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Kundenrezensionen

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am 8. Januar 2009
Das essayistische Buch Willemsens beginnt autobiographisch, mit dem Tag, als sein Vater starb und er ein verirrtes Huhn zur Bäuerin zurückbrachte, dem Tag, als der Knacks in sein Leben trat, wieder einmal.
Willemsen beobachtet und erklärt den Knacks, bei sich und bei anderen; mit großer Offenheit erzählt er von einer krebskranken Freundin, von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Knacks, aber er zeigt auch Paare, deren Knacks in Cafes und Hotelräumen offenbar wird. Er zeigt Begebenheiten, nimmt Beispiele aus der Kultur, erklärt diese Phasen, die er einfach unter dem Knacks subsumiert.

Und wie er beobachtet und erklärt, das ist schon ziemlich herausragend. Bildstark und stark verdichtet, solche Sprachgewalt ist ungewöhnlich, kostet Konzentration und mehrmaliges Hören, um wenigstens den Hauptteil der Gedanken mitzubekommen. Das ideale Buch für eine Hörbuchversion ist Der Knacks" sicherlich nicht; hat man eine Formulierung gerade erst verdaut, dann hat man sicherlich auch vier weitere verpasst - und manchmal, wenn Willemsen nicht erzählt, sich im Gegenteil in der Philosophie ein wenig verliert, dann ist es wirklich schwer, dabei zu bleiben - da ist ein Hörbuch einfach unerbittlich, während man in einem Buch noch mal zurückblättern kann.
Aber die Gedanken, die man schon beim ersten Mal versteht, sind auch gleich sehr beeindruckend, oft ein bisschen pessimistisch, manchmal nah am Zynismus, aber immer auch gut beobachtet und vorgetragen - man muss mitdenken, im Geiste mitdiskutieren, Argumente abwägen, ja, dieses Buch fordert den Verstand des Hörers heraus. Sicherlich muss man nicht jeden Gedanken teilen, der gleichen Meinung sein, aber verstehen kann man, und sich auseinandersetzen muss man.

Vermutlich ist selber lesen hier wirklich von Vorteil, aber ohne Frage ist auch das Hörbuch eine echte Herausforderung, eine von den Herausforderungen, die der Kopf immer wieder braucht, um nicht einzurosten. Dafür ist Roger Willemsen dringend zu danken.
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am 18. Juli 2013
In seinem XXL-Essay "Der Knacks" berichtet Roger Willemsen von den vielen großen und kleinen Umbrüchen im Leben, großen Krisen und kleinen Veränderungen, in denen "die Zeit einen anderen Weg geht als man selbst.". Vermutlich mögen weniger Willemsen- Affine dem Text eine gewisse Selbstverliebtheit attestieren, was ich jedoch nicht als Mangel empfinde, sondern als Bereicherung. Der Mann hat etwas zu erzählen und das tut er wort- und bildgewaltig. "Der Knacks ist …ein Schub, meist bewegt er sich lautlos und unmerklich. Erst im Rückblick kann man sagen: Dann war nichts mehr wie zuvor. Eine postume Perspektive, die des Passé." (S. 20) Bereits der Mathematikunterricht des Kindes gibt eine Vorahnung, es geht noch nicht ums Substrahieren, sondern darum, dass etwas weniger wird.

Ausgehend vom Sterben und vom Tod des Vaters zieht Willemsen Verbindungen zu anderen Erfahrungen mit dem Tod, zum Unfalltod eines Mitschülers oder zum Selbstmord eines Freundes, den er im Kontext, wie von ihm ausgeführt, eher als ein "Sich-heim-drehen" denn als bewusstes Fanal für oder gegen etwas verstand.
Einzelne Kapitel könnte man bestimmten Lebenssituationen zuordnen: Kindheit, Adoleszenz, Partnerschaft, Illusionen, Außenwelt, Selbsttötung, Alter, Tod usw. Willemsen assoziiert denkwürdige oder ganz absurde Begegnungen (wie die mit dem jugendlichen Greis, der noch immer an seiner komplizierten Mutterbeziehung knabbert), vermutlich leicht verfremdete eigene Erlebnisse, argumentiert aufgrund literarischer Figuren von Fitzgerald, Musil, Conrad, Roth. Dass Hemingway hier fehlt, liegt wohl am Thema, da dessen Helden meist den Knacks nicht überleben.
Die klassischen Helden gibt es –im Gegensatz zu den Schwärmern, Zauderern oder psychologischen Menschen - nur noch in zweidimensionaler Form. Der Knacks macht den Menschen antastbar, "im Weg voran den Rückweg suchend, zielgerichtet in Umwege abbiegend, wird es ihm unmöglich, sich ganz hinter sich selbst zu versammeln."
In einem kurzen Exkurs über die Anschläge vom 11. 9. sinniert er über die Folgen. "Wo man sich der Folter zuwendet, kann man der menschlichen Phantasie bei der Arbeit zuschauen". Einem Ehrenwort sollte man per se misstrauen, es "nährt den Verdacht, die Ehre sei nichts weiter als ein Verwesungsrückstand, der beim Verfall ehemals intakter moralischer Systeme frei wird und sich schließlich verflüchtigt."

Paarbeziehungen werden analysiert, sie können den Knacks bereits zu Beginn in sich tragen oder erhalten ihn unversehens vielleicht bei einem Auftritt in der Öffentlichkeit. Dies führt zu der ironischen Betrachtung eines Herrn, der "einen Temperatursturz einer Selbstzufriedenheit" erlebt: "Frauen küssten ihn nicht, denn dazu hätte er anwesend sein müssen. Weil er aber gedankenverloren war, küssten sie sich auf ihn ein." Hm. Viel riskanter gehen zwei mit ihren Gefühlen um, die anscheinend erst durch die Reaktion von Außenstehenden verifiziert werden können. "Die Liebesszene wird also nicht durch die Liebe selbst bestimmt, sondern dadurch, dass man in der Liebe gesehen wird, ein Bild der Liebe darstellt. … Nur als Fremderleben also wäre die filmische Liebe noch genießbar. .. ich liebe als Betrachter. Darin besteht die Partizipationslogik des Boulevards, der uns sagen möchte: Das Bild des glücklichen Paares verbirgt etwas Eigentliches." (S. 105f).
Einmal bezieht sich Willemsen auf Sokrates: "Ein Tor erkennt, was er in Händen hielt, als trefflich erst, wenn es verloren ist." Aber es liegt wohl auch in der Natur des Menschen dies klar zu erkennen, wenn der Mangel ihn quält. Die "heile Welt" schwindet. Die Verluste werden zahlreicher, nicht nur Jugend, Haare, Illusionen schwinden, zunehmend auch Verstand, Nerven, Vertrauen. "Je länger man darüber nachdenkt, desto aufdringlicher werden die drohenden Verluste, ja, man hat alles, was man jetzt hat, dem Verlust abgerungen." Gefühle, Liebesbeziehungen ändern sich. Jede Liebe habe nun ihre Form von Einsamkeit: "Und was wirst du mir über das Ende der Liebe beibringen?", so der skeptische Blick der reiferen Frau auf ihren Geliebten.

In der Selbsttötung mag eine Möglichkeit liegen, den Knacks zu umgehen. Merkwürdigerweise wird die Tat in vielen Religionen tabuisiert, so als handele es sich dabei um etwas Ansteckendes. In sich schlüssig ist es nicht, beruht doch die christliche Religion auf dem Opfertod Christi, quasi eine Selbsttötung für die anderen.
"Nicht im Selbstmord also wird der Knacks scharf gestellt, sondern im Fortleben. Verdammt zu sein zum Fortleben, das ist die Voraussetzung dafür, dass der Knacks überhaupt sichtbar wird – in Komplexen der schwindenden Lebenskraft, im Faltenwerfen, Ermüden, Kapitulieren, in der Enttäuschung, der Resignation, lauter Phänomenen des Alters, in jedem Alter." (S. 250). Der Kreis schließt sich mit einem Krankenbesuch bei der Bäuerin, der er im ersten Kapitel begegnet war.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden (eine Phrase, die unappetitlich oft von Wundenschlägern bemüht wird), sie befähigt einen, mit Schmerzen besser umzugehen. Der Text gemahnt an die eigenen Wunden, den Tod der Eltern, den Verlust des Geliebten, der sich ohne Zerwürfnis oder Vorwarnung einer anderen zuwendet, den "Ermüdungsbruch" in einer einst innigen Freundschaft, das Zerbröseln von Lebensträumen. Nie zuvor las ich etwas derart (im wahrsten Sinne des Wortes) Erhellendes über die dunklen Seiten des Lebens. Wer allerdings eine kurze, stringente Abhandlung erwartet, wird enttäuscht. Freunde mäandernder Gedankengänge und hypotaktischer Texte werden reich belohnt.

Manchmal anstrengend, oft berauschend, immer lesenswert. Ein Begleiter fürs Leben.
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am 30. Juli 2012
Ich bin über die diversen Rezensionen sehr überrascht, da ich das Buch fantastisch fand.
Nachdem man sich erst einmal mit dem Aufbau abgefunden hat (kleine recht zusammenhanglose Episoden anstatt einer Geschichte), ist es für mich ein reines Lesevergnügen gewesen.
Diese ganzen kleinen Geschichten sind teilweise banal, teilweise unterhaltsam und teilweise sehr intellektuell erschlossen.
Willemsen ist ein sehr guter Beobachter, der sich in verschiedene Situationen hinein versetzen kann. Er schafft es, trotzdem Geschichten sehr kurz sind, sowohl die Charaktere als auch die Atmosphäre so zu schaffen, dass man genau den Kern versteht.
Er zeigt den "Knacks" in allen möglichen Variationen auf.
Meiner Meinung nach haben die Geschichten auch manchmal etwas tragisches, das er sehr nüchtern aufschreibt. So muss man selber darüber nachdenken, um eine Erkenntnis zu gewinnen.
Ich werde das Buch mit Sicherheit noch einmal lesen und empfehle es denjenigen, die sich gerne mit Menschen beschäftigen und sich auch nach ihrer Geschichte fragen, wenn ihnen fremde Menschen in ihrem Alltag begegnen.
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Willemsen lese ich sehr gern und ungern zugleich. Er ist ausgesprochen belesen, gebildet, viel in der Welt herum gekommen und hat einen Blick für Menschen und Situationen. Er macht sich viele Gedanken und regt einen mit seinen Gedankenspielen an. Sein Schreibstil ist allerdings nicht Jedermanns Geschmack. Willemsen wirkt in seiner "Schreibe" eitel und gekünstelt verspielt (vor allem mit seinen fast erzwungen immer wieder verwendeten Wortspielereien).

Auch in diesem Buch über den Knacks (Der Knacks ist der Wendepunkte vom Werden zum Vergehen) ist er für mich am Besten, weil am Anregendsten, in seinen Anekdoten und Beispielen, von denen es sehr viele gibt (!) - am Schlechtesten in seinen überfrachteten, mit Fremdwörtern bespickten, immer wieder Wortspielereien suchenden Sätzen, die eher verwirren denn Klarheit schaffen. "So zu sprechen, dass einen niemand versteht, ist keine Kunst. Intelligenz zeigt sich darin, für jedermann verständlich zu sein." Diesen Satz von Klüpfel/Kobr sollte Willemsen mehr berinnerlichen.

Der Knacks ist der Wendepunkte vom Werden zum Vergehen. Es ist der Beginn vom Abschiednehmen. Abschiednehmen von den Möglichkeiten, die man nicht mehr wahrnehmen kann. In der Jugend macht man sich nicht allzu viele Gedanken über die Endlichkeit der Möglichkeiten oder des Lebens. In der Mitte des Lebens stellen sich dann aber kleine Erkenntnisse ein, die einem diese Endlichkeit vor Augen führen. Zumeist nicht als ein schockierendes Erlebnis, sondern in vielen kleinen "Niederlagen" wie dem endgültigen Abschied von einem Traum, einer Liebe, der nachlassenden Sehkraft, der Entdeckung der Langsamkeit, weil die Kinder plötzlich schneller laufen können usw. All diese kleinen und großen Haarrisse stellen jeweils einen "Knacks" dar.

Ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum Denken anregt. Allerdings mit den beschriebenen "Eigenheiten" von Willemsen's Schreibstil. Ein Beispiel zum Schluss von S. 208 "Die Gesichter der Menschen gewinnen etwas Bürokratisches in der Furcht vor der Ausbreitung der Untauglichkeit in ihrem Innenleben. Einige kapitulieren gerade mitten in der Blüte oder knospen schon welk." Wer Sätze wie diese ertragen kann, wird dieses Buch lieben.
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am 8. Januar 2009
Ich kenne Roger Willemsen vor allen Dingen durch seine Präsenz im Fernsehen. Dort lernte ich ihn in erster Linie als einen sehr empathischen und intelligenten Interviewer kennen.
Auf seine aktuelle Veröffentlichung stieß ich durch Zufall. Da mich sowohl das Thema, als auch der Autor interessierten kaufte ich das Buch sofort und begann es mit großer Neugierde zu lesen.
Nach kurzer Zeit machte sich Enttäuschung in mir breit. Seine weitschweifigen Gedanken welche er niedergeschrieben hat, gehen in weiten Abschnitten in ein freies Assoziieren über, so dass mitunter der Leser mit der Frage zurückbleibt, was wollte mir der Autor damit sagen? Leider musste ich mir diese Frage immer mal wieder stellen. Roger Willemsen hat seinen Gedanken freien Lauf gelassen und dabei meines Erachtens zu wenig an seine Leser gedacht, oder hatte er nur eine sehr kleine hoch intellektuelle Zielgruppe vor Augen? Das ist in meinen Augen sehr bedauerlich, denn es handelt sich um eine hochinteressante Thematik, welche der Autor vor dem Hintergrund der eigenen Biographie abhandelt, aber auch auf die verschiedensten Bereiche überträgt und diskutiert.
Bei aller Kritik hat dieses Buch aber auch seine Stärken. Dies sind für mich in erster Linie die autobiographischen Anteile und die Abschnitte, in welchen Willemsen sich in seinem Denken und Fühlen dem Leser offenbart. In diesen Passagen wird es ein sehr persönliches Buch. Genau diese Passagen sind es, die mich als Leser angeregt haben, über die eigene Person zu reflektieren über die Brüche und Veränderungen in der eigenen Biographie.
Wenn man mich zuletzt fragt, ob ich dieses Buch empfehle, so kann ich keine eindeutige Antwort geben. Es wäre vermessen, dieses Buch abzulehnen oder als schlecht zu bezeichnen. Es bleibt der Respekt vor dem Autor, der sich in seiner Persönlichkeit dem Leser weit öffnet und damit zur Selbstreflexion anregt, es bleibt aber auch der Hinweis darauf, dass dieses Buch dem Leser sehr viel abverlangt.
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am 26. November 2008
Eine wohlgelungene, aber schwer verdauliche und nachhaltige Kost, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist.
Schon während der ersten Seiten dieses Buches zwingt das Gelesene den Leser, sein eigenes Leben zu überdenken. Man fängt an, den Knacks in sich zu suchen, wann er stattfand und was ihn auslöste.
Ein empfehlenswertes Buch für Menschen, die sich nicht scheuen mit offenen Augen in ihre eigenen innerlichen Abgründe zu sehen.
Leider sind an einigen Stellen im Buch derartig lange Schachtelsätze eingebaut, dass ich am Ende eines solchen Satzes nicht mehr wußte, was am Anfang stand. Aber ansonsten ein wohlgelungenes Werk und jeder, der dieses Buch gelesen hat, wird die Welt mit anderen, sensibilisierten Augen sehen.
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am 3. November 2008
Roger Willemsen der die Beobachtungen und die Veränderungen des Menschen mit sozialer Kompetenz, Empathie und intellektuellem Background auf die wesentlichen entscheidenden Momente eines Menschenlebens konzentriert, schlägt einen wundervollen Bogen über die Veränderungen des Menschenbildes und die schleichenden durch homöopathische Dosierungen prägenden Lebenseinflüsse. Was verändert plötzlich ein Lebensgang? Wie erfolgt die schleichende Erosion des Liebenden? Wie verändert der Tod in der Familie das eigene Leben? Wie haben sich die Menschen in unserer Zeit durch kommunikative Gesten verändert? Neben vielen Fragen tauchen die Antworten in Form minutiöser Beschreibungen und kuriosen Ereignissen in das Blickfeld.
Man fühlt, das dieses Buch auch die Bewältigung einer Krise, des eigenen Knacks, gewesen sein muss.
Innerlich und äusserlich reisend nährt sich Roger Willemsen an der Beobachtung von Szenen, Gegebenheiten und Menschen um die eigene Veränderung zu verarbeiten
Ein Buch mit viel Licht und Schatten, geöffneten und geschlossenen Vorhängen. sprachlich-kaleidoskopisch und tief. Danke für dieses Buch.Der Knacks
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am 11. November 2011
Dieses Buch ist genial. Es spricht nicht nur von dem Knacks, es lässt ihn spüren, macht ihn wahrnehmbar, deckt ihn auf, konfrontiert im Akt des Lesens mit den eigenen Rissen in sich selbst, setzt den Knacks gleichsam unter Strom. Im Sinne Willemsens: Die Blaupause, die ich als Kind als Vollendung meines nie geworden sein werdenden Selbst vor mir sah, gewinnt vor dem inneren Auge Kontur im Vollzug ihres eigenen Vergehens. Ein performativ wirkendes Buch für alle, die sich dem eigenen Vergehen Müssen innerlich stellen. Sie werden nach der Lektüre andere sein.
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am 18. Februar 2013
Ich bin ein großer Bewunderer von Roger Willemsen, aber dieses Buch find ich formal und inhaltlich stellenweise sehr problematisch. Zu oft verheddert sich R.W. in dunklen, geschmackvollen, aber letztendlich uneigentlichen Phrasen, die in viele Richtungen interpretierbar sind. Zu oft vermutet R. W. hinter seinen Thesen allgemeingültige, d.h. auf alle Menschen anwendbare Erkenntnisse; wer ein Grundstudium Philosophie absolviert hat sollte wissen, das Allaussagen, angewendet in der realen Welt, nicht selten zu Bullshit (Danke, Mr. Frankfurt!) führen. Die Welt, das Leben, der Mensch bzw. das menschliche Wesen sind in ihrer Gesamtheit viel zu komplex, um auf einen einfachen Nenner gebracht werden zu können. Wer das mißachtet, droht im Esoterik- und Lebenshilfe-Nirvana zu enden.

Stark und von großer Intelligenz und Weißheit geprägt ist das Buch an den Stellen, wo R.W. aus dem realen Leben erzählt bzw. konkrete Bezüge zur Welt knüpft. Dafür drei Sterne, den Rest kenn ich leider zur Genüge aus meinem Grundstudium Philosophie...
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am 18. April 2016
Roger Willemsens "Knacks" ist meines Erachtens ein brillantes Werk. Weil feinsinnig, weil genau beobachtend, weil reflektierend, weil rührend, weil klug. Zudem von einer sprachlichen Präzision und Ästhetik, die ihresgleichen sucht.
Unter den Rezensionen fand sich immer wieder die Aussage, der sprachliche Stil werde als "gestelzt" oder "zu bemüht" empfunden. Hierzu sei gesagt, dass sich, wer seine Sendungen und Interviews kennt, auch Roger Willemsens Rede auf einem wesentlich höheren Niveau als dem der meisten bewegte und er auch hier die ganze Bandbreite der deutschen Sprache ausnutzte. Von einem krampfigen "Bemühen" kann hier also keineswegs die Rede sein. Wer einen solchen Stil wiederum als "gestelzt" empfindet, sollte ggf. doch lieber bei "50 Shades of Grey" oder "Der Vollidiot" bleiben und wird höchstwahrscheinlich mit Hochliteratur und deren in aller Regel facettenreichen und pointierten Sprache nie viel am Hut oder schlichtweg noch keinerlei Berührungspunkte gehabt haben.
Für all jene, die genau diesen Stil, gepaart mit Intertextualität, einer tiefen und vielschichtigen Auseinandersetzung mit den Dingen, dem Sein, lieben, ist es ein Leckerbissen.
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