MSS_ss16 Hier klicken Jetzt informieren Frühling Cloud Drive Photos Kamera16 Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle Sparpaket Autorip GC FS16

Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen1
4,0 von 5 Sternen
5 Sterne
0
4 Sterne
1
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Die Jahre zwischen 1933 und 1945 gehören zum besterforschtesten Zeitraum der deutschen Geschichte. Mittlerweile sind wir detailliert über des Führers Haustiere und Cousinen zweiten Grades informiert. Doch eine richtige Alltagsgeschichte des Dritten Reiches gibt es noch nicht, was auch nicht sonderlich verwundert. Meinungsforschungsinstitute sind ein Phänomen der Mediendemokratie und entstanden erst im Laufe der Bonner Republik. Anhand welcher Quellen soll der heutige Historiker also die allgemeine Stimmung der Bevölkerung während der Nazidiktatur rekonstruieren?

Götz Aly, der Outlaw unter Deutschlands Historikern, hat sich nun etwas ganz Witziges einfallen lassen. Mit seinen studentischen Hilfskräften wirft er unter anderem einen Blick auf die Entwicklung der Vornamen, der Kirchenaustritte oder der Sparquote, um somit ein Stimmungsbild der Bevölkerung zu zeichnen. Das ganze funktioniert so: Laut Statistik nahm die Anzahl deutscher Vornamen (Adolf, Hermann, zum Beispiel; die entsprechende Kurve ist daher auch sehr eloquent als "Adolf-Kurve" bezeichnet) von 1933 bis 1939 stetig zu, um dann wieder abzufallen. Ähnliches lässt sich bei den Kirchenaustritten und der Sparquote beobachten. Während bis 1939 die Anzahl der Kirchenaustritte stetig stieg, um dann wieder zurückzugehen, zeigt die Sparquote bis zum Kriegsausbruch einen Rückgang auf, um dann drastisch anzusteigen. Interpretation: Das Regime erfreute sich bis 1939 großer Beliebtheit, die dann aber mit fortschreitendem Kriegsverlauf stetig abnimmt.

"Volkes Stimme" wird wahrscheinlich heftig attackiert werden. Kann es denn überhaupt legitim sein, anhand von selektiv ausgewähltem Zahlenmaterial Aussagen über das Gesamtbefinden einer Bevölkerung zu treffen? Ist es dem Leser überhaupt zuzumuten, auf knapp 230 Seiten nahezu ebenso viele Statistiken und Tabellen abzudrucken? Mag sein, mag auch nicht sein, das interessiert mich recht wenig. Interessant ist diese rein quantitative Darstellung alltäglicher Phänomene auf jeden Fall. Und wofür Aly auf jeden Fall ein Lob verdient ist die Tatasche, dass er seine studentischen Mitarbeiter nicht nur im Vorwort erwähnt, sondern ihnen Autorenstatus einräumt und selber als Herausgeber (relativ) in den Hintergrund tritt. Ein Beispiel, das Schule machen sollte!

Fazit: Provokant, interessant, lesenswert!
0Kommentar|30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden