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Kundenrezensionen

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am 28. Oktober 2013
Alles fängt so schön an: Familie Buddenbrook ist auf dem Gipfel des Erfolgs, der Lübecker Clan sticht Konkurrenten aus, die Tochter des Hauses hält die vorwitzige Nase hoch, der Urgroßvater klopft ihr auf die Schultern. Feste jagen Feste, der Sparstrumpf wird immer voller, man kungelt um Mitgiften und biedert sich bei der Kirche an. Auf große Häuser folgen noch größere, und doch: würde sich Familie Buddenbrook aus der Vogelperspektive betrachten, würde ihr auffallen, dass alle Mitglieder schlechte Zähne haben – ein früher Hinweis auf den Tod des Senators, der spät im Roman nach einer misslungenen Zahn-OP sterben wird. Warum ich Zähne erwähne? Thomas Mann lehrt seine Leser, dass einer Familie, die opportunistisch ist und am Alten festhält, der Biss fehlt – der Biss, um gegen eingetütete Eheschließungen aufzubegehren; der Biss, um frömmelnden Priester, die ihr Geldsäcklein aufhalten, an der Haustür abzuwehren; der Biss, eine gebärfreudige Blumenfrau zu heiraten statt eine bleiche reiche Kaufmannstochter aus Amsterdam, mit deren Exotik man sich so gern schmücken will. Und ja, auch der Biss, "nein" zu sagen, sich die Perücke vom Kopf zu reißen, ehrlich zu sein und aufrichtig statt strategisch und manipulativ und konservativ und die Güter beschützend und dem Luxus verfallen sowie dem Anstand und der Fassade. Eine radikale Gesellschaftskritik, die jedem zu denken geben sollte, ist sie doch noch immer gültig – nicht allein zwischen den Jahren 1835 und 1877. Familie Buddenbrock – das ist ein Clan, der lernunfähig ist. Und so heißt es ganz am Ende: "Es ist, wie es ist." Fügsamkeit statt Kreativität – die "Buddenbrooks" lehren, wie man alles falsch macht. Manns imposantes Werk habe ich bereits zweimal gelesen. Es ist ein richtig dicker Wälzer, in dem sich mit der eigenen, steigenden Lebenserfahrung immer mehr Neues und Verstecktes entdecken lässt. Das macht es zu einem meiner Lieblingsbücher.
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am 24. Oktober 2012
Das Buch ist für den Kindle nicht ordnungsgemäß formatiert. Im Text befinden sich hunderte Anmerkungen, die mit einer Zahl in geschweiften Klammern gekennzeichnet sind. Erstens kann man auf dem Kindle auf diese Anmerkungen gar nicht zugreifen, zweitens stehen sie teilweise mitten im Wort! Also z.B. so: Ereig{305}nis. Das ist beim Lesen störend. Der Verlag beweist, dass er offensichtlich nur die Kohle abkassieren will, sich aber nicht dafür interessiert, wie das eBook überhaupt aussieht!
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am 18. Dezember 2012
Weder Fußnoten,noch Bemerkungen. Seitennummerierung mitten im Wort, wie es in anderen Rezenzionen beschrieben. Insgesamt sehr unprofessional, entspricht nicht dem Niveau von Kindle-Büchern.
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am 18. Mai 2007
In diesem Buch zeigt sich ganz besonders, wie meisterhaft Thomas Mann mit der deutschen Sprache umgehen konnte. Stilistisch sind die "Buddenbrooks" ein Kunstwerk erster Güte, ein aus fadengeraden Sätzen, punktgenauen Beschreibungen, zielsicheren Dialogen, exakt gesetzten Motivwiederholungen gezimmertes Konstrukt, das über mehrere hundert Seiten hinweg eine spannende, niederschmetternde Geschichte erzählt, die Geschichte vom Untergang einer großen Familie. Thomas Manns über die Seiten fließende Sätze führen einen mit exakter Eleganz und zugleich spielerischer Leichtigkeit durch Leben und Sterben seiner bis ins I-Tüpfelchen ausgereiften Charaktere und lassen einen dabei abwechselnd pikiert die Nase rümpfen, süffisant lächeln, herzlich lachen und genauso herzlich weinen.

Wer Gefallen an der deutschen Sprache und ihren Finessen findet und sich an Detailverliebtheit nicht stört, wird an diesem Buch seine Freude haben und darüber hinaus so gebannt von der Story sein, daß er am liebsten die Nacht durchlesen würde!
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am 17. Dezember 2007
Ich habe dieses Buch soeben beendet und ich muss sagen: Es hat mir gefallen, sehr sogar, was ich zu Anfang nicht vermutet hätte.
Auch wenn mich Manns Sprachbild schon zu Beginn ansteigend fesselte, erinnerte mich die Geschichte um die kaufmännische, gutsituierte Bürgerfamilie doch zunehmend an Pilcher-Filme (der Vergleich ist derb, ich weiß), da zu Beginn die typischen Verhältnisse einer solchen Familie geschildert werden, was natürlich notwendig ist, um den späteren Abstieg entsprechend zu inszenieren, aber an manchen Stellen langweilte mich das abgehobene Alltagsleben doch etwas.
Spannend wird es mit dem Erwachsenwerden der Kinder, wenn sich all die Eigentümlichkeiten und das Verhalten so detailliert und glaubhaft darstellt, das man meint, die Charaktere tatsächlich zu kennen. Wobei Spannung natürlich übertrieben ist, denn in diesem Buch geht es nicht darum bloß eine Handlung zu erzählen.
Der Ausgang vieler Ereignisse steht schon mehere Seiten im Vorraus fest, vorallem durch die Art, wie neue Nebencharaktere eingeführt werden. Was mich daran stört, ist, dass die typischen optischen Merkmale, die Mann jedem Charakter zugesteht (Augen, Hände, Beine, Farbe der Beinkleider; in der immerwiederkehrenden gleichen Reihenfolge) selbst bei Nebencharakteren über den gleich Detailgrad verfügen. Irgendwann wünscht man sich dann doch, dass er einfach auf den Punkt kommt, vorallem, wenn man schon im Vorraus weiß, worauf der Einsatz des Charakters hinausläuft.

Ich mag seine Erzählungen lieber, denn mir sind Charaktere willkommener, mit denen man mitfühlen kann. Die Buddenbrooks bleiben dabei stets auf Distanz, auch wenn sie einem vertraut scheinen, sympathisiere ich nicht mit ihnen, ob sie nun Freude oder Verlust erfahren. Ob das nun negativ oder völlig egal ist, muss jeder für sich entscheiden.

Auf jeden Fall sind die Charaktere genial konstruiert, was dieses Buch absolut empfehlenswert macht! Außerdem zeigt Mann sehr tiefgängig auf, wie schnell es mit Ansehen, Reichtum und der Anzahl von Mitgliedern einer Großfamilie vorbei sein kann, und das stets mit einem subtieln ironischen Zwinkern.

Ansonsten kann ich mich Heike Geilens Rezension nur anschließen!

PS: Zum Buchband: Ich habe das Buch nur wegen dem Einband und dem Drucksatz mitgenommen.
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am 20. Januar 2013
Inspiriert vom Fernsehfilm bestellte ich die Originalfassung. Obwohl ich den Schluss dadurch schon kannte, gab es doch viele weitere Begebenheiten. Durch die Originalsprache des 19. Jhdt. kann man sich sehr gut in die damalige Denkweise dieser Gesellschaftsschicht hineinversetzen. Und es erschüttert doch immer wieder, wie wenig Rechte die Frauen vor gar noch nicht so langer Zeit besaßen.
Leider - und das haben ja auch die anderen Leser immer wieder bemängelt - ist diese ebook-Fassung mit ganz vielen kleinen Zahlen in geschweiften Klammern bestückt, manchmal mitten im Wort und das beeinträchtigt den Lesefluss. Am Ende des Buches las ich dann, dass dies jeweils die Seitenumbrüche der Originalfassung markieren würde ... mmmh, muss das wirklich so übernommen werden? Immerhin ist das Buch ja nicht gerade zum Schleuderpreis zu erstehen.
Daher nur 4 statt 5 Sterne.
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am 4. Januar 2015
Dies ist der erste Roman von Thomas Mann, an dem der nur 22-Jährige vier Jahre schrieb und 28 Jahre später den Nobelpreis für Literatur dafür erhielt. Der Autor erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner eigenen Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Der gleiche Vorname „Thomas“ von Autor und Held des Romans kommt also nicht von ungefähr. Auch stirbt Thomas Buddenbrook im gleichen Jahr, in dem der Autor Thomas Mann geboren wurde (nämlich 1875).

Zum Inhalt: Erzählt wird der Niedergang der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook über 4 Generationen hinweg (von 1835 bis 1877). Der praktisch veranlagte Johann Buddenbrook führt das angesehene Familien-Unternehmen auf den Höhepunkt. Sein Sohn Thomas, ein kluger aber physisch sehr labiler junger Mann, wirkt schon bald in der Firma mit, wohingegen der jüngere Sohn Christian und Tochter Tony dem Vater mit ihrer Verschwendungssucht große Sorgen bereiten. Als Thomas Senator wird, erreicht das gesellschaftliche Ansehen der Familie Buddenbrook seinen Höhepunkt. Doch schon lange spielt Thomas nur noch seine Rolle, innerlich ist er völlig zerrissen zwischen seiner künstlerischen Empfindsamkeit und dem bürgerlichen Leistungsdenken. Diese Zerrissenheit kostet den Senator schließlich seine Gesundheit und auch sein Sohn Hanno kann nicht verhindern, dass die Familie Buddenbrook mit ihren bürgerlichen Werten der kapitalistischen Bourgeoisie in Gestalt der aufstrebenden Familie Hagenström weichen muss.

Meine Meinung: Zuerst einmal muss ich gleich all diejenigen warnen, die Thriller und spannungsgeladene Romane bevorzugen. Dieser Roman ist Nichts davon; er ist sehr handlungsarm und lebt von der Psychologie seiner Figuren und deren inneren und äußeren Konflikten sowie von der typischen Sprache Manns, die in langen, mit zahlreichen Nebensätzen angereicherten Satzkonstruktionen zum Ausdruck kommt, jedoch Lesegenuss verspricht, wenn man wie ich diesen Stil mag. Auch gibt es keine ausgearbeitete Dramaturgie – der Roman endet sehr abrupt –, ist aber dennoch, in 11 Teilen, sehr gut durchstrukturiert. Während Anfang und Schluss für mich etwas abfallen (dafür mein Sternen-Abzug), war die Mitte für mich sehr unterhaltsam, v.a. die Interaktion der drei Geschwister, die im Fokus des Romans stehen: Tony, die verwöhnte Göre - Thomas, der gefangen ist in seinen Zwängen und Pflichten und einfach nicht mehr kann - der faule, undankbare Hypochonder Christian. Auch den Konflikt der beiden Brüder Thomas und Christian, der sich immer mehr zuspitzt und beim Tod der Mutter sich wie ein Vulkan entlädt, fand ich äußerst dramatisch. Gern gelesen habe ich auch Thomas’ innere Auseinandersetzungen mit dem Tod und dem Sinn des Lebens (wo Mann sehr philosophisch wird) und die Kapitel über Thomas’ sensiblen Sohn Hanno, der den Ansprüchen seines Vaters nicht gerecht werden kann und in seiner inneren, künstlerischen Welt versinkt – vor allem der Gegensatz zwischen bürgerlicher und künstlerischer Lebensform ist ein zentrales Thema in diesem Roman: Mann schildert anschaulich den Verfall bürgerlicher Werte und die daraus resultierenden Folgen für seine Charaktere.

Fazit: Ein sprachlich und thematisch sehr anspruchsvoller Roman, für den man – bei über 800 Seiten – sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen aufbringen muss, aber ich persönlich finde es lohnt sich. Dazu tragen zum großen Teil die vier sehr interessanten Charaktere bei – Thomas (die Hauptfigur), Tony, Christian und Hanno – und natürlich die Sprachgewalt eines jungen Thomas Manns – man muss sich beim Lesen wirklich vor Augen halten, dass der Autor NUR Anfang 20 war! Einen Stern ziehe ich für die fehlende Dramaturgie ab, d.h. statt alles und jeden (auch Statisten) in allen Details zu beschreiben, hätte ich eher einen stärkeren Fokus auf die vier oben erwähnten Charaktere bevorzugt, sprich eine Kürzung der Szenen, die weniger mit der Haupthandlung zu tun haben. Aber dennoch ist der Roman lesens- und empfehlenswert!
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am 16. November 2014
Im Jahre 1835 feiert die Kaufmannsfamilie Buddenbrook im Kreise ausgewählter Gäste den Einzug im neuen Stammhaus in der Mengstraße. Weitläufig, aber nicht pompös, ist das Haus Symbol für die guten Geschäfte von Vater und Sohn, die mit hanseatischer Nüchternheit den guten Ruf und den wirtschaftlichen Bestand von Firma und Familie mehren. Aber unter der akkuraten Oberfläche gibt es kleine Risse. Der bereits mit Geld abgefundene weitere Sohn Gotthold stellt neue Forderungen. Die Buddenbrooks jedoch sind kühle Rechner, die auch in familiären Dingen zuerst mit den Augen eines Geschäftsmanns abwägen, um dann mit der Sicherheit erfahrener Kaufleute zu ihren langfristigen Gunsten zu entscheiden.

Thomas Mann zeichnet in seinem gewaltigen Zeitgemälde des 19. Jahrhunderts das Bild eines deutschen Bürgertums, das in seinem traditionellen Status gefangen ist. Der Ehrenkodex der rechtschaffenen Kaufleute und der unverrückbare Glaube in den dauerhaften Fortbestand ihrer Wertvorstellungen macht die Buddenbrooks blind für die Umwälzungen ihrer Gegenwart. Mit dem "Verfall einer Familie" ist gleichzeitig der Untergang einer Schicht bezeichnet, der es nicht gelingt, sich der neuen kapitalistischen Realität zu eröffnen. Die Mitglieder der Familie sind dazu verurteilt, ihr eigenes Schicksal dem Wohlergehen des Unternehmens zu opfern. Und nicht allen gelingt es, die damit einhergehenden Leiden zu verschmerzen.

Als im Frühjahr 1900 Thomas Mann dem S. Fischer Verlag in Berlin sein Romanmanuskript einreichte, konnte niemand ahnen, das hier ein Stück Weltliteratur zur Veröffentlichung kommen sollte. Mann, gerade 25 Jahre alt, war bislang nur durch ein paar Novellen in Erscheinung getreten. Dieses umfängliche, aber auch beeindruckend reife Werk begründete seinen literarischen Ruhm, der ihn bis zum Literaturnobelpreis führen sollte und auch nach seinem Tod nicht abreißen sollte. Der "Zauberer" hatte zum ersten Mal die Magie seiner Sprache entfaltet unrd die Leser in seinen Bann gezogen. Er hatte aber auch bewiesen, wie stilvoll und harmonisch ein Meister das Deutsche, unsere Muttersprache, gebrauchen kann.

Jahrzehntelang ist dieser glanzvolle Roman als Schullesestoff unter pädagogischen Aspekten zerlesen worden, was dem Buch unsinnigerweise einen schlechten Ruf eingebracht hat. Wem es gelingt, sich von unschönen Unterrichtserinnerungen frei zu machen und dieses wunderbare Werk unvoreingenommen zu lesen, wird vielleicht eine große Überraschung erleben: Stoff und Sprache sind unverändert lebendig und fesselnd.
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am 1. Dezember 2004
In einer Zeit als Rangordnung, Ansehen und Familienzugehörigkeit wohl noch eine viel größere Rolle spielten als es heutzutage der Fall ist, ist dieser fabelhafte, viel gerühmte Roman der Weltliteratur angesiedelt. Die Erzählung beschreibt die Entwicklung einer angesehenen Handelsfamilie im Lübeck des 19. Jahrunderts, die aufgrund von unglücklichen Umständen und internen Zwistigkeiten, langsam, aber stetig zerfällt. Insgesamt lernt der Leser vier Generationen der Buddenbrooks kennen und wird somit stark mit der Familie und ihren Verbindungen vertraut gemacht. Während dieser Zeit passieren viele einschneidende, tragische, teils auch erfreuliche Erlebnisse, die man, zumindest am Anfang noch, mit Spannung mitverfolgt. Nach einiger Zeit jedoch beginnen die fatalen Ereignisse überhand zu nehmen und der Leser verliert die Hoffnung dass sich alles noch einmal zum Guten wenden würde und verfällt in eine lethargische, resignierende Stimmung.
Die Sprache, welche Thomas Mann verwendet, kann ich ebenfalls nur in den höchsten Tönen loben. Diese Grazie bei der Wortwahl, diese Vielfalt bei der Beschreibung von Personen und Begebenheiten, diese Ausreizung der deutschen Sprache ist einfach ein Genuss. Vom hochangesehenen, würdevollen Konsul bis hin zum sentimentalen, verschlossenen Erbnachfolger werden alle Handelnden wunderbar und überzeugend präsentiert. Die Art und Weise wie die Charakterzüge und Stimmungen der einzelnen Personen geschildert werden ist einzigartig, bewegend und überzeugend. Der einzige Nachteil ist nur dass die verspielten und weit ausgeschmückten Schilderungen sich zeitweise zu lange ziehen und dadurch einzelne Passagen etwas langweilig werden.
Ein guter Roman, der besonders durch seine Sprache und Charaktere beeindruckt, aber stellenweise zu langatmig geraten ist.
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am 30. August 2002
Im Lübeck des frühen 19. Jahrhunderts gelten noch Rang- und Hackordnungen, wie sie heute nicht mehr vorstellbar sind, genießen nur "Bürger" (und hier auch nur die männlichen) das Wahlrecht, werden Senatorenposten noch auf Lebenszeit vergeben, ist als Bürgermeister nur wählbar, wer eine akademische Laufbahn abgeschlossen hat, gibt es noch "Hausarme", die zu Weihnachten an Katzentischen der familiären Bescherung beiwohnen dürfen, entscheiden Stand und Familienoberhäupter über Eheschließungen, werden Weihnachtsgeschenke nach dem Tod des Beschenkten zurückgegeben und Erbanteile nach und nach vom Vormund ausbezahlt, zählt der Wert einer Braut unmittelbar über die zu erwartende Mitgift.
Der Roman erzählt die Geschichte der Kaufmannsfamilie Buddenbrook, hauptsächlich vom Schicksal Thomas Buddenbrooks, der Mitte des Jahrhunderts die Familiengeschäfte übernimmt, zu einer Zeit, als Revolutionen und die Begehren des "einfachen" Volkes die Strukturen zu verändern beginnen, sich Ehrencodizes im Geschäftsleben verschieben, Werte bröckeln. Thomas hat alle Hände voll damit zu tun, sich der Schwester Antoinie, dem leichtlebigen Bruder Christian, allen angeheirateten und durch Geburt hinzukommenden Familienmitgliedern zu widmen, ihre Geschicke im Interesse der angesehenen Sippe zu lenken, was nicht immer
gelingt, eher sogar selten. Er wird Senator und führt die Firma zu großem Erfolg, aber es ist abzusehen, daß die Ideale des Mannes nach und nach den gesellschaftlichen Veränderungen zum Opfer fallen werden, daß der moralische Anspruch nicht mehr genügt, um den Widrigkeiten zu trotzen; er ist ein Anachronistikum, und er weiß es. Die Familie wird zerbrechen, der Verfall, der im Untertitel des Romans angekündigt wird, ist unaufhaltsam, da die verinnerlichte Bürglichkeit Buddenbrooks, sein Ehrgefühl und seine Ziele mit den Ansprüchen der veränderten Gesellschaft unvereinbar sind. Der Sohn Johann, genannt Hanno, ist es schließlich, der die letzte Eintragung im Familienbuch vornimmt.
Es tut wohl, unendlich wohl, ein Werk zu lesen, das ohne jede Effekthascherei auskommt, auf heute populäre Stilmittel der Leserbindung verzichten kann, weil die Sprache so mächtig, so angemessen, so facetten- und einfallsreich ist, ohne daß das Erzählte ihr je untergeordnet wird, ganz im Gegenteil. Figuren und Orte erhalten durch einfache Nuancierungen und präzise, redundanzfreie Formulierungen ihr Gesicht und ihre Charakteristika, wirken immer plastisch, authentisch, überaus dramatisch, entwickeln Eindringlichkeit und Tragik; für Vergleichbares müßten zeitgenössische Autoren ärmeltief in die Trickkiste greifen, ohne einem großen Vorbild wie diesem auch nur nahe zu kommen. Gleichzeitig beweist das Buch, warum es zeitlose Literatur gibt und was sie ausmacht. Insbesondere aber ist es eine Demonstration dafür, wie Sprache in Vollendung eingesetzt werden kann, ohne zum Selbstzweck zu werden, wie sich Handlung und Erzählweise zu einer komfortablen Symbiose verbinden, ohne daß das eine je zum Sklaven des anderen wird - eine Kunstfertigkeit, zu der später nur wenige deutsche Schriftsteller wieder in der Lage waren.
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