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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Larmoyanz statt Kohärenz,
Von Siegmar Jedoch (Niesky) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tetralogie der Erinnerung: Das Muster. Tagundnachtgleiche. In der Erinnerung. Auf der anderen Seite der Welt (Taschenbuch)
Dieter Fortes monumentale "Tetralogie der Erinnerung" ist in mehrfacher Hinsicht eine Zumutung für den unvoreingenommenen Leser. Diese Quintessenz der Kritik an Fortes Werk sei kurz vorweggenommen, bevor die drei Haupteinwände gegen die Tetralogie im Folgenden erläutert werden sollen:Erstens: 1995 erschien Fortes Roman "Der Junge mit den blutigen Schuhen" und erhielt einige mehr oder weniger günstige Kritiken, führte den Namen des Autors, der vorher vorwiegend als Theaterschriftsteller in Erscheinung getreten war jedenfalls bei einem breiteren Lesepublikum ein. Nicht sehr viel später, im Jahr 1999, publizierte Forte eine Romantrilogie mit dem viel versprechenden Titel "Das Haus auf meinen Schultern", die drei auf den ersten Blick neue Romane enthält. Wer die Trilogie gelesen oder gar gekauft hat, wird schnell festgestellt haben, das einer der drei Romane der bereits bekannte Roman "Der Junge mit den blutigen Schuhen" ist, der aber listigerweise mit dem neuen Titel "Tagundnachtgleiche" versehen worden ist. Einen identischen Roman im Abstand von nur vier Jahren mit zwei unterschiedlichen Titeln zu publizieren, ist schlichtweg Betrug am nichts ahnenden, gutgläubigen Leser und Bücherkäufer, der erfahrungsgemäß davon ausgeht, dass zwei im gleichen Verlag in kurzem Abstand erscheinende Bücher desselben Autors mit unterschiedlichen Titeln auch unterschiedlichen Inhalts sind. Das Spiel wird dann fortgesetzt, als die um den Roman "Auf der anderen Seite der Welt" von 2004 erweiterte Trilogie im Jahr 2010 wiederum unter einem neuen Titel als "Tetralogie der Erinnerung" erscheint. Die Titel der einzelnen Romane sind immerhin gleich geblieben, aber im Zeitalter der Internetbuchhandlungen, in dem ein Blick ins Buch vor dem Kauf nicht immer möglich oder üblich ist, erscheint auch diese wiederholte Umtitelung als nicht unbedingt kaufmännisch und verlegerisch seriös. Ich selbst bin auf den Titelschwindel hereingefallen und frage mich, wie vielen anderen Lesern es ähnlich gegangen ist. Zweitens: Auch ein historischer, autobiographischer oder semiautobiographischer Roman kommt nicht ganz ohne größere Handlungsstränge aus. Das heißt, es schadet nichts, wenn die Geschichte des Protagonisten in einen übergreifenden Spannungsbogen eingebettet ist, wenn es eine psychologische Entwicklung gibt, die beim Leser Interesse an den weiteren Kapiteln und am Ausgang der Erzählung weckt. Natürlich gibt es auch Romane, die aus aneinander gereihten Episoden mit mehr oder weniger unabhängigen Erzählsträngen bestehen, die nur durch die Figur des oder der Protagonisten im Zusammenhang miteinander stehen; aber auch hier kommt ein etwas längerer Atem, was die einzelnen Handlungsabläufe betrifft, der Aufrechterhaltung des Leserinteresses zugute. Dieter Forte scheinen solche Zugeständnisse an den anfangs noch geneigten Leser nicht weiter zu kümmern: Auf fast tausend Seiten mutet er diesem eine Aneinanderreihung von selten über zwei Seiten hinausgehenden Kurzepisoden, Bildern, Situationsbeschreibungen, atmosphärischen Darstellungen etc. zu. Zwar sind die einzelnen Episoden durch das Personal der weit verzweigten Vorfahrenschaft und Familie des Erzählers miteinander verbunden und der Generationenroman folgt einer relativ mechanischen Chronologie, aber die einzelnen kurzen Inhaltsabschnitte der jeweiligen Teile der Tetralogie sind weitgehend willkürlich gegeneinander austauschbar, folgen sie doch keiner sich fortentwickelnden Handlung, geschweige denn enthalten sie psychologische, soziale oder mentale Entwicklungsprozesse der Protagonisten. Die zwangsläufige Ermüdung des Lesers stellt sich nach den ersten 20 bis 30 Seiten ein, spätestens wenn endgültig deutlich wird, dass hier nicht erzählt wird, sondern nur aufgezählt wird. Dass die einzelnen Kurzdarstellungen trotz offenbar unprofessioneller Lektorierung gelegentlich sprachlich durchaus gelungen sind, behebt jedoch nicht den gravierenden Mangel an schriftstellerischer Kohärenz, an dem das umfangreiche Konvolut als Ganzes krankt. Drittens: Die Tetralogie strotzt vor weltanschaulichen, vulgärphilosophischen Betrachtungen, Lebensweisheiten und Sentenzen, die in ihrer Redundanz und penetranten Monotonie nicht nur ermüdend sind, sondern bei fortschreitender Lektüre immer unerträglicher werden. Insbesondere der zweite, dritte und vierte Teil der Tetralogie, in denen aus personaler Sicht des Protagonisten Bombenkrieg, unmittelbare Nachkriegszeit in der zerstörten Großstadt und schließlich ein Sanatoriumsaufenthalt auf einer Nordseeinsel in den ersten Jahren der so genannten Wirtschaftswunderzeit dargestellt werden, besteht zum großen Teil aus larmoyanten Grübeleien, die die Düsterkeit und Ausweglosigkeit der jeweiligen Situationen und mentalen Zustände des jungen Protagonisten offenbar verdeutlichen sollen. All dies ist aber derartig "dick aufgetragen" und wiederholt sich, wenn auch nicht in der Wortwahl, so doch in der Aussage, auf hunderten von Seiten bis zum unvermeidlichen Überdruss des Lesers, dass vor der Vergeudung wertvoller Lesezeit an diese überdimensionierte, aber stilistisch und inhaltlich enttäuschende Romantetralogie nur gewarnt werden kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Zwischen Mythos und Persildame,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tetralogie der Erinnerung: Das Muster. Tagundnachtgleiche. In der Erinnerung. Auf der anderen Seite der Welt (Taschenbuch)
"Das Meer lag in der tiefen Nacht in einem schweren ruhigen Atem, in einer Stille wie vor der Geburt, während das herausgestoßene, abbrechende Todesatmen eines Menschen den Tag erwartete, das Licht weit hinter dem Meer, das wie ein jahrtausendealter schwarzer Stein unter den Sternen schlief."Die Kapitel dieses Buches sind nicht gezählt, dafür beginnen sie alle mit diesem einen ersten Satz. Die poetische Sprache des Satzes erscheint wie ein Programm oder eine Mahnung des Autors an sich selbst, das hohe Niveau des sprachlichen Ausdrucks nie zu verlassen. Die Präzision der beschreibenden Erinnerung wird von einem enormen poetischen Sprachgefühl begleitet. Viele Sätze wirken wie gemeißelt, der erste ist es gewiss. Nicht ein Wort erscheint austauschbar, das ganze Buch schöpft sich bereits aus diesem Satz. In einer "tiefen" Nacht, sie scheint mir zurückzureichen bis vor den Anfang der Welt, liegt ein Mensch im Sterben. Es ist die Schwelle zwischen Leben und Tod, die andere Seite wartet schon. Dort schläft das Licht weit draußen auf dem Meer und noch dahinter, wo es aus seinem Gegenteil, der Schwärze, geboren wird. Metaphern für die Seele, die hinausschwimmen wird, um sich mit dem schwarzen Stein vom Anbeginn der Welt zu verbinden. Seefahrer im Meer des Lebens waren wir lange genug. Dort hinter das Meer, in dieses Licht, geht man nur einmal und dann für immer. Die Handlung des kurzen ersten und zweiten Kapitels ist unspektakulär. Ein junger Mann sitzt in den Nachkriegsjahren in einem Zug, um in ein Sanatorium auf einer Insel zu fahren. Im Grunde werden nur seine Reiseeindrücke aus der Erinnerung beschrieben. Die Bahnhofsabfahrt aus dem Schoß der Familie bis zur Ankunft und Einweisung in ein Zimmer des Krankenhauses. Dies ist der letzte Band der "Tetralogie der Erinnerung", deren erster bereits 1992 erschien. Es ist auch der erste Roman, den ich von Dieter Forte lese und soweit ich weiß, sein bisher letzter. In allen vier Bänden geht es um Erinnerungen an Familiengeschichte, um den Krieg, aber als entscheidend kommt mir bei diesem erinnernden Erzählen vor, dass nicht nur Ereignisse, Handlung und Eindrücke wiedergegeben werden, sondern die Stimme des Erzählenden aus einer Art Todesnähe oder einer Grenzerfahrung, als ob jemand sich aus dem Raum weit hinter dem Meer an Leben und Licht zurückerinnert, spricht. Dadurch erhält sie einen durchgehenden, eigenen Klang, der manchmal pathetisch, manchmal bodenständig plattdeutschen Dialekt zitierend, der eigenen Biographie, menschlich allgemeingültige Züge, aber durch die Sprachkraft Einzigartigkeit verleiht. Jeder hätte Erinnerungen dieser Art zu erzählen, Bahnhofsabschiede, Schiffsfahrt auf eine Insel, Ankunft in einer Klinik, lebendig wird dies aber nur durch sprachliche Kraft und die Distanz des erzählenden Blickes. Ein Beispiel von der als heikel empfundenen ersten Schiffsüberfahrt : "Das war wohl die Insel, die, als sie näher kamen, wunderbar feststehende Häuser und Bäume vorzeigte. Er dankte Gott, so eine Meeresfahrt stärkte den Glauben auch bei Ungläubigen, dankte ihm dafür, daß er rechtzeitig daran gedacht hatte, dieser aus Wasser bestehenden Erde einige feste Teile hinzuzufügen, umgekehrt wäre es besser gewesen, aber auch die göttliche Weisheit hatte wohl ihre Grenzen, und die christliche Seefahrt war noch unbekannt, wer konnte schon ahnen, daß Menschen einmal Meere überqueren würden." Der Detailreichtum, mit dem die Reiseeindrücke des jungen Mannes im Zug beschrieben werden, der Blick zurück auf die verschwindende Stadt, das Bild der Turmuhr ohne Zeiger als Zeichen des ständigen Verrinnens der Zeit und des trotz aller Reisen auch immer bestehenden Stillstands, den man auf der anderen Seite im Sanatorium um so deutlicher bemerkt. Die poetische Beschreibung der Wolkengebilde aus dem Zugfenster, "nächtliche Wolken segelten schlaftrunken in Richtung der fernen Städte", mich hat vor allem die Sprache auf diesen ersten Seiten fasziniert und ich sehe den kommenden Seiten gespannt und erwartungsvoll entgegen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein wortgewaltiger, hervorragender Erzähler.,,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Tetralogie der Erinnerung: Das Muster. Tagundnachtgleiche. In der Erinnerung. Auf der anderen Seite der Welt (Taschenbuch)
Die vorliegende Kassette enthält vier Romane des deutschen Schriftstellers Dieter Forte. Hierbei handelt es sich um die Romane mit den Titeln "Das Muster", "Tagundnachtgleiche", "In der Erinnerung" und "Auf der anderen Seite der Welt".Forte ist ein sehr wortgewaltiger Schriftsteller. Bei Gelegenheit werde ich die einzelnen Romane ausführlich rezensieren. An dieser Stelle möchte ich die Kassette nur kurz vorstellen, weil man vier Romane in einer Rezension nicht umfassend besprechen kann. Deshalb ganz kurz nur: In seinem Roman "Das Muster" zeichnet Forte die Identität Europas als Netzwerk von Völkern und Sprachen, Religionen und Eigenheiten voller Weisheit, Wissen, Witz Menschlichkeit und Vitalität nach, während in "Tagundnachtgleiche" der Terror der Nazis und die Gräuel des Krieges das Thema sind. Die Nachkriegsjahre 1945- 48 wiederum sind die Zeit, die im Roman "Erinnerung" abgehandelt werden. Im Roman "Auf der anderen Seite der Welt" scheint für einen jungen Mann in den 1950er Jahren in einem Sanatorium auf einer Nordseeinsel die Welt still zu stehen. Sie verleiht ihm die Möglichkeit des erinnernden Erzählens. "In Erinnerung war das Fenster viel größer, so groß wie die Welt, die er durch das Fenster sah, in den vielen Tagen und Nächten, die in der Erinnerung zu einem Bild wurden, zu einer unbewegten, atmenlosen Zeit, lautlose Nächte und stumme Tage, die vergingen, wie sie erschaffen wurden unter einer kalten Sonne, die vom Morgen bis zum Abend die Erde mit ihrem Licht überzog, versteinerte Überreste einer versunkenen Welt unter weiß leuchtenden Sternbildern, stumpfe Mauern, zerstörte Häuser, verschüttete Straßen, verglühte Kirchenschiffe, die Silhouhette einer untergegangenen Stadt mit ihren schroffen Konturen im Mondlicht". So wortgewaltig beginnt Dieter Forte seinen Roman "In der Erinnerung". An diesen Sätzen bereits können Sie sehen, dass jeder der Romane im Einzelnen rezensiert wird muss. Eine Leseempfehlung gebe ich allerdings schon jetzt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Tetralogie der Erinnerung: Das Muster. Tagundnachtgleiche. In der Erinnerung. Auf der anderen Seite der Welt von Dieter Forte (Taschenbuch - 12. Mai 2010)
EUR 39,95
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