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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute und persönliche Führung durch die Weltliteratur, 25. September 2002
Von 
Sascha Fink (Mainz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk des Dichters (Gebundene Ausgabe)
Man darf kein Literaturwissenschatlishes Meisterwerk erwarten, da es nicht als Buch geplant war: Es sind Mitschnitte der Vorlesungen Borges an Universität von Harvard. Gerade deswegen hört (!) man Borges beim Lesen. Man wird geführt, lauscht seinen Erörterungen und auch seinen Unsicherheiten (öfters stolpert man über ein "Ich glaube", kleine Höfflichkeits- und Bescheidenheitsfloskeln, die aber das Buch und vor allem den Charakter des Autors beleben.)
Man wird angenehm belehrt und folgt gern den tiefgründigen Erläuterungen.
Exzellent finde ich das Buch selbst: Edel in einem haptisch sehr ansprechenden Umschlag. Gutes Papier und guter Bund.
Auch editorisch ausgezeichnet: die Gedichte und Zitate sind in den Originalsprachen gedruckt mit nachfolgender Übersetzung; ein editorisches "muß". Auch der Anhang mit den Literaturverweisen ist überzeugend.
Fazit:
Ein kleines persönliches Buch über die Magie der Dichtung und der Literatur. Gut zu lesen, angenehm lehrend und wohltuend ruhig. Hochwertige Ausführung.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderbar entspannte Poetik, 17. Oktober 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk des Dichters (Gebundene Ausgabe)
Der Poetiken sind in der Literaturgeschichte viele: Aristoteles, Horaz, Opitz, Friedrich Georg Jünger ("Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht"). Diesen allen ist - mit Horazens Ausnahme - eigen, daß sie eher trocken und mühselig gehalten sind. Nicht so "Das Handwerk des Dichters" von Jorge Luis Borges. Er stellt fast im ersten Satz das in den Mittelpunkt, was bei hoher Literatur in den Mittelpunkt gehört: den Genuß. Die Beispiele, die er anführt, sind deshalb auch durchgängig ein Genuß. Glücklicherweise werdem sie jeweils in der Originalsprache zitiert (und man kann anhand der beigefügten Übersetzungen ersehen, wie viel sie verlieren, wenn man sie fahrig übersetzt).
Der Umstand, daß es sich bei diesem Buch um auf Band mitgezeichnete Vorträge Borges' an der Harvard University handelt, tut dem Sujet keinen Abbruch, im Gegenteil: selten hat man so gern über Literatur und Dichtung plaudern gehört, wobei die angenehme Bescheidenheit und Selbstrelativierung Borges' noch das übrige tun. Mit jeder Zeile erkennt man den souveränen, großen Geist der Weltliteratur, dessen Teil Borges' Werk ist.
Kein Zweifel: die beste Ausbildung für einen Schriftsteller ist und bleibt das Lesen guter Literatur. Der Rest ergibt sich fast von selbst.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wörter sind Symbole für die geteilte Erinnerung., 27. April 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk des Dichters (Taschenbuch)
"Alle stärkeren Stimmungen bringen ein Miterklingen verwandter Empfindungen
und Stimmungen mit sich; sie wühlen gleichsam das Gedächtnis auf."
(Friedrich Nietzsche, MM 1,14)

Nun ist es zehn Jahre her, dass diese Vorlesungen des Jorge Luis Borges (1899-1986) als Tonaufnahme gefunden und dann wortgetreu als Buch erschienen sind. Borges spricht vom Handwerk und man lässt sich verleiten, lesend in eine Werkstatt der Dichtkunst zu gehen. Der Leser kann meinen, hier die Kunstgriffe der besseren Sprache und der besseren Schreibe zu finden. Doch er geht fehl. Vielmehr entdeckt er einen sehr offenen Borges, der sich belesen zeigt, der seine Leidenschaften in Zusammenhängen auftürmt und sehr wohl in seinen stärksten Stimmungen aus dem brillanten Gedächtnis wie aus einem Bergwerk schöpft. Borges zelebriert die Lust am Text. Es mangelt nicht an Beispielen, wenn die Poesie in ihrer Ausdrucksstärke seziert wird. Es fehlt kein Vergleich zur Prosa, wir lesen aus der englischen Literatur, wir spüren die Stärke der Worte im Alt-Englischen wie in der nordgermanischen Sprache. Borges vertieft die Suche nach der Herkunft, findet die Doppelbedeutungen der Worte und enthüllt neben der profanen Sprache nahezu eine heilige Bedeutung.

Daher liegt es nicht fern, zu verstehen, was Borges als Rätsel der Sprache ausmacht. Lesen, analysieren, schreiben und vor allem: genießen! Und die Stärke des Genusses liegt für ihn im Zweifel. Denn gerade im Zweifel wird die Motivation der Suche nach neuen Problemen oder der Lösung von alten Problemen geboren. Er wildert in der Zauberhöhle der Toten, er lässt sich von ihnen beraten, er reibt sich an ihnen, weil sie nicht umdenken. So wie der Geschmack im Apfel selbst liegt und dieser sich nicht essen kann, liegt er aber auch nicht im Essenden. Berkeleys Herleitung, dass nur über den Kontakt dieser Geschmack wirkt, ist zugleich die Herleitung Borges, dass ein Buch ohne Leser nur ein verstaubtes Objekt ist. Das Handwerk des Dichters findet erst im Leser sein Meisterstück. Daher mutet es nicht seltsam an, von Vollkommenen zu lesen, vielmehr ist es selbstverständlich.

"Vergangenes ist der Bücher Beute: / Doch hierin lebt ein ewig Heute." (Nietzsche) So vollzieht Borges seine Reise über fünf Vorlesungen in Harvard. Diese Reise ist wie ein plätschernder Fluss, voller Erzählung, voller wissender Ahnung, voller trefflicher Wendungen und Metaphern, voller sanfter und doch voller aufgewühlter Kurven. Keine Zeit wird gewählt, denn gute Dichtung ist zeitlos, permanente Gegenwart und damit für Augenblick und Ewigkeit vollendet. Der Geschichtssinn wird bei ihm aufgelöst, weil z.B. über Schönheit nicht mehr debattiert wird, da sie den Dingen immanent ist. Die Schönheit eines Gedichtes trifft den Leser und den Hörer direkt, sein Wahrnehmen und Reflektieren enthüllt die Bedeutung oder lässt sie gar unter dem Schleier der bloßen Ahnung.

Mit Borges ließt man anders, neu und im Grunde beseelt. Seine Leidenschaft ist adaptierbar, als Leser oder als Schreiber findet man sich anders positioniert - der Wandel liegt in der Überzeugung, die nach Colerigde jene "willing suspension of disbelief" ist. Diese freiwillige Aussetzung jeden Zweifels unterstützt den Glauben an die Hauptpersonen, denn nur wenn man an sie glaubt, ist alles gut. Alles gut, weil auch das Leben einen unvermeidlichen Überschuss enthält, einen Spielraum für Überflüssiges, ein Reich, das mehr gibt, als wir brauchen, mehr Dinge, mehr Eindrücke, mehr Erinnerungen, mehr Wörter, mehr Glück, mehr Unglück, mehr Nacht, mehr ... Davon lebt die Dichtung, von der fiktionalen Irrelevanz im Realen.

Lesen Sie diese Wanderung durch die Weltliteratur, lesen Sie diese kleinen und doch großen Einblicke in die Werkstatt der beseelten Dichter.
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5.0 von 5 Sternen Einfühlsame Poetik eines Praktikers und Genießers, 18. August 2014
Von 
Konrad Lehmann - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk des Dichters (Taschenbuch)
Borges' Vorlesungen sind so voller kokett wirkender Bekundungen der Bescheidenheit, dass man es zunächst nicht ernst nehmen mag, wenn der raffinierte Baumeister komplexer philosophischer Geschichten von sich sagt, das abstrakte Denken falle ihm schwer. Aber tatsächlich gehen seine poetologischen Vorlesungen stets vom Konkreten aus: Er bringt einige Beispiele, die er zielsicher aus der ganzen Weltliteratur greift, und entwickelt aus ihnen weniger eine Theorie, als vielmehr ein Verständnis seines Gegenstandes. Es ist zugleich berührend und beruhigend, dass dieser Großmeister des streng rationalen Erzählens, bei dem kein einziges Wort zufällig gewählt ist, in seinem Zugang zur Poesie ein Irrationalist war. Er suchte nach Schönheit und ließ sich von ihr bezaubern.
Trotzdem sind seine Vorlesungen durchdachter aufgebaut, als es auf den ersten Blick scheint. Scheinbar springt er von Beispiel zu Beispiel, wechselt plötzlich vermeintlich das Thema, lässt, so denkt man, lose Enden flattern. Aber dann fügt sich mit einem Mal alles zu einem sinnvollen Bild; das scheinbar Wirre und Rhapsodische ist im Rückblick fein kalkulierte Absicht. Die Vorlesungen sind auch wunderbare Beispiele des labyrinthischen Denkens Lateinamerikas.
Und sie sind - natürlich - ein Fest der Weltliteratur. Borges zitiert Alles. Von Platon über Beowulf und Schopenhauer bis zu argentinischen Autoren, auch Chinesen und Perser. Dieses Buch ist nicht nur ein Genuss für Borges-Fans, es ist auch eine nahrhafte Delikatesse für alle Liebhaber der Literatur.

Noch kurz zum Druck: Da ein anderer Rezensent die schöne Aufmachung lobte, muss ich darauf hinweisen, dass ich nur ein schmales Taschenbuch mit dünnem, mattrotem Einband erhalten habe. Mir ist das egal, aber anscheinend hat der Verlag beim Nachdruck die Aufmachung geändert.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Borges Quintessenz!, 21. Dezember 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Handwerk des Dichters (Gebundene Ausgabe)
"Beim Blättern in Büchern über Ästhetik hatte ich immer das unbehagliche Gefühl, ich läse die Werke von Astronomen, die niemals die Sterne betrachtet haben. Ich meine, sie haben über Dichtung geschrieben, als sei Dichtung eine Aufgabe und nicht das, was es wirklich ist: eine Leidenschaft und eine Freude."

Meine Vorrezensenten haben hier schon vortreffliche Arbeit geleistet und ich will nur noch einmal bekräftigen und ergänzen.
Ich beschäftige mich nun schon seit einer gewissen Zeit mit Borges und kann nicht umhin dieses Buch eine Art Quintessenz seines Denkens zu nennen. Natürlich empfehle ich trotzdem, z.B. die Inquisitionen zu lesen oder auch ein paar der Gedichte und Erzählungen. Aber hier, in diesen glänzenden Vorträgen ist schon ziemlich viel von Borges und seiner Art enthalten; so seine Freude am Zitieren:

"Ich glaube, Emerson hat irgendwo geschrieben, eine Bibliothek sei so etwas wie eine Zauberhöhle voll von Toten. Und diese Toten können neu geboren, wieder zum Leben gebracht werden, wenn man ihre Seiten öffnet."

seine wunderbar einfachen (und doch teilweise genialen) Betrachtungen, Ideen und Meinungen:

"Denn in der Dichtung scheint Vollkommenes nicht seltsam; es scheint unvermeidlich. Und deshalb danken wir dem Schriftsteller kaum für seine Mühe."

"Ich muss gestehen, ich halte ein Buch wirklich nicht für ein unsterbliches Objekt, das man erheben und geziemt verehren muss, sondern eher für Möglichkeit von Schönheit."

und seine Bescheidenheit, die seine Belesenheit und sein rhetorisches wie allegorisches Talent wie Freundlichkeit und Heiterkeit anmuten lässt:

"Ich betrachte mich vor allem als Leser. Wie sie wissen, habe ich mich ans Schreiben gewagt; aber ich glaube, dass, was ich gelesen habe, ist viel wichtiger als das, was ich geschrieben habe. Denn man liest das, was man mag - aber man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."

"Den größten Teil meines Lebens habe ich auf die Literatur verwendet und ich kann Ihnen nur Zweifel bieten."

Doch es macht Spaß mit Borges zu zweifeln, seinen Ausführungen zu lauschen.
Gerade dies Buch ist eben gerade wegen seines rhetorischen Hintergrunds so gut dazu geeignet, Borges an sich kennenzulernen; natürlich dazu auch eine Gelegenheit, zu erfahren was Dichtung in Teilen ist und eine Menge über Literatur zu lernen. Allerdings, und hier möchte ich Borges selbst das letzte Wort lassen, wird in diesen Vorträgen hier mehr philosophiert und betrachtet als definiert:

"Zum Schluss möchte ich sagen, dass wir einen sehr verbreiteten Fehler begehen, wenn wir glauben, wir wüssten nichts von etwas, nur weil wir es nicht definieren können Wenn wir in einer Chesterton-Stimmung sind (eine der besten Stimmungen, in denen man sein kann, wie ich finde) könnten wir sagen, dass wir etwas nur dann definieren können, wenn wir nichts darüber wissen."
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Das Handwerk des Dichters
Das Handwerk des Dichters von Jorge Luis Borges (Taschenbuch - 10. Januar 2008)
EUR 8,95
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