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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wichtiges Buch um Wortverdrehungen und Unworte zu durchschauen, Danke!
Natürlich klingt thermische Abfallbehandlung besser als Müllverbrennung, das klingt nicht nur weniger schmutzig, nein, das Ganze bekommt auch noch einen sachlich, wissenschaftlichen Hauch. "Alternativlos" ist bei Frau Merkel fast alles, vom Atomausstieg bis zu Bankenrettungspaketen. Auch an dieses Unwort des Jahres 2011 haben wir uns schon gewöhnt...
Veröffentlicht am 16. Dezember 2012 von es

versus
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Bessere ist der Feind des Guten
Das Buch knackt so einige interessante Worthülsen . Ich bereue nicht, es gelesen zu haben.
Teilweise erfährt der Leser etwas über Wortherkunft und eigentliche Bedeutung. Im Besonderen stehen aber berufliche Wortverdreher, also unsere Politiker, am Pranger.

Enttäuscht war ich von der Aufmachung im Lexikon-Stil, die den Lesefluss doch...
Vor 22 Monaten von Oskar12 veröffentlicht


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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Bessere ist der Feind des Guten, 6. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Das Buch knackt so einige interessante Worthülsen . Ich bereue nicht, es gelesen zu haben.
Teilweise erfährt der Leser etwas über Wortherkunft und eigentliche Bedeutung. Im Besonderen stehen aber berufliche Wortverdreher, also unsere Politiker, am Pranger.

Enttäuscht war ich von der Aufmachung im Lexikon-Stil, die den Lesefluss doch sehr ausbremst. Eine thematische Gliederung wäre besser gewesen, vielleicht auch mit dem ein oder anderen Beispiel aus dem politischen Alltag.

Zudem wird die Bedeutung der sprachlichen Ebene an manschen Stellen aufgebauscht. Beispielsweise wird in der Politik das Wort "Krieg" in der Regel schlicht aus juristischen Gründen vermieden - weil es falsch wäre und/oder weil der (Angriffs)Krieg in Deutschland verfassungsrechtlich verboten ist.

Abgesehen davon schwingen viele politische Meinungen der Autoren selbst mit. Was aber nicht weiter stört, im Gegenteil. Die sind nämlich überwiegend interessant und diskussionswürdig.

Fazit: Ein gutes Buch mit leichten Schwächen in Aufbau und Inhalt. Lesen lohnt sich aber trotzdem (noch).
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lexikon der missbrauchten Begriffe, 6. April 2013
Von 
Amazon-Kunde "mak" (Erding Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Reicht es für ein Buch, eine gute Idee so lange zu durchzudeklinieren, bis sie so gut wie tot ist. Kai Biermann hat hier ein Lexikon der von Politik, Wirtschaft, Marketing und Medien missbrauchten Begriffe und Neusprech-Kombinationen zusammengestellt. Nach wenigen Seiten kennt man das Prinzip - und je weiter man im Buch voran kommt, desto weniger ist man überrascht oder gar fasziniert. Schade.
Ein guter Tipp: unbedingt das letzte Kapitel lesen, das macht Spaß, wenn die Sprache von Wulff, Merkel, Guttenberg & Co. intelligent und witzig interpretiert wird. Mehr davon hätte dem Buch gut getan.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wichtiges Buch um Wortverdrehungen und Unworte zu durchschauen, Danke!, 16. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Natürlich klingt thermische Abfallbehandlung besser als Müllverbrennung, das klingt nicht nur weniger schmutzig, nein, das Ganze bekommt auch noch einen sachlich, wissenschaftlichen Hauch. "Alternativlos" ist bei Frau Merkel fast alles, vom Atomausstieg bis zu Bankenrettungspaketen. Auch an dieses Unwort des Jahres 2011 haben wir uns schon gewöhnt. Hochaktuell, wie sich schon Friedrich Engels über das irreführende Wort "Arbeitgeber" geäußert hat. "Atomruine", das klingt doch nach einem hübschen Ausflugsziel fürs Wochenende. Können Sie mit dem Wort "Bedarfsträger" wirklich etwas anfangen? Wissen Sie, was sich hinter der "Bierdeckelsteuer" oder dem "Lackmustest" eigentlich verbirgt? "Gelenkte Demokratie", ist das nicht ein Widerspruch in sich? Was können "Mautbrücken" eigentlich wirklich und warum heißen sie dann nicht anders? Wenn es "unschuldige Opfer" gibt, gibt es dann auch schuldige Opfer?

Die beiden Autoren (ein Professor für Linguistik und ein Psychologe ) decken auf, warum bestimmt Wörter in öffentlichen Debatten, besonders in politischen, verwendet oder gar erfunden werden um zu verschleiern, Konflikte zu entschärfen, irrezuführen, zu beruhigen.
"Was jemand willentlich verbergen will, sei es vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag" - diese Worte von Victor Klemperer sind dem Buch vorangestellt.

Die Autoren öffnen uns die Augen oder besser die Ohren. Ich ahne, dass ich es immer mal wieder zur Hand nehmen werde, wenn Worte fallen wie Protestwähler, Schuldenbremse, Sparpaket - also Worte, die sich schon so in unserem Alltag eingeschlichen haben, dass es Wert ist, sie zu hinterfragen. Ich empfehle dieses Buch allen, die sich durch bewußt eingesetzte Worthülsen und Unworte nicht manipulieren lassen wollen.
Zu Recht ist dieses Buch mit dem Grimme Online Award 2011 ausgezeichnet worden.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ein Intensivtäter und das Jobcenter gemeinsam haben, 20. Juni 2013
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
ganz zu schweigen vom WC-Center und einer Exzellenzinitiative? Jeder der noch einigermaßen bei Trost ist, erkennt es sofort: es ist rhetorischer Unfug! Besserenfalls sind es inhaltsleere Worthülsen, meist aufgepumpte Banalitäten, denen mittels Klangfülle der Anstrich von substanziell nicht vorhandener Wichtigkeit und Dringlichkeit oder überhaupt Notwendigkeit verliehen werden soll, schlimmstenfalls aber (und das leider viel zu häufig) sind es schlichtweg dreiste Täuschungsmanöver - man könnte auch sagen Lügen -, die nach dem Show-Prinzip eines jeden Illusionisten eine Wirklichkeit inszenieren sollen, die gar nicht existiert und umschwurbelt zu verbergen suchen, was gesagt werden sollte. Oder kurz, diese Begriffe sind einfach Quatsch, krachender Blödsinn.

Ich habe oben wahllos drei Begriffe dem Buch entnommen (das WC-Center habe ich zu verantworten), auf 230 Seiten finden sich hunderte Wörter, die mindestens missbraucht, meist eigens konstruiert wurden, um eine nicht ganz so hübsche Wahrheit milder klingen zu lassen, oder zweifelhafte Interessen leichter mehrheitsfähig zu machen. Krieg will schließlich niemand, einen Stabilisierungseinsatz können sich viele schon eher vorstellen, erst recht wenn die zivilen Opfer (also Getötete oder Verletzte) nur als Kollateralschaden an unserem Gewissen vorbeihuschen.

Bei allen Begriffen bei denen das Autorenduo Biermann/Haase bei der Decodierung konsequent etymologisch vorgeht, ist das Buch eine humorvoll unterhaltende Lektüre, dazu sprachlich sensationell. Nicht nur wie sie inhaltlich die Hohlwörter und Antiphrasen zerlegen und ihren Schöpfern um die Ohren hauen, sondern auch wie sprachlich versiert sie es tun, macht das Ganze äußerst lesenswert.

Dass sie bei einigen Begriffen übers Ziel hinausschießen und etwas pedantisch Wörter der Sprachlüge bezichtigen, die es nun wahrlich nicht verdient haben, ist verzeihlich, denn es handelt sich ja um keine trockene wissenschaftliche Arbeit, das Buch ist natürlich auch Polemik. Ich glaube z.B. nicht, dass sich irgendwer ernstlich an den Bezeichnungen >Arbeitgeber und Arbeitnehmer< stört oder darin einen vorsätzlichen Verschleierungsversuch unehrenhafter Motive sieht.

Weniger leicht verzeihlich ist, dass sie bei einigen (insgesamt zu vielen, gefühlt 20%) Begriffen sehr politisch, ideologisch vorgehen. Das gehört nicht in ein solches Buch, was den Missbrauch von Wörtern oder rhetorischen Wendungen aufdecken will. Immerhin - das muss der Fairness halber erwähnt werden - wird in der Autorenvorstellung auf der zweiten Seite darauf hingewiesen, dass Martin Haase bekennender Pirat ist. Das verstößt nicht gegen demokratische Regeln und ist vollkommen okay. Nur leider merkt man es einigen Texten im Buch sehr stark an - und das ist nicht okay. Denn wenn in einem Buch, das weit überwiegend Begriffe zerlegt, die schlicht nur sprachliche Katastrophen sind, völlig unabhängig, wer welches Ziel mit ihrem Gebrauch verfolgt, plötzlich einige Passagen eingestreut sind, deren Kritik ideologischen Vorgaben folgt, dann machen die Autoren letztlich genau das gleiche, wie die von ihnen Kritisierten: Sie versuchen die beim Leser durch den von ihnen erzeugten Wortnebel verursachte schlechte Sicht zu nutzen, um ein paar Inhalte ungesehen über die Straße zu bringen. Man könnte es auch Manipulationsversuch nennen. Mache ich aber nicht, weil ich keinen Vorsatz unterstelle, sondern vermutlich wohl nur der innere Pirat mit dem Autoren durchging.

Absolution erteilt und deswegen auch nur einen Stern Abzug. Denn alles in allem ist "Sprachlügen" ein wunderbarer Kehrbesen für all den herumliegenden Wortmüll. Nun müssen wir nur noch alle viel konsequenter widersprechen oder einfach laut auflachen, wenn uns derartige Wortunglücke begegnen und so die Schöpfer und ihre Schergen bloßstellen, sonst hört das nie auf. Jobcenter ist, abgesehen davon, dass es ein irreführender Begriff ist, auch noch amtlicher weise falsch geschrieben. Im Englischen schriebe man es nämlich Job Center.

Und ein WC-Center? Ist das das ultimative Zentrum aller Toiletten? Oder soll mir die trendig schicke Bezeichnung suggerieren, dass im Gegensatz zu einem normalen Klosett, in einem WC-Center der Stuhlgang zum Event wird? Mit psychologisch geschultem, motivierendem Coach am Eingang, sanfter, die Sinne entspannender musikalischer Untermalung des ehemals stillen Örtchens, einem Leuchtkugel-Feuerwerk bei erfolgreichem Geschäftsabschluss und einer jungen Dame, die mir am Ausgang mit lasziven Blick ein "Du warst dufte" hinterher haucht?
Für ein potentielles "Sprachlügen II" existiert durchaus noch genug Material, zumal es wuchert.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Interessenvertreter vom "Sparkurs" sprechen, aber Lohn- und Rentensenkungen bzw. Leistungskürzungen für andere meinen., 3. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Im diesem Buch geht es um Floskeln, Scheinargumente, Rabulistik, Euphemismen, das Schönreden und das Verschleiern mit Worten. "Nirgendwo fliegen mehr Worthülsen und Unworte umher als in der Politik und bei öffentlichen Debatten", schreiben die Autoren zu Beginn ihres Buches. Denn viele Worte, die wir als selbstverständlich hinnehmen, sind bei genauer Betrachtung nichts anderes als "Neusprech" und "dreiste Sprachlügen".

Bis zur Seite 206 nehmen die Autoren einzelne Begriffe wie arbeitssuchend, Augenmaß, Aufstocker, Bierdeckelsteuer, Biosprit, Denkverbote, Einstiegslohn, Exzellenzinitiative, Fortschritts- und Integrationsverweigerer, Kaufzurückhaltung, Klimaskeptiker, Leistungsträger, freiwillige Selbstverpflichtung, Sparkurs und Sparpaket, die Forderung nach "Versachlichung" und viele andere unter die Lupe der Sprachanalyse und Sprachkritik.

Auf Seite 145 analysieren die Autoren z. B. den Begriff "Protestwähler". Damit sollen all diejenigen Bürger in unserem Lande diffamiert werden, die ihr demokratisches Recht wahrnehmen, sich für eine andere als eine der regierenden (bzw. sogenannten etablierten) Parteien zu entscheiden, weil ihre berechtigten Interessen nicht mehr durch diese Parteien vertreten werden. Es belegt, was die herrschende Nomenklatura in Deutschland grundsätzlich von den Bürgern bzw. Wählern hält: Nämlich nichts. Denn letztlich ist "jede Entscheidung eine Form des Protestes - gegenüber allen anderen Möglichkeiten". (Biermann/Haase, Seite 146)

Ab Seite 207 bis Seite 232 servieren die Autoren als "Desert" dann abschließend noch eine "politische Grammatik - statt eines Nachwortes". Hier geht es um die "wahren Künstler des Politikersprechs", denn diese "brauchen keine Neuschöpfungen und Umdeutungen, um ihre Absichten zu verschleiern. Sie nutzen ganz normale Wörter und bauen sie so geschickt zusammen, dass der Zuhörer gar nicht merkt, wie er verschaukelt wird" (Biermann/Haase, Seite 207). Untersucht werden unter anderem das "Wulffsche man", das "Guttenberg-Passiv: ein Geständnis abzulegen, ohne zu gestehen", die "Leyen-Leiter", den "Über-Ziercke" und den "Unter-Ziercke". Jedes Wort hat neben seiner (eigentlichen) Bedeutung auch noch eine Nebenbedeutung, die sich aus den Assoziationen ergibt, die andere Menschen mit dem Wort verbinden.

Sprache zeigt die Meinung und Einstellungen der Sprecher. Letztlich ist es kaum möglich, diese zu verhehlen, wenn man eine Botschaft vermitteln will. Das ist wichtig. Denn was soll "Neusprech"? Nun, vor allem wohl den Sprecher zu schützen. "Viele Wörter und Formulierungen haben den Zweck, den oder die Verantwortlichen zu verbergen oder zu verschleiern, dass überhaupt jemand die Verantwortung trägt." (Biermann/Haase, Seite 232). Neusprech soll auch den Raum der Ideen begrenzen, also den Gedanken verhindern, dass es Alternativen zu dem Gesagten gibt (Stichwort: "alternativlos"). Und schließlich soll Neusprech dem Leser bzw. Zuhörer etwas vorgaukeln und so die hässliche Realität akzeptabel machen. "Wer sich jedoch nicht selbst belügen mag und auch nciht belogen werden will, der sollte auf die Worte achten, die seine Gegenüber verwendet.

Eine Seite mit "Neusprech -Literatur"-Hinweisen rundet das Buch ab. Auf ein Stichwortverzeichnis kann man verzichten, da die analysierten Wörter nach dem ABC sortiert sind und die Überschriften zudem farblich abgesetzt sind. Das Buch ist äußerst verständlich geschrieben und empfehlenswert für alle Bürger, denen man in diesem unserem Lande das eigene Denken noch nicht abgewöhnt hat. Der Klügere gibt nach, bis er der Dumme ist.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr nützlich, aber auch mit Schwächen, 9. August 2013
Von 
Estragon - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Seine Nützlichkeit gewinnt das Buch dadurch, dass viele der analysierten Ausdrücke auch dem eigentlich aufmerksamen und kritischen Zeitgenossen wie selbstverständlich vorkommen. Man denkt sich irgendwann nichts mehr dabei. Dem will das Buch abhelfen, und das gelingt ihm größtenteils gut. Die alphabetisch geordneten Beiträge zu den ausgewählten ›Neusprech‹-Ausdrücken enthalten eine Mischung aus nüchterner Sprachanalyse und politischer Polemik, wobei das Mischungsverhältnis durchaus variiert. Der polemische Aspekt ist sicherlich die Achillesferse des Buches, denn hier hängt die Plausibilität vielfach daran, inwieweit man den politsichen Ansichten der Autoren zu folgen bereit ist. Das lange und sehr informative Nachwort fasst zum Teil die wichtigsten Einsichten der Einzelbeiträge zusammen, zum Teil erweitert es die Perspektive auf größere rhetorische Zusammenhänge.

Bei manchen Beiträgen wird man allerdings stutzig. Im polemischen Überschwang schleichen sich fragwürdige Diagnosen ein. Ein Beispiel: Unter »Handlungsfähigkeit« (S. 80) heißt es, dieser Ausdruck sei ein Pleonasmus, denn: »entweder ist man fähig zu handeln, handelt also – oder eben nicht«. Das ist klarerweise Unfug, denn ein Akteur handelt nicht notwendigerweise, nur weil er prinzipiell handlungsfähig ist. Handlungsfähigkeit ist eine Disposition, die von ihrer Aktualisierung (dem Handeln) zu unterscheiden ist. »Handlungsfähigkeit« und »Handeln« haben also unterschiedliche Gebrauchsregeln und -kontexte. Auch an der von Biermann und Haase kritisierten Aussage, ›jemand beweise seine Handlungsfähigkeit‹ (vermutlich, indem er handelt), ist nicht prinzipiell etwas auszusetzen. Es kann durchaus eine informative Aussage sein. Ein irreführender Gebrauch, den die Autoren offenbar brandmarken wollen, muss also gegen irgendwelche anderen Gelingensbedingungen verstoßen, deren Analyse die Autoren in diesem Fall schuldig bleiben.

Der Titel »Sprachlügen« ist - darin liegt eine gewisse Ironie – seinerseits etwas irreführend. Denn es geht keineswegs immer darum, mit den ›Neusprech‹-Ausdrücken vorsätzlich Unwahrheiten zu verbreiten. Nur das wäre wirklich ein Lügen im buchstäblichen Sinne. Die Autoren verweisen aber auch auf eine ganz andere Krankheit der politischen (und öffentlichen) Sprache. Sie reden vollkommend zutreffend davon, dass das Ziel der Verwendung der untersuchten Ausdrücke oftmals in »Wichtigtuerei«, ›Bedeutsamkeitserschleichung‹ oder diffuser »Irreführung« bestehe. In solchen Fällen geht es nicht um die Verbreitung von Unwahrheiten, sondern eher darum, Äußerungen zu tätigen, die Bedeutsamkeit und Entschiedenheit suggerieren, bei denen man aber bei genauerer Betrachtung gar nicht sagen kann, ob sie überhaupt etwas Wahrheitsfähiges enthalten. Biermann und Haase sprechen dann gerne von »Nebelkerzen«. Das wäre wohl annähernd identisch mit dem, was Harry G. Frankfurt als ›Bulls*****‹ bezeichnet und analysiert hat. Frankfurts Buch (Bulls***) scheint mir eine hervorragende Ergänzungslektüre zum vorliegenden Band.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Locker-flockige Schulung, 20. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Wer Theorie über ein Sprache erwartet ist hier fehl am Platz. Das Buch ist eine Sammlung von Begriffe die von der Politik erfunden wurde um Macht zu schaffen. Es liest sich flüssig und ist unterhaltsam geschrieben. Gewonnen habe ich aus dem Buch das Nachdenken über Begriffe, ich glaube es schult ein wenig darin nicht auf solche Wörter hereinzufallen und sich ihnen bewusst zu werden.

Mich würde interessieren ob der Autor bemerkt, dass er ebenfalls sehr polemisch Sprache missbraucht um seine Blickrichtung zu reproduzieren. Was mich allerdings nicht gestört hat. ;)
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, 18. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Endlich gibt es die aufschlussreichen und amüsanten Sprachanalysen von Martin Haase und Kai Biermann in Buchform!
Aufgebaut wie ein Wörterbuch laden die kleinen Artikel immer wieder zum schmökern und nachschlagen ein.
Die Autoren nehmen kein Blatt vor den Mund und entlarfen die Worthülsen als das was sie sind.
Dabei bleiben sie immer gut lesbar und für den Laien verständlich.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es wurde aber mal Zeit!, 30. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Dieses Buch sollte täglich vor und nach den Nachrichten gelesen werden!
Einfach übersichtlich, nicht zu viel und nicht zu wenig!
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufklärung gegen Volksverdummung, 20. Januar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)
Wenn man bisher gern davon ausgegangen ist, dass viele Politiker nur einfach mit der Komplexität der von ihnen zu verantwortenden Entscheidungen überfordert sind, wird man nun eines Besseren belehrt: Lügen, Schönfärben, Verdrehen gehört offensichtlich heute zum Handwerkszeug öffentlich tätiger Politiker, Manager und "Gesellschafts-Gestalter" jeder Art.

Hat sich bisher bei öffentlichen Verlautbarungen aller Art immer ein diffuses Unbehagen beim Hörer/Leser breit gemacht, erfährt man hier "die wahre Geschichte" und weiß dann warum. In diesem Lexikon findet sich die Klarstellung vieler aktuell benutzter Begriffe, die alphabetisch aufgelistet sind. Sie werden linguistisch analysiert und mit viel Humor auseinander genommen, so dass das eigentlich ernste Thema vergnüglich zu lesen ist.

Einmal mehr wird deutlich, wie sehr wir alle für dumm verkauft werden und dass viele für die Bürger Tätige eben nicht im Sinne der Bürger tätig sind, obwohl diese ihre Arbeitgeber sind!
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Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah«
Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« von Martin Haase (Taschenbuch - 13. Dezember 2012)
EUR 9,99
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