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56 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nein, dieses Buch ist hochaktuell
Die armen Schüler, die sich an diesem Ort über die ihrer Meinung nach nicht mehr vorhandene Aktualität des Buches beklagen haben entweder zweifelhafte Lehrer oder schlichtweg eine unterentwickelte Fähigkeit zur Selbstreflektion. Es geht nicht um die Vergangenheit, es geht viel mehr um die Mechanismen und Automatismen in der Formung des Charakters eines...
Am 14. Dezember 2001 veröffentlicht

versus
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend
Der große Name des Schauspielers verführt zum Kauf. Aber wie enttäuschend ist seine Lesung! Man müsste sie, wäre nicht die vortragsgeschulte Stimme, indiskutabel nennen. Gert Westphal würde sich im Grabe rumdrehen. An ihm Quadflieg zu messen wäre ungerecht, aber Quadflieg liest so lustlos, als hätte er den Text kurz vor der...
Veröffentlicht am 8. November 2009 von Rontrus


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56 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nein, dieses Buch ist hochaktuell, 14. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Untertan (Gebundene Ausgabe)
Die armen Schüler, die sich an diesem Ort über die ihrer Meinung nach nicht mehr vorhandene Aktualität des Buches beklagen haben entweder zweifelhafte Lehrer oder schlichtweg eine unterentwickelte Fähigkeit zur Selbstreflektion. Es geht nicht um die Vergangenheit, es geht viel mehr um die Mechanismen und Automatismen in der Formung des Charakters eines Menschen unter immer wieder aktuellen Machtkonstellationen. Und es glaube bitte keiner, dass die dargestellten Verformungen eines Charakters nur in dieser Zeit geschehen sind, man schaue sich aufmerksam um und siehe da, die Heßlings von heute sehen anders aus, sind häufig seminargeschliffene Schönredner. Hinter der Fassade aber steckt leider oft genug der nahezu skrupellose Machtmensch. Das wird aktuell bleiben solange es Menschen gibt und schon deswegen ist es gut und wichtig, zu wissen was diese Menschen treibt und wie sie sich selbst gegenüber ihr Handeln, ihr Tun und Lassen zu rechtfertigen versuchen.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die anderen Erzählungen, 30. April 2005
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über die Haupterzählung dieses Bandes, "Der Tod in Venedig", ist von meinen Vorrezensenten schon viel geschrieben worden; ausreichend, um sich ein gutes Bild dieses Meisterwerks der Jahrhundertwende zu machen.
Allerdings beinhaltet dieses Buch auch andere Erzählungen, auf die ich kurz eingehen möchte, da sie in den vorigen Rezensionen zu kurz gekommen sind.
"Tristan" ist ein Frühwerk von Thomas Mann. Seine Leser werden den Schauplatz wiedererkennen, ein Sanatorium in den Schweizer Alpen. Der Protagonist: Ein Möchtegern-Schriftsteller, ein Einzelgänger und schwieriger Mensch. Die Frau eines Großkaufmanns taucht auf und die Szene für ein sehr problematisches, platonisches Liebesverhältnis ist gesetzt. Sehr gut zu lesen und mit der für Mann typische klare Psychologie ausgestattet.
Danach kommt meine Lieblingsgeschichte, "Die vertauschten Köpfe". Diese Erzählung ist in der indischen Märchenwelt angesiedelt, voller Wunder und farbenprächtig erzählt. Man könnte meinen, dass ein Inder diese Geschichte erzählt hätte. Eine ergreifende Handlung, wunderschön geschrieben und sehr weise. Eines der Spätwerke von Mann.
Dann geht es weiter mit einer sehr kurzen Erzählung, "Gladius Dei", in der es um die Unantastbarkeit der Heiligen Jungfrau Maria geht und um die Entfremdung von Religion und Heiligtum in der modernen Welt. Das Thema ist auch heute noch (mehr denn je) aktuell, allerdings habe ich mich mit dieser kleinen Geschichte nicht so richtig anfreunden können, da Mann hier zu sehr moralisierend den Finger hebt.
Anders sieht es wieder mit der kurzen Erzählung "Schwere Stunde" aus, eigentlich nichts mehr als eine Momentaufnahme im Schaffensprozess von Schiller. Eine kleine, aber feine Studie über Schiller, seine Ängste und Zweifel in einer schweren Stunde des Schaffens (oder eher Nicht-Schaffens).
"Das Gesetz" ist dann der Abschluss dieser Sammlung und wieder spielt Mann, wie zuvor schon in der indischen Erzählung "Die vertauschten Köpfe" mit der Sprache, lässt sie altertümlich und bibelhaft erscheinen. Allein durch dieses Sprachexperiment ist die Geschichte es wert, gelesen zu werden. Auch wird Moses entzaubert, seine Weltlichkeit und Menschlichkeit mit all seinen Fehlern in den Vordergrund gerückt - ein sehr interessanter Zugang zu dem Thema. Allerdings zieht sich die Lektüre ein wenig, sie hätte durchaus kürzer gefasst werden können.
Mein Fazit: Ein weiterer Beweis, welch ein großer Erzähler Thomas Mann war, allerdings schuf auch er nicht uneingeschränkt große Meisterwerke (wenngleich diese bei ihm in der Überzahl sind). Manchmal (wie in "Gladius Dei") brachte er auch nur Mittelmäßiges bis halbwegs Gutes zu Stande, deshalb die 4 Sterne. Dennoch eine echte Empfehlung - nicht nur wegen der berühmten Erzählung "Der Tod in Venedig" - denn dieses Buch hat noch viel mehr als diese zu bieten.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das macht nachdenklich, 23. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Untertan (Gebundene Ausgabe)
Hier handelt es sich um ein Buch ,das trotz seines Alters immer noch sehr aktuell ist. Die Geschichte des Diederich Heßling führt den Leser in die Tiefen der menschlichen Schwächen. Diser Diederich ist ein zweigeteilter Mensch, auf der einen Seite weich wie Butter gegenüber Vorgesetzten und Mächtigeren, auf der anderen Seite hart wie Stahl all denen gegenüber, denen er sich überlegen fühlt. Man ist angewidert von seinem Auftreten nach beiden Seiten und hofft, nie auf dieses Handeln abzugleiten. Die leichten bis schweren Übertreibungen in dem Auftreten des Helden, die Gemeinheitet seiner Handlungen sensibilisiert den Leser für die gezeigten menschlichen Schwächen. Gleichzeitig erfährt man viel über die Zwänge und die strengen moralischen Regeln dieser Zeit, der man aufgrund der Beschreibungen kaum nachtrauern wird. Hier wird eine gern glorifizierter Zeitraum so entzaubert, daß man einen wahrscheinlich realistischeren Eindruck bekommt als aus diversen anderen Heldenromanen. Dieses Buch kann man auf jeden Fall als Standardliteratur weiterempfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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44 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Habemus papam, 8. April 2005
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Erwählte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einfach nur wunderbar! Die Kirche lief Sturm gegen dieses 1951 erschienene Spätwerk Thomas Manns. Wie könne man sich nur so an der Schöpfung vergehen. Wie auch immer, für alle Nichtdogmatiker ist dieser Roman ein köstlicher Spaß.
Erzähler ist der Mönch Clemens, der uns diese Geschichte "zur Unterhaltung" berichtet. Protagonist ist Gregorius, das Kind von Wiligis und Sibylla, einem Geschwisterpaar. Als diese das unerhörte Ausmaß ihres Aktes begreifen, legen sie das Baby in ein kleines Schiffchen und setzen dieses auf dem Meer aus, beigelegt ein Bericht über die schändliche Herkunft des Kindes. Ein Abt auf einer kleinen Insel findet das Schiffchen, nimmt den kleinen Gregorius auf, verheimlicht aber vor aller Welt die Geschichte seiner Herkunft und lässt dem Jungen eine theologische Erziehung angedeihen. Als junger Mann erfährt Gregorius jedoch von seinem Makel und beschließt auf Ritterfahrt zu gehen, um seine Sünden zu büßen. Dabei befreit er eine Stadt und heiratet dessen Herrin. Diese Herrin ist, man hält es nicht für möglich, seine Mutter. Nach mehreren Jahren erfahren die beiden durch Zufall von dieser Misslichleit und der gute Gregorius beschließt, den Rest seines erbärmlichen Lebens auf einem kahlen Felsen in Meer zu verbringen. 17 Jahre später, die Kirche ist durch ein Schisma gespalten, haben zwei Kirchenmänner eine Vision, dass der neue Papst seit 17 Jahren sein Dasein auf einem Felsen fristen soll. Sie begeben sich sofort auf die Suche und finden auch tatsächlich Gregorius, der auf wundersame Weise überlebt hat und zum neuen Papst ernannt wird. Als Sibylla von diesem neuen, wundersamen Papst erfährt, begibt sie sich zu ihm, um Absolution von ihren Sünden zu erlangen. Sie erkennen sich gegenseitig, fallen sich in die Arme und dem Happy End steht nichts mehr im Wege.
Das Unterhaltsame an diesem Roman ist die durchweg vorhandene Ironie in der Erzählung Clemens. Er erwähnt zwar ständig, wie schlimm das doch alles sei und wie schwer es ihm doch falle, alles wahrheitsgemäß zu berichten, doch tut er es doch mit einer unverhohlenen Freude am Detail. Zusätzlich dazu macht Manns einmaliges Sprachniveau die Lektüre dieses Romans zu einem großen Vergnügen.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Herbarium eines gefolgsamen Menschentyps, 3. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Der Untertan: Roman (Taschenbuch)
Der Roman von Heinrich Mann beschreibt die gesellschaftlichen Verhältnisse während der Jahrhundertwende des 19. Jahrhundert. Mann verdeutlicht diese Zustände anhand der Lebensgeschichte des Bürgers Heßlings, einem zweigeteilten Menschen, der zugleich Mächtiger und Untertan ist. Dieses Buch wurde 1918 veröffentlicht, hätte aber, abgesehen von einigen inhaltlich, typisch zeitgemäßen Gebundenheiten, zu jeder Zeit erscheinen können, denn es offenbart größtenteils die Biederkeit, die gesellschaftlichen Zwänge, die Obrigkeitstreue und die Befolgung moralischer ungerechter Strenge vieler Menschen unserer Tage. Kurt Tucholsky bezeichnete dieses Werk einmal als "Herbarium des deutschen Mannes", obwohl dergleichen Menschentypen m.A. nach allerorts zu finden sind. Ein erschreckendes Bild eines gehorsamen Menschentyps, der seine eigene, wertvolle Identität unbewusst für eine höhere, nicht fassbare, völlig fremde Idee (Kaisertreue) preisgibt und darüberhinaus glaubt für das Gute im Leben einzutreten. Ein Roman, der aufzeigt, wie die Individualität an ein abstraktes politische Ideologie, zu dem der Mensch niemals direkten Bezug aufbauen kann (wie z.B. zu einem Mitmenschen), verloren geht.
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27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Legendenstoff in moderner Bearbeitung, 2. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Erwählte: Roman (Taschenbuch)
Thomas Manns Erzählung gründet sich in Hauptzügen auf den mittelalterlichen Epos „Gregorius der gute Sünder" geschrieben von Hartmann von der Aue. Beide sind sich sehr ähnlich, was für eine Adaptation eines Legendenstoffs, wie es „Gregorius der gute Sünder" ist durchaus im Bereich des Erlaubten ist. Nichts dagegen zu sagen. Ist das Original aber noch in Reimform und Mittelhochdeutscher Sprache geschrieben, so bezieht sich Thomas Mann doch auf das, was er am besten kann - Prosa. Und die ist im gelungen. Der Text liest sich ungemein gut und, er ist, trotz des heiklen Themas, Inzest nämlich, nicht unkomisch. Genaugenommen finden sich einige für den Leser im ersten Moment groteske Formulierungen und Situationen, die sich im Nachhinein aber doch selbst erklären. Zum ersten Mal kam Thomas Mann mit der Gregorius Legende im Wintersemester des Jahres 1894 / 95 in Kontakt und diese Geschichte um den „christlichen Ödipus" mit der „Kraft der Reue zur Vergebung jeglicher Sünde" lies ihn nicht mehr los. Gregorius ist das Kind einer freiwillig unfreiwilligen Liaison eines Bruders mit dessen Schwester. Da das Kind nicht bekannt werden darf, wird es auf das Meer ausgesetzt, wo es von Fischern geborgen wird, in einem Kloster aufwächst, um im Erwachsenenalter in seine Heimatstadt zurückzukehren, ohne es zu wissen seine Mutter ehelicht. Das Vergehen wird entdeckt und Gregorius beschließt seine Sünde zu büßen, indem er auf einem Stein im Meer leben will. Schlußendlich wird er aber doch zum Papst gekrönt, warum, das lese möglichst jeder selbst, es lohnt sich tatsächlich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr spannender Roman über einen typischen "Untertan", 7. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Untertan (Gebundene Ausgabe)
„Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt." So fängt die Lebensgeschichte des Diederich Heßling an und man ahnt schon beim ersten Satz, dass dieses kein gutes Ende haben wird. Sein Leben wird von Anfang bis Ende beschrieben und man sieht, wie sich die Hauptperson entwickelt, wie sie sich zu einem Untertan entwickelt, dessen höchstes Erlebnis es sein wird, den Kaiser aus der Nähe gesehen zu haben. Andere Werte, wie jedoch Liebe und menschliche Gerechtigkeit bzw. menschliches Mitgefühl sind ihm leider jedoch eher fremd. Das Buch schreib einerseits eine spannende Geschichte, andererseits beschreibt es aber sehr gut das deutsche Gedankengut von damals (und sicher auch teilweise von heute), ausgedrückt durch die soziale Unterdrückung, deutsche Burschenschaften, das Militär, die Autoritätenverehrung usw. Eins meiner Lieblingsbücher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Obwohl ich Klaus und Heinrich lieber mag, 13. Dezember 2009
***THOMAS MANN - DER TOD IN VENEDIG UND ANDERE ERZÄHLUNGEN - FISCHER KLASSIK***

Mir liegt Thomas Mann einfach nicht.

Davon war ich bis vor kurzem fest überzeugt, da ich einmal die Buddenbrooks zu lesen begonnen hatte und am großbürgerlichen Schwulst schier erstickt war. Zudem schien mir die Kraft, die etwa sein Sohn Klaus in "Mephisto" erkennen lässt, oder der undiskrete Charme des Bürgerlichen, wie ihn sein älterer Bruder Heinrich im "Untertan" entlarvt, viel näher zu sein.

Aufgrund der unerwartet positiven Begegnung mit dem Hörbuch von "Tod in Venedig", gesprochen von Will Quadflieg, gab ich auch dem geschriebenen Wort des Bürgerlichsten aller Schriftsteller eine neue Chance und kann mich seitdem, ich muss es leider zugeben, durchaus für seine in diesem Band veröffentlichten Erzählungen begeistern!

Mehr noch als der "Tod in Venedig" schätze ich seitdem jedoch "Tonio Kröger" über das innere Empfinden, Werden und Wachsen eines Schriftstellers, dass ich so noch nie irgendwo gelsen habe. Seitdem habe ich zwar nicht meine gesamte frühere Kritik über Bord geworfen: Auch hier wirkt manches stark gekünstelt, geplant und durchkonstruiert. Neu ist für mich jedoch, dass es sich TROTZDEM lohnt, und ich freue mich dass ich diese Erfahrung gemacht und den feinen Lesegenuss gehabt habe.

Da sich der Inhalt von älteren Ausgaben mit ähnlichem Titel unterscheidet, hier noch kurz eine Auflistung der (in der 2008 unter ISBN 978-3-596-90027-5 in der Reihe "Fischer Klassik" erschienenen Ausgabe) enthaltenen Erzählungen:

Der kleine Herr Friedemann
Tristan
Tonio Kröger
Schwere Stunde
Das Eisenbahnunglück
Der Tod in Venedig
Unordnung und frühes Leid
Die Betrogene

Ich wünsche die nötige, mann'sche "Haltung" beim Lesen - und ebenso viel Vergnügen.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönheit und Tod, 30. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Tod in Venedig. Novelle. (Taschenbuch)
"Der Tod in Venedig" von 1911 ist wohl die berühmteste Novelle des Nobelpreisträgers Thomas Mann. In eigentümlichen, zuweilen etwas zäh zu lesendem Stil beschreibt er die Geschichte des Schriftstelleres Gustav Aschenbach, der zur Erholung nach Venedig fährt. Dort sieht er in einem Hotel den Knaben Tadzio, von dessen Schönheit er fasziniert ist, woraus später Verlangen, so etwas wie Liebe wird. Obwohl später das Gerücht umgeht, Venedig sei von einer Seuche befallen, der man schnellstens entfliehen sollte, bleibt Aschenbach in der "sterbenden Stadt", stellt Tadzio nach, um dessen volle Aufmerksamkeit zu erringen. So karg die Handlung, so sehr versteht Mann es dennoch, sie für den Aufbau einer irrealen, bedrohlichen Atmosphäre zu verwenden: Das eigentliche Geschehen findet in Aschenbachs Seele statt, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Verlangen nach Tadzio und seiner Haßliebe zu Venedig; der Stadt, die ihm gleichzeitig widerwärtig und Verlockung ist. Allein dies lohnt schon die Lektüre, doch bietet die Novelle dem kundigen Leser noch mehr: Eingeschobene Erwägungen über Kunst, Form und Tod; dazu einen umfangreichen Subtext, der die Geschichte gar ins Mythische hebt. Allerdings: Wer bei den antiken Mythen auf unsicheren Füßen steht, wird mit den entsprechenden Stellen nichts anfangen können (so erging es zumindest mir!), die z.T. recht lang sind und dann schon mal etwas nerven können. Dennoch ein Stück Literatur, das zum ordentlichen Bildungskanon gehört! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare venezianische Novelle in Formvollendung, 12. Oktober 2010
Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" aus dem Jahre 1912 ist aus meiner Sicht ein lustvoll geschriebenes Kleinod, das sich glänzend zum Einstieg in eine Lektüre der Werke des großen deutschen Romanciers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eignet. Sowohl vom Umfang her als auch thematisch weniger sperrig und groß angelegt als die großen Romane wie "Der Zauberberg" oder "Doktor Faustus", aber doch bereits mit einigen intellektuellen Anleihen an große und wichtige Denkströmungen seiner Entstehungszeit, die Thomas Manns Werke so spannend und aufschlussreich zugleich machen, liest sich "Der Tod in Venedig", sofern man sich einmal auf den natürlich relativ komplexen, dafür aber auch sprachlich einfach wunderschönen Satzbau Manns eingelassen hat, doch recht flüssig und schnell runter, zumal es ein deutlich "handlungsgetriebeneres" (wenn es ein solches Wort gibt) Werk ist als etwa "Der Zauberberg".
Die stark autobiographisch angehauchte Geschichte des alternden und mental wie physisch ausgelaugten, fiktiven Schriftstellers Gustav von Aschenbach, einem preußisch-disziplinierten Künstler von Weltformat, der sich im Zuge seiner großen Lebens- und Schreibkrise von einem "unerklärlichen" ;-) Fernweh heimgesucht fühlt und dadurch schließlich gen Süden fährt, um über Umwege im vor Schönheit sterbenden Venedig zu landen (wie sollte es anders sein?), um dort einen verhängnisvollen Urlaub zu verbringen. Von Unlust und Enttäuschung ob der verfallenden Schönheit geplagt und immer wieder von beängstigend-fratzenhaft anmutenden Gestalten belästigt bis geängstigt, steht Aschenbach schnell kurz vor der Wieder-Abreise, ehe ihm in seinem Hotel ein polnischer Jüngling namens Tadzio auffällt, der ihn fasziniert und offenbar lange unterdrückte Gefühlsregungen in ihm weckt, die ihn schließlich am Ort halten und in ein inneres Dilemma aus versuchter Selbstzucht und homoerotischer Neugier stürzen.
Es ist dieser letztgenannte Aspekt, die Geschichte um Aschenbachs heimliche Liebe zu dem Knaben, bei dem Manns großartige literarische Meisterschaft besonders zu Tage tritt; denn es gelingt ihm wie sonst niemandem, einen solchen inneren Kampf auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen zu beschreiben, die sich bei ihm, und einzig bei ihm, zu einem harmonischen, ebenso kusntvollen wie authentischen Ganzen vereinigen. Einerseits wirkt das Ganze lebensnah, voller Em- und Sympathie für den um seine Würde ringenden Helden, während andererseits die beiden wohl entscheidenden denkerischen Quellen des Werkes sich in diesem Kampf Aschenbachs manifestieren und ihnen ausführliche intellektuelle Behandlung widerfährt: dies sind einmal Sigmund Freuds Psychoanalyse und seine These von der "Wiederkehr des Verdrängten" (hier: der homoerotischen Neigungen Aschenbachs), welche Thomas Mann durch Freuds Lektüre der Novelle "Gradiva" von Wilhelm Jensen kennengelernt und teilweise fast daraus abgeschrieben hat; und darüber hinaus Friedrich Nietzsches Unterscheidung zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, zwischen dem Würdevoll-Ordnenden und dem Rauschhaft-Lustgeleiteten, welche einen immer währenden Hauptkonflikt aller menschlicher Existenz darstellen. Diese damals wie heute bewegenden und auf ewig einflussreichen und wichtigen Denkstrukturen in eine so nahe gehende und empathisch geschilderte Geschichte eines an sich selbst zu zerbrechen drohenden Individuums einzuarbeiten, und das Ganze in die konzise und wunderbar spannend zu lesende Form dieser venezianischen Novelle einzuweben, das ist die wunderbare Leistung, die Thomas Mann mit dem "Tod in Venedig" gelungen ist. Der große Autor der großen Zeitromane zeigt sich hier auch als Meister der Mittelstrecke, und fängt hier mal nicht über einen längeren Zeitraum, sondern ganz punktuell die großen Denkmodelle seiner Zeit ein und macht große Kunst aus ihnen. Unbedingt lesen!
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Der Erwählte: Roman
Der Erwählte: Roman von Thomas Mann (Taschenbuch - 1. Januar 1989)
EUR 8,95
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