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61 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Huckleberry Finn aus Leipzig
Ein starkes Buch, obwohl ich das nach den ersten paar Seiten noch nicht vermutete: da schien erstmal nur „Milljöh“ zu sein, Genre, Kolorit, der Sound des wilden Ostens, „Leipzig von unten“, „Eastside Story“ mit absehbarem Niedergang, mit immer mehr Suff, Kriminalität und Knastologie, und das ohne den großen Bogen einer...
Am 2. März 2006 veröffentlicht

versus
46 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Um ehrlich zu sein ...
Clemens Meyer hat für seinen Erstling viel Anerkennung und einige Literaturpreise erhalten. Der Roman wird vor allem für seine Authentizität, die "Sprachgewalt" und den Umgang mit der Thematik gelobt.
In zeitlich wechselnden - und nicht immer leicht einzuordnenden - Episoden erzählt Meyer von den Leipziger Kumpels Daniel, Walter, Mark, Paul,...
Veröffentlicht am 4. Februar 2008 von Thomas Liehr


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46 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Um ehrlich zu sein ..., 4. Februar 2008
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Clemens Meyer hat für seinen Erstling viel Anerkennung und einige Literaturpreise erhalten. Der Roman wird vor allem für seine Authentizität, die "Sprachgewalt" und den Umgang mit der Thematik gelobt.
In zeitlich wechselnden - und nicht immer leicht einzuordnenden - Episoden erzählt Meyer von den Leipziger Kumpels Daniel, Walter, Mark, Paul, Pitbull und Rico. Der Leser wird durch ihre Kindheit geführt, als die Jungen Pioniere waren, und erlebt sie später in der Adoleszenz oder als junge Erwachsene, rund um die Wendezeit. Daniel, Hauptfigur und Ich-Erzähler, verliebt sich als Grundschüler in die Klassenkameradin Kati, die jedoch in den Westen rübermacht; die spätere Flamme mit dem Kosenamen "Estrellita" wird ihn erst für den Chef einer konkurrierenden Bande verlassen und dann im Puff landen. Damit ist der romantische Teil des Buches weitgehend abgehakt.
Der Rest befasst sich mir Sauferei und Raucherei, mit Kämpfen, Knastaufenthalten, Tattoos, Fußball, Brüchen, Autodiebstählen und kleinen Betrügereien, den Rivalitäten zwischen den Banden und den Problemen mit Glatzen ("Reudnitzer Rechte") oder Zecken (Hausbesetzern). Es wird viel und äußerst hart geprügelt, noch viel mehr gesoffen und so gut wie pausenlos geraucht. Zwei der Freunde sterben, der eine an einer Überdosis und der andere bei einem Verkehrsunfall. Und mittendrin steht Daniel, der seine - an keiner Stelle formulierten - Hoffnungen längst aufgegeben hat, was für seine Vorbilder - allen voran Boxtalent Rico - ebenso gilt. Wenn in diesem Buch dem Titel entsprechend geträumt wird, dann bestenfalls in kleinem Maßstab. Einige einschneidende Ereignisse erzählt Meyer mehrfach, quasi in der Wunschfassung des Protagonisten und danach (vielleicht) als Realversion. Es sind mögliche Wendepunkte, aber der Spielraum ist klein. Über allem steht die Gewissheit, dass es sowieso nicht besser wird. Das Buch ist traurig und brutal; wenn es sanfte Zwischentöne gibt, befassen sich diese vor allem mit dem Verhältnis der Freunde, mit Imponiergehabe, Loyalität und Ehre. Die Erwachsenen, die in "Als wir träumten" auftreten, sind durch die Bank abgewrackte Säufer. Das Leipziger Viertel, in dem die Handlung spielt, ist trüb, schmutzig und vernachlässigt. Fast ein Kriegsgebiet.
Eine Milieustudie also - durchgängige Handlung im eigentlichen Sinn gibt es nicht, die Episoden - formal dicht an Kurzgeschichten - stehen in eher lockerer Verbindung, erzählen meistens Schlüsselerlebnisse, dienen aber keiner übergeordneten Dramaturgie im Sinne einer Entwicklung, die eben auch weitgehend fehlt. Was das Buch ausmacht, es besonders macht, sind die Authentizität und das direkte Miterleben - beides allerdings mit einer gewissen Zähigkeit einhergehend. Viele Kapitel drehen sich auf fast quälende Art um nahezu Belangloses, zudem generiert die zwar glaubwürdige, aber technisch einfache Erzählsprache eine Vielzahl von Wort- und Phrasenwiederholungen. Meyer benutzt einige Verben - wie blicken und laufen - in einer Ausschließlichkeit, die weit über Purismus hinausgeht. Das ist zweifelsohne der Glaubwürdigkeit geschuldet, hat stilistische Konsequenz, liest sich aber manchmal nicht gut. Oft wünscht man sich, das Kapitel wäre endlich vorbei, etwa wenn detailliert und in den immer gleichen Worten seitenlang von Ablagen und Stößen beim Billard erzählt wird. Die Spannung, die hohe atmosphärische Dichte, das Krisenhafte der Situation - es geht parallel um die Mitschuld am Tod eines der Freunde - werden allmählich von Langeweile niedergedrückt. An einigen derartigen Stellen war ich kurz davor, den Roman beiseite zu legen.
Überhaupt hätte "Als wir träumten" gut und gerne hundertfünfzig Seiten kürzer sein können. Dafür enden einige Episoden im Nichts, und der Leser wünscht sich bis zum Schluss, etwas über ihren Fortgang zu erfahren. Vergebens.
Trotzdem ist das ein einzigartiges und sehr bemerkenswertes Buch. Ein wichtiger, vielleicht sogar ein großer Roman, der schmerzt und wütend macht, aber leider nicht nur im vom Autor beabsichtigten Sinn. Clemens Meyer hat zwar die erzählerische Grundregel "Show, don't tell" fast bis zur Perfektion getrieben, aber die mit der hohen Authentizität einhergehenden Problematiken nicht ganz gemeistert. Empfehlenswert ist die Lektüre jedoch allemal. Aber, um ehrlich zu sein: Großes literarisches Vergnügen bereitet sie nicht.
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61 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Huckleberry Finn aus Leipzig, 2. März 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein starkes Buch, obwohl ich das nach den ersten paar Seiten noch nicht vermutete: da schien erstmal nur „Milljöh“ zu sein, Genre, Kolorit, der Sound des wilden Ostens, „Leipzig von unten“, „Eastside Story“ mit absehbarem Niedergang, mit immer mehr Suff, Kriminalität und Knastologie, und das ohne den großen Bogen einer Oliver-Twist- oder sonstigen Story. Ich dachte, das ist es also, und das muss ich nicht unbedingt ganz lesen (518 Seiten!). Großer Irrtum, und ich las glücklicherweise weiter. Clemens Meyer schreibt schnörkellos und lakonisch, scheinbar ganz im Jargon der Jugendlichen, die er da durch die Wende- und Nachwendejahre begleitet, ist dabei aber ein scharfer Beobachter mit gutem Ohr. Ich fühlte mich immer mehr an amerikanische Erzähler erinnert, und insbesondere an Mark Twain und seinen Huckleberry Finn. Die Dialoge sind Klasse, sie entwickeln sich langsam und umweghaft wie im richtigen Leben und „stimmen“ derart, daß man immer mehr davon haben will. Drehbuchautoren (besonders vom Fernsehen) sollten sich das mal gut ansehen. Die Hauptsache ist aber, daß der Autor, der sich in seinem Erzählen so rau gibt, eine überzeugende Liebe zu seinen Figuren hat und dazu an den richtigen Stellen die sensible Sprache, um das rüberzubringen. Das Leben dieser Jugendlichen ist abenteuerlich trist, aber unverwüstlich hoffnungsvoll. Man möchte immer mehr darüber lesen, wie es mit ihnen weitergeht. Mir waren am Ende 518 Seiten zu wenig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einblick in andere Welten, 9. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Der Autor weiß offensichtlich, worüber er schreibt.
Das Buch ist sehr authentisch geschrieben.
Man bekommt einen guten Eindruck, wie die Jugendlichen vor und während der Wende gelebt haben.
Die Perspektivlosigkeit der Eltern, die die Jugendlichen selbst teilweise einfach übernehmen und den selben Lebensstil aufbauen, ist schon sehr bedrückend. Bei mir stellte sich wenig Hoffnung ein beim Lesen des Buches, es gibt in dem Sinne auch kein aufbauendes Ende, aber so soll es wohl sein.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leipzig ist anders, 5. April 2007
Von 
D. Schottner (Leipzig) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Clemens Meyer hat mich nicht restlos überzeugt. Seine seitenweisen Ergüsse über Fußball, Gewalt und Alkohol sind nicht immer von der Dichte, die einen knapp 500 Seiten lang an der Stange halten. Leider. Denn ambitioniert ist das Buch, gerade weil es die Banalität des tristen Alltags thematisiert und zeigt, dass dieser oft das größte Drama ist, das man sich vorstellen kann. Für schnelle und engagierte Leser ist das Buch sicher ein Gewinn. Für langsame Leser wie mich bedeutet es einen kleinen Kampf, den man aber mit etwas gutem Willen gewinnen kann.
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35 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meyers Milleustudien, 17. Juni 2007
Von 
dreamjastie (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Meyers Romandebüt ist die ostdeutsche Antwort auf "Trainspotting" - rotzig, rauh, vulgär, desillusionierend, ein Buch voll von schmutzigem Sex, von Gewalt und Kriminalität. Und ein Buch, das einen hineinsaugt und erst auf Seite 518 wieder ausspuckt. Ein Panoptikum Leipziger Looser, das wehtut und fasziniert, denn Meyer zeichnet seine Figuren genau, quälend genau. Erzählt wird nichtchronologisch von den vergeblichen Versuchen der Protagonisten, ihren Platz im Leben zu finden. Meyer lässt sie alle scheitern, manche gar krepieren; sie zerbrechen an Alkohol, Drogen, an elterlicher Gewalt und den Rivalitäten diverser unterschiedlich orientierter Gangs. In der Bronx kann es nicht katastrophaler zugehen.

Held und Ich-Erzähler Daniel Lenz, von allen nur Danie genannt (der Nachname taucht nur zweimal auf, in Episoden aus der Schulzeit), streift mit dem Leser rastlos durch illegale Clubs, versiffte Kneipen, Puffs, Knast, Abrissviertel und Swinger-Clubs. Dass er den Leser dabei gelegentlich auf die falsche Fährte führt, wird offensichtlich, wenn er etwa den Unfalltod eines Freundes in drei aufeinanderfolgenden Versionen erzählt oder auch sonst gelegentlich verschiedene Blicke auf ein und dieselbe Handlung wirft. Dabei bleibt unklar, was tatsächlich passiert ist und wo Danie flunkert und aufträgt. Denn dass seine Helden stets dick auftragen, um Helden zu sein und sich gegen die zu behaupten, die noch dicker auftragen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Und wenn das Glück schon nicht kommen mag, wird es eben herbeigeträumt.

Der Roman beginnt, wollen wir das Geschehen zeitlich sortieren, als die DDR in den letzten Zügen liegt, und wirft Schlaglichter auf eine eigenartige Zeit totgelaufener Rituale und der mumifizierter Worthülsen, die jedem "gelernten DDR-Bürger" nur zu gut in Erinnerung sein dürften, auf eine Katastrophenschutzübung in der Schule etwa samt parteipolitischem Brimborium und Floskelgestelze oder auf die grotesk naive Teilnahme der Jungs an einer der Montags-Demos.

"Als wir träumten" - das bedeutet auch: als die Protagonisten von Drogen und Alkohol umnebelt durch ihr Leben und immer tiefer in den Dreck hinein gezogen werden. Eindrücklich ist beispielsweise die Schilderung eines der ersten Brüche von Danie und Mark, der in sinnloser Zerstörungswut endet oder die Berichte von den "selbstlosen" Hilfsaktionen bei der massenhaft Grog und Apfelschnaps trinkenden, nahezu blinden Frau Böhme, um die sich gleich mehrere Gangs prügeln, weil es dort Geld zu klauen gibt ("Hier ist besetzt, is nicht euer Revier, is unsere Alte.").

Dem Leser wird bei dieser atemlosen Innenschau nichts geschenkt. Und doch verfällt Meyer nicht in die weit verbreitete Larmoyanz so manches anderen Ostdeutschen, früher sei alles besser gewesen, denn er zeigt, dass das Scheitern der Akteure sein Wurzelwerk tief in der DDR-Vergangenheit hat. Dass der Ich-Erzähler manche DDR-Interna selbstverständlich voraussetzt und nicht mit dem Kniff oberlehrerhaften Herausgebertums in Fußnoten erklärt, wie es weiland Ingo Schulze getan hat, macht es einem Leser, der den Osten der Republik nicht kannte, vermutlich schwer. Doch seis drum: "Als wir träumten" will kein Geschichtsbuch sein, sondern ein rastloser Abriss der Zeit, als Danie und die anderen träumten von ihrem kleinen Glück und sich auch glaubten.

Aufregende Literatur präsentiert immer auch das Unerwartete, und Meyer schafft es, aus diesem Unerwarteten das Komische herauszuarbeiten. So beschreibt er, wie ausgerechnet die "hundertdreißigprozentige" Gruppenratsvorsitzende aus der DDR ausreist oder wie Danie beim Ableisten von Sozialstunden nach der Wende den Parteisekretär der Schule als ABMler wiedertrifft.

Es ist ein großer Verdienst des Autors, dass der sezierende Millieublick keine Karrikaturen oder Abziehbilder fokussiert, sondern dass er seine Protagonisten stets ernst nimmt. Völlig zu Recht war er für den Preis der Leipziger Buchmesse 2006 nominiert. Für ein unglaubliches, ein trauriges, ein komisches Buch.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Große Erwartung, aber..., 31. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Ich habe das Buch von Kennern empfohlen bekommen - und bin mit entsprechend großen Erwartungen eingestiegen. Es liest sich insgesamt sehr gut. Was mich persönlich jedoch enttäuschte war das praktische Fehlen eines "Spannungsbogens". Ungefähr in der Hälfte, spätestens vor dem letzten Drittel dämmert einem: mit Überraschungen oder der Aufklärung der gemachten Andeutungen ist hier nicht mehr zu rechnen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt machte mir das lesen keinen Spaß mehr - die Aneinanderreihung von Sauf-, Prügel-, Kotz-, Drogen- und Knastgeschichten und die paar Ausschnitte aus dem DDR-/ Wendealltag langweilten nur noch. Insgesamt also das Prädikat: gut lesbar, aber kein großer Wurf.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Îm Ganzen ein gutes Werk, 25. Juni 2010
Von 
Silvain (Leipzig, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Das Thema ist gut gewählt, die Jugend während des Sturzes der DDR. Die Perspektivlosigkeit der Jugend zu dieser Zeit, die Hoffnungslosigkeit der Eltern und das alles zwischen Diebstählen, Gewalt, Alkohol und Liebe oder was man für Liebe hält. Das Werk lässt sich flüssig lesen und ist nicht zu langatmig. Das einzige was mich persönlich etwas gestört hat, ist das es keinen direkten roten Faden gibt. Ich habe keine Probleme wenn ein Autor Zeitsprünge macht, jedoch wurde hier einfach wahllos ein Zeitpunkt gewählt, etwas geschrieben und dann kommt irgendein anderer Zeitpunkt im Leben der Hauptperson.
Es sieht so aus als hätte der Autor, immer dann, wenn er einen guten Einfall hatte, einen neuen Zeitpunkt begonnen und diesen wahllos gesetzt.
Da dies aber ein persönliches Empfinden ist und das Werk sonst sehr gut ist, gibt es für das Buch 4 Sterne
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Osten brennt ..., 3. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Meyer beschreibt ein Szenario, das betroffen und Angst zugleich macht. Seine (autobiografische??) Geschichte spielt im Leipzig vor und nach der Wende und beschreibt die Orientierungslosigkeit einer Jugend ohne Hoffnung, wie sie sich in dieser Form wohl auch in westdeutschen Problemgebieten abspielt. Die schnelle Wende fordert Anpassungsfaehigkeit (und Adaption westlicher Werte), und laesst keine Zeit, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eltern sind mit der neuen Situation voellig ueberfordert und nicht in der Lage, ihren Kindern Werte und Handlungsmuster zu vermitteln, die ein "menschenwuerdiges" Leben ermoeglichen. Das Resutat ist eine Subkultur, die mit Alkohol, Dogen und Gewalt dem Leben einen Inhalt zu entreissen sucht und dabei scheitert. Meyers Sprache ist lebendig, sein Stil aussergewoehnlich, der Inhalt fesselnd und schockierend zugleich. Betroffenheit beim Leser ist die Folge und wir muessen uns aufs Neue die Frage stellen, ob der Preis fuer die Wiedervereinigung nicht deutlich zu hoch war ... zumindest fuer den Osten ...
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Als wir träumten - schonungslos, bewegend, wundervoll, 29. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Gebundene Ausgabe)
"und jeden Tag tanzen die Erinnerungen in meinem Kopf, und ich quäle mich mit der Frage, warum das alles so gekommen ist". Dies sind die ersten und gleichzeitig letzten verlorenen Sätze des Ich-Erzählers Daniel Lenz, und es ist von vornherein klar, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

Daniels Erinnerungen reichen zurück bis in die frühen 80er Jahre: Aufgewachsen im Leipziger Osten, ein Leben inmitten von Autoklau, Drogen und Arrestzellen. Und dabei zählt immer nur eines: Die Freundschaft. Allesamt bilden sie ein gut funktionierendes Kollektiv, Daniel, "Pitbull", Mark, Walter und Rico. Im gemeinsamen Kampf gegen die versagende Elterngeneration, gegen die Polizei und Skinheads, träumen sie von einem besseren Leben, sei es der Diskothekenbesitzer oder der Boxer, der Frauenheld oder der stolze Hundebesitzer oder gar der beste Autoknacker. Immer wieder gibt es einen Funken Hoffnung, etwas, was vorantreibt und "so golden leuchten kann wie Apfelkorn". Aber dennoch war da "eine Verlorenheit in uns, die ich schwer erklären kann". Selbst die Wende hatte nichts gebracht außer Mikrowellen, in der man noch nicht mal Pizza aufbacken kann!

Geboren 1977 in Halle/Saale, gelingt Clemens Meyer - der es mit seinen Texten zweimal ins Finale des MDR-Literaturwettbewerbs schaffte - mit seinem Debütwerk "Als wir träumten" ein literarisches Kunstwerk, das nicht allein wegen seiner packenden Geschichte hinreißt: Der Erzähler springt regelrecht durch die Chronologie seiner Erinnerungen, es liegen häufig Jahre dazwischen. Einige Erinnerungen verblassen und der Leser wird hereingelegt: So hat sich die arbeitslose Mutter des kleinen Stempel- und Modellautohehlers doch nicht auf dem Außenklo erhängt, sondern arbeitete irgendwann in der neuen Shell-Tankstelle. An vielen Stellen wirkt der Erzähler unsicher, langsam tastet sich Daniel an Vergangenes heran, selbst für die Schilderung von Walters Tod benötigt er drei Anläufe.

Wenderoman oder Jugendroman oder beides? Darüber lässt sich sicher streiten. Auf alle Fälle ist es ein hartes, brutales und schonungsloses Vokabular, was sich da über 500 Seiten erstreckt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kommt mit Wucht, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Für diesen Roman bekam Meyer den deutschen Autorenpreis 2008. Mit unheimlicher Wucht kommt diese Story über Jugendliche in der Wendezeit daher. Alle Protagonisten sind voller unrealistischer Jugendträume und doch schon ohne jede Chance. Sie sind tot, haben es aber noch nicht gemerkt. Inhaltlich bewegend, stilistisch nicht immer überzeugend. Die aufgesetzte Jungendsprache nervt bisweilen.
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Als wir träumten: Roman
Als wir träumten: Roman von Clemens Meyer (Taschenbuch - 19. Juli 2007)
EUR 9,95
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