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43 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die weniger bekannten Sternstunden
Zweig erzählt in seiner leicht poetischen Weise 14 Geschichten bzw. Entscheidungen aus der Weltgeschichte von 50 vor Chr. (die Ermordung Cäsars und Ciceros) über 1453 (Eroberung von Byzanz), 1815 (Waterloo) und mehr bis 1919 (Versailler Verträge).
Bei unserer riesigen Weltgeschichte können die "Sternstunden" natürlich nur...
Veröffentlicht am 27. Januar 2004 von Christian von Montfort

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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gemischte Kost
Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" ist eine Zusammenstellung von 14 kurzen Stücken, die Zweig im Laufe mehrerer Jahrzehnte verfasste. In diesen Geschichten beschreibt Zweig Momente, in denen seiner Meinung nach in kurzer Zeit dem Schicksal der Menschheit bedeutende Wendungen gegeben wurden, eben Sternstunden. Von Cicero bis Präsident Wilson, von Goethe...
Veröffentlicht am 21. Dezember 2009 von Monika Simon


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43 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die weniger bekannten Sternstunden, 27. Januar 2004
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Zweig erzählt in seiner leicht poetischen Weise 14 Geschichten bzw. Entscheidungen aus der Weltgeschichte von 50 vor Chr. (die Ermordung Cäsars und Ciceros) über 1453 (Eroberung von Byzanz), 1815 (Waterloo) und mehr bis 1919 (Versailler Verträge).
Bei unserer riesigen Weltgeschichte können die "Sternstunden" natürlich nur Schnappschüsse sein, und Zweig hat mehrere Ereignisse gewählt, die erst auf dem zweiten Blick bedeutend sind. So berichtet er nicht von der Entdeckung Amerikas sondern der des Pazifiks 1513; aus der gesamten Wissenschaft wählt er die Verlegung des Morse-Kabels zwischen Europa und Amerika. Suter, der Mann, dem 1840 einmal halb Kalifornien gehörte oder die Krankheit Händels, die 1737 zu seinem schönsten Werk führte, sind wunderschön zu lesen, aber nicht die offensichtlichen Meilensteine der Menschheit. Doch gerade die Wahl etwas abseits vom allgemein bekannten und durchgekauten Mainstream macht die Geschichten besonders interessant.
Besonders bedeutend ist das Nachgeben von Amerikas Präsident Wilson bei den Versailler Verträgen 1919, der nach langer Verhandlung seine Grundsätze zur Sicherung des Ewigen Friedens aufgab und den hohen Reparaturzahlungen Deutschlands zustimmte. Sie waren wesentlich mitverantwortlich für die folgende Deflation und spätere Radikalisierung. Zweig sieht bereits 1927 (!) die Gefahr, die von dieser Stunde und vertanen Chance ausging, und es ergibt sich (bewusst?) eine Parallele zum Demokraten Cicero 2000 Jahre zuvor, durch dessen Liquidierung die Ideale der römischen Republik verdrängt wurden und der Weg frei war für die Diktatur von Antonius, Octavian und Lepidus . Traurig, aber schön geschrieben.
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So haette ich Geschichte gerne in der Schule erfahren, 12. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Um es ganz naiv zu sagen "ein herrlicher Geschichtsunterricht".
Denn hier geht es nicht um leere Daten und hohle Fakten ohne Inhalt. Eigentlich sind Daten und Fakten ja immer mit Inhalt gefuellt, wenn man nur hinsieht - etwas ist geschehen, viele Einzelschicksale sind unter einem Titel zusammengefasst. Aber wie oft vergass man das, wenn man sich durch das Schulfach "Geschichte" quaelte.
In diesem kleinen Buch von Stefan Zweig wird Geschichte nun lebendig - so abgedroschen diese Phrase klingen mag, hier trifft sie zu. Und zwar deswegen, weil wir in einigen kleinen Kapiteln jeweils ein wenig ueber je eine Person der Geschichte erfahren (teilweise auch unbekannte, vergessene Namen), und dann aber ueber der Person je wichtigsten Lebens-Augenblick.
Zweig stellt mit diesem Buch die These auf, dass es kleine Szenen, scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten und winzige Einzelschicksale sind, die manchmal das Schicksal einer Nation oder der Menschheitsgeschichte besiegeln.
Diese Augenblicke, diese "Sternstunden" zu kennen, veraendert den Blick auf die Menschheitsgeschichte.
Um einige Beispiele zu nennen:
Es geht um die "Weltminute von Waterloo"
(ein einziger Mann hat hier die Entscheidung gebracht, und es war nicht Napoleon)
- um "Die Marienbader Elegie"
(die Geschichte von Goethe und Ulrike, seiner letzten grossen Liebe)
- um Dostojewskis Begnadigung in letzter Sekunde
(durch unglaubliche Umstaende)
- um Georg Friedrich Händels "Messias",
(den er wie im Wahn ueber einige Tage hinweg niederschrieb, ohne zu essen und zu schlafen)
- um "Das Genie einer Nacht"
(der voellig unerfolgreiche Rouget de Lisle komponiert die Marseillaise als einziges bekanntes Werk seiner Karriere und es wird ueber Nacht beruehmt),
- um "Das erste Wort über den Ozean"
(das Unvorstellbare wird wahr: ein Kabel durchquert den Ozean auf dem Ruecken eines Dampfers)
.... und viele weitere kleine Begebenheiten.
In jeder Geschichte wird zuerst der Mensch im Zentrum eingefuehrt, dann dessen Geschichte erzaehlt, als waere jedes Kapitel eine kleine abgeschlossene Novelle.
Die Geschichten sind so eindringlich geschildert, dass man die Begebnisse nie mehr vergessen wird. Persoenliche Geschichte kann von Bedeutung sein - mir stand hier in jedem Kapitel ein Mensch gegenueber, und jede Sternstunde war mir in der Tat Sternstunde - in der Unbedeutsamkeit des eigentlichen Ereignisses, wie in der grossen resultierenden Auswirkung. Ich fand jedes Kapitel lesens- und erinnernswert.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk der Literatur, 8. August 2007
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Wer Geschichte liebt, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Zweigs legendärer, psychologisch unbeugsamer Blick hinter die Kulissen der Geschichte und in die Seele von Akteuren ist einfach herrlich. In diesem Buch sind Episoden beschrieben, die gerne von den Geschichtsbüchern vergessen werden. Ferner lernt man liebevoll wunderbare Details der Geschichte kennen, die man heutzutage gerne in einem einzigen Satz zusammenfaßt. Das hinter diesen Personen und den damit verbundenen Anekdoten, lange, interessante, spannende und zum Teil wunderbar ironische und makabere Gegebenheiten stehen, keiner kann das so schön erzählen wie Zweig.

Zweig hat sich mit diesem vermeintlich kleinen Buch selbst übertroffen. Kurz und doch umfassend, dichterisch frei und doch wahrheitsgemäß, detailverliebt skizziert er Episoden aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Kontinenten, Zeiten, Kulturen und Persönlichkeiten. Dabei kommt kaum Langeweile auf. Wer Zweig mag, wird dieses Buch lieben. Wer Zweig nicht kennt, sollte dieses Buch unbedingt zuerst lesen, um sich an den unnachahmlichen Stil zu gewöhnen. Ein Buch für den Geschichtsunterricht, genauso wie für einen Strandurlaub, wie als ideale Reiseliteratur, schon allein wegen der handlichen Kapitelgrößen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Literarisch wertvoller Wissensgewinn, 5. Juli 2011
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Stefan Zweigs bekanntestes Werk sind diese "Sternstunden der Menschheit", die hier in einer Ausgabe mit zwölf historischen Miniaturen vor mir liegen, nicht mit vierzehn wie bei manchen anderen Rezensenten. Für sein bestes Werk halte ich das Buch jedoch nicht. Die Sammlung von aus Zweigs Sicht "schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde zusammengedrängt ist", umfassen Momente der Weltgeschichte zwischen dem 15. und frühen 20. Jahrhundert.

Die Auswahl erscheint mir willkürlich, auch wenn Zweig nicht "Die Sternstunden der Menschheit" als Titel wählte. Auch ist die Geschichte von Johann August Suter, der zuerst San Francisco gründete und später Eldorado entdeckte kein Moment in der Geschichte, sondern die kurze Schilderung eines gesamten Lebens. Auch die telegrafische Überbrückung des atlantischen Ozeans mit dem ersten die beiden Kontinente Europa und Amerika verbindenden Kabel ist kein Moment und keine Stunde, sondern die interessante Geschichte einer jahrelangen Vision.

Daneben bringt Zweig vierzig Seiten unter, in denen er ein unvollendetes Drama Tolstois mit dessen Ende zu Ende bringt. Zu einer eigenen Veröffentlichung hätte der Umfang nicht gereicht, auch nicht als Theaterstück. Und so bringt der renommierteste Schriftsteller seiner Zeit diesen Part hier unter. Und ob die Komposition der französischen Nationalhymne, der Marseillaise damals zu den großen historischen Momenten zählt, ist aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen.

Irritiert hat mich auch die Geschichte über die Entdeckung (durch Europäer!) des Pazifischen Ozeans, die Zweig pathetisch beschreibt und in der er über Grausamkeiten an den Ureinwohnern beinahe lakonisch berichtet. Packend empfand ich aber einige der Miniaturen, insbesondere die Entstehung von Händels "Messias" oder auch der vergebliche Versuch von Scott, den Südpol als erster zu erreichen.

Insgesamt literarisch wertvoll, sprachlich exzellent, mit der Chance auf Wissensgewinn, zumindest war es bei mir so. Wer, ich erwähnte es an anderer Stelle, Zweig nicht kennt und ihn kennenlernen möchte, dem sei Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. empfohlen.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, 22. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Bedeutende historische Ereignisse bieten das Gerüst, dem Stefan Zweig mit erhabenen Gedanken Mark verleiht - so ließe sich das Werk zusammenfassend beschreiben. Wahrlich - es ist das hervorragendste Buch, das ich bis jetzt von Stefan Zweig gelesen habe und eine der größten literarischen Glanzleistungen, an denen ich mich zu laben Freude hatte. Eine Ansammlung von historischen Ereignissen der hohen Politik, der Kulturgeschichte und Kunstgeschichte sowie geschichtliche Wendepunkte dienen dem Schriftsteller als Anlass, seine Gedanken in einer vortrefflichen Weise, die ihresgleichen kaum findet, darzustellen. Zweigs Sprache ist so ausdrucksstark, kraftvoll, sinngebend und zugleich tragend, dass sie vollendeten Lesegenuss bietet. Der sprühende Geist dieses Denkers kombiniert sich mit der außergewöhnlichen schriftstellerischen Begabung und gemeinsam entfesseln sie eine erhebende Kraft, die auf den Leser unwillkürlich übergeht. Sein Meisterwerk besteht aus XIV kurzen Erzählungen, in denen das dichterische Vermögen auf einen prosaischen Gegenstand angewandt wird. Die Art und Weise, in der Stefan Zweig die Emotionen der Protagonisten der einzelnen Abschnitte, Cicero, Wilson, Händel, Lenin, Tostoi, Goethe und viele mehr zu beschreiben vermag, ist so eindringlich, dass man die Gefühle der Personen nahezu zu teilen imstande ist.
Es besteht kein Zweifel darob, dass dies Werk selbst wie ein Stern am Himmel der Kunstgeschichte steht.
Mir bleibt nur, meine Empfehlung auszusprechen, die sich bereits in meiner Begeisterung für dieses Buch offenbart hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zeugung des Zweiten Weltkrieges, 24. Juli 2012
Von 
Thomas Dunskus (Faleyras, France) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
Jeder deutsche Oberschüler kennt mindestens eine der fünf "Sternstunden" in der schönen Inselausgabe. Manche haben auch die spätere Ausgaben gelesen, in denen sieben weitere Ereignisse behandelt werden, aber es hat sehr lange gedauert, bis den deutschen Editionen noch zwei Stücke hinzugefügt wurden: die Kapitel "Cicero" und "Wilson versagt". Sie lagen 1940 schon auf englisch vor, wurden jedoch nicht in die deutsche, 1943 erschienene, sog. Stockholmer Ausgabe aufgenommen. Warum, ist unklar, aber man kann, besonders hinsichtlich "Wilson", den Grund heute vermuten: was Zweig dort sagt, war in den Kriegsjahren und auch lange Zeit danach einfach zu brisant für deutsche Leser in der Periode ihrer Umerziehung. Gerade deswegen sollte man jedoch diese Miniatur mit besonderer Aufmerksamkeit lesen.

Zweig war infolge der politischen Umwälzungen in Europa 1939 zunächst nach England und dann nach Brasilien geflohen, wo er bald darauf starb. Er beschreibt hier die Bemühungen, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs den Frieden in Europa durch eine für Sieger und Besiegte gerechte Lösung zu sichern. Diese Pläne gründeten sich im Wesentlichen auf Wilsons "Vierzehn Punkten" einer Reihe von Grundsätzen für einen Friedensvertrag; diese Ideen Wilsons waren schon vor dem Waffenstillstand von 1918 bekanntgeworden; viele Deutsche betrachteten sie mit Ehrfurcht, sahen sie als völlig akzeptabel an und hielten sie für einen gangbaren Weg zur Versöhnung mit den Feinden.

Wilsons Absicht war, zunächst eine solche Vereinbarung zuwege zu bringen und danach auf dieser Basis einen Modus für die Regelung der durch den Krieg verursachten Schäden zu finden. Das Schicksal wollte jedoch, dass die europäischen Siegermächte diese Reihenfolge ablehnten: zunächst sollte den Besiegten die Bezahlung der Kriegsschäden auferlegt werden und erst dann wollte man sich mit der Frage beschäftigen, wie man vielleicht in Zukunft die Blutbäder des vergangenen Krieges vermeiden könnte - das Hemd war den Siegern näher als der Rock, oder, um mit Bert Brecht zu sprechen: "Erst kommt das Fressen und dann die Moral".

Infolge seiner nachlassenden Gesundheit und wegen den in den Vereinigten Staaten anliegenden Amtsgeschäften, die seine Anwesenheit erforderten, war Wilson nicht in der Lage, die anderen Siegermächte umzustimmen und so nahm das Unheil seinen Lauf: in den Pariser Vororten (Versailles, St. Cloud, St. Germain) wurden - ohne die Zustimmung der USA - jene verhängnisvollen Texte geschmiedet und den Besiegten aufgezwungen, die im Laufe der Jahre nicht nur ihre Brüchigkeit aufzeigten, sondern vor allem auch bei den Betroffenen ein Gefühl des Getäuschtseins hervorriefen, das nicht weichen wollte und nur darauf wartete, sich in einer günstigen Situation Bahn brechen zu können. Im Jahre 1933 sollte diese Saat des Hasses dann ihre giftigen Früchte in die ganze Welt tragen. Ein neuer Krieg in Europa begann zwanzig Jahre und neun Monate nach der Vergewaltigung Wilsons durch seine früheren Bundesgenossen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sternstunde der Literatur, 29. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Taschenbuch)
"Solche dramatisch geballten, solche schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde und oft nur eine Minute zusammengedrängt ist, sind selten im Leben eines Einzelnen und selten im Laufe der Geschichte. ["] Ich habe sie so genannt, weil sie leuchtend und unwandelbar wie Sterne die Nacht der Vergänglichkeit überglänzen." - Stefan Zweig im Vorwort

Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Große, bedeutende Momente der Geschichte literarisch packend in Form kurzer Novellen darzustellen - das ist so eine dieser Ideen, die so einfach und naheliegend scheinen, daß man sich fragt wieso eigentlich niemand vor Zweig darauf gekommen ist.

Zweig erzählt zum einen von weithin bekannten Wendepunkten den Weltgeschichte, wie z.B. die "Weltminute von Waterloo", der letzten Schlacht Napoleons. Bei der Auswahl seiner Sternstunden war Zweig jedoch vielseitig interessiert, so gestaltet sich die Lektüre sehr abwechslungsreich. Zweig rückt auch einige historische Momente in den Vordergrund, die der Allgemeinheit kaum bekannt sein dürften. Man denke an die in letzter Sekunde gestoppte Hinrichtung von Fjodor Dostojewski, ohne dessen später folgende Romane nicht nur die Weltliteratur um einiges ärmer wäre, sondern auch die Literatur des 20. Jahrhunderts sich ganz anders gestaltet hätte.

Zweigs Stil ist, wie man es von ihm kennt, präzise, wortgewaltig und doch nicht geschwätzig, sondern stets auf den Punkt gebracht. Mit wenigen Worten führt er seine Charaktere ein, erschafft Atmosphäre und schürt Emotionen. Nicht umsonst gilt er als einer der Großmeister der Novelle.

Die Lektüre ist informativ und zugleich so interessant, daß man es nur bedauern kann, daß den wichtigen Themen im Schulunterricht nicht stets eine solche einleitende Erzählung vorangeht. Bestimmt könnte man manchen gelangweilten Schüler hiermit begeistern, den Schulunterricht an sich beleben.

Da dies wohl reines Wunschdenken bleiben wird, eine abschließende Empfehlung für alle interessierten Leser, selbst zum Buch zu greifen und sich von Zweigs Sternstunden begeistern zu lassen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnliche menschliche Leistungen, besondere Momente und einzigartige Persönlichkeiten, 8. September 2008
Die meisten der vierzehn Miniaturen sind als Novellen angelegt. Ausnahmen bilden "Heroischer Augenblick", das als dramatisches Gedicht auftritt, und "Die Flucht zu Gott", von Stefan Zweig als Theaterfragment konzipiert.
Alle Miniaturen schildern historische Momente von der Länge einiger Stunden, Tage oder Wochen, die den Gang der Weltgeschichte beeinflusst haben. Zweig stellt hierbei heroische Taten oder Unterlassungen heraus - so Balbaos Entschlossenheit eines Desperados, als erster Europäer den Pazifik zu sehen, und nach diversen Fehlschlägen die erste erfolgreiche Verlegung eines Telegraphenkabels durch den Atlantik -, aber eben auch Momente wie Grouchys sklavischer Gehorsam, der Napoleon bei Waterloo vernichtete, die aus einer zutiefst unglücklichen Liebe geborene Marienbader Elegie und Scotts tödliches Drama beim Wettlauf um den Südpol.

Nicht immer kann man Stefan Zweig historische und wissenschaftliche Genauigkeit attestieren; hin und wieder hat ihn einfach die Geschichtsforschung überholt. Seine Miniaturen sind jedoch auch heute wertvoll, denn sie schärfen den Blick für außergewöhnliche menschliche Leistungen, für besondere Momente und einzigartige Persönlichkeiten, die sich durch extreme Leistungen oder extremes Versagen auszeichnen, wobei beides oft sehr dicht beieinander liegt, wie Zweig aufzuzeigen vermag. Ereignisse aus der politischen wie der Kunst- und Kulturgeschichte stehen in diesem Werk gleichberechtigt nebeneinander.
Wir "Heutigen" stoßen uns möglicherweise manchmal an Zweigs für seine Zeit nicht ungewöhnlichem Stil, einer Üppigkeit und bewusst forcierten Dramatik, die man mittlerweile vermeidet. Trotzdem können wir uns der Faszination von Zweigs Miniaturen nicht leicht entziehen: Der Autor taucht tief in die Seelen seiner Protagonisten ein, lässt sie lebendig werden als Helden, Versager und im Grunde alltägliche Menschen, zeigt sie in ihrer Unzulänglichkeit oder geradezu übermenschlichen Gewalt in einer besonderen Stunde. Langeweile kommt beim Zuhören ganz gewiss nicht auf, zumal die Auswahl der Protagonisten trotz ihrer Subjektivität überzeugt. Zweig hat mit sicherem Gespür für das Besondere echte Sternstunden erwählt. Und seine Novellen sowie die beiden anderen Stücke sind für jeden vielseitig Interessierten eine echte Bereicherung im Übergang von Belletristik und Geschichte.

Jürgen Hentsch überzeugt als Sprecher nicht weniger als der Autor selbst. Er fühlt sich in jede Bewegung ein, ohne manieriert aufzutreten, und bietet ein abwechslungsreiches und anrührendes Hörerlebnis.
Der Preis für dieses Hörbuch ist kein Pappenstiel trotz der immerhin zehn CDs. Angesichts der inhaltlichen und akustischen Qualität scheint er akzeptabel, zumal auch die Ausstattung einschließlich eines detaillierten Booklets überzeugt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schicksalsaugenblicke im Weltenlauf, 8. Mai 2010
"Ein suggestiver Geschichten- und Geschichte-Erzähler, zugleich ein brillanter Analytiker seiner Zeit, ein energischer Humanist", diese Worte für Stefan Zweig fand Benedikt Erenz vor einigen Jahren in der ZEIT: Stefan Zweig, "geboren 1881 in Wien, gestorben durch eigene Hand 1942 als Heimatvertriebener in Petropolis, Brasilien. Ein immens fleißiger Mann, Bestseller-Romancier und -Biograf, viel verehrt, viel beneidet, gern bespöttelt, international in höchster Auflage gedruckt bis heute."

Hinweise wie dieser, auch andere literaturhistorische Textmarken im Fluss des Lebens, bilden die Grundlage dafür, ihm immer wieder zu begegnen, ihn im Reisebus des Dichterausflugs im Auge zu halten - und somit in Erinnerung zu behalten. Stefan Zweig, den man, lernt man ihn erst mal richtig kennen, nie wieder so ganz vergisst. Seine genialen Erzählungen "Sternstunden der Menschheit", "zwölf historische Miniaturen", wie sie in der mir vorliegenden 70er-Jahre-Ausgabe im Untertitel bezeichnet sind, führten mich zur persönlichen Erbauung - nach den unvermeidlichen Karl-May-Zeiten der Kindheit und frühen Jugend - genau zum rechten Zeitpunkt zum richtigen (!) Lesen.

Als Sternstunden titulierte Stefan Zweig seine vierzehn historischen Kurzgeschichten: Augenblicke und Momente, die die Geschichte der Welt in außerordentlichem Maße beeinflussten oder veränderten. Es sind dies:

- Flucht in die Unsterblichkeit - Die Entdeckung des Pazifischen Ozeans [1513]
- Die Eroberung von Byzanz [1453]
- Georg Friedrich Händels Auferstehung [1741]
- Das Genie einer Nacht - Die Marseillaise [1792]
- Die Weltminute von Waterloo [1815]
- Die Marinbader Elegie - Goethe zwischen Karlsbad und Weimar [1823]
- Die Entdeckung Eldorados [1848]
- Heroischer Augenblick [1849]
- Das erste Wort über den Ozean [1858]
- Die Flucht zu Gott [1910]
- Der Kampf um den Südpol [1912]
- Der versiegelte Zug [1917]

Zwölf? Vierzehn? Was stimmt denn nun? Tatsache ist, dass mir aufgrund des vorliegenden und von mir gelesenen Exemplars, ein Buch aus den 70ern, das auf eine Ausgabe von 1950 zurückgeht, in meiner literarischen Bildung zwei Sternstunden fehlen. Diese, ...

- Cicero [43 v.Chr.]
- Wilson versagt [1919]

..., fanden Eingang erst in die Ausgaben der letzten Jahre. Obschon dabei nicht unterschlagen werden darf, dass diese beiden Texte schon in der englischsprachigen Ausgabe von 1940 enthalten waren.

Sternstunden gehen über den neudeutschen Begriff Highlights weit hinaus. Die Idee, Markensteine der Weltgeschichte aufzugreifen, um sie in sich geschlossenen Episoden zu beschreiben, ist brillant. Stefan Zweig tut dies in überhöht pathetischen Tönen. Es sind Geschichten aus dem Makrobereich - so der Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 - mit bedeutender Auswirkung und großem Einfluss für Länder und Zeiten. Es sind Geschichten aus dem Mikrobereich - so die Geschichte von Rouget de Lisle, wie er im Jahre 1792 die Marseillaise komponierte - mit ebenfalls nicht geringerer Auswirkung und bedeutendem Einfluss auf Länder und Zeitepochen.

Historische Ereignisse unterm Brennglas des Mikroskops. Stefan Zweig gibt kurzen Unterricht, findet einleitende Worte der Erklärung bezüglich Umfeld, Zeit und Raum und schon ist man als Leser mit dabei, wenn Händel 1741 seinen "Messiah" beginnt, wenn Fjodor M. Dostojewski Anfang des Jahres 1849 auf seiner Hinrichtungsstätte kurz vor Knapp auf Zarenerlass noch begnadigt wird, wenn sich im Jahre 1910 Leo N. Tolstoi auf seinen letzten Weg begibt ("Aber schließt gut die Türe, lasst mir niemand herein, ich will keine Menschen mehr ... nur allein sein mit ihm, tiefer, besser als jemals im Leben ..."), wenn der als Lenin bekannte Wladimir I. Uljanow im Jahre 1917 im versiegelten Zug nach Russland zurückkehrt. Es sind diese Begebnisse, oft von nur wenigen Stunden oder Tagen Dauer, die die genannten Bedeutungen in den Geschichtsbüchern unserer Welt einnehmen.

"Das zwanzigste Jahrhundert blickt nieder auf geheimnislose Welt. Alle Länder sind erforscht, die fernsten Meere zerpflügt. Landschaften, die vor einem Menschenalter noch selig frei im Namenslosen dämmerten, dienen schon knechtisch Europas Bedarf, bis zu den Quellen des Nils, den langgesuchten, streben die Dampfer; die Viktoriafälle, erst vor einem halben Jahrhundert vom ersten Europäer erschaut, mahlen gehorsam elektrische Kraft, die letzte Wildnis, die Wälder des Amazonenstromes, ist gelichtet, der Gürtel des einzig jungfräulichen Landes, Tibets, gesprengt. Das Wort 'Terra incognita' der alten Landkarten und Weltkugeln ist von wissenden Händen überzeichnet, der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts kennt seinen Lebensstern. Schon sucht sich der forschende Wille neuen Weg, hinab zur phantastischen Fauna der Tiefsee muss er steigen oder empor in die unendliche Luft. Denn unbetretene Bahn ist nur noch im Himmel zu finden, und schon schießen im Wettlauf die stählernen Schwalben der Aeroplane empor, neue Höhen und neue Fernen zu erreichen, seit die Erde der irdischen Neugier brach ward und geheimnislos." Könnte aus einem aktuellen Artikel aus der ZEIT stammen.

Eine der beschriebenen Sternstunden - die in wunderschöne Worte gefasst, wie im vorigen Absatz zitiert, beginnt - ist die Eroberung des Südpols, ein Wettlauf zweier großer Entdecker, den schließlich der Engländer Robert Scott gegen den Norweger Roald Amundsen verlor, eine sehr spannende, sehr dramatische Geschichte. Die Geschichte des Verlierers Scott, die kennt man. Die des Ersteroberers Amundsen, sie kennt man weniger. Die großartige Einleitung, die Stefan Zweig dieser Geschichte voranstellt, geht auf ein seinerzeit letztes Rätsel ein, das "ihre Scham noch vor dem Menschenblick bis in unser Jahrhundert geborgen" hat, "zwei winzige Stellen ihres zerfleischten und gemarterten Körpers gerettet vor der Gier ihrer eigenen Geschöpfe. Südpol und Nordpol, das Rückgrat ihres Leibes, diese beiden fast wesenlosen, unsinnlichen Punkte, um die ihre Achse seit Jahrtausenden schwingt, sie hat die Erde sich rein gehütet und unentweiht. Barren von Eis hat sie vor dieses letzte Geheimnis geschoben, einen ewigen Winter als Wächter den Gierigen entgegengestellt. Frost und Sturm halten herrisch den Zugang ummauert, Grauen und Gefahr scheuchen mit Todesdrohung den Kühnen. Flüchtig nur darf selbst die Sonne diese verschlossene Sphäre schauen, und niemals ein Menschenblick."
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich beeindruckend!, 12. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Sternstunden der Menschheit (Taschenbuch)
Ein Buch, das man so schnell nicht mehr vergisst, einfach deshalb, weil es Stefan Zweig mit seiner unheimlich schönen und phanasievollen Sprache schafft, die Türen zu zwölf vollkommen unterschiedlichen Welten zu öffnen.
Seien es die unglaublichen Qualen und der Überlebenshunger von Scott und Amundsen oder sei es der Fall Konstantinopels, man wird hineingezogen in das Leben, Lieben, Leiden und Sterben der Hauptpersonen oder Nationen. Einfach unglaublich beeindruckend!
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Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen
Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen von Stefan Zweig (Taschenbuch - 1. Juli 1964)
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