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5.0 von 5 Sternen Türkei, du bleibst mir ein Rätsel.
In meinem Heimatland leben 2 Millionen Türken, in meiner Heimatstadt wohl soviel wie in keiner anderen deutschen Stadt. Gegensätze sind nicht zu übersehen: junge Mädchen mit Kopftuch und schweren, unmodernen Mänteln auf der einen Seite, oder ältere vollbärtige Familienväter mit Gebetsketten in der Hand, in deren Gesichtern ein Leben...
Veröffentlicht am 22. Dezember 2007 von sonnenblumensammler

versus
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu fremd um zu fesseln
Der Weltenbürger und Dichter Ka kehrt in seine Heimatstadt Kars zurück. Vordergründig will er die gehäuften Selbstmorde von jungen Frauen (Turban-Mädchen) aufklären. Der wahre Grund heißt aber Ìpek. Sie ist die Frau seiner Träume.
In Kars angekommen wird Ka bei den oberen Zehntausend vorstellig. Jeder der in der Stadt...
Veröffentlicht am 17. März 2008 von Heinz Ketchup


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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Türkei, du bleibst mir ein Rätsel., 22. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
In meinem Heimatland leben 2 Millionen Türken, in meiner Heimatstadt wohl soviel wie in keiner anderen deutschen Stadt. Gegensätze sind nicht zu übersehen: junge Mädchen mit Kopftuch und schweren, unmodernen Mänteln auf der einen Seite, oder ältere vollbärtige Familienväter mit Gebetsketten in der Hand, in deren Gesichtern ein Leben in der Fremde seine Spuren hinterlassen hat. Andererseits Mädchen, deren Kleidung nur das Nötigste bedeckt und die das Maximum der Make-up-Kunst herausgeholt haben, oder unhöfliche Teenager mit solariumsbrauner Haut und reichlich Haargel. Daß aber hinter diesen Gegensätzen eine derartige Zerrissenheit herrscht, hat mir erst Schnee" gezeigt. Die Menschen im osttürkischen Kars suchen ihre Identität zwischen Familien und Liebe, Armut und Karriere, Satellitenschüsseln und Scheich-Konventen, der Heimat und dem Glück in der Ferne, Freiheit und Zwang. "Jeder weiß, daß hier in Kars keiner frei entscheiden kann, daß jeder nur danach strebt, vor Schlägen wegzulaufen und zu einer Gemeinschaft zu gehören, die ihn schützt" (S. 476).

Die Bewohner Kars' werden nicht als glückliche Menschen beschrieben: Ipek wird vom Fluch ihrer Schönheit verfolgt, einen Mann zu lieben und Kinder zu haben bleibt ihr verschlossen. Ebenso wie Ipek hat Kadife ihre wirkliche Liebe verloren und heiratet jemand anders. Ihr Vater, Turgut, kann aus Angst vor radikalen Islamisten nicht mehr ohne Furcht aus dem Haus gehen. Muhtar verliert seine Frau und keiner will seine Gedichte lesen. Serdar, der Besitzer der örtlichen Zeitung, ist ein unsympathsicher Schmierfink und Opportunist. Viele andere (der Direktor der pädagogischen Hochschule, Necip, Lapislazuli, Sunay, Hande, die Turban-Mädchen, die sich umgebracht haben) verlieren ihr Leben. Funda Eser wird verrückt. Die unzähligen Polizei- und Staatsspitzel wirken wie traurig dahintrottende Hunde. Überall wird Raki getrunken. Zufriedenheit scheint nur im freiwilligen Verzicht auf Glück möglich: "Einen Moment lang fühlte sie sich gealtert. Kompromisse einzugehen, alt und klug genug zu sein, nichts von der Welt zu wollen: sie hatte das Gefühl, das jetzt zu können" (S. 480).

Der unglücklichste von allen aber ist Ka. Ohne Heimat, die Kreativität des Dichters, die seiner Verzweiflung in Sublimation Erleichterung bringen kann, lange Zeit verloren. Der Traum seines Lebens, die ewig bestehende Wunde der Verlassenheit durch die ideale Frau zu heilen, erscheint zeitweise möglich. Genauso wie Einsamkeit und Elend ihm über Jahre hinweg eine Heimat geworden sind, kann er das blendende Glück nicht ertragen und trägt unbewußt zu seiner Zerstörung bei. Mit seiner kindlichen Suche nach Glück gerät er rasch zwischen die Fronten des Militärputsches und wird von beiden Seiten ausgenutzt. Seine fadenscheinigen Kontakte zu Frankfurter Journalisten nutzt er, um sich wichtig zu machen. Seine inadäquate Eifersucht kennt keine Kompromisse, kostet Lapislazuli das Leben und Ka die Liebe und später das Leben.

Orhan Pamuk hat den Roman so vielschichtig erdacht, daß es bis zur letzten Seite eine wahre Faszination ist. Seine Gefühle und Gedanken fließen in Ka und Orhan Bey" ein: in Ka die Verlassenheit, tiefe Verzweiflung und Gefühlsstarre, in Orhan Bey eher etwas Reflektierteres und Reiferes und die sich selbst gestattete Trauer.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ALS OB DIE ZEIT STEHEN GEBLIEBEN IST, 13. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
ORHAN PAMUK's Roman SCHNEE macht deutlich, in welchem Dilemma sich die Türkei befindet. Einerseits gibt man sich modern und dem Westen aufgeschlossen, andererseits sind die alten Traditionen und der muslimische Glaube derart stark verwurzelt, dass der beabsichtige EU-Beitritt einer Quadratur des Kreises gleichzukommen scheint.

DIE STORY:

Ka ist ein türkischer Lyriker. Nach dem türkischen Millitärputsch ist er nach Deutschland ins Exil gegangen und fristet in Frankfurt mehr schlecht als recht sein Dasein. Anläßlich des Todes seiner Mutter besucht er noch einmal seine Heimatstadt, Istanbul. Allerdings erkennt er die „Stadt seiner Kindheit“ nicht wieder. Von der Sehnsucht nach der Vergangenheit getrieben, läßt er sich von einem Freund überreden, als Reporter in das ferne anatolische „Kars“ (!) zu reisen. Er hofft insgeheim, dort seine ehemalige Kommilitonin Ipek wiederzutreffen. Kars ist eine türkische Provinz im Nordosten des Landes an der Grenze zu Armenien und liegt in der Grenzregion zwischen Ostanatolien und Transkaukasien. In Kars stehen Kommunalwahlen an und es ist zu einigen rätselhaften Todesfällen gekommen. Einige Frauen hatten sich das Leben genommen, weil sie gezwungen wurden, in öffentlichen Einrichtungen ihre Kopftücher – dessen Tragen eigentlich vom Koran vorgeschrieben ist – abzusetzen. Kaum das Ka in Kars angekommen ist, fängt es an unaufhörlich zu schneien. Ka quartiert sich im Hotel „Schneepalast“ ein, das von Ipeks Vater geführt wird, der dort mit seinen beiden Töchtern Kadife und Ipek wohnt. Ka's Liebe für Ipek flammt wieder auf und er macht ihr zunehmend den Hof. Unter dem Eindruck innerer und äußerer Erlebnisse schreibt Ka weiter Lyrik. Es entsteht sein Gedicht „Schnee“. Durch den starken Schneefall ist Kars von der Außenwelt abgeschnitten. In Kars bekämpfen sich Islamisten, Anhänger eines säkularisierten Staates im Geist Kemal Atatürks, Kommunisten, Türken, Kurden und Aserbaidschaner. Die Gunst der Stunde (der Oberbefhelshaber von Kars ist wegen der Witterungsbedingungen daran gehindert, nach einer Reise wieder in die Stadt zurück zu kehren) soll genutzt werden und ein Rvolutionsregiment soll installiert werden. Die politische Situation ist nur schwer überschau- und beherrschbar. Während einer Theateraufführung eines „Wandertheaters“ kommt es zum Putschversuch und Ka und Ipek befinden sich mittendrin...

FAZIT:

Das „Abgeschnitten“ sein - die „Isolation“ einer Gruppe - und schon greifen besondere (teils archaische) sowohl politische als auch psychologische Mechanismen ein, war und ist ein beliebtes Thema in Film und Literatur. Das gab's schon bei „Herr der Fliegen“ auf einer einsamen Insel und zuletzt z.B. bei „Die Arena“ (Stephen King), wo sich eine unsichtbare Kuppel über eine Kleinstadt stülpt. Bei ORHAN PAMUK greift dies eigentlich gleich doppelt. Denn Kars liegt bereits in der Geografie der Türkei recht abgeschieden in einem Grenzgebiet wo verschiedene Kulturen und Glaubensrichtungen aufeinandertreffen. Um die Isolation perfekt zu machen läßt ORHAN PAMUK es völlig einschneien. Und schon setzen die „Mechanismen“ ein... Als Westeuropäer kommt man sich in Kars weit in der Zeit zurückversetzt vor, so als sei dort die Zeit stehen geblieben, während sich in der restlichen (westlichen) Welt inzwischen Freiheit und Demokratie weitestgehend etabliert haben und Diskriminierungen – egal welcher couleur – allmählich zunehmend zurückgedrängt werden.

Zwar erzählt „SCHNEE“ auch eine Liebesgeschichte. Gleichwohl geht es in erster Linie aber mehr um politische/gesellschaftliche Zusammenhänge, die deutlich machen, dass es ein großes Spannungsfeld zwischen West und Ost, zwischen Christen und Moslems gibt, in dem sich die Türkei befindet und mit dem sich die Gesellschaft in der Türkei so schwer tut. Zu groß scheinen die Unterschiede zwischen den eher säkularisierten Bevölkerungsteilen in den Großstädten und im Westen der Türkei einerseits und den, alten Traditionen behafteten, moslemischen Bevölkerungsteilen in den ländlichen und östlichen Landesteilen andererseits zu sein. Gleichzeitig zeigt ORHAN PAMUK auch die Rigorosität, die Intoleranz und Kompromisslosigkeit der Ideologen sowie die Brutalität des türkischen Polizeiapparates schonungslos auf.

Eine spannende und unterhaltsame Lektüre, die deutlich macht, wie schwer sich dieses große Land zwischen Okzident und Orient tut, sich dem, Wohlstand verheißenden, Westen anzuschließen. Ein insgesamt sehr lesenswertes Buch des Literaturnobelpreisträgers.

Viel Spaß beim Nachlesen!
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefenrealismus und große Erzählkunst, 23. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Viel ist über den Roman Schnee" des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk geschrieben worden, so dass eine weiter Inhaltsangabe oder Deutung in die Ablage des Redundanten gelangen müsste.
Also beschränke ich mich auf meinen individuellen Eindruck und Gewinn.

Ka, ein mittelmäßig erfolgreicher Literat nimmt in Pamuks Werk die unfreiwillige Position eines politischen Akteurs ohne politische Ambitionen ein. Nimmt er persönlich Stellung, ist es immer eine Anbindung an seine individuellen Interessen, was natürlich auch für die anderen Akteure gilt, nur dass er der Einzige zu sein scheint, der seine Handlungsmotive nicht ideologisch legitimiert. So sind seine Wahrnehmungen des entropischen Geschehens in der eingeschneiten, von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt Kars die eines zwar aufmerksamen, aber unambitionierten Beobachters, der von den politischen und ideologischen Handlungsträgern missverstanden oder auch für ihre Zwecke missbraucht wird. Er ist weder um Macht noch um Sympathien bemüht ist - man nehme den Wunsch nach Erwiderung seiner Liebe zu der schönen Studienkollegin Ipek hier aus - und diese fremde Grundhaltung ist vielen suspekt, so dass ihm immer wieder Handlungsmotive unterstellt werden, die er weder intendiert, noch fühlt.
Durch diese Außenseiterposition hat der Schriftsteller sich selbst - und damit auch uns - einen Bezugspunkt geschaffen, der ein nicht wertendes und damit objektiveres Betrachten der Begebenheiten zulässt.
Damit werden die Ereignisse religiöser und ethnischer Konflikte, welche die Türkei seit langer Zeit erschüttern und beschäftigen, ohne den manipulierenden und eindeutig urteilenden Tenor der allwissenden europäischen öffentlichen Meinung dargestellt, so dass es als unmöglich erscheint, das polare Gut/Böse-Urteil zu fällen, und dennoch wird der Leser immer wieder mit Situationen und Ereignissen konfrontiert, die Fundamentalismen, Diktatur und Diskriminierung der Frau offen legen und damit Unrecht aufzeigen. Die Entscheidung dessen, wer Täter und wer Opfer ist, kann nicht gefällt werden, da sich diese Rolle in einer Person je nach Handlungsintention und auch -folge wandelt - so wie es sich eben in der Realität darstellt, die nicht an die eindeutige Messlatte der bereitwillig (ver-)urteilenden kulturfernen Beobachter angelegt ist, deren Handeln kulturintern die gleiche Uneindeutigkeit reflektiert.

Es bedarf sehr viel emotionellen und mentalen Engagements, die subtile Vielfalt der komplexen Geschehnisse in der Türkei so scharf zu beobachten und zu erkennen, und es bedeutet eine hervorragende künstlerische Leistung, diese ambitioniert aber unbefangen darzustellen. Das Stilmittel der detaillierten Beschreibung von Außen- und Innenwelt lässt den Leser nicht zum Voyeur, sondern zum Beteiligten werden, Radikalisierungen und Fundamentalismen werden verständlich und nachfühlbar.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu fremd um zu fesseln, 17. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Der Weltenbürger und Dichter Ka kehrt in seine Heimatstadt Kars zurück. Vordergründig will er die gehäuften Selbstmorde von jungen Frauen (Turban-Mädchen) aufklären. Der wahre Grund heißt aber Ìpek. Sie ist die Frau seiner Träume.
In Kars angekommen wird Ka bei den oberen Zehntausend vorstellig. Jeder der in der Stadt irgendetwas zu melden hat, will mit dem berühmten Dichter, aus dem fernen Deutschland, Gedanken austauschen. Da ist Lapislazuli, der Islamist, der sowohl ein Verhältnis zu Ìpek als auch zu deren Schwester Kardife pflegte.
Dann gibt es Serdar Bey, Journalist bei der Grenzstadtzeitung, und Meinungsmacher in Kars.
Muhtar, Ìpeks Ex-Ehemann und Kandidat für den Bürgermeisterposten, versucht durch Ka seine Ex-Frau zurückzuerobern.
Sanay Zaim und seine Frau Funda Eser betreiben das provokative Volkstheater in Kars. Dort gibt es im Laufe der Geschichte das eine oder andere Massaker.
Und so gibt es Viele mehr.
Die Nationale Nachrichtendienst findet die schleichende Islamisierung durch Lapislazuli und Konsorten auch nicht besonders aufregend.
Politische Diskussion rund um Kemalismus (Gründungsideologie der Türkei von Mustafa Kemal Atatürk), Säkularismus (mentaler Prozess der Trennung von Religion und Staat) und Islamisierung folgen. Die ganze Geschichte dreht sich irgendwie immer wieder im Kreis. Kopftuch - Ja oder Nein, Selbstmord - Sünde oder Befreiung, Liebe - Herz versus Eifersucht und, und, und.
Dazu Liebe und Schmerz mit den Protagonisten Ka, Ìpek, Lapislazuli, Kardife, Fazil und Necip etc p.p..
Hört sich eigentlich ganz gut an. Uneigentlich finde ich Schnee nicht gut geschrieben. Praktisch Schnee von gestern. Das Politische ist mir persönlich einfach zu fremd. Die Sätze sind zu lang und zu verschachtelt. So quält man sich manchmal durch Sätze ala Zitat:
"Der Major ging in seinem Bericht auch auf ein anderes Gerücht ein, nämlich dass Kardife Sunay umgebracht habe, um für Lapislazuli Rache zu nehmen, und erklärt, dass man jemanden, dem man eine geladene Pistole in die Hand drücke, während man behaupte, sie sei leer, nicht auf die lobenden Erklärungen von Islamisten und die Vorwürfe der säkularen Republikaner, Kardife habe listig gehandelt, als sie Sunay tötete, sich selbst aber nicht umbrachte, entgegen er, man dürfe Kunst und Wirklichkeit nicht verwechseln." (Seite 489)
Und so ist das ganze Buch. Extrem anstrengend. Nicht mein Ding.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas durchwachsen, 22. Januar 2009
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
In seinem Roman « Schnee » dringt Orhan Pamuk in die politischen und religiösen Wirren der Türkei ein. Die Handlung spielt in der anatolischen Grenzstadt Kars, welche durch Schneefall von der Aussenwelt abgeschnitten wird. Hierdurch entwickelt sich ein Mikrokosmos, welcher beispielweisend für die Türkei mit ihren Problemen steht. Auf der einen Seite findet man die säkulären, nationalistischen Staatsvertreter, verstärkt durch das Militär, ganz in der Nachfolge des Staatsgründers Atatürk. Diesen gegenüber stehen die Islamisten sowie unterdrückte Bevölkerungsgruppen wie die Kurden oder Armenier. Letztere Gruppierungen sind dabei, an Macht zu gewinnen, werden aber von den Staatsvertretern in die Schranken verwiesen. Hinter den Kulissen agieren beide Seiten mit Geheimagenten, Mordanschlägen, Manipulation und Pressemissbrauch. Die ganze Handlung im Roman wird hierdurch verwirrt, sodass man zeitweilig nicht genau weiss wer welche Seite vertritt. Der Roman illustriert die Probleme der Türkei, welche ihren Platz zwischen Europa und den islamischen Nachbarn sucht.

Phasenweise wirkt das Buch etwas durcheinander und langweilig. Verschiedene Handlungen werden ausserdem in die Länge gezogen. Der Liebesgeschichte zwischen Ka und Ipek fehlt es zudem an einem Schuss Romantik.

2,5 - 3 Amazon-Sterne
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zum Frösteln - kein Wintermärchen, 20. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Eine ganz eigene, eigenartige Geschichte, die Orhan Pamuk erzählt. Sehr empfehlenswert das Hörbuch, welches außerordentlich gut gemacht und gesprochen wurde. Hier hat man dann auch nicht die Schachtelsätze, die von etlichen Lesern so sehr kritisiert wurden. Dennoch keine einfache Geschichte und keine leichte Unterhaltung. Aber etwas, was einen auch im nachhinein noch beschäftigt und worüber man noch lange nachdenkt.
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21 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein großes Rätsel, 30. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Es gibt Rätsel, die der gemeine Menschenverstand nicht lösen kann. Eins davon ist zum Beispiel die Frage, wie das Weltall zugleich unendlich und doch begrenzt sein kann. Ein anderes ist die Tatsache, dass Orhan Pamuk im Jahr 2006 den Nobelpreis bekam. Doch, ich kann es beweisen: auf meinem Exemplar von "Schnee" klebt eine leuchtendrote Plakette mit der Aufschrift "Nobelpreis für Literatur 2006".
Kann das sein? fragt man sich, wenn man die ersten 150 Seiten dieses Buches gelesen hat und immer noch nicht warm geworden ist mit ihm? Woran liegt das, das alle anderen diesen Autor zu mögen scheinen, nur du selbst nicht? Liegt das vielleicht an den Figuren, die zwar Namen haben, wie Kadife oder Lapislazuli oder Necip, dass diese Figuren aber seltsam flach bleiben? Man kann ihnen Etiketten auf die Stirn kleben wie "Islamist", "Dichter" oder "Nationalist", "Turbanmädchen" oder "Spitzel", aber das ist es dann auch schon. Selbst Ka, der Dichter, der die Hauptfigur des Buches bildet, bleibt undeutlich. Er spricht zwar sowohl mit den Islamisten wie mit den Nationalisten, die den Putsch im Theater veranstalten, um den Islamisten eins auszuwischen, aber er kann sich nicht entscheiden, ob er nun die Forderungen der Religiösen gut finden soll oder eher die säkulare Richtung. Mal scheint er auf dieser Seite zu stehen, mal auf jener. Seltsam unberührt geht er durch diese Art Bürgerkrieg in einer Stadt, die durch Massen von Schnee von der Außenwelt abgeschlossen ist. Seine Mission ist es, möglichst viele Gedichte zu schreiben und die schöne Ipek, die er aus Studentenzeiten kennt, für sich zu gewinnen.
Weil das nun so ist, wird die Handlung selbst zur Kulisse. Zwar werden in diesem Mikrokosmos die Probleme der heutigen Türkei geschildert; ihre autoritäre Staatsführung, die auch vor Folter nicht zurückschreckt, Zeitungen, die auf Anweisung von oben schreiben, egal ob es sich um die Wahrheit oder um Lügen handelt, die Gewalt, die vom Staat, den Islamisten und der kurdischen PKK ausgeht, aber das alles scheint wegen der Perspektive der Hauptfigur seltsam entrückt und unwirklich. So wird dann selbst einer der Höhepunkte, die Schießerei im Volkstheater merkwürdig distanziert wahrgenommen. "'Wenn die vorderen Reihen diesen blinden Lärm nicht so ernst genommen hätten und ruhig geblieben wären, wäre nichts von dem geschehen, was dann passierte', habe ich Leute sagen hören, und andere erklärten, daß die hohen Beamten und reichen Leute während dieser achtzehn Sekunden voller Hektik aufgestanden sind, ohnehin wussten, was geschehen würde, daß sie deswegen ihre Familien genommen haben und aufgebrochen sind und daß das alles in Ankara geplant worden ist.'" (S. 185) Mit Bandwurmsätzen dieser Art macht man spannende Szenen kaputt und vergrault Leser.
Überhaupt: die Sprache. Die ist so schlicht und manchmal auch holprig, dass man nicht weiß, ob man für sie nun Orhan Pamuk selbst oder seinen Übersetzer dafür verantwortlich machen soll. Nein, einen Preis hat das Buch wahrhaftig nicht verdient. Aber keine Sorge, Freunde, ich bleibe dran. Ich will jetzt wirklich wissen, warum Orhan Pamuk den Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Als nächstes werde ich mir "Rot ist sein Name" vornehmen. Mal sehn, ob das die Lorbeeren verdient hat, die es - genau wie "Schnee" von den Rezensenten der großen Zeitungen bekam oder ob das alles eine große Verschwörung gegen die Literatur ist. Vielleicht kann ich das Rätsel ja doch noch einmal lösen.
Demnächst also mehr.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nichts Halbes und nichts Ganzes, 19. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Ka, Dichter und Journalist, ist vor Jahren aus politischen Gründen aus seiner türkischen Heimat in Richtung Deutschland emigriert. Nun kehrt er in seine osttürkische Heimatstadt Kars zurück. Er soll für eine Istanbuler Zeitung über die bevorstehenden Kommunalwahlen und über eine Serie von Selbstmorden junger Frauen berichten. Sein eigentlicher Grund nach Kars zurückzukehren ist jedoch seine Jugendliebe Ipek. Sie will er nach deren Scheidung für sich gewinnen.
Der Besuch eines bekannten Dichters, der aus dem zivilisierten Westen in das Provinznests Kars kommt sorgt allein schon für Aufsehen unter der Bevölkerung, doch das Interesse an Ka wächst, als er Zeuge eines Mordes wird. Der Direktor der Hochschule wird von einem religiösen Fanatiker ermordet. Er hatte kopftuchtragenden Studentinnen den Zugang zur Universität verweigert.
Ka wird daraufhin von Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher ideologischer Gruppierungen zum Gespräch gebeten. Sie wollen von ihm, dem westlich-weltmännischen Türken, seine Einstellung zu den Vorgängen erfahren und bemühen sich, Ka für ihre Interessen zu gewinnen. Blauäugig trifft sich Ka mit Ihnen und verstrickt sich so in ein undurchdringliches Netz verschiedener Ansichten, Intoleranz und Gewalt.
Als bei einer Vorstellung im Theater das Militär auf pöpelnde Islamsten schiesst und einige davon tötet, eskaliert die Situation im mittlerweile durch den andauernden Schneefall von der Aussenwelt abgeschnittenen Kars.

Ka ist eine gescheiterte Existenz. Orientierungslos zwischen türkisch-konservativer Tradition und westlich-toleranter Welt, tappt er in einen verhängnisvollen Streit der unter den Anhänger verschiedener Ethnien, Glaubensströmungen und politischen Interessen ausgetragen wird. Er bemüht sich seine Landsleute von den Vorzügen des westlich-toleranten Lebensstil zu überzeugen, obwohl Ka selbst dort stets ein Fremder geblieben ist und verlassen von der Hand in den Mund lebt. Daher vermag er seine Landsleute, trotz aller Widersprüchlichkeiten der türkischen Gesellschaft, in ihrem Lande heimisch sind, nicht überzeugen.

Dies ist aber nur eine der möglichen Schlussfolgerungen, die sich aus der Lektüre des Romans ergeben. Welches Ziel Pamuks Roman verfolgt, bleibt unklar. Die Handlung eiert so vor sich hin und ist in Teilen des Buches abgehoben und surreal. Geradlinige Handlungsstränge sind nicht zu verfolgen. Zahlreiche Dialoge drehen sich thematisch im Kreis. Erkenntnisse werden nicht weiter verarbeit, eine Fortentwicklung der Charaktere ist nicht zu erkennen. Die Figuren bleiben blaß und erwecken den Eindruck, Pamuk sei sich selbst nicht sicher gewesen, mit welchen Eigenschaften er seine Personen charakterisieren soll. Obwohl die Geschichte auf eine Katastrophe hinzielt, versucht Pamuk gar nicht seiner Geschichte mit Spannungsbögen ein wenig Schwung zu verleihen. Jeglicher Überraschungseffekt wird durch eine Vorausschau des Erzählers oder durch geheimnisvolle Voraussagen der Akteure, im Keime erstickt.

Geradezu ein literarischer Faux-pas erster Kategorie ist die bedeutungsschwanger, grafisch als Schneeflocke geordneten Einteilung der Gedichte, die Ka während seines Aufenthalts in Ka regelrecht "zufliegen". Keines der Gedichte wird jedoch zitiert und auch über deren Inhalt wird nichts bekannt. Lediglich die Orte, an denen Ka inspiriert wird und der Titel der Gedichte scheinen von Bedeutung zu sein. Dem Leser bleibt viel Spielraum bei der Auslegung. Warum aber, wenn die Gedichte in der Handlung eine derart zentrale Rolle spielen, dass sogar die Seiten Kas Inspiration im Index separat aufgeführt werden, wird deren Inhalt nicht wiedergegeben?

"Schnee" ist kein großer Roman. Dazu ist die literarische Erzählform zu uneinheitlich, die Akteure zu blaß, deren Aussagen zwar bedeutungsschwanger aber dennoch zu belanglos und die Botschaft schlussendlich zu undeutlich. Die Selbstmorde der Mädchen, eigentlich ein zentrales Thema in der Handlungseröffnung, werden in der Romanentwicklung völlig vernachlässigt und an den Rand gedrängt. Dass sich die Mädchen, wie zum Schluß erwähnt wird, sich aus Stolz umbringen, bleibt lediglich eine Aussage und ist keine Erkenntnis, die sich aus der Handlung ableitet.

Dennoch liest sich das Buch flüssig. Obwohl die Rahmenhandlung keine Milieustudie des Lebens einer türkischen Provinzstadt ist, erfährt der Leser einiges über die türkische Kultur des Miteinanders verschiedener Völker, Religionen und politischen Ansichten. Auch ist die Beziehungskiste zwischen Ka und Ipek sowie die biografischen Details aus Kas Zeit in Frankfurt sind durchaus lesenswert. Weniger schwulstig, mit einer geradlinigen Story, einigen ausgearbeiteten Spannungsbögen und klassischen retardierenden Momenten wäre Pamuk bei deutlich geringerem Umfang ein wesentlich besseres Buch gelungen.
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4.0 von 5 Sternen Gut durchdachtes und aufschlussreiches Buch, das nur dürftig übersetzt (oder geschrieben?) wurde, 4. November 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Orhan Pamuk schildert die Tage, die der Lyriker und Gelegenheitsjournalist Ka in der osttürkischen Stadt Kars verbringt um dort eine Reihe von Selbstmorden junger Frauen aufzuklären. Dabei erzählt Pamuk aus der Perspektive eines Freundes von Ka, der vier Jahre später sich auf Basis von den Unterlagen von Ka, Augenzeugen- und sonstigen Berichten daran macht, die Geschehnisse dieser Tage zu rekonstruieren, die in den 1990er Jahren stattgefunden haben müssen.
Das Buch beginnt humorvoll aber schlicht mit der Ankunft von Ka in dem kurz darauf komplett durch heftigen Schneefall von der Außenwelt abgeschnittenen Kars. Im Laufe des Buches wird Ka immer mehr in die politischen Spannungen zwischen Islamisten, kurdischen Nationalisten und türkischen Militärs eingebunden und fällt ihnen schließlich - zunächst im übertragenen Sinne - zum Opfer. Kas eigene Position bleibt sehr lange undeutlich und er wird als wankelmütig ohne starken Willen.
Die Mädchen, die sich umbrachten, waren religiös, was den Selbstmord umso erklärungsbedürftiger macht, ist er doch im Islam verboten. Der nationalistisch und 'liberal' eingestellte Direktor der Schule hatte begonnen, die sogenannten "`Kopftuchmädchen"' mehr und mehr zu diskriminieren und sie sogar vom Unterricht auszuschließen. Mit dem Selbstmord wollten die Mädchen demonstrieren, dass ihnen ihr Körper selbst gehört, was Pamuk sehr eindrucksvoll im Kontext von zunehmenden Spannungen zwischen Islamisten und den Behörden, die sich blutiger und blutiger bekämpfen, schildert. Die Behörden werden dabei als korrupt und auf die Unterstützung von vielen Spitzeln zurückgreifend geschildert. Ebenfalls eindrucksvoll schildert Pamuk, der für dieses Buch 2006 den Literaturnobelpreis erhielt, die Minderwertigkeitskomplexe der Türken gegenüber den Europäern sowie die Antriebslosigkeit vieler (Ost-)Türken, die fast schon an Depressionen grenzt. Allein schon aus dem Westen stammende Kleidung wird bewundert - oder mit einer Art Verachtungsliebe von den Islamisten bedacht.
Ein sehr durchdachtes und aufschlussreiches Buch, dessen einzige bedeutsame Schattenseite die wenig gelungene Übersetzung ist.
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5.0 von 5 Sternen Verloren in Kars, 23. Oktober 2013
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
Der türkische Journalist und Dichter Ka kommt aus Istanbul nach Kars, einer rückständigen Provinzstadt an der Ostgrenze der Türkei, weil er über eine Selbstmordserie junger Frauen berichten soll. Der Besuch entwickelt sich zum Alptraum, aus dem Ka nur vorläufig und mit knapper Not entkommt.

Charakteristisch für Ka - man denkt spontan an Kafkas Protagonisten K. im "Schloss" oder "Prozess" - ist, dass er sich als Fremder fühlt und als solcher behandelt wird. Die politischen Umtriebe um die Selbstmorde herum interessieren ihn nicht sonderlich, so wie ihm die gesamte politische Situation in dieser tristen, vergessenen Stadt nicht besonders nahegeht. Erst durch die Liebe zu der schönen Ipek wird er existentiell in die Machenschaften und Umtriebe verstrickt und zu schwerwiegenden Entscheidungen getrieben.

Viel wichtiger erscheint Ka zunächst, in Kars den Spuren der Vergangenheit und seiner Kindheit nachzugehen und sich seinen Stimmungen hinzugeben. Diese werden im Wesentlichen durch den unablässig fallenden Schnee bestimmt - alles wird schön, traumhaft und in eine unwirkliche Stille getaucht. Merkwürdigerweise wird Ka in den drei Tagen, in denen er sich in Kars aufhält, immer wieder von poetischen Inspirationen ergriffen. Sie kommen wie "von einem Ort außerhalb seiner selbst", wie von einer göttlichen Quelle, und er fühlt sich nur als "Werkzeug" (452). In diesem Zusammenhang: In Übereinstimmung mit der allgemeinen fundamentalistischen Bewegung nähert er sich auch wieder dem Glauben an Allah, aber als westlich geprägter Individualist ist es ihm nicht möglich, sich den Fundamentalisten anzuschließen. Was ihn schließlich im Kern trifft und fast zerstört, ist die Liebe zu Ipek.

Der allwissende Erzähler, der sich als Orhan (Pamuk) zu erkennen gibt, erzählt von Ka als seinem Freund, indem er dessen Geschichte aus seinen hinterlassenen Notizen rekonstruiert und seinen Spuren in Frankfurt und Kars nachgeht. Aber aus vielen Bemerkungen wird deutlich, dass Ka und Orhan auch weitgehend ein und dieselbe Person sein können, Orhans Inkognito scheint mehr oder weniger fadenscheinig.

Der Erzähler schildert die gegenwärtigen ideologischen Kämpfe in der heutigen Türkei, wobei es vielleicht gar nicht so wichtig ist, welche Partei zu welchem Zeitpunkt reüssiert. Die Vorgänge haben, obwohl sie geradezu überdeutlich analysiert und artikuliert werden, paradoxerweise eine surreale, traumhafte Qualität. Die Handlung spitzt sich nur manchmal dramatisch zu, im Wesentlichen dominiert die Darstellung der Atmosphäre der Tristesse und Verlorenheit. Deshalb ist die Handlungsentwicklung oftmals verwickelt und zäh - nicht immer das reinste Lesevergnügen.

Noch dazu mutet das Ganze gelegentlich wie eine Schmierenkomödie an, indem die entscheidenden politischen Vorgänge in einem Theater stattfinden, angeführt von einem narzisstischen Schauspieler, der für ein paar Tage seine politischen Ambitionen auslebt. Aber gleichzeitig wird deutlich, wie diese Schmierenkomödie den einzelnen in ihren Strudel reißen und blutiger Ernst werden kann.Pamuk setzt sich in diesem Buch nicht nur mit der Situation eines Intellektuellen und Künstlers, nicht nur mit den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in der Türkei auseinander, sondern gibt uns auch Einblicke in eine oft fremdartig anmutende, manchmal exotische Mentalität - ein aufschlussreiches Buch zwischen den Kulturen.
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Schnee: Roman
Schnee: Roman von Orhan Pamuk (Taschenbuch - 16. August 2007)
EUR 9,95
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