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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Milieuschilderung am Beispiel eines namenlosen Mädchens
Auf knapp 200 Seiten entwirft Angelika Klüssendorf ein farbloses Milieu, in dem getrunken, geschlagen, randaliert, gelogen, gestohlen und betrogen wird. Hier atmet, kämpft und überlebt ein namenloses Mädchen. Ein Refugium aus Träumen, Vorstellungen, Ideen und Spielen konstruiert sie sich eingesperrt im schmutzigen, lichtfreien Rattenkeller, in...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2011 von e-wolf

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kein Wohlfühl-Roman
«Scheiße fliegt durch die Luft, streift die Äste einer Linde, trifft das Dach eines vorbeifahrenden Busses, landet auf dem Strohhut einer jungen Frau, klatscht auf den Bürgersteig». Ob schon im berühmten ersten Satz die ganze Geschichte steckt, wie Edgar Allan Poe als bedeutender Literaturtheoretiker des Neunzehnten Jahrhunderts konstatierte, sei...
Vor 10 Monaten von Borux veröffentlicht


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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich das beste Buch seit langem, 2. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dies ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe.

Das Leben des Mädchens ist ein einziger Alptraum, eine ständige Zerreissprobe. Die täglichen und unvorhersehbaren Gewaltexzesse und Entgleisungen der scheinbar psychisch gestörten Mutter, der alkoholabhängige Vater und dann noch der Bruder, der engelsgleiche und gleichsam traumatisierte.
Man meint mit jedem Kapitel, es könne Schlimmeres nicht mehr kommen und doch passiert es... Stubenarrest für ein Jahr, Einsperren im Keller, körperliche Gewalt und Verletzungen, die mit Worten zugefügt werden.
Es ist beklemmend, es zu lesen und manchmal war mir übel....
Es ist ein Kind, was da so aufwächst, ohne jede Fürsorge, ohne Liebe, psychisch und physisch verwahrlost..

Manchmal gelingt dem Kind trotz Stubenarrest die Flucht und es hat kleine Lichtblicke im Leben. Baden im Schwimmbad, ein Zoobesuch (weil es durch ein Loch im Zaun schlüpft), aber dann gibts auch die Ausweglosigkeit, die man spürt, weil man genau wie das Mädchen weiß, dass sich nichts ändern wird, in diesem Leben.
Und trotzdem will das Mädchen nicht aufgeben, will dazugehören, "normal" sein, obwohl alle Hoffnung eigentlich verloren ist.

An dem Aspekt, dass es in der DDR spielt, hat mich nur sehr erstaunt, dass es doch relativ lange braucht, bis der Staatsapparat einschreitet und das Kind ins Heim bringt.
Die Polizei begutachtete ja schon öfter die Situation der Familie immer wenn das Kind ausgerissen war und man es wieder nach Hause brachte). Die Verhältnisse waren ja nicht unbekannt.Und der Lebenswandel der Mutter, (ständig wechselnde Liebhaber, dazu meist aus dem kapitalistischen Ausland), hätten doch da schon eher mal den Schluß zugelassen, dass man der Mutter vielleicht die Kinder entzieht. Denn das blieb mit (Staats)-Sicherheit nicht unbeobachtet.

Dieses Buch muß man einfach lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dicht, 13. März 2014
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Kindle Edition)
Gar keine Frage, der Text zeichnet sich durch eine ausgesprochen dichte und intensive Atmosphäre aus. Teils wird sehr lakonisch und kurz beschrieben, was bei anderen Autorinnen und Autoren Seiten und ganze Kapitel füllen würde. Die Beschreibungen über (vor allem) mütterliche Gewalt gegen die beiden Kinder, die Titelfigur und ihren kleinen Bruder Alex, lassen dem Leser das Blut gefrieren. Und eben nicht durch ausufernde Beschreibung, sondern durch diese Lakonie.

"Das Mädchen" bricht irgendwann zuhause aus, flieht vor der Mutter und wechselnden Männern. Zuhause ist in der ehemaligen DDR, in einem wenig begüterten Umfeld, in dem die Mutter teilweise tagelang fehlt, ohne sich um ihre beiden Kinder zu kümmern. Obwohl, sie fehlt eigentlich nicht, so wie sie sich verhält. Die mehrfach versuchte Flucht bringt sie am Ende in ein Heim, aus dem heraus sie auch eine Schule besucht und zwar gar nicht einmal erfolglos. Nur ohne Antrieb, ohne Ehrgeiz. Diesen zeigt sie nur beim Ladendiebstahl und anderem Verfehlungen.

Am Ende lässt mich das Buch mit dem recht offenen Ende zurück und ich denke: "Ja, genau, so wird das wohl auch heutzutage oft verlaufen. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Keine finale, apokalyptische Katastrophe, aber auch kein wirkliches Licht am Ende des Tunnels." Trostlos eben.

Vier Sterne für ein Buch, das ich nur schwer unter der Kategorie "Roman" einstufen kann, überwiegend wegen des schmalen Umfangs, der für eine Erzählung reicht oder auch für eine Novelle. Aber letztendlich ist das Wortklauberei und nicht entscheidend.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Radikal, ehrlich und bewegend, 5. Februar 2014
Von 
Dieter Drewitz "didi" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: 4 CDs (Audio CD)
Angelika Klüssendorf, 1958 geboren, verbrachte ihre Jugend in Leipzig, Mitte der 19achtziger Jahre verließ sie die DDR.

Ihre Chronik einer Kindheit in einem Milieu von Alkoholismus, Verwahrlosung und Gewalt, das in der DDR offiziell nicht registriert wurde, schaffte es auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2011.

Der nur hin und wieder im Familienbild auftauchende, angetrunkene Vater schlägt die überforderte Mutter.
Diese drangsaliert schwankend zwischen Depression und Sadismus die zwölfjährige Tochter und den sechsjährigen Sohn. So erzeugt sie eine Atmosphäre der Angst und des aufkommenden Wiederstandes des Mädchens.

„Es macht keinen Unterschied, ob sie lügt oder die Wahrheit sagt, geprügelt wird sie immer ... Sie verschwindet in der Raserei der Mutter wie in einem Strudel, lässt sich nach unten auf den Grund sinken und ist einfach nicht mehr da.“ (Zitat Klüssendorf )
Das wird in aller Drastik deutlich.
Das namenlose Mädchen gibt Ihren Erfahrungen an den kleinen Bruder weiter.
Sie quält ihn, indem sie ihm lebensbedrohliche Dinge zumutet.
Im Kampf ums Dasein verroht das Mädchen. Sie lügt, schwänzt die Schule und stiehlt.
Sie entwickelt aber gleichzeitig Strategien der Selbstbehauptung gegenüber einer feindseligen Außenwelt.
Aber um Hilfe bittet dieses Mädchen niemand.

Die Einweisung in ein Kinderheim zur „Umerziehung fehlentwickelter junger Menschen“ erscheint da beinahe als Befreiung.
Mager aber zäh und gewitzt, kann sie die „Zehn Gebote der sozialistischen Moral“ nur als komisch empfinden.
Die Welt der Literatur ist für sie ein Überlebensmittel, das ihr hin und wieder wirklich inneren Halt geben kann.

Eine Wandlung verweigert die Autorin ihrer ebenso verletzlichen wie verhärteten Heldin zwar, aber immer wieder blitzt Hoffnung auf, dass dieses starke Mädchen nicht untergehen wird.

Unbedingt lesen oder hören (Sprecherin des Hörbuches: Julia Nachtmann) !
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Wandlung des Alltäglichen zum Besonderen, 11. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte ist die eines jungen Mädchens, das in einem asozialen Milieu aufwächst, wo Prügelstrafe, Alkoholismus und die Unfähigkeit der Eltern, auf die Kinder näher einzugehen, zur Tagesordnung gehören. Für das Mädchen, das von der Autorin nicht mit Namen genannt wird und das sich zu Beginn des Romans noch im vor-pubertären Alter befindet, ist es fast schon eine Erleichterung, "wenn sich die Mutter mit dem Vater streitet", weil ihr dann die Kraft fehlt, "laut herumzuschreien oder ihre Kinder zu verprügeln."
Lieblosigkeit und Ablehnung gehen vor allem von der Mutter aus, da der Vater meistens abwesend ist und am familiären Geschehen so gut wie gar nicht teilnimmt. Während der Bruder Alex die physischen und psychischen Quälereien der Mutter kaum noch ertragen kann, versucht die schon einige Jahre ältere Schwester in ihre eigene Welt zu flüchten: beeinflusst durch die Märchen der Gebrüder Grimm träumt sie von einem kleinen Haus auf dem Lande, und von dem Kolkraben aus Brehm's Tierleben erfährt sie, dass man sich nehmen muss, was man braucht, und so werden Diebstahl, Lüge und kleine Betrügereien zur Gewohnheit.
Als die Mutter von beiden Geschwistern Mithilfe bei der Erledigung häuslicher Tätigkeiten verlangt, kommt zwar der Bruder dieser Forderung nach, während die Schwester die Mutter so lange herausfordert, bis diese sie dann anbrüllt: "Verschwinde aus meiner Wohnung und lass dich nie wieder blicken." Für zwei Tage flieht das Mädchen aus der Plattenbauwohnung, beschafft sich im Lebensmittelgeschäft durch einen kurzen Diebstahl noch das Nötigste, entkommt der Verkäuferin, verbringt die erste Nacht in der Laube einer Kleingartenanlage und die darauf folgende in einem Mietshaus, wo man es schlafend auf der Treppe findet und nach einem richtigen Frühstück dann von einem Polizisten zur Familie zurückbringen lässt.
Der ganze Roman besteht aus vielen solcher Geschichten. Er hat keinen Höhepunkt und enthält nicht die besondere, die einzigartige Begebenheit.Nein, er besteht aus vielen solcher Begebenheiten. Das sind alltägliche Ereignisse, die sich überall ereignen können. Doch die Autorin zeigt in diesem Werk ihre Kunst, jede Alltäglichkeit hervorzuheben und diese durch ihre detaillierte Beschreibung zu etwas Besonderem werden zu lassen:
"Sie (das Mädchen) sucht ihr Nachtquartier diesmal in einem Mietshaus und versteckt sich auf dem Dachboden. Die Hitze knistert noch im Gebälk, ihr Magen knurrt, sie stellt sich eine große Scheibe Brot vor, mit Leberwurst und Senf bestrichen. Noch ist es nicht richtig dunkel, überall sind Spinnweben, sie schleicht über die angeschimmelten Bodenbretter voller toter Insekten und setzt sich im Treppenhaus auf die oberste Stufe. Die Lichtuhr klickt. ...Sie geht leise die Stufen zum nächsten Stockwerk herunter und bettet ihren Kopf auf den Fußabtreter einer Wohnungstür. Lange kann sie nicht einschlafen; wenn sie sich umdreht, treffen ihre Hüftknochen auf den harten Holzboden, und das Pochen in ihrem Zahn wird schmerzhafter."

Es folgt die Fehlgeburt der Mutter, für die sie nur wenig Mitleid empfindet. Sie stumpft immer mehr ab, und "am liebsten möchte sie ihr Leben mit zwei, drei großen Sprüngen hinter sich lassen und in einem ihr unbekannten Universum landen", und an diesem Gedanken wird die Jugendliche bis zum Ende des Romanes festhalten. Doch bis dahin wird sie noch vieles erleben, erfahren, und so manches wird ihr nicht erspart bleiben. Sie wird mit dem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin Ellen für kurze Zeit an die Ostsee fahren, mit Scharlach wird sie zur Mutter und deren Liebhaber Henry zurückkehren und ihren neugeborenen Stiefbruder Elvis kennenlernen. Doch der Alkoholismus der Mutter wird sich ins Unermessliche steigern, dass dem Mädchen nach einem Selbstmordversuch als einziger Ort nur noch das Heim bleibt. Dort wird sie, inzwischen abgemagert, von den anderen Mitschülern langsam integriert, und statt "Gerippe" nennt man sie jetzt liebevoll "Rippchen".
Die Erzählerin lässt gerade während des Heimaufenthaltes deutlich das allmähliche Heranreifen vom Mädchen zur jungen Frau erkennen. Auch die geistige und soziale Reife zeigt sich:
"Im Staatsbürgerkundeunterricht beginnt sie Fragen zu stellen. Warum muss sie auf einem ihr zugewiesenen Territorium leben und darf es nicht verlassen? Was hat sie verbrochen, dass sie nie den Rest der Welt sehen darf? Und warum bringen ihr diese Fragen einen Tadel ein?"
Nur bei bestimmten Gedichten kommen ihr zuweilen sozialistische und patriotische Gefühle in den Sinn. Aber die Erzählerin erkennt auch sofort: "Es ist einfach in den Liedern und Gedichten gerecht und ungerecht zu unterscheiden, doch im alltäglichen Leben sieht es anders aus."

Es ist ein erschütterndes, aber zugleich auch großartiges Buch mit sowohl fast schon tragisch fesselnden Inhalten, die heute leider immer noch zum Alltag gehören, als auch einer hervorragenden, einfach verständlichen, aber stilistisch hohen sprachlichen Qualität und einem meisterhaften Können in der detaillierten Beschreibung.
Absolut empfehlenswert!!!
Ein großes Dankeschön an die Autorin Angelika Klüssendorf!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Honey66, 24. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Kindle Edition)
"Du Opfer", würden im Jahr 2012 wohl die Mitschüler das Mädchen nennen, das in Klüssendorfs Roman namenlos bleibt, allenfalls »Gerippe«, später etwas liebevoller »Rippchen« genannt wird. Die Umgebung, der das Mädchen entstammt, heißt heute auf neudeutsch »Prekariat«, was im Arbeiter- und Bauernstaat DDR der 70er Jahre freilich nicht existierte. Wo deswegen auch niemand zuständig war und schon gar niemand genauer hinschaute. Vater und Mutter sind Alkoholiker, beide vom Leben enttäuscht. Einfach gewalttätig ist der Vater, gewalttätig und sadistisch die Mutter.
Grausam und sinnlos wäre dieses Kinderleben, wenn dieses Mädchen nicht mit der Literatur des 19. Jahrhunderts einen Ort der Zuflucht gefunden hätte. Brehms Tierleben entnimmt es, dass es wohl am ehesten einem Kolkraben verwandt sein müsste: »... Frechheit und List, Kraft und Gewandtheit vereinigen sich in ihm, um ihn zu einem gefährlichen Räuber zu stempeln. Von den verwandten Arten werden die Kolkraben gehasst und angefeindet.« Das Mädchen folgt der Anleitung des ollen Brehm und wird Meisterin im Stehlen, im Betrügen, im Lügen. Angefeindet wird es, egal wo es auftaucht. Lieber als zu Hause schläft es schon mit 12 Jahren in leerstehenden Häusern, Hausfluren, bei Unbekannten. Es landet in der Jugendstrafanstalt, dann im Heim. Es ist dasselbe Mädchen, das den »Graf von Monte Christo« in die Schulkladde abschreibt, um das Buch zu besitzen, und das allzu tief in den Märchenwelten der Brüder Grimm versinken kann - und genau deshalb nicht untergeht.
Die Autorin/die Erzählerin kommentiert die brutalen Grausamkeiten, die das Mädchen durchleben muss, nicht. Es gibt keinen Druck auf die Tränendrüse und keinen moralischen Zeigefinger. Es handelt sich nicht einmal um eine Abrechnung mit der ehemaligen DDR. Ob das Buch autobiographisch ist oder nicht, spielt ebenso keine Rolle. Viel zu allgemeingültig sind die gemachten Beobachtungen von Lieblosigkeit, Vernachlässigung, Gewalt und den Reaktionen darauf.
Ich empfehle dieses Buch unbedingt zur Lektüre, um die eigenen Antennen, Augen, Ohren und Herz, zu schärfen für die Signale des Alltags, die als Hilfeschreie von kleinen und großen Opfern verstanden werden können und müssen. Das Mädchen ist überall.
Bitte nicht von dem doofen Coverbild vom Lesen abhalten lassen. Hier hat der Verlag komplett in die falsche Kiste gegriffen.

Honey66 von MexxBooks
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, wild und verstörend, 10. Februar 2012
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Also, bei diesem Buch wusste ich zunächst nicht, wo ich es einordnen sollte. Die Geschichte von Vernachlässigung und Gewalt vor dem Hintergrund der DDR ist ja auch hier schon öfter beschrieben worden. Handelt es sich vielleicht um einen zumindest in Teilen autobiograpischen Text? Die Geschichte berührt und verstört so oder so. Ein Kind wird erwachsen und wächst in eine absolut feindliche Umwelt hinein, ohne sich auf irgendeine Hilfe von außen verlassen zu können, völlig überrollt von Gefühlen und Systemzwängen. Man ist dabei, wie sich Verhaltensmuster der Eltern (hier besonders der Mutter) auf die Kinder übertragen, wie gleiche Fehler immer wieder neu gemacht werden. Andererseits zeigt sich hier ein wildes Leben, dass sich bestimmte Freiheiten einfach frech heraus nimmt und der Welt der Zwänge einfach eine lange Nase dreht (zumindest für den Moment). Tja, solche Geschichten lesen sich natürlich auch immer spannend, der Stil ist präzise und immer auf dem Punkt, fast als hätte man es mit einer Reportage zu tun. Diese Distanziertheit auf der einen Seite, andereseits aber die gelungene Darstellung des Mädchens zu dem man als Leser schon eine Nähe und Sympathie entwickelt, schaffen ein ganz packendes Buch, dass den Leser auf jeden Fall auch zum Nachdenken über den Umgang der Menschen miteinander aufruft. Die DDR als HIntergrund ist in diesem Buch eigentlich nur Beiwerk, wie auch schon in einer anderen Rezension gesagt, spielen sich solche Geschichten leider tatsächlich auch hier und heute ab.
Das Buch - absolut empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ohne viele Worte!, 25. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Grausam, schockierend, schaurig, ekelerregend, nachhaltig, intensiv, authentisch, heiter, lesenswert. "Das Mädchen" ist eine Lektüre, die man trotz seiner mit 183 Seiten sehr kurzen Erscheinung nicht vergessen wird. Ein wichtiges Buch!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schwieriger Start ins Leben, 13. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man fragt sich als Leser schon, wieviel Grausamkeit kann ein Mensch überhaupt ertragen. Umso mehr erschüttern einem Härte und Gewalt, wenn sie gegen Kinder gerichtet sind. Dieses Mädchen wird in ein erbarmungsloses Umfeld geboren, in dem es keine Liebe und Zuwendung erfährt, sondern von der eigenen Mutter drangsaliert, verstossen und gedemütigt wird. Auch der Vater, der zumeist abwesend ist, erweist sich nicht als wirkliche Stütze in seinem jungen Leben. Es lernt sehr schnell, dass die einzige Überlebensstrategie ist, sich zur Wehr zu setzen, zu fliehen oder mit gleicher Härte zurückzuschlagen. Mein Eindruck dieser Erzählung ist, dass es sich weniger um einen DDR-Gesellschaftsroman handelt, sondern ein Milieu beschreibt, dass in jeder anderen beliebigen Umgebung zu finden ist. Familiäre Verwahrlosung, soziale Armut und die Folgen von Alkoholismus und Gewalt hinterlassen Spuren, die die Autorin sehr stark zum Ausdruck bringt. Mit ihrer schnörkellosen, einfachen Sprache bringt sie die Problematiken klar auf den Punkt. Wohin das ausweglos erscheinende Leben des Mädchens führt, bleibt offen.

Ein erschütterndes Buch über ein Mädchen, dass trotz Tyrannei und Gewalttätigkeit im eigenen Elternhaus den Lebenswillen und Mut nicht verliert.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Plot eher mäßig.., 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Obwohl ich das Buch an einem Nachmittag las, war ich dennoch froh, als ich am Ende angekommen war. Die Geschichte, die Figuren sind an sich nicht uninteressant, aber der Plot ermüdet mit der Zeit, kommt es doch immer wieder zu sich wiederholenden Ereignissen und Situationen, in denen Prügel und Einsamkeit geschildert werden. "Das Mädchen" und die Mutter, die beiden zentralen Figuren, blieben für mich bis zum Schluss auch ein wenig konturlos, obschon es sicher so gewollt sein mag (s. Titel "Das Mädchen"). Die Dramatik der Geschichte gibt an sich ein Paradigma für alle Gesellschaften ab, in denen Kinder unter den familiären bzw. gesellschaftlichen Strukturen zu leiden haben. Der immer wieder flüchtig angedeutete DDR-Kontext erscheint mir daher eher überflüssig. Und zur Erinnerung: Die BRD hat erst im Jahre 2000 ein Gesetz verabschiedet, das es Eltern gesetzlich verbietet, ihre Kinder mit Gewalt zu erziehen. Das Bewusstsein für das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung ist also noch ein sehr junges, die Thematik immer noch brandaktuell.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig!, 18. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das ist der erste Roman, den ich von Angelika Klüssendorf gelesen habe - ich kannte bislang nur ihre Erzählungen.
Man kann sich diesem Buch nicht entziehen! Mit unglaublicher Präzision und Knappheit wird hier eine Welt geschildert, die man auf der Haut spüren kann, die man zu riechen und zu atmen anfängt, die einem das Herz zerreisst und die noch sehr lange nachhallt. Es tut wirklich weh, dieses Buch, und es ist ganz große Kunst - was für ein großartiges Stück Literatur!
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Das Mädchen: Roman
Das Mädchen: Roman von Angelika Klüssendorf (Taschenbuch - 20. Juni 2013)
EUR 8,99
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