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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...faszinierender Pinol!
Man muss sich schon einlassen auf diesen wirklich großen Roman von Albert Sánchez Pinol. Erwarten Sie keinen Krimi, keinen Abenteuer- oder Liebesroman, obwohl "Im Rausch der Stille" von all dem ein wenig hat. Lassen Sie sich ein, auf ein geniales Werk, das zum Nachdenken und Diskutieren geradezu einlädt. Die Geschichte um den namenlosen...
Veröffentlicht am 13. November 2005 von Alexandra Egli

versus
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rausch der Stille by Albert Sanchez Pinol
Ich habe wahrscheinlich noch nie ein Buch gelesen, dass mich gleichzeitig so gefesselt aber auch so abgestoßen hat. Unfassbar bleibt am Schluss das Verhalten des Protagonisten, der den Tod der Rückkehr in die Zivilisation vorzieht. Die zumindest vordergründig auf reinen Sex beschränkte Liebe zu einem Tier und auch die Annäherung zu deren...
Veröffentlicht am 12. März 2007 von I. Hansgeorg Blass


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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...faszinierender Pinol!, 13. November 2005
Von 
Alexandra Egli (Frankfurt/M.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Man muss sich schon einlassen auf diesen wirklich großen Roman von Albert Sánchez Pinol. Erwarten Sie keinen Krimi, keinen Abenteuer- oder Liebesroman, obwohl "Im Rausch der Stille" von all dem ein wenig hat. Lassen Sie sich ein, auf ein geniales Werk, das zum Nachdenken und Diskutieren geradezu einlädt. Die Geschichte um den namenlosen Erzähler, der sich als Wetterbeobachter für ein Jahr auf eine Insel bringen lässt, die einsamer nicht sein könnte, ist skurril, beängstigend, teilweise sogar verstörend. Nacht für Nacht greifen Kreaturen aus dem Meer die Insel an und trachten dem Erzähler und dem einzigen weiteren Menschen auf der Insel, dem Leuchtturmwärter, nach dem Leben. Es ist ein zermürbender Kampf, aussichtslos, kräfteraubend. Jeden Abend, wenn die beiden unfreiwilligen Kampfgefährten sich bereit machen für die Eindringlinge, wissen sie, dass allein die ersten Sonnenstrahlen, und damit das Verschwinden der Kreaturen im Meer, sie für einen weiteren Tag retten.
"Im Rausch der Stille" ist große Literatur, ein Meisterwerk, dessen skurrile und desillusionierende Erzählweise mich ein wenig erinnert an Pablo de Santis "Die Fakultät".
Unbedingt empfehlenswert!
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein neuer H.P. Lovecraft?, 7. September 2005
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ein außergewöhnliches Buch habe ich hier in Händen, so viel ist sicher. Das es mich bereits nach 20 Seiten fesselte, mag an dem Thema und dem Gegner der Protagonisten des Buches liegen, den ich bin mir sicher, der Autor Albert Sanchez Pinol hat in seinem Buch „Im Rausch der Stille" einige Eindrücke aus Leseerfahrungen mit „H.P. Lovecraft" und dessen „Cthulhu Mythos" verarbeitet, anders sind mir diese eindrücklichen Schilderungen der „Froschmenschen" nicht zu erklären.
Doch nun zum Inhalt: ein irischer Freiheitskämpfer geht auf eine weit abgelegen Insel um dort naturkundliche Beobachtungen zu machen und trifft dort auf den Leuchtturmwärter, welcher sich später als sein Vorgänger herausstellt, den er eigentlich ablösen sollte. Die Eigenartigkeit und abweisende Haltung des Leuchtturmwärters verunsichern ihn, doch als er des Nachts von Fisch-/ Froschwesen aus dem Meer angegriffen wird, versteht er die Welt nicht mehr.
Die Szenerien sind so surreal und die Handlungen so bizarr, das ich mich unweigerlich an H. P. Lovecraft erinnert fühlte. Die Angreifer hier sind zwar noch ein bißchen anders und es taucht zu allem Überfluß im Leuchtturm noch ein Froschmädchen auf, welches dem aktuellen Leuchtturmwärter zu gehören scheint, doch dessen sei nicht zuviel verraten.
Es beginnt eine gnadenlose und grausame Metzelei, wobei keiner der beiden Protagonisten hinterfragt, warum sie angegriffen werden. Zu alledem verliebt sich der irische Freiheitskämpfer auch noch in das Froschmädchen, obwohl es ja schon in der Hand des Leuchtturmwärters ist, der auch des Nächtens den Beischlaf bei ihr sucht.
Die ganze Handlung ist sehr bizarr, von innerer wie äußerer Gewalt und Brutalität erschüttert und zeigt die Zerrüttung beider Charaktere, moralisch wie auch charakterlich.
Das unausweichliche Ende sei nicht verraten, der Buchstoff taugt aber sicherlich für eine gute Verfilmung im amerikanischem Stil.
Dieses Buch war übrigens mehr als 100 Wochen auf den spanischen Bestsellerlisten und wurde bereits in 27 Sprachen übersetzt.
Meine persönliche Wertung ist durchaus positiv und wenn man zusätzlich noch ein Leser der Geschichten von H. P. Lovecraft wäre, so macht dieses Buch doppelt Spaß.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gekonnt gemacht!, 6. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Dass dieses Buch die Lesergemeinde spaltet, ist kein Wunder. Bei mir lag es lange auf dem Stapel der ungelesenen Bücher, bis ich mit der Lektüre anfing. Ich hatte einfach ein gespaltenes Gefühl zu dem Sujet. Ein einsamer Mann auf einer Insel, das fand ich verlockend, aber die Konfrontation mit Wesen, die es nicht gibt, das stieß mich ab. Ich bin nun mal kein Fantasie-Fan. Doch "Im Rausch der Stille" entwickelte bestürzend schnell einen Sog, der mich an der Lektüre festhalten ließ. Die Inselwelt, die nächtlichen Kämpfe mit den "Wesen" und schlussendlich die Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und dem abtrünnigen Wesenweibchen, ich habe das alles wider Erwarten begierig verschlungen. Möglicherweise ist dies kein Buch für Frauen, denn der Umgang mit dem Wesenweibchen ist extrem chauvinistisch. Aber wenn man darüber hinwegsieht, lohnt die Lektüre allein wegen der umwerfenden Stimmungsschilderungen und der packenden Situation, in der sich der Protagonist befindet. Dies ist eine Situation, deren Engführung am Schluss des Romans nur eine Lösung möglich macht. Und trotzdem kommt man als Leser nicht darauf, das ist wirklich gekonnt gemacht!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mensch-bleiben-wollen auf verlorenem Posten, 21. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Wer dieses Buch liest, muss darauf gefasst sein, einem Leseabenteuer gegenüberzustehen, das einen fesselt und zugleich abstösst, zumal es kein Buch zum "Liebgewinnen" ist und keinen Protagonisten und auch keinen Gegenspieler zum Einfühlen und Identifizieren präsentiert. Ich glaube, der von vielen Rezensenten erwähnte Drang, das Buch in der Mitte ob der kühl-chauvinistisch geschilderten Sexszenen und des monotonen Inselalltags unter dauernder Bedrohung durch die Froschmenschen, die Citauca (der Name ist ein Ananym ihrer aquatischen Herkunft), abzubrechen, ist ein berechneter Reflex des Autors. Denn das eigentlich Erschreckende ist nicht der Konflikt mit den Meerwesen, sondern der zwischen dem Wetterbeobachter und seinem einzigen Mitbewohner auf der einsamen Insel, dem rohen, gewalttätigen und vergewaltigenden Batis Caffo. Der Leser muss mit dem Helden des Romans durch die Tiefen der unablässigen Bedrohung hindurch, muss seine Argumente gegen Caffos Brutalität und seine Auseinandersetzung mit der eigenen Vorstellung von Menschsein mitgehen und mitverlieren, um am Schluss vor dem Abgrund der Erkenntnis zu landen, dass der scheinbar moralisch überlegene Wetterbeobachter nur der nächste Caffo sein wird, dem ein neuer Wetterbeobachter gegenübergestellt wird.
Die Moral ist erschreckend und nüchtern: unter den Extremzuständen der exponierten und bedrohten Insel kann selbst Intellekt das Individuum nicht vom teilweisen Verlust seiner sebst bewahren, können Moral und Ethik nicht dem Sog des Tierhaften widerstehen, dessen Reize das singende Meerweibchen Aneris (auch dieser Name ist rückwärts zu lesen) verkörpert. Dem Leser eröffnet sich dunkel das Bild einer langen Kette von durchaus rechtschaffenen, intelligenten Männern, die alle "im Rausch der Stille" zu etwas anderem geworden sind und den, der ihnen nachfolgt, mit unerbittlicher Konsequenz zu einem emotionalen und seelischen Abbild ihrer selbst machen müssen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kreislauf der Gewalt, 23. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist merkwürdig, aber gut. Es bewegt sich zwischen (super eingebauter, überhaupt nicht trockener) Gesellschaftstheorie und der Phantastik eines H.P. Lovecraft. Schon der Ort der Handlung, eine kleine Insel Richtung Antarktis, schafft eine ungewöhnliche, unheimliche Atmosphäre. Die Insel ist einerseits (für den Hauptcharakter) ein Zufluchtsort vor der Welt, andererseits aber auch der Ort der absoluten Bedrohung. Mindestens drei wichtige Dinge werden bei der durchweg spannenden Lektüre von "Im Rausch der Stille" klar:

1. Ganz egal, wohin man auf diesem Planeten auch geht, man ist nie wirklich allein und man kann die Zivilisation nie wirklich hinter sich lassen. Wo es Menschen gibt, gibt es auch die von ihnen eingeschleppten Ansichten, Probleme und Gewalttaten.

2. Gewalt verläuft in Spiralen. Eine Generation, die sich aggressiv verhält, zieht vielleicht eine liberale, friedlichere nach sich, im Endeffekt folgt aber auch auf diese kurze Phase der relativen Ruhe wieder Gewalt. Man lebt die alten Muster nach - ob aus der Schwierigkeit heraus, neue zu finden oder einfach, weil die alten Muster die einzigen sind, die wirklich funktionieren, muß hier nicht diskutiert werden; nur, daß es geschieht, ist wichtig.

3. Intolerant kann man nur aus der Ferne sein. Sobald man jemanden persönlich kennenlernt und ihn nicht mehr nur als Teil einer Gruppe oder als Ding sieht, verändert sich die Perspektive und er wird immer mehr zur Person. Das muß nicht grundsätzlich dazu führen, daß man ihn mag, doch zumindest kann man auch nicht einfach weiter vom "Feind" sprechen.

Aufgrund der intelligent vorgebrachten philosophischen Gedanken zu Gewalt, Feindschaft, Fremdheit und Isolation, die außerdem in eine spannende, düster-phantastische Abenteuergeschichte eingebaut sind, würde ich das Buch durchaus als Lektüre für Schüler der Mittel- und Oberstufe empfehlen. "Im Rausch der Stille" belehrt nämlich nicht mit mahnendem Zeigefinger, sondern schockiert, indem es auf sehr deutliche Art kranke Einstellungen zutage fördert. Es hat außerdem den Vorteil, daß es nicht im "Hier" und "Jetzt" spielt, so daß es gleichzeitig niemanden und jeden betrifft, daß jeder sich gleich gut in die Figuren hineinversetzen kann, ohne seinen persönlichen Hintergrund aufgeben zu müssen. UND es bietet eine Abwechslung zur oft als dröge empfundenen deutschen Pflichtlektüre an Schulen und der allgegenwärtigen englischsprachigen Unterhaltungsliteratur.

Einen Bonuspunkt gibt es außerdem für den Sex im Buch. Normalerweise stehe ich Sexszenen skeptisch gegenüber, weil sie oft nur eingesetzt werden, um die Verkaufszahlen hochzutreiben, doch in "Im Rausch der Stille" haben sie mich nicht gestört - obwohl sie schon teilweise ziemlich eklig waren. Sex wird in dem Roman als Ausdruck der Gewalt, aber auch als Kommunikationsmittel gezeigt und hat damit im Kontext eine absolute Berechtigung, statt nur als schmückendes Beiwerk zu dienen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf sich selbst zurückgeworfen am Ende der Welt., 28. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Eine Freundin hat das Buch angeekelt nach einem Drittel beiseite gelegt, eine Andere dringend empfohlen.
Das sagt schon einmal etwas über dieses Buch. Man kann fasziniert sein oder es total ablehnen, dazwischen wird es wohl nicht viel geben.

Auf sich selbst zurückgeworfen am Ende der Welt. So fängt dort alles an.
Aber eigentlich sind wir das zu allen Zeiten immer wieder, es bedarf dazu nicht dieser entlegenen unwirtlichen Abgeschiedenheit. Die Landschaft, der Ort, ist hier vor allem ein Spiegelbild dafür.
Alles in diesem Buch scheint nur eine zur Geschichte, zu Bildern gewordene Antwort auf die Frage zu sein, was macht uns als Menschen in unserem Wesen aus.
Die Antwort ist auf den ersten Blick nicht erfreulich, denn nein dieses ist kein Buch zum Liebhaben oder sich identifizieren. Nur langsam und ab und zu erkennt man sich dort wieder. Und dann erahnt man, um was es hier eigentlich geht.
Um Ankommen in einer Welt, um unbedingten Überlebenswillen, um Angst und Gewalt, aber auch um Liebe und Moral, Hoffung und Glauben, neben Verzweiflung und Ohnmacht.
Bis zum Ende und einem Neuanfang, der auf so verblüffende Weise dem eigentlichen Anfang gleicht, das man einem Moment versteht, das alles immer wieder um die gleichen Dinge kreist, vielleicht von Anbeginn der Zeiten.
Wir lesen alles dieses in Bildern die vor allem abschrecken, aber sie halten uns einen Spiegel vor und zeigen uns gleichzeitig wie sehr sich alles verändern kann.
Das Fremde, das Nahe, unsere Wertvorstellungen, wir selbst.
Wenn man es aushält bis zum Schluss und zulässt das man nicht nur an der Oberfläche dieser Kreaturen bleibt, dann kann man mehr sehen.
Und die Botschaft ist gar nicht so eine Schlechte. Wir wollen bleiben in dieser Welt.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robinson Crusoe mit Lovecraft, 21. Dezember 2005
Hunderte, ja tausende riesige amphibische Kannibalen, den trügerisch idyllischen Fluten des Meeres entstiegen, greifen Nacht für Nacht den Leuchtturm an. Verzweifelt wehren sich die Männer mit allem, was ihnen an Waffen zur Verfügung steht. Doch unaufhaltsam rollt Welle um Welle der Monster an, um das Schicksal der Kämpfer zu besiegeln. Als nach einem Jahr die Ablösung eintrifft, bleibt diese entsetzt und erschüttert vor den angerichteten Verwüstungen stehen. Dem Kapitän entfährt die Frage: „Welche Naturkatastrophe hat denn hier geherrscht? Ein Erdbeben? Ein Vulkanausbruch oder vielleicht ein Wirbelsturm?“
Doch der Anfang des Romans gaukelt dem ahnungslosen Hörer vor, es hier mit einer typischen Aussteiger Geschichte zu tun zu haben. Der frustrierte Ich-Erzähler, ein abtrünniger Kämpfer der IRA auf der Flucht vor seinen Gesinnungsgenossen, hat sich als Zuflucht eine kleine Insel in der Nähe des Südpols ausgesucht. Hier soll er den derzeitigen Meteorologen ablösen und ein Jahr lang Wetterdaten sammeln. Doch bei der Ankunft findet sich von seinem Vorgänger keine Spur. Auch ein Besuch bei dem einzigen weiteren Bewohner der Insel, dem Leuchtturmwächter Batis Caffo, bringt kein Licht in die mysteriöse Angelegenheit. Doch schon in der darauf folgenden Nacht wird klar, was mit dem Vorgänger geschah: es erfolgt ein Angriff von unbeschreiblich grauenhaften Amphibien, den er nur mit Mühe und Not überlebt.
Als er sich am nächsten Tag um Hilfe an Batis wendet, verweigert er diese.
Der Wetterkundler gelangt durch einen Zufall an eine „Waffe“, die ihm Zugang zum Leuchtturm gewährt. Doch schon am ersten Abend im Leuchtturm wird er gewahr, dass dieser nur vermeintlich Schutz bietet und mehr einem Gefängnis ähnelt.
Was wie ein Kammerspiel anmutet, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer Menage á trois. Dabei erfahren wir nie etwas aus der Sicht der dritten Person, sondern nur aus zweiter Hand und sind dabei der Gefahr ausgeliefert, dass der Ich-Erzähler bewusst Tatsachen verdreht, verschweigt oder hinzufügt. Erst am völlig überraschenden Ende des Romans wird offenbart, welche Fehler der Protagonist anfangs beging, welcher nun zu dem unausweichlichen Finale führt. Perfekt führt uns Pinol während der ganzen Geschichte an der Nase herum, richtet unser Augenmerk auf ach so wichtige Details, so dass man vermeintlich unwichtige Einzelheiten einfach überhört. Der Plot ist von einer mitreißenden Dynamik, hat „einen Rhythmus, dass man einfach mit muss“ und lässt dem Hörer wenig Zeit zum Atemholen. Diese stetig steigende adrenalinfördernde Spannungskurve hält tatsächlich bis zum letzten Satz des Romans an und man ist geneigt, sofort wieder die erste CD einzulegen, ein Reflex, der heutzutage leider nur allzu selten ausgelöst wird. Einige kleinere stilistische Merkwürdigkeiten wie z. B. „eine seltene Auster“ können auch Unstimmigkeiten der Übersetzung sein.
Pinols Debüt-Roman erinnert an berühmte literarische Vorbilder wie z. B. Defoes „Robinson Crusoe“ oder H.P. Lovecrafts „Alte Rasse“ des Cthullu-Mythos. Dabei nutzt er den Bekanntheitsgrad der Vorbilder geschickt aus, um den Hörer auszutricksen. So stellt sich der Hörer bereits nach kurzer Zeit die Frage, wer den nun von den beiden Inselbewohnern Robinson und wer Freitag ist, da die zunächst offensichtliche Rollenverteilung nicht mit den Handlungen der Protagonisten übereinstimmt. Der Kampf nimmt eine große Rolle in seinem Werk ein. Jede Seite hat ihre Gründe für das sinnlose Morden, die der Ich-Erzähler auch tapfer vorträgt, allerdings gibt es erhebliche Diskrepanzen zwischen angeblicher Motivation und erfolgter Tat. So ruft Batis nach geschlagener Schlacht beispielsweise „Ich bin kein Mörder!“ Oder geht es hier sogar um den Kampf der Geschlechter mit unterschiedlichen Mitteln, der aber genau so brutal und ohne Pardon geführt wie der Kampf der Männer gegen die Amphibien-Monster? Ob mit oder ohne intertextuelle Deutungen: Pinols Roman ist eine großartige Abenteuergeschichte, die bis zum fulminanten Schluss ausgezeichnet unterhält.
Fazit: Wendungsreiche, spannende, mit ein paar Horrorschnipseln gespickte moderne Robinsonade, die den Hörer bis zum Schluss am Kopfhörer kleben lässt. Die Auflösung des Plots lässt einem den Atem stocken, ist dabei logisch, eiskalt und zeugt davon, dass man selbst auf einer Insel mit nur zwei Bewohnern nicht vor bösen Überraschungen sicher ist.
(C) Wolfgang Haan
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen grausam, wild und zärtlich pendelndes literarisches Kleinod, 22. Mai 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Einen ehemaligen irischen Freiheitskämpfer verschlägt es auf ein sturmumtostes, einsames Eiland mitten im Ozean, wo er dem Amt des Wetterbeobachters nachgehen soll. Doch statt der ersehnten Ruhe erwartet ihn dort das Grauen: des Nachts wird die Insel von unheimlichen Wesen aus dem Meer heimgesucht, die ihm fortan nach dem Leben trachten...

Was zunächst wie eine eher mäßige Gothic- Horrorgeschichte klingt, entpuppt sich schnell als ein äußerst gehaltvolles literarisches Kleinod im Stile des magic realisms, das durchwegs fesselt und fasziniert. Der Spanier Sánchez Piñol entführt den Leser in einen fernen Mikrokosmos am Rande unserer Welt, der völlig fremd und verzaubert erscheint, zugleich aber auch fast vertraut wirkt und von Anfang bis Ende in seinen Bann schlägt. In einer klaren, bisweilen auch poetischen Sprache schildert er die Geschichte zweier grundverschiedener Männer - eines irischen Fahnenflüchtlings auf der Suche nach sich selbst und eines ominösen Österreichers namens Batís Caffó - im Kampf gegen eine schier unbesiegbar scheinende Armee seltsamer Froschmänner, aber auch gegen sich selbst, gegen die Welt und schließlich auch gegen den Wahnsinn. Verkompliziert wird das eh schon angespannte Verhältnis zwischen den beiden Männern, als ein weibliches Froschwesen erscheint, welches Caffó als Sklavin hält, den Iren bald aber ernsthaft zweifeln lässt, ob ihre Vorgehensweise richtig ist und ob es überhaupt eine richtige gibt. Im Laufe der Geschichte werden etliche interessante Betrachtungsweisen des Lebens, des menschlichen Miteinanders und der Liebe vorgestellt, zeit- und gesellschaftskritische Töne (etwa die Unruhen in Irland; der Drang des Menschen, jeden Flecken der Erde besiedeln und in seinen Besitz bringen zu müssen; die Angst vor Fremdem und Unbekanntem) laut und viele Fragen aufgeworfen (Wer sind die Froschwesen und woher kommen sie? Was haben sie vor? Wer ist das 'Maskottchen' und welche Rolle hat sie wirklich? Und dutzende andere), doch nur wenig Erklärungsansätze und direkte Antworten geliefert, was einen fordert und zum Nachdenken anregt, das Werk somit aber auch nachhaltig auf den Leser wirken lässt.
Alles in allem hält der Roman genau das, was sein deutscher Titel verspricht (der mir persönlich sogar besser gefällt als der Originaltitel "La pell freda", der, wenn meine Spanischkenntnisse ausreichen, übersetzt "Die kalte Haut" lautet, was ebenfalls sehr passend ist, gegenüber des bildgewaltigeren deutschen Titels aber doch etwas an Kraft verliert): eine herrlich unaufgeregt erzählte, im besten Sinne wundersame und spannende Reise zu einer Insel am Rande der Welt, die mal grausam wild, mal melancholisch verträumt und fast zärtlich wirkt und den Leser beständig in einen rauschhaften Sog zieht, dem man sich nur schwer wieder entziehen kann. Ein wirklich fantastisches Buch, das viel Spielraum für eigene Erklärungsversuche lässt und das es definitiv wert ist, entdeckt zu werden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Monster Mensch, 4. Juli 2009
Von 
Andre Kramer "akramer" (Neumünster) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Einmal im Jahr findet in Hamburg eine Veranstaltung für Buchhändler statt, in der von zwei Referenten die neuesten Titel für das kommende Weihnachtsgeschäft vorgestellt werden.
Vor einigen Jahren gehörte auch "Im Rausch der Stille" dazu. Die Referentin bezeichnete das Buch als abartiges Machwerk voll unnötiger Brutalität. Dann geschah etwas, was an dem Tag einmalig blieb - der zweite Referent widersprach dem vehement, bezeichnete das Buch als unglaublich spannend und literarisch wertvoll.
Durch diese zwei völlig unterschiedlichen Beurteilungen war mein Interesse geweckt und ich las das Buch.
Die Rahmenhandlung klingt sehr einfach - ein irischer Freiheitskämpfer lässt sich für ein Jahr als Wetterbeobachter auf eine Insel einschiffen, auf der außer ihm nur ein Leuchtturmwärter lebt.
Mit diesem ist zu Beginn aufgrund seiner verschrobenen und aggressiven Art kein auskommen - doch Nachts steigen Froschmenschen aus den Tiefen des Meeres und attackieren die zwei Insulaner. Not schweißt oberflächlich zusammen und es kommt zu einem andauernden Verteidigungskampf gegen die unheimlichen Kreaturen.
Was äußerst einfach und nicht sonderlich anspruchsvoll klingt ist in Wahrheit eine wahnsinnig gut geschriebene Geschichte mit tiefen Sinn und kann tatsächlich als echte Literatur gewertet werden. Am Ende muss man sich denn die Frage stellen, wer eigentlich die wahren Monster sind - die fiktiven Froschmenschen oder nicht vielmehr der Mensch?
Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der es gerne anspruchsvoll und trotzdem aufregend mag - und der kein Problem mit der zum Teil rabiat beschriebenen Gewalt hat.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen überraschend anders, 12. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Rausch der Stille: Roman (Taschenbuch)
Nach einer zunächst etwas mühevollen Einführung - der Beschreibung der Vergangenheit des Protagonisten bis zum "Jetzt" der Geschichte - wird der Leser in den Bann des Romans gezogen! Der irische Freiheitskämpfer, dessen Name nicht genannt wird, sucht die Abgeschiedenheit als Wetterbeobachter auf einer winzigen, scheinbar unbewohnten Insel und stößt dabei - im Angesicht des Todes - an die Grenzen allen bisherigen Denkens. Der Roman lebt dabei weniger von der eigentlichen Handlung, dem Überlebenskampf gegen die mysteriösen Ungeheuer aus dem Ozean, sondern vielmehr von den psychologischen Vorgängen zwischen dem Protagonisten und seinem Leidensgenossen, dem Eigenbrötler Batís Caffó, sowie von der inneren Entwicklung des einstigen Freiheitskämpfers, der als Ich-Erzähler fungiert. Im Verlauf der Handlung sieht sich der Ire mit schmerzhaften Wahrheiten konfrontiert: Dass der Feind dem eigenen Ich möglicherweise ähnlicher ist als man glauben mag und scheinbar unumstößliche Ordnungen von einem Moment zum nächsten hinfällig werden können.

Wer einen ereignisreichen, oberflächlichen Unterhaltungsroman erwartet, wird von "Im Rausch der Stille" sicherlich enttäuscht werden. Demjenigen allerdings, der bereit ist, sich von der bildhaften, anschaulichen Sprache Pinols, sowie von den Überlegungen außerhalb der unmittelbaren Handlung begeistern zu lassen, winkt ein spannendes Leseerlebnis bis zur letzten Seite.
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Im Rausch der Stille: Roman
Im Rausch der Stille: Roman von Albert Sánchez Piñol (Taschenbuch - 8. März 2012)
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