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am 27. Februar 2010
Seine ideale Arbeitssituation schildert Franz Kafka (1883-1924) in einem Brief an Felice Bauer vom Januar 1913. Der Schriftsteller erscheint als Höhlenbewohner, der "mit Schreibzeug und Lampe im innersten Raume eines ausgedehnten abgesperrten Keller" sitzt. Das Tageslicht meidend erspürt er den Strom seiner ganzen Einbildungskraft in voller Konzentration. Radikale Abtrennung ist höchste Form des Literaturschreibens, sie gleicht einer Ekstade in religiöser Versenkung. Imagination und profane Außenwelt werden verbunden. Und doch gelangt Kafka mit seinem Werk in äußerst präziser Abstraktion zum Leser. Sein Dunkel wird erst erhellt, wenn man ihn versteht. Nirgends deutlicher erfährt man diese seine Haltung in der Entschlüsselung von "Das Schloß".

Kafkas weiteres Spektrum beinhaltet die Ambivalenz von These und Antithese, seine Dialektik führt er ad infinitum, Synthesen sind nur kurze Halte und scheinbares Stillstehen. Jede neue Überlegung, jede Frage ist pure Dynamik. "Auf dem Lande erwartet man mich doch. Macht man sich schon Gedanken?" Er ist noch nicht dort und spürt bereits dem futurum exactum nach. Und in dieser Überlegung steht dann weiter die Dialektik auf dem Prüfstein. Denn die Antithese wird nicht zur gegenteiligen Meinung gebraucht, sondern Kafka verfährt mit ihr wie mit einer Bestätigung der These mit andern Mittel. Eine Bestätigung einer These wird zur neuen Frage, unausgesprochen. "Aber ich habe ihr die Woche über, seit sie auf dem Lande ist, nicht geschrieben, nur heute früh. Da stellt man sich sich schon mein Aussehen am Ende anders vor." Seine Überlegungen und Vorahnungen, falsch aufgenommen zu werden, führen zu Maßnahmen der Klärung und Sicherheit: "Ich werde sie böse machen, wenn ich komme." So erzeugt er planbares Verhalten im anderen, aber er zeugt auch davon, dass nichts so sicher ist, wie der Zweifel. Dubio, ergo sum. Die Geschichte der Philosophie kennt manche argumentative Verfahren, um durch Negation zur Wahrheit zu gelangen. Jene sokratessche Ironie zeigt sich bestens in Platons Dialogen, vor allem im ION. Bei Descartes kennen wir gleiches.

Neben diesen Hochzeitsvorbereitungen umfasst dieses Werk aus dem Nachlaß ein sehr intimes Bekenntnis zur Beziehung zu seinem Vater. Jener "Brief an den Vater" ist ein Geständnis von Furcht vor seinem Vater verbunden mit der Notwendigkeit, um nichts zu vergessen, die Antwort auf genau jene Frage seitens des Vaters über sich eben schriftlich geben zu müssen. (Aber nutzen Sie den LINK zur dortigen Rezension.)

Desweiteren hat Kafka für all seine Stücke, Erzählungen, Romane, Parabel etc Kurznotizen verfasst. Diese Kurznotizen sind Gedanken zu, über und in Verbindung zwischen seinen Werken und seinen Ideen, Empfindungen. In seiner Schaffensperiode wurden acht Oktavhefte herausgegeben, die in diesem Band vereint sind, wie auch weitere Fragmente aus Heften und losen Blättern. Auch hier sind Ironie und Zweifel tragende Elemente, jedoch weniger zur Wahrheitsfindung an sich, vielmehr sind sie Fingerzeig auf die Brüchigkeit von Erkenntnis. Jene "ironische Demontage von Bildungsmythen", wie sie im "Schweigen der Sirenen" oder "Die Wahrheit über Sancho Pansa" allzu deutlich wird, zeigt Kafkas Denkleistung zur Umkehr und als neue Versuchsanordnung von Leben.

"Was ich zu tun habe, kann ich nur allein tun. Über die letzten Dinge klar werden." Die Leistung der Negation ist bei Kafka mit Zürau verknüpft, Zürau, ein kleiner böhmischer Ort, in welchem er acht Monate im Haus seiner Schwester Ottla verbrachte, er dort seine Zürauer Konvolute verfasste, seine Aphorismen, seine Oktavhefte, seine Vorstellungen niederschrieb. Zwischen Schuld und Erlösung, zwischen Leben und Glauben balanciert er seine Gedanken, mit einem Ziel, für den es keinen Weg gibt. Alles, wo er Weg erkennt, ist Zögern. Jener Topus im Leben Kafkas ist ein vertrautes Unbehagen am möglichen Ich-Genuss. Sein Egoismus ist gestoppt am Entweder-Oder Prinzip eines Kierkegaards, sein Aufenthaltsort ist im Paradoxen, "jenseits der Lehre" ist eine Übersetzung, dort, wo auf Probleme und Fragen keine Antworten zur Wahrheit zu finden sind. "Fragen aber, die sich nicht selbst im Entstehen beantworten, werden niemals beantwortet." Damit ist zwischen Frage und Antwort keine Entfernung, zumindest bleibt die paradoxe Erkenntnis, die Frage nach Erkenntnis ist ohne Antwort, wohl aber ist in ihr eine Hoffnung auf einen erahnten Horziont. Zwischen allem jedoch ist Abgrund, er ist seine Brücke und doch steht "sein Denken der eigenen Auslöschung entgegen" (Stach). Weniges in der Literatur ist den Oktavheften vergleichbar. Valerys Notizhefte oder Pascals Pensees kommen den Notizen Kafkas an nächsten. Und doch sind sie in einer Weise jenseits allen Erkenntnisvermögens, vielleicht darüber hinaus in der klaren, sauerstoffarmen Zone zwischen Wissen und Weisheit. Niemals am Ende, immer in der Forderung nach neuer Deutung.

Das Buch schließt mit den Paralipomena. "Er hat den archimedischen Punkt gefunden, hat ihn aber gegen sich ausgenützt, offenbar hat er ihn nur unter dieser Bedingung finden dürfen." So blieb er Herr der eigenen Lage, zumindest als Schriftsteller und Anwalt gegenüber seinem Vater, dem er im niemals abgesendeten Brief mitteilte: "Ich hatte, seitdem ich denken kann, solche Sorgen der geistigen Existenzbehauptung, daß mir alles andere gleichgültig war." Diesen "Sorgen" verdanken wir Leser das bedeutende Werk eines bedeutenden Dichters.
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