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am 4. Juni 2002
Während seiner langen schriftstellerischen Karriere hat sich der Mexikaner Carlos Fuentes vor allem als profunder Kenner seines Landes und seines Kontinents einen Namen gemacht. Die mexikanische Revolution, der Identitätskonflikt eines Mestizenvolkes oder dessen schwieriges Verhältnis zum Nachbarn USA waren bevorzugte Stoffbereiche, die Fuentes seinen Geschichten zu Grunde gelegt hat. Weniger bekannt war die Liebe des 73-jährigen Autors zur Oper. Aus einer jahrzehntelang verborgenen Leidenschaft ist jetzt ein Roman gereift.

   In dem Buch "Der gläserne Spiegel" geht es um einen Dirigenten und eine Sopranistin, um eine Oper und um ein geheimnisvolles Glasstück. Durch letzteres kann der greise Maestro Gabriel Atlan-Ferrara, der unverkennbare Züge des deutsch-rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache (1912-1996) trägt, in die Vergangenheit schauen und mit seiner verschwundenen Ex-Geliebten, der mexikanischen Diva Inez Prado, sprechen. Sie ist die eigentliche Zentralfigur des Romans, der im spanischen Original "Instinto de Inez" (Inez' Instinkt) heißt.

   Wie ein roter Faden zieht sich durch den Roman die Oper "Fausts Verdammnis" des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803-1869). Inez, eine junge Chorsängerin, und Gabriel, der aufstrebende Dirigent, lernen sich im Kriegssommer 1940 kennen, als Atlan-Ferrara im Bombenhagel der deutschen Luftwaffe in London das Berlioz-Werk probt. Die beiden Musiker treffen sich 1949 bei einer Faust-Aufführung in Mexiko-Stadt wieder, bei der Inez inzwischen die Hauptrolle des Gretchens singt, und werden für kurze Zeit ein Paar. Erneut trennen sich ihre Lebenswege, die erst 1967 in London noch einmal kurz zusammenführen. Dort verliert sich die Spur der Sängerin im Dunkel.

   Die beiden ausgeprägten Egozentriker Inez und Gabriel erweisen sich als bindungsunfähig, während ihres kurzen Beisammenseins gibt er auf der Bühne und sie im Bett den Ton an. Doch die Liebesbeziehung ist nur ein Teilaspekt des Romans. Über ihr steht die Musik, die die Liebenden überhaupt erst zusammenführt. "Die Musik steht auf halbem Weg zwischen der Natur und Gott. Und mit etwas Glück sind wir Musiker die Vermittler zwischen Gott und der Natur", lässt Fuentes Atlan-Ferrara schon bei der ersten Begegnung mit Inez sagen.

   Der Dirigent, dessen Nationalität nur vage mit "mediterran"
angedeutet wird, ist ein Besessener. So wie der echte Celibidache, der zu Lebzeiten Schallplatten als "tönende Pfannkuchen" schmähte, lehnt auch er Mitschnitte seiner Konzerte kategorisch ab. Für Atlan-Ferrara ist jede neue Faust-Aufführung wie die erste und die Interpretation das Werk selbst. Damit denkt der fiktive Dirigent ähnlich wie der reale Literaturwissenschaftler Fuentes, der schon vor
Jahren in seiner Abhandlung "Geografia de la novela" (Geographie des Romans) die These vertrat, dass jeder Leser einen Roman beim Lesen neu entstehen lässt.

   "Ich habe immer gesagt, dass der wahre Autor eines Buches
derjenige ist, der es liest", sagte Fuentes kürzlich in einem
Interview und gewährt dem Leser damit die völlige Freiheit bei der Interpretation eines Werks. Die braucht er bei dem neuen Buch des Autors auch, etwa um eine zweite Handlungsebene einordnen zu können, in der es um die Beziehung der ersten Frau zum ersten Mann der Menschheitsgeschichte und die Erfindung des Gesanges geht.

   Ein Rätsel bleibt auch, wie eine Figur - der Dirigent Atlan-
Ferrara - in drei verschiedenen Jahren geboren sein kann. Der
Dirigent ist dem Text zufolge 1940 ganze 33 Jahre alt, 1949 aber 38 und 1999 schließlich 93. Fuentes, wie sein Freund Gabriel Garcia Márquez einem "magischen Realismus" verpflichtet, empfiehlt dem Leser, auf jeden Fall vor oder nach der Lektüre seines neuen Romans eine Oper zu hören.

                                                      Klaus Blume
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am 9. November 2012
Fuentes schreibt eine sehr geradlinige, präzise Sprache. Umso enttäuschender sind dann die Fantasien über sexbesessene Operndivas, frauenverschlingende Stardirigenten und instinktgesteuerte Urmenschen... Lesenswert durchaus, Kopfschütteln inklusive!
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