Kundenrezensionen


7 Rezensionen
5 Sterne:
 (5)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Protokoll des Schreckens, 31. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Solschenizyn hat hier ein vom Umfang & Systematik der Herangehensweise gigantisches Buch - besser gesagt: minutiöses Protokoll in Pamphletform - über den Sowjetkommunismus im Allgemeinen und seine politische Strafjustiz (wenn man Standgerichte, Troikas und Ukasse überhaupt Justiz nennen kann) im Besonderen verfasst.

Am gewinnbringendsten war für mich Band 1, weil Solschenizyn hier - beginnend mit der Oktoberrevolution 1917 - die ununterbrochenen "Ströme" an Häftlingen in die Gefängnisse, Durchgangs-, Arbeits-, Straf- und Sonderlager sowie die nachfolgende Verbannung systematisch aufbereitet. Hier habe ich viele neue Informationen u.a. zum Umgang mit den (bürgerlichen) "Spezialisten" - idR Ingenieure in Leitungsfunktionen - vor und während der NEP gefunden. Auch der - zwar nicht systematisch angeordnete, aber durchgängige - Einsatz brutalster Foltermethoden zur Erpressung (beliebiger) Geständnisse bereits in der Frühphase des real existierenden Sozialismus, d.h. deutlich vor Anbruch der Stalin-Zeit, war für mich neu. Lenin, Trotzki - legten wohl bereits die Fundamente der Menschenverachtung!

In Band 2 erfolgt - unter anderem - eine intensive Auseinandersetzung mit dem sowjetischen Strafgesetzbuch, welches der breiten Bevölkerung weder bekannt war noch korrekt, sondern völlig willkürlich angewendet wurde, sowie mit (gesellschaftspolitischen) Debatten zu Sinn und "Erfolgen" der Strafverfolgung. Allein die Aufzählung und Interpretation der unterschiedlichsten "58er Straftatbestände" sowie ihrer (im Zeitverlauf schwankenden, aber immer zuungunsten des Häftlings betriebenen) Anwendung ist schockierend. Und sterotyp der Hinweis: "Kriegst Du eben noch mal 5, 10, 25 Jahre zusätzlich aufgebrummt". Ist das Ziel Besserung der Straffälligen? Welch ein Hohn! Dann schon eher (im Voraus geplante!) ökonomische Zweckmäßigkeit, neue Sklavenarbeiter auszuheben & binnen weniger Monate zu "vernutzen". Stell Dir vor, Du musst bei minus 40 Grad ohne Schutzkleidung und bei Hungerrationen Schwerstarbeit im Wald, dem Bergwerk, der Kohlegrube, in der Goldmine oder an der BAM mit bloßen Händen (Maschinen und Werkzeug? Wozu? Haben doch genug Menschenmaterial!) verrichten - wie lange kann ein Mensch, selbst wenn er sich clever "wegduckt", das aushalten?

Band 3 widmet sich der Nach-Stalin-Zeit, unter anderem auch Häftlingsaufständen (Massaker in Nowotscherkassk!), der Pseudo-"Entstalinisierung" unter Chrustschow und der Verbannung. Hier finden sich viele beeindruckende Persönlichkeitsbeschreibungen, aber auch lebensphilosophische Einschätzungen eines auf seine lange Haftzeit zurückblickenden Autors. Und Solschenizyn beschreibt seine "Verbannungszeit" - obgleich strenger gehandhabt als unter den Zaren - in Kasachstan wie eine "Rückkehr ins Leben". Beeindruckend die Selbstreflexionen, wie und warum er sich im Hinblick auf Charaktermerkmale und Werte durch die Lagerzeit geändert hat.

Es grenzt für mich an ein Wunder, dass Solschenizyn die Menge des Materials größtenteils während seiner Haftzeit ordnen und bewältigen konnte - in ständiger Angst vor Entdeckung der Aufzeichnungen lernte er ganze Kapitel auswendig bzw. bediente sich einer verschlüsselten Kurzsprache. Und nicht weniger verwunderlich: dass Solschenizyn (und einige der von ihm porträtierten Häftlinge) Mensch geblieben sind - mit Lebensklugheit, mit Humor, mit Moral, nur selten Anzeichen von Rache- oder Vergeltungswünschen.

Das Buch ist - wenn der Stoff natürlich auch bedrückend ist - hervorragend zu lesen. Spannend erzählt, detailreich und gut belegt (wo nicht, gesteht S. das explizit ein!), authentisch geschrieben und sprachgewaltig - jede der vielen Seiten lebt von und mit der Empörung über die ungerechtfertigte Mißhandlung von Menschen!

Dieses Buch ist ein Anklageschrei - primär gegen den Sowjetkommunismus, aber durchaus übertragbar auf andere "totalitäre" Regimes. Was macht Ihr mit und aus den Menschen, die nicht in Euer Raster passen? Es zeigt den zynischen Gestaltungswillen - oder besser: Vernichtungsabsicht - der Machthaber und Funktionäre, Angst und Mißtrauen oder Denunziantentum unter der Bevölkerung, Anpassung aber auch (immer erfolglosen, weil nicht öffentlichen) Widerstand von betroffenen Häftlingen. Und, natürlich, viel viel unfassbares menschliches Leiden in und an der Parallelwelt des Archipels. Leiden ohne Grund - und ohne Sinn?! Kann es einem wirklich noch Hoffnung oder Zuversicht geben, wenn Solschenizyn resummiert, die Haft wurde ihm erst ab dem Punkt erträglich, an dem er jeden "normalen" Gedanken an die Zukunft (beginnend mit "morgen"!) aufgegeben und statt dessen einen - quasi meditativen - Zustand der Weltabkehr erreicht hat? Wozu noch sich aufregen - das normale Leben ist bereits zu Ende, und es könnte alles noch schlimmer werden.

Solschenizyns Kernaussage: Nicht jeder Häftling ließ sich korrumpieren, dachte nur an eigene Vorteile, beugte sich dem Lagerregime - aber einen Preis bezahlten alle: physische oder psychische Verletzungen, viele wurden sozial vernichtet (was nicht alles erst nach der Haft in die Brüche ging! Familie und Freundschaften, Wohnung, Vereinszugehörigkeit, Beruf/Rente, Gesundheit) oder im wörtlichen Sinne einfach ermordet. Man verzeiht Solschenizyn auch den vielfach problematischen Bezug auf die "russische Volksseele" ("bäuerlich-dörfliche" und oder religiöse Orientierungen) und durchgängige Kennzeichnung der "kriminellen" (gleich: nicht politischen) Insassen als asozial - und kommt nicht umhin, seinen äußerst bissigen Angriffen auf die (west-)europäische Linke Recht zu geben: Wo wart Ihr? Warum habt Ihr lieber der Partei geglaubt und nicht uns? Und auch die "überzeugten Parteimitglieder" unter den Häftlingen kommen nicht gut weg - verstanden die doch am wenigsten, warum sie "saßen" und biederten sich mit Selbstkritik und Spitzeldiensten als gefallene, aber geläuterte Bolschewisten beim Gefängnispersonal oder der Partei an. Menschlich nachvollziehbar - aber auch entschuldbar?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Gang über den gigantischen Friedhof des Bolschewismus, 26. August 2011
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Das Land der abgewürgten Möglichkeiten" - so spöttisch bezeichnete Solschenizyn einmal seine russische Heimat. In Der Archipel GULAG führt er auf drastische Weise vor, was er damit meint: eine feige, brutale, halb geisteskranke Elite, von ihrer historischen Mission überzeugt und bereit, der Verwirklichung einer Idee die Wirklichkeit selbst zu opfern. Das eigene Volk wird zum Feind erklärt, weil es aus Menschen besteht statt aus klassenbewussten, kraftstrotzenden, unbeugsamen Über-Proletariern. Solschenizyn führt seine Leser über einen gigantischen Friedhof, an den Gräbern derjenigen entlang, die diesem Wahn zum Opfer gefallen sind. Seine Stimme ist die eines Mannes, der nur zufällig nicht unter der Erde liegt, eines Mannes, dem das Bewusstsein dieser Zufälligkeit die Seele beruhigt und die Augen geöffnet hat. Und obwohl sich die Reihen der Gräber scheinbar in die Unendlichkeit erstrecken, wird er nicht müde, bei jedem einzelnen zu fragen: Warum? Dieses Warum ist die Essenz des Buches. Warum hat sich die paranoide Logik der Täter überhaupt Geltung verschafft? Warum ergeben sich die Opfer ihrem Schicksal? Warum bleiben die Mitwisser feige und bequem?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Miterlebend, 20. September 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Dass Alexander Solschenizyn ein Kenner dieser Epoche ist, geht in den 3 Bänden "der Archipel" Gulag eindrucksvoll hervor. Obwohl ich eher ein Freund von Zahlen und Fakten bin, zieht er den Leser trotzdem einfühlsam mit in das Geschehen. Ich bin froh, wie mich der Wortgewaltige Solschenizyn um das Wissen der dunklen und traurigen Ereignisse bereichert hat. Eine Empfehlung kann ich besonders an die jüngere Generation aussprechen, hier wird weder mit Fachchinesisch hantiert oder öden Wüstensand gekaut.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen zu empfehlen - Archipel Gulag, 9. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Nachdem im Buch "Kind 44" (Krimi während der Stalinzeit)eines Engländers als Quelle Archipel Gulag von Solschenizym angegeben wurde und ich unbedingt mehr über diese Zeit erfahren wollte, habe ich blindlings alle 3 Gulag-Bücher bestellt - mit etwas Sorge, wie lesbar diese Bücher seien - dachte, dass es eine hyper-intellektuelle Leserei werde. Bin zwar immer noch bei Buch 1, bin aber fasziniert über den Stil, einfach zu lesen, sehr beschreibend und trotz aller Grausamkeit ob der Unmenschlichkeit blitzen humorvolle (Galgenhumor?) satirische Sätze durch. Ich bin äußerst zufrieden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inhalt sehr fesselnd - Ausgabe etwas komisch, 18. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Der Inhalt fesselt und schockiert und möchte auch nicht viele Worte dazu verlieren. Es lohnt sich auf jeden Fall sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Buch hat seine Längen aber das gehört zu jedem guten russischen Buch dazu.

Allerdings möchte ich den Verlag rügen. Die verwendete Sprache ist nicht nur altertümlich sondern an manchen Stellen einfach kein Deutsch. Man hat das Gefühl, dass die Übersetzerin manchmal alles Wort für Wort übersetzt hat und dabei die Worstellung etc gleich hielt. Der Lesbarkeit und Verständlichkeit lieber hätte man leichte Anpassungen übernehmen können. Charakter und Aussage wären sicher nicht verloren gegangen.
Außerdem sind die Anmerkungen etwas schlecht gemacht. Es gibt nummerierte Anmerkungen die man am Ende des Buches findet und Anmerkungen mit * die man direkt an den Seiten lesen kann. Die * sind vom Autor gemacht die nummerierten von der Übersetzerin. Da beide relativ oft Vorkommen, hätte man sie beide auf den Seiten belassen können, damit hätte man sich viel Blätterei ersparen können.
Es ist lobenswert, dass einen Register am Ende des Buches gibt. Hier werden bekanntere und weniger bekanntere historische Perönlichkeiten kurz beschrieben. Im Buch kommen jedoch sehr viele Personen vor. Da die im Register aufgeführten Personen nicht extra gekennzeichnet sind, muss man während des Lesens immer wieder nach Hinten blättern und schauen ob diese Person in der Liste ist oder nicht. Das ist SEHR nervig und hätte vom Verlag besser gelöst werden können.
Was noch nerviger ist, dass man in den Folgebändern Personen, die schon in Band I beschrieben wurden, zwar in der Liste weiterhin aufgeführt werden, aber hinter dem Namen steht nur, dass man die Beschreibung in Band I oder II findet. Das ist eine Frechheit. Man spart damit ein Paar Seiten Papier aber dafür ergärt man den Leser.

Also noch mal ganz klar:
Inhalt: 5 Sterne
Aufmachung/Verlagsfehler: 3 Sterne.

Lieber Fischer Verlag, das geht besser!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtige Lektüre, 4. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Ein Schriftsteller welcher in jedem Bücherregal einen Platz finden sollte. Seine Werke sind überaus wortgewandt und, was wohl noch wichtiger ist, Zeugen von großer Intelligenz, sowohl auf gesellschaftlicher wie auch auf genereller und ökonomischer Ebene.
Sehr empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz große Weltliteratur, 20. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel GULAG I (Taschenbuch)
Muß man gelesen haben.Empfehlenswert für alle die sich mit Geschichte, Politik und Soziologie beschäftigen.
Russen haben eine ganz eigene Art zu schreiben ,eine Art die einen nicht kalt läßt.
Solschenizyns intellektuelle Schreibweise ist jedoch manchmal etwas zu viel des Guten.
Fazit: unbedingt lesen
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Archipel GULAG I
Der Archipel GULAG I von Alexander Solschenizyn (Taschenbuch - 20. August 2008)
EUR 12,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen