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Kundenrezensionen

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Es geht in diesem Buch um einen alternativen Ansatz zum Verständnis elementarer biologischer Vorgänge, durch die wir zu Wissen bzw. Erkenntnis gelangen. Die Neurobiologen Maturana und Varela versuchen lebende Systeme als den Prozess zu verstehen, der diese verwirklicht, und sie nicht durch die Beziehung zu ihrer Umwelt zu erklären.

Um einen vorurteilsfreien Einstieg zu ermöglichen, thematisieren die Autoren gleich zu Beginn die "Versuchung der Gewissheit". Im Alltag verlässt der Mensch sich auf seine Wahrnehmung und ist sich möglicher blinder Flecken (Beispiel Auge) nicht bewusst. Das Erstaunliche am blinden Fleck ist, dass uns trotzdem eine geschlossene Welt präsentiert wird. Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen. Maturana und Varela beschreiben das Phänomen des Erkennens auf konstruktivistische Art. Jeder Akt des Erkennens bringt eine Welt hervor.

In weiteren Kapiteln geht es um die Organisation des Lebendigen. Die Eigenart von Lebewesen ist, dass sie sich permanent selbst erzeugen. Die zugrunde liegende Organisationsform ist die Autopoiese. Lebende Systeme realisieren sich als Produkte ihrer eigenen Operationen. Das Sein und das Tun einer autopoietischen Einheit sind untrennbar verbunden, und dies bildet ihre spezifische Art von Organisation. Dieser Denkansatz ist wegen der Selbstbezüglichkeit nicht leicht zu verstehen.

Eine Erkenntnistheorie soll zeigen, wie das Erkennen die Erklärung des Erkennens erzeugt. Hier schließt sich der Kreis. Es gibt keinen festen Bezugspunkt. Wenn wir die Existenz einer objektiven Welt voraussetzen, die von uns als den Beobachtern unabhängig und die unserem Erkennen durch unser Nervensystem zugänglich ist, dann können wir nicht verstehen, wie unser Nervensystem eine Repräsentation dieser unabhängigen Welt erzeugen soll. Setzen wir jedoch nicht eine von uns als Beobachtern unabhängige Welt voraus, scheinen wir zuzugestehen, dass alles relativ ist und dass alles möglich ist, da es keine Gesetzmäßigkeiten gibt.

In dem Buch geht es nicht nur um einen alternativen Vorschlag zum Verständnis elementarer biologischer Vorgänge, sondern auch um einen neuro-philosophischen Ansatz. Genau genommen wird die von Mystikern behauptete Einheit von Subjekt und Objekt und damit die untrennbare Ganzheitlichkeit des Seins begründet. Man kann zum Konstruktivismus stehen, wie man will: Das Buch ist sehr zu empfehlen.
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am 7. Dezember 2014
Wer sich schon mit dem Konstruktivismus in der Erkenntnistheorie beschäftigt hat und nun seinen Blickwinkel verändern bzw. die Sichtweise erweitern möchte, ist wärmstens eingeladen, sich dieses Werk genauer anzuschauen. Maturana und Varela werden hier oft zitiert, v.a. auch bei systemtheoretischen Überlegungen und deren Anwendungen (etwa systemischer Therapieansatz).
Ich bin persönlich absolut davon gefesselt, auf welche Art und Weise sich mir Assoziationen beispielsweise zwischen Informationsverarbeitungsprozessen auf höherer (neuronaler / sensorischer / kortikaler) Ebene und zellulärerer Ebene zu erschließen scheinen. Dies macht ja auch Sinn, da unsere kleinste, funktionelle Einheit ja die Zelle ist. Daraus dann wieder Rückschlüsse auf die Wahrnehmung zu wagen ist für mich ein äußerst fruchtbares Unterfangen.

Der einzige (kleine) Wermutstropfen ist hier die Sprache. Ja, es macht durchaus Sinn die Syntax dem theoretischen Gedankengebilde anzupassen. Es fragt sich nur, wie weit man dabei geht bzw. wie das umgesetzt wird. Wenn rekursive, reziproke Interaktionen zusammen mit autopoietischen Phönomenen in einen einzigen, ewig langen, verschachtelten Satz gepackt werden, kann das schon mal sehr ansträngend zu lesen sein. Das regt zwar zum Nachdenken, mich manchmal auch zum Hinsetzen und umschreiben an. Der Lerneffekt ist dann zwar größer aber ist die Übersetzung stellenweise sehr holprig und hier und dort sogar grammatikalisch falsch.

Dennoch volle Punktzahl!
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am 5. Oktober 2010
Ein erkenntnistheoretisches Werk. Die Autoren - Vertreter des Konstruktivismus - wissen, wovon sie sprechen. Das erkenne ich daran, dass sie es zustande bringen, komplexe Sachverhalte in einer verständlichen Sprache zu vermitteln. Das Prinzip, das sie von Anfang an begreiflich machen wollen, ist das Prinzip der Wahrnehmung und wie sie die eigene Wirklichkeit konstruiert. Es heißt also, Verantwortung zu übernehmen für das, was wir sinnlich erfahren bzw. für die Art, wie wir es interpretieren. Du bist, was du wahrnimmst. Oder: Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern so, wie wir sind. Mit anderen Worten: Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen. Wir sind also blind gegenüber unserer eigenen Blindheit. Und das betrifft nicht bloß die Augen, sondern unsere Sprache, und damit unser Denken. Mit allen notwendigen Konsequenzen, die eine getrennte Sicht von Subjekt und Objekt zeitigt. Lasst uns also beginnen, weniger oft das kleine ich ins Spiel zu bringen und zu versuchen, es zu behaupten, wo es doch stets ein Postulat bleiben muss, lasst uns damit fortfahren, vom Werden statt vom Sein eines Zustandes zu sprechen, und lasst uns schließlich abrücken von der Diktatur einer aristotelischen zweiwertigen Logik, die mit all dem, was ihre dualistischen Formalismen transzendiert, nichts Anderes anzufangen weiß als deren Sinnhaftigkeit vehement zu bestreiten oder selbstbezügliche Aussagen bei Argumentationen innerhalb dieser Logik einfach auszuschließen.

Ich las das Buch im Zuge meines Philosophiestudiums und muss sagen, dass es eine wirklich gute Übersicht über die Funktion sich selbst organisierender Systeme (autopoiesis) bietet. Wer sich mit den Themenkomplexen Zirkularität, Teleologie, Systemtheorie, Selbstorganisation, selbstreferentielle Begriffe wie z.B. Zweck, Ziel, Sprache, Erkenntnis, Bewusstsein beschäftigt und mit Logiken zweiter Ordnung, Kybernetik oder Fuzzy Logic... wer also an diesen Themenbereichen interessiert ist, wird mit dem Kauf dieses grundlegenden Werkes eine gute Wahl treffen.

Francisco Varela wie auch Fritjof Capra haben sich übrigens eingehend mit der buddhistischen Psychologie und Philosophie auseinandergesetzt. Bei Humberto Maturana weiß ich es nicht, aber da Francisco und er lange zusammen gearbeitet haben, besteht zweifellos ein wechselseitiger Einfluss an Ideen- und Gedankenwelten.
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Zur Neuauflage 2009

Vor einigen Jahren las ich dieses Buch und aufgrund des tiefen bei mir hinterlassen Eindrucks freue ich mich über diese Neuauflage, nachdem es einige Zeit nicht mehr aufgelegt wurde. Die Neuauflage stimmt mit der ursprünglichen Auflage im Übrigen eins zu eins überein. Etwas irreführend ist, dass bei der Erstauflage 280 Seiten angegeben werden und bei der Neuauflage 288 Seiten. Die Neuauflage endet jedoch wie die alte Auflage auf Seite 280 und die letzten acht Seiten sind lediglich Werbung für andere Bücher. Auch im Buch wurden keinerlei Veränderungen vorgenommen.

Zum Buch

Wer Humberto Maturana und Francisco Varela kennt weiß, dass es nicht nur Biologen sind, wie man sie normalerweise kennt oder sie sich vorstellt. Es sind vielmehr auch zwei Philosophen bzw. sie sind/waren Anhänger des Konstruktivismus(Varela hatte sich später von diesem abgewand). Ich stieß auf dieses Buch, als ich mich vor einiger Zeit intensiv mit dem Konstruktivismus auseinandersetzte. Zunächst zögerte ich sehr, dieses Buch zu bestellen, da ich ein praktischer Denker und in keinster Weise Freund der Theorie bin. Schon häufig erschienen mir Menschen, die nicht praktisch mit anderen Menschen zusammenarbeiten, als wenig hilfreich in Bezug auf die Praxis. Hier sollte ich jedoch eines Besseren belehrt werden...

Der Baum der Erkenntnis überzeugt vor allem durch sehr viele Abbildungen und eine gute Struktur. Die Abbildungen machen vieles deutlicher, als es Texte je machen könnten. Wenn ich auch vieles nicht verstand und mich auch nicht näher damit befassen wollte, färbten doch alle Grundintensionen sehr klar auf mich ab. Dabei habe ich von Biologie wirklich keine Ahnung - (Es sei erwähnt, damit Unwissende auf der Bereich der Biologie nicht deshalb davor zurückschrecken, sich mit dem Buch zu befassen)

Weder vor noch nach der Lektüre dieses Buchs schaffte es ein anderes, mir derart der Boden unter den Füßen weg zu ziehen und mich an meinen Überzeugungen zweifeln zu lassen. Denn den beiden Autoren gelingt es vorzüglich darzustellen, wie "relativ" bisherige Kenntnisse sind. Zwar wird und wurde das schon häufig dargestellt, doch macht man das nirgends so deutlich und nachvollziehbar, wie es im Konstruktivismus der Fall ist.
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am 5. Juni 2013
Mit einem hohen Anspruch traten die beiden chilenischen Neurobiologen auf, eine völlig neue Theorie der Erkenntnis auf naturwissenschaftlicher Grundlage zu bieten. Diesem Anspruch wird jedoch das Buch, in dem die Einheit von Sein und Bewußtsein bewiesen werden soll, nicht im mindesten gerecht. Stattdessen wird man mit einer Art Lehrbuch konfrontiert, in dem ein Allerlei aus verschiedenen, meist biologischen Gebieten dargeboten wird, von Alltagserfahrungen, Spekulationen über den Ursprung und die Entwicklung des Lebens, über Zellbiologie, Neurologie, bis hin zu sozialen Phänomenen wie Sprache oder Ethik. Anhand eines Diagramms, wie sie oft in diversen Präsentationen benutzt werden, wird dann der inkompetente Leser durch die einzelen Kapitel „geführt“, um zu verstehen, wie die hier behandelten scheinbar nicht zusammenhängenden Themenbereiche miteinender „vernetzt“ sind, also etwa nach dem Motto „alles hängt irgendwie mit allem zusammen“. Das „Wie“ soll durch den sich ständig wiederholten Begriff „Autopoiesis“ ersichtlich werden, mit dem die auch anderswo behandelte Hauptthese der Autoren zum Ausdruck gebracht wird, daß sich das Leben seine Erkenntnis der Welt (und damit die Welt selbst) sozusagen selbst erschafft. Klingt vielversprechend, endlich ein neuer nichtobjetivistischer Ausgangspunkt in der Wissenschaft vom Leben, auf den wir so lange gewartet haben! Leider zeigt sich bald, daß das Anliegen der Autoren woanders liegt.
Was erfährt man in den einzelnen Kapiteln? Eigentlich altbekannte, ja triviale Einzelheiten, etwa über optische Täuschungen, den blinden Fleck des Auges und sonstige Wahrnehmungsproblematik (Kap. 1), Mutmaßungen über den Ursprung des Universums und des Lebens (Kap. 2), einige allgemeine Kenntnisse über Fortpflanzung und Vererbung (Kap. 3), die Evolution der Lebewesen (Kap. 4 und 5), das Verhalten (Kap. 6) und das Nervensystem (Kap. 7). Das Neue daran ist die Einführung einer ungewöhnlichen Terminologie, etwa „Metazeller“ als Erweiterung des Begriffs Vielzeller, „operationale Geschlossenheit“ als Kennzeichen aller lebenden Systeme, vor allem aber des Nervensystems, oder „natürliches Driften“ als Ersatz für die darwinistische „natürliche Auslese“, aufgebauscht zu einer neuen Weltanschauung, in deren Schema man alle Phänomene der Welt, des Lebens, einschließlich der menschlichen und sozialen hineinzwängen möchte.
Was besagt aber diese „neue Weltanschauung?“ Der Hinweis darauf, daß Lebewesen autonome, d.h. selbstorganisierte Einheiten (hier genannt „autopoietische Systeme“) sind und in Wechselwirkung („strukturellen Koppelung“) zu ihrer Umwelt stehen, ist keine neue Erkenntnis. Durch die Umbenennung der Evolutionsmechanismen in „natürliches Driften“ und „Erhaltung der Anpassung“ wird die umstrittene darwinistische Theorie auch nicht widerlegt. Man findet hier zu diesem Thema weder die üblichen Kritikpunkte noch eine alternative Erklärung, die offensichtlich gar nicht gebraucht wird: Sie erübrigt sich durch die Analogie der evolutionären Vielfalt mit einem den Berg herunterfließenden Wassertropfen – kein Plan und auch kein Zufall, sondern Determinismus pur, wie es sich aus weiteren Ausführungen ergibt. Erst an dieser Stelle (etwa in der Mitte des Buches) wird deutlich, worauf die ganze bisherige Erörterung hinaus will, indem trotz der versprochenen „neuen Sicht der Dinge“ auf einmal behauptet wird, eine wissenschaftliche Erklärung bedeute, „das zu erklärende Phänomen als Ergebnis der Arbeitsweise eines strukturdeterminierten Systems“ zu behandeln, und zwar als sei diese Annahme eine wissenschaftliche Selbstverständlichkeit, deren Evidenz sich nur der an sich widersprüchliche Wunsch, einen freien Willen zu haben, widersetzt.
Der Glaube an einen allumfassenden Determinismus aller Dinge, einschließlich des Denkens und Handelns des Menschen wird am Beispiel des schon früher bekannten Experiments mit dem Frosch veranschaulicht, dem ein Auge um 180° verdreht wurde, und der infolgedessen beim Fangen einer Fliege ständig in falsche Richtung zielt. Dieses Experiment gilt angeblich als Beweis dafür, daß das Verhalten des Frosches kein wikliches Fangen von Fliegen, sondern nur ein Mechnismus ist, der durch eine sensomotorische Korrelation zwischen der Lage der Netzhaut und der Bewegung der Zunge in seinem Nervensystem ausgelöst wird. Anschließend erfahren wir anhand von einigen Beipielen (spielende Lämmchen und Wolfskinder), daß dies auch bei anderen Tieren und Menschen der Fall ist, obwohl der Zusammenhang zwischen weiteren Ausführungen über unsere „strukturelle Determiniertheit“, die Problematik des freien Willens, die Vorhersagbarkeit der Zukunft, die gleichzeitige Subjektivität und Objektivität der Welt oder das beobachtete angeblich nicht richtig verstandene „Verhalten“ der Lebewesen noch unklar bleibt. Wie das ganze zu verstehen ist, wird deutlicher erst im anschließenden Kapitel: Demnach seien Zustandsveränderungen, die wir „Verhalten“ nennen, eigentlich nur vom Beobachter abhängige Beschreibungen gewisser Handlungen; für das Nervensystem gäbe es jedoch nur „ein kontinuierliches strukturelles Driften, das in jedem Augenblick dem Kurs der Erhaltung der strukturellen Koppelung (Anpassung) des Organismus mit seinem Interaktionsmilieu folgt.“ In dieser Sichtweise wird auch die Unterscheidung zwischen angeborenem und erlernten Verhalten überflüssig, da das „Lernen“ (als Ergebnis von bestimmten Interaktionen) nur ein Ausdruck der „Strukturkoppelung“ zwischen Nervensystem und Milieu darstellt. Dementsprechend wird dann der Begriff „Erkenntnis“ umgedeutet in ein „effektives (oder angemessenes) Verhalten“ in einem bestimmten Kontext, d.h. in bezug auf eine konkrete Frage oder Erwartung des Beobachters. Somit kann praktisch jedes Verhalten als eine kognitive Handlung des Lebens angesehen werden, deren Vielfalt das Nervensystem ermöglicht und stets zu erweitern sucht.
Abgesehen von der etwas befremdlichen Begrifflichkeit scheint die Grundaussage der neuen Theorie, zu der man sich durch das ganze Buch erst „durcharbeiten“ muß, somit darin zu bestehen, daß alle Erscheinungen des Lebens, die gesamte Evolution, das Verhalten von Lebewesen und Menschen und damit auch die gesamte menschliche Welt samt ihrer kulturellen Erscheinungen, einschließlich des Bewußtseins und der menschlichen Erkenntnis, auf einem eigentlich blinden Mechanismus beruht, den die Autoren als „Driften“ und „strukturelle Koppelung“ bezeichen, und der sich wohl auch hinter der ganzen „Autopoiesis“ oder „Selbsterschaffung“ verbergen mag.
Ist das alles? Die Erklärung aller Lebenserscheinungen durch einen herabfließenden Wassertropfen? Und wenn dem auch so wäre, was ist damit eigentlich erklärt? Der Ursprung oder die Entwicklung des Lebens? Des Bewußtseins? Der Subjektivität? Der Erkenntnis? Eigentlich nichts davon. Nicht einmal ansatzweise. Tabellen, Abbildungen, Diagramme, Hinweise, Exkurse, Begriffserklärungen und Zusammenfassungen, die das Buch durchziehen, oder nicht immer nachvollziehbare Analogien etwa zwischen Bildkopien und biologischer Reproduktion, menschlichen Geräten und Organismen bis hin zu dem erwähnten Wassertropfen und einem Unterseeboot, mit dem die Problematik der Subjektivität der Erkenntnis und der Objektivität dessen, was wir zu erkennen meinen, verdeutlicht werden soll, machen die Thesen auch nicht plausibler.
Das Anliegen wird geradezu absurd, wenn sich die Autoren schließlich in Gebiete vorwagen, die ihnen offensichtlich wenig vertraut sind, wie die menschliche Sprache oder Ethik. Soziale Phänomene (Kap. 8) werden hier als „strukturelle Koppelung dritter Ordnung“ beschrieben, in denen angeblich dieselben Mechanismen im Spiel sind. Der einzige Unterschied bestehe nur in dem jeweiligen Autonomiegrad der Komponenten (Individuen) dieser „Metasysteme“. Dazu gehört Paarung, sexuelle Fortpflanzung, Aufzucht der Jungen mit entsprechender Rollenverteilung, die am Beispiel sozialer Insekten als einer besonders ausgeprägten Kooperation verdeutlicht wird, ebenso wie das Herdenverhalten von Säugetieren und anderen Arten mit ihren verschiedenen Kommunikationsformen, bis zu menschlichen Gesellschaften und Kulturen. Auch hierfür bietet die ständige „Aufrechterhaltung der Anpassung“ die allgemeine Erklärung alles Geschehens. Der Hauptunterschied zwischen nur biologischem und menschlichem Tun besteht nach dieser Darstellung in der spezifisch menschlichen „In-der-Sprache-Sein“ (Kap. 9). Die Entwicklung der Sprache sei der eignetlich Grund auch für die Entstehung des Bewußtseins oder „Geistes“, ohne die dieses Phänomen gar nicht möglich wäre. Das Ich wird definiert als „andauernde deskriptive Rekursion“, die uns erlaubt, „unsere sprachlich operationale Kohärenz zu bewahren sowie unsere Anpassung im Reich der Sprache“. Dazu gehört auch die Ethik, begründet durch die Koexistenz in der Sprache, die uns zur Annahme des Anderen (genannt „Liebe“) verpflichtet. Schlißlich sei alles nur struktrurelles Driften im Rahmen einer strukturellen Koppelung im endlosen Prozeß geschichtlicher Transformation. Anders ausgedruckt: „ein struktureller Tanz in der Choreographie der Koexistenz“.
Daß unsere Welt ein subjektives Bild ist, das wir durch unsere Wahrnehmung und Denken gewissermaßen selbst erschaffen, ist keine neue Entdeckung, wenn sie auch insbesondere in den Naturwissenschaften bis heute nicht richtig angekommen ist. Die Subjektivität unserer Erkenntnis steht nicht im Widerspruch zur wissenschaftlichen Erkenntnis als solcher, wenn wir uns der Grenzen unseres Erkennens bewußt sind, sehr wohl aber zu jenem längst als überholt geglaubten deterministischen Weltbild, der von der Welt einander gegenseitig eindeutig bestimmenden Objekte als gegenbenen, ja als einziger Wirklichkeit, ausgeht, in der alles Subjektive nur als Abbild oder Täuschung vorkommt, und nicht als eine „Gratwanderung zwischen Objektivismus und Idealismus“, „logische Buchhaltung“ oder „zwei Sichtweisen“, wie es hier die Autoren zu veranschaulichen versucht haben. Da hilft es auch nicht, neue Begriffe zu erfinden, mit denen strenge Wissenschaftlichkeit oder eine bessere Einsicht vorgetäuscht werden soll. Gelöst wird das Problem durch dieses „gedankliche Experiment“, falls man diese eigenartige Darstellung so nennen darf, jedenfalls nicht, höchstens verwischt. Daß die „kognitive Zirkularität“ ein Ausgangspunkt dafür sein soll, „das Erkennen zu erkennen“ oder wissenschaftlich zu erklären, leuchtet nicht ein. Eine neue Erkenntnistheorie bietet sie mitnichten. Daß der Anspruch auf Allgenmeingültigkeit selbst im Widerspruch zu der gleichzeitig erkannten, wenn auch nicht richtig verstandenen, grundsätzlichen Subjektivität unserer Erkenntnis steht, war den Autoren dieses Buches wohl ebenso entgangen, wie schon zuvor vielen anderen mit einem ähnlich anmaßenden Unterfangen.
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am 19. März 2009
Dieses Buch ist von bestechender Stringenz und vermittelt ein übersichtliches und klar aufgebautes Bild der Theorie autopoietischer Systeme und des entsprechenden Evolutionskonzeptes. Vor allem räumt es auf mit den immer noch gängigen Vorstellungen von Evolution als "Höherentwicklung" oder "Fortschritt" und unsinnigen Metaphern wie "die Evolution sorgt für dies oder das", die von Gegner und Fürsprechern gleichermaßen verwendet werden.
Am Ende gehen die Autoren leider noch auf das Gebiet der Sprachentwicklung und Kulturgenese ein und deuten am Ende noch eine Möglichkeit an, die dargestellten Prinzipien als Grundlage einer Ethik einzuführen. Das ist schade und widerspricht eigentlich ihrem Grundkonzept. Ich empfehle bei vertieftem Interesse, hinsichtlich Semantik, Sprache, Gesellschaft und Ethik auf Niklas Luhmann zurückzugreifen. Der ist zwar (erheblich) sperriger, aber die Themen sind dort besser aufgehoben.
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am 2. März 2009
Ich sehe mit Freuden, dass sich das Buch auf Platz 4000 in der Verkaufsliste bei amazon vorgearbeitet hat. Vor 1 Jahr war es noch bei 20.000. Maturana legt in diesem Buch die Grundlage für ein neues Welt- und Gesellschaftsverständnis, was dem Menschen vor allem eins gibt: Mehr Freiheit. Aber das Buch ist schwierig zu verstehen, wie alle grundlegenden Werke. Für eine bessere Verdauung empfehle ich die Literatur drumherum: Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld, Niklas Luhmann (noch schwieriger) und Fritz Simon (leicht - und der lebt sogar noch - achja Maturana auch). Ich hab trotzdem 1 Jahr gebraucht, um die Tragweite vom Baum der Erkenntniss zu verstehen.

bm
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am 6. März 2013
Dieses Buch hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich kann es nur weiter empfehlen. Es ist leicht verständlich und auch zugänglich geschrieben.
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am 15. September 2011
Das Buch ist ein Klassiker und wird es bleiben!
Es führt sehr detailliert und korrekt in das systemische Denken ein.
Möchte man als Studentin einen Niklas Luhmann verstehen, so sei hier eines gesagt:
Er baut auf das maturansche Denken auf und entwickelt es weiter!
Somit bietet es sich an erst das Denken von Maturana zu verstehen um sich anschließend
den Werken von N. Luhmann zu nähern!
LG aus Berlin.
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am 10. Februar 2009
Ich bin schwer begeistert! Nach dem Lesen eines jeden Kapitels dreht sich mir dir Kopf, ich sehe plötzlich Zusammenhänge, die mir vorher unklar waren. Ich werde gelassener angesichts der vielen Erkenntnisse. Super auch, wie die Autoren schreiben. Der Stil ist verständlich, auch für Nichtwissenschaftler, sondern Interessierte wie mich. Ich könnte nach dem Lesen sofort mit einer Runde anderer Interessierter ins Gespräch kommen. Ich denke, der Austausch über die Inhalte im Buch ist sehr wichtig. Gut beraten, wer hier Gleichgesinnte in puncto Konstruktivismus und Co kennt.
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