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4.0 von 5 Sternen beeindruckend
Zunächst ist dieser Roman ein wenig befremdlich. Im ersten Kapitel wird ein Selbstmord geschildert, der im Anschluss etwa 250 Seiten lang nur ganz vage angeschnitten wird. Lange Zeit hatte ich also beim Lesen das Gefühl, dass die Frage, die aufgeworfen wird, einfach nicht behandelt wird, auch wenn ich relativ überzeugt war, dass sie nach vollendeter...
Veröffentlicht am 8. August 2009 von Ingbert Edenhofer

versus
17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Meine Rezension so schwer.
Männer. Frauen. Beziehungen. Tod. Ende.

So schlicht könnte man den Roman zusammenfassen und läge dabei keineswegs verkehrt. Doch ich möchte nicht vorgreifen ...

Viele hier schrieben zurecht, dass man bei diesem Roman belohnt wird, sofern man über weite Strecken durchhält. Und tatsächlich blitzen nach endloser...
Veröffentlicht am 16. September 2011 von Rapunzel


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen beeindruckend, 8. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Zunächst ist dieser Roman ein wenig befremdlich. Im ersten Kapitel wird ein Selbstmord geschildert, der im Anschluss etwa 250 Seiten lang nur ganz vage angeschnitten wird. Lange Zeit hatte ich also beim Lesen das Gefühl, dass die Frage, die aufgeworfen wird, einfach nicht behandelt wird, auch wenn ich relativ überzeugt war, dass sie nach vollendeter Lektüre beantwortet wäre. Jedenfalls ist das aber eine extrem geschickte Möglichkeit, beiläufig ganz andere Themen zu behandeln, die eigentlich den Kern des Romans darstellen, sich aber sehr lang nicht so zu erkennen geben. Ein äußerst gelungener Kunstgriff ist die Tatsache, dass der Erzähler der Sohn des Witwers und der Schwester der Selbstmörderin ist, der erst nach ihrem Tod geboren wurde, sodass eine natürlich wirkende Distanz zu dem Vorfall gegeben ist, die aber mehr und mehr in eine starke Neugier umschlägt. Ebenfalls erfolgreich ist Marias' Art, mit wiederkehrenden Versatzstücken zu arbeiten, die immer wieder unterstreichen, dass die so unterschiedlich wirkenden Beziehungen, die im Laufe des Romans beleuchtet werden, immer wieder nach sehr ähnlichen Prinzipien funktionieren (oder halt nicht). In letzter Konsequenz ist dieser Roman intellektuell interessanter als emotional, aber es lohnt sich ohne Frage, ihn zu lesen.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Macht der Sprache, 1. August 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Javier Marias Buch "Mein Herz so weiß" ist von unglaublicher Sprachgewalt und hier sind wir beim Thema dieses großartigen Werkes. Das große und geistreich variierte Thema Javier Mariás ist nämlich die Sprache, insbesondere der Gewaltcharakter der Sprache,deren philosophische und psychologische Tragweite seinen Reflexionen unterzogen wird und durch seine Protagonisten verdeutlicht wird. Denn: wird Sprache als Kommunikationsmittel ernst genommen, wächst ihr große Bedeutung zu und sie kann die Kraft eines Giftes haben. Der Titel "Mein Herz so weiß" ist ein intertextueller Verweis auf Lady Macbeth von Shakespeare. Lady Macbeth hat ihren Mann zum Mord an König Ducan angestiftet, nachdem er mit den Weissagungen der Hexen ihre Gier nach dem Thron geweckt hat. Lady Macbeth stiftet ihren Mann mit den Einflüsterungen ihrer Worte zum Mord an. Ist das Herz der Lady Macbeth wirklich weiß?- denn: sie hat nur angestiftet, den Mord aber nicht vollzogen. Machen auch Worte schuldig? Um diese Frage kreisen die Gedanken des Erzählers. Die Sprache als Anstifterin, als Beschwörerin, als Zerstörerin.In diesem Sinne hält Marias auch ein Plädoyer für das Geheimnis, für das Scweigen. Die Welt schreibt sich ihm als "unkontrollierbares Gemurmel mit explosiven Auswirkungen". Das Fatale nach Marias ist, daß sich der Mensch dem Gemurmel der Welt nicht entziehen kann, weil es die Welt gestaltet, denn: die Welt ist sprachlich. Die Menschen sind für ihn immer in der Gefahr des Zuhörens und Zuhören schafft Information und Wissen, woraus zumeist ein Verlust an Glaube und Unschuld resultiert. Die Wörter als Brückenschlag zwischen den Menschen verneint der Erzähler. Dieser Roman gewinnt für mich seine Größe durch seine philosphische Dimension:die Reflexion über Sprache. Eingebettet in atmosphärische Dichte, große Erzähltradition, Raum für feinste Seelenschattierungen und großer sprachlicher Schönheit ist "Mein Herz so weiß" für mich ein großes Werk der neuen spanischen Schriftstellergeneration.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll und unterhaltsam, 9. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Marias erzählt eine Geschichte aus der Vergangenheit einer Familie: Die Tante des Protagonisten und gleichzeitig erste Frau seines Vaters, erschoss sich vor langer Zeit, scheinbar wegen nichts, kurz nach der Rückehr von ihrer Hochzeitsreise. Dabei erfahren wir alles nur aus der Sicht eines frisch verheirateten Übersetzers. Und das auf eine ganz besondere Weise: Immer wieder zwingen ihn banale Eindrücke zu Rückblenden und zu Erklärungen, so dass sich langsam ein Bild der Vergangenheit abzeichnet. Allerdings scheint es noch ein weiteres, viel schwerwiegenderes Geheimnis um den Tod seiner Tante, der Schwester seiner Mutter zu geben... Diese spannende Geschichte spickt Marias mit vielen Gedanken über die Worte, die Liebe und die Vergangenheit und Zukunft. Alle Gedanken verdichten sich in der zentralen Frage »Was nun?«, die zugleich Erklärung, Erlösung, aber auch Unsicherheit darstellt. Der Autor bleibt bei der sprachlichen Umetzung seiner Idee des Romans treu: Eine Erzählung ganz aus der Ich-Perspektive. Diese Ich-Perspektive ist unglaublich intim und genau. Jeden Gedanken kann der Leser nachverfolgen und wie ein Gedanke ist auch der Text. Immer wieder fließt eine folgende Idee schon wieder in die gerade erst gedachte ein. Es kommt zu langen Sätzen, falscher Grammatik und sich teilweise überschlagenden Details. Aber alles bleibt im Rahmen. Der Leser ist nicht mit einem unlesbaren Werk konfrontiert. Ganz im Gegenteil. Marias fndet das richtige Maß zwischen intimer gedanklicher Mitteilung und sprachlichem Fluss, so dass Buch spannend und ergreifend geschrieben ist. Wenn dazu dann noch diese misteriöse Geschichte überzeugend ist, dann ist ein brillanter Roman entstanden: Mein Herz so weiß. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen Nach der Lektüre dieses Buches will man nicht mehr heiraten, 26. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiss: Roman (Gebundene Ausgabe)
Okay, so schlimm ist es trotz der (zugegeben) sehr provokanten Überschrift nicht, aber Tatsache ist und bleibt, dass man während und auch nach der Lektüre dieses Epos über Treue, Liebe und die Geheimnisse, die man in seinem Herzen trägt und besser NICHT mit seinem Partner teilt (wozu das führt, wenn man so ein Geheimnis verrät, lehrt uns dieses Buch!), anfängt, sich zu fragen, wie es einem selber mit seiner Partnerschaft oder Ehe geht. Es ist also wieder mal ein Buch, welches einem den lyrischen Spiegel vorhält. Und ich komme nicht umhin, dieses Buch zu meinen Lesehighlights 2015 hinzuzufügen.

Trotz endlos langen Sätzen, die sich teilweise über eine komplette Buchseite ziehen (um nicht den Überblick zu verlieren, fängt man während des Lesens automatisch an, eigene Punkte zu setzen, um so kürzere Sätze zu bekommen), ist es Javier Marias gelungen, mich absolut in seinen Bann zu ziehen.

Warum bringt sich eine frisch verheiratete junge Frau kurz nach der Hochzeitsreise im Badezimmer ihrer Eltern um? Diese Frage wird auf knapp 400 Seiten kongenial aus der Sicht und den minutiös geschilderten Gedankengängen (daher auch die vielen verschachtelten Sätze) eines ebenfalls frisch verheirateten Mannes (dem Sohn des Witwers, dessen Mutter aber NICHT die tote Frau ist!!!) geklärt. Okay, wer jetzt etwas verwirrt ist, darf das gerne sein, trägt aber hoffentlich (oder gerade deswegen?) dazu bei, dass das Buch einige neue Leser findet *g*

Wer sich außerdem schon einmal die Frage gestellt hat, wie ein Dolmetscher oder Simultanübersetzer arbeitet, findet hier ebenfalls eine sehr ausführliche, aber auch teils sehr amüsante Antwort. Dieser Punkt wird in einigen Kritiken als Minuspunkt und als überflüssig aufgeführt; für mich persönlich war es lehrreich und absolut nicht langweilig.

Ein weiterer Pluspunkt dieses Romans sind die an verschiedenen Stellen eingestreuten Zitate aus „Macbeth“; der Titel „Mein Herz so weiß“ ist z. B. auch ein abgewandeltes Zitat aus eben jenem Shakespeare-Epos.

Ich werde dieses Buch bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen haben! Muchas grazias, Javier Marias!
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5.0 von 5 Sternen abgründe, 7. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
lange jahre stand "mein herz so weiss" ungelesen in meinen bücherregalen. ich hatte es einst gekauft und schlicht darauf vergessen, es zu lesen. vor wenigen tagen las ich auf empfehlung (dank dafür!) "die sterblich verliebten" und war von der sprache marias' begeistert, von seinen endlosen wort- und satzkaskaden, die mich ein wenig an thomas bernhard, den ich sehr schätze, erinnern. mit dem essen kam der appetit und ich erinnerte mich an "mein herz so weiss", das noch irgendwo in den regalen herumlungerte und auf mich wartete.

und auch hier diese unverkennbare sprache, dieser präzise reichtum, dieser versuch, sich sprachlich an die gefühlsebene heranzuarbeiten, ganz nah. hier aber zusätzlich eine geschichte, die vollständiger erscheint als bei den "sterblich verliebten", weniger gekünstelt, eine geschichte, die trotz aller entsetzten blicke in die rabenschwarzen abgründe der menschlichen seele wahrscheinlich für viele nachvollziehbar ist. wer hat nicht schon mal an möglichkeiten und konsequenzen von selbstmord gedacht, wer noch nie an mord, wer war noch nie verliebt bis zur zumindest zeitweisen unzurechnungsfähigkeit? aber auch nicht ganz so finstere schattenseiten der menschlichen existenz werden in dem buch behandelt, denn jeder von uns trägt mindestens ein geheimnis mit sich, das er nicht oder nur mit ganz wenigen menschen seines vertrauens zu teilen bereit ist.

man muss nicht reich-ranicki sein um zu erkennen: ein ganz grosses buch!

(und ich bin froh es erst jetzt gelesen zu haben, nach so vielen jahren seit dem erscheinen. ich habe nun ein alter erreicht, das zwischen dem der beiden hauptfiguren liegt, und kann so beide seiten gut sehen, ohne entrüstung, mit voller zuwendung und ganzem verständnis.)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Obsessiv und synthetisch, 17. April 2009
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiss: Roman (Gebundene Ausgabe)
Marias, Javier, Mein Herz so weiß, 1992 (Klett, 1996)

Ausgangspunkt dieses Romans ist ein Zitat der Lady Macbeth aus der Shakespearschen Tragödie, als sie ihrem Mann zu weiteren Bluttaten anstiften will: "Meine Hände / sind blutig, wie die deinen; doch ich schäme / Mich, dass mein Herz so weiß ist." Es gibt auch eine ausführliche Interpretation des Ich-Erzählers dazu, etwa so: Lady Macbeth täusche Sorglosigkeit vor, aber ihrem Mann sei nicht mehr zu helfen, weil er ihr sein Geheimnis anvertraut hat - er hat sie zur Mitwisserin gemacht, diese Mitwisserschaft sei dann das eigentliche Vergehen der Lady Macbeth. Diese Idee scheint ihm etwas Elementares in menschlichen Beziehungen auszudrücken, in der Szene zwischen Macbeth und seiner Frau werden Worte gesprochen, "die von Jahrhundert zu Jahrhundert wiederholt werden,... immer die gleichen, die zu den gleichen Handlungen anstiften, seit es auf der Welt Menschen und Sprachen und Ohren gibt, sie zu hören." (337). Oder an einer Stelle lässt er eine Figur bündig formulieren: "Du siehst, das eigene Leben hängt nicht von den eigenen Handlungen ab, davon, was man tut, sondern davon, was die anderen von einem wissen, was sie wissen, dass man getan hat." (340).
Diese Idee demonstriert er gewissermaßen den ganzen Roman hindurch: Der Ich-Erzähler ist anfangs auf der Hochzeitsreise mit Luisa - hat sie auch mitgehört, dass im Hotelzimmer nebenan von einem Mord die Rede war? Kann er ihr später vertrauen, dass er einen Freund, einen brutalen Schürzenjäger, mit ihr alleine lässt? Oder seinen Vater, den reichen Lebemann, der eine Zuneigung zu Luisa gefasst hat und ihr schreckliche Dinge aus seinem Leben anvertraut? Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Berta, seiner guten Freundin in Paris, und einem mysteriösen Mann, den sie über Videofilme jeweils von sich selbst kennen gelernt hat? Sie muss ihm Nacktaufnahmen schicken, er zeigt nur seine Brust, ohne Kopf und Unterleib. Schließlich vermischen sich all diese Geschichten um Misstrauen, Liebe und Verrat, weil sie ja etwas immer Gleiches ausdrücken sollen.

Indem Marías sein Buch um eine Idee zentriert bzw. von einem literarisch-mythischen Grundmodell ausgeht, bekommt seine Darstellung etwas Abstraktes und Synthetisches. Die Personen werden nur lebendig in Bezug auf sein Grundthema. Luisa bleibt fast ganz schemenhaft - nur in Bezug auf ihre Versuche, das Geheimnis aus Ranz, dem Vater ihres jungen Mannes, herauszuholen, erscheint sie etwas plastischer und lebendiger. So bekommt die Darstellung etwas obsessiv Zwanghaftes, auch weil es um die Aufdeckung von Verbrechen geht bzw. weil man befürchtet, dass Verbrechen begangen werden, aber der Leser, der Sinnlichkeit und Lebendigkeit von der Darstellung erwartet, wird enttäuscht. Überdies darf man wohl die zentrale Idee, dass es nicht darauf ankomme, was man tut, sondern was die anderen von einem wissen, bezweifeln. Für Macbeth im Shakespearschen Drama kommt es durchaus darauf an, was er getan hat und tut, im Gegensatz zu Ranz, dem Lebemann, kann er nicht bequem mit seinem Geheimnis leben, sondern sein Gewissen martert ihn bis zum Wahnsinn. Indem Marías sich also auf das Wissen und Mitwissen fixiert, verengt er die Sicht auf den Menschen und entwirft ein einseitiges Bild von ihm. Obgleich er dies gekonnt und virtuos betreibt, bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass dies nicht alles sein kann.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Erzählen entstellt, die Dinge erzählen entstellt die Dinge und verdreht sie und verneint sie fasst [...]." (231), 16. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
"My hands are of your colour; but I shame/To wear a heart so white" (MacBeth, II ,ii). Kurz nachdem MacBeth König Duncan umgebracht hat, um selbst den Thron Schottlands besteigen zu können, steht er so sehr unter Schock, dass seine machtgierige Frau Lady MacBeth die Tatwaffe an der entsprechenden Stelle deponieren muss, um einige unschuldige Bedienstete mit der ungeheuerlichen Tat zu belasten. Nach ihrer Rückkehr macht sie sich über ihren feigen, weißherzigen Mann lustig (siehe Zitat). Der Verweis auf Shakespeare ist von Javier Marias bewusst gewählt worden, da es in "Mein Herz so weiß", ebenso wie in der wohl düstersten Tragödie des großen Poeten aus Stratford upon Avon, um Mord Verrat und Liebe geht.

Eine junge Frau steht vom Esstisch auf, geht ins Bad und schießt sich eine Kugel in die Brust. Was hat es mit diesem Ereignis auf sich, welches gleich zu Beginn des Romans beschrieben wird? Teresa war die Tante des Ich-Erzählers Juan, nach dessen Selbstmord sein Vater erst die jüngere Schwester der Selbstmörderin und somit die spätere Mutter Juans geheiratet hat. Auf der Suche nach dem dunklen Geheimnis in seiner Familie reflektiert der detailversessene Juan seine eigene noch junge Ehe sowie die Motivation, sich überhaupt auf zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen: "Jede Beziehung zwischen Menschen ist immer eine Ansammlung von Problemen, Auseinandersetzungen, auch von Kränkungen und Demütigungen" (86) analysiert er illusionslos. Ebenso offen beschreibt er die immer noch so angesehene Institution der Ehe. Fern aller romanischen Treuschwüre, aus Liebe den Rest seines Lebens mit einem anderen Menschen verbringen zu wollen, philosophiert Juan: "Die Leute heiraten nur, wenn ihnen nichts anderes übrig bleibt, aus Panik oder weil sie verzweifelt sind oder weil sie es nicht aushalten, jemanden zu verlieren, den sie nicht verlieren wollen" (153).

Der Erzähler des Romans beschreibt und interpretiert jedes noch so kleine Detail, so unwichtig es auch er scheinen mag. Das führt dazu, dass eine Begegnung, die sich in nur wenigen Sekunden abgespielt haben mag, auf dreißig Seiten und mehr dargestellt wird. Doch gerade das macht das Faszinierende an diesem Roman aus. Marias rhetorisches Talent ist schlicht und einfach beeindruckend und durch die Fokussierung auf nur ganz bestimmte Augenblicke konstruiert er schon fast so etwas wie tiefenpsychologische Profile seiner Charaktere, die zu überzeugen wissen.

Doch trotz seiner Erzählkunst weist der Erzähler immer wieder auf die Beschränktheit seines Erzählens sowie zwischenmenschlicher Kommunikation überhaupt hin: "Erzählen entstellt, die Dinge erzählen entstellt die Dinge und verdreht sie und verneint sie fasst [...]" (231). Nichts ist so wie es scheint, hinter der nackten Fassade des Wortes, so kunstvoll sie auch sein mag, verbirgt sich doch immer noch etwas, was sich nicht mit den Mitteln der Sprache fassen und darstellen lässt.

Fazit: Marcel Reich-Ranicki hält Marias für einen der "größten im Augenblick lebenden Schriftsteller" überhaupt. Wer "Mein Herz so weiß" gelesen hat kommt gar nicht darum herum, dem deutschen Literaturpapst zuzustimmen. Inhaltlich und vor allem sprachlich bewegt sich der Roman auf einem Niveau, welches heutzutage nur noch selten erreicht wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend geschrieben mit kleinem Durchhänger, 30. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Das Buch ist ja ein Bestseller. Und das zu Recht! Es beginnt so dramatisch und fesselnd, wie kein anderes Buch. Dann zum Ende schließt sich der Bogen und man versteht den Anfang. Zwischendurch gibt es kleinere Durchhänger, die nicht ganz thematisch zum Buch passen, aber dennoch nette literarische Ausflüge darstellen.
Insgesamt absolut empfehlenswert!
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Meine Rezension so schwer., 16. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Männer. Frauen. Beziehungen. Tod. Ende.

So schlicht könnte man den Roman zusammenfassen und läge dabei keineswegs verkehrt. Doch ich möchte nicht vorgreifen ...

Viele hier schrieben zurecht, dass man bei diesem Roman belohnt wird, sofern man über weite Strecken durchhält. Und tatsächlich blitzen nach endloser Quälerei Szenen auf, die vor tiefsinniger Empathie nur so strotzen. Marías ist einer, der seine Mitmenschen ganz genau beobachtet, der sie fühlen und schmecken kann. Aus ihm spricht Lebenserfahrung, das "sich Gedanken machen" um seine Mitmenschen. Es wäre ihm sonst unmöglich, solch grandiose Stellen zu verfassen, wie sie in diesem Buch bisweilen aufblitzen. Dafür zwei fette Sterne.

Aber ach herrje, Marías' Einfühlungsvermögen in allen Ehren: Er ist Autor und schreibt Romane. Und diesem Terminus wird er meines Empfindens leider nicht ganz gerecht. Da wäre zum einen die Geschichte: Eine Frau erschießt sich nach ihrer Hochzeitsreise. Schon der eine Satz klingt nach Spannung und schürt Neugier. Warum hat die das gemacht?, fragt man sich. Was war hier los? Und dann folgt eine Story, aus der man eine wundervolle kleine Novelle von fünfzig Seiten hätte machen können - das hätte, nüchtern und objektiv betrachtet, vollkommen gereicht.
Nun gut, der Autor ergeht sich zwischendurch in abschweifenden Gedankenbildern, die auf den ersten Blick so gar nichts mit der Geschichte zu tun haben und dann trotzdem ins Gesamtbild passen - aber ich hatte desöfteren den Eindruck, dass ihm der Leser entweder egal war, oder er sich schlicht ins Fäustchen gelacht hat.

Warum, werden Sie sich fragen. Ich will es Ihnen sagen: Wer Spaß daran hat, verschachtelte Schachtelsätze zu verfassen, die sich vor lauter Verschachtelung derart verschachteln, dass eine Entschachtelung dieser verschachtelten Schachtelsätze für den Leser derart ermüdend wird, dass ihm die Verschachtelung der verschachtelten Schachtelsätze plus all der schachteligen Nebensätze, welche sich in die abgeschachtelten Schachtelsätze hineinverschachteln, um das Gehirn des Lesers endgültig zu verschachteln - tja, der hat schlicht keine Lust dem Leser einen guten Roman vorzusetzen, oder es ist ihm scheißegal. In beiden Fällen ein Akt von Hochverrat an der Bibliophilie. Schließlich hat ihn ja niemand gezwungen sein Buch drucken zu lassen und es zu verkaufen.

Que te vaya bien, Señor Marías. Einige Ihrer Gedankengänge haben Spaß gemacht und zum Nachdenken angeregt. Ein weiterer Roman von Ihnen ist mir persönlich zu abkämpfend, ermüdend und anstrengend, wenn man dafür mit einer Geschichte belohnt wird, die man, wie bereits bemerkt, auf wenigen Seiten hätte abhandeln können.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schreibstil zählt, nicht Handlung, 18. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mein Herz so weiß (Taschenbuch)
Bestes Buch, daß ich je las. Vorzüglicher Schreibstil, hervorragend geeignet aus literaturwissenschaftlicher Sicht, um verschiedene stilistische Mittel am positiven Beispiel zu schildern (Verflechtung mehrerer Rahmen usw). Handlung an sich nebensächlich, auch nicht so ergiebig - obwohl mit originellen Episoden gespickt, über die ich sehr gut lachte - die Sprache und der Aufbau machen das Buch aus. Zu empfehlen für Leser, die keine kurzweilige Literatur suchen, sondern gern konzentriert lesen und schöne Sprache noch genießen können.
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Mein Herz so weiß
Mein Herz so weiß von Javier Marías (Taschenbuch - 2. April 2012)
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