Kundenrezensionen


26 Rezensionen
5 Sterne:
 (22)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist Wahrheit?
Ethan, Sohn des Hoshaja, wird mit seinen Frauen und Kindern an den Hof des Königs Salomo gerufen, um den endgültigen, über jeden Zweifel erhabenen Bericht über das Leben und den Aufstieg des David ben Jesse, Vater des Salomo, zu verfassen. Entstehen soll nach dem Willen Salomos eine Art Heldenepos mit dem Zweck, ihn als legitimen Thronfolger zu...
Veröffentlicht am 5. April 2005 von weiser111

versus
1 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen fundamentloses Mythenzerkauen mit dünner Handlung
Heyms "König David Bericht" zerpflückt sämtliche Mythen um den sagenhaften Bibelkönig David. Rahmenhandlung ist die Berufung eines Historikers zu zeiten Salomos, einen "historisch anerkannten" Bericht über Salomos Vater zu verfassen. Damit gerät der Wissenschaftler zwischen die Fronten noch lebender Zeitzeugen, die ihn...
Am 5. September 2000 veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist Wahrheit?, 5. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Ethan, Sohn des Hoshaja, wird mit seinen Frauen und Kindern an den Hof des Königs Salomo gerufen, um den endgültigen, über jeden Zweifel erhabenen Bericht über das Leben und den Aufstieg des David ben Jesse, Vater des Salomo, zu verfassen. Entstehen soll nach dem Willen Salomos eine Art Heldenepos mit dem Zweck, ihn als legitimen Thronfolger zu etablieren, und dazu gehört auch, die Erwählung Davids durch Gott selbst festzuschreiben. Bereits der amtliche Arbeitstitel dieses Berichts strotzt nur so vor Ironie: der "einzig wahre, autoritative, historisch genaue und amtlich anerkannte" Bericht soll dies werden.
Ethan wird zum Mitglied einer Historikerkommission von Salomos Gnaden ernannt, ein glattes Parkett, wie er (und der Leser) schnell merkt. Eine heikle Aufgabe hat man ihm auferlegt -- schließlich blättert von jeder einschlägigen Lobreisung Davids der Putz, sobald man ein wenig dagegenklopft, und unter der Fassade kommt das Bild eines nicht allzu erfreulichen und recht intriganten Menschen zum Vorschein. Obendrein leben noch viele Zeitgenossen und Weggefährten Davids, deren Erinnerungen ein schlechtes Licht auf dessen Ruf werfen könnten. Andrerseits sind da Salomos Hofkamarilla und seine Geheimpolizei, die überall ihre Ohren hat.
Keine leichte Aufgabe also für Ethan, der sich nicht damit zufrieden gibt, den Mächtigen nach dem Mund zu reden, der aber auch nicht den Mut hat, offen zu rebellieren. Er will aber wenigstens selbst die Wahrheit wissen, und so macht er sich auf die Suche nach schriftlichen und mündlichen Quellen über Davids Werdegang. Was Ethan dabei findet, ergibt das Bild eines skrupellosen Intriganten, der über Leichen ging, und damit kann er bei Hof keinen Beifall finden, egal wie er es dreht und wendet. Er ist schlau genug zu wissen: Wenn er die Wahrheit schreibt, dann bekommt keiner seinen Bericht zu lesen. Also entschließt er sich, die Wahrheit zwischen den Zeilen zu verstecken -- und damit riskiert er schon fast zuviel.

Stefan Heyms "König David Bericht" ist nicht nur stilistisch ungemein treffsicher, es ist schlechthin ein satirisches Meisterwerk, das sich auf mehrere Arten lesen lässt. Zunächst einmal geht es um die biblischen Berichte über David und Salomo, die Heym nur wenig gegen den Strich bürsten muss, um eine ganz andere Geschichte zutage zu fördern als die, die man aus dem Religionsunterricht kennt. Heym phantasiert hier nichts zusammen, wie gesagt, er bürstet nur ein wenig gegen den Strich der kanonisierten Lesart. Es lohnt sich, die entsprechenden Berichte im Alten Testament (Die Bücher Samuel und das 1. Buch der Könige) während der Lektüre griffbereit zu haben. -- Ein Lehrstück in Sachen: Auf die Perspektive kommt es an.
Man kann diesen Roman aber gleichzeitig auf einer anderen Ebene lesen, nämlich als eine Auseinandersetzung über die Rolle des Intellektuellen in totalitären Systemen. Der "König David Bericht" ist nicht nur eine Abrechnung mit dem politischen System der real existiert habenden DDR. Freilich sind die Anspielungen deutlich; so wird z.B. Ethan mit fast denselben Worten des Hochverrates angeklagt, mit denen Abweichler in der DDR und anderswo diffamiert worden waren.
Vielmehr illustriert Heym anhand eines historischen Themas, wie korrumpierbar Wissenschaft und Wissenschaftler sein können, wenn sie in Diensten der politischen Macht stehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtsschreibung kann eine Dirne sein: SED-Kritik im Mantel der Bibelstudie, 10. Januar 2009
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Auf mehr als 270 Seiten entwarf Stefan Heym eine andere Lesart der alttestamentarischen Bibel: König Salomo, eine sehr unsympathische Gestalt, lässt sie schreiben, um seine Herrschaft zu legitimieren. Geschrieben ist der "König David Bericht" aus der Perspektive des zerrissenen Ethans, der zwischen Wahrheit und Legitimierung balancieren soll und eigentlich nicht will.
Heyms Buch erschien nicht umsonst zunächst im Westen. Er bediente sich nämlich zwar der Erkenntnisse moderner Bibelforschung, aber eigentlich lässt sich "Salomo" auch durch "Ulbricht" oder "Honecker" ersetzen.
Der Stil ist an Luther orientiert, doch auch nicht immer, das ist eins der vielen stilistischen Kniffe Heyms (der gleichwohl auch zwischenzeitliche "Längen" hat, das sei ihm nachgesehen).
Mehr oder gar die Handlung soll aber natürlich nicht verraten werden.

Das Buch lohnt sich (für West- wie Ostdeutsche) und ist eins der stärksten von Stefan Heym.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feine Satire - (leider) immer noch aktuell, 27. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist eine der feinsten politischen Satiren, die je geschrieben wurden. Der Roman hat gleich zwei Sujets: Vordergründig befasst er sich mit den biblischen Berichten über König David, fragt sich, wie wohl die zahlreichen Widersprüche, Ungereimtheiten und Anspielungen im Alten Testament zu deuten sind. Stefan Heym gibt dazu seine persönliche Interpretation - ohne Anspruch auf historische Wahrheit, aber mit viel Gespür für die politische Mechanik von Gesellschaften im Übergang vom Feudalsystem zum Absolutismus. Hintergründig ist das Buch eine Satire auf das Verhältnis von Macht und Wahrheit. Man kann eine unmittelbare Analogie zum DDR-Regime erkennen (auch beim gezielten Einstreuen von Bürokratensprache) oder auch zu Stalin (David) und Trotzki (Joab). Aber das Buch ist auch 15 Jahre nach dem Ende der DDR noch aktuell. Denn das, was Heym über die Entstehung der biblischen Bücher schreibt, kommt leider auch heute und auch bei uns noch vor: Die Verzerrung von Wahrheit und die Korruption von Wissenschaft im Dienste der Machterhaltung. Eine Randnotiz: Mich hat die Lektüre auch dazu angeregt, nach Jahren wieder einmal in der Bibel herumzuschmökern. Dabei bin ich auf einiges gestoßen, das eine Folgeband des "König-David-Berichts" rechtfertigen würde...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht, Intrige und Verrat, 10. Juli 2005
Wie ist König David auf den Thron gestiegen? Hat er erst den Philister Goliat getötet und somit den Thron erklommen oder heilte er König Saul, seinen Vorgänger, von dem ihn beherrschenden bösen Geist? Wie ist es zur Zeugung Salomos, des weisen Königs, gekommen? Zu solchen und anderen Fragen soll der Geschichtsschreiber Ethan in Stefan Heyms „Der König David Bericht" Antworten finden und in einem Bericht zusammenfassen.
Beauftragt wird er von König Salomo und einer Kommission, wodurch das erste Grundproblem der Geschichte schon sichtbar ist: König Salomo hat natürlich kein Interesse daran, dass sein Vater als blutrünstiger, machthungriger und gewissenloser Tyrann dargestellt wird. Er soll als der Hirte, der den Norden und den Süden Israels vereinigte, als der von Gott selbst auserwählte König dargestellt werden. Da auch der Prophet Samuel David verkündete, er werde der Begründer einer neuen, von Gott auserwählten Dynastie sein, will sich Salomo selbstverständlich in diese Tradition einreihen.
Ethan macht sich nun auf die Suche nach Zeugen und zuverlässigen Quellen, um den Bericht zu schreiben. Auf seiner Suche werden immer wieder höchst interessante Theorien zur Geschichtsschreibung und Machtsicherung aufgeworfen. Bei der Frage, ob Legende gleich Wahrheit sei, wird von der Kommission geantwortet: „Eine Legende, an die das Volk glaubt, gilt ebenso viel, wie die Wahrheit. Eigentlich noch mehr, denn die Menschen glauben eine Legende lieber als die Tatsachen." Oder: „Diskretion ist Wahrheit, gezügelt mit Weisheit". Wie soll denn nun dieser Bericht aussehen? So wie ihn König Salomo gern hätte oder wie Ethan ihn mithilfe seiner Nachforschungen erstellt? Es ist nicht schwer zu erraten, welcher der Berichte der Gültige sein wird. Diese Tatsache und ihre Folgen sind gerade das Erschreckende an der Geschichte!
Gesprochen wird Ethan brillant von Christian Redl. Er erfasst die Gefühlslage Ethans mit höchster Präzision, kann sein Unbehagen und Zweifel, seine Wut und Enttäuschung über seine Aufgabe und Salomos Beschlüsse wunderbar ausdrücken. Auch die Tochter Sauls und erste Frau Davids, Michal, wird grandios von Tilly Lauenstein gesprochen: mit zittriger und zugleich kraftvoller, wütender und zerrissener Stimme spricht sie von Davids Thronbesteigung.
Hilmar Thate als „Polizeichef" Benaja, Marylu Poolman als Ethans kranke Frau Esther und seine Kebse Lilith, Katharina Palm, sprechen ihre Rollen sehr überzeugend. Die unterlegten Männergesänge, die Nachrichten kundgeben, sind wirklich beeindruckend. Der Torhauptmann (Jürgen Watzke), der sobald er „Ausweis!" ruft immer von einer sehr komischen Trompete im Hintergrund begleitet wird, spricht seine Rolle als gelangweilter, schnoddriger Grenzkontrolleur und wirkt somit fast schon als heiteres Element in dieser doch eher düsteren Geschichte. Er und die anderen, selbst kleinsten Rollen werden mit größter Genauigkeit gesprochen. Dieses Hörspiel ist wirklich fabelhaft gelungen und absolut hörenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politische Satire auf Vergangenheitsbewältigung, 2. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Der biblische König Salomo benötigt für die Legitimation seiner Herrschaft einen autoritativen Bericht über das Leben seines Vaters und Vorgängers David. Ethan, der Historiker, wird damit beauftragt. Dieser sucht den goldenen Mittelweg, der weder gegen die göttliche Autorität noch gegen den verhängten Personenkult verstößt. Er forscht nach Zeugen der Wahrheit, findet sie und enthüllt damit die dunklen Züge einer blutigen Dynastie. Doch sie wird totgeschwiegen. Stefan Heym legt in seinem Roman die despotischen Praktiken und ihre ideologischen Modelle bloß, zeigt die grausamen Widersprüche und ihre Menschenfeindlichkeit. Was der Bericht verschweigen soll, wird gerade durch das Scheitern sichtbar: Davids berechnende und skrupellose Machtpolitik, Mord, Diebstahl und Ehebruch. Schließlich wird Ethan der Prozeß wegen "literarischen Hochverrats" gemacht. Stefan Heym's Roman von 1972, eine politische Satire auf kommunistische Vergangenheitsbewältigung, zeigt deutlich den Konflikt zwischen Geist und Macht in allen Gesellschaftsepochen. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heym in Höchstform, 9. März 2012
Von 
Dr. Lothar Jahn (Hofgeismar) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch habe ich an einem Sommertag vor vielen, vielen Jahren bei einer guten Bekannten in die Hände bekommen, und ich konnte nicht aufhören, bevor ich es durchgelesen hatte. Stefan Heym ist sehr detailreich und mit großem Einfühlungsvermögen der Frage nachgegangen: "Welche historischen Fakten könnte sich hinter dem biblischen Text von David wirklich verbergen?". Dabei gelang ihm eine fast zeitlose Darstellung repressiver, egoistischer Herrschaft, die sich in vergleichbarer Form in vielen Epochen wiederfindet. Dazu gehört auch das Verhältnis zwischen den Intellektuellen und den Mächtigen, das für seine eigenen Biografie ja immer wieder bedeutsam wurde. Sowohl literarisch, als auch theologisch und historisch ein hochinteressanter Roman, dazu noch mitreißend geschrieben. Muss man eigentlich gelesen haben...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungemein zeitlos!, 28. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Stefan Heym ist mit diesem Roman eine ungemein schlüssige Bloßstellung durchtriebener und im höchsten Maß intriganter Machthaber geglückt, die, um sich oder den Ihren eine blütenweiße Weste zu besorgen, kein Mittel scheuen, die niemanden schonen und im wahrsten Sinn über Leichen gehen. Obwohl im alttestamentarischen Jerusalem angesiedelt, ist diese entlarvende und bissige Geschichte so zeitlos wie nur irgendetwas. Inhaltlich und sprachlich atemberaubend!!!
Ich hätte Stefan Heym gern kennengelernt, schon allein, um mit ihm über dieses Buch zu sprechen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Die Wahrheit liegt im Zweifeln, 23. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
König Salomo, Herrscher des Volkes Israel zu Jerusalem, zum Thronfolger bestimmt von seinem Vater selbst, dem legendären König David, ist unzufrieden: Vieles wird im Lande erzählt über die Taten und Werke seines Vaters, doch nicht alles gereicht dem Herrscherhaus zum Ruhme. Da seine eigene Stellung sich aber direkt auf das Ansehen gründet, das David im Volk genießen sollte, beschließt Salomo, der Geschichtsschreibung auf die Sprünge zu helfen. Der weise Ethan ben Hoshaja wird also vom König beauftragt, den einen und einzig wahren Bericht über Aufstieg, Leben und Leistungen des König David zu verfassen. Ethan, stets der Wahrheit verpflichtet, ahnt sofort, das dieser Auftrag für ihn den Tod bedeuten kann.

Stefan Heym hat seinen wahrheitsliebenden Helden mit einem schier unlösbaren Konflikt konfrontiert. Trägt er in seinem Bericht alle Verbrechen und Gräueltaten zusammen, die David aus Machtgier und Habsucht beging, wird er dies mit seinem Leben bezahlen. Lässt er dagegen Tatsachen aus oder versucht diese zu beschönigen, vergeht er sich an der Wahrheit und verletzt damit seine eigenen Grundsätze. Ethan bleibt nur der dritte Weg: Er streut Zweifel in seine Darstellung, erwähnt andere Auslegungen, schreibt die Wahrheit zwischen die Zeilen. Damit kommt es bei der Deutung des Berichts auf die Einstellung des Lesers, die Lesart also, an. Doch das entgeht auch König Salomo nicht...

In Sprache, Stil und Anlage seines satirischen Romans lehnt sich Heym in meisterhafter Weise an die biblischen Grundlagen seines Stoffs an. Fast schmerzhaft deutlich verweist die Parabel dabei auf die Geschichtsschreibung der DDR. Heerscharen von Historikern waren damit befasst, die Geschichte der Arbeiterbewegung, der Parteien und ihrer Führer so aufzuschreiben, dass sie als unverrückbare Wahrheit die Gesetzmäßigkeit des Marxismus-Leninismus als "einzig wissenschaftliche Weltanschauung" bestätigte. Der ironische Umgang mit dieser Art der Geschichtsschreibung war es auch, was Lesern in der DDR an diesem Buch besonders gefallen musste, denn immerhin erschien es (in vergleichsweise kleiner Stückzahl) auch auf dem sozialistischen Buchmarkt. Zwar tritt dieser unmittelbare Bezug auf die Zeitgeschichte beim heutigen Lesen in den Hintergrund, die Aussage des Romans aber bleibt generell allgemeingültig: Es gibt nie nur die eine und einzige historische Wahrheit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Vor allem Selbstkritik, 11. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
Ich lese aus Stefan Heyms König David Bericht vor allem eine Selbstkritik. Eine Selbstkritik, wie sie von den Hofschranzen des "Realen Sozialismus" immer vorgegeben wurde zu fordern, doch in Wahrheit mehr von diesen gefürchtet war, als das sprichwörtliche Weihwasser - vom Teufel. Eine Selbstkritik, wie sie nur ein wahrhaft sozialistischer Intellektueller fähig ist zu leisten. Voller List und revolutionärer Kritik. Eine Kritik wie wir sie dann später - nach der Wende - Auf Sand gebaut" wieder finden. Und auch die Selbstkritik finden wir da wieder. Der revolutionäre Literat scheut hier gar den Selbstvergleich mit Goebbels nicht. Er weiß, dass Überzeugungsarbeit viel mehr mit psychologischer Kriegsführung zu tun hat, als mit ehrlicher Wissensvermittlung. Mit sich tarnen und mit täuschen. Und dafür muss er Buße tun, jener Überzeugungskrieger. Die angemessene Strafe ist dann nicht die Hinrichtung, sondern das Totschweigen. Wie mit dem Gelehrten Ethan geschehen. Aufgrund eines "salomonischen Urteils" - von Salomon höchstpersönlich. Doch im Gegensatz zu Heyms literarisches Alter Ego - Ethan - ist Heyms List wohl aufgegangen. Nach seines und des "Realsozialismus`" physischen Todes erlebt er eine Wiederauferstehung. Gegenüber einem doch auch nur ob der Mächtigen Falschinformationen getäuschten Gesamtdeutschland. Es gelingt ihm gar, damit dem Mitverstorbenen eine gewisse, wenn auch vermutlich unverdiente nachträgliche Weihe zu verleihen. Nicht nur ein Stalin oder Honecker stehen hier vor Heyms historischen Gericht, sondern diese schon seit der frühen Antike so verdorbenen Klassengesellschaft. Eine Gesellschaft, wo die Wahrheit den Tod verdient, doch der Tod eine nicht ausreichende Strafe für jene ist. Damit wäre der "reale Sozialismus" aus der Perspektive der Klassengesellschaft quasi rehabilitiert. Nach Brecht ist er vielleicht der einzige, dem es gelungen ist, die Sprachbarriere zwischen Ost und West zu überwinden, vom Osten her und posthum - postsozialistisch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ein Buch über historische �Wahrheiten�, 25. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der König David Bericht: Roman (Taschenbuch)
„Der König David Bericht" hat neben den beiden historischen Romanen „Lenz oder die Freiheit" (über den badischen Bauernaufstand, entstanden 1965) und „Lasalle" (über die Entstehung der deutschen Arbeiterbewegung, entstanden 1969) den Durchbruch zum Erfolg Heyms in der Bundesrepublik bedeutet, was auch mit den Publikationsschwierigkeiten des Buches „Lasalle" und zeitweise auch des „König David Berichts" zu begründen ist. Thema dieses biblischen Romans ist die Suche nach der biblischen Wahrheit und das alte Verhältnis zwischen Geist und Macht.
Der Gelehrte Ethan erhält von König Salomo den Auftrag, die „positive" Geschichte des biblischen Königs David zu formulieren. Er soll die Fakten über das Leben des ehemaligen Bauernjungen und späteren König David zusammentragen und trifft auf eine Wahrheit, die Salomo nicht gefällt...
Der „König David Bericht" ist ein Buch über die Schwierigkeit, die historische Wahrheit zu finden und sie dann auch auszusprechen und zu vertreten, eine Schwierigkeit, die heute noch so aktuell ist wie vor zwei tausend Jahren und auch noch in der Zukunft aktuell sein wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der König David Bericht: Roman
Der König David Bericht: Roman von Stefan Heym (Taschenbuch - 1. Oktober 1974)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,01
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen