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81 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein monumentaler Torso über das düstere Herz der Welt
Wie fasst man ein 1100 Seiten Werk kurz zusammen?
Am besten gar nicht, aber wenn man es trotzdem versuchen möchte, muss klar sein, dass die epische Fülle dieses Buches auch nicht ansatzweise deutlich werden kann. önnen.
Da der Inhalt dieses Riesenwerkes aber in sehr vielen Rezensionen falsch oder missverständlich wiedergegeben wurde, will ich...
Veröffentlicht am 5. Dezember 2009 von euripides50

versus
26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ratlos!
Durch diverse Besprechungen in Literatursendungen und Empfehlungen in der Presse war ich fest entschlossen, dieses Buch zu lieben. Leider eröffnet sich mir weder eine ungeahnte literarische Welt, noch kann ich die vielgepriesene Genialität des Romans erkennen. Der einzige Grund durchzuhalten, war die Hoffnung, dass irgendwann - vielleicht auf der nächsten...
Veröffentlicht am 26. Januar 2010 von Monty1


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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ratlos!, 26. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Durch diverse Besprechungen in Literatursendungen und Empfehlungen in der Presse war ich fest entschlossen, dieses Buch zu lieben. Leider eröffnet sich mir weder eine ungeahnte literarische Welt, noch kann ich die vielgepriesene Genialität des Romans erkennen. Der einzige Grund durchzuhalten, war die Hoffnung, dass irgendwann - vielleicht auf der nächsten Seite- sich mir endlich der tiefere Sinn erschliesen würde. Das ungeheure Wissen des Autors über verschiedenste Themen ist natürlich bewundernswert, jedoch wurde es für meinen Geschmack zu langatmig und oft sogar langweilig präsentiert. Ganze Handlungsstränge einfach im Nichts versickern zu lassen, ist für mich kein geniales sondern ein nervendes Stilmittel, mit dem es sich der Autor an vielen Stellen sehr einfach macht.
Fazit: Zuviel erwartet und mächtig enttäuscht!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitte lesen! Vor allem den fünften Teil!!, 21. November 2011
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Taschenbuch)
Während der letzte Teil mit der Lebensgeschichte Archimboldis für mich sprachlich und erzählerisch ein einziger Lesegenuss war, wurde meine Geduld im (dritten) Teil über die Frauenmorde stark auf die Probe gestellt. Hatte ich es nicht gerade das Gegenteil erwartet? War nicht ein Motiv, das Buch zu kaufen, eine gewisse Sensationslust, die durch die Ankündigung von Mord und Totschlag in der Inhaltsbeschreibung geweckt wurde?

Insofern wurde ich enttäuscht: Die Mordgeschichten sind schwer zu ertragen, und zwar weniger wegen der beschriebenen Details als viel mehr wegen des nüchtern protokollarischen Stils und der schlichten Menge der Fälle. Aufgeklärt wird gar nichts, lediglich die Polizei und die höhere Gesellschaft werden in ihrer Ignoranz, Unfähigkeit und offensichtlichen Verstrickung in die Fälle dargestellt. Man findet ermordete Frauen, kann diese auch identifizieren, findet aber die Täter nicht (oder will diese nicht finden), weil gerichtsmedizinische Befunde verloren gehen, einzelne Verdächtige gerade nicht greifbar sind oder - so hat man den Eindruck - weil man die Täter gar nicht finden will. Ein Verdächtiger - Klaus Haas, der, wie sich später herausstellt, Archimboldis Neffe ist - wird eingesperrt, obwohl er vermutlich nicht der Mörder war, denn die Morde gehen nach seiner Verhaftung weiter. Haas nennt zuletzt sogar die Namen der wirklichen Mörder, die er im Gefängnis erfahren hat. Man ist geneigt, ihm zu glauben, obwohl der Roman so eindeutig nicht ist: vielleicht war Haas es ja doch, oder vielleicht ein ganz anderer...? Aber eigentlich ist man nach der Lektüre dieses Romanteils viel zu ermüdet, um sich solche Fragen zu stellen.

Wie großartig aber ist der Teil über Archimboldi! Die Geschichte des Autors wird erzählt, die in Preussen halb märchenhaft beginnt und sich dann über verschiedene Stationen - darunter der 2. Weltkrieg mit einer Art literarischer Erweckung irgendwo in Russland - bis ins hohe Alter Archimboldis erstreckt. Die Lebensgeschichte ist durchwachsen mit zahlreichen Abschweifungen, in denen die oft skurrilen Geschichten von Nebenfiguren erzählt wird. Ich musste an Gogol denken und an seine Art, von kleinen Motiven und Nebenfiguren ausgehend, ab- und ausschweifende und immer originelle Geschichten zu erfinden, die vor Leben überschäumen. Von den derbsten Motiven und Fäkalsprache bis hin zu lyrischen Passagen und philosophischen Exkursen reicht das literarische Spektrum.
Spannend ist auch der Teil über Fate, der am ehesten einem Thriller gleichkommt, und der Teil über die Kritiker, der eine Art literaturwissenschaftlichen Krimi darstellt (gesucht wird nicht der Täter, sondern der Autor).

2666 halte ich für unbedingt empfehlenswert. Die einzelnen Teile sind auch getrennt voneinander lesbar und verständlich, wenngleich das drückende Unbehagen, das einen beim Teils über die Frauenmorde begleitet, vielleicht eine Art Resonanzboden für den Teil über Archimboldi erschaffen kann, der sonst fehlte. Jedenfalls wäre mein Rat für Leser, die irgendwo in Mitte des 1100-Seiten-Schmökers aufgeben wollen, zumindest den letzten Teil über Archimboldi zu lesen; er entschädigt für alle Mühen.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahres Meisterwerk, 18. März 2011
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vorweg: Roberto Bolaños "2666" ist eins der ambitioniertesten Werke, die ich je gelesen habe. Bolaño spaltet sein Buch in fünf unterschiedliche Abschnitte, die meistens verschiedene Charaktere, Handlungsstränge und teilweise unterschiedliche Stile besitzen.

Im ersten Teil wird der obskure Schriftsteller Benno von Archimboldi zur Obsession für ein paar Literaturkritiker. Über den Zeitraum von Jahren, nach zahllosen Artikeln, Tagungen und Konferenzen befindet sich von Archimboldi im öffentlichen Interesse; er ist sogar ein Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Dennoch existieren bislang keine biografischen Einzelheiten über den Schriftsteller, keine Hinweise über seinen Verbleib, keine Fotos. Was bekannt ist, ist, dass er um 1920 geboren wurde, und dass er ein ungewöhlich großer Mensch zu sein scheint. Der erste Teil von "2666" fokussiert sich auf vier Übersetzer und Akademiker, die seit seinen Anfängen die leidenschaftlichsten Bewunderer Archimboldis sind. Sie machen den Autor in Santa Teresa, einer nordmexikanischen Stadt, ausfindig, wo sich jedoch seine Spur verläuft.

Der zweite Teil bezieht sich auf Amalfitano; ein spanischer Professor, der nun mit seiner Tochter Rosa in Santa Teresa lebt. Amalfitano wird gegen Ende des ersten Teils als Kontaktperson zwischen der Literatengruppe aus Teil eins und der örtlichen Universität eingeführt. Bolaño benutzt diesen Teil hauptsächlich, um die Stadt Santa Teresa deutlicher herauszuarbeiten.

Teil drei macht uns mit einem schwarzen, amerikanischen Journalisten bekannt: Oscar Fate, der für ein undurchsichtiges, afro-amerikanisches Magazin arbeitet. Seine Kompetenz liegt eigentlich in politischen Themen, aber als ein Kollege, der den Sportteil betreute, unerwartet stirbt, wird Oscar Fate nach Santa Teresa geschickt, um über einen Boxkampf zwischen einem jungen, aufsteigenden Afro-Amerikaner gegen einen Einheimischen aus Santa Teresa zu berichten. Während Fate in Santa Teresa auf den Beginn des Boxkampfes wartet, hört er allerlei Gerüchte über die Frauenmorde in der Gegend. Desweiteren trifft er sich mit Amalfitanos Tochter Rosa. Überzeugt davon einer großen Geschichte auf der Spur zu sein, versucht Oscar Fate seinen Redakteur zu überreden in Santa Teresa bleiben zu dürfen, um über die Morde zu berichten. Aber er wird zurück beordert.

Abschnitt vier dreht sich hauptsächlich um die Frauenmorde in Santa Teresa, die meistens ziemlich grausam sind. Geschrieben ist dieser Teil in der Terminologie von Polizeiberichten, oder in der Beschreibung der Polizeiarbeit. Der Verdacht fällt auch auf einen jungen deutschen Ladenbesitzer namens Klaus. Dieser wird verdächtigt ein Serienkiller zu sein, so dass man ihn einsperrt, bis ihn sein Gerichtsverfahren erwartet. Teil des vierten Abschnitts sind auch Klaus' Gefängniserfahrungen. Klaus beteuert seine Unschuld, die Morde gehen gleichzeitig weiter, und er schafft es Leute um sich zu scharren, um sich vor der Gewalt im Gefängnis zu schützen. Ob Klaus nun der gesuchte Mörder ist, oder nicht - zumindest ist es offensichtlich, dass er der Sündenbock für meist unsichtbare Machtinhaber ist.

Der abschließende fünte Teil klärt über die fehlenden biografischen Details Benno von Archimboldis auf. Wie sich herausstellt ist sein wirklicher Name Hans Reiter. Er ist ein Veteran des Zweiten Weltkrieges. Detailliert beschrieben wird sein Leben von Geburt an. Reiter war ein irgendwie seltsames Kind; sein Vater ein verkrüppelter Soldat des Ersten Weltkrieges, seine Mutter auf einem Auge blind. Benno hatte eine wesentliche jüngere Schwester: Lotte. Nach Kriegsende ließ er sich nieder und ging sonderbaren Arbeiten nach, bevor er schließlich anfing zu schreiben und einen Verleger fand, der begeistert von seiner schriftstellerischen Arbeit war. Von Archimboldis Freundin stirbt und er lässt sich treiben - hierhin und dorthin; er hält sich wiederum mit merkwürdigen Jobs und weiteren schriftstellerischen Arbeiten über Wasser. Im Wesentlichen hält er keinen Kontakt zu seiner Familie und geht auch keine näheren Beziehungen mit anderen ein. Bennos Schwester heiratet und bekommt einen Sohn: Klaus, der in späten Teenagerjahren hin und wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Klaus emigriert in die USA, wo er für mehrere Jahre von der Bildfläche verschwindet. Lotte und ihr Mann versuchen die Spur ihres Sohnes in den USA aufzunehmen, aber die Nachforschungen führen ins Leere. Eines Tages, Jahre später, erhält Lotte den Anruf eines Rechtsanwalts aus Mexiko, der den Klaus aus Teil vier rechtlich vertritt - ihren vermissten Klaus, der in einem mexikansichen Gefängnis sitzt. Während der nächsten Jahre besucht Lotte Klaus gelegentlich, bis sie schließlich ihren älteren Bruder Hans kontaktiert, damit dieser ihrem Sohn helfend zur Seite steht.

Meine Worte werden "2666" sicher nicht gerecht, die Erfahrung des Lesens dieses Werks sollte auch jeder für sich erleben. Absolut unglaublich, überwältigend und brillant!

Das Buch ist ein komplexes Gewebe anscheinend nicht im Zusammenhang stehender Erzählungen - auf den ersten Blick. Ebene auf Ebene Geschichten innerhalb von Geschichten. Als würde man mit einer scheinbar endlosen Matroschka spielen, wo die nächste Figur noch faszinierender ist, als die vorherige.

"2666" ist ein wahres Meisterwerk.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Roman des 21. Jahrhunderts, 5. Februar 2010
Von 
Rheinischer Lesekreis (Köln, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Kaarst) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie fasst man ein 1100 Seiten Werk kurz zusammen?
Am besten gar nicht, aber wenn man es trotzdem versuchen möchte, muss klar sein, dass die epische Fülle dieses Buches auch nicht ansatzweise deutlich werden kann. önnen.
Da der Inhalt dieses Riesenwerkes aber in sehr vielen Rezensionen falsch oder missverständlich wiedergegeben wurde, will ich es trotzdem versuchen.
Worum also geht es in dem vorliegenden Megaroman?
Das erste Buch (VON DEN KRITIKERN - S. 11-202 ) beginnt so esoterisch, wie man es sich nur vorstellen kann. Vier Literaturwissenschaftler, drei Männer und eine junge Frau, allesamt Experten für das Werk des deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldo lernen sich auf philologischen Kongressen kennen und lieben. Die gemeinsame Suche der vier Literaturwissenschaftler nach dem verschwundenen Archimboli führt sie nach einigen Irrungen und Wirrungen in die nordmexikanische Stadt Santa Theresa, wo sie ihn nicht finden, aber gleichsam en passant von den rätselhaften Frauenmorden hören.
Im Mittelpunkt des zweiten Buches (AMALFITANO - S. 203-284 ) steht Professor Amalfitano, ein chilenischer Wissenschaftler, der mit seiner Tochter Rosa in Santa Theresa lebt. Er ist geplagt von Stimmen Vorahnungen und dem Gefühl eines herannahenden Verhängnisses, während in dem Ort, in dem er lebt, immer mehr ermordete Frauen aufgefunden werden.
Das dritte Buch (FATE - S. 285-428 ) führt den Leser auf den Spuren des afroamerikanischen Reporters Oscar Fate von New York erneut nach Santa Theresa mitten hinein in das widerwärtigste Machimso-Milieu und damit noch etwas näher an das sich immer beunruhigender ausweitende Phänomen der Massenmorde an jungen Frauen heran.
Das vierte Buch (VON DEN VERBRECHEN - S. 429-770) ist zweifellos der düstere Kern des gesamten Werkes. Über Hunderte von Seiten werden die Frauenmorde von Santa Theresa befremdlich detailliert dargestellt - jeder Fall für sich ist schockierend in seiner Anschaulichkeit und doch bald auch ermüdend in der Wiederholung, womit der Autor genau jenen medialen Gewöhnungseffekt simuliert, der das Grauen, zu einem Bestandteil des täglichen Lebens macht. Die kursorischen, teils unsystematischen, teils schlampigen Ermittlungen führen schließlich zur Verhaftung des Deutschamerikaners Kurt Haas, dem die korrupten Untersuchungsbehörden den Mord anzuhängen suchen.
Das fünfte und letzte Buch (ARCHIMBOLDI - S. 770-1085) erzählt die Geschichte des 1920 in Norddeutschland geborenen Hans Reiter, der am zweiten Weltkrieg teilnimmt und nach 1945 unter dem Pseudonym Benno von Archimboldo Romane veröffentlicht, die ihn, wenngleich nach einer längeren Anlaufzeit, weltberühmt machen. Seinen Neffe Klaus Haas verschlägt es nach zahlreichen privaten Bruchlandungen nach Amerika, wo er als Hauptverdächtiger für die Massenmorde an Frauen im Gefängnis von Santa Theresa landet. Über seine Schwester Lotte erfährt der jahrzehntelang im Verborgenen lebende und auch schon über achtzigjährige Archimboldi, dass sein Neffe in Mexiko ins Gefängnis sitzt und macht sich per Flieger auf nach Los Angeles. Das wars.

Soweit die Vogelperspektive auf das vorliegende Werk. Nimmt man das Buch aber dann wirklich auch zur Hand, erwartet den Leser eine phänomenale Üppigkeit an Personen und Schauplätzen, die beinahe Schmöker-Qualität besitzt, Je weiter man liest, je deutlicher entfalten sich die Konturen eines literarischen Universums, dessen Chronologie nahezu das gesamte Zwanzigste Jahrhundert und dessen Geographie den gesamten Planeten umfasst. Doch keine Angst - so unfassbar geräumig der poetische Weltentwurf daherkommt, so leicht liest sich der Leser in die verschiedenen Provinzen dieses Textkosmos ein. Bolanos Sprache ist von einer brillanten Anschaulichkeit und Tiefe zugleich - Personen, Begriffe, Handlungsketten, Theorien defilieren am geistigen Auge des Lesers vorüber, ohne dass einen Augenblick lang Verwirrung oder Langeweile entstünde. Der Roman ist kurzweilig auf eine fast verdächtige Art, ohne banal zu sein, er ist grauenhaft und schockierend ohne auf Effekte zu setzen, und er von einer unglaublichen Gelehrsamkeit, ohne zu verwirren. Vor allem aber ist er große Literatur, in der Szenen und Bilder beschrieben und gefunden werden, wie man sie noch nie gelesen hat.

Was aber ist sein Thema? Soweit sich das auf der Grundlage des vorliegenden Torsos beurteilen lässt, ist die Handlungsführung zwischen zwei Polen aufgespannt - zwischen dem Leben Benno von Archimoldos (und seiner Adepten) im ersten und letzten Buch und den Frauenmorden von Santa Theresa ( in Wirklichkeit: Ciudad Mexiko an der mexikanisch-amerikanischen Grenze), d. h. es handelt sich um eine Spannweite, wie man sie sich kaum extremer vorstellen kann: Literatur und Wirklichkeit, Mütter und Mörder, Edelrestaurant und Müllhalde, spätbürgerliches Bildungsgehabe und entmenschter Machimso, provinzielle Spießigkeit und dekadente Libertinage, Männer und Frauen, Schwarz und Weiß, Nord und Süd, Reichtum und Armut, Nazis und Juden - das und viel mehr führt den Leser in das düstere Herz der Welt und verbindet sich zu einem literarischen Strudel, der genau in dem Augenblick abbricht, wo die weit verstreuten Fäden sich durch den Aufbruch Archimboldos nach Mexiko zu verbinden scheinen.

Roberto Bolano, der vor der Fertigstellung des Romans, im Jahre 2004 in Barcelona an einer Leberzirrhose im Alter von gerade mal gut Fünfzig Jahren verstarb, hat diese Synthese nicht mehr leisten könne. Er hat ein unvollendetes Werk hinterlassen, von dem sich ein jeder am Ende des Buches fragen mag, welchen gestalterischen Weg der Autor bei der Vollendung des Werkes wohl eingeschlagen hätte. Auch wenn solche Mutmaßungen müßig sind, bin nach der Lektüre des Werke von zweierlei überzeugt. Zunächst glaube ich, dass Bolano nach diesem gigantischen Grundriss noch einmal mindestens eintausend Seiten benötigt hätte, um all die Fäden und Fährten zusammen zu führen. Aber selbst für den Fall, dass dies versucht worden wäre, hätte ich meine Zweifel, ob es auch gelungen wäre. Wie der überdimensionierte Dom von Siena oder Theodor Mommsens "Römische Geschichte", die mit Cäsars Tod abbricht, wie Musils "Mann ohne Eigenschaften" oder Mahlers Zehnte Sinfonie hat es oft seinen Grund, dass große Werke am Ende unvollendet bleiben. Sie können nicht vollendet werden, ihre alle Grenzen sprengender Entwurf erlaubt keine entgültige Gestalt. Ihre Unabgeschlossenheit spiegelt in der ganz großen Form die Fragmentarität der Welt, die allem zugrunde liegt. Ein Beispiel dafür ist für mich das vorliegende Werk. Der Tod des großen Autors muss auch mit diesen Augen gesehen werden.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Noch eine Stimme PRO Bolano...., 13. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
... weil das Buch einfach gut ist, die Sprache wirklich faszinierend. Über,überlange, perfekt konstruierte Sätze(Teile 1,2,5)kontrastieren mit kurzen , sprachlich "nackten" Mordberichten im Teil 4.Für mich ist es nicht das Buch des 21. Jahrhundert sondern das des 20.!Das Leben in den schlimmsten Diktaturen dieses Jahrhunderts ( Sowjetunion, Deutschland) beschreibt er hier genauso beeindruckend wie die eiskalte soziale Tristesse im Mexico der. 90.Jahre, wo hunderte Frauen vergewaltigt und ermordert wurden( und bis heute noch immer werden).Junge Frauen, meistens fast nichts verdienede Arbeiterinnen ,viele ohne Identitität,sie fehlen niemanden. Bolano beschreibt die Machokriminalisten , die sich auch keine große Mühe geben, die Mörder auszuforschen.Viele Fälle werden ad acta gelegt,schnell, nach 2-3 Tagen, ungelöst, vergessen.Mexikanischen Polizisten erzählen sich dabei in der Arbeit gerne die Frauenwitze ( auf mehreren Seiten nur Frauenwitze!(" das eine Frau erst 3 Stunden nach einem Kopfschuß stirbt- so lange muß die Kugel das Gehirn suchen").Die Frauen sind den Männern gnadenlos ausgeliefert, das begreift auch die Politikerin , die in dieser Gegend nach ihrer ermordeten Freundin sucht.
Dann etwas ganz anderes!-die Geschichte der europäischen Literaturkritiker(3 Männer , 1 Frau),
ganz andere Welt, das exquisite Leben mit dem(der Intelektualität der Protagonisten entsprechend komplizierten)techtle-mechtle zwischeneinander -alles spielt sich natürlich nur in den 5 Stern Hotels ab,in London, Paris,Mailand. Eigenes Mikrokosmos,,kultiviert,die Suche nach dem geheimnisvollen Schrifftsteller Archimboldo erzeugt dabei gewisse permanente Spannung, Neugier,auch das(Teil 1,2) sehr interessante Lektüre.
Im jeden Teil werden viele Subgeschichten ausführlich erzählt( mexikanischer Philosoph , rumänischer General im 2. Weltkrieg, jüdischer Inteklektueller in der stalinistischen Sowjetunion,zum Schluß die Geschichte der Lotte, der Schwester vom Archimboldo).Es sind alles sehr interessante Storys, es war mir keine Sekunde langweilig.Im Stil, Intensität,geschichtlichem Umfang errinnert das Ganze an J. Littel und sein Roman "Die Wohlgesinnten".
Auf jeden Fall ein excellentes Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeit nehmen, 20. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Taschenbuch)
Abtauchen, in das Buch eintauchen, in die skurrile Welt, in die Gedankenwelt Bolaños, in die südamerikanische Literatur, in deren Denke und deren Erzählweisen. Bevor man sich 2666 zur Brust nimmt, sollte man in einem kleinen seinen Werke versuchen, ob man Bolaño-fest ist, denn sonst ist das Buch ein schwerer Brocken, der heftig auf dem Nachttisch liegt und einem die Laune verderben kann. Mit Affinität zur süd- und mittelamerikanischen Literatur ist es eine wunderbare Suche nach einem seltsamen Deutschen. Irgendwo in Mexiko.
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3.0 von 5 Sternen Archäologie der Kopiermaschine, 14. Juni 2014
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Taschenbuch)
Das vorangestellte Motto dieses Romans ist von Baudelaire und lautet: "Eine Oase des Grauens in einer Wüste der Langeweile." Das könnte bedeuten, dass die Lust am Grauenhaften, an Mord und Sadismus aus der qualvollen Langeweile und Sinnlosigkeit eines Lebens entsteht. In der Tat macht es Sinn, die fünf Teile dieses dicken Wälzers in diesem Zusammenhang zu sehen. Seinen Schwerpunkt dürfte er in dem längsten 4.Teil haben, in dem in stereotyper Weise unzählige, grauenhafte Frauenmorde im Nordwesten Mexikos im trockenen Stil von Polizeiprotokollen referiert werden. Ferner werden in diesem Teil die Bemühungen der Polizei berichtet, einzelne Recherchen von Politikern oder Detektiven, auch Festnahmen von Verdächtigen und die Verhältnisse in den Haftanstalten. Dieser Teil erinnert an ein Bergwerk, in dem immer wieder neue Stollen gegraben werden, die aber nirgendwohin führen oder unvermutet abbrechen, in dem man aber erbarmungslos immer wieder auf die grässlichen Morde stößt.

Die übrigen Teile sind auch durch ihre Ergebnislosigkeit und ihren indirekten Zusammenhang mit den Frauenmorden charakterisiert. Literaturkritiker und andere sind auf der Suche nach einem Phantom, dem deutschen Dichter Archimboldi, dessen Spur nach Mexiko, Santa Teresa, führt, dem Ort der Frauenmorde. Ein Literaturprofessor, in die Suche involviert, lebt in Santa Teresa so vor sich hin. Seine Tochter verliebt sich in einen schwarzen Sportreporter, beide wollen den Hauptverdächtigen interviewen. Am Schluss enthüllt der Erzähler Archimboldis Werdegang und wir erfahren, dass sein Neffe eben der Hauptverdächtige ist. Aber es gibt keine Enthüllung, keine Entlarvung. Stattdessen werden immer neue Themen und Wirklichkeitsbereiche angestoßen, die sich wie in einem Kaleidoskop mit schwarzen Steinen entfalten und immer weiter und neu entfalten und einen in den Sog des Erzählten ziehen können, wenn man sich ihm denn überantwortet.

Die Stilebenen wechseln von Teil zu Teil. Trocken-protokollarisch in Teil 4, konventionell erzählend in Teil 1, rätselhaft in Teil 2, reißerisch in Teil 3, bieder recherchierend und chronologisch in Teil 5. In jedem Fall ist der Erzähler restlos an das konkrete, sinnliche Detail hingegeben, die erzählerische Weitschweifigkeit wird hier zum Prinzip gemacht. Ausgeweitet wird diese Realitätsbesessenheit durch rätselhafte Ereignisse, Träume, Visionen….Das Bildungselement (viele Hinweise auf Musik und Kunst), eine kritische Intellektualität, ein journalistisch-berichtendes Element sind stark ausgeprägt. Indem der Erzähler die Schreibweise eines serbischen Literaturwissenschaftlers charakterisiert, scheint er seine eigene Schreibweise zu charakterisieren: "eine ultrakonkrete, kritische Literatur, … nur ein Auge, das nach greifbaren Details sucht und sie nicht bewertet, sondern kühl darlegt, Archäologie des Faksimilierten und also Archäologie der Kopiermaschine." (80). Man kann in diesem Buch verlorengehen, es hat – wie man auch an vielen Reaktionen sehen kann - das Zeug zum Kultbuch.

So weit, so gut. Dennoch, ich bin in erster Linie nur froh, dass ich die nahezu 1200 Seiten irgendwie geschafft habe. Neben einprägsamen, auch rührenden Passagen gibt es unendlich viele sinnlose Abschweifungen, Verzettelungen, die die Geduld unnötig strapazieren. Ebenso finde ich als Leser schnell heraus, in welcher Absicht die mehr als 100 stereotypen Mordprotokolle referiert werden. Ich möchte aber nicht didaktisch bearbeitet werden, sondern selbst bei einem solchen Thema etwas von der Freiheit erfahren, die Kunst gewähren kann. Um einen Eindruck von unserer labyrinthischen Wirklichkeit zu erhalten, muss ich mich auch nicht physisch durch ein Leselabyrinth quälen müssen. "Archäologie der Kopiermaschine" betont mir zu sehr die Reproduktion von Wirklichkeit statt ihre Gestaltung.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwere Kost: Dieses Buch ist ein Kampf mit den Seiten, 14. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nachdem dieses Buch von der Fachpresse bejubelt wurde und ich in jeder Buchhandlung direkt mit der Nase drauf stieß wünschte ich es mir von meinen Eltern zu Weihnachten. Ein halbes Jahr später (!) kann ich Vollzug melden, ich habe mich durchgekämpft! Es hat Wochen ja Monate gedauert.
Zwischendurch gibt es Phasen da verfluchst du dieses Buch, du fragst dich wo ist der rote Faden und wie hängt das alles zusammen, oftmals enthalten Obergeschichten wieder Untergeschichten, wie Mosaikteilchen fügt sich zum Schluß ein loses Bild zusammen, daß nur teilweise passen will - auch deshalb weil der Autor den Roman nicht fertig stellen konnte, dieser also unvollständig ist.
Das Gesamtbuch besteht aus fünf Einzelbüchern. Es wurde ursprünglich diskutiert die Bände einzeln zu veröffentlichen, aufgrund der thematischen Verbindungen entschloss man sich für einen Band. Das habe ich erst im Appendix gelesen.
Deprimierend an diesem Werk ist, daß über hunderte von Seiten Frauen-Leichen beschrieben werden. Es gibt kein Happy End, keine Auflösung...dies ist also auch kein Kriminalroman...insofern fragt man sich ob die zahlreichen Rezensenten die schwere Schwarte überhaupt komplett gelesen haben...
Dies ist kein Buch für mal eben zwischendurch. Du mußt viel Ruhe und Zeit haben, um dich drauf einzulassen. Es zwingt dich zur Auseinandersetzung mit dem Leben in all seinen Facetten.
Die Wirkung setzt erst dann ein wenn du damit durch bist. Es ist kein Buch, das du einfach vergißt, es prägt sich ein und hinterläßt Spuren.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltliteratur, 16. März 2013
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Taschenbuch)
Man liest und liest, schreckt auf und denkt: Das hätte er aber kürzer machen können und schon ärgert man sich über Redundanzen! Doch im nächsten Moment wird man ergriffen, weil die Episoden eine tiefere Ebene unserer Seele berühren, ohne zu wissen, warum. Sofort denkt man an Kafka.

Felicitas von Lovenberg schrieb in der FAZ: „Für ‚2666‘ muss man eine neue Bezeichnung in die Literaturgeschichte einführen: bolañoesk.“ Für mich ist es ein holistisches Werk: Der Autor hat schlicht kapiert, dass alles mit allem verbunden ist und dieser Zusammenhang die Welt in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Niemand kommt auf die Idee, so unterschiedliche Aspekte wie Nazideutschland, Holocaust, Weltkriege, Serienmorde in Mexiko, europäische Literaturwissenschaft, deutsche Verlagsgeschichte und ein deutsches Autorenschicksal miteinander zu verbinden. Doch Bolaño hat es gewagt und am Ende passt alles zusammen.

Der Autor starb vor Vollendung des Manuskripts. Sein Vermächtnis gehört zweifellos in den Kanon der Weltliteratur.
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ich habe keinen Zugang gefunden, 22. September 2011
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich ringe schon seit Wochen mit dem Buch, ein Zeichen für mich, dass mir das Buch weder einen ästhetischen Gewinn noch einen anderen Nutzen bringt.

Ich frage mich dauernd, was hier an mir vorbeiläuft, wo das Buch doch in vielen Rezensionen, nicht nur hier, sondern auch in FAZ usw. als große Literatur gefeiert wurde.

Man sieht aber auch wieder einmal, wie unterschiedlich die Rezeption eines Buches sein kann.

Zu Beginn konnte das Buch eine gewisse Spannung und ein Interesse aufbauen, aber das literarische Quartett auf der Suche nach dem mysteriösen Schriftsteller wurde für mich im Laufe des Buches immer unglaubwürdiger. Zwar war die verwendete Sprache und der teilweise endlose Satzbau (wo sich einzelne Sätze über mehrere Seiten erstreckten), zwar recht interessant. Aber das konnte den Wert des Buches nur sehr bedingt für mich heben.

Insbesondere das 4. Buch, bei dem es auf endlosen Seiten um die zahllosen Morde von Frauen ging, wurde unerträglich für mich. Mir ist schon klar, worum es dem Schriftsteller in der sachlichen und analytischen Beschreibung der Mordopfer und der Suche nach den Tätern ging. Aber irgendwann war es dann auch gut damit, und es war schlicht unnötig, den Text durch immer weitere Wiederholungen ähnlicher Morde aufzublasen, damit auch noch der letzte, der nicht verstehen will, versteht, worum es bei dem Buch oder speziell bei diesem Teil des Buches gehen soll.

Mir geschieht es höchst selten, dass ich ein Buch nicht zu Ende lese, da ich versuche, schon bei der Auswahl des Buches möglichst selektiv vorzugehen. Aber hier konnte ich nicht anders, als das Buch entnervt zur Seite zu legen. Für mich blieb die Tür leider geschlossen, um nicht zusagen verborgen, durch die ich einen Zugang zu dem Buch finden konnte.

Nun kann man sicher sagen, dass man das doch dem Buch nicht anlasten kann, wenn man selbst keinen Zugang zu dem Buch findet. Trotzdem könnte es doch große Literatur sein.

Nun, zumindest für mich, ist das Buch jedoch keine große Literatur. Ich möchte dem (früh) verstorbenen Schriftsteller sicher kein Unrecht tun, aber für mich war das Buch leider eine große Enttäuschung. Schade um die vertane Zeit.
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2666: Roman
2666: Roman von Roberto Bolano (Taschenbuch - 5. September 2011)
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