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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Romandebüt
In diversen Kritiken wird Jan Christophersen mit Siegfried Lenz und Theodor Storm verglichen. Das mag recht pompös und übertrieben klingen - dieser Vergleich drängt sich aber tatsächlich unweigerlich beim Lesen von "Schneetage" auf.

Im Mittelpunkt des Romans steht Paul Tamm, der gemeinsam mit seiner Familie eine Gaststätte in einem...
Veröffentlicht am 24. Februar 2009 von Sommerzeit

versus
9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durch den Kunstfilter
Der Schnee von gestern, durch den Filter der Kunst.
Peter A. Bruns über den Roman Schneetage" von Jan Christophersen.

In der Winterkatastrophe von 1978/79 im äußersten Norden Deutschlands, findet der Dichter einen ergiebigen Vorwand für seine Prosa und seinem jungen Protagonisten Jannis, sich zu erinnern.
Aber der Roman handelt...
Veröffentlicht am 30. März 2009 von Peter August Bruns


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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Romandebüt, 24. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
In diversen Kritiken wird Jan Christophersen mit Siegfried Lenz und Theodor Storm verglichen. Das mag recht pompös und übertrieben klingen - dieser Vergleich drängt sich aber tatsächlich unweigerlich beim Lesen von "Schneetage" auf.

Im Mittelpunkt des Romans steht Paul Tamm, der gemeinsam mit seiner Familie eine Gaststätte in einem kleinen Kaff direkt an der dänischen Grenze betreibt. Dessen große Leidenschaft ist die Suche nach Überresten aus der sagenumwobenen Stadt Rungholt, die 1362 bei einer großen Sturmflut vor der nordfriesischen Küste im Meer versank. Bei dieser Suche ist stets sein Ziehsohn Jannis, der auch der Ich-Erzähler des Romans ist, mit von der Partie.

Der Roman ist geschickt eingeteilt in eine Rahmenhandlung, die rund um den Jahreswechsel 1978/79 während in ganz Norddeutschland eine Schneekatastrophe wütet, spielt und eine dreiteilige Rückblende, die ungefähr den Zeitraum von 1948 bis 1956 erfasst.

Die Rückblende beginnt mit der Rückkehr von Paul Tamm nach dem Krieg aus britischer Kriegsgefangenschaft. Gemeinsam mit seiner Frau baut er den Gasthof seiner Schwiegereltern wieder auf. Sie sind zwar immer knapp bei Kasse und leben von der Hand in den Mund, aber Paul hat die Vision einer gut gehenden Pension, die für Touristen aus ganz Deutschland attraktiv sein soll. Nach und nach verliert er aber das Interesse an dem Gasthof und widmet sich verstärkt seinen Untersuchungen hinsichtlich der Überreste der versunkenen Stadt Rungholt, die er versucht, im Wattenmeer zu finden. Gleichzeitig entfremdet er sich immer mehr von seiner Familie - seine Frau ist bei der Bewirtschaftung des Gasthofs weitestgehend auf sich allein gestellt, und auch seine beiden Kinder Nils und Nane können nicht wirklich nachvollziehen, was ihren Vater so treibt, dass er das wenige Geld, das sie haben, in teure Ausrüstungsgegenstände für seine Expeditionen und Untersuchungen steckt.

Allein sein Ziehsohn Jannis, dessen Mutter im Krieg verstarb und der als Kleinkind von Paul in dessen Familie aufgenommen wurde, ist sein Verbündeter, dem er sich mitteilt und der verstehen kann, was Rungholt für Paul bedeutet.

Die Rahmenhandlung beschreibt das Ende von Pauls Forschungen über Rungholt und auch eine wichtige Entscheidung, die Jannis bezüglich der Klärung seiner eigenen Herkunft trifft.

An "Schneetage" begeistert mich vor allem die Erzählweise: Christophersen gelingt es auf sehr eindrucksvolle Art und Weise, Situationen darzustellen und Stimmungen zu schildern. Vor allem die Beschreibungen des Wattenmeers mit seinen Gezeiten, der Halligen, der Natur und nicht zuletzt der wortkargen Menschen und den Konflikten zwischen Deutschen und Dänen sind ungemein plastisch und real. Beim Lesen konnte ich förmlich das Kreischen der Möwen hören, die feuchte Meeresluft riechen und den schlickigen Wattboden unter meinen nackten Füßen fühlen.

Darüber hinaus vermag es der Autor aber auch, eine durchaus spannende Geschichte zu erzählen. Durch den steten Wechsel zwischen Rückblenden und Rahmenhandlung wird gekonnt ein Spannungsbogen erzeugt, durch den beim Leser die Neugier geweckt wird zu erfahren, wohin die Forschungen und Entdeckungen von Paul noch führen werden und auch die Klärung von Jannis' Schicksal bzw. dessen Herkunft rückt immer mehr in den Vordergrund.

Leider kann das Ende des Romans nicht mit dem hohen Niveau der übrigen Geschichte mithalten. Hier hätte ich irgendwie mehr erwartet - eine klare Auflösung bleibt aber aus, irgendwie versandet alles ein wenig und vieles bleibt offen.

Aber dennoch: Lieber Jan Christophersen, bitte schreiben Sie bald einen neuen Roman, ich möchte gerne noch mehr von Ihnen lesen!

Schneetage
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rungholt, Emil Nolde, Deutsch-Dänischer Grenzkonflikt - und ganz viel Schnee, 2. März 2009
Von 
LucyWeston (Deekelsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Das sind, vordergründig betrachtet, die Zutaten für diesen Roman.

Wie niemandem, der in Schleswig-Holstein lebt entgangen sein kann, jährte sich diesen Winter der sogenannte "Schneewinter" zum 30. mal. Und auch Jan Christophersen bedient sich der Schneekatastrophe als Aufhänger für seine Geschichte.
Er erzählt von der Familie Tamm und ihrem "Grenzkrug" im fiktivem Örtchen Vidtoft, unmittelbar an Nordsee und dänischer Grenze gelegen. Die späten 70er Jahre bilden das "jetzt" dieser Geschichte; Ziehsohn Jannis erzählt uns -sehr subjektiv- die Geschichte der Familie von Nachkriegstagen an, beginnend mit der Rückkehr Paul Tamms aus der Gefangenschaft.

Ich will jetzt gar nicht großartig auf die Handlung eingehen, nur soviel: sie ist spannend genug erzählt, und in den eingekapselten Rückblenden offenbart sich auch die sprachliche Brillanz, die im Klappentext so vehement angepriesen wird.

Dieses Buch stellt viele Fragen - einige werden beantwortet, andere eher nicht. Warum interessiert sich Paul Tamm so brennend für Rungholt, wo er doch anscheinend nicht mal aus der Gegend kommt? Und: woher kommt er überhaupt, und warum hat er alle Verbindungen zur Vergangenheit gekappt?
Warum verehrt Dauergast und Kunstmaler Bonatz Emil Nolde so göttergleich und wagt doch zeitlebens keine Annäherung?

Ungefähr in der Mitte des Buches mußte ich dringend mal ins Autorenportrait schauen: der Mann ist tatsächlich 2 Jahre jünger als ich und schreibt doch über Ereigneisse vor unserer Geburt, als ob er dabei gewesen wäre.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beziehung und Geschichte verbinden!, 21. Juli 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Selten ist es bisher gelungen, Geschichte und Beziehung miteinander zu verbinden. Vielleicht ist es das beste und durchgeformteste Buch des Frühjahres 2009? Die Beziehung von Paul und Jannis bleibt lange rätselhaft und es gelingt über 366 Seite diese Spannung zu halten. Es ist aber auch die Atmosphäre des Wattenmeeres, welche dieses Buch besonders macht. So wird der Fund und die Katalogisierung zum Erlebnis der beiden. Dieser Roman passt auch zum Profil des Mare-Verlages. Ich lese viel und dieses Buch zum 2. Mal. Danke an Verlag und Autor.

Dr. Dilewsky
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein ruhiges Buch, perfekt für die kalte Jahreszeit, 15. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Jan Christophersen könnte einer der großen Erzähler dieses Jahrhunderts werden. Man wird zwar noch die Folgeromane, die hoffentlich nicht allzu lang auf sich warten lassen werden, abwarten müssen, aber schon dieses erste Buch beweist großes schriftstellerisches Können.
Besonders fasziniert hat mich, dass der Autor keiner großen Handlung bedarf, um das Buch fesselnd zu machen, sondern diese Anziehungskraft allein schon durch seine wunderbare Art zu erzählen entsteht. Der Autor wurde viel mit Storm und Lenz verglichen, weshalb ich erwartet hatte, dass Beschreibungen der nordischen, rauhen Landschaft auch in diesem Buch zu finden sein werden. Dies ist weniger der Fall, was mich allerdings nicht enttäuschte. Christophersen zeichnet seine Charaktere und die Lebensart der Gegend im deutsch-dänischen Grenzgebiet, indem er hauptsächlich die Handlungen der Personen bis ins kleinste und scheinbar nebensächlichste Detail beschreibt. Sehr schön. Ich hätte nicht gedacht, dass man auch so tiefgründige Charaktere erschaffen kann.
Einen Punkt muss ich leider abziehen, weil eine der Hauptfragen, die mir bei der Lektüre gekommen sind, nicht beantwortet wurde, was ich sehr schade finde. So weiß ich noch immer nicht, was die motivation von Paul Tamm zu alldem war.
Dies ist allerdings ein stilles Buch. Eine Genusslektüre, besonders mit einer Tasse Kaffee und Lebkuchen und einem ordentlichen nordischen Shitwetter vor der Tür. Empfohlen auch als Weihnachtsgeschenk.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgründig und nachdenklich, 16. Dezember 2010
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Schneetage: Roman (Taschenbuch)
Ich kann mich noch sehr gut an den Winter 1978/79 erinnern, den ich in Norddeutschland erlebt habe. Was jetzt gerade als 'Schneechaos' bezeichnet wird, ist gar nichts im Vergleich zu damals. Es war nicht einmal möglich, in das nächste Dorf zu fahren, es gab schulfrei, und die Bundeswehr tat endlich einmal etwas Sinnvolles, nämlich Schnee schippen.
Der norddeutsche Schneewinter von 1978/79 bildet den Hintergrund des Debütromans von Jan Christophersen.
Paul Tamm, Betreiber der Gaststätte 'Grenzkrug' im Dorf Vidtorft, direkt an der dänischen Grenze, bricht zusammen. Gerade noch rechtzeitig kann er ins Krankenhaus gebracht werden, dann reißt der Kontakt zur Außenwelt ab. Das Telefon ist tot, und nicht einmal mehr Schneepflüge kommen durch.
Jannis, der Ziehsohn der Familie, lässt in der Ruhe des Eingeschneitseins die Geschichte der Familie Revue passieren, angefangen mit Paul Tamms Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft.
Es war harte Arbeit, den 'Grenzkrug' aufzubauen und für den Fremdenverkehr attraktiv zu machen. Direkt nach dem Krieg mussten erst einmal Flüchtlinge aufgenommen werden. Das war im Zusammenleben nicht immer einfach, aber solidarisches Handeln war damals wesentlich selbstverständlicher als heute.
Nach und nach wurden die Zeiten besser und es entwickelte sich der Tourismus an der Nordsee, selbst in dem gar nicht mondänen Grenzörtchen. Der 'Grenzkrug' florierte.
Aber dann verliert Paul Tamm das Interesse am Gasthof. Ihn hat das Mysterium um den versunkenen Ort Rungholt gepackt. Jede Minute und leider auch viel zu viel Geld steckt er in sein Projekt und verliert dabei seine Familie und die Bedürfnisse seiner Frau und Kinder völlig aus den Augen. Nur Jannis begleitet ihn. Und findet dabei noch etwas ganz anderes als Hinweise auf Rungholt.
Die ruhige Erzählweise dieses Buches hat mich völlig begeistert. Der Vergleich mit Siegfried Lenz passt wirklich ' wie schön, dass hier ein Nachfolger eines meiner Lieblingsautoren heranwächst.
Urwüchsig norddeutsch ist dieses Buch, langsam und ruhig, tiefgründig und nachdenklich. Die norddeutsche Landschaft, die tiefen Charaktere, die Wetterbeschreibungen, die Rückblenden, all das wird vereinigt zu großer Literatur.
'Schneetage' erhält einen Platz in meinem Lieblingsbücher-Regal.
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5.0 von 5 Sternen Wunderschön!, 12. September 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schneetage: Roman (Taschenbuch)
Ich liebe dieses Buch! Jan Christophersen fängt die Atmosphäre Nordfrieslands ein, so dass sich Bilder und Handlung zu inneren Bildern verweben. Auch meine Familie kamen als Flüchtlinge nach Schleswig Holstein, so dass mir vieles aus Erzählungen meiner Grossmutter bekannt war. Und dann der grosse Schnee, den erinnere ich auch noch genau. Nachmittags war es noch mild, und ich war mit meinem Baby einkaufen, abends setzte dann der Eisregen ein und mein Mann kam mit grosser Verspätung von der Arbeit. Am nächsten Morgen - Stille. Überall. Dabei wohnten wir an einer sehr befahrenen Strasse. Als wir aus dem Fenster guckten, war alles im Schnee versunken. Und obwohl die Situation in vielen Landesteilen sehr bedrohlich war, habe ich wunderbare Erinnerungen an diese Zeit, in der die Menschen ihre Kinder auf dem Schlitten hinter sich her zogen und statt Sonntagsspaziergang mit Langlaufskiern mitten auf der Strasse unterwegs waren. Alle halfen sich gegenseitig, es herrschte gut Stimmung.

Und dann die Rungholt Sage, die mich schon von Kindheit an begleitete.....dann später als Song von Achim Reichel. Trutz, Blanke Hans! Ich habe richtig Sehnsucht bekommen nach Nordfriesland. Und ich habe mir eine Ocarina gekauft.Wer aus Schleswig Holstein kommt und in die nähere und fernere Vergangenheit reisen mag, wird dieses Buch lieben!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein stilles, großes Buch, 21. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Die größte Enttäuschung zur Buchmesse war für mich dieses Jahr, dass Jan Christophersen nicht zumindest auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand. Verdient hätte er es, denn seit Jahren habe ich kaum einen so frischen Debütroman mehr gelesen. Sprachlich präzise, wenn auch mitunter sehr norddeutsch gefärbt - aber auch hier bleibt Christopehrsen letztlich seiner Erzählperspektive treu. Zunächst hatte ich mir ein wenig mehr Fokus auf die Gegenwartsebene des Erzählers, sprich: der Schneekatastrophe von 78/79, gewünscht (zumal ich sie im Vorschulalter - wie der Autor ja auch - selbst miterlebt habe, wenn auch im Süden Schleswig-Holsteins). Aber Christophersen entwickelt seine (Vor-)Geschichte so glaubhaft und packend, dass man kaum glaubt, dass er Jahrgang 1974 ist. Der Roman ist gut recherchiert, gut geschrieben, der Plot gut entwickelt - und letztlich ist das Ganze auch eine Liebeserklärung an das schönste Bundesland von allen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar entführt, in eine andere Welt, 14. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Nun habe ich diesen Roman schon zum zweiten Mal gelesen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Bei mir stellte sich ein Gefühl ein, dass ich vergessen glaubte, von dem mir nicht einmal bewusst war, dass es das gab. Es hat mit der eigentlichen Faszination einer Geschichte zu. Erinnert Ihr Euch daran, wie es war, ein Kind zu sein, dem eine Geschichte erzählt wird? War es die Mutter, der Vater oder vielleicht der große Bruder, bei 'dessen Stimme Klang' Ihr in das Land der Träume geschwebt seid? Oder habt Ihr auf dem Schoß des Opas gesessen, zurückgelehnt in seine Arme, die das Buch mit den Zauberzeichen hielten, und könnt ihr noch die Vibration seiner sonoren Stimme an Eurem Hinterkopf spühren?
Ja, dieses Gefühl kam über mich, und ich kann Euch nicht sagen, wann es das letzte Mal war, dass ich mich so geborgen, so liebevoll entführt fühlte. Es ist diese Stimme, die ganz natürlich aus diesem Roman spricht, selbst wenn man ihn selbst liest. Sie entführt Dich in eine Welt, die zu Deiner wird, innerhalb von wenigen Sätzen, und Du merkst es gar nicht. Und auf einmal spührst Du die warme Umarmung, die Stimme' nur darauf kommt es an.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragender Erstlings-Roman von Jan Christophersen, 27. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Jahreswechsel 1978/79. Über Norddeutschland tobt ein Schneesturm, von dem die Menschen bis heute erzählen. In einem nordfriesischen Dorf an der deutsch-dänischen Grenze bricht Paul Tamm, der Wirt des »Grenzkrugs«, plötzlich zusammen. Es beginnen ungewisse Tage, in denen Pauls Ziehsohn Jannis sich an die vergangenen gemeinsamen Jahrzehnte erinnert: wie er selbst nach dem Zweiten Weltkrieg als kleiner Junge in die Familie kam, wie Paul aus dem Lager zurückkehrte, zunächst beim Wiederaufbau der Gastwirtschaft half und sich später immer mehr von der Familie entfernte. Bei Pauls Jagd nach den Spuren einer versunkenen Stadt im Watt begleitet ihn Jannis, der dabei auf die Geschichte eines englischen Soldaten stößt. Auf geheimnisvolle Weise scheint diese mit Jannis Herkunft verknüpft zu sein. In den dramatischen Tagen der Schneekatastrophe führt Pauls Suche schließlich zu einem Ergebnis, das Jannis nach all den Jahren vor eine Entscheidung stellt.
Ja, der Vergleich mit Siegfried Lenz liegt durchaus nahe, Landschaft, Charaktere, Sprache. Aber "Schneetage" liest sich sogar noch flüssiger: zwischen detaillierten Landschaftsbeschreibungen und liebevollen Charakteren entwickelt der Autor hier eine Sprache, die den Leser unwillkürlich in ihren Bann zieht. Geschickt werden die Erzählstränge miteinander verknüpft. Keine Passagen sind in irgendeiner Form zu lang(weilig), eigentlich hat man immer das Gefühl, sich mitten im Geschehen zu finden. Weil alle Charaktere absolut stimmen und die Schauplätze schöner geschildert nicht sein können.
Fazit:
Knappe 370 Seiten brillante und warmherzige Literatur (auch für heiße Sommermonate:-)
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durch den Kunstfilter, 30. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Schneetage (Gebundene Ausgabe)
Der Schnee von gestern, durch den Filter der Kunst.
Peter A. Bruns über den Roman Schneetage" von Jan Christophersen.

In der Winterkatastrophe von 1978/79 im äußersten Norden Deutschlands, findet der Dichter einen ergiebigen Vorwand für seine Prosa und seinem jungen Protagonisten Jannis, sich zu erinnern.
Aber der Roman handelt von mehr, als nur von jener Schneekatastrophe. In diesem liebenswerten, wohlgestalteten und ersten Roman des Dichters, lässt er auf 366 Seiten, mitten in den Schneetagen", einen Jungen und später einen jungen Mann, grübelnd herumlaufen, einen weder starken noch sehr geschickten, aber eben einen Menschen: einen, der noch zu tiefen Empfindungen fähig ist, der ein Herz und einen Verstand hat. Ein wenig zwar ist auch er schon geknickt und entstellt, durch seine, ihm im Nebel der Vergangenheit verborgene Herkunft, jedoch überall wohin er geht, mit dem alten Paul, seinem Ziehvater, in der Gegend des alten Gasthofs an der dänisch, deutschen Grenze, schimmert Menschlichkeit auf, glänzt mahnende Erinnerung, an eine Einfachheit und Natürlichkeit vergangener Jahrzehnte, trotz der Wirren des Krieges. Diese Natürlichkeit und Einfachheit, gab es vor zwei, drei Jahrzehnten noch reichlich, besonders im Norden Deutschlands. Heute sind diese Tugenden überall selten geworden.
Der Dichter Jan Christophersen ist erst 35 und doch sind seine Menschenbilder, und die vielen, leicht und zart hingezeichneten, nordischen, noldeartigen Aquarelle, vom Suchen nach Zeugnissen der versunkenen Stadt Rungholt, im Watt, von Halligen, von ihren Menschen, in reiner Künstlerfreude geschaffen. Nicht ganz ohne gute Absicht zwar, nicht ganz ohne Moral, aber nicht von ihr verzerrt. Man spürt, der Dichter hat sein Sujet studiert. Das Zeitgemäße des deutschen Nordens konnte nicht zeitloser gesagt werden als hier.
Dieser Roman ist natürlich kein Krimi a la Patricia Highsmith, aber er baut dennoch vorsichtig, einen subtilen, Spannungsbogen auf, der, wenn man dem Ton des Dichters offenherzig lauscht, durchaus einen gewissen Sog erzeugt, mal mehr, mal weniger, wie Ebbe und Flut eben. Dem flachen Watt angemessen. Wenn etwa vom Krieg und vom Absturz eines englischen Flugzeugs, im Watt, dem Piloten der überlebte und dessen Hand eine Okarina umschloss, die Rede ist. Christophersens wohlgesetzten Worte gleichen Tönen und erzeugen insgesamt eine feine Melodie beim lesen. Es sind Töne, die durch den Filter der Kunst gegangen und doch voller Charme geworden sind.
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Schneetage: Roman
Schneetage: Roman von Jan Christophersen (Taschenbuch - 3. Februar 2012)
EUR 9,95
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