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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer, wichtiger Roman
Manchmal würde man gerne ein Buch im Original lesen können ' um festzustellen, wie viel Anteil die Übersetzung an einem Text hat. Ich war bisher weder mit Pamuk noch überhaupt mit der türkischen Literatur vertraut, doch was hier vorliegt, ist nicht zuletzt ein Werk sprachlicher Brillanz, das momentan seinesgleichen sucht.
Pamuk spielt mit...
Veröffentlicht am 8. November 2008 von Horst Hrubesch

versus
20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen große Enttäuschung
"Mein Name ist Rot" von Herrn Pamuk hatte mir sehr gut gefallen, darum - und aufgrund der guten Rezensionen - war ich gespannt auf das Museum der Unschuld. Und ich wurde bitter enttäuscht.
Dass Orhan Pamuk sprachlich herausragend ist, steht außer Frage. Was ich noch positiv hervorheben kann, ist das gute Bild, das man von Istanbul zur damaligen Zeit...
Veröffentlicht am 13. Februar 2012 von ikabirus


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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer, wichtiger Roman, 8. November 2008
Manchmal würde man gerne ein Buch im Original lesen können ' um festzustellen, wie viel Anteil die Übersetzung an einem Text hat. Ich war bisher weder mit Pamuk noch überhaupt mit der türkischen Literatur vertraut, doch was hier vorliegt, ist nicht zuletzt ein Werk sprachlicher Brillanz, das momentan seinesgleichen sucht.
Pamuk spielt mit Dichtung und Wahrheit, mit Illusion, Erinnerung und Beobachtung: '"Wenn wir uns ausgiebig küssten, stellten wir fest, dass sich neben unseren feuchten Mündern und unseren herausfordernden Zungen auch unsere Erinnerungen in die Sache einmischten. Ich küsste also zuerst Füsun, dann die Füsun in meinem Gedächtnis, dann öffnete ich die Augen, schloss sie wieder und küsste die gerade gesehene Füsun und die in meiner Erinnerung."
Auch in diese so seltsam zugleich modern wie fremd-archaisch geschilderte Kultur einzudringen, ist nichts weniger als gewinnbringend. Wenn Literatur in der Lage ist, die Sicht des Eimnzelnen und damit der Gesellschaft zu beeinflussen und Fremdes verstehbar zu machen, so ist dies nichts weniger als ein ganz wichtiger Roman. Ein schöner, ein grausamer, ein bemerkenswerter.
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39 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über das Dilemma der modernen Türkei, 11. September 2008
»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme.«
(Celal Salik)

Reicher Mann liebt arme, schöne Frau, Frau verschwindet, Mann verzweifelt. Was sich wie der Plot eines mittleren Hollywood-Schinkens liest, ist der Kurzinhalt eines Gesellschaftsromans, den Orhan Pamuk unter dem Titel »Das Museum der Unschuld« in diesen Tagen der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Pamuks Sittengemälde der alten Reichen, der Istanbuler Bourgeoisie der Siebziger Jahre, sieht im Zentrum ein Liebespaar, ein Paar, das Abbild eines drohenden Untergangs ist, der sich erst in den letzten zehn Jahren deutlich zeigt: Auch wenn die alten Reichen Kultur um sich sammeln, akkumulieren die Neureichen doch das Geld.

Kemal gehört zu einer der weit verzweigten, alten und mächtigen Istanbuler Familien: Dort kennt man keine Kopftücher, die sind den unteren Schichten und denen vom Land vorbehalten, auch richtige Sorgen sind unbekannt. Geld steht immer zur Verfügung, man führt ein Haus in einem der besseren Stadtteile und besitzt eine weiteres, prächtiges auf den Prinzeninseln im Marmarameer. Vor allem aber ist man westlich kultiviert: Die Töchter gehen auf die Sorbonne, die Söhne kopieren die Werbekampagnen aus den USA für den eigenen Betrieb. Doch bei aller zur Schau gestellten Westlichkeit bleiben überkommene, feste Regeln, nach denen gehandelt wird: Man heiratet unter sich, vor der Ehe darf die Zärtlichkeit nicht zu weit gehen und die Hochzeit wird im Hilton sein.

Füsün hat die falschen Eltern: Die Mutter ist Schneiderin, der Vater war Lehrer, sie wohnen, aus der Obersicht der Oberschicht, im falschen Viertel. Und Füsün hat einen weiteren Makel. Noch als Schülerin nahm sie an einem Schönheitswettbewerb teil, das macht man nicht als anständiges Mädchen, sagt die Mutter von Kemal, die weitläufig mit Füsüns Mutter verwandt ist und sie hie und da als Schneiderin beschäftigt hat, allerdings nicht mehr, nachdem die ihrer Tochter diesen unsittlichen Wettbewerb gestattet hatte. Man stelle sich vor: Im schwarzen Badeanzug sind die Mädchen über Laufstege gegangen, fast alles war zu sehen. Aber was soll es Kemal kümmern, der wird sich bald verloben und Verlobung ist so gut wie Heirat.

Das ist das Dilemma der modernen Türkei und ihrer bis jüngst führenden Schicht: Man bewundert den Westen, kopiert ihn, manchmal bis zur Lächerlichkeit und steckt doch bis zu den Knien im alten Osmanischen Reich. Dieser Zwiespalt macht unsicher und vielleicht haben dieser Unsicherheit wegen die neuen Modernisierer, die gläubigen Provinzler aus Kapadokien, aus der Zentraltürkei, die Kommandohöhen in Ankara und anderswo besetzen können. Ihre Frauen tragen Kopftuch, sie sind selbstbewusste Türken, ihr Reichtum ist neu und ungehobelt, der Westen interessiert sie eher als Markt denn als kulturelles Vorbild. Aber beide Fraktionen der türkischen Bourgeoisie fahren, wie beruhigend, Mercedes.

Als Kemal auf Füsün trifft, als er seine besinnungslose Liebe entdeckt, fährt die Istambuler jeunesse dorée noch schwere amerikanische Autos, der Raki fließt in Strömen, die Luxuskneipen der Stadt sind die Bühnen des Reichtums. Begonnen hatte es mit ihm und Füsün mit dem Reiz des ehelosen Beischlafs, man gibt sich modern, wohl wissend, dass die Jungfräulichkeit auf dem Heiratsmarkt nach wie vor ein wesentliches Gut ist. Doch seine Verlobung wartet auf ihn, mit jener anderen, schönen und gescheite Frau, die aus der richtigen Schicht kommt und sich ihm versprochen hat und von der alle guten Familien wissen, dass sie seine Frau werden soll. Immer heftiger taumeln Füsün und Kemal umeinander, doch weil ihre Liebe besinnungs- aber nicht bedingungslos ist, löst Kemal sein Verlobungsversprechen ein. Gedacht hatte er, danach ging es so weiter, so wie es schon sein Vater und die anderen Väter gehalten hatten: Im Hinterzimmer die Liebe und im Salon die Ehe. Doch Füsün verschwindet, wird unerreichbar für ihn.

Was dem Kemal jetzt geschieht, kann wie eine Parabel auf den langsamen Untergang des alten Reichtums gelesen werden: Er löst seine Verlobung, macht sich zum Gespött seiner Umgebung und beginnt jene Dinge zu sammeln, die Füsün berührte oder auch nur gesehen hatte, Dinge die er einmal in das Museum der Unschuld verbringen wird, jenes Denkmal seiner Liebe. Auf der Bahn seiner Besessenheit verliert er Freunde, vernachlässigt seine Geschäfte und als seine Suche nach Füsün Erfolg hat, ist sie bereits mit einem anderen verheiratet. Kemal erniedrigt sich, acht lange Jahre, an 1593 Abenden, wie Kemal ausrechet, besucht er Füsün und ihre Familie , ohne dass Füsün ihn erhört, die Scheidung einreicht, um ihn zu heiraten. Ein quälendes Spiel beginnt: Die Regeln gibt die Konvention vor, der Schein wird aufrecht gehalten und als Füsün seinem Drängen nachgibt, besteht sie darauf, dass sie noch Jungfrau ist, nie habe sie mit ihrem Mann geschlafen, sie habe also in gewissem Sinne noch ihre Unschuld.

»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme», so zitiert Pamuk einen seiner Figuren aus einem anderen Roman, den Kolumnisten Celal Salik. Natürlich ist Füsüns Vergehen arm zu sein auch nicht durch Kemals Geld auszugleichen. Und die Ansammlung toter Dinge würde, wenn Kemals Museum jemals Wirklichkeit werden könnte, nichts anderes sein, als das Denkmal einer falschen Unschuld: Einer gesellschaftlichen Lüge zur Aufrechterhaltung der Illusion, dass es ein richtiges Leben im falschen geben könne.
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35 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musealer Roman über ein verlorenes Istanbul, 24. September 2008
Orhan Pamuks neuer Roman »Das Museum der Unschuld« handelt von Füsun, einer jungen Frau und Kemal, einem kaum älteren Mann, der dabei ist, eine standesgemäße Verlobung einzugehen. Die unerwartete Begegnung gibt beider Leben eine andere Richtung, und das um so mehr, als Kemal seine Geleibte bald durch eine Lüge verliert und acht Jahre werben muß, ehe er sie zurückgewinnt.

»Das Museum der Unschuld« ist ein Liebesroman über eine unterbrochene Liebe von Füsun und Kemal in Istanbul vor 30 Jahren. Die unterbrochene Liebe ist die Kraft, die die Gegenstände in die Welt setzt und sie museal werden läßt. Der Roman, der Erinnerungen seiner Jugend enthält, handelt von lauter alltäglichen Dingen und läßt daraus ein Museum entstehen. So groß ist die unglückliche Liebe, daß sie alles beseelt, was Füsun besaß und berührte, und am Ende auch: was sie hätte besitzen und berühren können.

Kemal hat das Bedürfnis, die unterbrochene Liebe zu Füsun in lauter Gegenständen zu dokumentieren und wandelt sich zum Gründer einer Sammlung, in der nicht nur die Erinnerung an Füsun, sondern auch an ein verlorenes Istanbul erhalten ist.

In dem Roman geht es in hohem Maße um die Verwirrungen innerhalb der Liebe. Das Museum der täglichen Dinge entsteht aus Enttäuschung, aus unerwiderter Liebe und ist nicht zum Besichtigen da, sondern zum Erfühlen. Die musealen Gegenstände dokumentieren weniger die Liebe, als dass sie dazu dienen, die Frau zu symbolisieren. Kemal spürt an ihnen der vergangenen Wärme nach, riecht nach ihnen, befühlt sie. Er braucht das, um sich erinnern zu können. Die Kunst dieses Romans mit musealem Charakter besteht in der Hervorrufung von Sinnlichkeit und Wahrnehmungen.

In dem Roman geht es nicht nur um die Geschichte von Verliebten, sondern um die Geschichte von Istanbul. Doch vom Schauplatz des Romans, vom Istanbul der späten siebziger und frühen achtziger Jahre ist heute fast nichts mehr vorhanden.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Orhan Parmuks Entführung in eine wirkliche Wirklichkeit, 18. Januar 2009
Eine Liebe und ihre Bewahrung jenseits ihrer gelebten Gemeinsamkeit ist Thema dieses außergewöhnlichen Romans des türkischen Nobelpreisträgers.
Der Protagonist Kemal zeigt uns in der detaillierten Beschreibung seines Lebens ein eindrucksvolles Bild seiner Heimatstadt Istanbul im letzten Drittes des 20. Jahrhunderts, lässt uns teilhaben am Gesellschaftsleben der Vermögenden, an ihren Werten und Zielen und gibt damit auch Einblick in Tradition und Evolution der Türkei jener Jahre.
Kemal findet keine Erfüllung in dem Leben, was ihm als Mitglied der zumindest finanziell gehobenen Gesellschaft vorgegeben ist. In diese ' ihm zunächst nicht bewusste ' defizitäre Gefühlslage fällt der Beginn seiner Liebe zu Füsun, einer entfernten Verwandten aus der weniger begüterten Linie.
Durch Einsicht in die Welt des Kinos und die damalige türkische Produktion sentimentaler Liebesfilme werden Sehnsüchte und emotionelle Mängel der saturierten Bevölkerungsschicht transparent, deren Realität geprägt von Äußerlichkeiten und gestrigen Maximen eine authentische Emotionalität nicht zulässt, was sich jedoch in der Resonanz beim Leser als durchaus nicht allein türkisches Phänomen erweist.

Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich meine zeitgenössisch-pragmatische Sicht von Liebesbeziehungen überschreiten konnte und mich vom Autor in Menschheitsanliegen entführen ließ, um dort auch selbst nicht mehr unangenehm berührt zu werden. Im wahren Sinne der Worte werden peinlich genau die Erfüllung und das Leid der zentralen Figur des Kemal dargestellt, so dass der Leser manches Mal als unwilliger Voyeur in die Intimsphäre des Liebenden gezwungen wird, und diese Form der Leidenschaft als krankhaft oder zumindest lebensfremd empfunden wird, vielleicht auch zunächst Langeweile aufkommen mag.
Ich denke jedoch, dass hier eine gewisse Abwehr im Leser berührt wird, da diese Form von obsessiver Hingebung zwar aus großen weltgeschichtlichen Liebestragödien hinreichend bekannt ist, aber dieser Liebe keinerlei Realitätsanbindung zuzukommen scheint.
Folgen wir jedoch dem Autor in das bedeutendste Menschheitsthema, so müssen wir feststellen, dass wir wahrscheinlich alle zu derartiger Leidenschaft fähig wären, uns wohl auch nach ihrer Erfüllung sehnen, aber unsere Realität lässt keinen Raum, der durch seine kulturellen Gestaltungen und Begrenzungen für dieses Erleben frei gesetzt werden kann: Dass diese Liebe sich nicht erfüllen kann liegt in ihrer Ontologie ' diese Liebe hat keine Chance in der unwirklichen Wirklichkeit.

Orhan Parmuk überzeugt uns weiterhin durch Geschehnisse, Dialoge und Gedanken der Personen dieses Romans von der Wahrheit und Bedeutung menschlicher Alltagswelt, die offensichtlich immer wieder hinter dem Glamour sentimentaler Darstellungen unserer Wünsche und Sehnsüchte als unbedeutend in Vergessenheit gerät. So füllt der Protagonist ein Museum mit Alltäglichkeiten scheinbaren Sinnlosigkeiten, die für ihn in prägnantem Bezug zu seiner Geliebten stehen und weist damit auch auf den Mangel an Wahrnehmung in Bezug auf unsere gelebte Gewohnheit hin, die wir hinter fiktivem Lebensanspruch vergessen.

Besonders berührend lässt uns der Autor nachvollziehen, wie die geliebte junge Frau Füsun in ihren Wünschen, Sehnsüchten und ihrer authentischen Liebe scheitert, vergeblich versucht sie ihre Träume vom Leben zu realisieren. Als sie letztendlich das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, ihre Unschuld und Freiheit nach vielen Jahren zurück zu gewinnen strebt, verliert sie an dieser Unmöglichkeit ihren Lebensmut.

Orhan Parmuk hat mit diesem Werk zeitlose Weltliteratur geschaffen, die uns alle angeht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ungeduldige Leser empfehle ich das Hörbuch, 25. Januar 2010
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Museum der Unschuld (Audio CD)
Für den Erfolg der Audiobücher gibt es verschiedene Gründe. Sie machen die zunehmende Verweildauer in Autos und auf Strassen erträglicher, sind aber auch eine Möglichkeit für ungeduldige Leser, sich mit Werken wie diesem zu befassen. Denn 600seitige Bücher, in denen es nicht um Mord- und Totschlag, Geheimbünde, Verschwörungen, menschliche Kopulationen oder Vampire geht, entsprechen dem Durchhaltevermögen eines gehetzten Publikums nur noch bedingt. Daher finde ich es großartig, dass man sich auch "Auf der Suche nach einer verlorenen Zeit" von Marcel Proust oder eben die Romane von Orhan Pamuk vorlesen kann. Vor allem wenn Sprecher wie Ulrich Noethen sich dieser Aufgabe annehmen.

Wie gekonnt der bekannte Schauspieler die wunderbaren Sätze von Orhan Pamuk intonieren und sich in seine Figuren einfühlen kann, bewies Ulrich Noethen bereits beim Roman "Istanbul". Nun gibt er Kemal eine Stimme, einem modernen Türken, der in Paris studierte und durch ein zufälliges Treffen dazu veranlasst wird, auf die 1970er und 1980er Jahre Istanbuls zurückzublicken. Wie Orhan Pamuk Vergangenes wieder neu auferstehen lässt und beschreibt, rechtfertigt einmal mehr, dass ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Aber eben, solche Museumsbesuche brauchen Zeit und die Fähigkeit, längere Zeit vor einem (Sprach)bild verweilen zu können.

Die Sprachkunst von Orhan Pamuk hätte allerdings nicht gereicht, um Leser in aller Welt zu begeistern. Er schafft es selbstverständlich auch, Spannungsbögen aufzuziehen und Identifikationsfiguren zu entwerfen. Und letztlich ist jede seiner Beschreibungen eine kleine Liebesgeschichte, egal ob eine Stadt, ein Gegenstand oder ein Mensch im Mittelpunkt steht. Orhan Pamuk gehört aber auch deshalb zu meinen Lieblingsschriftstellern, weil er wunderbar altmodisch ist, indem er nicht erklärt, sondern erzählt. Er belehrt uns nicht seitenlang, warum sich Menschen so und nicht anders verhalten, sondern macht Persönlichkeitsmuster durch Beobachtungen deutlich.

Mein Fazit: Ein großartiger Roman von Orhan Pamuk, der uns gerade in seiner Detailbessenheit zeigt, dass wir noch immer Sammler sind, aber allzu oft den falschen Träumen nachjagen und dabei die Schönheit des Gegenwärtigen vergessen. Und so wie Ulrich Noethen diese Geschichte einer unglücklichen Liebe und der Suche nach der eigenen Identität liest, ist sogar der von Kleinstminiaturen besetzte Mittelteil spannend.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht über das Dilemma der modernen Türkei, 14. September 2008
Nicht über das Dilemma der modernen Türkei sondern eine bittersüße Liebesgeschichte die einem einerseits die Tränen der Freude und gleichfalls der Traurigkeit in die gespannt lesenden Augen treibt.
Das Mädchen Füsun das ihrem Verwandten eine gefälschte Handtasche umtauschen muß wird zum Objekt der Begierde für einen aus reichem Hause stammenden Sohn der jedoch kurz vor der Verlobung mit der seitherigen Dame des Herzens steht.
Diesen Lebensweg verfolgt er auch weiter, er kann sich jedoch der verführerischen Füsun die seine Gedanken einnimmt nicht erwehren.
Doch Füsun heiratet anderweitig.
Er besucht sie jahrelang und beginnt kleine Andenken an sie zu sammeln und in einer von seiner Mutter nicht mehr benutzten Wohnung ein Museum zu errichten.
Das positive an diesem Buch ist sicherlich die leichte und flüssige Lesbarkeit der Geschichte die durchweg in dreiseitige Kapitel aufgeteilt ist.
Auch ist der rote Faden für Pamuk ungewöhnlich dick und trägt den Leser über die teilweise humorigen Seiten.
Es ist ein leichter,sich ständig in Handlung windender Roman der nicht die Themen Orient und Okzident ausbreitet sondern ein Liebesroman der einzig zwischen den Protagonisten angesiedelt ist.
Es ist einfach ein gutes Buch das sicherlich die Protagonisten in ihren von den Eltern mitbekommenen Kulturebenen schildert die teilweise auch ihr Handeln Nachhaltig beeinflußt aber dies bleibt stehts im Hintergrund.
Es ist eine Wunderschöne Ode an das Verlangen das Liebe heisst und die Gefühle die es in uns freisetzt
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen große Enttäuschung, 13. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Museum der Unschuld: Roman (Taschenbuch)
"Mein Name ist Rot" von Herrn Pamuk hatte mir sehr gut gefallen, darum - und aufgrund der guten Rezensionen - war ich gespannt auf das Museum der Unschuld. Und ich wurde bitter enttäuscht.
Dass Orhan Pamuk sprachlich herausragend ist, steht außer Frage. Was ich noch positiv hervorheben kann, ist das gute Bild, das man von Istanbul zur damaligen Zeit gezeichnet bekommt. Aber das war dann auch schon alles, der Rest ist unfassbar lang und weilig. Manche nennen es entschläunigt oder detailliert, ich kann mich dem nicht anschließen. Lasse ich die Nobelpreis-Vorschuss-Lorbeeren weg und schaue nur auf den Inhalt komme ich zu folgender (zugegebener Maßen bewusst provokativen) Zusammenfassung: Ein aus reicher Familie stammender Mann um die 30 betrügt seine kluge, gebildete, hübsche und moderne Verlobte, weil er gerne eine gerade 18 gewordene, blondierte Handtaschenverkäuferin vögelt. (Ihre Haut ist so schön weich...sie gibt sich ihm so schön hin...)Die nun entehrte Ex-Schönheitswettbewerbkandidatin muss jetzt sehen, wo sie bleibt, denn seine Verlobung löst er nicht. Als sein Betrug rauskommt, ist seine Verlobte sogar bereit, ihm zu verzeihen, aber abermals hintergeht er sie. Der Teenager verschwindet und der arme 30-jährige, ihr total verfallen, kann an nix anderes mehr denken, fängt an, alle möglichen Gegenstände von ihr zu sammeln (Zigarettenkippen, Gegenstände aus der elterlichen Wohnung, die er nach ihrem Wiederauftauchen 7 Jahre lang besucht)und wichst damit im Ex-Liebesnest. Er will den Teenager unbedingt (seine Verlobte hat ihn natürlich inzwischen abgesägt) zurück und setzt auf Ausdauer. Die braucht der Leser nun auch, weil er 7 oder 8 Jahre lang jedes Detail des immer selben Gefühls auf 400 Seiten immer neu ausgebreitet bekommt. Abgesehen davon, dass dem, auch in einer sich modernisierenden Türkei, totalen Patriarchat hier eine super Plattform geboten wird (Kritik am Handeln und Denken der männlichen Gesellschaft habe ich vermisst) ist der Protagonist ein egomanischer, weinerlicher, verwöhnter und mir gänzlich unsympatischer Typ. Das Ende ist pathetisch und vorhersehbar. Ich habe mich geärgert und vor allen Dingen unglaublich gelangweilt. Entschläunigung hin oder her, nach 100 Seiten hat man verstanden, was der Autor zum Ausdruck bringen will, der Rest ist zäh wie Kaugummi.
Ich frage mich: kommen die vielen positiven Rezensionen vielleicht überwiegend von männlichen Lesern?
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine sehr tragische Liebesgeschichte, 22. November 2008
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Es ist sicher nicht sehr originell, einen Literaturnobelpreisträger zu loben, aber Orhan Pamuks Buch "Das Museum der Unschuld" ist nicht nur ein ungewöhnliches Buch, sondern es ist wohl das Beste, was er je geschrieben hat. Das Buch wird nicht nur mit Sicherheit ein zukünftiger Klassiker der türkischen Literatur, sondern ebenso ein internationaler Erfolg.

Es ist ein großartiger und zugleich bedrückender Liebesroman, der eine Liebesgeschichte aus dem Istanbul der 70 er Jahre erzählt. Der vermögende Kemal, ein junger Mann aus der türkischen Oberschicht, die in vielen Zügen auf den ersten Blick westlich geprägt scheint, verliebt sich rettungslos in seine arme Verwandte die blutjunge, betörende, einfältigen Füsun. Was als Liebelei begann, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte voller Obsessionen und Leidenschaften. Kemal beabsichtigt jedoch standesgemäß zu heiraten. Nach der Verlobungsfeier blendet sich Füsun aus dem Leben von Kemal aus. Nun entdeckt er, dass es nicht nur eine leidenschaftliche Affäre war, sondern dass er sie wirklich geliebt hat. Für eine Umkehr ist es jedoch nun zu spät, seine große Liebe bleibt unerwidert und Kemal führt fortan ein Leben der unerfüllten Sehnlichkeit.

Das "Museum der Unschuld" soll im Jahre 2010, wenn Istanbul Kulturhauptstadt Europas wird, eröffnet werden. Am Ende des Buches befindet sich nicht nur ein Straßenplan, um dorthin zu finden, sondern auch eine Eintrittskarte.

Ein wunderbarer Roman, rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft, von fiebriger Empfindsamkeit, in einer Klarheit der Sprache die phantastisch ist. Dieses Buch sollte man sich nicht entgehen lassen,
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Glück einer unglücklichen Liebe, 22. November 2008
Von 
Christian A. Grell (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Orphan Pamuk gelingt es auf wundervolle Weise, das Istanbul der 70-iger Jahre lebendig werden zu lassen und die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit schwerelos in seine Geschichte einfließen und somit verständlich werden zu lassen.
Im Laufe der Geschichte beginnt man sehr schnell, sich mit Kemal, dem Protagonisten, und seinen Gefühlen zu Füsun zu identifizieren und merkt selbst erst, dass die Hingabe zu einer großen Liebe geworden ist, als es dafür zu spät ist. Diese Gefühle so eindringlich zu erzählen, machen das Buch zu einem großartigen Roman, der die unglückliche Liebe Kemal's letzten Endes zu dessen Glück werden lässt.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Gesammelte" Liebe, 22. Dezember 2008
Kemal ist ein "westlicher, moderner" und vor allem reicher Istanbuler, der kurz vor der Verlobung mit Sibel steht, die in Paris studiert hat.
Da trifft er zufällig eine "arme" entfernte Verwandte, Füsun, wieder und verliebt sich unsterblich. Füsun und damit auch ihre Eltern sind innerhalb der Familie in Ungnade gefallen, weil Füsun mit 16 Jahren an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen hat.

Die Affäre geht über 6 Wochen. Nach der Verlobung mit Sibel muss Klemal 18 Monate suchen, um Füsun wiederzufinden.

Nach dem Wiedersehen trifft Kemal Füsun drei -, viermal in der Woche bei ihren Eltern. Da sitzen sie dann zusammen, essen, reden, schauen Fernsehen. Der Ehemann Füsuns, Feridun, ist selten dabei. Füsun ist Kemal so nah, sie sehen sich und sprechen miteinander, aber berühren können sie sich nicht.

Diese Zeit erstreckt sich über 8 Jahre und nimmt auch den größten Teil des Romanes in Anspruch. In immer neuen Kapitel beschreibt Kemal sein Beisammensein mit den Keskins, das mehr oder weniger immer gleich abläuft. Aber er ist glücklich in Füsuns Nähe zu sein. Immer wieder nimmt er mehr oder weniger kleine Gegenstände mit, als Erinnerung und weil sie nach Füsun duften. Er sammelte Zigarettenkippen, Gläser, Taschentücher....

So vergehen die Jahre, ohne dass sich an der Leidenschaft von Kemal für Füsun etwas ändert.
Eine Wendung wird eingeleitet durch den Tod von Füsuns Vater Tarik.

Dann nehmen die Dinge einen tragischen Verlauf. Rückblickend wird dem Leser dadurch auch Kemals Verhalten deutlicher. Und vor allem versteht man, warum der Autor den Mittelteil so ausführlich und detailbesessen schrieb.

Orhan Pamuk zeichnet das Bild Istanbuls der siebziger und achziger Jahre und erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die Liebe eines Mannes zu zwei Frauen.
Das Museum der Unschuld errichtet der Protagonist als Symbol seiner Liebe.
Deutlich wird auch das Porträt einer türkischen Gesellschaft, die zwischen westlicher Freizügigkeit und islamischer Tradition steht.
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Das Museum der Unschuld: Roman
Das Museum der Unschuld: Roman von Orhan Pamuk (Taschenbuch - 12. August 2010)
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