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47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flatternde Fahnen
Zwei Brüder. Der eine hat sich in die raue Einsamkeit jener irischen Insel zurückgezogen, auf der die Brüder einst aufwuchsen. Er entdeckt dort mit seinem computerwissenschaftlichen Ehrgeiz in Karten des Himalaja einen vermutlich ‚weißen Fleck’. Er lockt seinen auf den Weltmeeren fahrenden Bruder in das Abenteuer, diesen unbestiegenen...
Veröffentlicht am 15. Februar 2007 von Dr. Stumpf Jochen

versus
19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zerfällt beim Kauen
Natürlich hat es einer, der in der "Letzten Welt" (für immer unter meinen allerbewegensten Leseerlebnissen!) derartige Maßstäbe gesetzt hat, seither nicht einfach. Die Handlung besteht hier aus zwei Strängen, die beim besten Willen nichts miteinander zu tun haben, und mögen sie formal noch so künstlerisch verflochten sein. Der Autor...
Veröffentlicht am 11. Februar 2009 von Roland Scheerer


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47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flatternde Fahnen, 15. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zwei Brüder. Der eine hat sich in die raue Einsamkeit jener irischen Insel zurückgezogen, auf der die Brüder einst aufwuchsen. Er entdeckt dort mit seinem computerwissenschaftlichen Ehrgeiz in Karten des Himalaja einen vermutlich ‚weißen Fleck’. Er lockt seinen auf den Weltmeeren fahrenden Bruder in das Abenteuer, diesen unbestiegenen Berg gemeinsam zu erobern.

Sie bereiten sich in den wilden Klippen ihrer Insel über dem tosenden Atlantik in Kletter- und Überlebenstechnik vor. So, wie es ihnen in der Jugend mit fast militärischem Drill schon einmal beigebracht wurde vom Vater, einem kompromisslosen, harten, auf Männlichkeitswerte getrimmten Mann.

Auf dem monatelangen Anmarsch durch ein chinesisch besetztes Tibet zum geheimen Ziel ihres ehrgeizigen Traumes, werden die ungleichen Brüder ihre grundverschiedenen Charaktere und ihre andersartige Motivation, bis hin zur angedachten Trennung, gegenseitig erfahren. Aber erst in der Ausgesetztheit gegenüber einer gnadenlosen Natur und in Konfrontation mit dem weißen Tod erkennt der Icherzähler die Ambivalenz seines Bruders zwischen kaltherzigem, schroffem Ehrgeiz und letzter Opferbereitschaft. Der Bruder stirbt, der Erzähler überlebt und wird die Erfüllung seines Lebens in der Liebe zu einer jungen Nomadin der Hochregion suchen.

Die Erzählung beginnt mit den Worten: „Ich starb / 6840 Meter über dem Meeresspiegel / am vierten Mai im Jahr des Pferdes“. Sie beschreibt einen Weg in den Tod und zurück ins Leben.

Dieser Weg ist auch eine Expedition ins Innenleben des Protagonisten; in seine Auseinandersetzung mit dem Bruder, die seine psychische und physische Kraft bis an die Grenzen auslotet, eine Auseinandersetzung und auch eine Abnabelung von der Dominanz des Vaters, der den Respekt der Söhne genoss aber auch die Familie zerstörte. Positive Erinnerungen an die Geborgenheit bei der geliebten Mutter stehen in Zusammenhang mit einer sich höchst zurückhaltend und zart entwickelnden Liebe zu der Nomadin. Es erwächst die Sehnsucht nach einem Herd, und würde dieser selbst im Himalaja stehen.

Man findet in dieser Erzählung nicht nur Einblicke in eine entlegene Bergwelt jenseits heutiger Kommerzialisierung, in die Folgen chinesischer Okkupationspolitik im Himalaja, in das Leben der Nomaden und die Mythen von den fliegenden Bergen. Man wird auch wunderbaren Naturschauspielen der Hochregionen ausgesetzt: den Wetterfronten, Nebelmauern, jagenden Eisfahnen aber auch dem elementaren Kampf ums Überleben. Der langsame Abschied des Protagonisten von der Erlebniswelt der Jugend, vom Vermächtnis des Bruders und von seinem eigenen bisherigen Leben und der Aufbruch in die neue Welt der Liebe ist poetisch wunderbar treffend abgebildet.

Stilistisch bemerkenswert ist der linksbündige Flattersatz, in dem der Druck gesetzt ist. Die ersten Seiten wirken etwas befremdlich aber bald spürt man die lesegerechte Form dieser nicht in die Endloszeilen des üblichen Blocksatzes gezwängten Sätze. Der Sprachfluss der kraftvollen Prosa wird unterstrichen und man bekommt Zeit, dem Nachklang der Zeilen zu lauschen und dem Atemrhythmus zu folgen – wie man das auch beim Gehen in den Bergen tut. Ein erlebnisreiches Buch mit sanfter Melancholie.
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44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnliches Sprachkunstwerk, 12. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Diese Erzählung um zwei irische Brüder, einen geheimnisvollen Berg in Tibet und eine Liebesgeschichte scheint zunächst alle Kritiker zu bestätigen, die Ransmayr gerne schöngeistige Verschwurbelung vorwerfen. Allzu bekannt erscheint die mit (ziemlich deutscher) Bergsteigerromantik und der Suche nach dem 'Höheren' (im Wortsinne) getränkte Thematik. Freunde der Bergfilme von Arnold Fanck und Leni Riefenstahl dürften ihre helle Freude an diesem Sujet und seiner Umsetzung haben. Ransmayr bewegt sich zwar gelegentlich an der Grenze zum inhaltlichen Kitsch, aber jeder Einwand verstummt angesichts der schieren Wortgewalt dieses Textes, der selbst im Schaffen eines Ausnahmeliteraten wie Ransmayr eine nochmalige Steigerung darstellt und dessen Sog sich der Leser (ich zumindest) nicht entziehen kann. Auch das formale Experiment, den Text im 'fliegenden Satz' zu setzen, ist gelungen. Dadurch wird man geradezu eingeladen, den Text wie ein Gedicht LAUT zu lesen, und es LANGSAMER zu tun als gewöhnlich. So erschließen sich alle Details und sprachlichen Schönheiten dieses außergewöhnlichen Textes. Sicherlich nicht jedermanns Sache, insbesondere Leser, die in zeitgenössischer Literatur gerne sozialkritische Verbesserungsvorschläge zur weltpolitischen Gesamtlage zu finden hoffen, werden sich mit Grausen wenden. Allen, die jedoch nur ein wenig Interesse an Sprache und poetischer Kunst haben, sei dieses Werk ans Herz gelegt. Ich kenne kaum einen anderen zeitgenössichen deutschprachigen Autor, der Ransmayr in dieser Hinsicht auch nur annähernd nahe kommt. In dieser Hinsicht sicherlich ein zeitloses Werk.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Sehnsucht nach Neuem, 29. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die außergewöhnliche Erzählform mag zunächst abschreckend wirken. Gerade wenn man mit Lyrik, Sonetten und ähnlichen Gattungen seine Probleme hat, könnte man sich allein von der Drucksetzung dieses Buches mit Grausen abwenden. Aber: das wäre ein Verlust! Nach nur wenigen Seiten entfaltet die Geschichte der beiden Bergsteiger-Brüder einen Sog, dessen Kraft und Wortgewalt man sich kaum entziehen kann. Der Wahnwitz, der Menschen freiwillig bis an den Rand der Existenz treibt, wird hier mitreissend beschrieben. Die Sehnsucht nach dem Unerforschten, dem letzten weißen Fleck auf der Landkarte, rührt tief an ungelösten Lebensfragen. Ein sehr faszinierendes Buch, das wohl wirklich nur einer schreiben konnte: Ransmayr.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zerfällt beim Kauen, 11. Februar 2009
Von 
Roland Scheerer (Wolnzach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Taschenbuch)
Natürlich hat es einer, der in der "Letzten Welt" (für immer unter meinen allerbewegensten Leseerlebnissen!) derartige Maßstäbe gesetzt hat, seither nicht einfach. Die Handlung besteht hier aus zwei Strängen, die beim besten Willen nichts miteinander zu tun haben, und mögen sie formal noch so künstlerisch verflochten sein. Der Autor hätte zwei kleine, bibliophil edierte Novellen schreiben sollen, eine über Irland (für die, die es interessiert - aber würde man den Konflikt nicht doch eher von einem einheimischen Autor nahegebracht bekommen wollen?) und eine über das Bergsteigen.
Dass einmal jemand einen Roman in Versen setzt und damit auf das Ursprünglich-Epische zurückverweist, ist ein reizvoller Versuch, der hier und da auch von anderen wiederholt werden sollte; es kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier allzu Heterogenes zusammengezwängt wird; und Ransmayrs Sprache ist natürlich weiterhin schön, aber da hat sich eben auch so etwas wie ein gefälliges Pathos eingeschliffen und teilweise verselbstständigt - was zu einiger Redundanz führt. Ich habe den Text durchgelesen, ohne mich zu langweilen, manches Bild, manche Formulierung kennerhaft genossen - bin im Inneren aber unberührt geblieben. Eben weil ich Ransmayr so schätze, möchte ich ihn nach Maßstäben beurteilen, die er selbst gesetzt hat, und gebe zwei Sterne; ein anderer hätte vielleicht drei bekommen.
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43 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Rätsel der Liebe und die Suche danach, 19. September 2006
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie ein Berg, so unnahbar und fern und doch wie ein Ziel. So erscheint er zumindest zwei Brüdern, welche versuchen den letzten weißen Fleck auf Erden zu finden und das zudem auch noch im Himalaja. Diese außergewöhnliche Reise wird für einen der Beiden zu einer Reise ohne Wiederkehr, für den anderen zur Sinnsuche um sich und seinen Bruder.

Ein ungewöhnliches Buch, denn der Tod wartet auf den Leser schon auf den ersten Seiten. Ungewöhnlich im Satz ist das Buch allemal, denn es verwöhnt die Augen nicht mit dem Bocksatz, sondern sieht aus wie ein einziges großes Gedicht, immer linksbündig gesetzt.

In moderner Zeit handelt, versuchen zwei Brüder, nachdem sie wieder zusammen gefunden haben, einen Berg zu finden, einen Ort der nicht – existiert – zumindest nicht auf der Landkarte.

Das Thema der chinesischen Besetzung Tibets trifft ebenso auf die beiden Brüder, wie auch dem Tod auf die unterschiedlichste Weise. Zurückgekehrt nach Irland sieht einer der Brüder das Rätsel der Liebe als sein eigenes und des seines Bruders an und versucht abermals es zu lösen, wieder macht er sich auf den Weg.

Dieses Buch ist ungewöhnlich, es wird Aufsehen erregen und dem Leser oder der Leserin eine Gefühlswelt nahe bringen mit aktuellen politischen Versatzstücken, welche einen nicht mehr in Ruhe lassen werden.

Es gilt aufzuwachen aus einem Traum; sind wir alle auf dem fliegenden Berg oder wieder Zuhause in Irland und hören das Rauschen des Meeres und die Brandung der Gischt?

Sehr empfehlenswert!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meine Ansicht vom fliegenden Berg, 17. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Der fliegende Berg", das ist jener Höhepunkt, dem wir alle zueifern, dessen Erreichbarkeit aber von unseren Ängsten und Befürchtungen vernebelt wird, die wie ein starker Gegenwind in unser Bewusstsein schlagen, wenn die versteckten Momente, die abseits unserer Mäßigkeit im Einmaligen liegen, wie die Leuchtfeuer längst vergangener Sonnen in uns für einen kurzen Moment aufflackern. Der fliegende Berg erhebt sich in uns selbst und der Weg hinauf ist gepflastert mit schmerzhaften Verlusten und schwierigen Selbsterkenntnissen. Erreichen wir den Gipfel unseres fliegenden Berges, werden wir mit keinen einmaligen und herausragenden Ausblicken belohnt. Doch wir erkennen uns selbst in einer Weise, die uns Zufriedenheit und innere Ruhe sowie geistige Stabilität ermöglicht.

Ransmayrs in Versen gefasstes Gleichnis bezeugt in fliegenden Sätzen, umweht von einer einzigartigen melancholischen und genauso lebensfrohen Poesie, den stürmischen Aufstieg von unserer gewohnten Umgebung dorthin, wo wir uns in uns völlig alleine an unserem Höhepunkt wiederfinden. Dem fliegenden Berg.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Diese Bilder!, 18. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Christoph Ransmayr lesen ist wie Kino im Kopf! Die Bilder wechseln rasant, vom Meer zum Hochgebirge und wieder zurück, man taucht in das Buch ein und wünscht sich, es möge länger sein. Ich kenne ausser Emile Zola keinen Autor, der mit nur einem Satz so ein intensives Bild erzeugen kann. Absolut empfehlenswert - muss man gelesen haben (so wie alles von Christoph Ransmayr)!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atemnot..., 27. Februar 2007
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg: Roman (Gebundene Ausgabe)
... führt Padraic ein Jahr nach dem Ersteigen des Phur-Ri - des Fliegendes Berges - und dem Tod seines Bruders Liam auf die Suche nach seinen Erinnerungen - der Weg dorthin ist das allerletzte Gespräch mit dem toten Bruder. In Liams Haus an der irischen Küste, das Abflauen eines Sturmes abwartend erlebt der "zu Klippen und Bergen bekehrte Schiffsmaschinist" die gemeinsame Reise ins Gebirge Osttibets, seine Liebe zu Nyema, die Erkundung und schließlich Besteigung des unerforschten Berges, der als weißer Fleck auf der Landkarte prangert, aufs Neue. Doch diesmal führt der um drei Jahre jüngere Bruder - der Zuhörer und Stichwortgeber, der im Schatten stehende und Windschatten gebende - das Wort.

Ein zu Papier gebrachter Monolog mit außergewöhnlichem, wenn auch ungewöhnlichem Zeilenumbruch erzählt uns die Geschichte einer menschlichen Grenze, von Gegensätzen und der Gier nach Unerforschtem, die im Wahnsinn nicht bedachter Risiken endet.

Die Sprache in Vergleichen und Bildern belohnt unser langes Ausharren aufs höchste. Die Geschichte schenkt uns eine exotische Reise, unsäglichen Mut, besänftigende und dennoch nachhaltige Spannung vom Abstieg zum Meer bis zu 6840 Höhenmetern auf der Rückkehr vom Gipfel des Phur-Ri.
In Bewegung hält uns der rasche und dennoch fließende Wechsel der Zeiten, der uns zwischendurch in die irische Kindheit zweier ungleicher Brüder - dem überlegenen Ältern und bewundernden Jüngeren - entführt.

Tief Atem schöpfen .... "immer ist noch jemand da!"
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen herausragendes/Exemplar/der neuen deutschen/Literatur, 16. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg (Audio CD)
Gleich vorneweg: ich habe das Epos gehört, nicht gelesen- ein Umstand, der für den Konsumenten ungleich genussvoller erscheint, weil man sich die anstrengende Versform erspart und sich zum anderen von der Stimme des Autors selbst (der so manchem Schauspieler-Profi an Vortragskunst weit überlegen ist) in den Bann ziehen lässt. Es gibt wohl kein Genre, mit dem man dieses herausragende Kunstwerk klassifizieren kann, so reichhaltig ist dessen Panorama. Ransmayrs Biographie als Philosoph, Ethnologe, Reisejournalist, Traveller und Literat hat ein einmaliges Kaleidoskop eines Bildungsromanes entstehen lassen, dessen ausdrucksvolle und poetische Sprache seinesgleichen sucht. Das zentrale Leitmotiv ist wohl die immerwährende Thematik der Sinn-Suche, hier beschrieben als herausfordernde Besteigung eines mystischen und mysteriösen 7000ers in Ost-Tibet, des Phur-Ri, des fliegenden Berges durch zwei irische Brüder. Der eine findet dabei den Tod, der andere die Liebe. (und auch wenn so mancher es abstreiten mag, so nimmt der Haupt-Strang der Erzählung natürlich Bezug zur historischen Tragödie der Messner-Brüder damals am Nanga Parbat und verkehrt das einstige Geschehnis in ein reizvolles, spiegelverkehrtes Zerrbild). Versatz-Stücke aus dem Genre des Bergsteiger- und Abenteuer-Romanes werden auf wunderbare Weise verquickt mit dem reise-journalistischen Teil der Erzählung, im welchem u.a. die Fährnisse der tibetischen Nomaden beschrieben werden. Im politischen Teil greift der Autor neben der Todesstrafe in China auch den harschen Umgang der Besatzungsmacht mit den Tibetern auf, wobei delikaterweise genau dieses Thema auch nach West-Europa projiziert wird, wo auch heute noch so mancher Ire die englische Krone als feindliche Bedrohung ansieht - so auch der skurril beschriebene Vater der beiden Brüder, der als "Captain Daddy" seine halbwüchsigen Söhne auf so manche unfreiwillige "Exkursion" mitgenommen hat, um sie im Kampf gegen die englischen Feinde zu stählen. Und schliesslich fehlt thematisch auch das nicht, was dem einen der beiden Brüder schliesslich am Über-Leben hilft: die Liebe - poetisch und einfühlsam beschrieben als Begegnung zwischen dem europäischen Abenteurer und der auf ihre Weise nicht minder lebenserfahrenen tibetischen Nomadin.
Es wird dem Leser so manches an Ausdauer und Aufmerksamkeit abverlangt, um diesen literarischen Gipfelsturm goutieren zu können - ist man ganz oben am Gipfel der Faszination angekommen, dann fliegt man berauscht auf und davon...
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Traum der Sehnsucht nach dem Einssein, 1. Dezember 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Berg (Audio CD)
Christoph Ransmayr liest dieses Hörbuch selber. O.K. er ist ein Verehrer von Andre Heller. Die Story ist gut und berührt. Zwei Brüder besteigen einen Berg, den es noch auf keiner Landkarte gibt. Das Hörbuch fasziniert durch die Art zu sprechen, die Art zu lesen, die Art zu fühlen, die Art die Welt zu akzeptieren, wie sie ist. Diese Ursehnsucht nach Einssein mit Allem. Das „Göttliche“ im Augenblick. Die Stimme von Ransmayr ist die Inkarnation von Poesie und Sehnsucht. Egal worüber er inhaltlich spricht, er ist und bleibt die Sehnsucht. Nach dem Einssein mit Allem. Eine Trance der heiligen Art. Alle Ursehnsüchte dieser Welt und des eigenen Lebens werden hier aktiviert. Soviel Mut hat man selber gar nicht. Ransmayr verführt und führt. Wie ein Freund.

Sollte man haben, hören, verschenken.
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Der fliegende Berg: Roman
Der fliegende Berg: Roman von Christoph Ransmayr (Taschenbuch - 15. Oktober 2007)
EUR 9,95
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