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5.0 von 5 Sternen Höchst beachtliche Überlegungen, 7. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Halbzeit der Evolution: Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewußtsein (Taschenbuch)
Wer in der gegenwärtigen Schulden-, Politik- und Finanzkrise nach Orientierungspunkten sucht und offen ist für nicht-religiöse Ansätze, wird an den fundierten und weit ausgreifenden Überlegungen von Ken Wilber grossen Gefallen finden.

Sein Ansatz - in wenigen Sätzen zusammengefasst basiert zunächst auf einem breit gefassten Verständnis von Evolution. Nicht bloss das oft falsch verstandene "Survival of the Fittest" im Pflanzen- und Tierreich, sondern jede systematische Entwicklung von Systemen zu höherer Komplexität und komplexeren Ordnungen gehört da zum Begriff Evolution. Entsprechend sieht Wilber auch die kulturelle, gesellschaftliche Entwickung als Teil der Evolution.

Der zweite grundlegende Gedanke ist die aus der Biologie gewonnene Erkenntnis, dass das einzelne Lebewesen in seiner Embryonal- und Lebensentwicklung zunächst die Entwicklungsgeschichte seines Stammes im Groben nachvollzieht. Deshalb haben ja z.B. menschliche Embryos in gewissen Phasen Kiemen und einen Schwanz wie Amphibien. Diese Elemente werden später um- und abgebaut. Diese Erkenntnis überträgt Wilber auf die gesellschaftliche Entwicklung. Gesellschaften, so seine Überlegung, entwickeln sich entlang derselben Linien, wie der Einzelne: vom Neugeborenen, das noch völlig Bestandteil seiner Umgebung ist, zur Entwicklung des Ich-Bewusstseins, Matriarchat und heute Patriarchat - und, nach Wilber - eben darüber hinaus.

Die dritte Grundlage ist das in einem früheren Buch ("The Atman Project") entwickelte Gesamtsystem der Entwicklung von der Materie (Natur) zum Transzendenten (Gott). Auf dieser Leiter (genauer: ein Kreis, bei Wilber) stehen wir jetzt in der Hälfte.

Das Buch befasst sich damit, die Entwicklung der Menschheit von dem reinen "Teil der Natur" zum heutigen Endpunkt des Patriachates aufzuzeigen und zu begründen. Alles sehr fundiert und ausführlich. Sehr beeindruckend.

Wilber ist Philosoph. Eine der Gewohnheiten von Philosophen ist es, spezifische, im aktuellen Kontext wichtige Ideen und Konzepte mit Begriffen zu belegen, welche für den Normalleser nicht notwendigerweise "richtig" assoziieren. So macht Wilber etwa einen wichtigen Unterschied zwischen dem echten Gottesbewusstsein, genannt "Atman" und der krankhaften Projektion von eigenen Wünschen, genannt "Atman-Projekt". Das Atman-Projekt ist damit so etwa das Gegenteil von Atman. Für mich ist allerdings ein "Projekt" ein Vorhaben, um etwas zu erreichen, da wäre also das Atman-Projekt das Vorhaben, Atman zu erreichen - was Ken Wilber gerade eben nicht damit meint. Dies sind aber untergeordnete Kritikpunkte und die Sprachprobleme lassen sich mit etwas gutem Willen bald überwinden.

Was hat das alles nun mit der Finanzkrise zu tun? Wilber zeigt auf, dass Kriege erst mit dem Patriarchat, von den Assyrern etwa 6'000 Jahre vor Christus erfunden wurden, und keine menscheitsgeschichtliche Notwendigkeit sind. Er zeigt ferner, dass der nächste Schritt - die Entwicklung von überbewussten, schamanischen Fähigkeiten (wie z.B. Geistheilung, Lichnahrung, Gedankenlesen etc.), die mit der Überwindung des gegenwärtig dominierenden materialistisch-naturwissenschaftlich-patriarchalen Weltbildes einhergehen JETZT fällig ist.

Die Geschichte zeigt gemäss Wilber, dass die Menscheit eine Ebene bis zum bittersten Ende ausreizt und auskostet, bevor sie insgesamt bereit ist, den nächsten Schritt zu tun. Dieses Ausreizen passiert heute vor unseren Augen. In Politik, Medizin, Wirtschaft, Wissenschaft, wohin man schaut zählt nur noch der eigene, kurzfristige Gewinn, das Ganze zählt nicht mehr. Nicht mehr "erst kommt das dienen, dann das verdienen", sondern "wie wenig können wir leisten, damit wir insgesamt am meisten verdienen können" ist die Devise. Jeder versucht, auf Kosten der anderen zu leben. Gleichzeitig steigt aber die Menge der Menschen, welche diesem Sandkastenspiel zu entkommen versuchen und die Menge von Menschen, welche mit alternativen Heilmethoden, alternativen Philosophien und alternativen Bewusstseinszuständen experimentieren exponentiell. Das Internet ermöglicht die weltweite Vernetzung und den Austausch in Sekundenschnelle. Daher wissen diese neugierigen Menschen viel mehr voneinander als vor 30 Jahren.

Dies alles deutet wirklich darauf hin, dass Ken Wilbers Hypothese, wir stünden "heute" (geschrieben 1977) von der Halbzeit, in der wir uns befinden, durchaus plausibel ist.

Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch, dessen Äonenlange Perspektive ein hervorragendes Gegengift gegen die heutige mediengesteuerte geistige Kurzatmigkeit bildet. Der Inhalt ist derart überzeugend, dass ich trotz gewisser Mängel gerne 5 Sterne vergebe. Meine Empfehlung: Buch kaufen und Lesen! Es wird ein Gewinn sein!
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Menscheitsgeschichte aus der privilegierten Perspektive der "Philosophia Perennis"., 29. Oktober 2010
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Halbzeit der Evolution: Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewußtsein (Taschenbuch)
Wer schon einmal etwas von Wilber, seiner integralen Philosophie gelesen hat, weiß, das Wilber mit "integral" tatsächlich "integral", nämlich, potenziell, "ALLES integrierend" meint. Auch in diesem Werk hatte Wilber sich vor gut 30 Jahren (das Buch ist 1981 auf Englisch erschienen) viel vorgenommen. Es ist nämlich nichts weniger als der Versuch, die ganze psychische und spirituelle Ontogenese als auch die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit in einem weg zu erzählen und anhand eines Systems aufsteigender mental-spiritueller Fähigkeiten alle Kultur- und Geistesäußerungen des Menschen einzuordnen, zu beschreiben, zu erklären, und darüberhinaus noch eine Vorhersage zu ermöglichen, wohin sich die mental-spirituellen Kräfte des Menschen noch entwickeln könnten. Wilber geht dabei zweigleisig vor; einerseits beschreibt er die mental-spirituelle Evolution der Mehrheit der Menschen über die Jahrtausende hinweg, weist ihnen hinaufschreitend die archaische, magische, mythologische, u.s.w. Entwicklungsstufe zu. Andererseits beleuchtet er auch die Abfolge der jeweils höchsten, von einigen wenigen "Pionieren" verwirklichten spirituellen Stufen. So tritt in der geistigen Evolution der Menschheit zunächst der Schamane, dann der Heilige und zuletzt der voll verwirklichte Weise auf (was das im Einzelnen bedeutet erhellt die Lektüre des Buches). Von frappierender Überzeugungskraft sind dabei die Bezüge zur Kunstgeschichte, insbesondere der Symbolik der verschiedenen Zeitalter, die Wilber herstellt; das Lesen ermöglicht einen ausgezeichneten Zugang zu der Frage, was hinter der weit verbreiteten Symbolik der "großen Mutter", der "großen Göttin", der Teufelsgestalten u.ä. stehen mag. Wie die Lektüre der bedeutenden "klassischen" Perennialisten bzw. Traditionalisten (Schuon, Eliade,... u.a.) ist "Halbzeit der Evolution" ein Schlüssel zur Deutung der überkommenen, für den Modernen kaum noch verständlichen, Bilder, Symbole, Mythen und Traditionen. Dass Wilber dabei nicht hintansteht, alle ihm vorhergehenden philosophischen Deutungen der Kulturgeschichte (etwa Marxismus oder Freudianische Lehre) in, gewissermaßen, "kluger Einschränkung" zu würdigen und zugleich einen begrenzten "Ort" in seinem Meta-System der integralen Weltsicht zuzuweisen, versteht sich für den Wilber-Kenner von selbst.
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Halbzeit der Evolution: Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewußtsein
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