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TOP 500 REZENSENTam 27. Oktober 2013
Der Psychologe Richard Wiseman, der früher einmal Illusionist war, man könnte auch Zauberer sagen, hat wieder ein richtig nützliches und dabei auch noch humorvolles Buch für die breite Öffentlichkeit hingezaubert. Der Autor macht seinem Beruf alle Ehre, denn schließlich bekleidet er in England eine Professur für "Public Understanding of Pyschology".

ALS-OB-PRINZIP
Ausgangspunkt des Buches ist eine sonderbare Hypothese des amerikanischen Psychologen William James, nach der die Mimik eines Menschen sich nicht aus seinen Emotionen ergibt, sondern umgekehrt die Mimik die Emotionen bestimmt. So wie man bei einem Gegenüber aus der Beobachtung von dessen Mimik auf seine Emotionen schlösse, würde man auch sich selber beobachten, um dann darauf zu kommen, welches Gefühl man haben solle.
Das klingt reichlich absurd, in einer moderneren Version ergibt dies aber einen Sinn. Diese besagt, daß Menschen z.B. sowohl lächeln, weil sie glücklich sind, als auch glücklicher werden, wenn sie lächeln. Der Gegenbeweis bei erzwungener Beschränkung der Bewegung konnte mit Studien mit Querschnittsgelähmten und Personen, die zur kosmetischen Behandlung Botox injiziert bekamen, erbracht werden. Sie zeigen tatsächlich, daß Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit das Gefühlserlebnis reduzieren. Das Als-ob-Prinzip ist nichts anderes als die Technik eine bestimmte Eigenschaft zu erwerben, indem man so tut, als ob man sie schon hätte. Bestimmtes Verhalten erzeugt bestimmte Emotionen.

ANWENDUNG
Das ganze Buch dreht sich nun darum, das Als-ob-Prinzip an allen möglichen Stellen nutzbringend einzusetzen. Nicht alle Kapitel sind gleich gut und nicht alles ist neu. Z.B. daß die Bewegungen beim Tanzen einen in gute Stimmung versetzt, wußte man ja schon, aber es ist ja nicht schlecht, wenn die Psychologie das so ausdrücklich bestätigt ;-).

EMOTIONEN
Nach Wiseman hat der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Schachter 1960 herausgefunden, wie denn die vielen mit Körperempfindungen verbundenen Gefühle durch die wenigen Körperreaktionen (Herzfrequenz, Atmung, Schwitzen etc.) ausgedrückt werden können. Er kam darauf, daß einfach nur die Intensität variiert und die zugehörige kognitive Komponente austauschbar ist.

ABNEHMEN
Zum Thema Gewichtsreduktion und Übergewicht referiert der Autor Stanley Schachters These von den internen und den externen Typen. Erstere würden beim Essensbedarf auf ihren eigenen Körper hören, die anderen von ihrer Umgebung beeinflußt werden. Ich würde es aber lieber mit Mythos Übergewicht: Warum dicke Menschen länger leben. Was das Gewicht mit Stress zu tun hat - überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung halten. Allerdings könnte die DSD-Technik helfen.

DSD
Die DSD- (do something different = mach was anderes) Technik besteht darin, so zu tun, als ob man flexibel sei, indem man regelmäßig gezielt Dinge anders macht als sonst. Tatsächlich würde man sich dadurch in die Lage versetzen, reale und größere Veränderungen anzupacken.

ZIMBARDO
Sogar das berühmt-berüchtigte Stanforder Gefängnisexperiment von Philip Zimbardo läßt sich nach Wiseman im Sinne des Als-ob-Prinzips interpretieren. Der Autor erzählt außerdem noch einige interessante Details zum Ablauf und von den Beobachtungen von Zimbardos damaliger Freundin Christina Maslach, die sich maßgeblich für den vorzeitigen Abbruch des außer Kontrolle geratenen Experimentes einsetzte.

WUNDT
Einige Leser, vielleicht auch Psychologen, dürften leicht abgestoßen werden von der vielleicht witzig gemeinten, aber leicht hämisch erscheinenden Herabsetzung des Begründers der Psychologie als eigenständiger Wissenschaft, dem Leipziger Professor Wilhelm Wundt. Diese Passagen muß man vielleicht diagonallesen, um sich nicht zu sehr zu ärgern. Wundt gilt als Begründer der Psychologie als experimenteller Wissenschaft, Wiseman macht sich jedoch über die Experimente lustig und behauptet unverfroren auf S. 23, daß er aus den Lehrbüchern verschwunden sei. Dagegen sei James der Gründungsvater der Psychologie, in Harvard sei ein Gebäude nach ihm benannt, seine The Principles of Psychology: Volume One and Two (Illustrated) seien dort Pflichtlektüre etc etc. Es ist aber ganz aufschlußreich auf S. 31 zu erfahren, daß James seine große Theorie nie ausdrücklich überprüft hätte, weil ihm das Experimentieren sowohl langweilig als auch intellektuell undankbar erschien :-).

FAZIT
Humorvoll präsentiert und mit Ausnahme der wertlosen Passagen zu Wilhelm Wundt ist das Buch tatsächlich lehrreich und nützlich. Leider ist es ziemlich unübersichtlich. Das fällt einem vielleicht nicht beim ersten Durchlesen auf, sondern erst später, wenn man etwas nachschlagen will und es nicht finden kann. Der Kern von Wisemans Weisheit ist zweifellos bedeutsam und auch der Volksmund weiß etwas davon: "Kopf hoch", sagt man gemeinhin zum Niedergeschlagenen. Tut er es, geht es ihm gleich besser.
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am 5. Dezember 2014
Als gelernter Verhaltenspsychologe propagiert Wiseman den pragmatischen Weg, das Leben zu leben, das man sich wünscht. Dabei beruft er sich vor allem auf dem US-Amerikanischen Philosophen William James, der die einfache, doch effektive Methode des "Tue so als ob"-Prinzips befürwortete.
Die von Wiseman dargelegten Techniken und Empfehlung sind oft erstaunlich einfach, alles was es braucht, ist der Mut neue Wege zu gehen und eine gewisse Selbstdispziplin.
Das Buch behandelt insb. die Themen Glück / Beziehungen / Geistige Gesundheit / Willensstärke und Manipulation. Ich habe es vor einigen Monate gelesen und habe daher die Retroperspektive über die mittelfristigen Wirkungen auf mein Leben: Es hat mein Leben in der Tat bereichert und mir neue Verhaltensalternativen wie auch Sichtweisen eröffnet. Noch heute wende ich diverse Methoden im Alltag an, und diese helfen mir.
Meiner Erfahrung nach reichen diese Techniken aber nicht aus, um bei größeren Problemen wirklich tiefgreifende und langfriste Veränderungen zu bewerkstelligen. Wer also den großen Umschwung in seinem Leben erwartet, wird es auch mit diesem Buch nicht einfach haben. Der Konsument muss sich dessen bewusst sein, dass er diszipliniert an sich arbeiten muss, wenn er gute Früchte ernten möchte. Meiner Ansicht nach ist dieses Buch in erster Linie für den motivierten Selbsthelfer geeignet, der seine eher kleinen und mittleren Problemlagen angehen möchte. Er hat dann gute Chancen Erfolg zu haben.
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Wer Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern von Wiseman kennt, wird hier einige seiner alten Themen wiedererkennen. Es geht u.a. wieder um glücklich sein, selbstbewusster werden und sich Zwängen stellen, schlechte Gewohnheiten ablegen.
Wiseman konzentriert sich hier ganz auf die "as if"-Theorie von William James, der den Menschen eine nie endende Fähigkeit zusprach, sich verändern zu können und zwar entweder durch veränderte Umstände oder durch den eigenen Willen. Während für viele andere Ratgeber die veränderte innere Einstellung vor dem Handeln kommt, schlägt Wiseman im Sinne James vor, gleich das Verhalten zu ändern oder auf das Verhalten anderer verändernd einzuwirken, die innere Einstellung wird sich dann automatisch verändern.

In dem Buch werden neuere Versuche dargestellt, die belegen, dass James mit seinem Ansatz Recht hatte, dass z.B. das Selbstbewusstsein eines normalen Menschen von ganz allein steigt, wenn man ihm anspruchsvollere Aufgaben gibt oder ihn mit mehr Respekt behandelt. Dass alte Leute länger rüstig bleiben, wenn man ihnen nicht alle Verantwortung und alle Aufgaben einfach abnimmt. Dass man sogar das Rauchen leichter aufgeben kann, wenn man sich nun als Nichtraucher bezeichnet und wie ein Nichtraucher benimmt. Dass man anfängt, Sport zu mögen, wenn man ihn erstmal regelmäßig betreibt.

Neu sind einige der Methoden, den Alltag zu verändern, die Wiseman hier vorstellt. Dass es z.B. sehr effektiv ist, wenn man sich gegen eine schlechte Gewohnheit oder eine Zwangshandlung stemmen will, einfach eine Krafthaltung einzunehmen (z.B. den Bizeps anzuspannen) und dabei zu sagen: "Nein! Mache ich nicht." Der Körper erhält das Signal, dass man "stark" ist, wenn man sich hier weigert, und man fühlt sich sofort besser. Völlig banal. Funktioniert aber tatsächlich.

Immer lesenswert ist Wisemans humorvoller Plauderton, mit dem er Leser auch durch abstraktere psychologische Theorien führt.

PS: Der Link zur Originalausgabe oben ist übrigens leider falsch, die englische Ausgabe ist: Rip It Up: The Simple Idea That Changes Everything
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am 31. Juli 2015
Ja, der Titel ist reißerisch gewählt - ob das nun gut oder schlecht ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Mich haben die positiven Kundenrezessionen überzeugt. Zum Glück!

Ich lese gerne ab und zu mal einen "Ratgeber" (u.a. Dale Carnegie, Napoleon Hill - die üblichen Vverdächtigen halt) und sind wir mal ehrlich: wer von uns hatte noch nicht ziemlich bescheidene Zeiten hinter sich, in denen er glaubte, dass ein Ratgeber einfach mal die EINE Tür öffnet und unser Leben im postitiven Sinne umkrempelt - aber nix da... Ich selbst habe durch mein Studium gelernt, Informationen kritisch zu hinterfragen, ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen etc. Mein (tech.-wirt.) Studium hat mir so ziemlich das letzte bisschen Esoterik ausgetrieben, was ich im Nachhinein auch gut so finde. Aber: wer wissenschaftlich arbeitet gelangt zu Ergebnissen, die der Wahrheit entsprechen, die die Realität abbilden und weiter entwickelt bzw. erforscht werden können.

Und das ist der größte Pluspunkt in diesem Buch:. R. Wiseman arbeitet wissenschaftliche Theorien Laien-freundlich auf, belegt sie mit Quellen und Studien (und einem ordentlichen Literaturverzeichnis). Dadurch erscheinen seine Argumenten nicht nur sinnvoll, sonder vor allem auch glaubhaft.

Das "Als-Ob"-Prinzip hat bei mir tatsächlich etwas bewegt. Ich halte mich für recht belesen, aber die Theorien und praktischen Experimente, die er hier präsentiert, hatten schon eine Eye-Opener-Funktion für mich. Einfach "positiv zu denken" funktioniert einfach nicht bzw. nicht sonderlich gut. Jedoch: verhalte ich mich so, als ob ich glücklich wäre, werde ich auch glücklich ;-) Im Prinzip kann man diese Technik mit dem Method Acting vergleichen und auch Wiseman selbst zieht in seinem Buch Parallelen zur Schauspielerei. Liest man sich mal die Dreh-Geschichte(n) von z.B. Raging Bull oder Apocalypse Now durch, stellt man fest, dass die Funktionsweise des Als-Ob-Prinzips auch auf hochkarätige Schauspieler wie DeNiro oder Brando anwendbar ist. Ich würde sogar soweit gehen und sage, dass das Als-Ob-Prinzip der Schlüssel zum künstlerischen Erfolg der Schauspieler gehört. DeNiro spielt in seinen (guten) Filmen nicht einfach nur die Rolle, er IST die Rolle. Die menschliche Persönlichkeit unterliegt einem steten Wandel, der eben durch ihr Verhalten bestimmt wird. Werden Menschen in neue Umgebungen gebracht, sind sie auch gezwungen, sich anders zu verhalten und entwickeln entsprechend neue oder weniger stark Persönlichkeitsmerkmale aus. Ich bin mir sicher, dass jeder in seinem Leben schon mal ein ähnliche Erfahrung gemacht hat. Im Prinzip durchlaufen wir alle ständig einen solchen Prozess, sobald sich irgend etwas in unserem Umfeld ändert. Der Witz an der Geschichte ist nur der: jetzt weiß man, wie man aktiv etwas unternehmen kann, um sein Glücksempfinden (und darum geht es doch jedem von uns) zu steigen und sein Leben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten.

Fazit: Großartig, weil es wissenschaftlich und gleichzeitig leicht verständlich und nachvollziehbar geschrieben ist. Wiseman wäre ein idealer Autor für die "...für Dummies"-Reihe. Auch hier haben die meisten Autoren einen wissenschaftlichen Hintergrund und entsprechende Reputatioen.

Wer wirklich einen neuen Blick auf sich und die Welt bekommen will, sollte dieses Buch lesen. Und wer schon immer mal seinen inneren James Bond raus lassen wollte, weiß dann auch, was zu tun ist ;-)

5/5
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am 16. August 2014
"Die radikal einfache Idee, die Ihr Leben verändert", dieser Satz hat mich neugierig gemacht und lies mich das Buch kaufen. Es fängt mit einer interessanten These an "Wenn du etwas willst, tue so, als ob du es schon hättest". Das wars dann auch schon. Langatmig werden Studien über Studien zitiert, sattsam bekannte Erkenntnisse ( Selbstbewusstein steigt, wenn man respektvoll behandelt wird, ...) Ich habe mich dann irgendwann dabei ertappt, dass ich die Seiten überfliege in der Hoffnung, jetzt wirds interessant. Was ist jetzt die radikal einfache Idee, die unser Leben verändert? Wirklich nur das "Als ob" Prinzip, sorry, aber das ist ein alter Hut (siehe the secret). Für mich ist das Buch eine einzige Enttäuschung, kann ich leider überhaupt nicht weiterempfehlen.
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Lächeln wir, weil es uns gut geht, oder geht es uns gut, weil wir lächeln? Hinter diesen vielleicht etwas merkwürdigen Fragen versteckt sich ein unerwartetes Potential für das Verständnis menschlichen Verhaltens und eine Methodik zu seiner Veränderung.

Während die erste Frage eigentlich keine ist, weil sie eine offensichtliche Erfahrung widerspiegelt, erwartet man für die Umkehrung des Zusammenhangs schon einen Beweis. Und den kann man offenbar erbringen. Eine entsprechende Untersuchung wird im Buch zitiert.

Wenn man sich also physisch so verhält, als ob man glücklich wäre, dann treten in der Folge die zugehörigen Gefühle wenigstens teilweise ein: Man fühlt sich nachweisbar besser, wenn die für das Lächeln verantwortlichen Gesichtsmuskeln entsprechend benutzt werden. Und dabei handelt es sich lediglich um einen Spezialfall eines allgemeingültigen Zusammenhanges. Das jedenfalls behauptet die sogenannte Als-ob-Theorie. Verhalten wir uns also physisch so, als ob ein gewisser emotionaler Zustand bereits vorhanden wäre, dann tritt dieser wenigstens abgeschwächt auch tatsächlich ein.

Setzt man beispielsweise Menschen verschiedenen Geschlechts, die sich noch nie vorher gesehen haben, in einen dunklen Raum, dann zeigen oft genug wiederholte Versuche immer wieder, dass sich diese Menschen irgendwann anfangen abzutasten. Wenn sie sich dann später bei Lichte betrachten, finden sie sich viel sympathischer als normalerweise zu erwarten wäre. Im Buch werden noch zahlreiche andere Versuche und Untersuchungen zitiert, die immer wieder die sogenannte Als-ob-Theorie bestätigen.

Daraus ergeben sich erstens beeindruckend konsistente Erklärungsansätze für manches zum Teil rätselhaftes menschliches Verhalten und zweitens eine Methode, um Verhaltensänderungen bei sich selbst relativ einfach in die Wege zu leiten. Man kann sich nämlich viel leichter zu einer gewissen Verhaltensänderung zwingen als zu einer Änderung seiner Denkweise, wie sie oft in Lebensberatungsbüchern empfohlen wird.

Ist man beispielsweise anfällig für depressives Verhalten, dann wird es nur selten helfen, wenn man zum positiven Denken aufgefordert wird. Kontrolle über das eigene Denken zu erlangen, ist zwar möglich, erfordert aber eine erhebliche Disziplin. Und erzwingen kann man es schon gar nicht. Deshalb klappt es auch meistens nicht, jedenfalls nicht bei Menschen, die es gerade gut gebrauchen könnten. Die Lage wird sich aber in der Regel viel schneller bessern, wenn man etwas tut. Und dabei können auch andere helfen.

Wenn man sich also so verhält, als ob man depressiv ist, dann wird man spüren, dass man vieles düsterer sieht als vorher. Das erklärt auch, warum viele Menschen sich aus Abwärtsspiralen nicht mehr selbst befreien können. Wenn man die entsprechenden physischen Verhaltensweisen aber durchbrechen kann, besteht wenigstens eine Chance auf Besserung.

Die Als-ob-Theorie eignet sich nicht nur als theoretisches Erklärungsmodell für viele menschliche Verhaltensweisen, sondern sie lässt sich auch in entsprechenden praktischen Versuchen wissenschaftlich beweisen. Es geht dabei nicht um solche Albernheiten, sich zum Beispiel wie ein Millionär zu benehmen, um schließlich einer zu werden, sondern um ausschließlich einfache physische Veränderungen.

Neben einer Einleitung und einem Schlussabschnitt besteht Wisemans Buch aus sechs Kapiteln: (1) Wie man glücklich wird, (2) Attraktivität und Beziehungen, (3) Geistige Gesundheit, (4) Willensstärke, (5) Die Kunst des Überzeugens, (6) Ein neues Selbst schaffen. Wer schon einige der üblichen, aber gewöhnlich eher lustigen Lebensberatungsbücher hinter sich hat, der wird vielleicht bei diesen Kapitelüberschriften abwinken. Doch was hier geboten wird, funktioniert offensichtlich wirklich. Immer wieder werden wissenschaftliche Studien zitiert und relativ ausführlich beschrieben.

Der Text zeichnet sich daneben durch einen wohltuend ironischen Unterton aus und ist leicht lesbar, wenn man sich für die menschliche Psyche interessiert. Er ist nicht nur sehr erhellend, sondern bietet auch viele ganz simple Hilfen an. Wiseman erklärt mit der Als-ob-Theorie beispielsweise das merkwürdige Verhalten von Menschen mit geringem Selbstwertgefühl. Oft nämlich erwarten solche Menschen förmlich, dass sie entwürdigend behandelt werden und geben sich dann auch noch selbst die Schuld dafür. Wiseman erklärt, warum das so ist.

Anschließend zeigt er, dass einfache physische Verhaltensänderungen wie zum Beispiel das für andere unmerkliche Ballen einer Faust oder das Anspannen bestimmter anderer Muskeln das aktuelle Selbstwertgefühl genauso verbessert wie das Einnehmen gewisser Machtposen. Macht man das nur eine Minute lang, dann ändert sich nachweislich die Hormonzusammensetzung des Speichels. Eine einfache physische Verhaltensänderung führt also zu einer Veränderung der Chemie im Körper.

Dieses Buch führt nicht nur zu einem ganz anderen Verständnis menschlichen Verhaltens, sondern es kann auch helfen, sich selbst zu verändern, wenn man dies für erforderlich oder wünschenswert hält.
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am 22. Oktober 2014
Der Autor und Psychologieprofessor Richard Wiseman erzählt ja gerne von der Zeit vor seiner akademischen Karriere, die er als professioneller Zauberkünstler zugebracht hat. Dieses Kapitel scheint für ihn auch heute noch nicht ganz beendet zu sein, denn das vorliegende Buch "Machen, nicht denken!" kann ohne Übertreibung als sein grandiosester Trick bezeichnet werden. Darin erweckt er meisterlich auf nicht weniger als 399 Seiten den Eindruck als würde er auf allgemein verständliche Weise ebenso neue wie hilfreiche Erkenntnisse vermitteln, um das Leben seiner Leser - ach was: der gesamten Menschheit! - ein für alle mal zu dem Paradies zu machen, das wir uns immer schon gewünscht haben. Doch wie schafft er es uns so hinters Licht zu führen, was ist sein Geheimnis? Da der Meister bekanntlich seine Tricks niemals verrät, möchte stattdessen ich nun die Aufgabe übernehmen zu versuchen mit Ihnen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Bereiten Sie sich auf verblüffende Einsichten vor und begleiten Sie mich bitte nur, wenn Sie den Zauber nicht bewahren wollen...

Der erste Kniff des Meistros besteht darin eine komplette Person verschwinden zu lassen. Bravo, das ist schließlich ein Klassiker auf der Bühne! Und wer verschwindet bitteschön? Herrn Carl Lange! Wie, den kennen Sie nicht? Na da sehen Sie einmal WIE gut Richard Wiseman ist. Er erwähnt einfach als Urheber der im Buch lang und breit dargestellten und von ihm als "Als-ob-Prinzip" bezeichneten Idee einige dutzend Male William James und lenkt unsere gesamte Aufmerksamkeit auf diesen Wohltäter und Tausendsassa den viktorianischen Epoche, um auf diesem Weg den guten Carl Lange elegant völlig unter den Tisch fallen zu lassen. Nicht einmal in eine Fußnote hat es dieser respektable Physiologe gebracht, der zur gleichen Zeit wie James so ziemlich die gleiche Theorie entwickelt hat. Nämlich die, dass vielleicht menschliches Verhalten nicht immer nur von den Emotionen gesteuert werde, sondern dass dieser Mechanismus auch anders herum funktionieren kann. Nur noch einige wenige tausend Professoren an allen normalen Unis (offensichtlich außer der von Richard Wiseman) und mythische, schwer einsehbare Quellen wie Wikipedia weisen heute noch auf das große Verdienst von Carl Lange hin, weswegen die im ganzen Buch anzutreffende Theorie für Eingeweihte bis heute eigentlich ausschließlich als James-Lange-Theorie bekannt ist. Aber solche Details würden ja die ganze schöne Illusion des von Wiseman aus welchen Gründen auch immer veranstalteten und ziemlich irritierend wirkenden James-Kultes kaputt machen, also bloß weg damit!

Wer solche Dinge noch als irrelevante alberne Taschenspielertricks abtut, für den hat der Autor gleich sein nächstes Kunststück zur Hand: Diesmal hält er sich nicht mehr mit Kleinigkeiten auf, sondern verzaubert gleich ein ganzes Land! Er berichtet von einer Umfrage in der er alle Bewohner von Großbritannien gebeten hat online die eigene Befindlichkeit auf einer Skala einzuschätzen, wobei sich 45% der Teilnehmer im oberen Bereich verorteten, was bedeutete, dass sie sich "mittelmäßig bis sehr froh" fühlten. Daraufhin sollte ein Teil der Gruppe Ihr Glücksgefühl mit Methoden verbessern, die auf dem "Als-ob-Prinzip" (also der James-Lange-Theorie!) basierten und siehe da: Diese Übungen zeigten wohl gute Ergebnisse, denn danach war der Anteil der Menschen mit guter Laune um sieben Prozentpunkte auf 52% gestiegen! So weit, so gut. Haben Sie den Trick schon entdeckt? Nein? Das konnten Sie auch gar nicht, denn er kommt ja erst jetzt: Es liegt darin wie der Meister dieses Ergebnis nun interpretiert. Er schwenkt dramatisch ein wenig seinen imaginären Zaubererumhang und sagt dann allen Ernstes, dass es ihm aufgrund des Untersuchungsdesigns leider nicht möglich ist Aussagen darüber zu treffen, ob dieser Anstieg um sieben Prozentpunkte ursächlich in irgendeiner Form mit seiner Behandlungsmethode zu tun hatte!! Dennoch geht er einfach mal davon aus, dass es sonst wenig andere einflußreiche Faktoren gegeben habe, die stattdessen diesen Effekt bewirkt haben könnten und daher (und ich zitiere hier wörtlich von Seite 46!) "liege der Gedanke nahe, dass William James dazu beitrug eine ganze Nation aufzuheitern." Piff, paff, puff und dreimal schwarzer Kater! Das ist doch der Hammer, oder? Dagegen sieht David Copperfield mit seinen betrügerischen Videoschnitten in den alten TV-"Live"-Shows doch gleich aus wie seriöser Bibelverkäufer. Um es mal ganz deutlich zu sagen: Diese Untersuchung von Richard Wiseman hat den wissenschaftlichen Wert eines Groschenromans und das ist ihm auch bekannt. Wer wissentlich solchen Unfug veranstaltet gehört meiner Meinung nach vom Universitätsbetrieb weltweit auf Lebenszeit ausgeschlossen. Erstens sagt er selbst, dass es keinerlei Beweis dafür gibt, dass seine Methoden die Effekte bewirkt hat, womit also der ganze Aufwand für die Katz war und zweitens interpretiert er dann noch eine Verbesserung um ganze sieben Prozentpunkte als einen Effekt, der eine ganze Nation aufheitert!? Eine ganze Nation besteht immer noch aus 100% der Individuen; lieber Herr Wiseman, und nicht aus 52%, egal wie viele Kaninchen man aus dem Hut zaubern möchte. Wo ist nun der doppelte Boden, in den sie sich eigentlich aus Anstand verkriechen sollten??

Da mir wie Sie bemerkt haben nun leider die Laune vergangen ist den humoristisch angelegten Stil dieser Rezension fortzuführen, da ich schon endgültig bewiesen habe, dass das Buch jeden Anspruch darauf ernstgenommen zu werden verwirkt hat, fasse ich mich für den Abschluss etwas kürzer: Der Autor hat seine 10 Kernthesen auf drei Seiten kurz vor Ende des Buches zusammengefaßt - hätte diese Zusammenfassung am Beginn des Buches gestanden, hätte ich darauf verzichtet mich durch die restlichen 396 Seiten zu kämpfen. Jedem Interessierten empfehle ich sehr sich diese Zusammenfasung auf Seite 380 bis 383 durchzulesen und dann zu entscheiden, ob es lohnend erscheint sich den Rest des Buches anzutun. Glauben Sie mir, dort finden Sie auch nur mengenmäßig aufgeblähte und fachlich verkürzte bis teilweise mehr oder weniger verfälschte Ausführungen über wissenschaftliche Studien, die allesamt nicht brandneu und zumeist auch sehr trivial sind.

Die schon auf dem Frontcover versprochene radikal einfache Idee, die das eigene Leben verändert, scheint der Autor versehentlich in die Bücher anderer Fachleute gehext zu haben, denn in "Machen, nicht denken!" sind sicher keine vorhanden. Daher vergebe ich hier ausnahmsweise die schlechtest mögliche Wertung von nur einem von fünf Sternen. Wer sein Leben wirklich verbessern will, soll sich lieber mit dem Modell vom Inneren Kind beschäftigen, Qigong anfangen oder Zeit mit seiner Familie verbringen.
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am 22. Februar 2015
Selbstverständlich ist das ein ganz anderes Buch als die üblichen Selbsthilfebücher, eines das endlich wirklich hilft usw.
Na klar :-)
Den theoretischen Teil fand ich im Großen und Ganzen interessant, auch wenn er einige Schwächen hat, auf die schon andere Rezensenten hingewiesen haben, z.B. die abwertende Einleitung über Wilhelm Wundt. Erwähnen möchte ich noch, dass uns hier ein extrem mechanistisches Weltbild präsentiert wird. Psychologische Prozesse sind in der Realität wohl doch wesentlich komplexer und vielschichtiger. Hier sehen wir einfach einen Aspekt und dies finde ich im Rahmen des Buches auch akzeptabel.
Aber das Buch tritt ja nicht nur an, uns ein paar wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln. Nein, es will nichts weniger als unser Leben zu verändern und bringt deshalb auch einen Selbsthilfe-Teil mit. Dieser jedoch war:
a) extrem kurz
b) teilweise gefährlich (heile dich selbst von der Depression)
c) teilweise absurd, wie etwa der Ratschlag sich zwei Wochen lang durchgängig so zu verhalten, wie man gerne wäre. Das schafft man vielleicht in kleinen Dingen (ich bin mal großzügiger als sonst). Aber wenn man sich was komplexeres vorgenommen hat? Da weiß man ja oft nicht mal, WIE genau es funktioniert, dieses „verhalte dich doch mal so“. Und dann gäbe es ja noch hinreichend Beispiele aus der Raucher-Liga, die es prima geschafft haben, sich zwei (oder mehr) Wochen wie ein Nichtraucher zu verhalten ohne eine langfriste Änderung zu erzielen.

Fazit: Interessant als Einstieg in diesen Zweig der Psychologie, mit einigen guten Anregungen altbekannte Wahrheiten in Frage zu stellen, aber als Selbsthilfe-Buch genauso wertlos wie alles andere auf dem Markt.
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Wiseman setzt hier sein sehr lesenswertes Buch 60 Sekunden fort: Hat er dort die Mythen der Selbsthilfebücher entlarvt (die oft auf "Common Sense" statt auf Psychologie basieren und dabei außer acht lassen, dass das Gehirn eben nicht so einfach gestrikt ist) konzentriert er sich jetzt auf eine Grundlage, die ebenso gut erforscht wie unerwartet daherkommt und sich mit dem Satz beschrieben lässt: "Wenn du etwas willst, tue so, als ob du es schon hättest". Das gilt (etwas ausgearbeitet) ebenso für "Glück sein" wie für "Liebe", "Selbstbewusstsein" aber auch Meinungen. Oft kontrolliert der Körper nämlich bestimmte Charakteristiken (z.B. die Position der Mundwinkel) und schließt daraus wie er sich fühlt und was er denkt (z.B. dass man wohl glücklich ist, wenn die Mundwinkel oben sind).
Das klingt unglaublich, ist aber -wie Wiseman ständig belegt - sehr oft in allen Varianten ausprobiert worden. Das Buch enthält zahlreiche kleine Tipps, wie man sein Leben verbessern kann. Dabei schreibt Wiseman klar und mit typisch britischem Humor, so dass man das Buch auch gut nebenbei lesen kann.
Allerdings überreizt er m.E seine Hand ein bisschen, denn z.T ist das Als-Ob-Prinzip nur in Ansätzen erkennbar (oder weit hergeholt). Umgekehrt ermüden die ersten Kapitel etwas, da oft dieselben Erkenntnisse wiederholt werden, es werden nur andere Studien zitiert. Beides lässt sich gut verkraften.
Auch empfehlenswert übrigens für Fans der "Verrückten Experimente" - Bücher von Reto Schneider, denn auch hier werden viele originelle Studien im Detail erklärt - man lernt so nebenbei wie Psychologen auf die Erkentnisse kommen, die hier verbreitet werden.
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am 17. Mai 2015
Ein absolut inspirierendes Buch. Der Ansatz, dass unser Handeln unser Fühlen beeinflusst und nicht umgekehrt, ist faszinierend. Ich habe beim Lesen einiges über mich und meine Mitmenschen gelernt. Mir gefällt die Mischung aus wissenschaftlichen Ergebnissen und pragmatischem Schreibstil.
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