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Kundenrezensionen

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am 17. August 2010
Ich habe nur das amerikanische Original gelesen, kann also nichts über die deutsche Übersetzung sagen.

Nach seinen spektakulären Erstlingsromanen "Everything Is Illuminated" und "Extremely Loud and Incredibly Close" hat sich Jonathan Safran Foer (Jahrgang 1977) drei Jahre lang dem Thema Fleischessen gewidmet und ein Buch darüber geschrieben.

"Tiere essen" beginnt harmlos, biographisch, Foer erzählt von seiner Kindheit und seiner Oma, die ihm beigebracht habe, dass alles, was auf den Teller komme, ein Geschenk sei, und dass gutes Essen in Fleisch großer Tiere gipfle. Später habe er zwischen Omnivor- (Allesesser) und Vegetariertum alterniert, wobei die Fleischverweigerung mehr der Identitätssuche gedient habe als wirklich fundiert gewesen zu sein. Foer gibt vor, kein flammendes Plädoyer für Vegetarismus vorlegen zu wollen. Stattdessen rührt er in den Widersprüchen, die jeder von sich kennt, den Gegensätzen zwischen Problembewusstsein, -ausblendung und Bequemlichkeit.

"Tiere essen" ist jedoch nur insofern keine Streitschrift gegen Fleischkonsum, als Foer zwischen Fleisch von vormals artgerecht gehaltenen Tieren und dem von Geschöpfen aus Massentierhaltung unterscheidet. Zunächst widerlegt er gründlich diejenigen unter den Lesern, die Tieren Intelligenz, Bewusstsein, Emotionen und Leidensfähigkeit absprechen wollen; Hühner und Fische seien da keine Ausnahme. Nun stamme 99% allen in den USA verzehrten Fleisches aus Fleischfarmen, in denen die Tiere nicht nur zusammengepfercht würden, wie es ihr Körperumfang gerade noch zulasse, mit Wachstums-, sonstigen Hormonen und Antibiotika vollgestopft würden, sondern genetisch dermaßen degeneriert seien, dass sie sich auf natürlichem Wege gar nicht mehr fortpflanzen könnten. Foer begibt sich in die Hühner-, Schweine- und Rinderfabriken und die Industriefischerei, spricht mit vielen Angestellten, Farmern und Experten und lässt einige im Wortlaut Klartext reden. Ihre Berichte zeigen beispielsweise, dass es in den industriellen Zucht- und Schlachtanlagen nicht mehr die Spezies Huhn gibt, sondern nur mehr die sich stark unterscheidende Eier- und die fleischgenerierende Kreatur (bei ersterer werden natürlich die Männchen vernichtet, sobald feststeht, dass sie welche sind). Die Tiere sind durch Züchtung und Medikamente dermaßen verkommen, dass die fleischreichen Körperteile in einem Bruchteil der von der Natur dafür vorgesehenen Zeit wachsen; es gibt Schweine, denen das Bauchgewicht die Beine bricht und Abertausende kranke Tiere, die als Abfallprodukt in Kauf genommen und unter großen Qualen vernichtet werden. Die Massenschlachtung der Überlebenden folgt freilich unter minimalen Kosten für die Fabrikanten und damit großer Pein für die Tiere. Und damit nicht genug, mutieren viele der Angestellten, die teilweise mehrere tausend Kälber pro Tag töten müssten, häufig zu Sadisten, und die Tiere dienen als wehrlose Opfer ihrer geistigen Abstumpfung und Verrohung.

Wem die Ethik und Philosophie um den Tierschutz, die Foer ebenso beleuchtet, als Argumente nicht reichen, dem rechnet er vor, dass der Massentieranbau für mehr Treibhausgasausstoß verantwortlich sei als der gesamte Verkehr. Darüber hinaus züchte man sich Abermilliarden Wirte von Viren heran und mache die Menschheit antibiotikaresistent, ganz abgesehen von den Fäkalienmassen, die über Böden, Grundwasser und Regen in den Nahrungskreislauf gerieten. Am Ende stellt Foer noch ein paar redliche Farmer vor und zeigt Wege auf, wie man zurück zu gesünderem, besserem Fleisch finden könne. Und wenn nicht, dann wenigstens zu einer minimalen Ethik, die den Konsum von Fleisch aus perversen Fabriken verbiete.

Foer hat "Tiere essen" mit der gleichen Energie, der gleichen sprachlichen Zuspitzung und tiefgründigen Klugheit geschrieben wie seine Romane. Man mag der Ansicht sein, trotz Massentierhaltung seien die Zustände nicht allzu schlimm und die Quote validen Fleisches in Europa um ein paar Prozentpunkte höher als in den USA. Doch wenn man nicht komplett naiv ist, wird man kaum daran zweifeln, dass so ziemlich alles, was hierzulande bei Lidl, Aldi und Co. im Fleischregal liegt, die Produkte von bedauernswerten Frankenstein-Geschöpfen sind. Die Fleischindustrie hat zum Zweck der Gewinnmaximierung (und nicht der Massenspeisung, die auch anders funktionierte) die Natur pervertiert. Man mag gerne weiter die Reste industriell verstümmelter Tiere essen. Aber vorher sollte man "Tiere essen" lesen.
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am 18. August 2010
Da der niedliche Eisbär, den alle anschmachteten - dort die Millionen Schweine, Hühner, Truthähne, Kälber, Kühe und was auch noch sonst gegessen wird - die in unvorstellbaren Verhältnissen leben (?).
Ich bin seit mehr als 30 Jahren überzeugter Vegetarier, da ich nicht mehr vereinbaren konnte wie mit Tieren umgegangen wird. Ich bin kein Heilsprediger und auch kein Mensch der andere ständig überzeugen muss, aber nach diesem Buch - wirklich, es sollte eine Pflichtlektüre für jeden mündigen Bürger werden, muss man einfach dieses Thema mehr ansprechen. Teilweise wird einem beim Lesen, regelrecht übel. Allein diese Vorstellung....
Wir Verbraucher müssen endlich erwachsen werden und gegen die Massentierhaltung aufbegehren. Ein guter Ansatz im kleinen ist hier auch Foodwatch die sich auch stark machen und Aufklärung betreiben. Lesen Sie dieses Buch und Sie werden bei Ihrem nächsten Einkauf im Discounter die Fleisch- und Wursttheke meiden. Vielen Dank.
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am 25. August 2014
Also zuerst dachte ich oh hoffentlich zieht sich das Buch nicht hin - Sachbuch und ich passen nicht immer zusammen.
Aber ich muss sagen dass ich das Buch sehr interessant fand.
Ich habe es als Kindle Version - allerdings dürfte es in Taschenausgabe wohl etwas handlicher sein mit dem Nachschlagewerk am Schluss. Trotzdem kein Abzug!
Ich hab mich in das Buch reingelesen und konnte eigentlich nicht mehr aufhören zu lesen.
Um ehrlich zu sein bin ich um es mit seinen Worten auszudrücken eigentlich "Allesesser" - heißt ja ich esse auch des Öfteren mal Fleisch.
Trotzdem finde ich ist es wichtig mit offenen Augen durch die Welt zu gehen bzw. zu wissen wie und mit was man lebt! Also nicht die Augen verschließen und einfach so tun als ob alles in Ordnung und super wäre - denn das ist es nicht.
Wir sollten auch alle wissen - was wir denn wirklich essen - und jeder sollte eine Entscheidung treffen, in wie weit er alles unterstützen möchte/verzichten oder nicht verzichten möchte...
aber wie lautet es so schön "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" bzw. hier übertragen: Auch wenn ich die Tierquälerei wegheuchle und so tue als ob alles super wäre ist es das eben nicht!
Wir, vor allem auch für uns und unsere Kinder sollten erkennen, was mit der Geiz-ist-Geil Mentalität alles angerichtet wird bzw. auch endlich mal Gedanken über die Zukunft und die Lebensart an sich machen - und nicht weiter so egoistisch/zerstörerisch/tyrannisch wüten
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am 19. September 2010
Warum ist es so schwierig, die Fragen zu stellen, die Foer anspricht? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber Gespräche übers Fleischessen verlaufen bei mir - zumindest mit Vegetariern - nur selten locker. Es hängt da immer eine schwer zu greifende Spannung in der Luft, eine Art unausgesprochener Vorwurf und der Drang, sich für irgendwas rechtfertigen zu müssen.

Die naive Art, in der Foer seine Recherchen und Geschichten übers Essen erzählt, anstatt hektisch mit dem Zeigefinger zu wedeln, hat mich sofort begeistert. Das wirkt auf mich unverkrampft und ehrlich, und ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt angegriffen (zu meinen bisherigen Essgewohnheiten: Fleisch ist mein Gemüse...). Das heißt nicht, dass ich mich beim Lesen nicht auch schlecht gefühlt und mich sogar geschämt habe.
Natürlich ist klar, worauf Foer hinauswill, aber das empfinde ich nicht als Schwäche des Buchs. Ich kann nichts Verwerfliches daran finden, deutlich zu sagen, was jedem Kind intuitiv klar ist (vermute ich): Tiere sollten gut behandelt werden.

Kurz und gut: Mir hat das Buch geholfen, über mich selber, meine Essgewohnheiten und Einstellungen zur Ernährung nachzudenken. Ich werde die Fleischvorräte, die sich noch in meinem Kühlschrank stapeln, in den nächsten Tagen aufbrauchen. Sie wegzuwerfen fände ich irgendwie respektlos. Ich habe mir vorgenommen, deutlich weniger Fleisch (vielleicht sogar gar keins mehr) als bisher zu essen.

Und außerdem ist das Buch spannend und fesselnd geschrieben - ich kann es jedem empfehlen, der etwas über sich selbst lernen möchte.
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am 21. Juli 2013
Wer Fleisch aus Überzeugung ist, sollte dieses Buch meiden - er könnte Vegetarier werden.
Der studierte Philosoph und erfolgreiche Romancier Jonathan S. Foer hat hier ein Sachbuch zum Thema Massentierhaltung vorgelegt, gründlich recherchiert, prallvoll mit Fakten und ohne jegliche ideologische Attitüde. Anregende, teils nachdenkliche Lektüre, inzwischen auch als Taschenbuch erhältlich.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Oktober 2011
Ich möchte keinesfalls abstreiten, dass der Autor Jonathan Safran Foer mit seinem Buch "Tiere essen" ein wichtiges Thema beleuchtet und das in den Fakten auch gar nicht schlecht macht. Er sagt die ungeschönte Wahrheit über Massentierhaltung, das Leiden von Nutztieren, Umweltschäden, Gesundheitsrisiken insbesondere durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika und den daraus folgenden Resistenzen, die Macht des Geldes und der Lobbyisten und selbst über mutwillige Misshandlungen von Tieren durch Angestellte der Betriebe schweigt er nicht. Interessant wird es auch durch die längeren Passagen, in denen Foer in Briefform Vertreter diverser Standpunkte zu Wort kommen lässt.

Aber auch wenn Vegetarismus für mich selbst erstrebenswert und mir Tierschutz sehr wichtig ist, kann ich mich bei diesem Buch nicht der allgemeinen Euphorie anschließen. Nicht nur eine gute Thematik macht ein gutes (Sach)buch, sondern auch oder sogar vor allem die Umsetzung ist wichtig - die Art, wie die Fakten vermittelt werden - und nicht zu letzt die dahinterstehende Aussage. Und da weist "Tiere essen" einfach mehrere größere Schwächen auf, die mich beim Lesen sehr gestört haben, und es meiner Meinung nach sogar im Bezug auf das Verständnis von Nicht-Vegetarieren für Vegetarier teilweise kontraproduktiv machen.

Die erste und eine entscheidende Schwäche ist der Aufbau. Eine sinnvolle Struktur für eine argumentative, auf Fakten basierende Analyse ist schlicht nicht vorhanden - nicht einmal die Überschiften der Kapitel und Unterkapitel ergeben einen Sinn, höchstens vielleicht bei den beiden Kapiteln "Geschichten erzählen" zu Beginn und am Ende des Buches. Das klingt nämlich nach dem, was der Leser hier auch findet: Märchenstunde. Foers Kindheit, Foers Oma, Foers Sohn und eine "Art" wirsch in die Länge gezogenes Vorwort, das auch noch das nächste Kapitel einschließt, aus dem sich der Leser Foers Intention zum Schreiben dieses Buches irgendwie zusammenbasteln kann. Das Fazit, das seiner Meinung nach dann doch nicht das angestrebte leidenschaftliche Plädoyer für Vegetarismus geworden ist, findet sich dann auch gleich an mindestens drei Stellen - nur eben nicht wirklich am Ende (wo es hingehört hätte), sondern einmal in der Mitte unter der nichtssagenden Überschrift "weitere Einflüsse" (S. 167), unter der Überschrift "Tiere essen" (S. 223) und in wiederholter Form nocheinmal unter "Meine Wahl" (S. 277).

Überhaupt führt die Strukturlosigkeit zu unzähligen Wiederholungen. Manchmal werden nicht nur einzelne Fakten, sondern sogar ganze Abschnitte sinngemäß mehrmals wiedergegeben. Vielleicht hatte der Autor auch das Gefühl drei Jahre währende Recherchen müsste man auf mehr als 100-150 Seiten unterbringen, auch wenn die gesammelten Fakten ohne Wiederholungen eigentlich nicht mehr hergäben.

Auch das Quellenverzeichnis ist für ein Sachbuch, das angeblich auf Recherchen beruht und "so objektiv [ist], wie ein journalistisches Werk nur sein kann", ein wahres Armutszeugnis. Keine Fuß- oder Endnoten als Literaturverweise, stattdessen ein unübersichtliches Verzeichnis der "Anmerkungen" am Ende des Buches, durch das man sich mit Seitenzahlen und mit fettgedruckten Textfragmenten durchwühlen muss, nur um dann eventuell festzustellen, dass es zu einer betreffenden Stelle gar keine Quellenangabe gibt. Als noch unsinniger entpuppt sich diese Sammlung von Anmerkungen dann bei der "Sachlage in Deutschland", die vom Vegetarierbund Deutschland zusammengestellt wurde und für die Einordnung der genannten amerikanischen Daten in den deutsch-europäischen Markt auch von großer Wichtigkeit ist. Leider ist es durch den gewählten Stil eine Zumutung zum Lesen, eine wirre Mischung aus Text und Literaturverweisen, die ich zudem noch als recht unumfassend empfunden habe.

Jetzt zu dem Punkt, weswegen ich das Buch für das Verständnis von Vegetariern und Nicht-Vegetariern sogar eher misslungen finde. Ein großes Problem sehe ich dabei in den "Zeigefinger"-Vegetarieren, in den Moralpredigern und den "Ihhhhh"-Schreiern, die, wenn ihnen die Fakten ausgehen, mit Überdramatisierung, Schwarz-Weiß-Denken und emotionaler Erpressung anfangen und dadurch Abwehr anstatt Verständnis bewirken. Leider kann Foer auch noch so oft seine Objektivität und Rechercheleistung betonen: Er hält sich nicht immer dran, sondern neigt ebenfalls zu Unsachlichkeiten.
Besonders beim seinem Besuch bei einer Schlachterei, deren Schweine "meist von den wenigen übrig gebliebenen Schweinefarmen im Land [kommen], die noch keine Massentierhaltung betreiben." (S. 190) und die nach - objektiv - akzeptablen Standards schlachtet, bleibt Foer nichts mehr anderes übrig, als die Schiene der emotionalen Erpressung einzuschlagen - und das tut er auch ausgiebig.
Den ruhig stehenden Tieren wird ein "Wissen" um den nahenden Tod angedichtet, hier ist es schlimm, dass nicht jeder bei der eigentlichen Tötung zuschauen kann, während er sonst immer die Belastung der Angestellten gleich mitbemängelte und das Highlight bildet dann der arme Veterinär: "Doc müsste sich kaum verändern, um in einem Horrorfilm mitzuspielen - und zwar nicht als Opfer." (S.181). Der arme Mann ist also der Täter in einem Horrorfilm? Ist das objektiv und sachlich? Wie sieht wohl Foers Tierarzt aus, wenn er mal seinen geliebten Hund George für eine OP aufschneidet? Ich nehme an sein "Kittel ist blutverschmiert" und "sein Blick hinter der Schutzbrille [ebenso] entschieden wahnsinnig", während er als "Innereienbeschauer" den "Glibber" des Hundes durchwühlt.

Die ganze Schlachthofbeschauung endet dann noch in einem zwei Seiten langen Monolog-Geschwafel, die man auch mit "ihhh" hätte abkürzen können. Wenn Foer das Schlachten generell ablehnt, dann soll er das so schreiben (tut er strukturlos wie das Buch ist auch 100 Seiten später). Aber dann direkt im Anschluss den Schweinefarmer Paul über den Klee zu loben, weil seine Tiere so gut aufwachsen und deshalb kein eindeutiges Plädoyer für den Vegetarismus fällen zu wollen - oder eben doch, aber mit ewigem Hin- und Hergedruckse - da fehlten mir einfach manchmal Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Konsequenz. Beim feinen Paul heißt es übrigens auch, dass die männlichen Ferkel "ohne Betäubung kastriert" werden, bei der Massentierhaltung dagegen werden "die Hoden aus dem Leib gerissen".

Formulierungsschwächen will ich zum Schluss auch nicht auslassen: "an Krebs sterben jährlich weitere fast 25 Prozent der US-Bürger" (S. 168). Ich hoffe wirklich, dass die wahre Aussage der verwendeten statistischen Daten anders lautet, denn so formuliert, rottet der Autor die USA ganz schön schnell aus...

Insgesamt habe ich jetzt viel kritisiert (aber lange nicht alles, was ich hätte kritisieren können), aber ich hoffe, dass meine Drei-Sterne-Bewertung dennoch so verstanden wird, dass ich das Buch in weiten Teilen inhaltlich gut finde - es hat nur eben gleichzeitig auch zu viele Schwächen, vor allem keine ordentliche Gleiderung, manchmal mangelnde Sachlichkeit, ein fehlendes deutliches Fazit und ein Witz von einem Quellenverzeichnis, um für mich ein gutes Buch zu diesem Thema abzugeben. Ich hatte mir mehr versprochen.
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am 22. September 2010
Ich finde es genial wie JSF unser gestörtes und widersprüchliches Verhältnis zu unserem Mitgeschöpfen auf dieser Erde darstellt. Auf der einen Seite angebetete Schoßhündchen, die in ihrem ganzen Leben umhätschelt und mit Liebe gefüttert werden und die, wenn sie das nicht überleben, ein gepflegtes Grab auf dem Tierfriedhof erwartet. Auf der anderen Seite Massentierhaltung, atmende, fühlende Wesen, die uns als Lebensmittelprodukt dienen, das Leben nur solange etwas wert, wie es Profit verspricht, danach wird das Tier entweder geschlachtet oder oft sogar noch lebend entsorgt.

Mir war nicht bewußt, wieviel Chemie, wieviel Dreck zusätzlich zum Fleisch in meinem Körper landet, wenn ich es mal nicht zum Biomarkt schaffe und mir Hähnchenbrust aus dem Supermarkt hole. Und dass auch der Biokauf nicht wirklich die Lösung für meinen Gewissenskonflikt sein kann, er reduziert im günstigsten Fall, wenn kein Etikettenschwindel vorliegt, einige Mißstände der Massentierhaltung. Auch dass wir wahrscheinlich eine der letzten Generationen sein werden, die überhaupt wilden Meeresfisch essen kann, habe ich zwar geahnt, aber verdrängt.

JSF mag kein Lebensmittelexperte sein. Sein Stil spricht nicht jeden an und der Aufbau seines Buches ist wirklich etwas durcheinander, aber hat es geschafft, seine Eindrücke so nachhaltig zu schildern, dass ich Ekel vor Supermarktfleisch und Wurstwaren habe, im Biomarkt werde ich genau nachfragen, bevor ich kaufe und vielleicht werde ich auch gar kein Fleisch mehr für mich und meine Familie kaufen. Einige werfen JSF vor, er sei emotional. Essen ist doch etwas hochemotionales. Liebe geht durch den Magen. Auch wenn mit Liebe gekocht wird, was ist, wenn das Tier mit so viel seelenloser Gleichgültigkeit oder vielleicht sogar Sadismus gehalten, getötet und zerlegt wurde?? Bei diesem Gedanken wird mir schon mulmig.

Einen Punkt Abzug für JSF Darstellung von MRSA. Die Resistenzbildung ist schon hochrelevant im Zusammenhang mit Antibiotika und Massentierhaltung. Nur ist MRSA nicht vorrangig wie von JSF dargestellt eine Bedrohung für gesunde Menschen, die mit der Massentierhaltung Kontakt hatten, sondern im Klinikbereich ein Problem. "Hauptüberträger" von MRSA ist die menschliche Hand. Hauptgefährdet sind kranke, immungeschwächte Patienten mit offenen Wunden.
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am 16. September 2010
"Tiere essen" - der Titel des aktuellen Buches von Jonathan Safran Foer sagt eigentlich schon alles und, vor der Lektüre, auch noch gar nichts aus: "Na und?", mag man schulterzuckend denken und in ein saftiges Steak beißen. Wer sich mit dem Autor jedoch auf seine Reise durch die Fleischindustrie wagt, fragt genauso wenig "Na und?" wie er danach mit Freuden in sein saftiges Steak beißen mag. Denn weiß er, wie es auf seinen Teller gekommen ist? Hier erfährt er es.
Genau dieser Frage, die ihn seit der Geburt seines Sohnes nicht mehr losgelassen hat, geht Foer beeindruckend gewissenhaft nach: Was wissen wir über unser Essen? Und welche Konsequenzen hat es, wenn wir mehr darüber erfahren? Mit der Neugier des Journalisten macht sich Foer auf die Suche nach Menschen, die ihm diese Fragen beantworten können. Schnell wird klar, wohin die Reise geht, ohne allerdings den direkten, plakativen Weg zu wählen.
Denn bevor Foer auf seinen Seiten zwangsweise Blut fließen lässt, ist es für ihn wichtiger, ein paar Fragen zu stellen: Hat ein Tier eine Seele? Was fühlt es? Was spürt es? Welchen Stellenwert verleihen wir ihm? Und vor allem: Hat es jene Würde, die der Mensch bei sich für unantastbar hält? Gibt es gar Unterschiede: Tier und essbares Tier? Nicht nur an dieser Stelle beraubt Foer den Leser mit bemerkenswert feinem Sarkasmus jeglicher Illusion - und druckt ein philippinisches Rezept ab: Geschmorter Hund nach Hochzeitsart...
Bei diesem Thema ist nichts so zynisch wie die Realität. Stil und Aufbau des Buches stellen dabei jedoch alles andere als eine wohlfeile Polemik dar und erinnern stark an die Methodik des amerikanischen Regisseurs und Autors Michael Moore, ja könnten glatt als Drehbuch-Vorlage für eine seiner nächsten Reportagen dienen. Dass Foer seine Nachforschungen in den USA betrieben hat, sollte einen Europäer übrigens nicht in Sicherheit wiegen.
Mit dem wachen und daher schonungslosen Blick hinter die Kulissen scheint Foer an den Titel seines 2007 erschienenen Romans anzuknüpfen: "Extrem laut und unglaublich nah". Um einer in seinen Augen notwendigen Veränderung das Wort zu reden, arbeitet der Autor mit im wahrsten Wortsinn knallharten Fakten: Er hat Mastbetriebe besucht, legal und illegal; er hat sich ausführlich mit Menschen unterhalten, die unmittelbar mit der Materie zu tun haben, sei es als Farmer, Mitarbeiter eines Schlachthofes oder Gegner der Massentierhaltung.
"Tiere essen" ist letztendlich ein Buch, das den Vegetarismus propagiert - und zwar nicht aus gesundheitlichen Gründen. Diese, auch Foers Lebenseinstellung ist für ihn allerdings keine rhetorische Glaubensfrage. Er verdammt keinen, der anders isst [sic!]. Aber er hakt nach. Dass dabei lokale, regionale und globale sowie gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen von intensiver Tierhaltung und Fischfang aufgezeigt werden, ohne die heute so gut wie kein entsprechendes Produkt mehr auf den Tisch kommt, verdeutlicht die Wichtigkeit dieser Fragen.
Dabei will der Autor nicht missionieren, sondern gewinnen, nicht erziehen, sondern Bewusstsein erzeugen: Wie viel ist Dir das Fleisch wert? Wärest Du bereit, ein Vielfaches für Dein Steak zu zahlen, wenn es dafür kein Produkt aus Massentierhaltung ist und vor seinem unnatürlichen Tod wenigstens ein natürliches Leben hatte? Foers Buch gibt die Antworten, zwingt jedoch keinen zur direkten Adaption. Der Autor hat lange für "Tiere essen" recherchiert. Und da eine mögliche Konsequenz dieses Buches grundlegende Veränderungen im Leben dessen, der sie für sich zieht, bedeuten, fordert Foer nicht unbedingt eine Entscheidung "hic et nunc". Das schlimmste ist für ihn expressis verbis, wenn sein Anstoßen ohne jegliche Folgen bliebe, denn: "Wir können uns nicht mit Unwissenheit herausreden, nur mit Gleichgültigkeit."
"Tiere essen" ist ohne Zweifel ein wichtiges Buch. Als Rezensent, den es nicht nur fachlich überzeugt, sondern der selbst schon vor seiner Lektüre den in Foers Augen nötigen Schritt hin zu einer konsequent vegetarischen Lebensweise gewagt hat, fällt es natürlich leicht, eben dies letztendlich als Konsequenz zu propagieren. Eines zumindest steht fest: Wer "Tiere essen" aufmerksam liest und seine Einstellung zum Steak auf seinem Teller nicht ändert, klirrt entweder vor Gefühlskälte oder ist ein fast schon wieder bemerkenswert zäher Ignorant. Welches dieser Etiketten möchte man sich wohl anheften?
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am 14. September 2010
Ich habe dieses Buch gerade ausgelesen und bin schockiert. Die "Geschichten", die der Autor in diesem Buch erzählt, gehen unter die Haut.

Ich habe zuvor bereits das Buch "Food Revolution" von John Robbins gelesen, welches mich auch stark beeindruckt hat. Auch Robbins berichtet über die Massentierhaltung, aber dieses Buch von J. S. Foer ist anders. Vielleicht liegt es an seinem Schreibstil. Vielleicht an den Geschichten anderer Leute, die in dem Buch zu Wort kommen. Jedenfalls hat mir dieses Buch den letzten Schubs in Richtung Vegetarismus und Veganismus gegeben.

Der Autor schreibt nicht belehrend oder mit erhobenem Zeigefinger. Er verdammt auch keine Fleischesser, sondern er erzählt lediglich seine Geschichte und die Geschichten der Tiere.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass er noch mehr auf die gesundheitlichen Folgen zum Verzehr von tierischen Produkten eingeht (Fleisch, Milch, Käse, Eier ...). Wer hierzu mehr wissen will, dem würde ich das Buch von T. Collin Campbell "Die China-Study" empfehlen (jetzt auch auf Deutsch erhältlich).

Ich würde mir wünschen, dass jeder das Buch "Tiere essen" liest.
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am 19. August 2010
Vorausgeschickt: Ich habe das Buch vor mehr als einem halben Jahr im englischen Original gelesen. Somit kann ich keine Beurteilung darüber abgeben, ob und inwieweit in der deutschen Version die wesentlichen Aussagen von Jonathan Safran Foer adäquat transportiert werden.

Mich irritiert jedoch, dass sowohl in der Presse als auch teilweise durch die Rezensionen hier der Eindruck erweckt wird, Jonathan hätte die Absicht gehabt, die Leser zum Vegetarismus zu bekehren. Denn: Das stimmt in dieser Form nicht.

Im englischen Original sowie auch in mehreren TV-Auftritten, die man leicht auf YouTube finden kann, betont Jonathan, dass er primär beleuchten möchte, auf welche Art und Weise mit den Nutztieren im Agribusiness umgegangen wird - von der Befruchtung bis hin zur Schlachtbank. Und welche Implikationen das auch für fast alle wichtigen Lebensbereiche hat, bis hin zur "Schweinegrippe", um nur ein Beispiel zu nennen.

Er betont ausdrücklich, dass er keine "Bekehrung" zu fleischloser Kost im Sinn hat und genau diesen Eindruck hat man auch nach Lektüre des Buches.

Allein, Jonathan ist ein sehr versierter Erzähler, der intensive Bilder und große Emotionen beim Leser zu erzeugen weiß. Seine Vorgehensweise ist dabei nicht selten aber dafür sehr bewusst "gnadenlos" und nutzt die großen Turbulenzen im Spannungsbogen einer raschen Abfolge gegensätzlicher Empfindungen. "Extrem laut und unglaublich nah" - so lautet nicht nur der Titel seines zweiten Romanes, so kann man auch seinen Erzählstil beschreiben.

Somit kann es durchaus sein, dass bei oder nach der Lektüre von "Tiere essen" dem Leser die Lust vergeht, Tiere zu essen.

Alles in allem ist das ein Buch, das jeder Mensch gelesen haben sollte. Nicht "nur" wegen der Nutztiere und allen damit in Verbindung stehenden potenziellen und bestehenden Problemen - und das sind sehr viele! Sondern auch, weil es eine gute und stimmige Indikation für den aktuellen Zeitgeist insgesamt ist. Fast genau jene "Werte", die letztlich hinter dem Agribusiness stehen, stehen auch hinter all den anderen Verfehlungen, mit denen die Menschheit den gesamten Planeten und somit auch sich selbst tagtäglich verprügelt.
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