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am 6. Juni 2014
"Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet". Mit diesem Satz beginnt Peter Stamm seinen Debütroman "Agnes" aus dem Jahre 1998.
Die Worte drängen zum Weiterlesen. Auf den 150 Seiten erwartet den Leser die scheinbar objektive Schilderung einer unterkühlten Liebesbeziehung. Aus der Sicht des Ich-Erzählers beschreibt Stamm die Beziehung zu der 25-jährigen Physikstudentin Agnes. Der namenlose Erzähler ist ein Schweizer Sachbuchautor, der in Chicago über Luxuseisenbahnwagen recherchiert. In der Bibliothek lernt er Agnes kennen. Sie werden schließlich ein Paar und nach einiger Zeit fordert sie, dass er ein Porträt von ihr in Form einer Geschichte verfasst. Als der Erzähler mit seiner Erzählung in die Zukunft vorstößt und immer mehr in dieser Fiktion lebt, wird Agnes zu seinem "Geschöpf". Er verliert die Kontrolle über Fiktion und Wirklichkeit, was schließlich zum Scheitern der Beziehung und zum (fiktionalen?) Tod von Agnes führt.

Der Roman, in der kalten Großstadt Chicago verortet, thematisiert anhand der vorgestellten Liebesbeziehung die Kommunikationslosigkeit und Beziehungsunfähigkeit unserer modernen Zeit. Geschickt unterstützt durch den sachlichen, prägnanten Sprachstil und den schlichten, beinahe konstruierten Aufbau zeigt Stamm die Kälte und Isolation der modernen Gesellschaft (insbesondere der Großstädte). Ebenso thematisiert er in seinem Werk die Verschmelzung von Imagination und Wirklichkeit und das Flüchten in eine fiktive Parallelwelt: die geschriebene Geschichte.

Diese Themen scheinen mir sehr aktuell, da durch die intensivierte Nutzung des Internets und anderer moderner Medien die persönliche Kommunikation, vor allem auch zwischen Fremden, abnimmt. Desweiteren leidet die Sprache darunter, da geschützt durch mediale Distanz hauptsächlich im kurzen, sachlichen Telegrammstil kommuniziert wird und die Gefühle in den Hintergrund treten.
Daran erinnert der Roman insofern, als dass der Ich-Erzähler die Liebesgeschichte und seine Gefühle in den Computer tippt, was im Gegensatz zur Realität steht, wo er diese Beziehung bzw. seine Emotionen eben nicht zulassen kann.

Der Roman ist sehr empfehlenswert, da er auf sowohl inhaltlich wie sprachlich moderne Weise die heutige Gesellschaft mit der drohenden Isolation des Menschen in der Großstadt und die damit verbundene emotionale Kälte spiegelt. Er zeigt, wie wir in unserer vom Indivualismus geprägten Zeit schließlich auf uns selbst zurückgeworfen werden und alleine sind.

Trotz heftiger Kritik vieler an der anscheinend ereignislosen Handlung und dem beinahe langweiligen Sprachstil verstecken sich hinter dieser schlichten Fassade doch viele wichtige Themen und Details, die den Roman zu einem Meisterstück machen. Dieses zutiefst moderne und zeitgenössische Werk ist zu Recht Pflichtlektüre des baden-württembergischen Abiturs.

(c) Diese Rezension ist von einer Schülerin der 11. Klasse im Rahmen des Deutschunterrichts an einem Gymnasium in Baden-Württemberg entstanden.
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am 10. Juni 2002
Peter Stamms Roman „Agnes"
In der Bibliothek beim recherchieren über Luxuseisenbahnwagen trifft er sie zum ersten Mal. Aus einer gelegentlichen Zigarette auf der Treppe vor dem Lesesaal entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem schweizer Fachbuchautor und der amerikanischen Physikstudentin Agnes. Aus der Freundschaft wird eine Liebesbeziehung, welche das Paar mit einer parallel laufenden und erfundenen Geschichte zu würzen versucht. Immer mehr jedoch werden sie gefangen in den von ihnen ausgedachten Szenarien und das Wirkliche beginnt mit der Fiktion zu verschmelzen.
In seinem Debütroman „Agnes" erzählt Peter Stamm vordergründig eine Liebesgeschichte. Doch die zuerst unschuldig erscheinende Beziehung entwickelt sich immer mehr zu einer Auseinandersetzung über existenzielle Grundthemen wie Identität und Tod. Der Autor beschreibt auf zuerst oberflächlich erscheinende Art und mit teils grausam kurzer und einfacher Sprache die Schwierigkeiten von Distanz und Nähe zwischen zwei Menschen sowie die Suche nach dem tiefsten Kern vom Leben und Ableben. Stamm arbeitet stark mit Gegensätzen und lässt seine Geschichte gleichzeitig auf zwei Ebenen laufen. Zum einen die Realität und zum anderen die Fiktion, die vom Erzähler, welcher nie mit Namen genannt wird, fortlaufend geschrieben und neu erdichtet wird. Die Fiktion dient dem Paar nicht nur als Fluchtpunkt in eine aufregendere Welt, sondern auch als Ablenkung der wirklichen Konflikte und Unzufriedenheit in der Beziehung. Eine Unzufriedenheit die der Autor sehr subtil und realistisch vermittelt. Er braucht dazu äusserst knappe manchmal ziemlich harsch wirkende Dialoge. Es sind kleine Details die den Leser langsam dazu bringen am Glück des Paares zu zweifeln. Agnes scheint allgemein mit ihrer Situation unzufrieden. Sie mag das Hochhaus nicht indem sie zusammen wohnen, hat Angst vor diesem und jenem, hat wenig Freunde, Probleme mit ihren Eltern und scheint eher gedämpft und wenig enthusiastisch. Auch der Erzähler sprudelt nicht gerade vor Lebensfreude und Leidenschaft. Seine Gedanken sind eher melancholisch, seine Worte hart und ehrlich und seine Gedankengänge durchaus nachvollziehbar, wenn auch manchmal sehr egozentrisch. Dies führt zu einer Sprache, die als eine Mischung von Beichtgeständnis und Erklärungsversuch verstanden werden kann, was angesichts des starken Einstiegs in das Buch nicht überrascht. Die Geschichte beginnt mit den Worten: „Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet. Nichts ist mir geblieben als diese Geschichte."
Der Sinn des Todes
Der Tod ist in „Agnes" allgegenwärtig und wird immer wieder zur Sprache gebracht. Auch hier arbeitet Stamm subtil, macht die Frage nach dem Sinn des Todes zwar zu einem Schwerpunkt in seinem Roman, überschüttet den Leser aber nicht mit philosophischen, schweren Dialogen, sondern streut hier eine Bemerkung, da eine Frage, hier eine tote Frau auf der Strasse, da eine Fehlgeburt. Dennoch spürt man als Leser, wie sich das Paar immer mehr in die Enge treibt, die Luft trüber, und der Tod allgegenwärtiger wird. Zur Vorwarnung kommt es schliesslich als Agnes schwanger wird. Der Erzähler, welcher damit überfordert ist, löst sich mit seiner machoartigen Reaktion aus der Beziehung und der Verantwortung. Die Schwangerschaft endet mit einem ungewollt toten Fötus was Agnes in eine tiefe Krise stürzt. Sie wird krank und der Erzähler nimmt sie wieder bei sich zuhause auf. Die Trauer um das verlorene Kind probieren die Beiden damit zu übertuschen dass sie sich weiter in eine Traum-welt flüchten. Sie erfinden ihre Geschichte mit dem Kind, schliesslich mit einem Zweiten, gehen Kinderkleider und Puppen kaufen und scheinen alsbald mehr interessiert an Ihrer Geschichte als an ihrem richtigen Leben.
Ende gut - Alles gut?
Doch bald sieht sich der Geschichtenschreiber mit einem Dilemma konfrontiert. Liebesgeschichten die von einer glücklichen Partnerschaft handeln und im Sinne von „und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie sich heute noch" enden, sind langweilige Geschichten. Zwar wünscht sich der Erzähler nichts anderes als eine solche Geschichte, dennoch regt sich in ihm ein Gedanke, dass es so nicht sein wird. Das erste Ende, welches der Autor eher unbewusst schreibt, handelt davon wie sich Agnes auf den Weg in den Wald macht, in dem man sich für immer verlieren kann, wie sie einst sagte. In ihren dicken Wintermantel einge-wickelt verlässt sie langsam die Zivilisation, entfernt sich Schritt für Schritt vom Leben. Doch dieses Ende ist zwar literarisch gesehen perfekt, passt aber nicht in seine Wunschvorstellung vom Ende wie er es sich in der Realität wünscht. „Ich musste endlich ein Ende finden für Agnes, einen guten Schluss." So schreibt der Autor noch ein zweites, für Agnes bestimmtes Ende, ein Happyend nach hollywoodschen Vorstellungen. Die Frage ist nur, welcher Schluss der realitätsnahere ist. Und was wird passieren, wenn Agnes zufällig den zweiten Schluss zu lesen bekommt?
Die Gefahr der Fiktion
Beim lesen von Agnes ist einem immer ein wenig bange. Der schnelle Szenenwechsel, die kurzen Dialoge und die knapp eingesetzte Sprache machen dieses Buch zu einem der kurz-weiligsten dass ich seit langem gelesen habe. Dem Autor ist es gelungen mit der Sprache und dem cleveren Aufbau der Geschichte dem Leser eine Welt vorzutäuschen die viel oberfläch-licher scheint als sie wirklich ist. Er lockt uns sozusagen in eine tödliche Falle, von der wir zwar etwas erahnen müssten, angesichts der Information zu Beginn der Geschichte. Doch nicht nur das Protagonisten-Paar übersieht die unangenehmen Realitäten, auch der Leser verdrängt die heranziehenden dunkeln Wolken und flüchtet mit dem Paar in die unberechenbare Welt der Phantasie. So ist es keineswegs verwunderlich, wenn das Ende, trotz aller vorangehenden Information und Warnung wie eine Bombe einschlägt und einem für Stunden nach dem Lesen lahm legen kann. Stamm gelingt es vorzüglich, den Leser dazu zu bringen, freiwillig - aus Lust an der Geschichte - seine Vorahnung zu ignorieren um sich der Macht der Worte und der Fiktion zu ergeben, möge passieren was wolle.
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am 8. März 2007
"Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.", so beginnt der Debütroman des Schweizer Autors Peter Stamm.

Falls Sie, lieber Leser, meinen, dass Sie nach diesem plötzlichen Einstieg bereits den Verlauf und das Ende des Romans kennen, müssen wir Sie leider enttäuschen.

Es ist absolut lohnenswert diese gelungene, überaus originelle sowie wortgewandte Liebesgeschichte zweier grundverschiedener Personen mit unterschiedlicher Lebenseinstellung zu lesen. Das Paar schafft es nie das distanzierte Verhältnis, das ihre Beziehung beherrscht, zu lösen. Um die Distanz zu überwinden, fordert Agnes eines Tages ihren Geliebten auf, eine Geschichte über ihr gemeinsames Leben zu schreiben.

Nach und nach verschmelzen Realität und Fiktion, was ihre Beziehung gefährdet. Sie versuchen ihre Beziehung nach dem im Buch beschriebenen Verhältnis zu imitieren und möglichst zu retten, was ihnen jedoch nicht gelingt und schließlich im Chaos endet.

Durch das erste und letzte Kapitel erhält der Roman seinen Rahmen, wobei die beiden Anfangssätze: "Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet." das scheinbar offene Ende vervollständigen.

S. Dengler, K. Westmeier, A. Kramer
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am 2. April 2000
Das Buch ist traumhaft. Bei der Begegnung zwischen dem männlichen Ich-Erzähler und Agnes ist von vorneherein klar, dass sie unglücklich ausgeht, und Peter Stamm hält diese Stimmung ganz geschickt aufrecht. Die beiden haben zwar jede Menge glückliche Momente, sie werden aber immer durch (eigentlich lapidare) negative Elemente abgeschlossen. Nach der ersten gemeinsamen Nacht in seiner Wohnung steht Agnes mitten in der Nacht vor den verschlossenen Fenstern der Wohnung, die nicht geöffnet werden können, weil die Wohnung klimatisiert ist. Nach einem (eigentlich schönen) Ausflug in einem Naturpark kommen die beiden noch an einer verlassenen Siedlung vorbei, die eine sehr bedrückende Stimmung ausstrahlt, und auf der Heimfahrt regnet es auch noch. Beim Drüberlesen nimmt man das gar nicht so richtig war, aber irgendwann fragt man sich, warum die Grundstimmung dieses Buches so traurig ist, obwohl die beiden doch miteinander glücklich zu sein scheinen.
Der Ich-Erzähler schreibt zuerst die (Vergangenheit der) Geschichte der beiden auf, um dann die Gegenwart zu überholen und die Zukunft vorzuzeichnen. Zu dieser Zeit ist Agnes schwanger, die beiden trennen sich, Agnes hat eine Fehlgeburt. Danach kommen sie wieder zusammen. Der Ich-Erzähler sieht, dass mittlerweile einiges schiefgelaufen ist und beschreibt in seiner Geschichte eine glückliche Beziehung (mit Kind). Von hier an ist es tragisch mit anzuschauen, wie die beiden diesem vorgeschriebenen Glück hinterherlaufen (z.B. für ihr Kind Kleidung und Spielzeug kaufen), aber dann doch merken, dass sie dieses Glück nie erreichen werden. Die Lüge der Realität - unter diesem Motto endet die Begegnung der beiden...
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am 5. November 2015
Da ich dieses Buch in der Schule lesen "durfte" könnte man sagen ich bin von Anfang an nun mal ein wenig voreingenommen gewesen.
Objektiv betrachtet muss ich aber sagen, es ich nun mal für mich persönlich ein zu "flaches" buch.
Im Gegensatz zu Homo Faber, der ein wenig tiefgreifender ist, und Dantons Tod, das wenn man es genau analysiert eine unglaubliche Tiefe besitzt (was aber im Schulunterricht nicht so weit gehend betrachtet werden kann leider) hat Agnes viel häufiger stellen an denen man eben einfach nur liest... ohne wirkliche tiefe.

Das Buch erzählt davon wie ein 40 Jähriger Sachbuchautor eine 25 jährige Physik Studentin trifft. Beide Verlieben sich, haben aber ein eigenartiges Verhältnis, dann wird das Leben der Jungen Agnes in ein Buch geschrieben welches ab einem Zeitpunkt in die Zukunft rein schreibt, Agnes richtet sich ab da nach diesem Buch und verhält sich so wie ihr ich sich im Buch verhält, dies löst Spannungen zwischen dem Autor und Agnes aus und endet in einer Tragödie.

Bis auf den etwas komplizierten Schreibstil Peter Stamms ist das Buch eigentlich sehr simpel gehalten, für mich zu simpel weswegen ich auch hier nur 2 Sterne vergebe.
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am 2. April 2013
Das Buch führt die die Liste der langweiligsten Schullektüre an.
Es ist emotionslos, langweilig und steril geschrieben. Leute, die wenig zu tun haben, werden Spaß daran haben, dass Buch 6 mal zu lesen in der Hoffnung ein klitztkleines bisschen Sinn zu finden.
Die Idee "Vermischung von Fiktion von Fiktion und Realität" wurde schon so häufig behandelt, dass man erwarten könnte, etwas brauchbares zu bekommen. Stattdessen gibt es eine völlig nichtssagende, nervende Geschichte, von einem alten Ich Erzähler und einer Studentin mit sehr vielen Komplexen. Alle Personen machen aggresiv, weil sie nicht in der Lage sind, vernünftig zu handeln. Die Handlung an und für sich ist unspektakulärer als das Leben eine Goldfisches. Ein alter Schweizer (dass erklärt schonmal vieles) macht sich an eine junge, sozial isolierte Studenten ran. Weil beide nichts zu tun haben, tippt er eine Geschichte. Danach kommt Schema F. Er beginnt eine Affäre. Sie wird schwanger (und noch depressiver). Er verlässt sie. Sie verliert dass Kind. Sie wird noch depressiver. Sie kommen wieder zusammen. Sie stirbt (endlich).
Die Sätzte sind sehr einfach gehalten und der Wortschatzt entspricht ungefähr vom Umfang her dem der Bild Zeitung. Man ist also schnell fertig (und dass ist dass einzig gute am "Roman").
Wir mussten das Buch im Abitur lesen. Interesse an ähnliche Romanen wurde nicht geweckt, im Gegenteil, es ist uns eine Warnung.
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am 19. Oktober 2005
1. Ausgangslage
Agnes, ist eine amerikanische Physikstudentin, die alleine, isoliert und von den Eltern verlassen im kalten, zugigen Chicago lebt und in der Public Library von Chicago an ihrer Dissertation arbeitet. Dort wechselt sie die ersten Blicke mit ihm, dem Ich-Erzähler, einem Schweizer Sachbuchautor, der dort für eine Geschichte über amerikanische Luxuszüge recherchiert. Die beiden kommen sich auf der Aussentreppe näher. Sie ziehen zusammen in ein Hochhaus, in eine Wohnung hoch oben.
2. Geschichte im Roman
Eines Tages fordert sie, die leicht Kränkliche, ihn auf, über sie und ihre gemeinsame Geschichte zu schreiben. Diese Geschichte innerhalb des Romans und die Realität vermischen sich insofern, als sie für Agnes zunehmend handlungsleitend wird, als die Fiktion in ihre Existenz eingreift.
Diese Geschichte im Roman ist die formelle Besonderheit des Romans, die von Peter Stamm virtuos gehandhabt wird, die auch Anfang und Ende nahtlos verbindet. Sehr speziell und reizvoll!
3. Liebe nur literarisch
Wie sich diese Zwei bemühen, umgängliche, normale, warme Menschen zu werden, wie das in der Geschichte literarisch geprobt wird, wie sie indessen in der Realität nicht aus ihrer Haut schlüpfen können und scheitern, das ist anrührend und tragisch. Die Liebe zeigt sich nur in der literarischen Fiktion.
4. Modern in jeder Hinsicht
Ein modernes, kleines, gutes Stück Prosa, das keine grosse Wärme ausstrahlt, aber gute Lektüre abgibt für ein paar Stunden. Modern insofern, als weibliche und männliche Zeitgenossen die Geschichte bevölkern, modern auch in formeller Hinsicht, reizvoll geschachtelt, nur mit dezenter Symbolik ausgestattet. Zeitgenossen insofern, als die grossen Gefühle eingezirkelt bleiben, die Personen keine Gesellschaftstiger sind und in der kleinen Welt kleine Anlässe grosse Folgen zeitigen. Die Helden sterben nicht mehr mit Getöse in der Schlacht; traurig bleibt es.
Der Roman war übrigens einmal im Literarischen Quartett, als es dieses noch gab: Selten gab es in diesem Kreis so viel unstrittiges Lob für einen Roman.
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am 22. Februar 2016
Anfangs war ich gespannt, was mich auf 153 Seiten wohl erwartet.. und ich muss sagen, ich war überrascht, dass mich das Buch so sehr in seinen Bann gezogen hat.
Stamm weiß den Leser zu fesseln und immer wieder zum Nachdenken anzuregen.
Seite 24 "Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben. Ich habe Angst vor dem Tod - einfach, weil dann alles zu Ende ist."
Seite 71 "Die Zivilisation ist nur eine dünne Haut, die sofort reißt, wenn man sie nicht mehr pflegt."
Der Wechsel zwischen wörtlicher und indirekter Rede gibt dem Buch mehr Spannung, was durch den Ich-Erzähler noch verstärkt wird.
Erst am Schluß versteht man den Anfang wirklich.. und durch diese Tatsache ist es auch eine runde Geschichte. (manch einer meint, es sei ein offenes Ende zum zu viel Nachdenken, aber ich finde das Ende einfach nur passend)
"Agnes" ist keine Lektüre für zwischendurch, auch wenn es sich schnell und flüssig liest. Meiner Meinung nach hat es sehr viel Tiefgang.
Ich werde es auf alle Fälle weiter empfehlen!

©2012
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am 7. Dezember 2000
Die Grundidee: Literatur beeinflusst unser Leben. Ein junger Schriftsteller beschreibt die Geschichte seiner Liebe zu Agnes. Während des Schreibens holt er die Gegenwart ein und schreibt nun weiter in die Zukunft, versucht durch sein Schreiben das Ende der Liebesgeschichte bewusst und nach seinen eigenen Wünschen und denen von Agnes zu gestalten, doch die Geschichte verselbstständigt sich , ein erschreckendes Ende wird dem Verfasser der Geschichte geradezu aufgezwungen. Die Hauptfigur der Liebesgeschichte Agnes fügt sich diesem Diktat und geht den tragischen Weg, den ihr die geschriebene Geschichte darlegt, bewusst bis zu ihrem tödlichen Ende. Ich habe diesen Roman fasziniert gelesen, finde allerdings die Gestalt der Agnes unrealistisch. Der ganze Roman erscheint mir als "Kopfgeburt", doch auf jeden Fall lesenswert und anregend.
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am 29. November 2013
Schweizer in USA, verguckt sich in jüngere Amerikanerin. Das gab's schon mal, aber viel, viel besser in Max Frischs "Montauk". Stamm hingegen kommt bemüht bedeutungsschwanger daher, ein drittgradiger Frisch-Abklatsch. Und den Gegensatz Fiktion - Realität, bzw. das Verwechseln von beidem, das ist ja auch nicht gerade originell. Letztendlich ein langweiliger Quark, der den Schülern, die dies lesen müssen, die Lust an Literatur effektiv verdirbt.
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