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Kundenrezensionen

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am 21. Mai 2003
"Die Schachnovelle" von Stefan Zweig hat mich gleich mehrfach begeistert.
Zum einen ist die Erzählweise von Zweig interessant, eine Geschichte in einer Geschichte, das ist hervorragend gemacht. Zum anderen ist es natürlich das Thema selbst, das einem unter die Haut geht. Man kann sich garnicht vorstellen, wie groß die Strafe für einen Menschen ist, dem "nichts weiter" angetan wird, als ihn vollkommen von der Außenwelt zu isolieren. Darum geht es und auch darum, was der menschliche Geist dann für "Kopfstände" macht und wie sehr solch ein Erlebnis das ganze Leben eines Menschen verändert, ja ruiniert! Ausgezeichnet beschrieben, wirklich sehr zu empfehlen!!! Und um Längen besser als der Film, in dem viele Szenen aus dem Buch, sogar Figuren, garnicht auftauchen!!! Also, lieber lesen als glotzen!
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am 21. Januar 1999
Das ist mein Lieblingsbuch. Ich habe es bestimmt schon zehnmal gelesen und bekomme trotzdem nie genug davon. Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn Sie den gleichnamigen Film kennen, der die großartige Geschichte nur streift und an keiner Stelle die Qualität des Buches erreicht (wie es ja meistens ist, wenn Bücher verfilmt werden). Die Protagonisten in dieser Geschichte sind Schachspieler, daher der Titel. Selbst wenn Sie nichts vom Schach verstehen, werden Sie dieses Buch mögen, wenn Sie sich auch nur marginal mit dem königlichen Spiel befasst haben, werden Sie es LIEBEN! Die Geschichte ist so dicht und geradlinig erzählt, daß an absolut keiner Stelle Langeweile aufkommt, die Personen so hervorragend gezeichnet, daß man nach der Lektüre versucht ist, im Lexikon nachzuschlagen, ob sie nicht tatsächlich existierten! Das Buch ist vom Umfang her ideal für ein Wochenende, nicht zu kurz und nicht zu lang. Die Geschichte hat keinen Durchhänger, der Autor hat an keiner Stelle versucht, Zeit und Seiten zu schinden oder den Leser mit irgendwelchen unnötigen Hintergrundinformationen zu langweilen. Selten hat man einen solchen geraden und verständlichen und trotzdem so dichten und vielschichtigen Schreibstil gesehen. Vermutlich werden Sie es in einem Zug auslesen, denn die Geschichte wird Sie fesseln, sobald Sie sich nach der ersten Seite eingelesen haben, wenn Sie dennoch eine Lesepause einlegen sollten, wird die Geschichte Sie verfolgen, bis Sie weiterlesen. Egal, auf was Sie verzichten müssten, verzichten Sie und kaufen Sie dieses Buch! Wenn ich auf eine einsame Insel müßte und ein Buch mitnehmen dürfte, dann wäre es die Schachnovelle. Das wird auch Ihre Meinung sein.
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am 27. Januar 1999
Sicher ist diese Novelle, die trotz ihrer Einzelbindung nicht zum Buch wird, ein erzählerisches Meisterwerk des Stefan Zweig. Sicher ist es derart fesselnd, daß es in einem Zug gelesen wird. Faszinierend sind in der Tat die Protagonisten gezeichnet. Psychologisch ins kleinste Detail der Seelenzustand verdeutlicht, ohne dabei trocken oder langweilig zu wirken.Im Gegenteil! Der Urtrieb der Menschen, die Neugierde, wird auf das stärkste gereizt, weiterzulesen, mehr zu erfahren über das Leben des labilen Protagonisten.
Wer dieses "Buch" allerdings nur als geniale Literatur für lange Tage auf der Insel sieht, der verdrängt die Tiefe Bedeutung, die Stefan Zweig hier gekonnt metaphorisch dem Leser vorlegt. Die grundlegende "Message", die Stefan Zweig dem Leser nahelegen will ist die der unglaublichen Brutalität der Nazis.
Er, ein überzeugter Pazifist, wurde durch die destruktive Art dieser deutschen Zeit besonders getroffen. Insbesondere sein Traum vom vereinten Europa - den wir nun zu vollenden suchen!- wurde duch die abfällige Politik dieses immer noch nachlebenden Deutschland vergiftet.
Die Schachnovelle, sein letztes Werk bevor er 1942 freiwillig aus dem Leben schied, daher eine "Quittung" an das Deutschland, das sein Leben so stark beeinflußt hat, so stark in die Melancholie getrieben hat. Die Metapher des stratgischen Schachspiels wird hier verwendet, um die brutal berechnende Art der Nazis zu abstrahieren. Jeder Zug im politischen Irrsinn jener Zeit dient nur dem Ziel, jenem "Endziel" der alleinigen Macht. Ebenso hat das Schachspiel ein Endziel, das Schach des Gegners. In ebenso zermürbender Gewalt wie ein überlegener Schachmeister einen begabten Amateur Zug um Zug um den Siegeswillen bringt, bringen die Nazis jenen vergewaltigten Protagonisten geschickt um Verstand und Wille.
Wie ein Schachspieler angestrengt Zug um Zug nach seiner Chance sucht, Zug um Zug seine Unterlegenheit verdeutlicht sieht, sucht der gemarterte Protagonist, den Opressor zu verstehen, zu hintergehen. Ebenso aber wie der begabte Amateur sieht er sich hilflos gegenüber, sieht sich Zug um Zug zerknetet in der Mühle der unbezwinglichen Übermacht. Der Gegner, die Nazis, verstehen das Spiel besser als er und treiben den unfruchtbar ehrgeizigen in den Wahnsinn.
Die Schachnovelle, jene biographische Begründung des Selbstmordes von Stefan Zweig, zählt auch meiner Meinung nach zu dem überragendsten literarischen Werk, das spannende Erzählkunst mit hinterlegter künstlerischer Botschaft vereint.
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am 10. Juni 2016
Kurz zum Inhalt:
"Weltschachmeister Mirko Czentovic" spielt auf einem Passagierdampfer, der von New York nach Buenos Aires ablegt, Schachpartien für einen angemessenen Obulus gegen eine Gemeinschaft schachinteressierter Passagiere. Dieser Passagier-Allianz hilft später ein Dr. B. Ein Mann, der von der Gestapo inhaftiert und verhört wurde, und der der Einsamkeit seiner Haft, dem "quälenden Nichts", durch Studieren eines gestohlenen Schachbuchs mit dem darin enthaltenen Meisterpartien zu entgehen versucht. Nachdem er die Meisterpartien bis zur Neige vollkommen auswendig kennt, spielt er im Geiste Schach gegen sich selbst, und verfällt dabei im Spiel "IchWeiß" gegen "Ich Schwarz" der von S. Zweig so genannten "Schachvergiftung". Erst durch Hilfe eines menschenfreundlichen Arztes wird Dr. B. sowohl aus diesem "Wahnsinn" als auch aus der Haft befreit.
Zu den Romanfiguren:
Die Entwicklung des Jungen Mirko Czentovic, dessen " ...dumpfes, breitstirniges, schwerfällig arbeitendes Gehirn ... der simpelste Unterrichtsgegenstände nicht erfasst ..." zum alle Schachmeister schlagenden Genie, der alle Feinheiten des Schachspiels plötzlich wie durch ein "göttliches Wunder" beherrscht, der aber dann geldgierig nur gegen Bezahlung spielt, scheint mir doch stark überzogen.
Auch ist mir eigentlich unvorstellbar, dass die in der Novelle als "drittklassige" Spieler bezeichnete und mit Schwarz spielende "Passagier-Allianz" es in einer Partie geschafft hat, ihren schwarzen Bauern nach 17 Zügen auf das Feld c2 zu bringen und somit Gleichstand oder sogar ihrer Meinung nach "Vorteil" gegen den "Weltschachmeister Czentovic" erzielen. Hier nun greift Dr. B ins Spiel ein - mit der Erklärung, dass es "beinahe dieselbe Konstellation ist, wie sie Aljechin gegen Bogoljubow 1922 im Pistyaner Großturnier initiiert hat."
In diesem Büchlein (Lesebändchen) wird die Erreichung dieser Konstellation zwar schon mit dem 17. Zug deklariert, was aber nur ein *Druckfehler* sein kann, denn in der genannten Großmeister-Partie (Spanische Eröffnung) ist diese Stellung erst nach 37 Zügen erreicht. So ist es noch unwahrscheinlicher, dass diese "drittklassige" Spielerallianz es 37 Züge lang schafft, einem Schachweltmeister ebenbürtig zu sein.
Fazit:
Ungeachtet aller hier angeführten negativ kritischen Ausführungen hat Stefan Zweig mit seinem typischen, virtuosen, doch manchmal seltsamen Schreibstil eine hervorragende, spannende, zum Nachdenken anregende Novelle geschaffen. Und besonders eindringlich und ungeheuer intensiv versteht er es, den seelischen und psychischen Zustand des Dr. B. während dessen Gestapohaft zu schildern, so dass man regelrecht Angst vor solch einem "quälenden Nichts" zu verspüren beginnt.
Zum Schluss noch Anmerkungen zum Bucheinband (Lesebändchen): Die Draufsicht auf eine mit schachbrettartigen Wänden begrenzten Zelle ist in Hinblick auf Dr. B's "Schachvergiftung" äußerst treffend. Allerdings scheint der auf der Einbandrückseite vorhandene Buchwerbetext: "Für den kultivierten Großmeister Dr.B ist das Schachspiel ..." von einem Nichtleser des Buches verfasst worden zu sein.

Nachtrag am 17.6.2016 zu: ... *Druckfehler*:
Nachdem ich in einer Buchhandlung die Novellensammlung von Stefan Zweig durchgeblättert habe und dabei die "Schachnovelle" etwas eingehender an der erwähnten Stelle las, bestätigte sich meine Annahme, dass es ein Druckfehler im "Lesebändchen" ist. Ganz eindeutig wird in dieser Novellensammlung der "siebenunddreißigste" Zug genannt, als man die entsprechende Spielstellung erreichte. Dazu meine Meinung wie vor: "So ist es noch unwahrscheinlicher, dass diese "drittklassige" Spielerallianz es 37 Züge lang schafft, einem Schachweltmeister ebenbürtig zu sein."
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am 31. August 1999
Wer sich schon einmal etwas länger mit dem Schachspielen beschäftigt hat, dem werden einige Curiositäten an diesem Spiel aufgefallen sein. Zum einen ist es egal, wie gut, oder wie schlecht man im Vergleich zu seinem Gegner spielt, man hat immer wieder aufs neue die Chance zu gewinnen, genauso, wie auch die Gefahr besteht, zu verlieren, obwohl der Gegner vielleicht strategisch unterlegen ist. Es kommt beim Schachspielen auf viele Qualitäten der Spieler an. Die wichtigste ist wohl, sich auf seinen Gegner einzustellen. Genau diese Qualität fehlt den beiden Hauptdarstellern in dieser Novelle. Auf faszinierende Art und Weise beschreibt Stefan Zweig, wie zwei sehr heterogene Menschen auf unterschiedlichem Weg zum Schachspielen kommen. Beide erlernen dieses Spiel aus einer eher zufälligen Situation und treiben es fast bis zur Perfektion. Als Leser wird man vom Fanatismus der Schachspieler und von den Möglichkeiten dieses "alten" Spieles mehr als nur gefesselt. Es kommt immer wieder zu Steigerungen, wo sie schon fast nicht mehr möglich sind. Die Leistungen die die beiden Spieler vollbringen sind geradzu unmenschlich, aber aus ihrer Geschichte heraus verständlich. Im Finale geht es wohl kaum noch ums Schachspielen, sondern um einen Kampf zwischen Genialität und Ehrgeiz.
Dieses Buch ist sehr nervenaufreibend und unheimlich spannend. Der schachspielende Leser beginnt automatisch mitzufieber. Der nichtspielende Leser entwickelt zwangsweise den Wunsch, dieses Spiel zu erlernen, um später festzustellen, wie treffend der Autor die Gefühle seiner Romanfiguren beschrieben hat.
Aber in dieser kurzen Novelle geht es nicht nur um Schach. Der Autor zeigt auch, wie grausam der Krieg sein kann, zu welchen "weichen" Foltermethoden die Menschen fähig sind und welche Leistungen das menschliche Gehirn vollbringt, wenn es, um sich zu retten, auf eine einzig Sache konzentriert. Dieses Buch ist keine Empfehlung, sondern ein "Muß". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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In diesem Klassiker von 1943 erzählt Stefan Zweig von einer interessanten Begegnung auf einer Dampferfahrt von New York nach Buenos Aires. Wie die Passagiere erfahren, ist der amtierende Schach-Weltmeister Czentovic an Bord, den sie schließlich aus Spaß zu einer Partie herausfordern. Nach einigen verlorenen Spielen erhalten sie überraschend wertvolle Hinweise von dem zurückhaltenden Passagier Dr.B.: obwohl er anscheinend seit 26 Jahren kein Schachbrett angefasst hat, macht er aus der sicheren Niederlage ein Remis gegen den Weltmeister! Später erzählt er von seiner traurigen Gefangenschaft in den Händen der Gestapo, die ihn durch Isolierhaft psychologisch brechen wollten. Monatelang war seine einzige Beschäftigung das gedankliche Schachspiel gegen sich selbst...
Mit 95 Seiten ist die Schachnovelle fast noch eine Kurzgeschichte. Es geht um eine an Verrücktheit grenzende Form des Schachspielens. Insbesondere für Schachfreunde ist es wunderschön zu lesen, wie Dr.B. nur durch das Schach die psychologische Folter der Gefangenschaft überstehen konnte und sich selbst zur Perfektion trainiert hat. Das zunehmend höhere Spielniveau und der mentale Kampf gegen sich selbst haben aber schließlich zu einer ausgewachsenen Schizophrenie geführt. Dieser Weg und das Finale gegen den Weltmeister am Ende sind faszinierend beschrieben - und bis zuletzt spannend. Das Buch ist so kurz und so mitreißend, dass man sich unbedingt den einen Nachmittag dazu nehmen sollte.
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Stefan Zweigs Schachnovelle ist eines der bekanntesten Werke der deutschsprachigen Literatur und auch eines der wohl komplexesten Bücher welches in den breiten Bereich der Beletristik fällt. Zweigs Klassiker wird aus der Sicht eines Ich-Erzählers vorgetragen, der auf einer Überseefahrt Zeuge eines Schachduells zwischen zwei Personen wird, die kaum unterschiedlicher sein können. Die eine Person ist die einzigartige Verkörperung eines Anti-Genies, des Schachweltmeister Mirko Czentovic, der im Grunde kaum mehr als ein ungebildeter Flegel ist, dessen einziges Talent in seinem meisterhaften Schachspiel liegt.

Die andere Person ist Dr. B, das genaue Gegenstück zum eigentümlichen Schachmeister, ein Intellektueller der von den Nationalsozialisten im Verlauf eines besonderen Folterprogrammes für Intellektuelle in ein fast vollkommen leeres Zimmer gesperrt wurde, um dort durch den Entzug jeglicher geistiger Beschäftigungsmöglichkeiten Geständnisse von ihm zu erpressen. Jedoch gelangt er in den Besitze eines einzigen Buches, über Schachpartien großer Meister, das er zunächst auswendig lernt und dessen Spiele er nachher eins zu eins nachspielt. In diesem Wahn gelingt es ihm schließlich seiner Hölle zu entkommen und so ist er an Bord dieses Schiffes gekommen. Um herauszufinden ob sein Tun damals bereits ein Akt des Wahnsinns war, willigt er schließlich ein eine Partie gegen den Schachmeister zu spielen.

Verglichen mit anderen Büchern ist die Schachnovelle etwas kürzer gehalten, doch der Spielraum der Geschichte reicht aus, um alle Aspekte der beiden Charaktere genügend zur Geltung zu bringen. Dieses Buch gehört ausnahmslos zur anspruchsvolleren Literatur und ich möchte es vor allem Jenen empfehlen, die sich für diese interessieren.
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am 8. September 1999
Die "Schachnovelle" von Stefan Zweig erzaehlt die Geschichte eines oesterreichischen Anwalts, der von der Gestapo zu Verhoerzwecken festgehalten wird. Um seinen Willen zu brechen, wird er in Einzelhaft gesperrt; die Isolierung uebersteht er nur, weil er ein heimlich hineingeschmuggeltes Schachbuch studiert, deren Partien er zunaechst mithilfe von kleinen Figuren aus Brotteig, spaeter nur noch im Kopf nachspielt und schliesslich mit einem Hoechstmass an seelischer Belastung gegen sich selber antritt. Die Geschichte, obwohl eindeutig mit politischen Implikationen gespickt, stellt jedoch auch zugleich den fesselnden Ueberlebenskampf eines Menschen vor, der, koerperlich unversehrt, versucht, geistig nicht zu verhungern. Hat man erst einmal angefangen zu lesen, faellt es schwer, wieder aufzuhoeren; so glaubwuerdig und mitreissend gelingt es dem Autor, das Innenleben der Figur zu beschreiben. Im Gegensatz zu ihr steht der in der Rahmenhandlung auftauchende Schachweltmeister Czentovic, der, seelisch abgestumpft und primitiv, nur durch blosses maschinelles Spielen ueberzeugt. Nicht zuletzt aus diesen beiden unterschiedlichen Charakteren, die am Ende der Novelle noch einmal gegeneinander antreten, ergibt sich die anhaltende Spannung; zudem kann diese Finale darueber hinaus auch als Kmapf zwischen maschineller Tumbheit und der sensiblen Humanitaet der Hauptfigur gelesen werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 20. April 2007
da der plot x-mal beschrieben ist, dazu kein wort mehr...was für mich nicht hoch genug gelobt werden kann, ist der aufbau von zweigs meisterwerk: die novelle beginnt als reisebericht des Ich-erzählers, dem zufällig bekannt wird, dass sich der verschlossene, arrogante schachweltmeister czentovic an bord seines passagierschiffes befindet. mehrere seiten lang schreibt zweig über die biographie des genies und wie die schiffsgesellschaft versucht, ein duell mit diesem zu erkaufen. erst ab mitte des buches tritt die eigentliche hauptfigur auf, der kränkliche doktor b., der mitten in die partie und somit in die geschichte hereinplatzt. in einem monolog, der ein gutes drittel der novelle ausmacht, erzählt der doktor dem ich-erzähler, warum er so verstört reagiert, als die schiffsgesellschaft ihn auffordert, gegen czentovic anzutreten. schliesslich lässt er sich dennoch überreden, und in einer zum zerreissen gespannten atmosphäre - zweig macht sie 'hörbar'! - zwingt er den meister nieder. als dieser ihn zur revanche auffordert, verfällt der doktor seinem niedergerungen geglaubten wahnsinn...

noch was zur sprache, die zweig spricht: ich habe selten so kunstvoll gedrechselte und mit fremdwörtern nicht grade geizende sätze gelesen, die dennoch so zu fesseln vermögen und sowohl das innenleben der figuren als auch das äußerliche geschehen so anschaulich vermitteln...

GROßARTIG!
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am 23. Juni 2014
Im Jahre 1942 begegnen sich auf einem Dampfer auslaufend von New York nach Buenos Aires vier Männer, die allein das Schachspiel verbindet. Der Schachweltmeister Mirco Czentovic befindet sich mit an Bord. Ein von seinem Wesen sehr stark unterbelichteter Charakter, ungebildet und plump und lässt sich durch eine List es Ich-Erzählers zu einer Schachpartier verleiten. Ein amerikanischer Gönner Mc Connor, einst mit Öl reich geworden, erklärt sich bereit, diese Herausforderung finanziell abzugleichen. Doch beide - Mc Connor als auch der Ich-Erzähler - sind dem Weltmeister deutlich unterlegen bis sich der Unbekannten, der Österreicher Dr. B wie sich herausstellt zur Partie gesellt und ein Spiel beginnt, das dem Weltmeister ein klägliches Unentschieden abringt.

"...als ob er die Züge aus einem gedruckten Buch ablesen würde" Pos269-270

Dr. B stammte aus einer Wiener Anwaltsfamilie, die über Generationen das Vermögen der Kaiser verwaltet hatte. Grund genug ihn abzuführen und im Hotel Metropol, dem Hauptquartier der Gestapo zu inhaftieren und im Nichts gefangen zu halten:

"bekanntlich erzeugt kein Ding auf Erden einen solchen Druck auf die menschliche Seele wie das Nichts." Pos 413-414

Das Nichts hatte ein jähes Ende als Dr. B sich schließlich eines Schachbuchs bemächtigte, das er in seine Zelle geschmuggelt hatte und ihm von nun an die Zeit vertrieb, bis ...

"Aus der Spielfreude war eine Spiellust geworden, aus der Spiellust ein Spielzwang, eine Manie, eine frenetische Wut, die nicht nur meine wachen Stunden, sondern allmählich auch meinen Schlaf durchdrang." Pos. 640-641

Die Schachnovelle von Stefan Zweig war das Buch, das mir vor vielen Jahren die Freude am Lesen geschenkt hatte! Und ich lese es immer wieder mit großer Freude und Begeisterung! Danke für die kostenlose und originale Kindle-Ausgabe, die diesem Kleinod viele neue Leser verschaffen wird.

Die Novelle ist nicht nur zeitlos bewegend und spannend sie ist auch in eine herausragende Komposition deutscher Sprache, die heute noch keineswegs angestaubt wirkt. Der Erzählfluss ist exemplarisch und meisterlich reduziert auf einen Kern seiner Zeit, der siegreich die Seelenlosen zurücklässt.
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