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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 25. August 2004
Stefan Zweig hat mit seinen Erinnerungen „Die Welt von gestern" ein beeindruckendes Dokument europäischer Geschichte der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts geschaffen. In keinem anderen mir bekannten Werk wird atmosphärisch so dicht beschrieben, wie sich im deutschsprachigen Raum, genauer gesagt in Österreich und Deutschland der Wechsel von der Monarchie zum totalitären Schreckensstaat vollzogen hat. Stefan Zweig ist unpolitisch, europäisch, und damit nicht nationalistisch.
Die Erzählungen über seine Schul- und Studienzeit wirken frisch, nur schwer vorstellbar zum Teil mehr als ein Jahrhundert zurück liegend. Das Interesse der damaligen Jugend an Gedichten, Theater, Malerei läßt ein wenig Wehmut aufkommen.
Besonders imponierend sind seine Schilderungen über Begegnungen mit nahezu allen berühmten Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst und Gesellschaft. Zu Sigmund Freud, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Richard Strauss, um nur einige wenige aus vielen Dutzend prägenden Persönlichkeiten zu nennen, hatte Zweig Verbindungen und Freundschaften. Ja, er kokettiert mit diesen Erlebnissen und mit seiner Position als vielgelesener jüdischer Autor. Aber man verzeiht ihm angesichts der Umstände, die ihn zuletzt entwurzelt und schließlich in den Selbstmord getrieben haben.
Wer sich einerseits für die politische Entwicklung in Deutschland (und Österreich) bis zum Naziregime, andererseits für europäische Kunst und Kultur interessiert, für den sind die „Erinnerungen eines Europäers" ein Muss. Zweig verniedlicht oder rechtfertigt nicht, er beschreibt. Und nicht aus gebührendem Abstand, sondern als direkt Betroffener und Beteiligter.
Uneingeschränkte 5 Sterne für einen außergewöhnlichen Autor, der sprachlich beim Beschreiben der schrecklichsten Ereignisse und Entwicklungen immer brillant bleibt und seinen Stil nicht verläßt. Ein ganz besonderes Vermächtnis. Lesen!
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am 18. April 2010
Dies ist Stefan Zweigs 500 Seiten lange Autobiographie. Und sie bewegt zutiefst. Wer Stefan Zweig bereits gut kennt und schätzt, oder auch wer ihn kennen lernen möchte, wird in diesem Buch nicht nur ihn ausführlich kennen und lieben lernen, sondern auch die alte Welt erfahren, so wie sie war. Das alte Wien, geprägt von Kunst, Kultur und Zeitungen, die Welt im Wandel nach dem 1. Weltkrieg und im zweiten... und dies gesehen durch die Augen eines wahren Europäers. Stefan Zweigs Zweifel, seine Erfolge, seine Liebe, sein Glück, seine Ziele, seine Empfindungen,... all dies erfahren wir in diesem Buch hautnah. Mich hat auf jeder Seite des Buches ein Satz, ein Bild, eine Bemerkung zutiefst berührt. Da hat einer gelebt, der alles ernst genommen hat, der für Kunst, Toleranz und Worte gestorben wäre - und letztlich auch sterben wird - denn dies ist Zweigs letzter Roman.
Da schreibt einer, der uns auf Augenhöhe bringt mit den unsterblichen Größen seiner Zeit.
Ein bewegendes Werk, ein einmaliger Einblick in das Denken Zweigs und seine Zeit, geschrieben von dem, der viele berühmte Schriftsteller und Dichter kannte, der sich für Weltgeschichte und Weltliteratur interessierte, der aber auch manch verborgenes Talent erkannte und sich für Abseitiges begeisterte, der uns dieses Leben noch einmal von innen heraus mitfühlen lässt.
Ein Roman, der ergreift. Wer noch empfinden kann, wer fühlen möchte, wie die alte Zeit war, wer Stefan Zweig liebt oder lieben lernen möchte - der sollte diesen Roman lesen.
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am 21. Februar 2010
Sicher... die Überschrift mag ein wenig polemisch klingen, aber ich hätte mir gewünscht, dass unser Geschichtslehrer in der Schule dieses Buch mit uns durchgenommen hätte. Es mag wichtig sein, mit politischen Theorien und Daten im Geschichtsunterricht konfrontiert zu werden, aber die Motivation ist auch unendlich wichtig, sich damit zu befassen. Mich hätte die Lektüre von Stefan Zweig motiviert, wobei ich mittlerweile Freunde gesprochen habe, die dieses Buch im Deutschunterricht durchgenommen hatten und wenig begeistert waren. Vielleicht gilt dies auch nur rückblickend, aber das Buch ist mehr wie ein spannender Roman - dabei besser als jeder Historienroman - in den man hineingesogen wird. Jeder, der gerne Kulturereignisse - gleich welcher Art - liebt, kann sich die Liebe des Autors zur Kultur und Zeitgeschichte lebendig vorstellen. Im übrigen genauso, wie man sich als Leser die Zeit in der Stefan Zweig lebte, lebendig vorstellen kann. Wie hier bereits geschrieben wurde, kann man davon ausgehen, dass der Autor ein wenig mit seinen Kontakten kokettiert. Aber ist es nicht faszinierend, wie verbunden die großen Autoren seiner Zeit waren? Das fällt uns selbst im Internetzeitalter schwer, es geht wohl auch nichts über persönlichen Kontakt und persönliche Briefe. Jedes Autorenforum im Netz kann damit nicht mithalten.
Das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen, natürlich nur denjenigen, denen Zeitgeschichte und die Liebe zu Büchern etwas bedeutet und die sich freuen Einblick in das Leben eines auch sprachlich herausragenden Autors zu gewinnen.
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am 25. August 2014
ich habe von stefan zweig bereits etliche novellen gelesen, die mir alle sehr gut gefallen haben, aber nichts hat mich auf das intensive erlebnis dieses späten werkes vorbereitet: von der ersten seite, vom ersten anhub weg wird man in eine vergangene epoche gezogen und - wenngleich die sprache, in der er schreibt, eine bereits aus lange vergangenen zeiten heraufklingende musik ist - mit viel nähe zum leser durch vergangene epochen und welten geführt.

zweig muss gegen ende seines lebens körperlich gespürt haben, dass nicht nur sein leben bald aus eigenen stücken enden wird, sondern dass auch die welt in der er lebt, in den letzten zügen liegt. dieses wunderbare buch schrieb er - wie er schon auf den ersten seiten mitteilt - völlig ohne hilfsmittel wie bücher, notizen oder tagebüchern sondern vielmehr vollkommen aus seiner erinnerung... und es ist wie eine wanderung in seiner seele, in der die bilder und landschaften, die gerüche und gefühle der vergangenen epochen (wobei die zeit bis zum ersten weltkrieg und die zwischenkriegszeit sich neuerlich voneinander abgrenzen) sich aufbauen wie interieurs, die man gemeinsam mit ihm beschreitet.
zweig ist in diesem buch ein liebevoller führer durch sein inneres museum, der ohne viel wehmut berichtet, nichts beschönt und dennoch voll liebe beschreibt. was mich vor allem beeindruckt hat, war das verständnis und die ausgeglichene haltung gegenüber den schrecklichen kräften, die zum zweiten dummen krieg im 20. jahrhundert führten. zweig hat, was er auch im buche beschreibt, alles und noch mehr durch diesen krieg verloren - dennoch wird dieses buch keine "anklageschrift" oder ein "fanal" - es ist eine gut lesbare bestandsaufnahme von wahrheiten und wahrnehmungen, von eindrücken und erinnerungen.

zweig hat mit diesem buch der welt ein stück erinnerung geschenkt, das sehr lehrreich ist und emotional sehr nahe kommt.
ganz klare fünf sterne!
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am 5. Oktober 2006
Stefan Zweig beginnt seine Erinnerungen mit einem Shakespeare Zitat: "Begegnen wir der Zeit, wie sie uns sucht." Allein diese Aussage zeigt deutlich, dass die Hoffnung im brasilianischen Paradies eine vergebene war und dass seine Erinnerungen nur dem entspringen, was er "hinter der Stirn" hat. Nichts ist geblieben, weil auch Zweigs Bücher die Verbrennung im Jahre 1933 nicht überdauerten. In diesem Wissen und mit diesem persönlichen Druck hat er ein Werk verfasst, was aus dem Gedanken der ursprünglichen Sicherheit, der Lebenszeit vor dem ersten Weltkrieg und dem Schoße und den Gedanken seiner Familie, der Schulzeit, den ersten Erlebnissen der Pubertät etc entsprangen. Und Zweig schreibt einfühlsam und mitfühlend, wie wohl er sich fühlte mit seinem Vater und der Sicherheit, die er der Familie gab, einer Sicherheit und Anerkennung, die sie als jüdische Familie in Wien noch erlebten. Wie und seine Schulkameraden er in jungen Jahren sich nicht um Mädchen kümmerten, wohl aber um die schönsten Gedichte, gefunden oder selbst verfasst. Und seine Bewunderung für Hofmannsthal ist so durchdringend, nahezu leidenschaftlich, da dieser bereits mit 16 (ähnlich Arthur Rimbaud) Sätze in freier Rede in Vollendung sprach. Paul Verlaine war sein großes Vorbild, der selbst in Paris noch unbekannt, aber schon von Zweig und Freunden in jungen Jahren gelesen. Später wurden sie Freunde. Ebenso beschreibt er seine Pubertät in den Jahren bis 18, in der das Interesse am Weiblichen unterbrochen wurde durch eine (Doppel-) Moral der Gesellschaft. Diese Attitüden der Gesellschaft finden wir in seinen Novellen wie "Angst" und "Brennendes Geheimnis" wieder.

Auffallend ist seine Sicht auf Europa, ein Europa aus Sicht eines Österreichers, der schon früh den Gedanken des geistig kulturellen Schmelztiegels in Wien mitbekam, der mit den Größen aus Kunst, Politik und Industrie mit einer Selbstverständlichkeit in Berührung kam, wie sein Vater es vormachte. Österreich in diesem Europa des späteren Krieges war für ihn heilig, unantastbar, sodass auch die Herkunft Hitlers keine Bedeutung zu gemessen wurde. So wie er die verpönte Sexualität und Erotik seiner Zeit durch akribisches Weglassen als allgegenwärtig bezeichnete, so ist auch das Lob auf Österreich ohne den benannten Tadel und doch ist er gegenwärtig.

Im selbst gewählten Exil Brasilien, dort wo er nach den Jahren in England und Amerika Fuß zu fassen glaubte, konnte er seinen Erinnerungen nochmals nachgehen. "Der mit nichts mehr Verbundene, braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen." So weit glaubte er sich aus dem geliebten Europa, dem geliebten und ursprünglich sicheren Wien und doch ist gerade diese Schrift ein Zeichnen einer hohen Verbundenheit, auch wenn er mit der ersten Aussage gleichzeitig "Aufrichtigkeit und Unbefangenheit" als gesicherte Voraussetzungen dieses Werkes postulierte.

Die Welt von Gestern ist "gewesene Zukunft" eines hoffnungsvollen Schriftstellers. Dennoch lebt diese Zukunft nicht mit Zweig, sondern durch Zweig weiter. Er ist unbedingter Verfechter einer friedlichen, ehrlichen Welt, in der Träume und Sinnlichkeit einen unumstößlichen Platz haben.

Inwieweit wir Leser uns Gedanken aus den Konsequenzen seines Denkens und dem Zusammenstoss seiner Erinnerungen mit der scharf beurteilten Gegenwart, dem vollendeten Freitod, machen sollten, schreibt R. Görner im Nachtrag. "Das Todesurteil, das wir über unsere Maßstäbe verhängt haben und das wir [...] seit geraumer Zeit [...] vollstrecken, [ist] gründlich zu revidieren."

Ein sehr empfehlenswertes Buch eine brillanten Europäers.
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am 1. April 2000
Diese einmalige Autobiographie schafft es tatsächlich dem Leser einen Eindruck der Welt von ca. 1890-ca. 1942 zu vermitteln, ohne dabei die Figur des Autors allzu stark in den Mittelpunkt zu stellen. Die Autobiograhpie setzt in dem vom intellektuellen Snobismus geprägten Wien ein, und beschreibt weiterhin Stefan Zweig's Reisen durch die ganze Welt, wo er die grössten Künstler seiner Zeit trifft (Rilke, Hoffmansthal, Max Reger, Richard Strauss, James Joyce...) und wie er schliesslich durch die Herrschaft der Nationalsozialisten dazu gezwungen wird Österreich zu verlassen. Ich finde dieses Buch so wichtig, weil es an einem einzigen Beispiel zeigt, wie ein Leben durch Propaganda und blinden Hass zerstört werden kann. zerstört
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am 24. Mai 2015
Stefan Zweig beschreibt in seinen Erinnerungen die Zeit vor dem ersten Weltkrieg so gemütlich bis sie jäh zerrissen wird.Europa zerfleischt sich; Brüder zielen aufeinander und die Nachkriegszeit mit ihrer Inflation bringt keinen Frieden. Entwurzelt auf Grund seiner Religion sieht er für sich keine Zukunft mehr ...Für mich unbedingt lesenswert.
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am 2. Juni 2014
"Die Welt von Gestern" hat mich sehr erschüttert, betroffen gemacht und aufgewühlt - verstärkt durch die rhetorisch und schauspielerisch wunderbar geglückte Lesung von Peter Vilnai. Wesentliches zum immer wieder Hören und Lesen, zum Nachdenken und Verinnerlichen, zum darüber Reden und einfach nur Dankbarsein!
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am 17. August 2002
Europa: Wir geniessen seit mehreren Jahrzehnten den Frieden. Die technologischen Neuerungen, Erfindungen, die Hochzeit der Kultur haben ungeahnte Kräfte frei gesetzt. Man gibt sich dem Individualismus hin, will seine Freiheit zur Selbstverwirklichung nutzen. Die Börsen boomen. Etwas verächtlich denkt man an die Zeiten des Krieges zurück (sofern man sie überhaupt erlebt hat). Es ist ein warmer Sommertag, das Kurkonzert spielt, als uns die Meldung des Attentats aus Sarajevo erreicht... Und die Welt ist nicht mehr dieselbe.
Die Ähnlichkeiten zu unserer Zeit sind frappierend. Stefan Zweigs Buch hat deshalb gleich doppelten Wert. Zum einen lässt es den Leser sehr dicht ran an den Alltag, das Empfinden und das Selbstverständnis der damaligen Bürgergesellschaft. Zum zweiten drängen sich Vergleiche zu unserer heutigen Zeit auf. Der erste Weltkrieg ist noch ein Krieg an den Fronten. Wie heute Afghanistan. Nur wenige Nachrichten dringen in die Heimat vor. Treffen auf das ungerührt weitergehende zivile Leben. Weitere Ähnlichkeiten sollten uns erspart bleiben.
Zweigs Schreibe ist wohltuend flüssig, so dass man dieses Buch "in einem Zug durchlesen" kann. Äusserst empfehlenswer für jeden zeitgeschichtlich interessierten.
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am 27. September 2002
Stefan Zweigs Autobiographie "Die Welt von Gestern" führt den Leser durch die geistige und künstlerische Elite des beginnenden 19. Jahrhunderts. Der wohl meistgelesenste Schriftsteller seiner Zeit schildert ausführlich und in bunten Farben von einer Epoche, die zu dem Zeitpunkt als er dieses Buch verfasste, bereits in Trümmern lag. Als Humanist und Europäer sah er seine Ideale, alles wofür er gelebt und geschrieben hatte, durch den Zweiten Weltkrieg zerstört. Kurze Zeit nach Vollendung dieses Buches begang er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in Petropolis, Brasilien, Selbstmord. Man sollte sich dieser biographischen Daten beim Lesen durchaus bewusst sein.
Beeindruckend sind die Darstellungen der Künstler und Gelehrten, denen Stefan Zweig in seinem Leben begegnet ist, wie er etwa zusammen mit Dali vor dem Bett des sterbenden Sigmund Freuds gesessen ist, wie er Rilke in Paris getroffen hat und dergleichen mehr. Aber auch die Portraits der europäischen Metropolen sind sehr gut gelungen.
Allerdings geht mir Zweig ein bisschen zu sehr auf Distanz gegenüber anderen und auch sich selbst. Man erfährt äußerst wenig über den Privatmann Stefan Zweig. Dass er in England heiraten wollte, erwähnt er auch nur, weil an diesem Tag der 2.Weltkrieg ausgebrochen ist. Es scheint, als wollte der Autor ein Schutzschild um sich selbst spannen, und sich vielmehr durch die Geistesgrößen definieren, denen er in seinem Leben begegnet ist.
Nichtsdestotrotz ist "Die Welt von Gestern" uneingeschränkt empfehlenswert.
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