.)

Meine Intention bei diesem längeren Zitat ist die, dass man einen Einblick in die sehr gehobene Sprache Manns erhascht. Das ganze Werk ist in dieser Sprechart verfasst, sodass es wahrlich ein Genuss ist, diese Erzählung zu lesen. Sprachlich wie inhaltlich ist die Erzählung ein Kunstwerk ohne seinesgleichen, bei weitem!

Fazit: Die Liebe ist überwältigend und nicht mit Verstand zu begreifen.
Wer anspruchsvolle Literatur konsumieren möchte und gleichzeitig Spaß hat an der sowohl inhaltlich als auch sprachlich gehobenen Form der Literatur hat, dem sei dieses wundervolle kurze Werk angeraten.
Bitte lesen Sie diese wunderbare und zugleich lehrreiche Erzählung.
Diese ist wahrlich ein Balsam für die sog. "sprachliche Seele"... SEHR EMPFEHLENSWERT!
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5.0 von 5 Sternen Artikel in bester Qualität erhalten, 10. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Erzählungen in vier Bänden Die Betrogene: Erzählungen 1940-1953 (Taschenbuch)
Wie ausgeschrieben und angeboten, erhielt ich den Artikel in bester Qualität.
Kann den beschriebenen Artikel bestens weiter empfehlen wie auch den Lieferanten.
Bin rundum zufrieden und würde mich wiederum zum Kauf entscheiden.
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Sämtliche Erzählungen in vier Bänden                                                        Die Betrogene: Erzählungen 1940-1953
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