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Mario und der Zauberer: ein tragisches Reiseerlebnis
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Ich-Erzähler verbringt mit seiner Frau und beiden Kindern den Sommer im faschistischen Italien. Dort wird er in den Bann des Zauberers Cipolla gezogen, der sein Publikum immer wieder durch Tricks verblüfft und auch Gedankenübertragung und Hypnose in sein Programm bei der Vorführung bringt. Der Ich-Erzähler ist hin- und hergerissen zwischen Abreise und Neugier für Cipollas Handlungen, die jedoch oft sehr Angst einflößend und abnormal auf die Zuschauer wirken. Als Cipolla den Kellner Mario unter Hypnose setzt und ihn vor den Gästen des Urlaubsorts bloßstellt, entschließt sich Mario mit Cipolla abzurechnen.

Die Novelle von Thomas Mann behandelt hauptsächlich die Frage nach der Willensfreiheit eines Menschen, die Mann wie folgt beschrieb: "Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert; aber die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere." Mann bestritt zunächst, dass sein Werk eine Bloßstellung der faschistischen Politik in Italien in den 20er und 30er Jahren darstellen sollte, doch später räumte er in einem Briefe ein, dass es doch einen politisch-moralischen Sinn habe. Manns Werk ist keine leichte Kost für Einsteiger, sein Stil ist sehr verschachtelt, fast schon undurchschaubar und doch sind seine Botschaften sehr intelligent ummantelt innerhalb eines Romans. Genauso wie bei Virginia Woolf (Mrs Dalloway: Roman) mag Manns Stil auf manche etwas trocken, staubig und schwer zu verdauen wirken, doch sind seine Werke dennoch literarisch wertvoll und streben oftmals politische Themen an, die insgeheim versteckt angedeutet werden. Manns Worte bilden schon fast einen Neologismus, wie man ihn sonst nicht mit Werken irgendwelcher anderer Schriftsteller vergleichen könnte. Keine leichte Kost also, aber dennoch wertvolle Literatur, die man nicht verkennen sollte, von einem einzigartigen Schriftsteller!

~Bücher-Liebhaberin~
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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
HALL OF FAMEam 11. September 2003
Die Geschichte von dem häßlichen, aber mächtigen, selbstherrlichen Zauberer Cipolla, der mit seinen hypnotischen Fähigkeiten die Zuschauer zu immer entwürdigeren Taten bringt, bis es schließlich zu einem Eklat kommt, enthält mannigfaltige tiefsinnige Interpretationsmöglichkeiten. Während die Zuschauer zwischen Unbehagen und Faszination untätig schwanken, ist Mario der einzige, der sich schließlich erhebt und letztlich die Würde der Anwesenden rettet. Cipollas Reitpeitsche als Symbol der Macht, seine Theorie von "Autorität und Gehorsam" und schließlich die Übertragung auf "Volk und Führer" lassen viel vom damaligen Zeitgefühl und den Ängsten 1926 anklingen und zeigen Mann's weise Vorausschau und Warnung. So weit von mir, alles andere überlasse ich lieber den Profis und Deutsch-Lehrern mit ihren ergänzenden Werken :-)
Die Novelle ist mit 60 Seiten kurz und ermöglicht ohne große zeitliche Investition einen guten Einstieg in das große Lebenswerk Mann's. Sie eignet sich jedoch nicht nur ihrer Kürze wegen. "Mario" ist auch ein "Werk der Mitte": während Mann vor 1930 eher an der Realität ausgerichtete Literatur schrieb (wie "Buddenbrocks", "Tod in Venedig" oder der bereits beunruhigende "Zauberberg"), wurde er danach entrückter, mythischer (etwa bei "Joseph und seine Brüder" oder "Doktor Faustus"). "Mario und der Zauberer" liegt genau zwischen diesen Phasen: die Geschichte ist realistisch, Cipollas Fähigkeiten jedoch teilweise schon fantastisch.
Mir hat "Mario" viel Spaß gemacht. Manns erstaunliches Vokabular und anspruchsvolle Schreibweise sind auch hier enthalten, und sein Stil ist sehr schön zu lesen. Gerade in dieser Geschichte spricht er den Leser immer wieder direkt an und schafft einen engen Bezug. Der nette "Mario" ist also eine Versuchung wert :-)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Februar 2013
Es war in jenen Zeiten Mannheimer Literaturkundeunterrichts (Friedrich-List-Schule im Jahre 1974, gehalten durch Frau Dr. Naber aus dem nahegelegenen Heidelberg), dass man uns "Mario und der Zauberer" von Thomas Mann als eine Faschismusparabel interpretierte. Frontalunterricht in bester Tradition: Mario und die Zauberin am Lehrerpult.

Im mondänen Urlaubsparadies italienischer Gefilden. Die sich ändernden Stimmungslagen nationalfaschistischer Anwandlung bekommt auch der ich-erzählende Vater samt seiner Familie hie und da zu spüren: zum Ausdruck gebracht durch kleine Ausländerfeindlichkeiten, die nicht mal vor Vertretern der im Geiste verbundenen deutschen Landen Rücksicht nehmen. So fühlt man sich über Kurz schon und "gegen alle Erfahrung, auch" - sogar - "am Strande nicht wohl, nicht glücklich." Und der Protagonist, in Beschreibung der Formulierungskünste des Thomas Mann, wie sie typisch für unseren Großschriftsteller sind, fühlt sich unwohl bei all der menschlichen Mediokrität und dem bürgerlichen Kroppzeug.

Nach Ärger mit der Polizei und einem verhängtem Bußgeld, steht immer mal wieder die Frage des Abreisens im Raum. Und immer wieder wird beschwichtigt und verschoben. Dass sich dann auch noch Cipolla ankündigt, der berühmte Zauberer, den die Kinder unbedingt sehen wollen, drängt den Wunsch nach Abbruch, Abfahrt, Aufkündigung - nennen wir es Ausreise, Flucht - immer wieder ins Abseits.

Auftritt Cipolla. Wenig Zauberei. Viele Hypnosetricks. Das Publikum wird großteils einbezogen. Geheimnisse werden gelüftet. Verführungskünste angedeutet und vollzogen. Das Publikum ist fasziniert. Es lässt sich lenken, leiten, führen. Der Cavaliere Cipolla, ein Mussolini aus der Magierbude? Ein Hitler mit dem Zauberstab? Ligurischer Lord Voldemort? - Die Erstveröffentlichung von "Mario und der Zauberer" fällt in das Jahr 1930.

Großer Auftritt Marios, des Kellners aus dem Café "Esquisito". Er wird von Cipolla auf die Bühne gebeten. Nach Hypnose gibt Mario seine tiefsten Geheimnisse preis, seine unglückliche Liebe zu Silvestra. Cipolla gaukelt dem Mario deren Anwesenheit vor und veranlasst den Einfältigen, sie zu küssen: was bedeutet, dass Mario tatsächlich den Zauberer küsst. Nach dem bösen Erwachen aus der Trance wird sich Mario der öffentlichen Schmach bewusst. Gedemütigt begibt er sich zurück an seinen Platz. Plötzlich zwei Schüsse. Mario - wieso hatte er eigentlich eine Pistole dabei? - erschießt den Zauberer.

Der Ich-Erzähler sieht's als Befreiung. Thomas Mann, Befürworter wehrhaften Kampfeinsatzes gegen Tyrannei und Unterdrückung? Was ist autobiografisch am "tragischen Reiseerlebnis"?

Als Vorbild für den fiktiven Urlaubsort Torre di Venere gilt das zwischen La Spezia und Pisa am Tyrrhenischen Meer gelegene kleine Forte dei Marmi. Hier war es, dass Thomas Mann mit Frau und den Kindern Elisabeth und Michael im Jahr 1926 seine Ferien verbrachte. Und nun, unter Verwendung des pseudonymen Ortsnamens, "Die Erinnerung an Torre di Venere ist atmosphärisch unangenehm." Also ist die Novelle doch die angedeutete Faschismusparabel, als die man sie uns, den Schülern von vor vierzig Jahren, weismachen wollte?

Thomas Mann selbst - wie schon 1932 verkündet - sah es allerdings nicht gerne, "wenn man diese Erzählung als eine politische Satire betrachtet". Allenfalls "einen kleinen Teil ihres Wesens" sah er in entsprechend politischer Sphäre. Später allerdings, 1940, modifizierte er diese Aussage. "Mario und der Zauberer" galt nunmehr als "Warnung vor der Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen, die in der menschlichen Befreiungskatastrophe des Schlusses überwunden und zunichte wird." [1949 war’s dann wieder nur eine "simple story of human affairs".]

Ein Schuss. Ein Schuss. Und Schluss. "Ein Ende mit Schrecken, ein höchst fatales Ende. Und ein befreiendes Ende dennoch, - ich konnte und kann nicht umhin, es so zu empfinden!"
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Juli 2012
Schon als Schüler habe ich mit Begeisterung die Mann's gelesen, wobei mir Heinrich als der tiefer sehende und "brutalere" in der Art zu schreiben und zu beschreiben in der Entlarvung des menschlichen Charakters erschien. In diesem Buch wird von einem Zauberer erzählt der skrupellos seine Zuschauer zu immer entwürdigenderen Handlungen "verführt". Keiner wagt es sich dagegen aufzulehnen, bis auf Mario. Mit dem Hintergrund unserer unseligen Geschichte des 20ten Jahrhunderts erkennt man erschauernd im Zauberer und dessen Methoden das Denken in den Kategorien von Autorität, Gehorsam, "Führerprinzip". Man musste 1926 kein Visionär sein, um die Entwicklung aufzuzeigen die Deutschland und Europa zu verschlingen drohte, aber man musste Mut haben dies anzuprangern. Die Manns hatten diesen Mut und haben dafür bezahlen müssen, die die den Mut nicht hatten oder gar gläubig und als Täter den "Zauberern" folgten wurden dafür furchtbar bestraft. Ein Buch das unbedingt gelesen werden muss - es macht Spaß, obwohl man mit oben beschriebenem Hintergrund zögert das Wort Spaß in den Mund zu nehmen.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. November 2008
Thomas Manns "tragisches Reiseerlebnis" bietet möglicherweise mehr Projektionsfläche für Interpretation als jedes andere seiner Werke. Der ungenannte Ich-Erzähler berichtet von der gemeinsamen Italienreise mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Die Stimmung ist von Anfang an gereizt; nach einer fadenscheinigen Beschwerde einer hochnäsigen Gräfin bei der Hotelleitung muss die Familie schon am zweiten Tag ihr Quartier wechseln; die italienischen Kinder am Strand grenzen die anderen aus, und als die achtjährige Tochter nach dem Spielen am Strand kurz ihren Badeanzug auszieht um ihm den Sand abzuspülen, kommt es zu einem heftigen Eklat, in dem in scheinbar die ganze Badegemeinschaft der Familie eine prüde Moralpredigt hält.
Schließlich besucht die Familie die lange im Voraus angekündigte Vorstellung von Cipolla; einem Taschenspieler und Zauberkünstler. Cipolla ist ein verwachsener Krüppel, mit enormer suggestiver Ausstrahlung; er macht aus seiner Verachtung für sein Publikum kein Hehl, hypnotisiert Einzelpersonen, und bringt sie dazu, sich auf offener Bühne zu demütigen. Schliesslich wählt er den Kellner Mario als seinen nächsten Freiwilligen - aber er wählt die falschen Worte und löst damit eine fatale Kettenreaktion aus.

Eine gängige Interpretation dieser Novelle ist eine Warnung vor dem aufziehenden Faschismus in Europa. In der Tat spricht vieles dafür: Die Geschichte erschien 1929 - 7 Jahre nach der Machtergreifung Benito Mussolinis in Rom; der rücksichtslose Nationalismus der Italiener am Strand bildet den Schwerpunkt des ersten Teils der Geschichte, und die Figur Cipollas mit seinen geschliffenen Monologen, seiner schwarzen Kleidung und einer Reitgerte im Stiefelschaft bilden fast den Prototypen des Diktators wie man ihn sich heute vorstellt.
Ich bin dennoch nicht ganz von dieser Auslegung überzeugt; in den 20er Jahren war von kriegerischen Machtkonflikten, die später die faschistischen Regime Europas charakterisierten noch nichts zu spüren: Hitler war noch weit entfernt, der Zweite Weltkrieg ebenso ' und damit die ganzen Greuel, die heutzutage mit dieser historischen Episode in Verbindung gebracht werden. Nicht zuletzt betonte Thomas Mann in einem Brief selber, dass die Figur des Zauberers und die dazugehörige Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhe.

Egal welcher Definition man sich anschließt: Mario und der Zauberer bleibt eine herrlich geschriebene und sehr unterhaltsame Kurznovelle. Trotz der eher düsteren Thematik bedient sich Thomas Mann wieder seines feierlich-ironischem Stils und von der ersten bis zur letzten Zeile kommt niemals Langweile auf. Eines der besten Kurzwerke Manns und besonders zur Vorbereitung auf seine größeren und schwierigeren Werke zu empfehlen.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juli 1999
Die Novelle „Mario und der Zauberer" ist 1929 von Thomas Mann an der Ostsee entstanden. Er erinnert sich darin an einen Ferienaufenthalt in Italien im Jahre 1926. Die Erzählung ist zweigeteilt. Im ersten Teil beschreibt Mann die Freundschaftlichkeit mit der er bei vorherigen Aufenthalten behandelt wurde und mit welchen Vorurteilen und Ressentiments er und seine Familie im faschistischen Italien des Jahres 1926 zu kämpfen hat. Der zweite Teil ist der mit dem buckligen Zauberer und Hypnotiseurs Cipolla.
Der häßliche Cipolla, der mit „Taschenspielertricks" und seiner Führer- und Verführerpersönlichkeit das gesamte Dorf und manchmal auch den Leser in seinen Bann zieht, bringt über Hypnose den unglücklichen Kellner Mario dazu, den häßlichen Alten mit seiner Verliebten zu verwechseln und zu küssen.... was weiter und drum herum passiert, sollte man lesen.
Thomas Mann hat mit diesem Buch auch eine Warnung in ein Deutschland geschickt, in dem die faschistische Gefahr noch im Wachsen war und damit ein Buch genommen, das man auch heute nicht leicht nehmen sollte, sondern hinterfragen. Lesenswert ist es auf jeden Fall! <font size="-1" face="geneva, arial, helvetica">(Dies ist eine <b>Amazon.de an der Uni</b>-Studentenrezension.)</font>
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. September 2009
Auf den ersten Blick stellt sich die Erzählung als eine vom realen Erleben (Brief an O. Hoerth vom 12. 6. 1930) diktierte Aufeinanderfolge zweier heterogener Teile dar: an eine mehr atmosphärische Natur- und Milieuschilderung schließt sich die Vorstellung des buckligen Zauberers und Hypnotiseurs Cipolla an. Eine knappe, Aufbau und Modellhaftigkeit des Geschehens signalisierende Exposition lenkt jedoch die Aufmerksamkeit des Lesers auf den thematischen Funktionszusammenhang der Teile hin und schärft den Blick für ein feines, alle realistischen Details zu einem integralen Sinnganzen zusammenschließendes Netz sprachlicher und bildlicher Beziehungen.
Die Handlung des ersten Teils, die »Zusammenstöße mit dem landläufig Menschlichen, dem naiven Mißbrauch der Macht, der Ungerechtigkeit, der kriecherischen Korruption«, die zur Ausquartierung aus dem Grand Hotel von Torre di Venere und zur Umsiedlung in die Pensione Eleonora führen, die über allem lastende »Schreckensherrschaft der Sonne«, die unduldsame, auf die »Würde« und »die Idee der Nation« pochende »Mediokrität« des Strandpublikums, das auf die unschuldige Nacktheit der kleinen Tochter des Erzählers wie auf eine Verletzung der »Ehre seines Landes« reagiert - dies alles steht in direkter Korrelation zum Auftritt Cipollas (»Knolle«), »in dessen Person sich das eigentümlich Bösartige der Stimmung auf verhängnishafte und übrigens menschlich sehr eindrucksvolle Weise zu verkörpern und bedrohlich zusammenzudrängen schien«. Seine auf den Abbau der personalen Würde eben jener so auf ihre nationalistische »Würde« bedachten Leute zielende »Demonstration der Willensentziehung und -aufnötigung«, die taschenspielerische Eloquenz seiner häßlich kränkelnden, doch geckenhaft übersteigerten »Führer«- und »Verführer«-Persönlichkeit ziehen Italiener wie Ausländer, ja mitunter sogar den Erzähler in seinen Bann und werden selbst wiederum vom Willen der ihrer Individualität beraubten Masse getragen. Erst die vom Erzähler ausdrücklich als Befreiung empfundene Tat eines aus tiefster Demütigung erwachten einzelnen vermag den Teufelskreis der Massenpsychose zu durchbrechen, nachdem sich die bloße bürgerliche Negation des Terrors als hilflos erwiesen hat: Der unglücklich verliebte Kellner Mario verwechselt unter hypnotischem Zwang Cipolla mit seiner Geliebten, küßt den häßlichen Alten und erschießt ihn, während dieser lachend den Höhepunkt seines Machtrausches genießt.
Thomas Mann, der in den zwanziger Jahren den Übergang seiner schriftstellerischen Existenz »aus dem Metaphysisch-Individuellen ins Soziale« (Lebensabriß, 1930) vollzogen hatte, ließ es bewußt geschehen, daß »im Lauf der Erzählung aus dem Privaten . . . etwas Kritisch-Ideelles, Moralisch-Politisches« erwuchs (Brief an O. Hoerth vom 12. 6. 1930) und deutete die Novelle rückblickend als modellhafte »Warnung vor der Vergewaltigung durch das diktatorische Wesen« (On Myself, 1940), eine Deutung, an die nach 1945 vor allem Hans Mayer anschloß, die in der neueren Forschung bis heute jedoch relativiert wird, nicht nur, weil nachträgliche Rücksichtnahmen auf die gewandelte Rezeptionssituation durchaus häufig bei Thomas Mann sind (H. R. Vaget, H. Kurzke), sondern auch, weil vor dem Hintergrund des Mannschen Werkzusammenhangs »weiterhin Kritik und Erklärung der Künstlerexistenz mit den Mitteln Schopenhauers, Nietzsches (und Wagners)« (M. Dierks) strukturbestimmend bleiben.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. April 2009
Thomas Mann ist keine leichte Kost, auf keinen Fall. Doch wenn man sich Mühe gibt den langen Beschreibungen und ausführlichen Berichten über dies und das Folge zu leisten, breitet sich ein wahrer Zauber vor dem Leser aus. Genau wie es bei Mario und dem Zauberer auch wieder geschieht. Selten haben ich ein Buch so gerne gelesen wie dieses tragische Reiseerlebnis des unbekannten Ich-Erzählers. Einfach nur aus Lust diese und jene Seite noch einmal zu lesen, wiederholte ich oft die eine oder andere Stelle. Es ist einfach nur genial, wie viel Mann in diesen wenigen Seiten aussagt (ob es nun eine politische Geschichte ist, lasse ich dahin gestellt), denn wie genau und realistisch die Chraktere - besonders der Zauberer - hier gezeichnet werden, wirkt vielleicht schon übertrieben. Doch man wird stutzen und leicht grinsen, wenn sich vor den Augen des Lesers diese Ereignisse in diesem muffigen Raum ausbreiten, und der Zauberer seine meist psychologischen Spielchen treibt. Der Schluss kam selbst für mich sehr plötzlich und bewegte mich doch tief, denn man fühlt mit, leidet vielleicht mit dem Zauberer und seinem Schicksal und Leben, und dann kippt er nach schmetternden Detonationen vom Stuhl. Schade...doch so realistisch ist das Leben nun mal.
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am 31. Januar 2014
Im Jahr 1930, drei Jahre vor Hitlers Machtergreifung und zu der Zeit der Herrschaft des Faschisten Benito Mussolinis in Italien, verfasste Thomas Mann sein "tragisches Reiseerlebnis" "Mario und der Zauberer". Mit seiner Novelle bewies der Autor politischen Weitblick und ein untrügliches Gespür für die Stimmung in Deutschland vor Hitlers Machtergreifung. Sie ist als Parabel auf die Diktatur des Nationalsozialismus und andere faschistische Ideologien denkbar. Der Zauberkünstler Cipolla lenkt sein Publikum nach seinem Belieben und lässt sie gegen ihren Willen Handlungen ausführen wie willenlose Marionetten. Obwohl die Zuschauer ihm gegenüber Abneigung empfinden, können sie sich dem Bann Cipollas nicht entziehen und vermögen es nicht, sich ihm zu widersetzen. Somit zeigt sich die Beeinflussbarkeit der Menschen durch diverse Ideologien. Allerdings ist der Stil Thomas Mann sicher nicht jedermanns Sache. Dessen lange, zum Teil verklausulierte Schachtelsätze machen dieses gewichtige Buch nicht unbedingt zu einem Lesevergnügen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Oktober 2013
Bei diesem Produkt handelt es sich im Prinzip um einen Artikel der einfach das machen soll wofür er gedacht ist … dies tut er auch in vollem Umfang und ich bin daher sehr zufrieden
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