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am 19. Juni 2003
Es ist im Umfang nur ein kleines, unscheinbares Büchlein, welches Márquez 1956 als seinen zweiten Roman ablieferte, möglicherweise bloß aus Zeitmangel und Geldnot aus der geplanten Erzählung "die böse Stunde" ausgekoppelt, sozusagen, als vorgezogene Single, sprachlich schlank und wunderbar unspeckig vermag es jedoch großartige Bilder transportieren und als Bote für noch zu erwartendes verstanden werden.
Der Oberst ein Mann mit großer Würde, dem Glauben an das Obsiegen der Gerechtigkeit und übermannshoher Demut seinem Schicksal gegenüber, wartet seit 15 Jahren Freitag für Freitag mit der Ankunft der Postbarkasse auf den Brief, der sein Warten entlohnen und seinen Glauben rechtfertigen wird. 75 Jahre alt lebt er mit seiner Frau von der Hand in den Mund, Jahr um Jahr und wartet auf die 50 Jahre zuvor versprochene Rente als Bürgerkriegsveteran, die erst vor 15 Jahren eine gesetzliche Grundlage erhielt und vor 7 Jahren anerkannt wurde. Doch er wartet vergebens in einem tropisch verregneten Dorf, das fest in den Händen von regimebegünstigten Emporkömmlingen und Verbrechern ist, während die Kirche ihre moralische Pflicht mit der Bewertung des Kinoprogramms erfüllt sieht. Doch unter der Oberfläche brodelt es, verbotene Flugblätter machen die Runde und sein eigener Sohn wurde von der Polizei erschossen, als dieser bei einem Hahnenkampf eben solche verteilte. Der Oberst, der passiv und eher im Geiste auf der Seite der Verschwörer steht, ist als Synonym für die mißbilligende aber schweigende Menge zu sehen, die ihr Schicksal stumm und demütig erträgt. Der Hahn seines Sohnes, eines der wenigen Dinge, die von ihm blieben, spielt eine große Rolle für seine Zukunft und die seiner Frau und stellt ihn letztendlich vor eine große Entscheidung, die Wahl zwischen der bisherigen Passivität oder dem aktiven Widerstand.
Selten fand ich soviel Symbolkraft und soviel sprachliche Stärke auf so wenigen Seiten und in so dürren Worten. Ein kleines Meisterwerk.
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am 5. September 1999
In diesem kurzen Roman, seinem zweiten, erzählt Gabriel Garcia Marquez die Geschichte eines ehemaligen Revolutionsoffiziers, der seit mehr als 50 Jahren vergeblich auf den Brief mit seiner Pensionszusage wartet. Mittlerweile hat der Oberst schon fast seit ganzes Hab und Gut verkauft und hungert zusammen mit seiner asthmakranken Frau, allein ernährt durch die Hoffnung auf den erlösenden Brief. Geblieben ist ihnen nur ein Kampfhahn, den der Sohn ihnen hinterlassen hat. Das Tier füttern die beiden durch, in der Hoffnung, beim großen Kampf mit ihm zu gewinnen - und auch als Vermächtnis des Sohnes, der wegen der Verbreitung von Flugblättern getötet wurde.
Die Politik bildet den Hintergrund für den ganzen Roman, denn das Dorf befindet sich seit Jahren im Ausnahmezustand. Bildhaft und beispielhaft gilt das für den Oberst und seine Frau. Ihr Leben verläuft in den immergleichen Bahnen. Doch wird dieser Trott durch die Kampflust des Hahnes durchbrochen, der den Menschen neue Hoffnung gibt und dem Oberst den letzten Mut. Jetzt ist er bereit, sich zu opfern, um den ganzen Dorf neuen Lebensmut zu geben.
In einer sehr spärlichen Erzählung konzentriert sich Gabriel Garcia Marquez auf seinen Helden und dessen Entbehrungen. Entscheidender Moment des Werkes ist dann die Wandlung vom durch eigenes Leid motiviertes Handeln zum Handeln fürs Gemeinwohl. Insgesamt empfand ich die Geschichte allerdings für meinen Geschmack zu handlungsarm und in den Beschreibungen zu spärlich. Die großartigen und ausufernden Romane "Hundert Jahre Einsamkeit" und vor allem "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" habe ich als spannendere Erzählungen empfunden. Als kurzes, knappes und präzises Werk ist mir die "Chronik eines angekündigten Todes" stärker in Erinnerung geblieben. Insgesamt also eher ein Roman, in dem der Autor andeutet, was für gute Bücher von ihm noch kommen werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 17. August 1999
Das Büchlein, denn anders kann man die Ausgabe nicht bezeichnen, "Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt" wird zwar von Gabriel García Márquez als Roman bezeichnet, kommt aber über eine Novellenhaftigkeit nicht heraus. Was ganz und gar nicht zum Schaden des Buches oder der Geschichte ist. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn in der knappen und klaren Sprache, die sich der Autor auferlegt, kommt sein Thema der Einsamkeit ausgesprochen gut rüber. Ein alternder ehemaliger Militäroberst in Südamerika wartet seit Jahrzehnten auf einen Brief, in dem seine Rente bestätigt wird. Seine Frau ist sehr krank und die Armut, in der sie leben, wird immer bedrückender und endet im Fanal der Antwort des Obersts auf die Frage seiner Frau nach dem, was sie essen sollen: "Scheiße." Die Kraft, die von den Worten Marquez ausgeht ist sehr stark. Man liest die Erzählung mit starken inneren Gefühlen, denn der Autor weiß zu bewegen. In einem Nachwort gibt der Übersetzer noch einige Hinweise zu dem Buch und so wird das Büchlein abgerundet. Ohne Bedenken zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 1. Januar 2016
Oder, um es auf deutsch zu sagen: Dieser kleine Roman ist der denkbar beste Einstieg in das große Werk des kolumbianischen Jahrhundertautors.
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