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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Stich ins Herz wird immer als Schmerz empfunden werden
Ein Verkaufserfolg war es. Und ich wage zu behaupten, daß ein wesentlicher Teil im Wiedererkennungseffekt verborgen liegt. Die Präzision, mit denen Willemsen uns Gefangene des Alltages porträtiert, ist erdrückend. Fast möchte ich meinen, daß sich jeder in einer Scherbe des Spiegels erkennt, der an der Einfalt und Verwahrlosung zerbrochen...
Veröffentlicht am 31. August 2004 von silent_rose

versus
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ohne Zusammenhang
Vorneweg: Ich mag Roger Willemsen. Ich mag ihn sogar sehr. Für "Willemsens Woche" habe ich manchesmal meinen Terminkalender an einem Freitagabend angepaßt.

Aber die Sympathie hilft nicht. Das Buch ist gründlich mißlungen. Der Ansatz und die Idee erschienen mir so interessant, daß ich das Buch gekauft habe. Na ja, und wegen Roger Willemsen...

Veröffentlicht am 29. Juni 2004 von Th. Leibfried


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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ohne Zusammenhang, 29. Juni 2004
Von 
Th. Leibfried (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Taschenbuch)
Vorneweg: Ich mag Roger Willemsen. Ich mag ihn sogar sehr. Für "Willemsens Woche" habe ich manchesmal meinen Terminkalender an einem Freitagabend angepaßt.

Aber die Sympathie hilft nicht. Das Buch ist gründlich mißlungen. Der Ansatz und die Idee erschienen mir so interessant, daß ich das Buch gekauft habe. Na ja, und wegen Roger Willemsen eben. Ich ärgere oder langweile mich nicht allzu oft während ich ein Buch lese. Dazu lese ich nicht wahllos genug. (Das letzte Mal bei Martin Walsers "Tod eines Kritikers", damals allerdings noch viel mehr als jetzt.) Gelangweilt habe ich mich bei der "Deutschlandreise". Zum Glück ist das Buch kurz genug, denn ich lese jedes Buch zu Ende. Wohl aus Anstand dem Autoren gegenüber, vielleicht auch, weil ich mir Besserung erhoffe. Letztere kam bei Willemsen nicht.

Beispiel: "Im Stadtbild, in den Namen der Läden, den Kleidern der Menschen ist alles gleichzeitig anwesend, die Stile und die Zeiten verschränken sich. Die Harmonika und die lustige Fidel sind spezialisiert auf ein Heimweh ohne Heim." Verständlich? Nein, werden manche sagen, denn es ist aus dem Zusammenhang gerissen. Es gibt keinen Zusammenhang! Und das ist ein zufällig beim Aufschlagen gewähltes Beispiel. Es gäbe Hunderte davon.

Intellekualität alleine macht noch kein gutes Buch. Es tut mir leid, Roger, wirklich. Mehr als ein zusätzlicher Sympathiestern ist nicht drin.

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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Da hatte ich mehr erwartet, 11. Februar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Gebundene Ausgabe)
Ich habe aufgrund des renommierten Autors und wegen des Titels (da erwartete ich Situationsbeschreibungen, Erlebnisberichte) dieses Buch gekauft und bin enttäuscht. Durch "Detuschlandlandreise" zieht sich kein roter Faden, es ist eine Aneinanderreihung von "Gedanken" des Autors, der von einem zum anderen schweift, und was für den Leser sehr schwierig nachzuvollziehen ist. Hier findet man nur wenig Erlebnisberichte oder Beschreibungen von Menschen und Situationen, die ich erwartet hätte. Darüber hinaus klingt das alles sehr depressiv und gerade Reiseberichte könnten doch bunt, fröhlich und voller interessanter Eindrücke sein. Ich hatte mehr über die unterschiedlichen Menschen (ob Ost oder West, arm, reich, arbeitslos) etc. zu erfahren erwartet, stattdessen werden philosophishe und depressive Gedanken des Autors für den Leser "wahllos" aneinander gehängt. Das Buch ist schwer zu lesen und nach Beendigung fällt es mir schwer zu sagen, um was es eigentlich geht.
Schade.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einseitiger Blick auf ein facettenreiches Land, 1. Februar 2006
Von 
Andreas Wittenburg (Hamburg, Hamburg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Taschenbuch)
Roger Willemsen, im Fernsehen trotz ernsthaftem Journalismus nicht sehr geliebt wegen seiner verzärtelten Art, kehrt zum Schreiben zurück, und hinterläßt mit "Deutschlandreise" ein zwiespältiges Buch.
Die Idee ist spannend, jedoch nicht neu. Mit wachem Blick reist er durch das Land, zieht den Vorhang der Idylle beiseite und macht sich auf die Suche nach der Befindlichkeit der Menschen. Die Episoden sind kurz, zum Teil nur fragmenthaft - dazwischen eigene Beobachtungen und Betrachtungen des Autors.
Aber es ist kein zärtlicher, kein versöhnlicher Blick, sondern ein ziemlich arroganter. Willemsen schaut auf die Menschen herab, die Nutten, Ausländer, Ehepaare und seziert gnadenlos.
Das erste was einen gefangennimmt ist seine Sprache: präzise, ironisch, und überaus vergnüglich spielt er mit Worten, skizziert Szenen mit wenigen Strichen so genau, dass sie sofort vor einem lebendig werden. Im Alltäglichen findet er das Groteske, im Bürgerlichen findet er die Abgründe.
Aber mit dem Lesen breitet sich ein ungutes Gefühl aus. Ohne Unterlass gießt er Häme und Zynismus über die Akteure seiner Episoden aus. Er behauptet von sich, mit den Menschen gewesen zu sein, aber die intellektuelle Kluft seiner erbarmungslosen Betrachtungen läßt ihn distanziert und kalt wirken. Keine der Begegnungen wirkt luftig oder erheiternd, seine Farben sind trist, seine Bilder deprimierend - er bleibt in seiner eigenen Reise ein fremder, sowie das Land über das er schreibt dem Leser fremd wird.
Irgendwann entsteht die Frage, was Willemsen mit diesem Buch bezweckt. Für einen umfassenden Blick bleibt er zu einseitig, für eine Abrechnung wird er nicht böse genug, für einen Blick auf sein Heimatland ist sein Ton nicht versöhnlich genug. Man gewinnt den Eindruck, hier entsteht eher ein trauriges Portrait über die Befindlichkeit eines Autors als über das Portrait eines Landes.

Mag es typisch deutsch sein, das eigene Land mit soviel beißender Häme zu überschütten?

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Es bleibt zu oberflächlich!, 4. Januar 2004
Von 
Bernhard Taschner "b_taschi" (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Gebundene Ausgabe)
Willemsen geht mit hohen Ansprüchen an sein Werk, die er letztendlich nicht erfüllen kann. Weniger wäre auch hier mehr gewesen. Er hätte sich auf wenige Orte konzentrieren sollen; denn an wenigen Stellen blitzt seine phänomenale Beobachtungsgabe auf. Dann ist er auch sprachlich herausragend. An den meisten Orten nimmt er aber zu wenig mit, um etwas an den Leser weiterzugeben. Es sind einfach nur Hüllen, zu wenig tiefgehende Begegnungen und Beobachtungen. Letztendlich ist das Werk auch zu kurz geraten. Auf keinen Fall zeichnet er ein vollkommenes Bild von Deutschland.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bisschen wie ein Herbsttag, 5. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Gebundene Ausgabe)
Nachdem mir die vorab in den Reiseheften der Deutschen Bahn veröffentlichten Auszüge aus Willemsens Buch, welche mit feinem schwarzem Humor und gezielter Bissigkeit gegen den deutschen Normalbürger gespickt sind, sehr gut gefallen haben, kann ich nur noch sagen: Laaaaaangweilig!!!!! Die Geschichten erinnern mich mit wenigen Ausnahmen immer ein wenig an Pennerglück-Rotwein in der Rothschild-Flasche: Die Geschichtchen lesen sich gut an, versprechen Humor und Geschmack, verlieren sich dann aber oft in Willemsens selbstverliebten intellektuellen Philosophien, gewürzt mit einigen pseudointelligenten Zitaten. Nervig sind Rogers "dezente" Hinweise auf seine ach so große Allgemeinbildung - wen interessiert, welche Tiere sie kennen?!
Leider, leider ist das Buch so, wie auf dem Rückumschlag beschrieben: Normal - zu normal - langweilig wie zwei Wochen Herbstnebelwetter. Ich hab mir davon mehr versprochen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kann man sich nur drüber ärgern, 8. September 2009
Von 
Carmen Knorz (Leipzig) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Taschenbuch)
Ein mal wirklich richtig schlechtes Buch! Ein Haufen Vorurteile, die er in irgendwelche ungenau beobachteten Passanten hineininterpretiert, meistens negativ in der Grundfärbung. Hinzu kommen etliche sachliche Fehler, sodass ich zuweilen das Gefühl hatte, er war gar nicht an den Orten, die er beschreibt. Aber noch mehr bei den Dialogen, die er vorgibt, irgendwo aufgeschnappt zu haben, die hören sich in meinen Ohren so falsch an, als seien sie mindestens zu 3/4 frei erfunden, aber nicht mal gut erfunden, sondern nur ein Ärgernis.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kommentiert um des Kommentierens willen mit dekonstruktivem Durcheinander, 8. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Taschenbuch)
Elke Heidenreich hat recht, wenn sie auf der Buchrückseite das Werk zwischen Sachbuch und Belletristik einordnet, denn es ist von beidem ein bisschen. Aber ob sie auch darin richtig liegt, dass sie Willemsen als Dichter bezeichnet? Dichter an Deutschland dran als jeder Reiseführer? Das kann man wohl höchstens an seiner Art zu schreiben festmachen, denn seine Formulierungen sind raffiniert und elegant, zeigen Schönheit, Vielseitigkeit und Härte der deutschen Sprache und füllen viele Zeilenzwischenräume. Aber beschreibt er Menschen wirklich so, „dass wir in ihr Herz sehen“? Das macht für Frau Heidenreich den Dichter aus. Und vielleicht findet sich das wirklich irgendwo zwischen den Zeilen, wenn man gewillt ist, tief genug zu graben und all die schlichten Informationen über diese Menschen, all die Behauptungen und vielleicht gar Vorurteile beiseite zu räumen, die bei einem Großteil seiner Beobachtungen über den Zeilenrand hinaus schwappen. Vermutlich ist man aber dazu nur bereit, wenn man den Autor ohnehin gut kennt. Sowas verleiht bisweilen einen Röntgenblick, der einen zwischen den Zeilenzwischenräumen lesen lässt. Andere drohen allzu leicht, sich darin zu verirren ...
Deutschland elend Vaterland. Willemsen rezensiert sein Heimatland mit der intellektuellen Distanziertheit eines Ethnologen vom Mars, uns überlegen wie wir den Tieren, und Deutschland kommt dabei ziemlich schlecht weg. Das „Land der Dichter und Denker“ findet er nicht, wirkt selber, als wäre er deren letzter. Er findet nur das Land der Konsumorientierten und derjenigen schlichten Gemüts, beklagt, etwas überspitzt ausgedrückt, in den Städten den (materialistischen) Fortschritt und auf dem Land die (intellektuelle) Rückständigkeit und irgendwie weiß man als Leser gar nicht, was er überhaupt will.
Und das ist es, er will nichts aussagen, will Meinung kund tun, aber nicht Meinung machen, und so liest sich das ganze Buch wie eine Abrechnung mit Deutschland. Nichts bleibt von seinem Sarkasmus verschont, nur sehr wenige Begegnungen nötigen ihm einen gewissen Respekt ab, und diese Passagen lesen sich dann, als winde er sich innerlich unter dieser Tatsache. Besonders hat er es auf Touristen abgesehen und auf dicke Kinder – Willemsen ist vermutlich der einzige Autor, dem man diese „Ehrlichkeit“, die eigentlich Gehässigkeit ist, lobend durchgehen lässt. Und diese Gehässigkeit kann er auch wunderbar ausspielen, denn wer sich in Berlin im heruntergekommensten Hotel im schäbigsten Viertel einquartiert, der hat auch viel zu lästern.
Manche Passagen sind noch unverständlicher als andere. In Bonn besucht Willemsen ein Bordell, lässt seine Aufmerksamkeit dort vor allem von dem Fernseher gefangen nehmen, der im Arbeitszimmer der ihm zugeteilten Dame flimmert, und geht unverrichteter Dinge wieder, nur um festzustellen, dass besagte Dame im Arbeitsmodus ein anderes Gebaren an den Tag legt als zu Begrüßung und Abschied. Was soll uns das über diese spezielle Begegnung sagen? Nichts. Was sagt es uns über Bonn und Bonner, über Deutschland und Deutsche im Allgemeinen? Wieder nichts.
Andere Passagen wirken, als wäre der Besuch der betreffenden Stätte nur Vorwand, um bestimmte Äußerungen loszuwerden. Der Autor besucht Dresden, verliert aber über die Stadt und ihre Bewohner nur wenig Worte, seine langen Ausführungen zu den Themen Wende, Wiedervereinigung und Verwestlichung des Ostens wirken wie vorgeschrieben, wie nie abgeschickte Leserbriefe voller Meinung und Kritik.

Willemsen kommentiert um des Kommentierens willen, zwischen seinen Zeilen herrscht dekonstruktivistisches Durcheinander. Der Autor ist intellektuell und kulturell und hat sich für seine Deutschlandreise meistens jene Orte ausgesucht, in denen er damit seiner Umgebung überlegen ist. Letztenendes trifft das wohl auf ganz Deutschland zu. Wann liest man sein Buch? Besser nicht während einer Zugfahrt, sonst will man gleich umsteigen und Deutschland verlassen. Die kurzen Anekdoten kann man mal eben zwischendurch lesen, haben sich als Klolektüre gut bewährt. Wer liest das Buch? Die Patrioten werden es verteufeln, die Deutschlandfrustrierten es in biblische Höhen erheben – „Recht hat er“, „Endlich hat das mal einer gesagt“. Die Kulturbegeisterten und Intellektuellen werden es gut finden, sei es wegen des scharfzüngigen Stils, der dem Buch den zweiten Stern rettet, oder weil sie eben jene scharfe Zunge fürchten. Die vielen Menschen zwischen diesen Extremen werden Willemsens „Deutschlandreise“ wohl größtenteils nichts abgewinnen können, wofür man zum Glück kein Patriot sein muss, oder ihn schlicht und ergreifend nicht verstehen. Um des Autors Kritik an der Konsumorientiertheit entgegen zu kommen, bietet es sich als ersten Schritt an, dieses Buch nicht zu konsumieren.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Narzißtische Enttäuschung, 30. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Gebundene Ausgabe)
Mit "Deutschlandreise" legt Roger Willemsen ein Werk vor, das wohl gerne in der Tradition eines Heinrich Heine stünde. Tatsächlich zeichnet Willemsen ein detailliertes, excellent beobachtetes und (entgegen den Lobpreisungen des Klappentexts) depremierendes Bild von Deutschland, wobei er geschickt nach der Formel "Willst Du das Große erfassen, beschreibe das Kleine" vorgeht. So weit, so gut.
Wenn es allerdings um das Kommentieren der beschriebenen Orte, Personen oder Ereignisse geht, wird Willemsen nach journalistischen Maßstäben äußerst unprofessionell. Zu sehr stellt er seine Rolle als Mitglied der intellektuellen Elite zur Schau, zu oft klingen Sätze bemüht-intellektuell konstruiert, und nicht selten tappt Willemsen in eine selbstgestellte Falle, so z.B., wenn er sich über das mit den Quizshows aufgekommene Prahlen mit Trivialwissen lustig macht, sein eigenes (oft nicht minder triviales) Wissen aber zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit kundtut. Und leider drängt sich beim Lesen immer mehr der Verdacht auf, daß dieses Buch nicht Deutschland beschreiben soll, sondern den Autor. Besonders enttäuschend ist Willemsens Art, die Menschen zu kommentieren: anstelle des Versuchs, deren Situation aus ihrer Warte zu beschreiben, findet man auch hier das Bild eines Autors, der den Eindruck erweckt, er stünde über allen Dingen, und nur er und seine intellektuellen Weggefährten könnten den wahren Charakter dieser Nation erfassen. Was natürlich eine gute Strategie ist: der Leser braucht nur des Autors Meinung kritiklos zu teilen und das Buch bei der nächsten Gelegenheit zu loben, schon darf er sich selbst mächtig intellektuell fühlen.
Ich glaube nicht, daß mir Willemsens vermeintliche Ironie entgangen ist, meine Kritik richtet sich auch nicht gegen intelektuelle Literatur, denn als solche erweist sich "Deutschlandreise" leider nicht; das Buch ist selbstverliebt geschrieben und der Autor über seine Texte durchschaubar, und eigentlich ist der Titel nicht zutreffend. Ein besserer wäre vielleicht "Rogerreise".
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Er kam, sah und lästerte, 4. Januar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Gebundene Ausgabe)
Roger Willemsen kann gut beobachten. Er kann gut erzählen. Und er kann mit spitzer Zunge formulieren. Eigentlich gute Vorraussetzungen für ein solches Projekt: Eine Reise durch, nach Deutschland, eine Reise zu den einfachen Leuten. Was Roger Willemnsen nicht kann: Sich selbst zurücknehmen und es bei der Schilderung des Beobachteten belassen. Wo die Beobachtungen nicht reichen setzen allzu oft die Mutmaßungen ein - und das geschieht selten zu Gunsten der Beobachteten. Denn irgendwie scheint Roger Willemsen der festen Überzeugung zu sein, dass die allermeisten Leute ein armseliges Leben führen. Von der angehenden Kellnerin bis zum Schuldirektor - alle bekommen ihr Fett weg. Selbst Kleinkinder schauen mit "fettblöden Augen" als ob sie froh wären, das Rennen auf die Eizelle gewonnen zu haben. Das mag am Anfang noch amüsant sein. Aber den meisten Lesern dürfte schnell klar werden dass sie nicht zu den vermutlich maximal 10 Deutschen gehören, die vor Roger Willemsen bestehen würden.

Einen weiteren Minuspunkt gibt's für die ständig eingestreuten Mini-Essays zu den sinnlosesten Themen - die haben mit dem eigentlich Thema des Buchs meist nichts zu tun und bremsen den Lesefluß gewaltig.

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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen sehr eigenwillige und graue Betrachtungsweise Deutschlands.., 7. März 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandreise (Taschenbuch)
Ist Deutschland so schlecht? Besteht Deutschland nur aus Arbeitslosen, Nutten, Zuhältern und Pornodarstellern? Das kann doch nicht sein! Warum ist R. W. nicht mal ein paar Meter neben den Bahnhöfen in die Parks und Gartenanlagen und zu Spielplätzen gegangen. Warum hat er sich nicht mal mit netten Studenten und freundlichen Müttern (nicht alle Mütter sind asozial und haben fette hässliche Kinder!!!) unterhalten.
Es liegt immer am Betrachter selbst, ob seine Augen etwas positives oder negatives sehen wollen.
Ich habe mich durch das Buch gekämpft immer mit der Hoffnung, endlich auch mal etwas freundliche schönes zu lesen. Aber in der Welt eines R. W. scheint es so etwas wie Freude nicht zu geben.
Mein Mann hat mich nach dem Lesen des Buches gefragt, was ich jetzt von R. W. halte und ich antwortete ihm: "R. W. kommt mir vor wie ein überintellektueller Schreiberling dem die Freude am Leben noch nie zuteil geworden ist, der nur den Ernst und das Leid kennt und selbst wenn er auf das Positive treffen würde auch nie die Liebe und das Lachen in sein Leben lassen wird bzw. kann."
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Deutschlandreise
Deutschlandreise von Roger Willemsen (Taschenbuch - 11. März 2008)
EUR 8,95
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