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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend und unterhaltsam zugleich
Ich habe mich im Zuge eines Hauptseminars fast ein dreiviertel Jahr sowohl mit dem Roman selbst als auch mit diesem Hörspiel praktisch täglich auseinandergesetzt. Die schlechten Rezensionen zu diesem Produkt kann ich nach dieser intensiven Rezeption überhaupt nicht nachvollziehen. Die Kürzungen finde ich insgesamt sehr sinnvoll, die wesentlichen Sujets...
Veröffentlicht am 22. Juli 2008 von Oliver Bauer

versus
11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Doktor Faustus. In Stücke gerissen.
Über das Gesamtwerk Thomas Manns soll es über 20 000 fachwissenschaftliche Veröffentlichungen geben. Eine erkleckliche Anzahl beschäftigt sich mit Doktor Faustus. Es ist hier nicht der Ort, diesen eine weitere hinzu zu fügen.
Es geht ausschließlich um die Bewertung der Umsetzung dieses Großromans in eine Hörbuchfassung (10...
Veröffentlicht am 4. April 2008 von Dr. Stumpf Jochen


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, das wirklich in die Tiefe geht, 19. August 2011
Von 
Hans-juergen Scherpel "Theologe" (Düsseldorf, Landeshauptstadt NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich bin während einer mehrmonatigen Krankheitsphase mit den Romanen Thomas Manns in Kontakt gekommen. Es fing an mit dem Zauberberg, den Buddenbrooks, den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull, sowie mit einigen Erzählungen. Aus beruflichem Interesse - ich bin Theologe - habe ich mich dann mit Dr. Faustus beschäftigt. Ein Nebenaspekt der vielen im Buche enthaltenen Themen hat mich besonders interessiert: die Verführung und die Theologie. Zuerst habe ich das Buch gelesen, was nicht immer leicht war. Danach bin ich auf die Hörpielreihe gestoßen, die ich in Kombination mit dem Buch, immer wieder sehr genossen habe. Ein Werk mit absoluter Tiefenwirkung und wichtigen Botschaften für Deutschland. Begeistert bin ich immer wieder von der Wortwahl und Ausdrucksfähigkeit Thomas Manns, ein Faktum sehr im Kontrast zu dem stehend, was heute so angeboten wird. Dr. Faustus, als Buch und Hörspiel, empfehle ich jedem, der Literatur mit Gehalt sucht.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frankfurter Ausgabe, 18. September 2005
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Da meine "Vorredner" zum Roman selbst eigentlich alles gesagt haben, möchte ich jetzt besonders die FRANKFURTER AUSGABE dieses Buches empfehlen. Machen Sie nicht den Fehler eine Taschenbuchausgabe davon zu kaufen, das ist dem "Doktor Faustus" in keinster Weise angemessen. Von allen S.Fischer Ausgaben ist diese Serie aus den 80er Jahren noch immer die mit Abstand schönste. Zum Roman bleibt noch anzumerken, daß es sehr erstaunlich ist, daß Thomas Mann im amerikanischen Exil der 40er Jahre die oberbayerische Vorkriegsstimmung (1912-1914) so intensiv und stimmungsvoll schildern konnte. Er selbst hatte ja zu diesem Zeitpunkt Oberbayern schon über ein Jahrzehnt verlassen (müssen). Sehr, sehr lesenswert!!!
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen keine leichte kost, dafür am ende umso ergiebiger, 18. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
ich habe den faustus inzwischen drei mal gelesen und entdeckte immer noch etwas neues. das erste mal - ich gebe es zu - war harte arbeit. hier schreibt der alte thomas mann, der gereifte, vergeistigte, das fühlt man in jeder zeile, noch mehr, wenn man nur unwesentliche musikalische kenntnisse hat. dennoch habe ich bereits bei der ersten lektüre so viel gelernt, wie durch die 20-30 sogenannten bestseller nicht, die ich davor gelesen habe, und immer wieder dachte ich: DAS ist literatur! noch viel mehr denke ich das nun, nachdem ich das buch zum dritten mal beseite lege und mir noch immer unsicher bin, ob ich alles tatsächlich verstanden habe. vielleicht ist das bei einem solchen werk gar nicht bis ins letzte möglich. vielleicht ist es das ziel eines solchen buches, zum nachdenken anzuregen, einem nachdenken, das nicht so schnell wieder nachlässt, und mit anderen, mit ganz neuen augen auf die welt zu blicken. nicht für jedermann geeignet, wohl aber für die erkenntniswilligen.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Teuflisches Genie und Wahnsinn., 1. Mai 2005
Von 
Themis-Athena (from somewhere between California and Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
"Ja ... wir sind verloren. Will sagen: der Krieg ist verloren, aber das bedeutet mehr als einen verlorenen Feldzug, es bedeutet tatsächlich, daß *wir* verloren sind, verloren usere Sache und Seele, unser Glaube und unsere Geschichte. Es ist aus mit Deutschland, ... ein unnennnbarer Zusammenbruch, ökonomisch, politisch, moralisch und geistig, kurz allumfassend, zeichnet sich ab, - ich will es nicht gewünscht haben, ws droht, denn es ist die Verzweiflung, ist der Wahnsinn."
So fasst der Erzähler von Thomas Manns letztem vollendetem und, meiner Meinung nach, bedeutendstem Roman das Schicksal Deutschlands nach dem Ende der national-sozialistischen Barbarei zusammen. Aber es ist nicht nur eine Romanfigur, die da spricht: Dies ist Mann selber; er, der sich einst selbst als "Unpolitischen" bezeichnete und der, dazu verdammt, den Terror aus der Ferne seines kalifornischen Exils zu beobachten, noch einmal zu der mächtigen Feder griff, die ihm einen Literatur-Nobelpreis eingebracht hatte, und durch einen gewissen Dr. Serenus Zeitbloom (der Name selbst tief-ironischer Kommentar auf Manns eigene Lebensumstände) das Land zur Rechenschaft zog, in welchem er auch nach seiner Rückkehr nach Europa (1952) eine Heimat nicht mehr suchte.
Ausweislich seiner Tagebücher hatte Mann bereits 1904 die Idee, anhand der Versuchung eines genial begabten Musikers (und damit einer Abwandlung des urdeutschen Faust-Themas) die Korruption der Kunst durch das Böse darzustellen. Nachdem er mit angesehen hatte, wie ganz Deutschland den Verführungen Hitlers und seiner Henkertruppe verfiel - auch das Bildungsbürgertum, jener selbsternannte Wächter des deutschen Kulturgutes, um dessen Anerkennung der nicht universitätsgebildete, dunkelhaarige Kaufmannssohn Zeit seines Lebens ringen musste, so gut sich seine Bücher auch verkauften - lag es nur nahe, den vierzig Jahre zuvor entwickelten Gedanken wieder aufzugeifen, der zwischenzeitlich weitere Nahrung durch die Exil-Bekanntschaft mit Arnold Schönberg gefunden hatte (dessen Zwölfton-Kompositionslehre diejenige der tragischen Hauptfigur des Romans, des Komponisten Adrian Leverkühn wurde), sowie durch Friedrich Nietzsche, an dessen Gedankengut und persönlichem Schicksal Mann großen Anteil nahm. Sowohl philosophisch als auch musiktheoretisch zeigt sich desweiteren der Einfluss Theodor Adornos, mit dem Mann ein eingehender Briefwechsel verband.
Polyphone Musiktheorie also mit dem Untergang des humanistischen Gedankenguts, dem Aufstieg des Faschismus und der unheilvollen Macht der schwarzen Magie verbindend (und damit anknüpfend an Manns frühere Behandlung dieser und ähnlicher Themenkreise im "Zauberberg" und, sehr pointiert, beispielsweise auch in der Erzählung "Mario und der Zauberer") ist "Doktor Faustus" demnach gleichzeitig Kommentar auf die politischen Entwicklungen der Zeit, Warnung, und Auseinandersetzung mit Deutschlands hochfliegendem, und doch scheinbar so angreifbarem philosophisch-moralisch-geistigem Horizont - und auch, wiewohl meisterhaft konstruiert, ein Aufschrei der Verzweiflung im Angesichte blanken Wahnsinns. Denn bei aller Fülle seiner Bezüge zur deutschen (und mitteleuropäischen) Kulturgeschichte, von der mittelalterlichen Faust-Sage bis hin zu Goethe, Webers "Freischütz", Martin Luther, dem Protestantismus, und Sachsen und Thüringen als des geographischen wie auch kulturellen Herz Deutschlands, ist zentraler Punkt des Romans doch die Parallele zwischen dem Schicksal Deutschlands und demjenigen Leverkühns, die nach Vollendung ihres Pakts mit dem Teufel gleichermaßen in Ruin und Stumpfsinn, in der Erstarrung tiefer geistiger Umnachtung versinken.
Anders als Goethe, der die Versuchung seines Faust an den Anfang seiner Tragödie stellt und keinen Zweifel über die physische Realität des Ereignisses aufkommen lässt, hebt Mann Leverkühns Verführung auch erzähltechnisch auf die Ebene der Allegorie und des bloß Vorgestellten, indem er das Geschehen in zwei Teile zerlegt, deren gemeinsame Wirkung erst im Schlussteil des Romans ihre volle Bedeutung entfaltet. Bei keinem dieser beiden Schlüsselereignisse ist Zeitbloom, der "eigentliche" Erzähler anwesend; für die Glaubhaftigkeit beider sind wir deshalb ausschließlich auf Leverkühns eigenes Wort angewiesen. Und doch deutet bereits der erste Bericht - ein Brief, in dem der angehende Komponist beschreibt, wie er von einem gerissenen Führer in ein Freudenhaus geschleppt wurde und dort den Verführungskünsten einer Prostituierten erlag - all' das Üble an, was noch bevorsteht; nicht zuletzt die Geschlechtskrankheit, die schon bald als äußere Ursache von Leverkühns Wahnsinn hervortreten wird; und so endet der Brief denn auch nicht nur mit der Anweisung Leverkühns, diesen sofort zu vernichten, sondern beinhaltet auch den Ausruf, "Amen hiermit und betet für mich!"
Viel später im Verlauf der Erzählung - wiewohl andeutend, dass das Schriftstück selbst bereits zu einem früheren Zeitpunkt verfasst wurde, und es dadurch auf eine weitere (nun auch zeitliche) Abstraktions-Ebene hebend - führt Mann schließlich Leverkühns Niederschrift seiner Teufelsbegegnung ein; eine traumhafte Sequenz, in der der Verwandlungskünstler Sammael in Worten, denen das Echo Goethes und gar mittelalterlicher Redewendungen nachklingt, Leverkühn nichts weniger verspricht als den "Wandel eines Gottes": bei seinem Namen werde "eine ganze Horde und Generation empfänglich-kerngesunder Buben" schwören, "die dank [seiner] Tollheit es nicht mehr nötig haben, toll zu sein"; und sein Name werde ewig weiterleben. Und doch haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits Leverkühn seine Zwölfton-Musik erklären gehört; haben mitangehört, wie er Zeitblooms Frage nach der freiheitsberaubenden Strenge seines Konzepts mit den Worten "gebunden durch selbstbereiteten Ordnungszwang, also frei" abzutun versuchte und sodann in einem hochsymbolhaften Dialog auf eine weitere, der zufallshaften Bildung harmonischer Klänge geltenden Frage seines Freundes auf die würdeerhaltende Kraft der kompositorischen Konstellation als solcher verwies - womit er, wie Zeitbloom folgerichtig sogleich anmerkt, natürlich unmittelbar auf Konzepte der schwarzen Magie Bezug nimmt, und so in Verbindung mit dem musikalischen sowie dem politischen Thema der Unterhaltung erneut den sich bereits in seinem Wesen breitmachenden Einfluss des Irrationalen und Teuflischen zu erkennen gibt, weit vor dem Zeitpunkt, zu dem der Leser endlich von seinem Zusammentreffen mit Satan (oder Sammael) erfährt.
Zweifelsohne eines von Manns persönlichsten Werken, ist "Doktor Faustus" sicher auch eines seiner komplexesten; und wenn auch keines seiner Bücher sich nun unbedingt zur Strandlektüre eignet, so sind doch die ironischen "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", die beinahe humoristische "Königliche Hoheit" und selbst die "Buddenbrooks" nicht mehr als leichtes Florett im Vergleich zu der hier blank gezogenen Degenklinge des gereiften, meisterhaften Erzählers. Anspruchsvollstes Gut mit Sicherheit - aber auch im höchsten Maße empfehlenswert!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gert Westphal als kongenialer "Erzähler", 8. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Doktor Faustus. 22 CDs: Das Leben des Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Wenn man Thomas Mann gelesen hat, sollte man einen Versuch mit dem unvergleichlichen Gert Westphal als Vorleser wagen, es eröffnet einen neuen Zugang zu Thomas Mann. Z.B. ist mir bei der Lektüre früher nicht so deutlich aufgefallen, wie witzig TM sein kann. TM's wunderbare Sprache - einschließlich seiner spezifischen Wortschöpfungen - werden von Gert Westphal sehr eingängig und vor allem in den unterschiedlichen Rollen gelesen.
Zu empfehlen auch die Kombination von i-Pod und Hörbuch, als abendliche Unterhaltung einfach besser als Fernsehen (die Zeiten der Fußball-WM sind hiervon natürlich ausgenommen).

monsieurfuchs
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pakt mit dem Satan, 6. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
Um in geniale Sphaeren der Komposition vorzudringen, geht der Tonsetzer Adrian Leverkuehn den Pakt mit dem Teufel ein. Die Passagen, in denen die Sprache seines schon dem Irresein verfallenen Geistes beschrieben wird schnueren dem Leser die Luft ab, so dicht und intensiv wie nur Joyce im "Portrait" rauscht der Teufel persoenlich durch das Werk und die Schilderung der Hoelle ist so perfekt gelungen, dass man selbst fast an sie glauben koennte. An diesen Stellen blitzt schon die Diktion des Arno Schmidt durch. So weit war Thomas Mann. Einige Kitschigkeiten und Laengen in diesem grossartigen, in wunderbar konservativ-klassischer Sprache verfassten Roman gibt es auch, wie die ausschweifende und suessliche Schilderung des Knaben Nepomuk (Echo), der alsbald einer vom Satan verursachten Meningitis zum Opfer faellt. Dennoch, ein riesiger, grosser Roman, der gottlob so einiges an Seitenhieben auf den von 33-45 und darueberhinaus regierendes Poebel enthaelt, voller erfrischender Religionskritik (die sicher auch Sloterdijk absegnen koennte) und Musiktheorie. So gross war Thomas Mann, dass er es sich auch erlauben konnte, seine eigene Stellung in der Kunst herauszustreichen, vielleicht ob dieser durchaus zu rechtfertigenden Hochnaesigkeit ein Grund fuer Nabokov, veraechtlich vom "Grossschriftsteller" zu sprechen. Wegen seiner Modernitaet gefaellt mir der Zauberberg noch besser. Duch em umfangreichen Anhang in Art eines Lexikons ist das Buch eine wertvolle Quelle zu wichtigen Personen der Zeitgeschichte.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Meisterwerk, 27. Mai 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
Der pensionierte Lehrer Dr. phil. Serenus Zeitblom schreibt im Mai 1943 die Lebensgeschichte seines Jugendfreundes Adrian Leverkühn nieder. Zeitblom und der zwei Jahre jüngere Leverkühn besuchen gemeinsam das Gymnasium und studieren zeitgleich an den Universitäten in Jena, Gießen, Leipzig und Halle, Leverkühn Theologie und Zeitblom Klassische Philologie. Sie verlieren sich aus den Augen und Zeitblom verfolgt aus der Ferne die Entwicklung seines Jugendfreundes zum genialen Komponisten. Spätere Lebensstationen führen die beiden zusammen und trennen sie wieder. Doch Zeitblom hält den Kontakt zu Leverkühn bis zu dessen Zusammenbruch und seinem Tod im Jahr 1941.

Thomas Mann nimmt in seinem Spätwerk Bezug auf die "Historia von Dr. Johann Fausten" des Buchdruckers Johann Spiess von 1587. Dieses Volksbuch, dem die legendenumrankte Geschichte des wandernden Wunderheilers Johann Georg Faust (etwa 1480 bis 1540) zugrunde liegt, inspirierte bereits Johann Wolfgang Goethe 1808 zu seinem Drama "Faust".

Die Lebensgeschichte seines Helden Leverkühn lehnt Thomas Mann an die Biographien des Philosophen Friedrich Nietzsche und des Komponisten Hugo Wolf an, die sich beide mit Syphilis infizierten und als Krankheitsfolge eine manische Entfesselung ihrer künstlerischen Produktivität bis zum Zusammenbruch erlebten.

Anders als Goethe, der keinen Zweifel daran lässt, dass die Ereignisse sich wirklich zugetragen haben, lässt Mann den Leser im Unklaren, ob Leverkühn tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Das Gespräch mit dem Leibhaftigen, in dem Leverkühn seine Seele verkauft, wird von ihm selbst wiedergegeben und von seinem treuen Chronisten Zeitblom schriftlich festgehalten. Zeugen für diese Begegnung gibt es keine. Die genialischen Höhenflüge des Komponisten können so auch als Spätfolgen der Syphilis gedeutet werden, die sich Leverkühn als junger Mann beim Besuch eines Bordells und der einzigen geschlechtlichen Vereinigung seines Lebens zugezogen hat.

Manns Alterswerk ist Bildungs-, Musik-, Gesellschafts- und Künstlerroman in einem. Mit seiner modernen Montagetechnik arbeitet Mann theologische Diskurse, philosophische Abschweifungen, Arnold Schönbergs Kompositionslehre über die Zwölftonmusik und Theodor Adornos Musiktheorie in seinen Roman ein. Darüberhinaus ist "Doktor Faustus" auch als Kommentar zur poltischen Entwicklung Deutschlands von den Dreißigerjahren bis zum Zusammenbruch des dritten Reiches 1945 zu verstehen.

Zentral ist im Doktor Faustus" die Frage, ob und wie der Künstler sich in die Gesellschaft integrieren kann. Tonio Kröger im gleichnamigen Roman Manns findet seinen Platz in der Gesellschaft, während Adrian Leverkühn nur außerhalb der Bindungen, die ein gesellschaftliches Leben mit sich bringt, existieren kann. Liebe und Freundschaft sind ihm verwehrt. Nach dem qualvollen Tod seines über alles geliebten Neffen Echo, der an einer Hirnhautentzündung erkrankt, schafft Leverkühn sein expressives und verstörendes Meisterwerk, die symphonische Kantate "Dr. Fausti Weheklag". Verlust und Trauer stürzen ihn in einen künstlerischen Rausch, eine Reaktion, die seine Mitmenschen nicht nachvollziehen können. Mit seiner großen Lebensbeichte vor den Menschen, die ihn über viele Jahre begleitet haben, kappt Leverkühn die letzten Verbindungen zur menschlichen Gesellschaft und bricht zusammen.

Der Chronist Zeitblom tut sich schwer, die unglaubliche Lebensgeschichte seines Jugendfreundes zu berichten. Er windet sich, kommt nicht auf den Punkt, rettet sich in ellenlange Sätze, zu furchtbar ist, was zu erzählen er sich verpflichtet fühlt. Auch wer Thomas Manns gestelzte Sprache und seinen ausufernden Stil nicht schätzt, sollte sich nicht abschrecken lassen, diesen Roman zu lesen. Hier harmonieren Manns sprachlichen Eigenarten perfekt mit dem Erzählten.

"Doktor Faustus" ist bei allem einschüchternden bildungsbürgerlichen Hintergrund vor allem ein wirklich spannendender Roman über ein genialisches Künstlerleben und eine Wiederentdeckung wert.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger Roman, 8. November 2006
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
Kein anderer Text Thomas Manns ist derart kontrovers diskutiert worden wie "Doktor Faustus". Selbst heute, Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung, stellt Manns Neubearbeitung des alten Faust-Stoffes noch eine Herausforderung dar - sowohl für den Leser als auch für die literarische Forschung. Vor dem Hintergrund der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und des zerfallenden Nazi-Deutschlands lässt Mann seinen Erzähler Serenus Zeitblom vom Leben des Komponisten Adrian Leverkühn berichten: von der frühen Syphilis-Erkrankung, dem Pakt mit dem Teufel, den großen kompositorischen Erfolgen, von einem Leben ohne Liebe und dem Ende in geistiger Umnachtung. Unter Verwendung einer virtuosen Montagetechnik baut Mann zahlreiche philosophische und kulturtheoretische Ansätze des frühen 20. Jahrhunderts in seinen Großroman ein, so etwa die Zwölftonmusik Schönbergs und deren Analyse durch Theodor W. Adorno. "Doktor Faustus" ist zugleich ein Künstler- und ein Epochenroman, eine epische Parabel von der Verstrickung des Genies in die Katastrophe des Nationalsozialismus.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kultur und Gewalt, 21. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
Mein Großvater hat im großen Krieg gegen die Deutschen gekämpft. Mein Vater war 1940 in Dünkirchen dabei, als wir wie die Hasen vor den Deutschen geflohen sind. Ich selbst kannte jemanden, der bei er Befreiung Bergen-Belsens dabei war. Alle drei Männer hat die Frage nie losgelassen, wie dies alles passieren konnte. Alle drei haben Deutschland bewundert - irgendwie sogar geliebt. Alle drei hat dabei die Frage nie losgelassen, wie ein solch hochkultiviertes Volk sich an den Anstreicher aus Braunau verlieren konnte, wie ein so begabtes Volk in diesen Abgrund der Bestialität fallen konnte. Nun, es gibt viele kluge Arbeiten zu diesem Buch, es gibt noch viel mehr kluge Rezensionen dazu - alle besser wie die, die ich hier reingestellt habe. Ich möchte den persönlichen Bezug zu diesem Buch betonen. Dieses Buch gibt keinen Antworten, es stellt nicht einmal viele Fragen, es erklärt nichts. Aber, und das ist aus meiner Sicht das Wunderbare an diesem unvergleichlichen Werk, es stellt einen Ozean des Erinnerns bereit, in den man eintauchen kann.

Ich bin Anfang der 60er Jahre geboren - lange nach der Katastrophe von 1914, lange nach dem Untergang einer alten Welt, lange nach dem Abfall Deutschlands in die Barbarei. Aber dieses Buch hat mich immer beunruhigt, weil ich wie mein Großvater und mein Vater zu dem Schluß kam, dass Deutschland diesen Weg in die Barbarei genommen hat, WEIL es eben so glänzend in allen Bereichen war: Vor '33 - egal was es war - die Deutschen waren immer die Besten. Die kulturellen Leistungen dieses Volkes vor 1945 lassen sich vielleicht nur mit dem perikleischen Zeitalter vergleichen. Aber all das, all diese Blüte hat dieses Volk nicht davor bewahrt in einen Abgrund zu steigen, dessen Schlund von schwärzesten Schwarz war. Dieses Buch hat mich von einem überzeugt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Kultur und Gewalt. Ich weiß nicht, beinhaltet vielleicht jede kulturelle Höchstleistung ein moralisches Versagen in sich? Und ja, man kann abends die Winterreise von Schubert hören und am nächsten Tag Unschuldige ins Gas schicken. Davor bewahrt die Kultur einen nicht. Aber wenn dem so ist, welchen Sinn hat Kultur dann überhaupt? Das sind die Fragen, die aus der Lektüre dieses gewaltigen und - ich kann es nicht anders schreiben - solitären Werkes entstehen. Mein Vater und mein Großvater waren einfache Männer. Aber auch sie haben dieses Buch gelesen, und meinem Großvater half beispielsweise das 14. Kapitel - Leverkühns Gespräche mit den völkischen Studenten - besser, die Mentalität der Eliten vor 1914 zu verstehen, wie jedes andere Buch. Was ich sagen will: Mit einer gewissen Lebenserfahrung (Krieg, Gewalt, Terror etc.) und bestimmten Fragestellungen ist dieses Buch eine Offenbarung. Nicht, das es irgendetwas erklärt, aber man fängt an Fragen zu stellen, auf die man so niemals gekommen wäre.

Dieses Buch ist eine Meditation über Kultur und Gewalt, über die Verflechtung des Einzelnen mit seiner Zeit, es ist eine ewige Rebellion gegen den Zeitgeist. Eines der besten Bücher die je geschrieben wurden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen sicher genial, aber sehr anstrengend, 8. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde. Roman (Taschenbuch)
endlich habe ich mich auch an den faustus gewagt- es ist genau das eingetreten, was ich evrmutet hatte- ich hab seitenweise überblättern müssen, weil mir das verständnis für viele ausführungen nicht ankam. es ist ein großes buch, in dem der autor faktisch sein credo als mensch, aber auch vor allem als künstler schreibt, es geht um die kunst, um weltsichten, um ansichten, einsichten, um familie und und und und vor allem auch um deutschland, um die nationalsozialistische katastrophe der heimat deutschland.

die geschichte um den künstler, der mit dem teufel paktiert, um sein leben und seine lebensumstände, einschließlich der personen, mit denen er es zu tun bekommt, ist hervorragend komponiert und ausgeführt. vor der sprachbeherrschung und der bisweilen zu vermutenden sprachbesessenheit des autors, der immer wieder deutsche wörter und begriffen erschafft, die man so noch nie gehört hat, kann man sich als literaturinteressierter nur verneigen. das macht einfach spaß, solchen genialisch gedrechselten sätzen zu folgen, die zergehen auf der zunge wie schweizer schokolade.

besonders die philosophischen und musiktheoretischen analysen und ähnliche in diesem buch verarbeitete problemdiskussionen sind für mich einfach zu hoch gewesen. da fehlen mir einfach die grundlagen und das verständnis. thomas mann wollte ja unbedingt alles, was er zu diesen themen zu sagen hatte, in diesem buch mit verarbeiten, ging er doch davon aus, dass dies sein letztes werk sein könnte. insofern sind diese ihm wichtigen themen alle reingepackt worden - was für mich manchmal die lektüre unlesbar macht (siehe zwölftonmusik) aber egal. es gibt außer diesen genug seiten, die einen packen können.

und gepackt hat mich vor allem der tod des knaben nepomuk. ich kenne keine tragischere schilderung eines kindtodes in der literatur, mir hat es die tränen in die augen getrieben. unglaublich intensiv dieses leseerlebnis. und bedrückend zugleich, wenn man weiß, dass der autor faktisch hier seinen lieblingsenkel sterben läßt. mann war immer auch irritierend.

wer sich mit dem teufel zusammentut, der muß damit rechnen, dass er alles, was er liebt, verliert. der pakt im buch ist so gestaltet, dass leverkühn nicht lieben darf. somit wird ihm wohl auch das glücklichsein in einer beziehung verwehrt. thomas mann wird bewußt gewesen sein, dass er durch sein gelebtes künstlertum eigentlich recht lieblos durch die zeiten gekommen ist- nicht, dass er selbst nicht geliebt wurde, aber wie und wen konnte er lieben? seiner eigenen familie stand er doch recht distanziert gegenüber. insofern scheint der roman auch eine art rechtfertigung zu sein. einige personen seiner familie wird man hier im buch erkennen, eingeschlossen den "zauberer" selbst. vor allem hat er seiner schwester carla ein denkmal gesetzt, soweit ich erkannt habe.

fazit- für viele sicher schwierig zu lesen, wahrscheinlich noch schwieriger zu verstehen. lohnenswert allemal für interessierte. die "buddenbrooks" finde ich persönlich als roman viel besser.
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