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Kundenrezensionen

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am 7. März 2009
Latinos in Amerika bilden den Plot zu dieser mit ungeheurer Wucht erzählten Familiengeschichte.
Mit vehementer Sprachgewalt überschlägt sich die Erzählung teilweise selbst. Einsprengsel des Spanischen,--die man im Anhang nachlesen kann,--- im Wechsel mit größeren Fußnoten bringen das Leben der Protagonisten in feurigen und fantastischen Sequenzen zum Glühen.
Worum geht es?
Nerd Oscar ist der Held, aus dessen Lebenserfahrungen, Sehnsüchten und enttäuschten Hoffnungen die Geschichte zu Beginn zusammengefügt wird. Ihn und seine Schwester Lola, beide farbige Latinos, treibt das Leben um. Sie suchen von Zeit zu Zeit in ihrer ursprünglichen Heimat, da, wo sie ihre Wurzeln haben, in der Dominikanischen Republik, Zuflucht. Dorthin folgen wir der Mutter der beiden auf einer Reise in die Vergangenheit. Hypatia Belicia Cabral, kurz Beli genannt, überlebte im Gegensatz zu Eltern und Schwestern die turbulenten Zeiten Trujillos, des Diktators und korrupten Herrschers über die Insel. In einen Wirbel aus Schicksalsschlägen, Temperament, Abenteuerlust, Schikane und sinnlichen Freuden hat sich Beli verfangen, als sie schließlich nach New York fliehen muss. Dort findet sie ihren Taugenichts von Ehemann und bringt ihre beiden Kinder Lola und Oscar zur Welt.
Die beiden gehen zur Schule, haben Freunde und bereiten sich aufs College vor. Lola, die ältere Schwester, ist die fürsorgliche Betreuerin Oscars, der auf eine tölpelhafte Weise nie so recht Fuß fassen kann im richtigen Leben. Sein Innenleben ist prall voll mit Gedanken über sich und die Welt. Er erlebt seine Freunde und die Schwester mit ersten und immer neuen Liebeserlebnissen,--ihm aber bleiben sie versagt! Alle Versuche, sich durch Sport vom überflüssigen Körperfett zu befreien, scheitern an seinem mangelnden Durchhaltevermögen. Dann trifft er Ana! Und er ist selig, beglückt und träumt von ihr,---- bis er bemerkt, dass er nur ein Kumpel für sie ist, ein Seelentröster und Freund. Sie erzählt ihm alles, auch ihre unglückliche Liebe zu Manny, der sie quält! Er jedoch bleibt mit seiner Liebe zu ihr alleine, unglücklich, selbstironisch und verzweifelt.
Wie ein roter Faden zieht sich sein Liebesverlangen durch die Erzählung.

Der Autor erzählt in einem unglaublichen Tempo, und er befleißigt sich durchgängig eines witzig- ironischen Tonfalls.

Von Farbigen und ihrem Schicksal als Außenseiter handelt die Geschichte, die aus unterschiedlichen Perspektiven belichtet wird. Darüber hinaus gerät die Atmosphäre der Benachteiligten in den Fokus, und man versteht, wie es um die Entrechteten in einer Gesellschaft bestellt ist. Nur wenigen gelingt der Aufstieg aus dem Ghetto ins College zu höherer Bildung und zu gehobenem Lebensstatus. Oscar aber, der sensible, liebesbedürftige und schüchterne Held bleibt im Mittelpunkt des Interesses. Er ist ein ganz ungewöhnlicher Kerl. Seine Feinfühligkeit hat Klasse, und mit seinem Sinn für das Absurde schärft er den Blick auf sein Umfeld. Er beobachtet genau, ist selbstmitleidig und manchmal wütend, ---und er kann schreiben!
Sein Wohlergehen und seine Misserfolge bieten die Rahmenhandlung, innerhalb derer es um heiße Liebe, Collegeleben, Schicksale einzelner und ein buntes Panorama amerikanischen und dominikanischen Gesellschaftslebens geht. Die Geschichte ist geistreich, zeugt von tiefgründiger Menschenkenntnis und steuert zielsicher auf ein zugleich tragisches wie glückliches Ende zu.

Das Buch ist so spannend geschrieben, dass man sich keine Minute von der Lektüre trennen möchte.

Junot Diaz, der selbst aus der Dominikanischen Republik stammt, erhielt 2008 den Pulitzerpreis für diesen Roman.
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am 27. November 2009
Oscar ist Amerikaner! In seinem Innersten ist er jedoch nicht in New Jersey angekommen. Seine Familie und ihr "Fuku" binden ihn nach wie vor an die dominikanische Herkunft und ihre Zusammenhänge mit der diktatorischen Geschichte der jüngsten Vergangenheit. Dieser Roman erzählt nicht nur die Geschichte eines unglücklichen, einsamen jungen Außenseiters mit seltsamen Vorlieben und dem Hang zur Selbstzerstörung, sondern auch die einer Militärdiktatur in der Karibik zwischen 1930 und 1961 - und wie viel Raum hier ein selbst bestimmtes, individuelles Leben gefunden hat.

Einerseits eine vor Sarkasmus blühende, humoristisch inszenierte Geschichte rund um eine Einwandererfamilie und ihre Generationskonflikte - andererseits tieftraurige Momente und Hintergründe - rund um das Zerstören und Brechen junger Menschen - rund um Unterdrückung, machtloses Erliegen, lebenslanges Unglück und Leid (Fluch, Fuku oder bloß eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle) - rund um den unerbittlichen Kampf gegen ein Regime und das Verlangen nach ein klein wenig Glück.

Drei Generationen einer "DR-Familie" kommen hier in umgekehrter Reihenfolge zu Wort. Erst nach und nach erklären sich Verhaltensformen und unbeeindruckte Härte, wird die familiäre Tragödie von hinten aufgerollt, um in einem Crescendo mit aller Schmach, allem Leid und dennoch Heldenmut dem Finale ins Auge zublicken! Und immer wieder überraschen eine Kraft, ein Durchhaltengvermögen und ein hochachtungsvoller Stolz.

Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao präsentiert sich in wütender Manier - in zumal herber Sprach und ihrem Umgangston, verleiht immer wieder den Respekt eines "Ghettoslangs" - meist in spanischer Sprache (mit Übersetzung im Glossar) und weicht von Zeit zu Zeit mit Erläuterungen oder geschichtspolitischen Exkursen in die Fußzeilen aus. Das erzeugt Stimmung und verleiht Authentizität!

Fabelhaft karibisch und großartig anders!
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Der magische Realismus ist eine durchaus zwiespältige Sache. Es mag ja sein, dass man von den dichterischen Delirien Garia Marques' in „Hundert Jahren Einsamkeit“ eine Zeitlang mitgerissen wird, aber auf Dauer ist die permanent hochgestimmte Exaltation doch etwas anstrengend. Vor allem, wenn sie von Epigonen betrieben wird, die nicht das Stilgefühl des Meisters besitzen. Das war mein erster Eindruck, als ich das vorliegende Buch von Junot Diaz las, die Geschichte Oscar Waos und seiner Familie zwischen den Welten, genau genommen zwischen der Dominikanischen Republik und den Vereinigten Staaten. Aber auch der erste Eindruck kann trügen, es kommt zwar nicht häufig vor, aber es kann passieren. Nach den ersten vierzig fünfzig Seiten, in denen ich nur mit einer gewissen Mühe dem aufgeregten und mit zahllosen spanischen Redewendungen versehenen Text folgen konnte, wurde ich heimisch im Text – oder besser gesagt: ich empfand, dass die zappelige Sprache möglicherweise ein adäquates Ausdrucksmittel für das virbrierende Lebensgefühl der Domincanos ist, von dem in dem Buch die Rede ist. Auch meine Befürchtung, es handele sich bei dem Portrait des dicken Oscar Waos um eine Lausbubengeschichte, erfüllte sich nicht. Im zweiten Teil, als der Lebensweg seiner Schwester Lola beschrieben wird, gewann der Text Tiefe. Vollends schwergewichtig wird da Buch dann im dritten Teil, als das Schicksal von Beli Cabral, der Mutter von Oscar und Lola beschrieben wird. Hier ist die Geschichte ganz und gar nicht mehr lustig, sondern nicht mehr und nicht weniger als ein Portrait der letzten Trujillo-Jahre aus dem Blickwinkel eines lebenshungrigen und von den Lebensumständen geschändeten jungen Mädchens. Noch bedrückender und in meinen Augen der literarische Höhepunkt des Buches ist die Geschichte von Beli Cabrals Vater, Abelard Luis Cabral, einem wohlhabenden Bürger der Trujllio-Zeit, der dem Lüsten des Diktators in die Quere kommt und eine furchtbaren Tod erleidet, der die ganze Familie vernichtet. Erst an dieser Stelle wird der Gesamtzusammenhang der Handlung klar. Beli Cabral ist die kleine Tochter Abelard Cabrals, die erst von ihrer Tante aus sklavenhalterähnlichen Ausbeutungsverhältnissen befreit wird.
Im vierten Teil kehrt die Erzählung zurück zu Oscar Wao und seiner Collegezeit, in der er mit dem Erzähler (offenbar dem Autor) ein Zmmer teilt. Wieder bemüht er sich erfolglos um Mädchen und fährt dabei derart herbe ab, dass er vor lauter Kummer einen missglückten Selbstmordversuch unternimmt. Immerhin wird er gerettet, kommt wieder zu Kräften und fährt mit seinem Leben fort, wobei sich der Leser langsam fragt, was an diesem Leben im Sinne des Titels so wunderbar sein soll. Denn die Malaise bleibt immer die gleiche ( sie wird auch mit wechselnden Frauengestalten im Buch gleich mehrfach erzählt) : der dicke Oskar giert erfolglos nach Mädchen, die ihn allenfalls als Tranaten zeitweilig schätzen und fällt nach der Trennung in depressive Agonie.
Alles in allem ein uneinheitlich gelungenes Buch, mit Höhen und Tiefen, das ein durchweg ansprechendes Niveau über den ganzen Roman nicht halten kann. Für einen Booker Price Träger etwas enttäuschend.
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TOP 1000 REZENSENTam 5. November 2010
Auch ein Roman eines Pulitzerpreisträgers wie Junot Diaz einer ist muss mitunter mehr als ein Jahr in meinem Stapel ungelesener Bücher verbringen und warten bevor er von mir gelesen wird. Wo kämen wir denn da hin wenn er nur wegen einer Auszeichnung bevorzugt behandelt würde? *grinst*

Nach seinem ersten Buch brauchte der Autor unglaubliche neun Jahre um diesen preisgekrönten Roman zu schreiben. Als Leser merkt man von der ersten Seite an dass sich in dieser langen Zeit vieles in ihm aufgestaut hat und das dieses Buch das Ventil ist das ihm erlaubt allen aufgestauten Druck entweichen zu lassen. Man spürt mit jedem einzelnen Wort wie leidenschaftlich Junot Diaz diese Geschichte erzählt und auch unbedingt erzählen will, nicht zuletzt um sich der Last die diese Geschichte mit sich bringt und die auf seiner Seele liegt endlich befreien zu können.

Zum Glück ist es dem Autor gelungen sein ungezähmtes karibisches Temperament wenigstens ein bisschen zu zügeln und seinen ungestümen Erzähldrang in Bahnen zu lenken welche erstaunlich viel Tiefgang und Wertschätzung auf Details legen. Die Sprache ist direkt, wirkt echt und ungekünstelt, ist derb und über weite Strecken sogar ruchlos und vulgär. Er nimmt absolut kein Blatt vor den Mund und schleudert dem Leser die Geschichten von Oscar, Lola, Beli, Abelard und den anderen Figuren förmlich entgegen. Ich bin diesem erzählerischen Feuerwerk erlegen und habe alle Lebensgeschichten, die wie ein Sturm über mich hinweggefegt sind, in mir aufgesogen. Nun bin ich ab all den Eindrücken ganz erledigt und brauche ein paar Stunden um mich von dieser Geschichte zu erholen.

Die Kurzbeschreibung und der Klappentext geben nicht den vollen Inhalt des Buches wieder, Oscar ist zwar die Hauptperson aber es werden auch und vor allem die Lebensgeschichten seiner Familienmitglieder erzählt. Einen zentralen Platz nimmt auch die geschichtliche Vergangenheit der Domenikanischen Republik ein, besonders die Zeit in der Diktator Trujillo über das Land herrschte.

Fazit

Ein Buch das sich anfühlt und liest als würde es unter der Spannung von hunderttausend Volt stehen. Ein Buch das den Leser fordert und einiges abverlangt. Es dürfte zudem nicht jedermanns Geschmack entsprechen aber wer eine irre, pralle mit inbrunst geschriebene Geschichte sucht die sich in einem komplett anderen Kulturkreis abspielt der möge dieses Buch lesen. Am besten liest man es so wie ich an einem heissen Sommertag und wenn dann ein kräftiges Gewitter die aufgeladene Stimmung abkühlt wirkt das befreiend für das Gemüt und lässt die Spannung langsam abklingen.

Es gibt eine Vielzahl an spanischen Ausdrücken und Fussnoten, diese habe ich nicht dermassen störend empfunden wie einige andere Leser. Im Gegenteil, die spanischen Wörter verstärken den Eindruck ein Buch aus einem anderen Kulturkreis zu lesen und die Fussnoten sind informativ und geben dem Leser kurz Gelegenheit inne zu halten und Luft zu holen.
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am 25. Januar 2012
Oscar ist ein typischer Nerd. Er ist zu dick, schlecht gekleidet und interessiert sich vor allem für Rollenspiele - und für Mädchen, die sich allerdings nicht die Bohne für ihn interessieren. Dazu kommt noch, dass seine Familie aus der Karibik kommt und er eine dunkle Hautfarbe hat. Die besten Voraussetzungen im weißen New Jersey zum Außenseiter zu werden. Auch im College verändert sich seine Situation kaum und so läuft alles darauf hinaus, dass er sich, frühzeitig vom Leben verbittert, aufgibt. Ein Urlaub bei seiner Großmutter in Santo Domingo ändert jedoch alles. Er verliebt sich unsterblich in eine Nachbarin und gibt dieses Mal nicht auf, auch wenn er damit einen alten Fluch herausfordert, der auf der Familie liegt.
Fast beiläufig erzählt Junot Diaz eine Geschichte von brutaler Gewalt und unglaublichem Leid. Im Mittelpunkt steht die Familie Cabral, deren Geschichte über drei Generationen erzählt wird. Immer wieder geraten Mitglieder der Familie Cabral mit der Autorität in Konflikte und werden von den kriminellen Machthabern und Schergen des karibischen Regimes gewalttätig dafür bestraft. Aber immer wieder widersetzen sie sich dieser Gewalt und so bleibt dennoch der Widerstand und die Liebe als Hoffnungszeichen.
Langsam setzten sich die einzelnen Elemente der Geschichte zusammen, die dadurch an Komplexität gewinnt. Diaz beleuchtet nicht nur die Geschichte der Dominikanischen Republik, sondern auch die Situation von Chicanos (spanischsprachigen Einwanderern) in der heutigen USA. Erzähler der Geschichte ist Junior, ein Freund von Oscar und seiner Schwester Lola, der ebenfalls aus der Karibik stammt. Die Sprache ist oft vulgär, die Sprache eines jungen, dominikanischen Machos, dessen flapsiger Stil und Ironie einen Kontrast zu der beschriebenen Grausamkeit bildet. Dem Sprecher Andreas Pietschmann gelingt es gut, diesen Tonfall widerzugeben. Er liest erfrischend und schafft es auch die tragisch-komische Komponente des Romans zu unterstreichen.
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(Hörbuchfassung)

Oscar, der Namensgeber der Geschichte, ist ein Außenseiter, fett und unbeholfen, vor allem gegenüber dem anderen Geschlecht. Doch die Erzählung handelt nicht nur von ihm, sondern sie blickt zurück auf seine Mutter und seinen Großvater, auf den Abstieg einer angesehenen dominikanischen Familie zur Zeiten der Diktatur. Ein einziger lapidarer Satz lenkte die Familiengeschichte in eine gänzlich andere Richtung. Oscar lebt in den USA. Er fährt nur auf Urlaub zu seiner Großmutter in die alte Heimat. Doch auch er kann sich scheinbar nicht dem Fluch entziehen, der auf seiner Familie lastet und findet seine Bestimmung in der alten Heimat.......

Die Dominikanische Republik war und ist vielleicht immer noch ein sehr beliebtes Urlaubsziel der Deutschen. Den meisten wird unbekannt sein, dass bis in die 1960iger Jahre dort ein grausamer Diktator herrschte, Trujillo. Der Handlungsverlauf ist mit seinen unmenschlichen Machenschaften verwoben, die natürlich auch Auswirkungen in die nachfolgenden Generationen hinein hat.
Junge Männer wie Oscar, sogenannte Nerds, gibt es überall in der westlichen Welt. Auf ihm lastet jedoch zusätzlich die Bürde einer macho-orientierten Gesellschaft und die sich selbst erfüllende Prophezeiung einer immer wieder heraufbeschworenen Familienverwünschung.

Erzähler der Geschichte ist ein sogenannter Freund von Oscar, der eher in das vorgesehene Männerraster der Dominikanischen Gemeinschaft passt. In wie weit Junot Diaz, der Autor, diesbezüglich autobiografische Elemente verwoben hat (er lebt auch in den USA) bleibt offen.
Er verschont uns nicht, mit der unfreundlichen jüngeren Historie seines Heimatlandes, gemischt mit den Problemen eines sich ausgestoßen Fühlenden, der sich nichts sehnlicher wünscht, als nicht als Jungfrau zu sterben.
Für mich bietet die Geschichte manch interessanten Einblick in eine andere Gedankenwelt, mitunter war sie mir aber zu plastisch brutal und doch manchmal etwas grobschlächtig. Es handelt sich um eine autorisierte Lesefassung, was auch unklar lässt, wie viel gekürzt wurde.

6 CDs mit insgesamt ca. 7 Stunden Hörzeit; ein kleines Booklet mit Übersetzung der spanischen Begriffe.

Fazit: Der Hörbuchsprechen Andreas Pietschmann ist des Spanischen offensichtlich gut mächtig. Auch ansonsten gibt er dem Handlungsverlauf den gewissen Pepp, was für mich den 4. Stern ausmacht.
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am 29. Juli 2009
Junot Díaz wurde 1968 in der Dominikanischen Republik geboren, ist aber in den USA aufgewachsen. 'Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao' ist sein erster Roman - nach einem erfolgreichen Band mit Erzählungen -, für den er nicht nur von der Presse gefeiert wurde, sondern 2008 auch gleich noch den Pulitzerpreis bekommen hat.

Chronologisch durchbrochen und mittels verschiedener Chronisten erzählt der Autor die Geschichte einer Familie, die in der Dominikanischen Republik beginnt, sich in den USA fortsetzt und in der Dominikanische Republik auf ihr Ende wartet. Über drei Generationen hinweg bewegt sich der Leser mit Oscar und seiner Familie in zwei verschiedenen Kulturen, erfährt ein wenig über die dominikanische Geschichte unter dem brutalen Trujillo, ein wenig über das dominikanische Selbstverständnis der Männer und natürlich ein wenig über das Unheil der Neuen Welt, das fukú. Auf besondere Art und Weise erzählt der Autor diese Geschichte, durchsetzt mit spanischen Ausdrücken, die alle am Ende des Buches übersetzt wurden und dem Buch eine ganz eigenen Authentizität verleihen. Seine Sprache beziehungsweise die Sprache seiner verschiedenen Ich-Erzähler ist derb und gefühlvoll, mal zynisch, mal anteilnehmend, ironisch und trotzdem immer liebevoll gegenüber den Charakteren. Und wenn Oscars Mutter an einer Stelle des Buches beschrieben wird, als jemand, der 'einen Grad an Entflammtheit aushalten kann, der die durchschnittliche Nordamericana zu einem Häufchen Asche verbrennen würde', dann kann man ähnliches auch über das Buch sagen, das nämlich eine wilde Lebenslust versprüht, eine Gier und Energie, einen Grad an Entflammtheit eben, dass man sich nur wundern kann, dass es nicht zu einem Häufchen Asche verbrennt.
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Dieser Roman ist für Normalleser, möchte ich einmal sagen, schlicht eine Überforderung, weil er auf verschiedenen Ebenen hin und her führt.
Junot Diaz ist ein begnadeter Autor mit viel Verve. Viele Verweise, Anmerkungen politischer Art, also auch die historische Wahrheit betreffend.
Es geht eigentlich um eine Familie, hauptsächlich Frauen verschiedener Generationen werden genauestens beleuchtet und unglaublich empfindend begleitet auf ihrem Lebensweg.
Natürlich kommen auch Männer vor, und wie.

Alles spielt sich in der Dominikanischen Republik ab, bzw. in den USA und wieder in der DR. Und alles ist bunt und gemischt und menschlich und unmenschlich, wie das Leben so ist. Die Zeit des Tyrannen Trujillo ist anfänglich mal Bühnenbild und Bühnenzeit, seine Machenschaften, die an heutige erinnern, allzusehr nur. Die Dinge mit Mexiko und den USA heute stehen ähnlich da. Hektik, die Sehnsucht nach dem einfachen Leben, einem ungestörten Leben in Freiheit, wer möchte das nicht?
Und dann all diese Dinge, wie sie sich zugetragen haben und noch zutragen.

All das ist gehalten in einem Stil, der mit kreativ nur ungenau beschrieben werden kann, es ist explosionsartig, was passierte und passiert.
Der Erzählstrang dieses kreativen Autors, den man sich merken sollte, hangelt sich also an nur einigen Personen ab, doch an welchen.
Bruder und Schwester, beide aber wirklich gegenseitig verschieden wie nur etwas, trotzdem in engster Zusammengehörigkeit (wie schön!).
Es ginge ja auch anders, wie man weiß.
Dann der Erzähler, der aber wirklich springt, mal aus weiblicher Sicht erzählt, mal aus der männlichen Gegebenheit.
Pubertäre Alüren würzen alles, pures Pfeffer in einer heißen Suppe aus dem, was dieses Milieu in Südamerika, Mittelamerika und dem Süden der USA ausmacht.
Leben pur. Grausamkeiten, Belauern, die Chancen des Lebens ergreifen, alles dann immer in Situationen des herzhaften Lachens urplötzlich mundend.
Derek Walcott, der wunderbare und große karibische Poet ist wohl das herzergreifende Vorbild von Junot Diaz. Er aber, der Autor hier, ist eine Wucht.
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TOP 500 REZENSENTam 23. August 2013
Wer glaubt, dass die Dominikanische Republik Domrep heißt und nichts weiter als ein karibischer Ballermann für Sextouristen beiderlei Geschlechts ist, ohne eine für den Pauschalreisenden relevante Geschichte, der irrt. Es ist ein Land, das bis heute darunter leidet, dass es drei Jahrzehnte lang von Rafael Trujillo mit eiserner Faust regiert wurde, einem Diktator, der das Land einschließlich seiner weiblichen Bevölkerung als privates Eigentum betrachtet hatte (ein Bild, das nur teilweise greift, weil man sein Eigentum normalerweise pfleglich behandelt), und nach dessen Ermordung sich nahtlos die für die Region charakteristischen Methoden der USA anschlossen, dem kommunistischen Erzfeind im karibischen Einflussbereich die edle Stirn zu bieten.

Vor diesem düsteren Hintergrund rollt Junot Díaz die Familiengeschichte des Oscar Wao auf, eines jungen Amerikaners mit dominikanischen Wurzeln und irgendwie rührenden Fantasynerds, der doppelt so viel wiegt wie auf Grund seiner Größe zu empfehlen wäre und deshalb trotz aller Bemühungen beim anderen Geschlecht keinen Stich bekommt. Nichts, Nothing, Nada with three capital Ns. Und das, obwohl schon vor der Invasion der einschlägigen Touristen Sex unter dominikanischen Jugendlichen ein das Tagesgespräch bestimmendes Thema und männliche Jungfrauen jenseits der 17 auf der Insel und in der amerikanischen Diaspora eine unbekannte Spezies waren. Weiteres zur Story erübrigt sich an dieser Stelle, die haben andere Rezensenten bereits ausführlich geschildert.

Bei allem Humor und bei allem Sprachwitz, von dem Junot Díaz' Prosa nur so sprüht, ist es eine zutiefst bedrückende Geschichte. Vor allem wenn in langen Fußnoten die historischen Hintergründe erklärt werden und die Grausamkeit Trujillos und seiner Schergen ins Lächerliche gezogen wird, läuft Díaz zur Hochform auf. Irgendwie sind sie doch alle gleich, die Diktatoren der Geschichte, und sich unterscheiden sich am Ende nur in dem Ausmaß, in dem sie den weiblichen Nachwuchs auf den Fersen waren oder sind, und ob sie aus Sicht der CIA zur Achse des Bösen zählen oder nicht.

Der Leser sei in einem Punkt allerdings gewarnt: Der Roman ist im Original durchgehend im hispano-amerikanischen Slang geschrieben, und so ist auch die deutsche Übersetzung voller spanischer Einsprengsel, hat aber, im Gegensatz zur Originalausgabe, am Ende wenigstens ein Glossar. Des weiteren hilft es, ein umfassendes Curriculum der Fantasyliteratur in Wort und Bild absolviert zu haben (wobei Tolkien einen schon ein gutes Stück weiterbringt). Ich, der ich bei der Lektüre des Originals zu Beginn fast verzweifelt wäre (Spanisch nein, Tolkien ja, Marvel nein), bin dann gottseidank auf eine sehr hilfreiche Seite gestoßen: The annotated Oscar Wao (bitte googeln, Links nach draußen sind in Rezensionen ja nicht zulässig). Da bleibt kein spanisches Wort unübersetzt und kein Marvel-Terminus unerklärt. Zehnmal pro Seite auf den Laptop schauen zu müssen ist zwar immer noch ein holperiges Lesevergnügen, aber es lohnt sich. Und ob man jetzt beim Lesen ständig nach hinten blättert oder auf den Laptop schielt, macht am Ende keinen großen Unterschied.
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am 20. Mai 2009
Ich bin ein wenig überrascht, dass das Buch erst drei Rezensionen erhalten hat. Es wäre schade, wenn es nicht die Aufmerksamkeit bekommen würde, die es wirklich verdient hat.
Die Geschichte um Oscar und seiner Familie liest sich spannend und mit einem Tempo, dass einen immer wieder fortzureißen scheint. Dann gibt es wieder Passagen, wo das drohende Unglück immer präsenter wird und man ahnt, dass es nicht mehr aufzuhalten ist und dann legt man das Buch vor Verzweiflung weg um es nach 10 Sekunden wieder zu greifen und sich den Alptraum und Terror zu ergeben.
Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass eine Geschichte mich so ergriffen hat, ohne dass darin auch nur eine Spur von falscher Sentimentalität zu finden ist.
Die letzten Seiten, in denen Oscar die tragische Bestimmung seiner Familie aber auch seine persönliche Erfüllung erlebt, haben mir Tränen in die Augen getrieben.
Alles in allem eine wunderbare Geschichte, in der man auch einiges über lateinamerikanische Realitäten erfahren kann. Schonmal was von Trujillo gehört? Ich war 1996 mit meiner späteren Frau im Urlaub in der Dominikanische Republik und habe wenig mitbekommen von der gesellschaftlichen Realität und der düsteren Vergangenheit. Also für jeden Karibik-Urlauber das absolute Pflichtbuch :)!
Mit Literaturpreisen ist das ja manchmal so eine Sache. Aber hier hat die Jury des Pulitzer-Preises richtig gelegen.
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