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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tugend, das ist eine Zier..., 20. August 2008
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Buch der Tugendlosigkeit (Broschiert)
...doch besser geht es ohne ihr.. sehr frei nach Wilhelm Busch. Dieses Buch kann man weiterempfehlen, es enthält eine auf anregende und interessante Weise geschriebene Auseinandersetzung mit verschiedenen allgemein als wichtig und richtig anerkannten moralischen Vorstellungen, die leider zu selten hinterfragt werden. -Insbesondere auf ihre Praktikabilität im Alltag. Die Untugenden Faulheit, Unpünktlichkeit, Unvernunft, Unwahrheit, Egoismus werden darauf untersucht, warum sie eigentlich in unserer heutigen Gesellschaft kritisch gesehen werden und welche Gründe es geben könnte, ihnen zumindest teilweise zu mehr Anerkennung zu verhelfen. Das was nämlich für den einen gerecht ist, ist für den anderen vielleicht ungerecht und umgekehrt ;). Dieses Buch soll zu einem entspannteren Umgang mit teilweise überkommenen Werten und Normen, nicht zuletzt aber auch im Umgang mit der eigenen Person verhelfen. Sind die Ansprüche, die man an sich ja manchmal stellt überhaupt wünschenswert? Ein interessantes kleines Buch, das durchaus einige Denkanstöße liefern kann. Gespickt mit viel Montaigne, Nietzsche, Epikur. Es lohnt sich mal einen Blick hineinzuwerfen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Müssen wir heute schon wieder machen, was wir wollen?" - Gewiss, und freuen Sie sich darüber., 12. Juni 2011
Von 
Alexandra Wolf "Wolf-Graphics" (Waldhausen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Buch der Tugendlosigkeit (Broschiert)
Axel Braig, Jahrgang 1951, war erst Orchestermusiker, bevor er ein Medizinstudium absolvierte und als Krankenhausarzt arbeitete. Von 1986 bis 2001 hatte er eine eigene Praxis als Hausarzt, bevor er sich der Philosophie und dem Schreiben von Büchern widmete. Nach einem erfolgreichen Philosophiestudium an der Universität Tübingen hilft er den Menschen heute in seiner philosophischen Praxis, die er in Tübingen und Stuttgart betreibt (philosophie-braig.de).

Der Mensch strebt nach Halt und Sicherheit. Zuviel Freiheit macht ihm in der Regel Angst, ebenso wie Menschen, die diese Freiheit für sich einfordern und sich daheraus für andere Lebensmodelle entscheiden als das "gros" der Gesellschaft.

Um das Miteinander zu erleichtern haben sich einige Tugenden durchgesetzt, durch deren Einhaltung der Mensch sich aus der Sicht der Allgemeinheit aufwerten oder bei Nichtbeachten abwerten kann.

Axel Braig philosophiert in seinem "Buch der Tugendlosigkeit" über Sinn und Unsinn von alten Tugenden in modernen Zeiten, zieht interessante Schlüsse und liefert zahlreiche Denkansätze zur eigenen Weiterarbeit an diesem Thema.

Thematisiert werden z.B. die Einstellung zur Muße, die in Deutschland wahrlich keinen guten Ruf genießt. Das süße Nichtstun und der Spass an der lockeren, spielerischen Arbeitsweise ist in den meisten Köpfen unter der Rubrik Faulheit, Unproduktivität und Nutzlosigkeit abgelegt und danach wird gewertet. Nur noch machen, was Spass und Freude bringt und damit auch noch Geld verdienen wollen? Zusätzlich mit so wenig Zeitaufwand wie möglich? Wo gibt es denn sowas? Im disziplinierten, deutschen Gedankengut jedenfalls nicht. Nur was wirklich wehtut ist gut und von wahrem Wert. Ist das wirklich so? Sind wir alle zum Märtyrertum verdammt? Diese Frage können Sie sich nur selbst beantworten, denn so kommen wir auch schon zur nächsten Erkenntnis.

Da kein Mensch seine Umwelt genauso wahrnimmt, wie ein anderer, muss zwingend daraus jede Annahme von Realität subjektiv sein.

Ebenso ist es mit der Zeit. Die wenigsten haben sie, jeder will mehr davon, aber den Alltag so umzustrukturieren, dass es möglich wird, ist für den Einzelnen aus seiner subjektiven Sicht unmöglich. Zu viele Zwänge, Verpflichtungen und Beschränkungen, die unabänderbar sind. Die Konsequenzen sind auch wirklich tragisch. Jemand der Zeit hat, kann somit nicht mehr wirklich wichtig und nützlich sein und wer will schon unwichtig oder gar unnütz sein?
Dennoch bin ich der Meinung, natürlich völlig subjektiv, Lebenszeit ist viel mehr wert als Geld, Ruhm und Anerkennung, denn man kann sie nicht sparen. Verflossene Stunden sind für immer undwiderbringlich verloren...

Wie steht es mit Ihrem Ordnungssinn? Ordnung ist doch was Feines, oder? Gibt Sicher- und Übersichtlichkeit. Pustekuchen. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaft gibt es keine weltliche Ordnung, denn selbst ein kleiner Einflussfaktor kann sich so auf einen geplanten Umstand auswirken, dass das geplante Geschehen nicht mehr eintrifft. Und genau das merken wir im Leben, kommt es doch tatsächlich meistens anders als man denkt und so gerne wir vielleicht auch an bestimmten Dingen festhalten möchten, weil sie einem Sicherheit geben und gut erscheinen unterliegt alles dem Wandel und wird damit unberechenbar. Indem wir lernen Gefallen an der Unordnung zu finden und sie zulassen, indem wir uns z.B. die Möglichkeit geben in verschiedenen Ordnungen ( z.B. Beruf, Familie, Organisationen, Vereinen usw.) umherzuspringen und auch ungeordnete Gedanken zulassen, die unsere Kreativität und Phantasie aktivieren, nimmt uns das zum einen die Angst vor dem Unbekannten und kann uns zum anderen zu neuem Gedankengut führen. Lassen Sie ruhig auch als Erwachsener mal kindliche Verrücktheiten zu und spüren Sie das Leben.

Falco singt "Die ganze Welt dreht sich um mich denn ich bin nur ein Egoist der Mensch, der mir am nächsten ist bin ich, ich bin ein Egoist.", was zunächst einmal nicht sehr sympathisch rüberkommt. Warum? Weil wir lieber selber bei dem anderen an erster Stelle stehen wollen, oder? Hoppala. Nicht sehr selbstlos, nicht wahr? Das mit der Selbstliebe ist aber auch vertrackt. Auf einer Seite sollen wir sie leben, weil man nur so die Möglichkeit hat, für andere liebenswert zu sein und anderen Liebe entgegenzubringen, zum anderen wird sie geächtet, weil man sich und seine Bedürfnisse nunmal nicht über die der anderen stellt. "Wer sich amüsiert tut das womöglich auf Kosten anderer. Dabei wird vollkommen vergessen, dass man andere genausogut mit ins Unglück ziehen kann, also auf Kosten anderer unglücklich sein kann."
Wir können aber gar nicht anders als egoistisch sein. Es ist unmöglich für andere zu fühlen, wir fühlen nur für uns, alles andere sind und bleiben Vermutungen. Wir lieben nicht das spezielle Lebewesen ( sei es Mensch oder Tier), sondern die angenehmen Empfindungen, die es uns macht. Genauso werden wir durch unangenehmes Verhalten abgestoßen und werden uns zurückziehen, wenn das dauerhaft der Fall ist. Was für ein wunderbarer Gedankenansatz, um mal wieder darüber nachzudenken, ob ein harmonisches, liebevolles und tolerantes Miteinander nicht allen Beteiligten mehr Glück und Freude bringen könnte. Seien Sie um Ihretwillen, aus purem Egoismus heraus, liebenswert.

Fazit: Wie bei allen Dingen, die nur subjektiv vom Individuum gedeutet und wahrgenommen werden können, ist auch die Moral an verschiedene Sichtweisen gebunden. "Eine pluralistische Gesellschaft benötigt auch einen Pluralismus an Tugenden." ( Zitat, Seite 178) So wäre eine große, gedankliche Offenheit und Toleranz als Tugend der Tugendlosigkeit zu verstehen.

Ein sehr gehaltvolles, kleines Büchlein, mit vielen, weiteren Gedanken und Erkenntnissen zum Thema "Moral" und ihrem zweifelhaften Nutzen.
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Das Buch der Tugendlosigkeit
Das Buch der Tugendlosigkeit von Axel Braig (Broschiert - 2004)
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