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42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch über die Extremzustände der Liebe
Per Olov Enquist größter Erfolg war seiner Zeit „Der Besuch des Leibarztes", eine wunderbare Geschichte, die von der Liebe in Zeiten der Aufklärung handelt. Sein großes Thema in allen Büchern ist die Erklärung der Liebe, dabei beschäftigen ihn vornehmlich halbhistorische Stoffe. Und so hat er mit „ Das Buch von Blanche und...
Veröffentlicht am 21. Februar 2005 von Carl-heinrich Bock

versus
21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verschenktes Potential
Die Besetzung ist hochinteressant: Marie Curie, die als einzige Frau zwei Nobelpreise erhielt, und Blanche Wittman, berühmtestes "Medium" des Pariser Nervenarztes Charcot und spätere Assistentin von Marie Curie bei der Erforschung des Radiums.

Als Blanche bei Marie einzieht, sind beide vom Schicksal schwer gebeutelt. Blanche mussten wegen der...
Veröffentlicht am 20. Dezember 2007 von Valentine


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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verschenktes Potential, 20. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Taschenbuch)
Die Besetzung ist hochinteressant: Marie Curie, die als einzige Frau zwei Nobelpreise erhielt, und Blanche Wittman, berühmtestes "Medium" des Pariser Nervenarztes Charcot und spätere Assistentin von Marie Curie bei der Erforschung des Radiums.

Als Blanche bei Marie einzieht, sind beide vom Schicksal schwer gebeutelt. Blanche mussten wegen der fortschreitenden Strahlenschäden sukzessive beide Beine und ein Arm amputiert werden, Marie hat ihren Mann bei einem Verkehrsunfall verloren und mit dem Bekanntwerden ihrer Affäre mit dem verheirateten Forscher und Familienvater Paul Langevin trotz ihrer großen Forschungserfolge jegliches Ansehen bei der Bevölkerung verloren.

Jahre nach Blanches Tod beschäftigt sich der namenlose Erzähler mit den Papieren aus Blanches sogenanntem "Fragenbuch", drei Notizbüchern mit Aufzeichnungen über Dinge, die sie in ihrem Leben beschäftigt haben: ihre Hassliebe zu Charcot, der bei öffentlichen Sitzungen an ihrem Beispiel die Psyche der Frau erforschen wollte, indem er sie in Trance versetzte; ihre Arbeit bei und Freundschaft mit Marie Curie; Fragen der Liebe und des Lebens im allgemeinen.

Eine wunderbare Idee und faszinierendes Personal, nicht nur die beiden Hauptpersonen, sondern auch zahlreiche andere Größen der Medizin und Naturwissenschaft aus jener Zeit, über die ich noch einiges nachlesen möchte.

Leider konnte ich mit dem Stil überhaupt nicht warmwerden. Ungeordnet scheinende Zeit- und Gedankensprünge, vage Andeutungen und ein Übermaß an Satzfetzen, die durch hingestreute Ausrufezeichen aneinandergereiht werden und deren Sinn sich mir oft nicht erschlossen hat, wie etwa diese Passage:

"Der Punkt! von dem aus die Geschichte betrachtet wurde und wirklich wurde! einen Meter von dem Tisch entfernt, an dem sie einst! als Pierre noch lebte! den geheimnisvollen Stoff entdeckt hatte, der! und das blaue radioaktive Licht! war dies denn nicht der richtige Punkt, um die Angst zu überwinden!"

Als sparsam verwendetes Stilmittel sicher nicht schlecht, aber in der Häufung für mich irgendwann nur noch ärgerlich.

Leider von mir keine Empfehlung, hier wurde durch den seltsamen Stil Potential für einen wunderbaren Wissenschaftsroman verschenkt.
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42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch über die Extremzustände der Liebe, 21. Februar 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Per Olov Enquist größter Erfolg war seiner Zeit „Der Besuch des Leibarztes", eine wunderbare Geschichte, die von der Liebe in Zeiten der Aufklärung handelt. Sein großes Thema in allen Büchern ist die Erklärung der Liebe, dabei beschäftigen ihn vornehmlich halbhistorische Stoffe. Und so hat er mit „ Das Buch von Blanche und Marie" ein ganz faszinierendes Buch aus Tatsachen und Phantasien zusammen gefügt.
Er erzählt von zwei Frauen die es in Wirklichkeit gegeben hat. Im Mittelpunkt des Buches steht die nervenkranke Blanche Wittman. Sie sucht Heilung bei Professor
Charcot, der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts an der Pariser Salpétrière Hysterikerinnen vor studentischem Publikum vorführte. Sie ist sein Medium, seine Lieblingspatientin, verliebt sich schließlich in ihn. Heute, da die Psychoanalyse weiter ist hätten Blanche sicher schon einige „Sitzungen" helfen können, in denen man erfahren hätte, dass sie nie den all zu frühen Tod ihrer Mutter verarbeiten konnte und das sie tiefen psychischen Schaden an der Abtreibung genommen hat, die ihr eigener Vater bei ihr vorgenommen hatte. Damals schob man die Ursache aller bösartigen Seelenstörungen bei den Frauen auf die „hystera", die Gebärmutter, auf den Unterleib.
16 Jahre verbrachte Blanche in diesem Krankenhaus, wurde von dem Professor täglich den Studenten vorgestellt, und Enquist erzählt ihre Geschichte und erfindet vermutlich ihre Liebesgeschichte mit dem Professor, der eines Tages auf mysteriöse Weise verstirbt.
Nach seinem Tod wird Blanche Assistentin bei der französischen Chemikerin Marie Curie, die zwei Nobelpreise bekam, einen für Physik und einen für Chemie. Blanche wird bald ihre engste Freundin. Beide Frauen sind sehr klug und sehr leidenschaftlich.
Sie arbeiteten an der Entdeckung des Radiums, gefährden dadurch ihre Gesundheit. Blanche musste man beide Beine und einen Arm amputieren. Und Marie starb an den Schäden durch diese Arbeit und zwar durch eine Schädigung des Knochenmarks. Beide Frauen haben sehr lange gelitten.
Marie, die ihren viel zu früh tödlich verunglückten Mann liebte, beginnt eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit ihrem verheirateten Kollegen Paul Langevin, der sie schließlich verlässt und dessen Frau Maries Briefe in einer Zeitung veröffentlicht, sie bloß stellte und die Übergabe des zweiten Nobelpreises dadurch in Gefahr brachte.
Blanche lebt bei Marie und beginnt schließlich Tagebücher über die Affären Marie Curies und ihrer Liebe zu Charcot zu schreiben. Und Enquist erfindet diese Notizen von Blanche über die Liebe. Da heißt es einmal in dem Roman:" Die Liebe kann man nicht erklären. Aber wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?". Es ist ein zutiefst bewegendes Buch, über die Frage, ob man ohne Liebe leben kann? Sicher kann man das nicht, aber wie kann man mit einer Liebe leben wenn sie so stark, grausam und gefährlich ist? Man kann sie nicht überleben! die Unvereinbarkeit von Vernunft und Leidenschaft, die ist für beide Frauen tödlich.
„ Das Buch von Blanche und Marie" ein ganz faszinierendes, und zugleich spannendes Buch, über die Suche nach der Liebe und über die Grenzerfahrungen der Leidenschaft, von Per Olov Enquist überwältigend erzählt, halb historisch halb erdichtet.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Liebe überwindet alles?, 22. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Taschenbuch)
"Amor Omnia Vincit - die Liebe überwindet alles". Mit diesen Worten beginnt Enquists nur stellenweise biografisch belegter Roman über Blanche Wittman, Ende des 19. Jahrhunderts "Medium" des berühmten Nervenarztes Charcot, später Assistentin Marie Curies, und eben jene zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie.
Der nicht namentlich erwähnte Erzähler, aber offensichtlich Schwede wie der Autor Enquist, reflektiert auf sehr empathische Weise Aufzeichnungen Blanche Wittmans, in denen sie sich auf die Suche nach der Natur der Liebe begibt. Dabei werden dem Leser Leben und Liebesbeziehungen der beiden Hauptpersonen in einer Zeit enormer wissenschaftlicher Umbrüche, teils durch Erzählerbericht und -reflexion, teils durch Blanche Wittman selbst in ihren "Erinnerungen" erfahrbar gemacht.
Alles in diesem Roman dreht sich um das Phänomen der Liebe. Wer jedoch auf Grund des ersten Satzes auf die Bestätigung der These wartet, wird sehr schnell eines Besseren belehrt: "Die Liebe überwindet alles, als Arbeitshypothese, oder innerster Schmerzpunkt." (S.9)Von Anfang an wird klar gestellt, dass Blanches Fragen (Sie selbst nennt ihre aus drei Teilen bestehenden Aufzeichnungen "Fragebuch".) zum Wesen der Liebe nicht beantwortet werden können - und wiederholt darauf bestanden, es doch wenigstens versuchen zu müssen: "Als ich ein Kind war, wie ein Kind sprach und kindliche Gedanken hatte [...],war das Evangelium eine Liebesbotschaft, und alle Liebe war teils geboten, teils verboten. Das schuf die Verlockung, die explosiv war und daher tödlich. Die Liebe und der Tod waren verknüpft, wir konnten uns nicht befreien. Alle sprachen von der Liebe, doch niemand erklärte sie. Sie war auch die größte Sünde. Da darf man nicht aufgeben.[...]wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?" (S.41)Diese letzte Frage wiederholt Blanche mehrmals. Liebe und Schmerz, Liebe und Tod - in Blanches Liebesgeschichte mit ihrem Arzt Prof. Charcot spiegeln sich diese Motive genauso wider wie in Marie Curies (Liebes)Leben. Erfüllte Liebe ist nicht Thema des Romans. In Enquists Roman wird das Motiv der Liebe jedoch nicht nur an den schmerzlichen individuellen Liebeserfahrungen der Curie und der Wittman "analysiert", sondern gleichsam übertragen auf die Liebe, die Leidenschaft zur Wissenschaft. Beide Frauen leben in einer Zeit der wissenschaftlichen "Revolution", des Umbruchs zur Moderne und sind verantwortlich/beteiligt für/an die/der Entdeckung des Radiums.Beide Frauen bezahlen für ihre Arbeit mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben.
Enquists Roman liefert darüber hinaus Einblicke in eine spannende und widersprüchliche Zeit, in der Wissenschaft und Fortschritt zu gesellschaftlichen "Stars" avancierten, z. T. und auf schlimmste Weise auch auf Kosten von Frauen. Der Feminismus steckte noch in den Kinderschuhen. An beiden Frauen, Blanche und Marie, wird auch diese Geschichte erzählt.
Es ist die Geschichte zweier unkonventioneller, mutiger und starker Frauen, die in einer für sie widrigen Zeit ihren Anspruch auf ihre Art zu leben und zu lieben auf schmerzlichste Weise durchleben müssen. Aber sie geben nie auf und sie zerbrechen nicht. Und also scheint die anfangs aufgestellte These in gewisser Weise doch bewiesen? Das muss der Leser wohl selbst entscheiden oder hinterfragen.
Für mich ein bemerkenswertes Buch!, das sehr komplexe Themen sensibel, berührend und überhaupt nicht sentimental anspricht. Wer sich die Mühe macht, sich auf diese anspruchsvolle (auch stilistisch!)Lektüre einzulassen, wird wahrscheinlich mit mehr Fragen zurückbleiben, als er sie vor dem Lesen hatte, auf jeden Fall aber auch um unzählige Anstöße und Eindrücke reicher sein!
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum die Sufragettenbewegung so wichtig war!, 1. März 2007
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Taschenbuch)
Der schwedische Autor Enquist erzählt die tragischen Lebensläufe der zweimaligen Nobelpreisträgerin Marie Curie und ihrer Assistentin Blanche Wittmann , die ein Jahrzehnt früher Patientin im " Salpetiere" war.

Beide Frauen lebten nach den Maßstäben ihrer Zeit untypisch. Beide waren sie Berühmtheiten. Beide wurden sie zu Strahlenopfern, hervorgerufen durch ihre Arbeit mit dem Mineral " Pechblende". Beide hatten eine Liebesbeziehung zu einem verheirateten Mann. Beide konnten die Beziehung in der Öffentlichkeit nicht ausleben, weil die gesellschaftliche Moral dagegen stand. Daran litten beide seelisch. Letztlich zermürbte dieser Umstand beide auf Dauer.

Die Affäre der verwitweten Marie Curie - sie war einst eine von nur zwei Frauen unter 9000 Studenten an der Sorbonne!!!- mit dem Wissenschaftler Paul Langevin kam der Presse zu Ohren. Unaufhaltsam folgte der Skandal.

Fortan war die Chemikerin gesellschaftlich stigmatisiert und die Verleihung ihres zweiten Nobelpreises in Frage gestellt.

Blanche Wittmann, engste Vertraute der bedeutenden Wissenschaftlerin, schreibt über ihr gemeinsames Leben mit Marie und stellt Betrachtungen über das Wesen der Liebe an. Sie reflektiert insbesondere die Zusammenhänge zwischen Liebe und Schuld, sowie Liebe und Tod.

Zu diesem Zeitpunkt hat man Blanche bereits in einen Kasten gepackt, weil man ihre Beine und einen ihrer Arme amputiert hat, sie nunmehr nur noch eine Miniatur ihrer selbst ist, wie sie sagt.

Die Hände Maries sind auch schon verkrüppelt. Das Radium hat auch seine Entdeckerin nicht verschont. " Wann verschwand das Selbstbewußtsein des zwanzigsten Jahrhunderts, der Fortschrittsoptimismus, die Arroganz? ", fragt sich der Autor an irgendeiner Stelle dieses Buches mit Blick auf diese beiden Frauen, die zum Schluss ihres Lebens die ersten Opfer gerade jener Geister waren, die man voller Sehnsucht herbeigerufen hatte.

Blanche Wittmann " die Königin der Hysterikerinnen " war zu Ende des vorvergangenen Jahrhunderts Patientin im berüchtigten Krankenhaus " Salpetiere". Der Neurologe Jean Martin Charcot behandelt die junge Frau dort wegen ihrer vermeintlichen Hysterie. Er unternimmt Experimente mit Hypnose.

Sigmund Freud ist eine Zeitlang einer seiner Mitarbeiter. Erbärmlich, präziser menschenunwürdig geht man mit den 6000 Frauen im " Salpetiere" um, dem " Schloss der verrückten Frauen"..

Man führt sie dem gebildeten, männlichen Bürgertum vor und ergötzt sich lüstern an den " Veitstänzen ". Wie Ratten sind die armen Frauen eingesperrt und wie Affen dressiert man sie.

Der verklemmte Professor Charcot hat zu Ende seines Lebens eine Affäre mit seiner Patientin Blanche. Später gibt sich die nachdenkliche Schönheit die Schuld am Ableben des von ihr geliebten Mannes.

Die beiden tüchtigen Frauen Blanche und Marie wurden Opfer einer prüden, unduldsamen, doppelmoraligen Gesellschaft. Nie hätte man Albert Einstein, aufgrund seiner zahllosen Liebesaffären mit gesellschaftlichen oder gar beruflichen Sanktionen belegt. Für Männer galten andere Maßstäbe!

Marie Curie kannte Einstein persönlich, kannte Becquerel und viele andere Wissenschaftler auch. Trotz ihres Nobelpreises hat man sie in ihrer Zeit nie auf die gleiche Stufe mit ihren männlichen Kollegen gestellt.

Sie war eben eine Frau!

Die mutige Emmeline Pankhurst - eine britische Frauenrechtlerin-war befreundet mit Marie Curie. Doch die Bewegung steckte noch in den Kinderschuhen. Noch war man nicht so weit, Mann und Frau die gleichen Rechte zuzubilligen.

Vielleicht ist man es ja heute immer noch nicht....!

Ein zutiefst berührendes Buch!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnd, 26. Januar 2007
Ich hatte mir das Hörbuch aus der Bücherei geliehen und bin ganz begeistert. Zugegeben, nach anfänglichen Schwierigkeiten. Es ist zuerst nicht leicht, sich in die Geschichte einzuhören, die Zeitsprünge, Sprünge zwischen den Erzählebenen etc. sind gewöhnungsbedürftig, machten dann aber auch für mich den Reiz der Geschichte aus. Man muss sich konzentrieren... gut so! Mal nicht das übliche "Leseeinerlei".

Besonders fesselte mich die sehr eindringliche Beschreibung der damaligen Lebens- und Wissenumstände. Die Naivität in bezug auf die Wissenschaft, die aber gleichzeitig auch bahnbrechend war und unsere heutige Gesellschaft schuf & prägte. Dann natürlich die einfach wirklich fesselnden Geschichten von Blanche und Marie, jede für sich, beide zusammen... Und mit welch überzeugender Sensibilität und Intensivität der MÄNNLICHE Autor die für Frauen schwierigen Umstände und den ersten Anpflug von Änderungen nachzeichnet.

Beeindruckend & einprägend!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Was ist die chemische Formel für Begierde?", 16. September 2011
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
So heißt es an einer Stelle in diesem Roman. Und diese Frage könnte so etwas wie das Motto des Buches sein. Denn es geht um Begierde, um Liebe auf der einen Seite und um Chemie auf der anderen. Kein Wunder bei einem Roman, bei dem Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin (Chemie und Physik) mit im Zentrum steht. Curie, in Polen als Tochter eines Lehrerehepaares geboren, siedelte nach Paris über, da es ihr in Polen als Frau nicht erlaubt war, ein Studium aufzunehmen.

Blanche Wittman wurde als junges Mädchen nach einer schweren Kindheit in die Heilanstalt Sâlpetrière in Paris eingeliefert, in der bis zu achttausend vorwiegend Patientinnen mit Epilepsie, Hysterie und geistigen Krankheiten lebten oder besser: gehalten wurden. Und das unter heutzutage nahezu unvorstellbaren Bedingungen, sowohl aus hygienischer Sicht als auch aus der Perspektive der Menschenwürde. Sie war dort die Lieblings- und Vorzeigepatientin des Anstaltsleiter Jean Martin Charcot - auch der Lehrer von Siegmund Freud -, der rund vierzig Jahre älter war als sie und in den sie sich jedoch verliebte. Die Zeit von Blanche in der Anstalt ist historisch abgesichert, der zweite Teil des Romans jedoch nicht. Enquist erzählt darin die Zusammenarbeit zwischen Blanche und Marie Curie, in deren Verlauf Blanche wegen der Arbeit mit radioaktivem Material nach und nach beide Beine sowie ein Arm amputiert werden. Schließlich lebt sie in einer fahrbaren Holzkiste bei Marie Curie. Enquist gründet seinen Roman auf anscheinend fiktiven Tagebüchern Aufzeichnungen Blanche Wittmans, einem gelben, einem schwarzen und einem roten Buch.

Das Buch ist ein Buch über die Liebe, die Liebe von Blanche zu Charcot, die Liebe von Marie zu Pierre Curie und später, nach dessen tragischem Tod, zu Paul Langevin, einem weiteren Wissenschaftler und früheren Schüler von Pierre Curie. Die Affäre mit Langevin, einem verheirateten Familienvater, belastete das öffentliche Ansehen von Marie Curie schwer, in einer Öffentlichkeit, die ihr unwahre eine jüdische Herkunft genauso vorwarf wie ihren Erfolg als Wissenschaftlerin. Diese negativen Auswirkungen dieser Affäre in der Öffentlichkeit wurde Curie nie mehr los.

Wenn man bedenkt, dass die geschilderten Zustände, insbesondere in einer Anstalt wie der Pariser Sâlpetrière, erst gut hundert Jahre zurück liegen und welche Fortschritte die Wissenschaft, aber auch die Gesellschaft als solches gemacht hat, dann muss man sich fragen, ob ein Roman über das Jahr 2011 in gut hundert Jahren ebensolche Gefühle, ein ebensolches Kopfschütteln hervorrufen wird. Man weiß es nicht und wir werden es nicht erfahren.

Sprachlich ist der Roman von Per Olov Enquist etwas Besonderes. Nicht immer leicht zu lesen, um es vorsichtig auszudrücken, phasenweise gelang mir das sogar nur mit Mühe. Aber gehobene oder gar große Literatur bringt eben mit sich, dass nicht nur der Autor beim Schreiben sich anstrengen muss, sondern auch der Leser oder die Leserin bei der Lektüre. Halbdokumentarische Literatur bringt einerseits immer mit sich, dass man etwas lernen kann, andererseits aber nie genau weiß, ob das Gelesene der historischen Wahrheit entspricht oder nicht, wo die Grenze verläuft zwischen Dichtung und Wahrheit.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amor omnia vincit, 18. Mai 2009
Der Gesang vom Schmetterling: "Du bist wie ein Schmetterling, der vom Himmel geflohn, hast dich gelangweilt dort oben, willst spielen mit mir. Du flatterst mir entgegen und bist ein wenig ängstlich. Aber ich weiß, wer du bist. Gottes Schmetterling, verkleidet."
Blanche ist 15. Der Junge, der ihr dies Gedicht geschrieben hat, ist genauso alt. Es ist Sommer. Sie sind in einem Wald. Sie sind an einem Fluß. Liegen nebeneinander im Gras. Er ist behutsam, denn sie ist ja ein Schmetterling. Er liegt nackt neben ihr und fragt: "Von dort oben bist du geflohn, was möchtest du, was soll ich tun?" "Du sollst tun" ,sagt sie, "was man mit einem Schmetterling tun darf, der vom Himmel geflohn, hat sich gelangweilt und will spielen mit dir." Es ist fast Dämmerung und es ist schön und sie will nie aufwachen. Doch sie muß aufwachen, denn sie ist die Königin der Hysterikerinnen, heißt Blanche Wittman und ist keine 15 mehr. Sie ist erwachsen. Und aus dem warmen Laubwald vertrieben. Jetzt lebt sie im Dschungel und die wilden Tiere starren sie an.
Es war Ende des 19.Jahrhunderts als in Paris in der Nervenklinik Salpetriere der Arzt und Professor J.M.Charcot die Hysterie erfand. Hysterie wurde bei Frauen zu einer üblichen Krankheit. Hörte aber nach Charcots Tod auf üblich zu sein. Blanche war von 1878-93 mit der Diagnose Hysterie in der Salpetriere. Charcot benutzte sie zu wissenschaftlichen Zwecken. Sie war sein Studienobjekt und viele Interessierte, unter anderem Sigmund Freud, betrachteten Blanche bei ihren hysterischen Verrenkungen. Blanche war schön. Ein schöner Schmetterling. Per Olov Enquist schlüpft in diese Frau, wie in einen Kokon und verpuppt sich. Seine Einfühlung geht tief. Seine Sprache trifft wie ein Skalpell, schneidet in den Herzmuskel und der schnappt zu und fängt sich die Liebe.
'Amor Omnia Vincit' - die Liebe überwindet alles. So beginnt das Buch. Das FRAGEBUCH. Aus der Hinterlassenschaft von Blanche Wittman. Das aus drei Notizbüchern besteht: dem gelben, dem schwarzen und dem roten Buch. Blanche wird nach ihrer Karriere als Hysterikerin, frei nach Enquist, Mitarbeiterin von Marie Curie. Dort wird sie zum Strahlenopfer. Verliert beide Beine und einen Arm. Behalten tut sie nur den zum Schreiben. Und doch durchzieht ihr Wesen, trotz all des Unglücks, eine merkwürdige Art von Freude, ähnlich der die Ödipus empfand, nachdem er sich die Augen ausstach. 'Alles ist gut', waren seine Worte. Jetzt ist alles gut. Angekommen!
Marie Curie kommt nie an. Sie ist die eigentlich tragische Figur in dem Buch, die Frau von den beiden, die der öffentlichen Brandmarkung des Frauseins, wie es damals noch penetrant selbstverständlich war, nicht entkommen kann. Marie hatte, nachdem ihr Mann Pierre gestorben war, sich in Paul Langevin verliebt, der verheiratet war. Am Ende dieser Verliebtheit war Paul wieder bei seiner Frau Jeanne, hatte mit deren Einverständnis seine Sekretärin zur Geliebten genommen und Jeanne waren die Liebesbriefe Maries an Paul in die Hände gefallen. Am 23.11.1911 erschien der erste dieser Briefe in der Zeitung 'L'Euvre'. Es folgten die weiteren. Es waren keine schönen Briefe. Es waren Briefe voller Eifersucht und Wut auf die Ehefrau. Marie,die als Polin in Frankreich wenig geliebt war, geriet in eine Hetzkampagne, von der sie sich nie erholte. Sie floh aus Paris. "Daß die Scham so schwer sein konnte, wo sie geglaubt hatte, nur geliebt zu haben. Warum mußte es so häßlich werden!"
Amor Omnia Vincit.
Per Olov Enquist hat genau die Liebe in der Sprache, die alles überwindet, denn er ist klar und verschwommen zugleich, seine Sprache ist ein Himmel aus Wasser und seine Worte sind Schmetterlinge, die schwimmen können.
Gottes Schmetterlinge, verkleidet. Mein Rat an Euch: fangt die Schmetterlinge und zieht sie aus. Aber vorsichtig,vorsichtig!
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht mein Fall, 7. Juni 2006
Das Buch steckt voller Fragmente und Anspielungen, die z.T. schwer zu entschlüsseln sind, wenn überhaupt. Die Liebesgeschichten der beiden Frauen sind düster, aus der damaligen Zeit heraus betrachtet aber interessant, da beide verheiratete Männer liebten und daran verzweifelten. Der Aufbau des Buches ist jedoch verwirrend, etliche Textstellen haben sich mir nicht erschlossen, doch man konnte der Geschichte auch ohne sie folgen. Der Sprachstil ist brilliant, auch werden die medizinischen ERkenntnisse und die Verhältnisse in Heilanstalten der damaligen Zeit anschaulich gemacht. Doch wie gesagt: Vieles bleibt undurchsichtig und machte es beim Lesen schwer durchzuhalten. In der 2. Hälfte des Buches wird es klarer, so dass ich es schließlich doch ganz durchgelesen habe. Ich hatte mir aber mehr davon versprochen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amor Omnia Vincit-die Liebe überwindet alles, so beginnt ein wundervoller Roman, 4. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch in der Bibliothek unter Biographien gefunden und hatte es mir entsprechend vorgestellt und mich darauf gefreut.

Erlebt habe ich allerdings einen wunderschönen Roman über zwei Frauen am Anfang des 20. Jhd., die ähnlich Liebe empfinden und ausleben. Jede auf Ihre Art einzigartig in ihrem Charakter. Blanche mit 18 Jahre eingewiesen in eine Nervenheilanstalt und auf Hystherie behandelt, sowie vorgeführt vom berühmten Nervenarzt Charcot, der ihr verfällt und damit sein Leben besiegelt. Vortrefflich ist im Übrigen wie Sigmund Freud nebenher immer wieder als Sigmund in der Handlung auftaucht und ein bescheidenes Dasein fristet, fernab von dem was man erwarten würde. Er war halt noch sehr jungs damals...

Marie Curie, die nach wenigen Lieben, darunter ihr Mann und herausragender Kollege Pierre, ihre vermeindlich große Liebe Paul Langevin erlebt und dadurch strauchelt. Zwischendrin der Erzähler, der die Frauen mit den Frauen seines Lebens vergleicht, sei es die Mutter oder Großmutter. Es ist ein Buch über Frauen, aber auch über Männer die an den vermeindlich starken und ebenso schwachen Frauen Gefallen finden und dafür Existenz oder gar Leben aufs Spiel setzen.

Die Frauen treffen aufeinander und erleben körperliche und seelische Qualen in einem undenkbaren Ausma. Extreme Verzweiflung hingegen findet man nur selten. Und das verwundert. Das Buch der Fragen, welches Blanche während ihrer Verkrüppelung schreibt, ist im Grunde das Buch des Lesenden. Man fragt sich permanent, wie sie es schafft ihr Leben zu meistern.

Die Geschichte der Entdeckung des Radiums ist dabei nicht eine Nebensache, im Gegenteil, all die Verworrenheit, die Freude und das Elend, die sich daraus entwickelt spielt eine große Rolle im Leben und Lieben dieser Frauen. Durch die Radioaktivität und die "Ver" Rückheit verlieren sie, gewollt oder ungewollt, Menschen die sie lieben. Sie verstümmeln seelisch und körperlich und verlieren sich selbst. Trotz allem wirken die beiden Frauen und auch die Frauen des Erzählers für Ihre Zeit unglaublich stark.

Es ist sicherlich kein leichtes Buch. Des öfteren habe ich Passagen nochmals lesen müssen, auch weil sie so schön waren. Es ist ein poetischer und gleichsam tragischer Roman. Anfangs hat man Schwierigkeiten auszumachen, wer das Buch schreibt. Man verliert sich manchmal in eine Person und merkt garnicht wie bereits reflektiert wird bzw. wie die Geschichte bereits eine andere Wendung genommen hat, obwohl sie doch immer bei der gleichen Geschichte bleibt...der Liebe zu sich selbst, zum Anderen und zur Entdeckung.

Schön sind die Zeilen des Erzählers, die immer wieder auftauchen "Als ich ein Kind war, wie ein Kind sprach und kindliche Gedanken hatte..."

Ich finde jede Seite hat Zeilen die man rezensieren könnte. Es ist ein wunderschöner Roman ohne Kitsch, und ich werde es mir (da nur ausgeliehen) kaufen. Es sollte in keinem guten Bücherregal fehlen.

Blanche: "Es ist wie mit der Liebe, man kommt das ganze Leben nicht mehr davon los, wie sehr man sich auch die Freihheit wünscht".
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwierig, aber lesenswert, 16. August 2006
Es ist ein schwieriges, aber durchaus lesenswertes Buch. Enquist versucht zu verstehen, was die Figuren der Geschichte umtreibt. Warum haben sie gehandelt, wie sie gehandelt haben? Was haben sie gedacht und gefühlt? Er gibt sich als Erzähler und Rekonstrukteur der Geschichte klar zu erkennen, lässt den Leser an seinen Überlegungen teilhaben und durchwirkt das Geschehen hier und da mit eigenen, ganz persönlichen Erlebnissen.

Anfangs fasziniert der Roman, dann ermüden die vielen Sprünge zwischen Zeiten, Orten und Geschichten ebenso wie die ständigen Wiederholungen der Ereignisse. Irgendwann scheint nichts Neues mehr zu passieren, doch am Ende erzählt Enquist endlich die so oft angedeutete, tragische Liebesgeschichte von Marie und Paul.

Eine interessante Geschichte mit einigen Längen - ungewöhnlich konstruiert und kunstvoll formuliert.
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Das Buch von Blanche und Marie: Roman
Das Buch von Blanche und Marie: Roman von Per Olov Enquist (Taschenbuch - 23. Februar 2007)
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