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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Du bist, was du liebst, nicht wer dich liebt."
"Ein Roman über die Zumutung des Glücks, geliebt zu werden." So tituliert die Presse über >Sieben Jahre<.

Peter Stamm`s Roman ist eine Erzählung über einen Mann, der zwischen zwei Frauen steht und sich in zwei Parallelwelten bewegt. Alex`s Ehefrau Sonja ist schön und intelligent. Es fehlt aber an Leidenschaft. Alex`s Geliebte...
Veröffentlicht am 18. Dezember 2009 von Regina Berger

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Architektur und Lebensglück als Gestaltungsmittel
Peter Stamms neuestes Buch Nacht ist der Tag habe ich dank einer guten Zeitungsrezension gelesen und für nur mittelmäßig empfunden. Meinen leichten Unmut darüber haben andere Amazon-Rezensenten kommentiert, indem sie mich u. a. auf das vorliegende Buch Sieben Jahre aufmerksam machten.

Alex, Architekt und Erzähler der Geschichte, legt...
Vor 15 Monaten von Gabriele B. veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Du bist, was du liebst, nicht wer dich liebt.", 18. Dezember 2009
Von 
Regina Berger "Gina" (Rottach-Egern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ein Roman über die Zumutung des Glücks, geliebt zu werden." So tituliert die Presse über >Sieben Jahre<.

Peter Stamm`s Roman ist eine Erzählung über einen Mann, der zwischen zwei Frauen steht und sich in zwei Parallelwelten bewegt. Alex`s Ehefrau Sonja ist schön und intelligent. Es fehlt aber an Leidenschaft. Alex`s Geliebte Iwona ist spröde und unscheinbar. Aber sie liebt. Und bei ihr fühlt Alexander sich lebendig und frei.
Der Roman, in dem es um Selbstbestimmung und die verschiedenen Formen der Liebe geht, verkörpert eine Mischung aus Glück und Traurigkeit gleichermaßen.

Das Buch kommt sprachlich nur mit Hauptsätzen aus. Selbst wörtliche Anreden fehlen. Doch genau diese minimalistische Ausdrucksweise läßt die Erzählung eindringlich werden. Die nüchterne Sprache, die oft wie eine Aneinanderreihung von Feststellungen wirkt, zieht den Leser beharrlich in einen Sog und weckt auf eine ganz andere Art Emotionen. Dem Buch fehlt es an Wärme (wie den handelnden Personen auch) und dennoch verspürt man beim Lesen ein kühles Mitgefühl.

Letztendlich geht es um gelebte Mittelmäßigkeit mit ständig zwispältigen Gefühlen und im Gegenzug um die Sehnsucht nach dem Leben, einem "wuchernden Leben, das sich den Plänen entzieht." Ungeachtet der leichten Trübseligkeit, die es versprüht, handelt es sich um ein bewegendes, kraftvolles Buch, welches sich zu Lesen lohnt.
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59 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Du bist, was Du liebst, nicht wer dich liebt., 26. August 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans steht der Architekturstudent Alexander, den nach dem Abschluss seines Studiums seine schöne und erheblich begabtere Kollegin Sonja heiratet. An den Ekstasen der Liebe und der körperlichen Erfüllung hapert es zwar ein wenig, aber dafür gründen Alex und Sonja eine gemeinsame Architekturfirma, arbeiten nahezu rund um die Uhr, beschäftigen zeitweise zwanzig Mitarbeiter und erwerben all die Statussymbole der gutbürgerlichen Gesellschaft.
So weit so langweilig. Wenn da nicht die rätselhafte Iwona wäre, eine absolut unattraktive, ungebildete und lethargische junge Polin, die Alex noch in seiner Junggesellenzeit kennen geleint hatte und zu der er sich auf eine perverse Weise hingezogen fühlt. "Ihr weißes, unberührtes Fleisch hatte etwas Pflanzenhaftes, Vegetatives, die Falten der Haut, die voller Mutermale war und das krause Schamhaar. Ich war fast bewusstlos vor Lust."(S. 58f.)
Aber auch hier kommt Alex nicht zum Ziel, denn "eindringen" darf er nicht. Aber das macht nichts, wenn er nur manchmal in Zeiten der seelischen De"ompression seinen Kopf auf ihren fülligen Muterbusen betten darf. Willkommen ist er stets, denn die junge Polin scheint Alex auf eine für ihn unbekannte, entschiedene und unwiderlegbare Weise zu lieben.
So lebt Alex eine Zeitlang zwei kümmerliche Leben, bis er eines Tages doch noch mit Iwona schläft und sie schwanger wird. Was nun? Sonja wegen Iwona zu verlassen, kommt für Alex nicht in Frage, aber verheimlichen lässt sich nun auch nichts mehr. Aber Alex, der in diesen Passagen des Romans entgültig zu einem ekelhaften Widerling wird, weiß Rat: er überredet Iwona das Kind sofort nach der Geburt für Alex zur Adoption freizugeben, weil es dann in einer optimaleren bürgerlichen Umgebung aufwachsen kann. Merkwürdigerweise ist Sonja, die keine Kinder bekommen kann, einverstanden.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zuende. Iwona verschwindet für Jahre von der Bildfläche, doch die Architekturfirma von Alex und Sonja geht in die Insolvenz. Harte Jahre stehen an, in den Alex fast zum Alkoholiker wird, während Sonja mit aller Kraft versucht, die Firma zu entschulden. Am Ende ist die Firma gerettet, doch die Ehe zerstört. Sonja verläßt ihren Mann (Endlich! denkt der Leser), Alex bleibt zurück und fühlt sich plötzlich sehr leicht und wach, "als sei ich nach einer langen Bewusstlosigkeit endlich wieder zu mir gekommen." (S.284)
Damit endet das Buch und lässt den Leser beunruhigt zurück. Man hat den Roman in einem Rutsch gelesen, kommt mit der Psychologie der Protagonisten nur schwer zu Rande. Jede der Figuren besitzt Ecken und Kanten, deren Gesamtheit einfach keine bündige Form ergibt. Sonja ist begabt, belastbar aber leidenschaftslos, Iwona ist muffig bis in die Spitzen ihres Liebestöters, aber unbeirrbar in ihrer Liebe zum Widerling. Alex ist die mit Abstand unerfreulichste Gestalt des Buches. Während er sich über das gutbürgerliche Gehabe seiner Schwiegereltern nicht genug mokieren kann, lässt er Iwona gegenüber den Oberschichtler heraushängen. Zerfressen von Minderwertigkeitsgefühlen kann er sich weder an Sonja, die ihm weit überlegen ist, noch an Iwona, die ihm zu unterlegen ist, gewöhnen. So verfängt er sich in einem sadomasochistischen Lebensmodell, indem er ein Leben in einem ihm fremden Milieu erträgt, um sich insgeheim an einer wehrlosen Frau zu rächen, die alles für ihn tut, weil sie ihn unrettbar liebt.
Peter Stamm hat die exemplarische Geschichte eines seelischen Autisten geschrieben, der sich am wohlsten fühlt, wenn ihm niemand zu nahe kommt. Obwohl der Protagonist eine durch und durch unsympathische Natur ist, wird es nur wenige geben, die sich in manchen seiner Züge, vor allem dem stupiden Gefühl der Schuldlosigkeit, die er bei all seinen Schandtaten bewahrt, nicht hier und da ein Stück weit wieder erkennen werden. Der vorliegende Roman verfügt im Übermaß über das, was ein gutes Buch unbedingt braucht - eine von der ersten bis zur letzen Seite fesselnde Sprache. Ohne alle poetischen Überhöhungen, Metaphern oder Satzgirlanden gelingt es dem Autor seine Geschichte mit klaren, sehr eindeutigen Sätzen, so zu erzählen, dass sich der Leser sofort mitten in das Geschehen hineinversetzt fühlt. "Du bist, was Du liebst, nicht wer dich liebt", heißt es auf S. 200. Wie gesagt: beunruhigend. Aber unbedingt empfehlenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebesunglück, 29. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre (Audio CD)
Im ersten Buch Mose wird von Jakob, Sohn des Isaak, berichtet, der Rachel begegnet, die die Schafe ihres Vaters hütet. Jakob verliebte sich unsterblich sie. Um Rachel jedoch heiraten zu können, muss Jakob sieben Jahre für ihren Vater Laban arbeiten.

Doch dieser führt ihm nach dieser Zeit mit einem Trick nicht Rachel, sondern deren ältere Schwester, Lea, in der Hochzeitsnacht zu. Jakob muss sich für weitere sieben Jahre verdingen, um endlich Rachel neben Lea zur Frau zu erhalten. Während Lea mehrere Söhne gebärt, bleibt Rachel unfruchtbar.

Auch Peter Stamm erzählt von einem Mann, dem eine Frau zur Obsession wird. Alexander und Sonja sind ein ungleiches Paar. Sie kennen sich seit ihrem gemeinsamen Studium der Architektur. Auch die gut aussehende kreative Sonja, Tochter aus gutem Hause, bekommt trotz aller Bemühungen keine Kinder.

"Alles ist anders. Alles ist neu. Alles ist schön". Dieser Spruch stammt aus dem Mund von Charles-Edouard Jeanneret (1887 - 1965), der sich selbst den Künstlernamen Le Corbusier gab. Für Le Corbusier enthüllen Licht und Schatten die Formen. Diesem Gedanken folgend, hat Peter Stamm seinen neuen Roman konstruiert. Stamm spielt zwei Liebeskonzepte gegeneinander aus: Auf der einen Seite die erfolgreiche, intelligente und attraktive Sonja und auf der anderen Seite die die spröde und graue Iwona.

Warum Alex sich zu der zwei Jahre älteren Iwona aus Polen hingezogen fühlt, die sich illegal in München mit einem Hilfsjob in einer christlichen Buchhandlung über Wasser hält, kann er selbst am allerwenigsten verstehen. Dass sie ihn mit fast schon hündischer Unterwerfung liebt, ohne Erwartungen und Ansprüche, macht einen großen Teil ihrer Faszination aus - und eben ihrer Macht über ihn. Sie liebt ihn, hingebungsvoll und bedingungslos. Sieben Jahre führt er ein Doppelleben.

Als Iwona von Alex schwanger wird, und Alex, Sonja und Iwona mit der Geburt des Kindes einen Pakt eingehen, brechen weitere schicksalhafte sieben Jahre an. Alexander wird in dieser Zeit fast alles verlieren. Doch "Ein Mensch, der liebt, hat immer schon gewonnen, einerlei, ob seine Liebe erfüllt wird oder nicht", ist das zentrale Thema Stamms. "Hast du das nie erlebt, dass du etwas getan hast, obwohl du wusstest, dass es falsch war?" fragt Alex. Bei Peter Stamm ist dies zumindest eine Variante des freien Willens.

Das ungekürzte (!) Hörbuch aus dem Jahre 2009 wird auf 6 CDs und einer Gesamtlänge von 446 Minuten kongenial lapidar vom virtuosen Christian Brückner vorgelesen.
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Zumutung des Glücks - ein großer Roman, 16. August 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine der interessantesten Liebesgeschichten der Weltliteratur steht im Alten Testament. Es ist die Geschichte von Jakob und Rahel und Leah. Sie fällt einem ein, wenn man Peter Stamms neuen Roman "Sieben Jahre" liest. Sieben Jahre sind es - wie bei Jakob, die vergehen, und sieben Jahre bei Alex, bis...

Zwei unterschiedliche Frauen und ein Mann, zwei Lebens- und Liebesentwürfe, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Da ist die schöne Sonja, intelligent, als Architektin höchst erfolgreich, und da ist Polin Iwona, ein hässliches Entlein, aus dem nie ein Schwan werden wird, arm wie eine Kirchenmaus, fromm und bigott. Und da ist Alex, ebenfalls Architekt, ein junger Mann, unentschieden und unentschlossen. Mit Sonja ist er seit Studentenzeiten zusammen; sie wird seine Frau. Iwona hat er per Zufall in einem Biergarten kennen gelernt - und ist ihr in einer Art sexuelle Obsession verfallen. Er ist seither - wie es an einer Stelle heißt: "der Zumutung des Glücks, geliebt zu werden" ausgesetzt.

Peter Stamm gehört wohl zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren, ein Meister der Lakonie, der Beziehungspsychologie als eine Form der Literatur und ein hervorragender "Architekt" literarischer Konstruktionen, wie es schon die Romane "Agnes" und "An einem Tag wie diesem" zeigten. Auch in "Sieben Jahre" hat er ein kleines Meisterwerk geliefert. Die häufigen Perspektivwechsel schaffen in "Sieben Jahre" keine Verwirrung, sondern dienen der Spannung. Die Betrachtung der Geschichte von unterschiedlichen Seiten aus und machen auf besondere Weise die Komplexität dieser postmodernen Liebesgeschichte aus. Der "Beichtcharakter", in dem phasenweise erzählt wird, führt allerdings nicht zu Absolution.

Auch nach Hochzeit mit Sonja bekommt Alex Iwona, die ihm bis zur Hörigkeit verfallen ist, nicht aus dem Kopf. Immer wieder sucht er den Kontakt zu ihr. Es kommt zu kurzen Begegnungen, die sich vorwiegend im Bett abspielen. Diese Begegnungen füllen seine Lebensleere, unter der Alex trotz seiner vermeintlich glücklichen Verbindung mit Sonja zu leiden hat. Sonja weiß von Iwona. Aber sie haben sich eingerichtet in dieser Dreiecksgeschichte. Als Iwona ein Kind bekommt wird es von Sonja und Alex adoptiert. Sie führen ein richtiges Leben unter falschen Voraussetzungen. Jakob hatte es da leichter gehabt mit Rahel und Leah. Dann ein Brief nach sieben Jahren. Und wieder fährt Alex zu Iwona. Sonja hat sich mittlerweile von ihm getrennt. Ihr gemeinsames Architekturbüro ist insolvent. Alex verwahrlost zunehmend, fängt an zu trinken - er ist gescheitert.

Den dunklen Seiten des Gefühlslebens ist nicht beizukommen, im Leben nicht und nicht im Roman. Peter Stamm weiß eindringlich, mit einem Schuss Doppelbödigkeit davon zu erzählen. Und so ist ihm ein großer Roman über das kleine Glück und seine Unmöglichkeit, eine moderne Geschichte über ein altes Thema entstanden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Architektur und Lebensglück als Gestaltungsmittel, 21. August 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Taschenbuch)
Peter Stamms neuestes Buch Nacht ist der Tag habe ich dank einer guten Zeitungsrezension gelesen und für nur mittelmäßig empfunden. Meinen leichten Unmut darüber haben andere Amazon-Rezensenten kommentiert, indem sie mich u. a. auf das vorliegende Buch Sieben Jahre aufmerksam machten.

Alex, Architekt und Erzähler der Geschichte, legt vor den Augen der Leser seinen Lebenslauf dar, und zwar ab dem Abitur, eine wichtige Zäsur nicht nur in seinem Leben, sondern auch in den Leben seiner Freunde. Sonja gehört zu seiner Clique, und es dauert nicht lange und die beiden sind zusammen, beginnen ihre Ausbildung, beide studieren Architektur, sie heiraten und bauen erfolgreich ein Büro auf. Sonja präsentiert sich als kühler Typ, weiß, was sie will, geht ihren Weg, sie baut nicht nur Gebäude, sondern auch ihr Leben. Auf der anderen Seite Alex, von verwirrenden Gefühlen getrieben, oft unentschieden, lässt sich gerne mal treiben.

Was Sonja nicht weiß, ist, dass Alex eine geheime Beziehung - wenn man das so nennen möchte - zu Iwona hat, einer Polin, die so ganz anders ist als die jungen Frauen, die er bisher kannte. Sie verlangt nichts, redet kaum und scheint doch eine seltsame Macht über ihn zu besitzen. Eines Tages wird sie von Alex schwanger.

In mehreren Rückblicken erfahren wir nicht nur den Werdegang der Protagonisten, sondern alles über Alex` Gefühlswelt. Wie ernst ist ihm die Ausübung seines Berufes, wie ernst ist ihm die Ehe mit Sonja? Und: Was treibt ihn immer wieder zu Iwona?

Das Buch und mit ihm die vielen Gedanken und Entscheidungen in ihm ließen mich letzten Endes etwas unentschieden zurück. Der Roman ist gut geschrieben, flüssig zu lesen, doch eine gewisse Unzufriedenheit bleibt mir am Ende. Der Clou ist vorhersehbar und trifft zu schnell ein. Und was kommt dann? Ich bin mir nicht sicher, was ich nun von dieser Geschichte halten soll.
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen präzise Eleganz, 6. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann der scheinbar alles hat kommt mit seinem Leben nicht klar, weil ihm menschliche Wärme fehlt.

So könnte man den Roman vielleicht kurz beschreiben.

Natürlich werden Details geschildert: die Karriere als Architekt, die Ehe mit einer brillianten, kühlen, gesellschaftsfähigen Frau, die Sehnsucht nach einer anderen Frau, die genau das nicht ist.

Was mich an diesem Buch so fasziniert, ist aber weniger die Geschichte. Es ist die Sprache, die ohne Sinnbilder auskommt, ohne Ausschweifungen und lange Sätze, ohne alles Beiwerk. Sogar auf die wörtliche Rede wird verzichtet.

Knapp, fast lakonisch beschreibt Peter Stamm die Seele eines Suchenden und erzeugt präzise und eindringlich eine Stimmung, die mich noch lange begleitet hat.

Dies ist eines der Bücher, die man nicht beschreiben kann. Man muss es lesen.

Man muss es unbedingt lesen, es ist großartig!
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nach langer Bewusstlosigkeit endlich zu sich gekommen..., 7. September 2009
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Peter Stamm hat für mich einen melancholisch angehauchten Roman über die Unentschlossenheit in der Liebe, dem Hinweggehen der eigenen Leere und dessen Auswirkung auf Beziehungsfelder geschrieben, wo der Spannungsbogen von verunsicherter Liebesgestaltung bis hin zur obsessiven Beziehungs-(Alkohol-) und Sexsucht gehen kann.

Zur Handlung:

Der Protagonist Alex, Architektur-Student in München, will sich ein Leben mit seiner Partnerin Sonja aufbauen, ein gemeinsames Geschäft gründen, dem Leben eine eigene Richtung geben. Als er die Polin Iwona kennenlernt, manövriert er sich immer mehr in eine Art Obsession, zu der er schon fast wie zu einer Prostituierten einen Umgang unterhält. Sonja wünscht sich von Alex unbedingt ein Kind, doch ausgerechnet Iwona, die sich illegal in Deutschland aufhält, wird von Alex schwanger. Die Hin- und Hergerissenheit zu beiden Frauen, nimmt immer bedrohendere Formen an, Alex stellt seine Beziehung zu Sonja damit auf die Probe und riskiert dessen Zerbrechen, Iwona liebt Alex abgöttisch und bleibt ihm selbst über Jahre, wo sie sich nicht mehr sehen treu, sie hofft in ihrem Inneren, auf sein Zurückkommen. Alex überredet sie, ihr Kind das sie von ihm erwartet, an ihn abzugeben um damit eine Adoption von der Tochter Sophie zu erwirken und damit dem Kinderwunsch von Sonja zu entsprechen...

Sämtliche Freunde im Roman kennen sich aus früheren vor allem Studium-Zeiten, jetzige Paarkonstellationen waren zu früheren Zeiten andere und alle kennen sich irgendwie, und der Eine befragt den Anderen, wie denn der Partner früher war, alles scheint im Beziehungswirrwar irgendwie miteinander verflochen, auf eine Art wird diese Geschichte rückwärts erzählt, was beizeiten leichte Desorientierung beim Leser auslösen kann, zumindest hat man sich darauf einzustellen, als ob eine Geschichte von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit erzählt wird, Bekanntes plötzlich unbekannt ist, eine bereits geschlossene Ehe plötzlich in der Entstehung zur Beziehung plötzlich geschildert wird.

Keine Ahnung was Peter Stamm damit beim Leser erreichen will, zumindest bei mir hat es leichte Verunsicherung ausgelöst, was Absicht sein könnte, denn der ganze Roman strotzt nur so von Verunsicherung. Somit erlebe ich das gleiche Lebensgefühl, wie der Protagonist selbst! Ein Roman, wo unsere Orientierungslosigkeit im Beziehungs-Dschungel vor Augen geführt wird, wo wir Unverständnis bei Alex erleben, eine Sonja verstehen können, und eine grosse Sympathie für eine benachteiligte Polin entwickeln, die sogar bereit ist, ihr Kind wegzugeben, an den Mann den sie schon fast aus einer Art Abhängigkeit heraus "liebt".

Der Roman behandelt Themen wie Leihmutterschaft, Ausländer die illegal sich aufhalten, von der Macht in Beziehungen, von der Benachteiligung durch schlechte Einkommensverhältnisse, insbesondere für Ausländer, von dem wie wir unser Leben planen wollen und wie es sich dann tatsächlich abzeichnet, von der Unfähigkeit sich in der Liebe klar zu positionieren, von Abhängigkeiten im Feld von Beziehung, von der männlichen sexuellen Besessenheit, von der Unfähigkeit (als Mann) sich klar für eine Frau zu entscheiden, von der Versuchung zu flüchten als sich wirklich einzulassen, und dem Scheitern im Leben, wo der Sinn des eigenen bei Sich-SEINS durch die Wirren und der Hingezogenheit zu zwei Frauen gleichzeitig, einen Mann in die Krise führen, ohne noch zu merken, was er im Grunde mit sich selber tut, und der nicht aufzuhaltende Zusammenbruch des Lebens, der eben nichts Anderes tut, als ihn aus seiner letargischen Bewusstlosigkeit endlich aufzuwecken.

Und obwohl ich es mochte, diesen neuen Roman von Peter Stamm zu lesen, so hatte ich doch auf den ersten 100 Seiten, die grosse Frage in mir, von was will dieser Autor überhaupt erzählen und was ist überhaupt sein Anliegen? Fast wie eine Art "Leerlauf" hatte ich das ein wenig empfunden. Ein Roman der sich zwischen Glück und Leere bewegt, mit anhaltender Note an Seltsamkeit. Ein aktueller Gesellschaftsroman, über unsere tägliche "Bewusstlosigkeit" im Alltag, die im Verlieren von geschaffenen Beziehungen, die uns leer machen können, aktueller nicht sein könnte.

Zum Schluss, vielleicht gibt folgendes Zitat einen kleinen Eindruck, was ich hier versucht habe zu beschreiben: (287)
"Die Welt zu verändern suchen, wenn auch nur in Bruchstücken, um so das zu vergessen, was wir nicht besitzen können."
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28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Blutleere Beziehungskiste, 8. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jeder Beziehungsroman kann ausschliesslich auf den beteiligten Personen aufgebaut werden.
Die Fiktion des Romans "Sieben Jahre" verspricht zwar zu Beginn einiges. der Plot ist gekonnt aufgegleist. Das Interesse des Lesers wird geweckt, er ist gespannt auf die Entwicklung der Dreierbeziehung. Mit zunehmender Seitenzahl erstirbt sein Interesse, weil die drei Hauptpersonen keine Seele haben - zumal die zwei Frauen -weder Sonja noch Iwona dem Leser
im Verlaufe des Romans "begreifbar" werden. Ihre physische Gestalt ist belegt, genau erfasst und wiedergegeben. Sie bleiben interessante, aber leider blutleere Frauengestalten.
Die Aktionen und Reaktionen,Denken und Handeln des Ich-Erzählers werden zwar klar herausgeschält, werden aber trotzdem nicht durchgehend nachvollziehbar. - Schade!
An der Sprache, dem Fluss, dem Drive kann nichts ausgesetzt werden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ziemlich unrealistisch, aber dennoch packend, 10. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einmal mehr ein Buch von Peter Stamm, das sich sehr gut liest. Es geht um einen Architekten (Alex), der seit Jahren eine Beziehung mit einer Berufskollegin (Sonja) führt, bei der nicht klar ist, wie tief sie geht und wohin sie führt. Aus einer "Aussenbeziehung" mit einer Polin (Iwona) ergibt sich die Frage, was mit deren "Resultat" (einem Kind namens Sophie) geschehen soll. Ich möchte hier nicht alles verraten, finde aber den Plot im Ganzen gesehen ziemlich unrealistisch. Trotzdem hat mich die Geschichte sehr gefesselt...! Einfach eine packende Lektüre, dieses neueste Werk von Stamm.
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26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Feuer ohne Brennwert, 31. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alex ist wieder so eine für Peter Stamm fast typische Grundfigur: Wenig eigener Antrieb, innere Unsicherheit, mangelnde Kreativität im Lebensentwurf; jemand, der sich dem Fluss des Lebens hingibt ohne viel zu steuern.
So gibt er sich, schon als Student, einem für sein Leben fatalen Trieb hin, einer sexuellen Obsession zu einer einfachen, illegal in Deutschland vegetierenden Polin. Sie erfüllt alle Bedingungen einer ungebildeten, bigotten, sprachlosen und unattraktiven Frau. Selbst im Bett bleibt sie sich treu. Alex sinniert zwar oft darüber, was ihn an dieser Person fasziniert - eigentlich nichts - aber weder bei Prüfung seiner Gefühle noch durch Vernunft kommt er zu einer Entscheidung für oder gegen sie. Er bleibt an sie gekettet.

Die andere Seite seines Wesens ist die eines unauffälligen, nicht besonders ehrgeizigen Studenten der Architektur, der sich von den diversen Kommilitonen und Freunden nicht viel unterscheidet. Er geht mit der sehr zielbewussten, hübschen Studentin Sonja aus gutbürgerlichem Haus, die ein Einserexamen macht, ihn irgendwann heiratet und mit ihm ein Architekturbüro eröffnet. Die Ehe bleibt recht berufsbezogen und jahrelang kinderlos.

Nach sieben Jahren ohne Kontakt meldet sich die Polin Iwona brieflich zurück. Alex soll ihr finanziell helfen; und wieder ist die alte Abhängigkeit da. Bald bekommt sie ein Kind von ihm. Alex beichtet Sonja die Affäre, es kommt nicht mal zu einer nennenswerten Krise. Alex' Idee, das Kind in den geordneten Verhältnissen mit Sonja aufzuziehen kommt ihrem Kinderwunsch sogar entgegen. Iwona gibt es emotionslos zur Adoption frei.

Jahre später gerät das Architekturbüro in Insolvenz. Sonja geht nach Marseille und versucht durch emsige Arbeit die Entschuldung voranzutreiben. Alex gerät zu Hause an den Rand von Verwahrlosung und Alkoholismus. Die Firma kommt schließlich wieder auf die Beine und Sonja führt ihre lang gefasste Entscheidung, sich zu trennen, endlich durch.

Dem Leser wird auf 300 S. zwischen den Berichten des Icherzählers Alex nur die alltagsfremde indirekte Rede angeboten; eine Sprachstruktur in Hauptsätzen, die den Lesefluss bremst und den Tenor der ganzen Geschichte widerspiegelt: Alle drei Protagonisten sind dargestellt, als würden sie emotional mit angezogener Handbremse durchs Leben gehen. Keine Gefühlsausbrüche, keine Leidenschaft, keine Dramatik, obwohl die geschilderten Ereignisse genügend Anlass dazu böten. Zudem wird man in einem 150 Seiten langen Vorspiel durch die Belanglosigkeiten des studentischen Lebens der Protagonisten und all ihrer Freunde geschleift obwohl die eigentliche Geschichte erst danach beginnt.

Karge Sätze legen trotz fehlender Wortlust dennoch detailgenau die ganze Ödnis im Innenleben der Figuren frei und man empfindet wie Peter Stamm, der in einem Interview gesagt hat "Ich finde es schade, wenn man nichts aus seinem Leben macht".
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Sieben Jahre: Roman
Sieben Jahre: Roman von Peter Stamm (Taschenbuch - 8. Juni 2011)
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