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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Milieuschilderung am Beispiel eines namenlosen Mädchens
Auf knapp 200 Seiten entwirft Angelika Klüssendorf ein farbloses Milieu, in dem getrunken, geschlagen, randaliert, gelogen, gestohlen und betrogen wird. Hier atmet, kämpft und überlebt ein namenloses Mädchen. Ein Refugium aus Träumen, Vorstellungen, Ideen und Spielen konstruiert sie sich eingesperrt im schmutzigen, lichtfreien Rattenkeller, in...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2011 von e-wolf

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kein Wohlfühl-Roman
«Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig». Ob schon im berühmten ersten Satz die ganze Geschichte steckt, wie Edgar Allan Poe als bedeutender Literaturtheoretiker des Neunzehnten Jahrhunderts konstatierte, sei...
Vor 8 Monaten von Borux veröffentlicht


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traurig, aber wahr, 23. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wahrscheinlich gibt es mehr solcher Familienverhältnisse, als man sich es vorstellen kann. Und das ist auch schon das Schlimmste an dem Buch: Es ist nicht unwirklich, sondern beschreibt schonungslos den Alltag eines Mädchens, das von ihrer Mutter (und auch weiteren Menschen) physisch als auch psychisch aufs Schlimmste erniedrigt wird. Dass die Autorin diese Wirkung auf das Kind so gut nachempfinden/nacherzählen kann, kann man nur auf gute Recherche oder eigene Erfahrungen zurückführen. Ich hoffe nicht letzteres.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Wandlung des Alltäglichen zum Besonderen, 11. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte ist die eines jungen Mädchens, das in einem asozialen Milieu aufwächst, wo Prügelstrafe, Alkoholismus und die Unfähigkeit der Eltern, auf die Kinder näher einzugehen, zur Tagesordnung gehören. Für das Mädchen, das von der Autorin nicht mit Namen genannt wird und das sich zu Beginn des Romans noch im vor-pubertären Alter befindet, ist es fast schon eine Erleichterung, "wenn sich die Mutter mit dem Vater streitet", weil ihr dann die Kraft fehlt, "laut herumzuschreien oder ihre Kinder zu verprügeln."
Lieblosigkeit und Ablehnung gehen vor allem von der Mutter aus, da der Vater meistens abwesend ist und am familiären Geschehen so gut wie gar nicht teilnimmt. Während der Bruder Alex die physischen und psychischen Quälereien der Mutter kaum noch ertragen kann, versucht die schon einige Jahre ältere Schwester in ihre eigene Welt zu flüchten: beeinflusst durch die Märchen der Gebrüder Grimm träumt sie von einem kleinen Haus auf dem Lande, und von dem Kolkraben aus Brehm's Tierleben erfährt sie, dass man sich nehmen muss, was man braucht, und so werden Diebstahl, Lüge und kleine Betrügereien zur Gewohnheit.
Als die Mutter von beiden Geschwistern Mithilfe bei der Erledigung häuslicher Tätigkeiten verlangt, kommt zwar der Bruder dieser Forderung nach, während die Schwester die Mutter so lange herausfordert, bis diese sie dann anbrüllt: "Verschwinde aus meiner Wohnung und lass dich nie wieder blicken." Für zwei Tage flieht das Mädchen aus der Plattenbauwohnung, beschafft sich im Lebensmittelgeschäft durch einen kurzen Diebstahl noch das Nötigste, entkommt der Verkäuferin, verbringt die erste Nacht in der Laube einer Kleingartenanlage und die darauf folgende in einem Mietshaus, wo man es schlafend auf der Treppe findet und nach einem richtigen Frühstück dann von einem Polizisten zur Familie zurückbringen lässt.
Der ganze Roman besteht aus vielen solcher Geschichten. Er hat keinen Höhepunkt und enthält nicht die besondere, die einzigartige Begebenheit.Nein, er besteht aus vielen solcher Begebenheiten. Das sind alltägliche Ereignisse, die sich überall ereignen können. Doch die Autorin zeigt in diesem Werk ihre Kunst, jede Alltäglichkeit hervorzuheben und diese durch ihre detaillierte Beschreibung zu etwas Besonderem werden zu lassen:
"Sie (das Mädchen) sucht ihr Nachtquartier diesmal in einem Mietshaus und versteckt sich auf dem Dachboden. Die Hitze knistert noch im Gebälk, ihr Magen knurrt, sie stellt sich eine große Scheibe Brot vor, mit Leberwurst und Senf bestrichen. Noch ist es nicht richtig dunkel, überall sind Spinnweben, sie schleicht über die angeschimmelten Bodenbretter voller toter Insekten und setzt sich im Treppenhaus auf die oberste Stufe. Die Lichtuhr klickt. ...Sie geht leise die Stufen zum nächsten Stockwerk herunter und bettet ihren Kopf auf den Fußabtreter einer Wohnungstür. Lange kann sie nicht einschlafen; wenn sie sich umdreht, treffen ihre Hüftknochen auf den harten Holzboden, und das Pochen in ihrem Zahn wird schmerzhafter."

Es folgt die Fehlgeburt der Mutter, für die sie nur wenig Mitleid empfindet. Sie stumpft immer mehr ab, und "am liebsten möchte sie ihr Leben mit zwei, drei großen Sprüngen hinter sich lassen und in einem ihr unbekannten Universum landen", und an diesem Gedanken wird die Jugendliche bis zum Ende des Romanes festhalten. Doch bis dahin wird sie noch vieles erleben, erfahren, und so manches wird ihr nicht erspart bleiben. Sie wird mit dem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin Ellen für kurze Zeit an die Ostsee fahren, mit Scharlach wird sie zur Mutter und deren Liebhaber Henry zurückkehren und ihren neugeborenen Stiefbruder Elvis kennenlernen. Doch der Alkoholismus der Mutter wird sich ins Unermessliche steigern, dass dem Mädchen nach einem Selbstmordversuch als einziger Ort nur noch das Heim bleibt. Dort wird sie, inzwischen abgemagert, von den anderen Mitschülern langsam integriert, und statt "Gerippe" nennt man sie jetzt liebevoll "Rippchen".
Die Erzählerin lässt gerade während des Heimaufenthaltes deutlich das allmähliche Heranreifen vom Mädchen zur jungen Frau erkennen. Auch die geistige und soziale Reife zeigt sich:
"Im Staatsbürgerkundeunterricht beginnt sie Fragen zu stellen. Warum muss sie auf einem ihr zugewiesenen Territorium leben und darf es nicht verlassen? Was hat sie verbrochen, dass sie nie den Rest der Welt sehen darf? Und warum bringen ihr diese Fragen einen Tadel ein?"
Nur bei bestimmten Gedichten kommen ihr zuweilen sozialistische und patriotische Gefühle in den Sinn. Aber die Erzählerin erkennt auch sofort: "Es ist einfach in den Liedern und Gedichten gerecht und ungerecht zu unterscheiden, doch im alltäglichen Leben sieht es anders aus."

Es ist ein erschütterndes, aber zugleich auch großartiges Buch mit sowohl fast schon tragisch fesselnden Inhalten, die heute leider immer noch zum Alltag gehören, als auch einer hervorragenden, einfach verständlichen, aber stilistisch hohen sprachlichen Qualität und einem meisterhaften Können in der detaillierten Beschreibung.
Absolut empfehlenswert!!!
Ein großes Dankeschön an die Autorin Angelika Klüssendorf!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Honey66, 24. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Kindle Edition)
"Du Opfer", würden im Jahr 2012 wohl die Mitschüler das Mädchen nennen, das in Klüssendorfs Roman namenlos bleibt, allenfalls »Gerippe«, später etwas liebevoller »Rippchen« genannt wird. Die Umgebung, der das Mädchen entstammt, heißt heute auf neudeutsch »Prekariat«, was im Arbeiter- und Bauernstaat DDR der 70er Jahre freilich nicht existierte. Wo deswegen auch niemand zuständig war und schon gar niemand genauer hinschaute. Vater und Mutter sind Alkoholiker, beide vom Leben enttäuscht. Einfach gewalttätig ist der Vater, gewalttätig und sadistisch die Mutter.
Grausam und sinnlos wäre dieses Kinderleben, wenn dieses Mädchen nicht mit der Literatur des 19. Jahrhunderts einen Ort der Zuflucht gefunden hätte. Brehms Tierleben entnimmt es, dass es wohl am ehesten einem Kolkraben verwandt sein müsste: »... Frechheit und List, Kraft und Gewandtheit vereinigen sich in ihm, um ihn zu einem gefährlichen Räuber zu stempeln. Von den verwandten Arten werden die Kolkraben gehasst und angefeindet.« Das Mädchen folgt der Anleitung des ollen Brehm und wird Meisterin im Stehlen, im Betrügen, im Lügen. Angefeindet wird es, egal wo es auftaucht. Lieber als zu Hause schläft es schon mit 12 Jahren in leerstehenden Häusern, Hausfluren, bei Unbekannten. Es landet in der Jugendstrafanstalt, dann im Heim. Es ist dasselbe Mädchen, das den »Graf von Monte Christo« in die Schulkladde abschreibt, um das Buch zu besitzen, und das allzu tief in den Märchenwelten der Brüder Grimm versinken kann - und genau deshalb nicht untergeht.
Die Autorin/die Erzählerin kommentiert die brutalen Grausamkeiten, die das Mädchen durchleben muss, nicht. Es gibt keinen Druck auf die Tränendrüse und keinen moralischen Zeigefinger. Es handelt sich nicht einmal um eine Abrechnung mit der ehemaligen DDR. Ob das Buch autobiographisch ist oder nicht, spielt ebenso keine Rolle. Viel zu allgemeingültig sind die gemachten Beobachtungen von Lieblosigkeit, Vernachlässigung, Gewalt und den Reaktionen darauf.
Ich empfehle dieses Buch unbedingt zur Lektüre, um die eigenen Antennen, Augen, Ohren und Herz, zu schärfen für die Signale des Alltags, die als Hilfeschreie von kleinen und großen Opfern verstanden werden können und müssen. Das Mädchen ist überall.
Bitte nicht von dem doofen Coverbild vom Lesen abhalten lassen. Hier hat der Verlag komplett in die falsche Kiste gegriffen.

Honey66 von MexxBooks
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, wild und verstörend, 10. Februar 2012
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Also, bei diesem Buch wusste ich zunächst nicht, wo ich es einordnen sollte. Die Geschichte von Vernachlässigung und Gewalt vor dem Hintergrund der DDR ist ja auch hier schon öfter beschrieben worden. Handelt es sich vielleicht um einen zumindest in Teilen autobiograpischen Text? Die Geschichte berührt und verstört so oder so. Ein Kind wird erwachsen und wächst in eine absolut feindliche Umwelt hinein, ohne sich auf irgendeine Hilfe von außen verlassen zu können, völlig überrollt von Gefühlen und Systemzwängen. Man ist dabei, wie sich Verhaltensmuster der Eltern (hier besonders der Mutter) auf die Kinder übertragen, wie gleiche Fehler immer wieder neu gemacht werden. Andererseits zeigt sich hier ein wildes Leben, dass sich bestimmte Freiheiten einfach frech heraus nimmt und der Welt der Zwänge einfach eine lange Nase dreht (zumindest für den Moment). Tja, solche Geschichten lesen sich natürlich auch immer spannend, der Stil ist präzise und immer auf dem Punkt, fast als hätte man es mit einer Reportage zu tun. Diese Distanziertheit auf der einen Seite, andereseits aber die gelungene Darstellung des Mädchens zu dem man als Leser schon eine Nähe und Sympathie entwickelt, schaffen ein ganz packendes Buch, dass den Leser auf jeden Fall auch zum Nachdenken über den Umgang der Menschen miteinander aufruft. Die DDR als HIntergrund ist in diesem Buch eigentlich nur Beiwerk, wie auch schon in einer anderen Rezension gesagt, spielen sich solche Geschichten leider tatsächlich auch hier und heute ab.
Das Buch - absolut empfehlenswert!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schwieriger Start ins Leben, 13. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man fragt sich als Leser schon, wieviel Grausamkeit kann ein Mensch überhaupt ertragen. Umso mehr erschüttern einem Härte und Gewalt, wenn sie gegen Kinder gerichtet sind. Dieses Mädchen wird in ein erbarmungsloses Umfeld geboren, in dem es keine Liebe und Zuwendung erfährt, sondern von der eigenen Mutter drangsaliert, verstossen und gedemütigt wird. Auch der Vater, der zumeist abwesend ist, erweist sich nicht als wirkliche Stütze in seinem jungen Leben. Es lernt sehr schnell, dass die einzige Überlebensstrategie ist, sich zur Wehr zu setzen, zu fliehen oder mit gleicher Härte zurückzuschlagen. Mein Eindruck dieser Erzählung ist, dass es sich weniger um einen DDR-Gesellschaftsroman handelt, sondern ein Milieu beschreibt, dass in jeder anderen beliebigen Umgebung zu finden ist. Familiäre Verwahrlosung, soziale Armut und die Folgen von Alkoholismus und Gewalt hinterlassen Spuren, die die Autorin sehr stark zum Ausdruck bringt. Mit ihrer schnörkellosen, einfachen Sprache bringt sie die Problematiken klar auf den Punkt. Wohin das ausweglos erscheinende Leben des Mädchens führt, bleibt offen.

Ein erschütterndes Buch über ein Mädchen, dass trotz Tyrannei und Gewalttätigkeit im eigenen Elternhaus den Lebenswillen und Mut nicht verliert.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Plot eher mäßig.., 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Obwohl ich das Buch an einem Nachmittag las, war ich dennoch froh, als ich am Ende angekommen war. Die Geschichte, die Figuren sind an sich nicht uninteressant, aber der Plot ermüdet mit der Zeit, kommt es doch immer wieder zu sich wiederholenden Ereignissen und Situationen, in denen Prügel und Einsamkeit geschildert werden. "Das Mädchen" und die Mutter, die beiden zentralen Figuren, blieben für mich bis zum Schluss auch ein wenig konturlos, obschon es sicher so gewollt sein mag (s. Titel "Das Mädchen"). Die Dramatik der Geschichte gibt an sich ein Paradigma für alle Gesellschaften ab, in denen Kinder unter den familiären bzw. gesellschaftlichen Strukturen zu leiden haben. Der immer wieder flüchtig angedeutete DDR-Kontext erscheint mir daher eher überflüssig. Und zur Erinnerung: Die BRD hat erst im Jahre 2000 ein Gesetz verabschiedet, das es Eltern gesetzlich verbietet, ihre Kinder mit Gewalt zu erziehen. Das Bewusstsein für das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung ist also noch ein sehr junges, die Thematik immer noch brandaktuell.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig!, 18. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das ist der erste Roman, den ich von Angelika Klüssendorf gelesen habe - ich kannte bislang nur ihre Erzählungen.
Man kann sich diesem Buch nicht entziehen! Mit unglaublicher Präzision und Knappheit wird hier eine Welt geschildert, die man auf der Haut spüren kann, die man zu riechen und zu atmen anfängt, die einem das Herz zerreisst und die noch sehr lange nachhallt. Es tut wirklich weh, dieses Buch, und es ist ganz große Kunst - was für ein großartiges Stück Literatur!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte eines außergewöhnlichen Mädchens in der DDR, 14. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Angelika Klüssendorfs Roman "Das Mädchen" ist ein ganz starkes Stück Literatur, das von der spannenden Symbiose einer tragischen Geschichte und einer nüchternen, extrem zurückgenommenen und genauen Prosa lebt, die dem Text glücklicherweise jegliches Pathos entzieht.

Fast distanziert wird die in der DDR handelnde Geschichte des zu Beginn wahrscheinlich an die zehn Jahre alten Mädchens erzählt. Schon die ersten beeindruckenden Seiten zeigen, in welcher Hölle die Protagonistin lebt, wie stark und fast fatalistisch sie die Gewalt gegen sich und ihren Bruder zur Kenntnis nimmt, darunter leidet, aber akzeptiert, dass es halt so ist, wie es ist, weil es wahrscheinlich so sein muss...
Die Mutter neigt, je nach Alkoholpegel, prinzipiell zur eklatanten Gewaltbereitschaft. Dadurch ist natürlich ein sehr bestimmender Moment für ihre eigene Entwicklung zur jungen Erwachsenen gegeben. Von der Mutter und diversen Männern der Mutter gequält, abgestoßen, dann eine Zeit beim Vater, überall muss sie sich neu behaupten. Die Gefühle der scheinschwangeren neuen Frau des Vaters für sie empfindet sie, da ihr Gefühle für sie unbekannt und daher suspekt sind, als lästig. Letztendlich im Heim gelandet, muss sie sich auch hier gegenüber den MitschülerInnen behaupten. Nicht nur, dass niemand da ist, der dem Mädchen auch nur annähernd das bieten könnte, was man Liebe und Geborgenheit nennt, muss sie sich auch noch gegen die sozialistische Bürokratie quälen. Eine bürokratische Gesellschaftsordnung, in der für die Protagonistin, die eigentlich nur ein ganz normales Mädchen sein möchte, auch kein Platz vorgesehen ist.

Ein relativ kurzes, aber eindringliches Buch über ein starkes junges Mädchen, das sich gegen ihre direkte Umgebung und gegen den Staatsapparat wehren muss und dies auch auf beeindruckende Weise tut. Angelika Klüssendorfs glasklare, eindringliche und überzeugend glaubhafte Prosa machen diesen Text zu einem ganz starken Werk, das man nach nicht einmal 180 Seiten mitgenommen zur Seite legt.

Absolute Empfehlung.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen stark, stärker, am stärksten!, 25. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was für ein starkes Buch! Und was für ein starkes Mädchen. Denn leicht hat es dieses Mädchen nun wirklich nicht. Aber wie sie all das meistert: die sadistischen Ausfälle des tyrannischen Mutter, die Hilflosigkeiten des zarten Bruders, das grobe Unverständnis von Staatspolizei und DDR-Heimleitung, die gleichbleibende Ungerechtigkeit/Selbstgerechtigkeit der wechselnden Umgebung - das ist schon ein echter Knaller. Denn dieses Mädchen gibt nicht auf, die kriegt so leicht keiner unter. Mit Kraft und Halsstarrigkeit und Klugheit und Witz meistert sie ihr Heranwachsen und formt sich dabei - Schritt für Schritt - zu einer der interessantesten, vielschichtigsten Figuren, die die heutige Literatur zu bieten hat.
Angelika Klüssendorf erzählt knapp und präzise von diesem Stehaufmädchen. Da gibt es kein mitleidiges Schwärmen, kein Schwelgen, kein Wort zu viel. Ein sehr eigener Ton ist das, voller Kargheit, Humor und Lakonie. Und man staunt sich in diese Distanz hinein und frisst sich fest in den Seiten dieses Buches. Und will mehr und immer mehr wissen vom leben dieser wilden, willensstarken, praktisch veranlagten Person. Dass das Buch dann irgendwann (zu schnell!) zu Ende ist, lässt sich nur damit verschmerzen, dass hier (zum Glück) keine Debütantin schreibt, sondern eine Autorin, die mit Titeln wie "Amateure" oder "Alle leben so" schon ein paar andere Bücher vorgelegt hat. Und die hole ich mir jetzt.
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer schlimmen Kindheit, 15. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Das Mädchen" von Angelika Klüssendorf erzählt von der schwierigen Jugend eines namenlosen Mädchens in der DDR der siebziger Jahren. Zu Beginn des Romans ist sie zwölf und lebt mir ihrem sechjährigen Bruder Alex unter ärmlichen Verhältnissen bei ihrer unberechenbaren, gewalttätigen Mutter, die die Kinder schlägt, einsperrt und vernachlässigt. Ihren Vater lernt sie gerade erst kennen: Ein Säufer, der die Mutter schon bald darauf erneut verlässt. Gelegentlich reißt sie aus, lebt mal bei ihrem Vater, dann im Heim, kehrt aber auch immer wieder zu ihrer Mutter und ihrem Bruder zurück.

Im Klappentext wird der Stil der Autorin beschrieben mit einer "klaren, knappen, präzisen Prosa, großer Lakonie und trockenem Humor". Dem kann ich größtenteils zustimmen, auch wenn ich den trockenen Humor, den ich sonst sehr schätze, hier nicht finden konnte. Die Lakonie ist dagegen sehr stark. Der Text wirkt gänzliche emotionslos, teilnahmslos und abgestumpft und passt damit sehr gut zu der Geschichte des Mädchens, die ihr schweres Schicksal meist ohne Gefühle hinnimmt und zu einer starken, aber auch fragwürdigen Persönlichkeit heranwächst. Sie vertraut niemandem wirklich, klaut und lügt und wird zum Schluss vom Opfer zur Täterin, die andere moppt und schikaniert.
So schlägt sie sich durchs Leben, nimmt sich was sie braucht und am Ende, mit 17, ist ihr die Befreiung aus ihrem alten Leben gelungen - doch die Perspektivlosigkeit bleibt.

Wer aber ansonsten fürchtet, hier einen klassischen DDR-Roman vor sich zu haben, und denkt "alles schon gelesen, alles schon gehört", der sei wenigstens zum Teil beruhigt. Neu oder innovativ wirkt die Geschichte wirklich nicht, aber die DDR taucht meiner Meinung nach nur am Rande auf, in sehr geringen Dosen, ohne bekannte Klischees breitzutreten. In erster Linie ist das hier keine DDR-Geschichte, sondern die Geschichte einer schweren Kindheit, die mit kleinen Änderungen überall und zu jeder Zeit passiert sein könnte, wenn nur genug Menschen die Augen verschließen.
Ganz frei von Klischees bleibt das Buch aber leider nicht. Bei mir persönlich löst die Verbildlichung von Befreiung durch fliegende Vögelchen jedenfalls höchsten ein Augenrollen als Ausdruck von Kitschigkeit und Ideenlosigkeit aus, aber sicher keine Begeisterungssprünge. Verzeihlich ist dies aber im Gesamtbild allemal.

Auch das Cover spricht mich - obwohl es zum Inhalt schon passend ist - so wenig an, wie es selten vorkommt. Beim einfachen Stöbern, ohne das Zutun der Buchpreis-Nominierungen, wäre ich auf dieses Buch wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden.
Das wäre schade gewesen, denn gerade durch den abgestumpften Stil dieses Romans wird die Geschichte um so bedrückender und man hat noch lange, nachdem man die gerade einmal rund 180 Seiten zu Ende gelesen hat, etwas zum Nachdenken. Ich hätte also ein sehr lesenswertes Buch verpasst.
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Das Mädchen: Roman
Das Mädchen: Roman von Angelika Klüssendorf (Taschenbuch - 20. Juni 2013)
EUR 8,99
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