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am 26. November 2007
Günter de Bruyns Ironie ist unverwechselbar. Sie kann liebenswürdig sein, voller Humor,polemisch oder satirisch; zynisch gibt sie sich nicht. Sie spottet über Schwächen und Fehler, aber sie nimmt ernst, was menschlich ist. Absolute Urteile - dies sei gut, jenes schlecht - schließt sie aus. Sie schafft Abstand, damit man genauer sieht, was man zu kennen glaubt....

An einem Tag im Januar, auf einem einsamen märkischen Waldweg, begegnen sich zwei Kenner und Verehrer des vergessenen Dichters Max von Schwedenow: Professor und berühmt der eine, Dorfschullehrer der andere, SchwedenowForscher aus Leidenschaft. Gemeinsame Projekte werden entworfen, eine Freundschaft beginnt. Sie endet jäh, als der eifrige Lehrer eine Entdeckung macht. Ein Datum könnte den Mythos zerstören, den der Professor um den "märkischen Jakobiner" errichtet hat. Doch es fehlt der Beweis. Hat der Lehrer die Wahrheit in der Hand, wenn er jenen obskuren Ziegelstein findet?
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am 27. September 2009
Aufgrund einer Autopanne lernt der renommierte Literaturprofessor Menzel den unscheinbaren Dorflehrer Pötsch kennen. Bald finden sie heraus, dass sie beide das selbe Steckenpferd haben, den mysteriösen lokalen Dichter Max von Schwedenow, um 1800 lebend, von Menzel der "Deutsche Jakobiner" genannt.
Die beiden freunden sich an, wobei es ein ungleiches Verhältnis ist, der berühmte Professor will von Pötsch verehrt werden, was dieser auch zunächst eifrig betreibt. Quasi als Belohnung erhält er die Möglichkeit, in das neue Institut für Literaturgeschichte wechseln zu können und akademische Karriere machen zu können. Doch Pötsch stößt bei seinen Schwedenow-Forschungen auf Details, die nicht in das vom Professor gezeichnete Bild passen und aus einem Revolutionär einen Reaktionär machen.
Die kurzweilige Erzählung "Märkische Forschungen" erschien 1978 in der DDR. Auch mir als gelerntem Westdeutschen entging nicht, dass das Buch kritische Töne anstößt. Professor Menzel ist ein Karrierist und überzeugter Parteigänger der SED. Als Pötsch ihn mit seinen Vermutungen konfrontiert, kann nicht sein, was nicht sein darf. Wen interessiert die historische Wahrheit, wenn's um die Sache des Sozialismus geht?
Aber die Konstellation ist zeitloser. Hier der Professor, der Medienstar, ein begnadetes Show-Talent. Dort der detailversessene Lehrer, ein unermüdlicher Arbeiter, Eigenbrötler. Nur ist es Pötsch, der wissenschaftlich arbeitet, unspektakulär, und am Ende sogar von den "Falschen" vereinnahmt, während der Professor vor lauter Populismus seine eigentliche wissenschaftliche Aufgabe schlicht vergisst. Warum muss ich da jetzt an Guido Knopp denken??
Günter de Bruyns 100 Seiten starke Erzählung ist bestens geeignet für eine vergnügliche Zugfahrt.
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am 27. Juli 2009
Gern stelle ich mich Werbeaktionen für dieses Buch wie auch für den gleichnamige Film (Märkische Forschungen (+ Bonusfilm: P.S.)) zur Verfügung, auf daß diese Kunstwerke wieder mehr unter die Leute kommen mögen! Hier werden mit brillanter Ironie Abgründe des Wissenschaftsbetriebes vorgeführt - und nicht nur das, sondern Unzulänglichkeiten des Allzumenschlichen, die auch andernorts vorkommen. Das ist allgemeingültig, für alle Zeiten und alle Gesellschaften. An diesen Werken wird man sich - wie an denen WILLIAM SHARESPEARES - noch lange ergötzen, wenn sie vielleicht auch zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten sind (War das nicht bei SHAKESPEARE auch so?)! Der heutige Leser merkt kaum, auf welchem Boden das gewachsen ist. Beim Film von ROLAND GRÄF wundern sich natürlich Spätgeborene gleich am Anfang: Was ist denn das für ein seltsames Auto, mit dem die da im Schlamm stecken bleiben? Der Schlamm scheint mir sinnbildhaft - aber das ist gottseidank Vergangenheit.

Nachdem ich von gewissen Unbelehrbarkeit demonstrierenden Memoiren gehört hatte (glücklicherweise liest ja kaum jemand solch Kram) ging nächtens mein Klappmesser in der Tasche auf, das ich natürlich stets - auch im Nachtgewand - bei mir trage. Da ist nun aufgeschnappt, ich bin eingeschnappt und schnappe zu: Wir waren uns - als Buch und Film seinerzeit neu in der DDR erschienen waren - sofort einig, mit Professor Menzel konnte nur der manchmal menschelnde, aber kreuzgefährliche Prof. Einsgeweih gemeint sein und mit Dr. Albin, seinem liebedienerischen Stellvertreter, kein anderer als der hinterhältige Dr. Kossät. Brattke - das war doch der ironisch-sympathische Dr. CHRISTIAN ZAK und Frau Dr. Eggenfels die mütterlich-besorgte Dr. Lupus! Und war ich da nicht als Ernst Pötsch wiedergegeben, der naiv nicht merkte, was gespielt wurde und es allzulange auch gar nicht wissen wollte, oder war damit der arglos-treuherzige Dr. DIETER PÜSCHEL gemeint? Schade nur, eine ebenso liebenswürdige wie ahnungslose Assistentin Silbergewächs kommt nicht vor. Es muß hier auch - das hat mit den hervorragenden Kunstwerken freilich nichts zu tun, aber da bleibt noch eine schwere moralische Schuld - der Assistentin Azur gedacht werden, die tragischerweise das alles nicht ertragen konnte. Oder war der leutselig-gefährliche Menzel etwa dem ganz offen seine Macht verteidigende ("Wer hier eingeht, laß alle Hoffnung fahren", hatte der vor allen Mitarbeitern drohend gesagt.) Prof. Bull nachgebildet und die "promovierte Null" seinem schleimig-beschränktem Adlatus Dr. Todacker? Und woanders war man sich sicher, da war der zu allem fähige (wie er immer noch eitel memoirenschreibend von sich selbst kund tut und andere von ihm befürchteten) Prof. Höll mit seinen hochstaplerischen Satrapen Dr. Erpsenspeck und Dr. Dünnlich gemeint. Und der Minister, dessen betont unauffällige Präsenz stets nie irgendwer übersehen konnte, zumal jeder wußte, daß der letztlich entschied, wer publizieren durfte und was, wer in der Wissenschaftsgemeinde bekannt wurde, Karriere machen konnte und wer nicht. Das kannte man doch (In Wahrheit war das natürlich ein Parteigrande.)! Und GÜNTER DE BRUYN versäumte auch nicht die Gelegenheit, zu zeigen, daß es des Eingreifens der Oberzensurbehörde meist gar nicht bedurfte - auch die Schere im Kopf wird meisterhaft vorgeführt. Nur die Kaderleiterin, Gott wird sie richten, eine Frau wie man sich eine KZ-Aufseherin vorstellt, hatte GÜNTER DE BRUYN nicht abgebildet. Die Wirklichkeit ist eben manchmal so abgedreht, daß sie kein Künstler glaubhaft nachgestalten kann. Daher kommen wohl die DDR-KZ-Schergen in der Kunst nicht vor.
Und niemand konnte wohl ahnen, welch "fauliger Brei" (PETER RUBEN: Neues von der philosophischen Front. In: Berliner Debatte INITIAl Heft 1-2/2006. Wieso wundern wir uns eigentlich, daß sich gewisse Ex-DDR-Bonzen genauso verhalten wie unbelehrbare Nazis?) da noch Jahrzehnte später - nachdem wir dem stinkenden Sumpf glücklich, wenn vielleicht auch leicht beschädigt, entronnen waren - ausgeschüttet wurde.
Auch am Zentralinstitut für Geschichte hatte man vermutlich keinerlei Zweifel, GÜNTER DE BRUYN habe es mit dem ZIHiHi kuntsgerecht nachgestaltet. Oder war das das Institut für Literaturwissenschaften? Und das Haus, das als Institutsgebäude im Film zu sehen ist, war das nicht...? Woher kannte der uns so genau? GÜNTER DE BRUYN und ROLAND GRÄF brauchten uns gar nicht zu kennen, um uns darzustellen: Die DDR war voll von solchen Typen - und nicht nur in Philosophie, Geschichts- und Literaturwissenschaften! Skrupellose Frontkämpfer, Einflüsterer, Leiblügner, Handlanger (manche zu allem willfährig, andere ließen sich zur Jagd tragen), Nach-dem-Munde-Schwätzer, Plagiatoren, Schreibknechte, Spiegelfechter, geistige Frührentner, Leib- und Geisteigene - und manchmal auch Naivlinge! Allein sympathisch sind da wohl nur irgendwie die Schubladen-Protestierer, was GÜNTER DE BRUYN sehr schön im Doppelpack vorführt. Aber: GÜNTER DE BRUYN hat seine Erzählung einige Jahre vor dem Intellektuellengezänk geschrieben, auf das ich mich hier wenig verklausuliert beziehe. Kunst als vorauseilender Treppenwitz!? Das wäre ja nicht ungewöhnlich. Auch der Ausspruch, "...dann sollen sie doch Kuchen essen", war schließlich schon Literatur, bevor MARIE ANTOINETTE es gesagt haben soll (Jean Jacques Rousseu: Les Confessiones. 4. Buch 1782). Man könnte auf die Idee kommen, daß Wirklichkeit mitunter nichts anderes als inszenierte Dichtung ist.
Mit den intellektuellen Fähigkeiten der DDR-Sozialwissenschaftler scheint es auch nicht weither zu sein (Ich schließe mich da durchaus ein.). Vom Gegenteil könnte mich nur eine satirische Aufarbeitung dieses "Wissenschaftssystems" überzeugen. Oder ist mir da etwas entgangen? Aber wir haben ja die freundlich-bissigen Werke GÜNTER DE BRUYNS, über die seinerzeit die ganze intellektuelle DDR, die, die noch halbwegs bei Verstand waren, wie deren sehr reale Plagegeister rätselten. Alle wunderten sich: Wie war es möglich gewesen, daß dieses wie andere Bücher von GÜNTER DE BRUYN und der Film von ROLAND GRÄF die Zensur passiert hatten? Es war möglich! Zu allen Zeiten hat Borniertheit der Zensur beste Bloßstellungen der Verhältnisse nicht bemerkt, weil die Kunst sie auf das Niveau des Allzumenschlichen gehoben hat. Aber darauf konnte man sich nicht verlassen. Das ist ja gerade das Wesen von Diktatur, nicht Herrschaft Einzelner oder Weniger, nicht Überwachung und Grausamkeit - das auch, sondern, daß man sich niemals auf etwas verlassen kann. So ängstigt sie dich, so macht sie dir trügerisch Hoffnung, so kriecht sie in dich hinein, so korrumpiert sie dich.

"Märkische Forschungen" war der Kultfilm der unhörbaren zornigen jungen Männer in der DDR! Das war wohlfeil. Auch seinen Zorn oder Protest in die Schublade hineinzuschreiben, war noch kein Widerstand, sondern nur eine Art innere Emigration, ein intellektueller Schrebergarten. WOLFGANG TEMPLIN wurde dann zu einer der rühmlich-hörbaren Ausnahmen. Das ist heute vielleicht nicht mehr wichtig - vielleicht doch, als Mahnung und Warnung und daß der eine oder andere fröhlich von seiner Vergangenheit scheide (CHRISTIAN, den ich - wie alle anderen hier mit ihrem Namen Erwähnten - gefragt habe, ob er das will, meinte dagegen: So fröhlich ist dein Text aber nicht.). Ich bin überzeugt, auch das Publikum, das gar nicht mehr weiß, was "DDR" bedeutet, wird an diesem Werk sein Vergnügen finden und manche (aktuelle) Wirklichkeit wiedererkennen. GÜNTER DE BRUYNS Erzählung ist voller bühnen- und filmreifer Kabinettsstückchen und die hat ROLAND GRÄF mit hervorragenden Schauspielern ins Bild gesetzt. Und liebe Fernsehintendanten: Machen Sie doch mal unserem verehrten MARCEL REICH-RANICKI eine Freude und bringen Sie diesen Film! Der wird - da wette ich drauf - nur meckern, daß die eine Liebesgeschichte darin etwas zu verborgen ist und die andere nur am Rande vorkommt.

Ach so, für die, die nicht mehr wissen, was "DDR" ist - Sie haben da auch nicht wirklich etwas versäumt: Das ist die Abkürzung für Deutsche Demokratische Republik, eine Art offizieller, dreifacher Tarnname für das Gebiet im Osten Deutschlands, das bis 1990 nicht eigentlich zu Bundesrepublik gehörte, die aber zumindest teilweise durch Zahlungen das unselige Fortbestehen der DDR für eine Weile verlängert hat. Die Erfinder des Wortungetüms "Deutsche Demokratische Republik" haben mit gleichsam umgekehrter Freudscher Fehlleistung ihre Verschleierungsabsicht selbst offenbart: Indem sie glaubten, zu "Republik" noch das Adjektiv "Demokratisch" hinzuzufügen müssen - also übersetzt eine volksherrschaftliche Volksherrschaft - offenbarten sie, daß sie die Vorstellung einer undemokratischen Respublica im Kopf hatten, was sie dann ja auch praktisch umgesetzt und gleichzeitig mit großem, letztlich vergeblichem Propagandaaufwand stets geleugnet haben. Die Erfinder und Herrscher über besagtes Ungetüm trauten aber ihrer eigenen Propaganda nicht und versteckten das darin doppelt enthaltene Volk im Kürzel DDR. Praktischerweise war damit auch das Deutsche versteckt, das sie wohl noch mehr fürchteten und haßten, als "ihre" eigene Bevölkerung. Von der ganzen Welt völlig unerwartet (selbst nicht vom Innerdeutsche Ministerium, das so wohl wie selten eine andere Regierungsinstitution seine Überflüssigkeit bewiesen hat) ist die DDR plötzlich zugrunde gegangen an offen ausgebrochener, aber - wie sich dann herausstellte - sehr lange latenter, dann rasant verlaufender politischer Schwindsucht. Wer sich da als Arzt hätte betätigen wollen, wäre sicher bald selbst in Schwierigkeiten geraten. Schließlich hat sich die Leiche - seltener Fall - fröhlich selbst zu Grabe getragen.

"Märkische Forschungen" gibt auch - aber nicht vordergründig - ein authentisches und nicht nachträglich hergestelltes Gegenbild zur grassierenden entsetzlichen DDR-Nostalgie, kein vergangenheitsseliges, auch kein larmoyantes sondern einfach ein allgemeinmenschliches.
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