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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk
Also über Arno Schmidt und über das "steinerne Herz" könnte man ganze Bücher füllen, deshalb hier nur ein paar kurze Anmerkungen:
Der Roman ist der einer der zugänglicheren Texte Schmidts, der Stil ist noch nicht so ausgeprägt, dazu passiert im Vergleich zu anderen Werken Schmidts relativ viel.
Vor allem der zweite der drei...
Am 27. September 2005 veröffentlicht

versus
17 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Ganze eher peinlich
Schmidt, Arno, Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi (1956) (SZ-Bibliothek 2008)

Der Titel spielt an auf literarische Texte mit dem gleichen Titel aus der Romantik - Hauff, E.T.A. Hoffmann. Die Parallelen zu Goethes "Wahlverwandtschaften" liegen ebenfalls nahe. Bei den genannten Romantikern haben jeweils die Menschen ein...
Veröffentlicht am 31. März 2008 von Diethelm Thom


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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk, 27. September 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 (Taschenbuch)
Also über Arno Schmidt und über das "steinerne Herz" könnte man ganze Bücher füllen, deshalb hier nur ein paar kurze Anmerkungen:
Der Roman ist der einer der zugänglicheren Texte Schmidts, der Stil ist noch nicht so ausgeprägt, dazu passiert im Vergleich zu anderen Werken Schmidts relativ viel.
Vor allem der zweite der drei Teile gehört zum besten, was die deutsche Nachkriegsliteratur zu bieten hat. Die lakonische Schilderung des Schlesienflüchtlings Line gehört in seiner lapidaren Art zum präzisesten und erschütterndesten, was jemals einer in Prosa fasste. Die ganze ostdeutsche und westdeutsche (in den teilen 1 und 3) Szenerie ist brillant gezeichnet, eindringlicher und genauer ist das Klima der 50er kaum beschrieben worden.
Der Text ist sehr humorvoll und durchsetzt mit Schmidts berüchtigter (koketter) Selbstironie, die dem Autor bis heute fälschlicherweise als Besserwisserei ausgelegt wird. Seine politischen Analysen dagegen sind frei von Ironie. Sie sind hart und hellsichtig.
Die Figuren sind allesamt liebevollst gezeichnet (sogar der ideologische Feind Hoppenstedt). Der Schluss darf natürlich nicht als Traum vom Spießerglück missdeutet werden. Hier begibt sich einer, der mit dieser grauenvollen Gesellschaft nix zu tun haben will, in innere Emigration. Sein Leben im Archiv ist ein Akt politischer Dissidenz.
Eines der besten Bücher Schmidts und damit folgerichtig eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein historischer Roman aus dem Jahre 1954 - wiedergelesen 60 Jahre später, 30. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 (Taschenbuch)
„Historisch“ – dieses Adjektiv hat Arno Schmidt seinem Roman als Untertitel selbst hinzugefügt – historisch also ist fast 60 Jahre nach seinem Erscheinen und 25 Jahre nach dem Mauerfall DAS STEINERNE HERZ selbst geworden. Die dem streitbaren Autoren verhasste adenauersche Restauration und die Wiederbewaffnung der noch jungen Bundesrepublik, die „Rückbesinnung“ auf christliche Werte, kurzum die politische Situation im Deutschland der 50er Jahre, sind die permanenten Angriffsziele des zynischen „Wortmetzes“ und Aufklärers Schmidt. Lektor Krawehl griff damals operativ und in vorauseilendem Gehorsam gewaltig in das offene HERZ ein, um der Klage wegen Pornografie und Gotteslästerung, die seit Schmidts Roman SEELANDSCHAFT MIT POCAHONTAS gegen ihn und den Verlag anhängig war, nicht allzu viel neues Befeuerungsmaterial zu liefern. Aber auch in der entschärften Fassung war Schmidt in seinen Tiraden kaum zu stoppen und an Wortgewalt und bissigem Witz tut es ihm keiner seiner zeitgenössischen Berufskollegen gleich. Die Bargfelder Ausgabe stellt übrigens die von Schmidt beabsichtigte Fassung wieder her und nennt Ross & Reiter.

Gebeutelt durch den Krieg und erschüttert über die anstehende Wiederaufrüstung und den Klüngel zwischen Staat und Kirche, gibt sich Alter Ego Walter Eggers so abweisend ruppig und überlegen, dass es dem Leser weh tut, und täuscht damit über Verletzlichkeit und Verletztheit hinweg – try hard or die trying. Aber im Herzen sieht es anders aus:
"Wir haben Alles mit Schmerzen versehen : das Licht "verbrennt"; der Schall "erstirbt"; der Mond "geht unter"; der Wind "heult"; der Blitz "zuckt"; der Bach "windet sich" ebenso wie die Straße. / Mein Herz pumpte die Nacht aus : Blödsinnige Einrichtung, daß da ständig sonne lackrote Schmiere in uns rum feistet ! N steinernes müßte man haben, wie beim Hauff."
Das Trauma des Krieges ist selbst in der für Schmidt verlässlichsten Größe, der Natur allgegenwärtig: "Ich zählte noch ein bißchen die Bäume. Der Himmel war meist farblos, ein fahler Strom von Kriegsgefangenen."

Und: "("Lebensbahn", "Lebensreise" ? : so was Vornehmes gabs früher; heute robbt man bis zu dem Dreckpunkt, wo Einem "seine" Granate "trifft". - Seien Sie froh, daß ich Klammern setze, Mensch!)."
Nach den Gräueln des jüngst überstandenen Krieges die Autorität von Staat und Kirche anzuerkennen – Schmidt/Eggers kann und will es nicht. Vor den Realien räumt der Atheist Schmidt der Kirche keine Macht ein, was in Eggers Gedanken so klingt: „(Die Leute mit ihrer scheiß Seele : sollen sich lieber um vernünftige Arbeit kümmern; und daß jeder Mensch ne heile Hose uff m Hintern hat!)“.

„Historisch“ ist die Situation der Flüchtlinge, im Roman verkörpert durch Line Hübner, die aus Schlesien fliehen musste und nun in Ostberlin lebt. Flucht, Ausbeutung, Vergewaltigung, Armut: nichts ist zu schmerzhaft, als dass Schmidt den Blick abwenden würde von den Schicksalen der Vertrieben. Und dass Schmidt nicht nur polemisch, sondern auch sensibel und empfindsam sein kann (und ist), beweist er mehrfach, z.B. wenn Eggers die zerbrechliche Line nach ihrem furchtbaren Lebensbericht gerne tröstend in die Arme nehmen würde, sich aber rechtzeitig erinnert, dass er aus ihrer Sicht ein Mann ist, einer, der sie ausbeuten und missbrauchen könnte. Und so bleibt ihm nur, die Faust auf dem Tisch zu ballen.

„Historisch“ ist Schmidts unmittelbarer Vergleich der beiden deutschen Staaten, zu dem Walter Eggers anlässlich seines „Bücherraubs im Ostsektor“ Gelegenheit hat, und auch diese Seiten dürften einmalig in der Nachkriegsliteratur der fünfziger Jahre sein; kritisch und vor allem unparteiisch hält Schmidt beiden Systemen den Spiegel vor (der kein schmeichelhaftes Bild zeigt).

„Historisch“ ist endlich auch die Geschichte der Jahrzehnte währenden Einkerkerung der Prinzessin Sophie im Schloss zu Ahlden, jenem Dörfchen, in welchem sich Walter Eggers beim Ehepaar Thumann einquartiert, zunächst nur in der Absicht, an alte Hannoversche Staatshandbücher zu gelangen. Denn längst hat der fanatische Sammler Eggers erfahren, dass Frieda Thumann als Nachfahrin des alten Jansen im Besitz einiger dieser Desiderata sein könnte. Die in den Staatshandbüchern verzeichneten Namen längst Verstorbener, Zahlen und Fakten sind Eggers zuverlässiger und vertrauenswürdiger als seine Zeitgenossen: "Wer die Sein=setzende Kraft von Namen, Zahlen, Daten, Grenzen, Tabellen, Karten, nicht empfindet, tut recht daran, Lyriker zu werden; für beste Prosa ist er verloren : hebe Dich hinweg!"
Verbunden mit einem Vorstellungsvermögen, das aus den kargen Daten bewegende Lebensläufe zu zaubern weiß, ist es vor allem der Aufklärer, der hier spricht:
"Die Einführung der Staatshandbücher, sagen wir etwa 1730, bezeichnet den Beginn der Erziehung des Untertanen zum Bürger!""
Eine gewagte Behauptung, aber daran wurde Schmidt nie irre, dass Wissen im günstigsten Fall eben auch Macht ist. Und die Staatshandbücher sind auch Walter Eggers Verbindung zur Welt:
"Das steinerne Herz : nur durch die dünne Nabelschnur der Staatshandbücherreihe hing die Welt noch an mir."
Und Eggers wäre kein schmidtscher Protagonist, wenn er nur ein Mister-know-it-all wäre, denn natürlich ist er auch passionierter Sammler: "Was werde ich mal in der Hölle sammeln?: vieleicht Hufabdrücke der Teufel."
Mit Frieda Thumann, der drallen Herrin des Hauses, geht Eggers bald eine Beziehung ein, die weniger mit Liebe zu tun hat, als dass sie zweckdienlich ist. Ehemann Karl nimmt es wahlverwandschaftlich-gelassen, er unterhält seit längerem eine Beziehung zu Line Hübner, die, aus Schlesien geflohen, in Ostberlin lebt und schließlich auch ins Häuschen in Ahlden einzieht, in dem Frieda nun ihren Walter und Karl seine Line hat.

Ursprünglich wollte Walter Eggers in einer Nacht- und Nebelaktion verschwinden, sobald er die Staatshandbücher hat: "Also Schluß!: Ich hatte die Bücher (den Jahrgang 52, der nicht mehr reinging, würde ich in die Manteltasche stecken.) - (Gewiß, man hätte auch zu ihr hingehen können, und sagen: "Ich fahre morgen". Aber das war nicht meine Art; nicht Sammlerart; war die krankhafte dramatische Art: wir Superklugen legten nicht solchen Wert auf menschliche Verhältnisse!)."
Aber dann kommt es zu einem märchenhaft=peripetischen Schatzfund, von dem an sich doch alles zuHauff zum (besser(?)-)Romantischeren wendet. Zum Ende des Romans hin entwickelt Schmidt Utopien über die Abschaffung der Haushaltsarbeit durch Großküchen, Wäschereien und anderen Kollektiveinrichtungen zwecks der vor allem sexuellen Befreiung des Individuums.
Emanzipatorisch ist die Prinzessin die Patronin von Frieda und Line: „Sie (die Prinzessin) hat man damals noch einsperren dürfen : während ihr Mann 'as doch viel toller getrieben hat!“.
Die einstmals für die Prinzessin geprägten Goldmünzen werden für Frieda zur nicht nur ideellen Grundlage einer Wohngemeinschaft, die sich über die Beschränkungen der Institution Ehe hinwegsetzt. Walter Eggers hilft beim Verkauf des Schatzes und erzielt für die Gemeinschaft ein kleines Vermögen. Eggers Traum vom Häuschen in der Haide samt Schriftstellergattin und Tandem rücken in greifbare Nähe, und es rührt, dass eben dieser Traum für Schmidt – auch ohne Schatzfund - selbst Wirklichkeit geworden ist.

„Historisch“ ist auch das Thema der bundesrepublikanischen Zensur, von der Schmidt ein Lied zu singen wusste. In einem Brief an Ernst Krawehl vom 20.03.1956 formuliert der Autor, der billiger Weise zum Schluss noch einmal selbst zu Wort kommen soll, es so:
„Wollen wir es im „Steinernen Herzen“ nicht doch so halten, wie ich es zuerst schon vorschlug (und wie auch Prof. Bense es seinerzeit proponierte!): die „anstößigen“ Stellen einfach durch grellsten Ausschuß ersetzen; und beim ersten Vorkommen in einer Fußnote erläutern: „da die westliche Freiheit so überwältigend groß ist, sahen sich Verleger & Autor gezwungen, einige Stellen nach des sehr großen Edgar Poe Anweisung in „X-ing a paragraph“ zu behandeln; vielleicht kann in dreißig Jahren die ungekürzte Veröffentlichung des Textes erfolgen“. Das ist meiner Ansicht nach, der für uns beste Weg; und zudem gleichzeitig der für die Bundesregierung blamabelste! Wodurch sofort das seltsamste Licht auf den von mir gewünschten Untertitel („Historischer Roman aus dem Jahre 1954“) fällt!

DAS STEINERNE HERZ – also ein historischer Roman, gewiss, aber doch keiner von der Art, die sich bequem tabakrauchend im Schaukelstuhl konsumieren lässt wie ein Geschichtsroman von Walter Scott. Auch heute wirkt nichts daran angestaubt oder fern, und das verdankt sich Schmidts Schreibstil: ungewöhnlich sind seine Metaphern, unangepasst der Blick, den er auf die Institutionen wirft. Umwerfende Situationskomik und gerechter Zorn lösen sich ab, überlagern sich auch gelegentlich, und an Lebendigkeit ist Schmidts historischer Roman nicht zu überbieten. Doch bedarf es einiger Geduld und guten Willens, um sich durch die schmidtschen Wortungetyme und Satzungeheuer durchzukämpfen. Kreativ-expressionistisch kommt der Text daher, und oft hilft es schon, den fraglichen Satz einmal laut zu lesen, um plötzlich ein verständnisvolles Lächeln auf das Gesicht gezaubert zu bekommen. Und dann kommt man an den Punkt, an welchem man sich der unglaublichen Sogwirkung des Romans nicht mehr entziehen kann, gefangen ist von der Einmaligkeit, und am liebsten nur noch mit Stift und Notizbuch lesen möchte, weil alles zitierfähig ist: scharfzüngig, komisch, intelligent!

Wer sich übrigens selbst einmal im Ahlden des Romans virtuell umschauen möchte, sollte diese Seite besuchen:
hendricksonline.de/sth/home.htm (www bitte voranstellen, Amazon erlaubt leider keine Links).

Abschließend einige persönliche Anmerkungen, die nur sehr am Rande mit dem Buch zu tun haben. Schmidt! Mit diesem Autor kann man sich leicht überwerfen, und mir ging es nicht besser. Seine ewige Rechthaberei, seine unablässigen Maniriertheiten, die ewige Maske der Selbstinszenierung; sein Spätwerk war es schließlich, das mich treuen Gefolgsmann nach langen Jahren der Verehrung zum Schmidt-Übersättigten, Schmidt-In-Frage-Steller und endlich zum Verweigerer machte. Der gerechte Zorn des 50er-Jahre Schmidts schien mir ab den in den späten 60er Jahren entstandenen Texten eine oft leere Fratze geworden, deren beißende Besserwisserei und Rechthaberei mir die Luft nahmen. Aber wie sich von einem solchen Autor, einem solchen Werk für immer & ewig entfernen, wenn prägende Jahre des Lebens/Lesens daran hängen? Ein Kontakt blieb immer erhalten, indem ich mit Freunden so sporadisch wie begeistert die Stürenburg Geschichten las, man kann mit ihnen wirklich so gar nichts falsch machen, der Wiederbegegnung mit den längeren Werken aber weitestgehend aus dem Wege ging. Entzug und grimmige Genugtuung in einem: Ja, das hat Schmidt nun davon! Aber wer, anders als Schmidt, vielleicht doch mit den Jahren milder wird, vielleicht auch sich inzwischen etwas besser in ihn – der ausdrücklich nicht dazu einlädt – hineinversetzen kann, greift schließlich doch wieder zu einem seiner Romane, und hier geht es um die Wiederbegegnung mit vielleicht seinem schönsten, DAS STEINERNE HERZ (eine letzte Abschweifung: vor langer Zeit kaufte ich in Hamburg einem Germanisten sein Grimmsches Wörterbuch ab, das er in der ZEIT inseriert hatte. Er erzählte, er müsse sich von seiner beträchtlichen Bibliothek trennen, da er für lange Zeit nach Asien wolle. So kaufte ich ihm noch einige andere schöne Bücher ab, doch ein einziges Buch, so sagte er, werde er mitnehmen und also nicht verkaufen. Natürlich, es handelte sich um das STEINERNE HERZ).

Wer sich diesem Buch verschließen kann, muss selber so eines haben, ein Herz aus Stein!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sprachliches Meisterwerk, 30. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 (Taschenbuch)
Der Schreibstil von Arno Schmidt ist für mich immer wieder erfrischend.
Anfänglich habe ich beim Lesen der ersten Zeilen etwas gestutzt, denn man
stolpert regelrecht über die Sätze. Aber schon nach wenigen Seiten war
ich begeistert. Arno Schmidt ist ein Meister der Sprache, der mit
Buchstaben jongliert und dabei wunderbare Geschichten erzählt.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes Buch, 10. September 2004
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 (Taschenbuch)
Die Geschichte, die uns Arno Schmidt hier erzählt spielt in der Konrad Adenauer Zeit und geht eigentlich zurück auf eine Geschichte von Wilhelm Hauff. Es ist durch und durch eine spannende Geschichte, der auch ein gehöriger Schuss Kriminalistik beigemischt ist.
Walter Eggers findet in einem Dorf, Ahlden, in der Lüneburger Heide, Unterkunft bei der Familie Thumann. Er ist ein versierter Büchersammler, strebt danach alles Heimatkundliche bis ins Detail zu erforschen und zu archivieren. Und da er im Hause der Thumanns seltene, verschollene, gebundene Aufzeichnungen vermutet sucht er den Familienanschluss mit seiner Wirtsfamilie. Er fängt ein Techtelmechtel mit der drallen, erotischen Wirtin Frieda Thumann an. Mit dem Herrn des Hauses fährt er nach Berlin auf Büchersuche. Sie wohnen bei Line Hübner, der Frau mit der Karl Thumann ein sexuelles Verhältnis hat. Walter Eggers hat nun hier in Berlin die Gelegenheit die Folgen der Spaltung Deutschlands zu beobachten. Da er nun alles was er geplant hatte, bei seiner Wirtsfamilie erreicht hat, denkt er zunächst daran fortzuziehen. Doch dann finden sie auf dem Speicher des Hauses ein Behältnis voller Goldmünzen. Er bleibt zunächst.
Arno Schmidt hat in diesen fabelhaften Roman alles hineingelegt was man auch schon zum Teil aus früheren Büchern von ihm kennt. Heimatkunde, knisternde Spannung, Bürgertum, Erotik, Betrachtungen über die noch bestehende Ost-West Teilung.
Ein Buch welches viel Leserspaß vermittelt.
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17 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Ganze eher peinlich, 31. März 2008
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Schmidt, Arno, Das steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi (1956) (SZ-Bibliothek 2008)

Der Titel spielt an auf literarische Texte mit dem gleichen Titel aus der Romantik - Hauff, E.T.A. Hoffmann. Die Parallelen zu Goethes "Wahlverwandtschaften" liegen ebenfalls nahe. Bei den genannten Romantikern haben jeweils die Menschen ein steinernes Herz, die sich gegen ihre Mitmenschen verhärten, kein Mitgefühl mehr haben. In diesem Roman bezieht sich der Protagonist, Walter Eggers, ausdrücklich auf "das steinerne Herz" und behauptet, nur durch seine Sammlerleidenschaft "hing die Welt noch an mir!" (90). Diese Sammelleidenschaft steht allerdings im Zentrum des Romans, aber zu sagen, dass der Sprecher sich ganz gegen die Mitmenschen verhärtet habe, trifft nicht zu.
Im Gegenteil, er scheint die Wonnen der Gewöhnlichkeit mit einigen unbedarften Zeitgenossen geradezu auszukosten. Auf der Suche nach verschollenen Staatshauptbüchern des Statistikers Jansen aus dem 19.Jahrhundert nistet er sich als Walter Eggers ("Einkäufer") bei einer Enkelin Jansens, Frieda Thumann und ihrem Mann Karl, einem Lastkraftwagenfahrer, im niedersächsischen Ahlden ein. Während Karls Liebe einer Line Hübner in Ostberlin gehört, lieben sich "Wallder" und Frieda alsbald hitzig im Ehebett, was Ehemann Karl bereitwillig akzeptiert. Walter begleitet Karl auf einer Tour nach Ostberlin, dort lernt er auch Line kennen, die kümmerlich mit ihren Katzen in einer Gartenlaube haust, und er tauscht in der Staatsbibliothek heimlich eine statistisches Jahrbuch, von dem er eine Dublette besitzt, gegen eine heiß begehrte dritte Auflage desselben Buches aus. Die Not leidende Line wird dann bald in den Westen geholt, und als sich auch noch ein Goldschatz im Häuschen findet, den die Vorfahren Friedas dort angehäuft haben, kennt das Glück der Vier kaum noch Grenzen, nur Line kränkelt und möchte nach Schlesien zurück: Man plant eine gesicherte und bequeme Zukunft für alle, auch Walter will jetzt gegen seine vorherige Absicht bei seiner drallen Frieda bleiben und sich seiner Sammelleidenschaft hingeben: "Ich die Staatshandbücher. Der Chauffeur (=Karl) Line. Und Frieda moi=mich: Jeder hat sein Steckenpferd." (218)

Schmidt ist bemerkenswert wegen seiner sehr eigenwilligen Interpunktion und Orthographie, wegen seiner wuchernden Metaphorik und Assoziationen, die Spontaneität und Unmittelbarkeit schaffen, sich an allem und jedem entzünden und geradezu an Jean Paul erinnern. Er ist sicher auch bemerkenswert wegen der deftigen Beschreibungen von Sexualität und wegen des rotzig-schnoddrigen Raisonnierens über die politischen Verhältnisse. Im Titel weist er ja ausdrücklich auf den historischen Zeitpunkt hin, und in der Tat erzeugen die vielen realistischen Details das unverwechselbare historische Kolorit der Nachkriegsjahre: die politischen Themen jener Zeit, die Dürftigkeit der Lebensverhältnisse der Davongekommenen. Ebenso charakteristisch für jene Zeit dürfte das Zusammenwohnen der vier Personen sein, wobei sich der größenwahnsinnige, schreib- und sammelbesessene Sprecher erstaunlich zwanglos in das Spießermilieu einzufügen scheint: Einerseits deklamiert er: "'Nicht Ich, Ihr Athener, bin da, von Euch zu lernen: sondern Ihr seid da, von mir zu lernen!'" (139), andererseits wird "Wallder" Friedas besonderer Liebling, indem sie nicht nur seine Qualitäten im Bett schätzen lernt, sondern auch die beim Finden und Verhökern des Schatzes (historische Goldmünzen), wobei nämlich genaueste Sammlerkenntnisse erforderlich sind.

Während es den Romantikern bei ihren Vorlagen um Didaktik und Moral ging, während z.B. später Döblin mit seinem Franz Bieberkopf einen Mann des Volkes schuf, an dem er seine Lebensphilosophie verdeutlichen wollte, scheint sich Arno Schmidt alias "Wallder" mit seinem steinernen Herzen inmitten der Spießergesellschaft mehr und mehr geradezu kannibalisch wohl zu fühlen: "'Das hieß mindestens 10 weitere Jahre gelehrten Müßigganges!'", jubelt er nach dem Geldzählen am Schluss und denkt schon an die Karteischränke, die er bestellen wird.(219). Während die genannten Vorläufer ihre Figuren jeweils aus der Distanz beaobachten, identifiziert sich Schmidt mit seinem Helden (ein Blick in Wikipedia zeigt darüber hinaus, wie deutlich er autobiografisches Material verarbeitete). Zwar bleibt eine gewisse Ironie erhalten, aber der Sammler ist am Ende doch der Held der kleinen Hausgemeinschaft - so souverän wie Old Shatterhand in den Romanen von Karl May, die Schmidt so sehr bewunderte. Was bleibt also? Der avantgardistische Gestus, seine Schreibweise können nach wie vor interessieren, die politischen und sexuellen Provokationen können einen indessen kaum noch irritieren, die Details seiner Sammelleidenschaft können Spezialisten und bekennende Niedersachsen amüsieren, aber das Ganze erscheint mir doch eher peinlich. Was die deutlichen Anspielungen an Goethes Wahlverwandtschaften betrifft: Bei Goethe eine subtile Charakter- und Beziehungsstudie, hier die platte Gemütlichkeit der vier Genossen, von denen vielleicht Line noch am ehesten etwas Tiefe gewinnt. Arno Schmidt? Eher nicht.
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11 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sonderbar..., 11. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 (Taschenbuch)
"Das Steinerne Herz" ist eigentlich von Wilhelm Hauff; und auch sonst strotzt diese Geschichte von literarischen Anspielungen - und der Leser ertappt sich dabei, daß er sich jedesmal einen Gummipunkt verleiht, wenn er's erkannt hat.
Herr Eggers, der Ich-Erzähler, betreibt mit krimineller und kriminalistischer Energie die Vervollständigung seiner Sammlung Hannoverscher Staatshandbücher (was immer das sein mag) und bleibt doch am Ende in den Banden kleinbürgerlicher Zufriedenheit hängen; das ist ungefähr die Geschichte. Frappierend ist, daß man weiterliest, obwohl man die Erregung des Protagonisten anläßlich statistischer Details nicht teilen mag, und obwohl gleich absehbar ist, daß viel anderes vor Ende der Erzählung nicht passieren wird. Die innovative Sprache lockt den Leser weiter; wenn er sich auch fragt, ob das Überladen jedes einzelnen Satzes mit Effekten einem anderen als Arno Schmidt durchgehen würde. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchdacht, 2. Mai 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das steinerne Herz (Gebundene Ausgabe)
Ja, das Überladene seiner Sätze ist gerade das Schöne. Wahrscheinlich gefällt das nicht jedem. Mir hat es gefallen. Man denkt auch später noch oft nach, wer wohl was bedeutet.
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5 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der HURZ der Literatur, 24. März 2010
Jeder mit einer positiven Bewertung dieses Textes sollte sich einmal den HURZ von Hape Kerkeling zu Gemüte führen.
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3 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Chaotischer Schwachsinn, 24. März 2010
Man kann die Seiten eines Buches auch mit Satzzeichen füllen - aneinandergereiht in nicht nachvollziehbarer Weise. Soll wohl tiefsinnig-intellektuell wirken.
Sie ersetzen die Worte.
Allen voran die unendlich überflüssigen, französische Anführungszeichen die sich einen erbitterten Kampf mit Doppelpunkt und Fragezeichen liefern.
Der Inhalt ist nur zu erahnen.
Ich lese viel und gerne, doch ein Hund, der Flecke in mein Gedöse blafft oder ein Mensch der zungeschwenkend Schicksale abliest wie Gedrucktes, übersteigt meine Neugier.
Diese Arbeit ist weder Papier noch Druckkosten wert.
Wandert umgehend in den Müll.
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Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954
Das steinerne Herz: Historischer Roman aus dem Jahre 1954 von Arno Schmidt (Taschenbuch - 20. Juli 2004)
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