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am 15. Juni 2008
Nach dem "Muschelessen" habe ich schon einige andere Erzählungen von dieser außergewöhnlichen Autorin gelesen und auch dieses Mal hat sie mich wieder aufs Neue beeindruckt!
Sie hat einen unverwechselbaren Stil, der ihren Geschichten diese besondere Ausprägung gibt und der einem auch bei immer neuen Erzählungen umhaut!
Sie schafft es, dass ich ihr immer wieder auf den Leim gehe. Das liegt daran, dass ihre schlichte Erzählweise beim Leser so etwas wie die Gutgläubigkeit eines Kindes hervor ruft und da sie manche Dinge nicht direkt ausspricht, kann man manchmal gar nicht glauben, was das, was sie ausspricht, überhaupt in der Konsequenz bedeutet, zumal dieses ganz und gar nicht dem Klischee entspricht, das sie (ohne selbst in Worten ein Klischee auszudrücken) beim Leser im Kopf entstehen lässt. Ganz schön raffiniert!
Am Ende der Erzählung hat man das Gefühl, man müsste noch mal zurück blättern, weil das doch fast nicht sein kann, was einem da allmählich dämmert, oder etwa doch?
Etwas für Leser, die es satt haben, schon am Anfang zu wissen, wie die Geschichte ausgeht!
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am 5. März 2008
Ein absoluter Leckerbissen. Frau Choi revolutioniert durch ihre Fähigkeiten (Kochen, Heilen, Fäden ziehen, Töten) ein ganzes Dorf, einen ganzen Landstrich. Obwohl man die Kraft, den Mut und die gelassene Skrupellosigkeit dieser Frau nur aus Distanz beobachten kann, hallt sie noch lange nach - wenn das Buch schon lange unter den Lieblingsbüchern im Schrank steht.
Wer starke - nicht unbedingt sympathische - Frauen, unerwartete Wendungen, ein einzigartiges Lesevergnügen und Krimi-Elemente liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein Buch, das man auch seinen besten Freundinnen weiterempfehlen kann/sollte.
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Birgit Vanderbeke schreibt Bücher deren Umfang immer zwischen 110 und 130 Seiten liegt. Trotz der Kürze schwirren einem die - meist etwas eigenartigen - Geschichten und Hauptcharaktere noch recht lange im Kopf herum. Dabei lässt sich Vanderbeke nicht einem Genre zuordnen. In ihrem preisgekrönten Debutbuch "Das Muschelessen" seziert sie die Familienhierarchie und die Emanzipation gegenüber dem Familienoberhaupt. In "Sweet Sixteen" gelingt ihr eine köstliche Gesellschaftskritik, während sie in "Ich sehe was, was Du nicht siehst" das Leben oder in "Alberta empfängt einen Liebhaber" die Liebe auslotet.

"Die sonderbare Karriere der Frau Choi" handelt von einem kleinen Nest irgendwo im Niemandsland von Frankreich, in das eben diese Frau Choi mit ihrer bewussten und zielstrebigen Art Leben und nach und nach ein bisschen die große weite Welt hineinträgt. Dies bewerkstelligt Frau Choi indem sie die Bewohner des Dorfes und später einer immer größer werdenden Gemeinde ihre südkoreanischen Spezialitäten und auch Lebenseinstellungen näherbringt. Dabei schreckt Frau Choi's Zielstrebigkeit und Harmoniebedürfnis auch vor dem ein oder anderen Mord - was natürlich nicht wirklich nachzuweisen ist und auch - wenn überhaupt - nur zwischen den Zeilen zu vermuten ist - nicht zurück.

Ein tolles Buch, das durch seine distanzierte und auch wieder detailverliebte Erzählweise einen wunderbaren Charme verbreitet. Ganz nebenbei schafft es Birgit Vanderbeke, weltgeschichtliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf "uns" mit einfließen zu lassen.

Eine kleine Nebenbemerkung:
Das Thema hat kaum etwas (Ost-West, Seidenspinnerei, Südfrankreich) und die Art zu schreiben zwar schon mehr (minimalistischer, eleganter, witziger Schreibstil) damit zu tun, aber irgendwie habe ich beim Lesen von "Die sonderbare Karriere der Frau Choi" ständig an Hervé Joncour aus Baricco's "Seide" denken müssen. Mmmhhh ... aber das nur so nebenbei ...

Fazit: Ein erneut - viel zu kurzer - köstlicher Roman, der sich durch Sprachwitz und stilistische Eleganz auszeichnet.
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am 29. Mai 2013
Das Buch Die wundersame Kariere der Frau Choi" hat mich sehr bewegt. Über eine lange Zeit fiel es mir sehr schwer mich auf die Person Frau Choi" wirklich einzulassen. Sie war mir völlig fremd, ich hatte das Gefühl, dass sie die Ruhe und Beschaulichkeit des kleinen südfranzösischen Städtchens aus dem Gleichgewicht bringen würde.

Ich konnte ihr zu wenig vertrauen.
Erst als sich im Verlauf der Handlung herausstellte, dass Frau Choi durchaus der Gemeinschaft dienen wollte, konnte ich ihre Person allmählich annehmen.

Dieses Buch zeigt mir sehr deutlich, wie wichtig es ist, auch zunächst fremde Situationen oder Vorkommnisse erst einmal vorsichtig zu durchleuchten und ihm positive Züge anzuerkennen. Ein zu schnelles Urteil kann oftmals das Positive ungesehen lassen.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe.
Es ist ein Buch zum Nachdenken und zur Freude.
Wichtig ist, dass ich als Leser die Sätze in mir wirken lasse, bevor ich beginne zu urteilen.

Eine wichtige Überlegung für das Leben als solches.

Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass Birgit Vanderbeke teilweise durch lange Satzfolgen bestimmte Situationen unterstreicht und für den Leser wichtig erscheinen lässt. Während die Autorin die Geschichte der Kariere von Frau Choi erzählt, spricht sie immer wieder den Leser an. Sie fordert uns geradezu zum Nachdenken auf. Frau Vanderbeke möchte uns am Geschehen aktiv teilhaben lassen und hinterfragt regelmäßig unsere eigene Meinung.

Eine solche Schreibweise ist in meinen Augen einzigartig. Ich erlebe es in diesem Buch zum ersten Mal. Der ruhige Fluss des Erzählens scheint unterbrochen. Frau Vanderbeke ruft zum aktiven Mitdenken; vielleicht auch mitfühlen auf. Die Ausdrucksweise der Autorin ist gleichzeitig zu jedem Zeitpunkt gefühlvoll und direkt. Ihr Werk möchte nicht nur gelesen, sondern auch durchdacht und hinterfragt sein.

Wie Das Muschelessen" handelt es sich hier um ein sehr sehr gutes Werk von Birgit Vanderbeke das ich weiterempfehlen kann!

Das Geheimnis ist, sich treiben zu lassen. Keine Lösung finden - keinen Störenden - sondern einfach die Worte auf sich wirken lassen. Es kann wundervoll sein, einfach zu gleiten, ohne irgendwie manipuliert zu sein. Sei es durch vorschnelle Meinungen oder parteiisches Denken.
Geduld bewährt sich und die Gabe, neuen Situationen oder fremden Personen erst einmal offen zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Maier
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am 18. August 2013
Birgit Vanderbeke zu lesen ist immer ein intelligentes Vergnügen. Auch diese Geschichte entwickelt sich wieder genau in diese Richtung. Wenn auch schon lange nicht mehr der neueste Vanderbeke: unbedingt lesen.
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am 8. Juni 2015
Ort: ein verschlafenes Nest im Südwesten Frankreichs. Zeit: Ende der achtziger Jahre. Auftritt: Frau Choi. „Eigentlich hätte ich Lust, etwas anzufangen“, sagt sie. Und dann legt sie los, Yimin Choi, die Chinesin, die es zusammen mit ihrem Sohn Piet von Amsterdam ausgerechnet nach M** verschlagen hat, in ein kleines Dorf ohne Bahnanschluss, das mehr als anderthalb Autostunden von der nächst größeren Stadt entfernt ist. Zuerst bringt sie in kürzester Zeit das von ihr gekaufte, verwahrloste Haus auf Vordermann. Schon bald wird Frau Choi von den alteingessenen Dorfbewohnern nicht nur akzeptiert, sondern sogar bewundert. Doch das ist nur der Anfang ihrer Karriere.

Mehr als Reis und Suppe

Frau Choi eröffnet mitten in der tiefsten Provinz ein koreanisches Restaurant, das „Bapguagup“. Alle notwendigen, exotischen Zutaten für ihre Küche pflanzt Frau Choi in einem riesigen Garten selbst an. Das Restaurant wird nach den spektakulären Plänen eines japanischen Architekten gebaut und passt sich harmonisch in die raue Natur rund um M** ein. Und diese Frau Choi ist eine begnadete Köchin. Das „Bapguagup“ entwickelt sich von der lokalen Attraktion zu einer Institution unter Gourmets, die nicht nur aus ganz Frankreich in Scharen in das kleine Dorf pilgern. Sogar die Konkurrenz im fernen Paris sieht blass dagegen aus. Schließlich profitiert das ganze Dorf von Frau Chois Restaurant. Der Tourismus blüht auf, das im Ort hergestellte Nussöl findet reißenden Absatz, die alte Ziegelei arbeitet auf Hochtouren, selbst das Buch von Yolande, eine Sammlung überlieferter Schauergeschichten von Werwölfen und Weißen Frauen rund um das Dorf M** (und ein ehemaliger worst seller), geht nun in die zweite Auflage. Ach so, mag man sich jetzt denken, Frau Vanderbeke hat ein modernes Märchen geschrieben. Eine Aschenputtel-Geschichte. Unser Dorf soll schöner werden – im Zeitalter der Globalisierung küsst halt eine Chinesin mit niederländischer Vergangenheit, die ein koreanisches Restaurant eröffnet, die französische Provinz wach. Aber was ist daran „sonderbar“? Und was, bitte, hat es mit den Schöngelben Klumpfüßen und dem Roten Feuerfalter auf sich?

Wer stört, stirbt

Es gibt Hindernisse in der Karriere der Frau Choi. Da ist zuerst der Bürgermeister, ein Intrigant und Unsympath, der im Dorf seine eigenen Pläne durchsetzen möchte. Doch dann stirbt er unerwartet an Herzversagen. So steht es zumindest auf dem Totenschein, denn eine Todesursache muss der alte Dorfarzt Murat ja schließlich angeben. Dann kommt der Taugenichts Marc Dufetel, der das verdrehte Böse schon im Namen trägt, nach M**. Dieser Dufetel entpuppt sich als ein Psychopath. Er stellt seiner ehemaligen Geliebten Marie-Ange nach, der unentbehrlichen Bedienung im „Bapguagup“. Dufetel stirbt wenige Monate nach seiner Ankunft unter dubiosen Umständen, und „sogar Doktor Murat kommen Zweifel, wenn der Mann nicht einmal fünfzig, sondern gerade mal dreißig ist“. Unnötig zu erwähnen, dass die beiden Verstorbenen kurz vor ihrem Tod im „Bapguagup“ gespeist hatten.

Sanfter Tourismus

Ist das neue Buch von Birgit Vanderbeke also kein modernes Märchen, sondern ein Kriminalroman? Jein. Die Autorin packt auf den gerade einmal 124 Seiten eine Menge zusammen. Dorfgeschichten, ungeklärte Todesfälle, Kulinarisches, sogar der Übergang ins Internetzeitalter ist ein Thema – wobei alles zusammengehalten wird von der undurchsichtigen Frau Choi und ihrem Gourmet-Tempel. Sehr viele Personen treten auf (fast das ganze Dorf), doch Birgit Vanderbeke schafft es, beinahe jede einzelne in wenigen Sätzen zu charakterisieren und ihr Leben einzuhauchen. Vanderbekes Buch ist zu schmal, um es einen Roman zu nennen. Eine klassische Erzählung ist es aber auch nicht. Eher eine verschmitzte Reiseführerreportage, die den Wandel eines Dorfes schildert. Vom Kaff zum Kulturknotenpunkt. Angekommen im 21. Jahrhundert: Wellness, Slow Food, asiatische Philosophie, unberührte Natur und in jedem Bambus-Gästehaus gibt es einen Internetanschluss. Wären da nicht diese ungeklärten Todesfälle, könnte man „Die sonderbare Karriere der Frau Choi“ als ironischen Kommentar zum Individual-Tourismus lesen, so wie er sich gerne in den überregionalen Blättern präsentiert. Das wäre verkehrt. Birgit Vanderbeke richtet ihren Fokus auf „zwei forensische Koryphäen“.

Ursachenforschung auf Teufel komm raus

Wie der Zufall es will, befindet sich ausgerechnet das Forensiker-Ehepaar Tournel im „Bapguagup“, als dort Marc Dufetel sein letztes Mahl zu sich nimmt. Nach dem Ableben Dufetels, das in den Zeitungen für einige Aufmerksamkeit sorgt, reist Ariane Tournel nochmals nach M**. Die Expertin für giftige Pilze am Gerichtsmedizinischen Institut in Straßburg glaubt sich zu erinnern, auf Dufetels Teller einen Schöngelben Klumpfuß gesichtet zu haben. Sie geht dem Fall nach, führt den „Orellanin-Test nach Pöder und Moser“ durch, kann aber keine toxische Todesursache feststellen. Hier überdreht Vanderbeke. Zu konstruiert ist diese Begegnung zwischen dem Todeskandidaten und der engagierten Gerichtsmedizinerin. Die Pilzexpertin aus Straßburg bleibt auch keine Nebenfigur, sondern nimmt im letzten Drittel der Geschichte einen prominenten Platz ein. Wie in einem Märchen gibt es am Ende der sonderbaren Karriere der Frau Choi eine Moral – und die verhandelt unklare Todesfälle. Vanderbekes Buch wird so zu einer kruden Phantasie über das leichte Töten.

Yin und Yang

Trotz der Kritikpunkte lohnt sich die Lektüre, denn Birgit Vanderbeke schreibt einfach bezaubernd. Es gelingt ihr, auf wenigen Seiten einen ganzen Kosmos entstehen zu lassen. Allerdings sollte man die Kirche im Dorf und Gerichtsmediziner in Straßburg lassen. Was es mit dem Roten Feuerfalter auf sich hat? Das wird hier nicht mehr verraten.
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am 24. Juli 2015
Ihr Tonfall ist sehr eigen, doch nie eitel und aufdringlich. Leichthändig und beflissen säuselnd verbindet Birgit Vanderbeke ihre fiktive südfranzösische Dorfchronik ca. 1990 - 2002 mit Schmetterlingskunde, Lokalpolitik, Pilzarten, Forensik, einer Fußball-WM, DTP sowie fernöstlicher Architektur und Küche.

Das klingt keinen Moment lang angelesen und aufgepfropft, Vanderbeke beschreibt lebendige Figuren. Frauen stehen allerdings tendenziell weise da, Männer tendenziell dumm und frühsterblich. Mitunter deutet Vanderbeke Wichtiges nur aufdringlich raunend an, um etwas künstlich die Spannung zu steigern.

"Das Ergebnis ist nicht Fleisch, nicht Fisch..." - die Kritiker:

Süddeutsche Zeitung (negativ):

...der kriminalistische Strang der Geschichte, der indes völlig spannungsfrei bleibt... Die südfranzösische Dorfgesellschaft mit ihren Figuren, den einheimischen und den zugereisten, das Puzzle aus Realität und Fiktion sowie das Motiv gastronomisch kaschierter Auftragsmorde wären durchaus romantauglich gewesen. Birgit Vanderbeke aber hat versucht, aus einer kunterbunten Fülle von Zutaten ein minimalistisches Gericht herzustellen und es in einem Erzählraum von asketischer Strenge zu servieren. Das Ergebnis ist nicht Fleisch, nicht Fisch, macht weder satt noch Appetit auf mehr.

Brigitte (innerhalb eines Vanderbeke-Interviews):

...charmanten Krimi-Komödie... mit Sätzen leicht wie Schmetterlinge, die auf den Kräutern in Frau Chois Garten landen.

Literaturkritik.de (negativ):

...versucht, die Handlung eines Romans mit den Eigenheiten der koreanischen Küche zu verrühren. Dabei herausgekommen ist ein südfranzösischer Eintopf, ein Cassoulet, dessen Geschmack durch zu viele Zutaten verdorben wird... Als gute Köchin hat Frau Vanderbeke alles irgendwie zusammengemischt und mit viel Ironie und Humor dafür gesorgt, dass dem Leser der viel zu bunte Eintopf nicht im Halse stecken bleibt... Die Figuren an sich sind der Autorin wie üblich gelungen. Sie hat ein seltenes Talent dafür, eine Person mit nur wenigen Sätzen zu charakterisieren und für die Imagination des Lesers viele klug angelegte Leerstellen zu lassen... ihr Buch ist überfüllt und wirkt dadurch flach und leer. Spannung wird aufgebaut, um ohne jede Erklärung ins Leere zu verpuffen, und Handlungsstränge werden durch Kleinigkeiten ohne jede symbolische Bedeutung verknüpft und könnten genauso gut einfach nebeneinander her laufen... Ihren "Sie wissen ja, was ich meine, ich erzähle Ihnen da sicherlich nichts Neues"-Erzählstil hat die Autorin schon vor langer Zeit gefunden und noch verfeinert, das zeigt sie in diesem Buch aufs Neue. Noch besser, noch lässiger ist sie geworden, von sich selbst überzeugter und dadurch überzeugender. Denn wieder fügt sie gekonnt gängige Klischees, einen schnellen Erzählrhythmus, einen eigenen Humor, eindringliche Wiederholungen und Gedankensprünge zu einem temporeichen, sehr eigenen, pointierten Stil zusammen, der auch vor kleinen Ausflügen in wissenschaftliche Themenbereiche mit satirischen Spitzen keine Angst hat.

Buchtips.net (positiv):

Spannend konstruiert, präzise formuliert, hintergründig und voller Widerhaken - "Die sonderbare Karriere der Frau Choi" ist ein Lesevergnügen erster Klasse.
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am 9. März 2013
»Die sonderbare Karriere der Frau Choi« dürfte mein sechster oder siebter »Roman« der Autorin sein; Birgit Vanderbeke ist für mich eindeutig eine Schriftstellerin, die ich absolut nicht immer lesen kann, deren Stil und pointierter Humor mir aber nach spätestens ein paar Jährchen Abstinenz fehlen.

Dieses Büchlein aus dem Jahre 2011 reiht sich eigentlich lückenlos in das Werk der Autorin ein: ein Umfang von knapp über hundert Seiten, sehr spitzer Witz, immerzu intelligent-pointiert, direkte Rede ohne Anführungszeichen ... ein Stil, der es in sich hat. Lediglich die Bandwurmsätze, die sich in vorangehenden Werken (bspw. »Das Muschelessen«) schon mal über mehrere Seiten hinziehen konnten, wurden hier etwas knapper gehalten.
Aufgrund des genialen, aber eigentümlichen Stils fällt es mir jedoch immer schwer, mich wirklich auf ihre Protagonisten einzulassen. Die Empathie mit ihren Figuren muss somit zugunsten scharfer Beobachtungen und spitz-stechendem Witz zurückgestellt werden - was für mich vollkommen in Ordnung ist; nicht in jedes Buch kann und sollte jede Nuance Eingang finden.

»Die sonderbare Karriere der Frau Choi« ist sicherlich nicht ihr bestes Werk, aber dennoch ein durchweg gelungenes.
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am 6. August 2013
Ich könnte nicht wirklich sagen, worum es in dem Buch geht und auch der Schreibstil ist irgendwie "merkwürdig". Alles plätschert so dahin, aber dabei entwickelt man eine seelenstreichelnde Welt der Frau Choi im Kopf, die mir einfach gefallen hat - obwohl ich normalerweise eher Sachbücher oder Krimis lese!
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am 20. Oktober 2011
Der Plot der Geschichte hat mir ungemein gefallen. Eine skurrile Protagonistin in Form einer koranischen Frau, die in einer ebenso skurrilen Umgebung wie diesem südfranzösischem Dörfchen auftaucht, kann mein Herz nur gewinnen. Ich mag dieses "Anderssein" in Romanen sehr gern.

Auch empfinde ich es erfrischend, wenn Aufbau und Wachstum beschrieben werden. Der Niedergang von Familien und Imperien ist doch oft recht deprimierend, da ist es aufheiternd, vom Aufstieg des vergessenen Dörfchens M** zu lesen.

Wie in einem Schneeballeffekt zieht ein Aktionismus den anderen nach sich und der Katalysator für alles ist Frau Choi. Die wie nebenbei einfließenden mysteriösen Todesfälle geben der Geschichte einen morbiden Charme. Es trifft ziemlich unangenehme, fiese Zeitgenossen und insgeheim denkt man sich der hat's gar nicht besser verdient. Natürlich ist es mit einem Augenzwinkern zu lesen, es steckt jede Menge unterschwelliger Humor in der Geschichte.

Besonders erwähnenswert ist natürlich auch der ungewöhnliche Schreibstil von Birgit Vanderbeke. Ihr ist damit ein unverwechselbarer Stil gelungen, den ich auch schon als "Vanderbeke-Sound" betitelt gelesen habe. Dabei lässt er sich auch nur schwer erklären. Ich will es trotzdem versuchen:

Vanderbeke schreibt, als wäre sie ein bisschen schlicht im Gemüt, aber gleichzeitig dazu in der Lage, jeden zu durchschauen. Der Tonfall ist freundlich-naiv, aber zwischen den Ritzen, die sich hier und dort auftun, blitzt der messerscharfe Verstand durch. Wenn ich an die Klangfarbe ihrer Texte denke, dann kommt mir das Adjektiv lakonisch, also eine knappe, aber treffende, trockene, schmucklose Ausdrucksweise in den Sinn.

Ganz knappe Sätze wechseln sich mit Endlosschlangen ab, wobei auch letztere immer gut verständlich sind.

Ein Beispielsatz: (Erklärung vorab: Yves und Yolande haben gerade bei Frau Choi gegessen.)

Es ist überwältigend, sagt Yves schließlich zu Yolandes größter Überraschung, denn in M** neigt man nicht gerade dazu, Dinge, die nicht aus M** sind, überwältigend zu finden, und Yves ist aus M**. Yolande hat ihn einigermaßen überreden müssen, am Samstag zu Frau Choi zu gehen.

Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und diese hier ist für mich eines ihrer besten.
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