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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Wiederauferstehung von Goethe
Manche Bücher ziehen uns Leser sofort in ihren Bann. Andere legen die Fesseln allmählich an. "Lotte in Weimar" gehört zur letzten Kategorie.
Es beginnt mit der Ankunft von Lotte im traditionsreichen Hotel "Zum Elephanten" in Weimar. Lotte - hieß so nicht Goethes Geliebte, verewigt in den "Leiden des jungen...
Am 3. Dezember 1999 veröffentlicht

versus
5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Posse in drei Akten
Helles Aufsehen erregt der Besuch Charlotte Kestners geborene Buff in Weimar im Jahre 1816 - 44 Jahre nach der legendären Bekanntschaft Lottes mit dem jungen Goethe.

Nach langer Reise im "Gasthof zum Elephanten" eingetroffen treten nacheinander die Handelnden (oder vielmehr Berichtenden) Kellner Mager, Miss Cuzzle - eine junge mit Skizzenblock bewaffnete...
Veröffentlicht am 29. Dezember 2006 von Esther


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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Wiederauferstehung von Goethe, 3. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Manche Bücher ziehen uns Leser sofort in ihren Bann. Andere legen die Fesseln allmählich an. "Lotte in Weimar" gehört zur letzten Kategorie.
Es beginnt mit der Ankunft von Lotte im traditionsreichen Hotel "Zum Elephanten" in Weimar. Lotte - hieß so nicht Goethes Geliebte, verewigt in den "Leiden des jungen Werther"? Die ist es, Charlotte Kestner, geborene Buff, vierundvierzig Jahre nach dem sie Goethe zuletzt sah. Im "Elephant" steigt sie ab, wohlgemerkt, nicht in Goethes Haus am Frauenplan.
Nicht viel passiert in diesem Buch. Lotte sucht im Hotel Ruhe, doch ihre Berühmtheit lockt Gäste herbei. Friedrich Wilhelm Riemer, Goethes Sekretär, Adele Schopenhauer und schließlich August, Goethes Sohns, bitten um Einlaß. Drei sehr lange Dialoge entfalten sich, und langsam kommt man dem Geheimnis des Buches auf die Spur. Man spricht über Goethe, wie er vor vierundvierzig Jahren war und vor allem, wie er heute ist. Ein Bild von Goethe entsteht, und schon glaubt man, ihn zu kennen, ohne daß er bisher selbst auftrat. Erst im siebenten von neun Kapiteln kommt Goethe selbst zu Wort - keine noch so recherchierte Biographie vermag Goethe so lebendig und wirklich gestalten.
Am Ende wird Lotte von Goethe zu einer kleinen Feierlichkeit eingeladen, das Verhältnis ist recht kühl. Später sehen sie sich in einer Kutsche wieder. Erst hier taut Goethe auf, der alten Liebe wird erinnert.
Die Sprachschönheit von Thomas Mann ist unnachahmlich, und im Gegensatz zu einigen anderen seiner Werke wird man von allzu vielen selbstverliebten, seitenlangen Monologen verschont. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Subtil zynisches Porträt einer alten Liebe, 28. Dezember 2001
Von 
Pj - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar (Gebundene Ausgabe)
Lotte ist einfach wunderbar dargestellt. Die alternde Muse, die voller Hoffnung auf das Wiedersehen mit ihrem weltberühmten Liebhaber in Weimar Hof hält. Sie ist jedoch eine Kunstfigur, kein echter Mensch. Jeder, der den "Werther" gelesen hat, ehrt sie, möchte sie besuchen, kennenlernen, mit ihr reden. Nur der eine, der ihr das Denkmal geschaffen hat, der einzige, der sie als Mensch kennt - er kommt und kommt nicht. Ein herrliches Buch über die menschliche Eitelkeit.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verehrung und Ironie, 6. Dezember 2008
Von 
Rainer Herzog "Borstentier" (Hambug) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Es zeugt von einer geistigen Größe, wenn man Menschen oder Ideen, die man liebt oder verehrt, mit Ironie betrachten kann. Thomas Mann hat zeit seines Lebens eine tiefe, innere Verbundenheit gegenüber Goethe empfunden, in einem früheren Essay sprach er von ihm als vom "ganz und gar gesunden, in eingeborener Sympathie mit dem Organischen (lebenden) Naturkind" (Goethe und Tolstoi). Ebenso wie Goethe wusste Thomas Mann um seine eigene Bedeutung als Künstler, beide sahen sich (im positiven Sinne) gewissermaßen als Repräsentanten der deutschen Kultur.

"Lotte in Weimar" ist das fiktive Nachspiel der "Leiden des jungen Werther": Charlotte Buff, geb. Kestner, besucht 50 Jahre nach dem Erscheinen des großen Briefromanes ihren alten Jugendfreund, der die ganze Sache allerdings eher etwas peinlich findet...Goethe selbst taucht dann erst relativ spät auf, im letzten Drittel des Buches, vorher steht er die meiste Zeit, gleichermaßen geliebt und gefürchtet, verborgen im Hintergrund: in den Darstellungen von Dr.Riemer, Adele Schopenhauer und "dem Sohn", August Goethe, die alle drei nacheinander, der inzwischen leicht genervten und erschöpften Charlotte ihre Aufwartung machen.

Die Sprache Thomas Manns in diesem Roman ist großartig und unnachahmlich, ich hatte während des lesens, bzw. hörens das Gefühl, "so könnte es gewesen sein", man kann die gründlichen Recherchen, die "Lotte in Weimar" zugrundelagen und die zu einer unglaublichen Sachkenntnis und Detailverliebtheit in dem Roman geführt haben, nur erahnen. (Das Buch ist daher, ganz nebenbei, ebenso eine überzeugende Einführung in die klassische Weimarer Geistesgeschichte.)
Die Darstellungen der einzelnen Personen ist ebenso sehr, sehr gelungen und originell, man denke z.b. an die sympathische Aufdringlichkeit des literarischen Enthusiasten Mager (dem Kellner des Gasthofes "Zum Elephanten").

Das 7. Kapitel, der Moment, wo Goethe zum ersten Mal erscheint, halte ich für ein kaum zu überbietendes und geniales literarisches Meisterwerk: Goethe erwacht in seinem Bett und es folgt ein etwa 15 Seiten langer Monolog, ein Bewusstseinsstrom: Assoziationen, Erinnerungen, Pläne, Gedanken an Schiller ("Der große rührende Narr der Freiheit...") und an Zwieback...
Diese künstlerische Schilderung des "stream of consciousness" hat mich persönlich mehr beeindruckt als das berühmte letzte Kapitel von Joyce' "Ulysses".

Gert Westphal ist wieder einmal ein hervorragender Vorleser, man merkt, wie sehr er mit der Sprache Thomas Manns (und der Goethes) verbunden ist, wie sehr er das liebt, was er liest.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Man muss schon genau hinlesen..., 3. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar (Gebundene Ausgabe)
ansonsten verliert Man(n) leicht den Faden. Dieses Buch liest sich nicht einfach so. Es erfordert schon die eine oder andere Musestunde, um sich mit dieser brillanten Idee auseinander zu setzen:
Es geht um Charlotte Buff, die Charlotte, die einst von Goethe umschwärmt wurde, die ihm gleichsam als Vorlage für seinen "Werther" gedient hat. Sie besucht Weimar, die Stadt Goethes und wird auch gleich zum Star. Von einer neugierigen Menschenmenge belagert und von allerlei Menschen aus dem Goethe'schen Umfeld besucht, erfährt Lotte Wichtiges und Unwichtiges um den zum Literaturgott erhobenen Goethe.
Erst im siebenten von neun Kapiteln begegnet man dem Meister selbst bei einem inneren Monolog und schliesslich das Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren Lotte und Gothe bei einem gemeinsamen Abendessen bei ihm.
Bemerkenswert sind die Wechsel der Erzählperspektiven. Zunächst wird über den Meister erzählt, dann lässt Mann den Meister zu sich selbst sprechen und zuletzt sieht der Leser direkt auf den Meister.
Anstrengend aber absolut gut gemacht. Sicherlich kein einfach zu lesender Stoff, lohnt sich aber und bleibt haften. "Buchenswert!"
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Goethe in Weimar, 30. Mai 2010
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar (Gebundene Ausgabe)
Eitel sind sie beide (und damit wohl Thomas Mann ähnlich): Goethe und seine Ex-Angeschmachtete Lotte alias Charlotte Buff/Kestner.

Fast ein halbes Jahrhundert später sehen sich die beiden in Weimar. Handlung gibt es jedoch kaum im Buche. Es sind innere Monologe, Gedanken, Gespräche usw., in wechselnder Autorenperspektive erzählt.
Sehr sinnig und ein schmaler Grat: hielt sich Mann nun für Goethe II (wo er vormals sich noch eher auf die Schiller-Seite geschlagen hatte)?

Wer also einen handlungsgetriebenen Roman sucht, wie bei Mann am ehesten Felix Krull, würde nicht wirklich glücklich. Wer jedoch das Reflektierte wie Reflektierende des Zauberbergs oder des Doktor Faustus schätzt, wird in "Lotte in Weimar" auch Leselust aufspüren. Fazit: gleichwohl nicht mein Lieblings-Mann, aber lesenswert und der vier Sterne würdig.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Goethe ganz persönlich, 17. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Gerade jetzt zum Goethe Jahr herrscht nun an neuen wie alten Goethe-Biografien keinerlei Mangel. Umso mehr ist diese etwas andere Form des Umgangs mit Goethes Vita aus der Masse hervorzuheben. Zur Rahmenhandlung: Lotte, jene Lotte aus Goethes "Werther", seine "Jugendliebe", trifft nach langer Zeit in Weimar an und bereitet sich auf den Besuch bei ihrem alten Freund Johann Wolfgang vor. Ein paar Tage bleiben noch bis zu jenem Treffen (im Mann-typischen "siebenten Kapitel"), und Lotte empfängt zahlreich Besuch von unterschiedlichen Persönlichkeiten, mit denen sie im Gespräch das Leben Goethes Revue passieren läßt. Aber die eigentliche Begegnung zwischen den beiden kommt auch nicht zu kurz... Kurzum, eine mehr als nur unterhaltsame, sondern auch informative und sehr persönlich geprägte Biografie des deutschen Oberdichters. Man muß aber schon an Goethe interssiert sein, und man muß auch den typischen Stil Thomas Manns mögen, beides Voraussetzungen, um Gefallen an dem Buch zu finden. Den hat man dann aber auch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewagt!, 10. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar: Roman (Taschenbuch)
Die Frage drängt sich auf, wieviel ein Autor von sich selbst hält, wenn er so mutig ist, sich in den größten deutschen Dichter aller Zeiten hineinzuversetzten! Nun, eines ist sicher, Thomas Mann war definitv kein bescheidener Mann!

Goethe tritt zwar erst im 7. Kapitel auf, aber dann mit einem Monolog der seinen Charakter deutlich zeichnet. Hierbei hat T. Mann viel gewagt, schließlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass er Teile seiner eigenen Persönlichkeit in die von Goethe hat einfließen lassen.

Der Roman an sich zählt sicherlich zu den witzigsten und ironischsten Büchern des Autors. Allerdings benötigt man viel Geduld um dies heraus zu finden. Denn wie immer bei T. Mann gilt: Der Weg zur Unterhaltung führt über die Anstrengung!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Mann [verhältnismäßig] light, 16. November 2002
Von 
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar: Roman (Taschenbuch)
"Lotte in Weimar" verbindet zwei Typen Mannscher Schreibkunst: In eine einfache Geschichte, die, wenn sie mal dahinplätschert, dieses leicht und unglaublich flüssig tut, liegen Unterhaltungen eingebettet, Mono- und Dialoge, ähnlich wie in "Tonio Krüger", die man grob gesagt "philosophisch" nennen kann. Durch die ansprechende "Rahmenhandlung" wird aber dieser, für Thomas Mann so typische, philosophisch-artifiziell gestaltete Monologteil nie langweilig. "Lotte in Weimar" ist - im Gegensatz zu vielen anderen Romanen Manns - wieder ein Buch, eine Geschichte zum Mit-"Fühlen". Wenn man mit Lotte, der Charlotte Buff aus Goethes Werther, der Begegnung mit dem alt gewordenen Geheimrat entgegenfiebert, kann die Distanziertheit der Monologie niemals ferner sein.
Ein erfrischender und trotzdem nicht "leichter" Mann-Roman.
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4.0 von 5 Sternen "Aber das Leben geht weiter, es bleibt auch beim Größten nicht stehen...", 27. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar: Roman (Taschenbuch)
Weimar im Jahre 1816: „Mit der ordinären Post von Gotha trafen an diesem Tage. morgens kurz nach acht Uhr, drei Frauenzimmer vor dem renommierten Hause am Markte ein, denen auf den ersten Blick – und auch auf den zweiten noch – nichts Sonderliches anzumerken gewesen war“. Bei den Damen, die sich im Gasthof ‚Zum Elephanten’ einquartierten, handelte es sich um die Hofrätin Witwe Charlotte Kestner, geb. Buff nebst Tochter und Kammerzofe.

Charlotte ist unter dem Vorwand, ihre Schwester zu besuchen, angereist. In Wahrheit sehnt sich die 63jährige Dame danach, ihren Jugendfreund – oder darf man sagen Jugendliebe – wiederzusehen. Ihre Gedanken schweifen zurück in jene Zeit, als der junge Johann Wolfgang Goethe, Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar, ihr „Mädchenherz“ verwirrte. Doch sie spürte die Gefahr, die von dem „Unmensch ohne Zweck und Ruh’“ ausgeht, war zurückgeschreckt „vor etwas Unwirklichem und Unzuverlässigem in seiner Natur“. Er, der "der ziellos ins Blaue liebte“, hatte ihr einen „Kuss geraubt“, zog sich aber nach der Verlobung von Charlotte mit Johann Christian Kestner zurück. Sie hatte den Einfachen dem „Glänzenden“ vorgezogen.

All dies wäre kaum erwähnenswert, hätte der große Dichter seine Gefühle und Gedanken nicht zu Papier gebracht und im ‚Werther’ ein Werk von Weltruhm geschaffen. Aus Charlotte Buff wurde Werthers Lotte. Thomas Mann berührt damit die Frage, inwieweit ein Poet über fremdes Leben bestimmen und Individuen unfreiwillig zu öffentlichen Personen machen darf.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von Charlottes Aufenthalt. Ein dichtes Menschenspalier drängte sich vor dem ‚Elephanten’, in der Hoffnung, einen Blick zu erhaschen. Kellner Mager ordnet den Besucherandrang und lässt einzelne Gäste vor. In den ersten sechs Kapiteln kommen Vertraute des Dichterfürsten zu Wort. Im Vorwort zur Ausgabe des Deutschen Bücherbundes schreibt Reinhart Baumgart: „Dieser Durchmarsch der Goethe-Zeugen vor der Hofrätin Kestner verfolgt eine doppelte Strategie: er zeigt einmal Goethe beharrlich aus der Perspektive von Abhängigen, ja Opfern, und er ‚zersetzt’ seine Größe in immer genauere, alltägliche, kleinere und auch kleinliche Details“.

Den Reigen eröffnet eine englische Porträtzeichnerin, die eben rasch das „reizende Gesicht in ihr Skizzenbuch“ aufnehmen will. Als Bürger einer weltoffenen, handeltreibenden Hansestadt hatte der Lübecker Senatorensohn Thomas Mann eine Vorliebe für England.

Der zweite Besucher ist Goethes ehemaliger Sekretär, Dr. Riemer. Nach langen Jahren in Diensten der Meisters regte sich in ihm der Wunsch, „sich so oder so auf eigene Füße zu stellen“. Mit gemischten Gefühlen lauscht Charlotte dem Monolog Riemers, seinem „hülflosen Ringen nach Würde“ und unterbricht nur hie und da. Er nennt Goethe einen „großen Mann“, einen „Genius“ und „Geistesfürst“. Goethe, „ …zu dem die Natur Vertrauen hat wie zum Schöpfergeist selbst, weil er, auf irgendeine Weise mit diesem verbunden, ein dem Schöpfergeist vertrauter Geist ist, der Bruder der Natur, dem sie willig ihre Geheimnisse offenbart…“. Das „Phänomen der Größe“ führt laut Riemer zu jenem Widerspruch, dass Größe auch „Segensfluch“ bedeutet. Riemer skizziert Goethes Radius als „…begrenzte Welt ... darin sich die Motive wiederholen…“. Im Umgang mit seinen Angestellten und Vertrauten („Sozietät“) konnte der Meister zuweilen mürrisch und unduldsam werden. Riemer spricht über seine Arbeit für Goethe „…von süßer und bitterer Ehre…“.

Demoiselle Adele Schopenhauer ist der nächste Gast, welcher der Hofrätin die Aufwartung macht. Die Demoiselle verkehrt im Hause Goethe, ihre Freundin Ottilie ist August von Goethes Verlobte. In August sieht sie das unmündige Ebenbild des Vaters: „August was Sohn – das war die Haupteigenschaft seines Lebens.“ Deshalb und wegen seiner Wein und Weiber Exzesse versucht sie die Ehe zu verhindern und hofft dabei auf die Unterstützung Charlottes. Goethe beschreibt sie als Menschen, der es „…excellent verstand, die Menschen lachen zu machen…“. Im Salon dominierte er, „…weil sich alles nach ihm richtete…“. Als konservativen Napoleon-Verehrer war er „…im Grunde seines Herzens gegen den Befreiungskrieg…“. Goethe ein Musengott? Ja, aber „Er ist groß und alt und wenig geneigt, gelten zu lassen, was nach ihm kommt. Aber das Leben geht weiter, es bleibt auch beim Größten nicht stehen…“.

Als letzter Besucher spricht Kammerrat August von Goethe vor. Der junge Mann erinnert Charlotte an seinen Vater, findet jedoch seine Ausdrucksweise altklug und „unnatürlich gemessen“. Er plaudert über seines Vaters Kränklichkeit, seine Kuren und betont, dass er des Vaters „treuer Helfer“ und Prellbock … zwischen ihm und der Welt der Geschäfte“ sei. Dabei lässt er durchblicken, dass er nicht immer der gleichen Meinung wie der Vater sei. Charlotte gibt ihm den Rat, sich stärker zu emanzipieren.

Im siebenten Kapitel, einem großartigen Monolog, führt Thomas Mann 100 Seiten lang den Leser in Goethes Gedankenwelt ein. Privates und Öffentliches, Kunst und Philosophie, Politik und Wissenschaft vermischen sich und am Ende vermag der Leser nicht mehr zu unterscheiden, ob dies noch Goethes oder schon Manns Gedanken sind: „Lass die keine bunten Vögel in den Kopf setzten von deiner Popularität … bestimmt durch mich, bereichert das Empfangene die Welt. So sollen’s die Deutschen halten, darin bin ich ihr Bild und Vorbild. Welt-empfangend und welt-beschenkend, die Herzen weit offen … groß durch Verstand und Liebe, durch Mittlertum, durch Geist – denn Mittlertum ist Geist …“.

Goethe lädt zu einem Mittagessen in kleinem „Circle“ ein; zu den Gästen zählt auch Charlotte. Der Empfang ist sehr förmlich und steif. Kein vertrautes Wort kommt über die Lippen, stattdessen wird über Mineralien, Kupferstiche und Münzen geredet.

Endet so das Wiedersehen der beiden? Auf der Rückfahrt von einem Theaterbesuch, zu dem Goethe seine Kutsche bereitgestellt hat, findet Charlotte den Dichterfürst überraschenderweise im Fonds der Kutsche. Doch wer jetzt ein Happy End erwartet, wird bitter enttäuscht. Der Meister war vom Besuch Charlottes nicht sonderlich erfreut (“Konn’t sie sich’s nicht verkneifen, die Alte, und mir’s nicht ersparen?“) und erinnert Charlotte – uncharmant – an ihr Alter (Kopfwackeln). Die Gekränkte rächt sich, indem sie Goethe den Spiegel vorhält und seinen Hofstaat als „Schranzen“ und „Opfer“ tituliert: „…was sind sie denn als Opfer deiner Größe. Ach es ist wundervoll, ein Opfer bringen, jedoch ein bitteres Los, ein Opfer sein!“. Beim Abschied fällt kein persönliches, versöhnliches Wort. Charlotte flüstert: „Friede deinem Alter“ und ihre Wege trennen für immer.

Fazit: Ein großartiges, aber langatmiges Werk für dessen Lektüre die Kenntnis von Goethes Biographie von Vorteil ist.
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5.0 von 5 Sternen Ein sprachlicher Genuss und diebischer Spaß, 3. September 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lotte in Weimar: Roman (Taschenbuch)
Thomas Mann hat diesen Roman 1939 veröffentlicht. Er wollte dem NS-Regime signalisieren, dass sie den Klassiker Goethe nicht für sich vereinnahmen dürfen, sondern dass er allen Deutschen, auch denen im Exil, "gehört". Die Geschichte vom Besuch der alternden Lotte, der aus dem "Werther", bei ihrem einstigen Verehrer wird mit einer anspruchsvollen, gehobenen, kunstvollen Sprache erzählt. Spaß und Ironie kommen nicht zu kurz. Gut recherchierte Details aus dem Leben der Protagonisten werden raffiniert mit erfundenen vermischt. Natürlich war das nicht so, damals in Weimar, aber es hätte sich so abgespielt haben können.
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Lotte in Weimar: Roman
Lotte in Weimar: Roman von Thomas Mann (Taschenbuch - 23. Mai 2012)
EUR 9,95
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