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5.0 von 5 Sternen Sozialpolitik im Dritten Reich
An welche Partei denken Sie bei den folgenden Programm-Punkten:

- Bei der Besetzung öffentlicher Ämter sollte mehr auf Kompetenz als auf Parteienzugehörigkeit geachtet werden. Gemeinnutz vor Eigennutz und Profitgier. Entschuldung von Haushalten, die unter dem Druck der Verhältnisse in eine prekäre Situation geraten sind. Massive...
Vor 14 Monaten von FMA veröffentlicht

versus
41 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verdienstvoll, doch überzogen
Endlich wieder eine Diskussion um ein Hitler-Buch. Aly hat ja auch alles richtig gemacht: Hitler im Titel, eine griffige These, die quer gegen alle Forschermeinungen steht, und schon geht das Spektakel los. Doch bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß so neu die Thesen Alys nicht sind. Die sozialen Wohltaten des NS-Regimes sind schon seit den achtziger Jahren ein...
Veröffentlicht am 12. März 2005 von bln4u


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sozialpolitik im Dritten Reich, 29. Mai 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (Taschenbuch)
An welche Partei denken Sie bei den folgenden Programm-Punkten:

- Bei der Besetzung öffentlicher Ämter sollte mehr auf Kompetenz als auf Parteienzugehörigkeit geachtet werden. Gemeinnutz vor Eigennutz und Profitgier. Entschuldung von Haushalten, die unter dem Druck der Verhältnisse in eine prekäre Situation geraten sind. Massive Besteuerung von Unternehmen, die in irgendeiner Weise kriegerische Handlungen unterstützen und davon profitieren. Vergemeinschaftung von Mega-Konzernen. Stärkere Gewinnbeteiligung an Großbetrieben. Großzügiger Ausbau der Altersversorgung.

Förderung eines gesunden Mittelstandes, Unterstützung kleiner Gewerbetreibender, auch im Rahmen der Vergabe öffentlicher Aufträge durch Länder oder Gemeinden. Enteignung ungenutzten Großgrundbesitzes zugunsten wirtschaftender Bauern. Gesetzliche Maßnahmen gegen destruktive Formen der Spekulation. Ausbau des Bildungswesens, bessere Anpassung an praktische Erfordernisse. Gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen für alle. Ausbau bzw. Optimierung des Gesundheitswesens. Ausbau der Unterstützung für Mütter mit kleinen Kindern. -

Nur widerwillig listet man all diese Punkte – entnommen dem 25-Punkte-Programm der NSDAP - auf, denn so manches davon würde man gern heute regierenden Parteien ins Stammbuch schreiben. Alles sträubt sich, wenn man auf solche Parallelen mit einer der größten Verbrecherorganisationen der Menschheitsgeschichte stößt. Nichts desto trotz haben die Nationalsozialisten nach Machtantritt an der politischen Umsetzung dieses Programmteils genauso engagiert gearbeitet, wie an den nicht angeführten nationalistischen, rassistischen und antisemitischen Zielsetzungen, die in dem 1920 erstmals von Hitler verlesenen Papier ebenfalls bereits enthalten sind.

Die soziale Programmatik der Nazis, so Götz Aly, sei eben weit mehr als ein Täuschungsmanöver - als das es Historiker oft hinstellen – gewesen. Die führenden Nationalsozialisten seien sehr oft selbst Leute aus dem Volk gewesen, die Armut und Benachteiligung kannten, die wussten wie es ist, wenn der Gerichtsvollzieher klingelt. Das Soziale war ihnen ein ernstes Anliegen. Hitlers Absicht sei die Integration der Volksgemeinschaft gewesen. Die Aufspaltung des „Volkskörpers“ in Regionalhoheiten, Konfessionen, Klassen, Parteien sei in seinen Augen Ursache für historische Katastrophen wie den Dreißigjährigen Krieg, die Niederlage im 1. WK mit dem schmählichen Versailler Vertrag als Folge, für Entwicklungsrückstand und Wirtschaftskrisen gewesen. Zwei große politische Lager hätte er vor sich gesehen: das nationalistisch und das sozialistisch orientierte. Der Nationalsozialismus sollte genau das erreichen, was seine Begrifflichkeit impliziert: die Integration und Vereinigung dieser beiden gesellschaftlichen Hauptströme. Dies sei Hitler gerade in den ersten Jahren seiner Regierung tatsächlich gelungen. Ganze KPD- und SPD-Ortsgruppen seien geschlossen zur NSDAP übergetreten.

Die Arbeitslosigkeit, vor Hitlers Machtantritt bei 30%, wurde drastisch abgebaut, von über 6 Mio. 1933, auf 2,5 Mio. 1934 und 1,1 Mio. 1935. Steuern für die einkommensschwache Mehrheit wurden gesenkt, heute übliche Steuerklassen wurden eingeführt; die Körperschaftssteuer hingegen wurde von 20 auf 40 % erhöht. Pfändungsbescheide wurden per Erlass außer Kraft gesetzt, Schuldner aus den ärmeren Schichten entlastet. Die Löhne, in den Jahren vor 1933 im Schnitt um 25% gefallen, stiegen bald wieder. Der Urlaub wurde verlängert (2-3 Wochen, bezahlt) und erstmals wirklich in der Breite praktizierbar. Zuvor gab es sehr unterschiedliche Regelungen innerhalb einzelner Tarifverträge. Der 1. Mai wurde 1933 als Nationaler Tag der Arbeit zum – arbeitsfrei bezahlten – Feiertag. Rentner wurden automatisch in die Krankenversicherung übernommen, zuvor waren sie auf privates Vermögen oder Wohltätigkeitsorganisationen verwiesen. „Kraft durch Freude“ schuf vielfältige Urlaubs- und Freizeitangebote. Ein Lieblingsprojekt Hitlers war die Entwicklung eines KfZ für den kleinen Mann, für einen erschwinglichen Preis um die 1000 RM, was den neu gegründeten VW-Werken schließlich gelang.

Wie hat Hitler all dies finanziert? Zum ersten hatten einige seiner politischen Maßnahmen tatsächlich einen positiven ökonomischen Effekt, zum zweiten war da bald die Ankurbelung der Rüstungsindustrie, die einem gigantischen keneysianischen Investitionsprogramm gleich kam. Zum dritten, machte Hitler seine Ankündigung war, die Reichen stärker zur Kasse zu bitten. Neben der bereits erwähnten Erhöhung der Körperschaftssteuer wurde von Immobilienbesitzern eine Sonderabgabe i.H.v. 8 Mrd. RM erhoben. Zum vierten nahm das Dritte Reich Kredite in nie vorher dagewesenen Größenordnungen auf. Diese mussten nun aber auch zurück gezahlt werden. Und damit ist man bei der Hauptfinanzierungsquelle: Das Projekt „Volksstaat“, so Aly, wäre ohne das Morden und Rauben der Angriffskriege gar nicht realisierbar gewesen. Insbesondere durch die Enteignung der Juden - im deutschen Inland, wie in den Besetzten Gebieten – versuchte man beständig, die Kassen neu zu füllen. Der Autor will dabei andere Erklärungsansätze nicht entkräften (Rassismus, Antisemitismus, Hitlers Charisma), macht aber deutlich, dass dieses Motiv bislang zu wenig wahrgenommen wurde. Das gilt auch hinsichtlich der Treue des Volkes zum Führer. Es ging eben für weite Teile der Gesellschaft in den ersten Jahren der NS-Herrschaft tatsächlich spürbar aufwärts. Dass so oft weggesehen wurde, wenn den Juden Unrecht geschah, hatte auch damit zu tun, dass man persönlich davon profitierte.

„Hitlers Volksstaat“ (2005) war die erste sehr breit wahrgenommene Publikation Götz Alys und kam einer Art Taboo-Bruch gleich. Es gab eine Art still schweigenden Konsens, Aspekte des Nationalsozialismus, die diesen in einem positiveren Licht erscheinen lassen könnten, konsequent auszublenden. Vielleicht bedurfte es in Anbetracht der Grausamkeit dieser Diktatur auch tatsächlich der nötigen historischen Distanz, um hier eine umfassendere Wahrnehmung zuzulassen.

Zwar gab es auch schon zuvor ähnliche Ansätze - der britische Dokumentarfilm Swastika etwa hatte Amateurfilmaufnahmen Hitlers, insbes. von Eva Braun gedreht, kompiliert. Hitler als lockerer Gastgeber, als Kinder- und Hundeköpfe tätschelnder Onkel, als Möchtegern-Charmeur. Kritikern hielten die Filmemacher entgegen, dass man nicht verdrängen dürfe, dass das Böse oft mit sehr menschlichem Antlitz daher kommt. Man liefe sonst Gefahr, es nicht zu erkennen.

In diesem Ansatz würde sich wohl auch Aly wieder erkennen. Inzwischen hat er mit neueren Arbeiten weitere Aspekte nationalsozialistischer „Wohltätigkeit“ und „Volksverbundenheit“ beleuchtet. So etwa in seiner jüngsten Publikation über das nationalsozialistische Euthanasieprogramm. Auch hier arbeitet er heraus, dass das damalige Regime von der breiten Masse der Deutschen keineswegs als totalitär erlebt wurde: Man spielte im Graubereich zwischen Teil- und Desinformation geschickt mit der ambivalenten Gefühlslage der Verwandten behinderter Menschen. Wer sich aber gezielt um Angehörige bemühte, dem wurden diese nicht zwangsweise entrissen. Anstaltsleitern, die sich vehement der Mitwirkung verweigerten, wurde entsprochen. Nazi-Ärzte führten mit Müttern von Euthanasie-Opfern eine einfühlsame Korrespondenz. Es gab Fälle, in denen auf den ohnehin seltenen öffentlichen Protest mit schwersten Repressalien geantwortet wurde. Am Ende knickte man aber doch vor der Predigten des Münsteraner Bischofs Galen ein, weil man sah, dass diese in der Bevölkerung etwas auslösten. Auch an anderen Stellen zeigte sich eine ähnliche Janusköpfigkeit wie im Bereich Sozialpolitik: Die gleichen Mediziner, die die Aktion T 4 verantworteten, gingen konsequent gegen Gewalt in der Psychiatrie vor, verbessern Behandlungsmethoden, fördern die Integration und Rehabilitation – als behandelbar geltender – psychisch Kranker.

Andere Autoren traten inzwischen in Alys Fußstapfen. Erst kürzlich analysierte bspw. die Giesener Historikerin Anne C. Nagel in „Hitlers Bildungsreformer“ die teilweise überraschend fortschrittlich anmutende Bildungspolitik der Nazis.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie die Nazis die Aufrüstung und den Krieg finanzierten, 25. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (Taschenbuch)
Unglaublich - aber wahr! Götz Aly legt hiermit sein Meisterwerk vor: ein verstärkt irritierendes Buch voller Fakten über die Finanzierung von Aufrüstung und Krieg durch die Nazis. Sehr erhellend: warum die Nazis vom seinerzeitigen deutschen Volk geliebt wurden. Durch allerlei finanzpolitische Machenschaften (u.a. die faktische Enteignung von jüdischen Vermögen durch Zwangsumtausch in letztlich wertlose deutsche Kriegsanleihen) brachten die Nazis "Geld in die Taschen" der kleinen Leute. Dass diese sich am Ende vom schönen Geld durch einen gigantischen Kaufkraftüberhang nichts wirklich sinnvolles kaufen konnten, steht auf einem anderen Blatt. Erschütternd für mich: Aly schildert minutiös, wie die während des Krieges besetzten Länder durch Schwächung derer Währungen systematisch ausgeplündert und ruiniert wurden.
Für mich Pflichtlektüre im deutschen Schul-Geschichtsunterricht und für alle an deutscher Kriegsgeschichte Interessierten!
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61 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisches meisterhaft aufgearbeitet, 21. Juli 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Der Autor dieses Buches, Götz Aly, ist Historiker und Journalist sowie Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen. Er berichtet über einen Aspekt des Dritten Reiches
der in der in der geschichtlichen Untersuchung in den letzten Jahren eher vernachlässigt wurde.
Mit welch en Mitteln sind die Menschen in den nationalsozialistischen Staat integriert worden, was hat sie so lange zufrieden gemacht oder zu mindestens ruhig gestellt? Den Deutschen ging es in dieser Zeit des Nationalsozialismus besser denn je. Man muss sich einmal vorstellen, allein wie integrativ eine Rentenerhöhung von 15% im Jahre 1941 gewirkt hat, mitten im Krieg, auf Kosten von Millionen Zwangsarbeitern, die in die Sozialversicherungssysteme einbezahlt haben. Mit diesen und ähnlichen Wohltaten hat man das Volk moralisch bestochen.
Im ersten Teil des Buches entwickelt der Autor den zentralen Begriff einer Gefälligkeitsdiktatur, das heißt er betrachtet den nationalsozialistischen Staat aus einer Perspektive in der er sich als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Er entwickelt damit die zentrale These, dass es eben nicht vorrangig Repression und Terror waren, die die Deutschen ermutigt hat mitzumachen, sondern er sagt an einer anderen Stelle später, die Deutschen waren Nutznießer und „Nutznießerchen". Er sieht diese Tatsache als komplementäres Element der Wahrheitsfindung von hohem Gewicht, das bisher in der Forschung vernachlässigt worden ist.
Herr Aly spricht nicht vom Nationalsozialismus sondern vom nationalen Sozialismus. Wie sozialstaatlich war eigentlich der Nationalsozialismus? Das sozialistische Konzept in seiner ursprünglichen Form ist ein internationalistisches. Es beruht auf der Auseinandersetzung von Kapital und Arbeit. Das historisch tragische ist, dass ein Teil dieses Konzeptes von der NSDAP übernommen wurde und dass dazu die ethnische Homogenisierung gemischt wurde. In dieser Mischung haben sich soziale und sozialistische Ideen relativ gut behauptet.
Das System, das haben Studien zur Finanzpolitik klar ergeben, basierte von 1934 an auf reiner Verschuldungsbasis. Der Krieg stand so zu sagen als „Finanzierungsmittel" auf der einen Seite von Anfang an am Horizont, auf der anderen Seite die Judenvernichtung und die damit einhergehende Enteignung. Man hat immer viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden konnte. Das hat sich dann auch günstig für die breite Masse des Volkes ausgewirkt.
Darüber hin aus hat man zwischen 1933 und 1940 trotz Rüstungsboom und anwachsender Staatsausgaben die Steuern nicht erhöht. Darüber hinaus hat man die Pfändungstitel gestoppt. Das war für viele Menschen, die durch die Weltwirtschaftskrise in Not und Verschuldung geraten waren, von großer Wichtigkeit.
Das Konzept der in der Anfangsphase propagierten Volksgemeinschaft funktionierte natürlich nur mit einem Gegenkonzept, nämlich der negativen Integration, also der ‚Ausgrenzung von klar definierten Gruppen. Darüber hinaus hat der Nationalsozialismus ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Klassenvermischung im Inneren durchgesetzt.
Die vom Autor zitierte Nutznießerschaft bezieht sich auf die Phase des Krieges. Da gibt es Phänomene über die bis heute wenig geschrieben worden ist.
Unter der Kapitelüberschrift „Hitlers zufriedene Räuber" werden die Deutschen hart zu Gericht genommen, denn alle haben in irgendeiner Form profitiert, und so betrachtet verwandelte die NS-Führung die Deutschen mehrheitlich nicht zu überzeugten Herrenmenschen und bedingungslosen Fanatikern sondern zu willigen Nutznießern.
Die deutsche Volksgemeinschaft, die sicher auch in dieser Konsolidierungsphase am Anfang der NS Zeit sozial psychologisch hervorgebracht worden ist, hätte sicher lieber gesehen, wenn ihr die anschließenden Anstrengungen, Zumutungen und bitteren Verluste, selbst bei einem siegreiche ersten Teil des Krieges, erspart geblieben wären.
Dieses Buch erhellt in ausgezeichneter Form die Zeit des Nationalsozialismus. Beieindrucken ist die umwerfende Sachkenntnis des Autors.
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57 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielen Dank für dieses Sachbuch, 4. Februar 2006
Von Ein Kunde
Vielen Dank für dieses Sachbuch!
Ich gehöre zur sogenannten Generation der "Nachgeborenen" und bin als historisch einigermaßen interessierter Mensch wenigstens in groben Zügen mit den Fakten und Daten des Dritten Reiches vertraut. Ich konnte allerdings rein gefühlsmäßig nie verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass gerade wir Deutschen die nazionalsozialistische Barbarei zugelassen haben, dass das "Volk der Dichter und Denker" moralisch überhaupt so tief sinken konnte. Das Buch von Götz Aly schließt hier eine echte Lücke und dafür bin ich dankbar. Denn es behandelt weniger die "große" Geschichte, die sich mit den zentralen Persönlichkeiten des NS-Regimes, den Eckdaten der Machtergreifung und des Kriegsverlaufes befasst, sondern es geht dem Autor um etwas ganz anderes – nämlich, um die nationale Euphorie, die die Nationalsozialisten bei einem Gutteil der Bevölkerung, dank einfacher wie perfider "Rezepte", entfachen konnten.
Das deutsche Selbstwertgefühl - unbestritten eine der wichtigsten Kulturnationen Europas - lag nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der "Schmach" des Versailler Vertrages am Boden. Viele empfanden die restriktiven Regelungen des Friedensvertrag als ungerecht und konnten sich nie mit der aufgezwungenen und alles andere als wehrhaften Weimarer Demokratie identifizieren. Die Nationalsozialisten schafften es, diese diffusen Gefühle für ihre Zwecke auszunutzen. Wie diabolisch verführerisch "Hitlers Volksstaat", wie verlockend die nationalsozialistische Rassenideologie für die Menschen tatsächlich war, das habe ich durch die Lektüre von Alys sehr gutem und bestens recheriertem Buch nun eher "begriffen". Immerhin schafften es das Regime ein Gutteil seiner Versprechungen (auf Kosten anderer) "wahr" zu machen. Und nun stellt sich mir die Frage, ob sich so etwas in unserer aufgeklärten Zeit eventuell wiederholen könnte. War ich einst vollkommen vom NIEMALS WIEDER überzeugt, bin ich mir heute nicht mehr ganz so sicher. Genau deshalb sind solche Bücher wie "Hitlers Volksstaat" so wichtig, denn sie zeigen uns auf, mit welchen Mitteln es gelingen konnte, in einem ganzen Volk eine destruktive nationalistische Stimmung zu erzeugen - und nur mit diesem Wissen kann auch in Zukunft ähnlich schlimmes verhindert werden.
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35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gekaufte Gefolgschaft, 6. Juni 2005
Das Buch von Götz Aly ist ein "Heuler" in doppeltem Wortsinne: Man muss heulen, wenn man liest, mit welchen Mitteln die Nazis Ihresgleichen und Arglose zufriedengestellt haben, und eine Sirene der Warnung vor teilweise denselben Praktiken, die der demokratische Volksstaat in der Sozialpolitik anwendet, um die Wiederwahl seiner Funktionäre zu gewährleisten. Wohlgemerkt: Die Adenauer-Republik hat weder Juden ausgeraubt, noch besetzte Länder! Und hierum geht es Götz Aly vornehmlich.
Die detaillierte Beschreibung der Methoden, mit denen Schuldlose beraubt und um ihr ehrlich erworbenes Gut gebracht wurden, die Enthüllung der Niedertracht von Maßnahmen, die von "anständigen" Bürokraten, der Elite der Verwaltungsbeamten, ausgeklügelt wurden, die Aufdeckung der Schamlosigkeit mit der sich Begünstigte des Systems bereichert haben, raubt mir schier den Atem.
Als Jugendlicher war ich Teil dieses Systems, das ich nicht durchschauen konnte, aber später wurde mir klar, dass das teilweise gleiche Personal im Aufbau der Bundesrepublik einigen Politikern ähnliche Praktiken gegenüber der eigenen Bevölkerung zur Verfügung gestellt hat, um mit sozialen und fiskalischen Wohltaten deren Wiederwahl zu ermöglichen.
Das Buch von Götz Aly wird sicher in der Zunft der Historiker angefeindet werden, da ihr wirtschaftliche, fiskalische und sozialpolitische Fragestellungen fernliegen. Für uns, die allgemeine Leserschaft, gibt Aly jedoch Erklärungen über den Erfolg des Nazi-Regimes bis weit in den Krieg hinein, die bisher nicht so klar erkennbar gemacht wurden. Es ist leichter, Gewalt, Einschüchterung, Diskriminierung als Grundlage der Herrschaft nachzuweisen als die schleichend erkaufte Zustimmung des Volkskörpers, wo doch beide Elemente und einige mehr die Herrschaft gefestigt haben.
Goldhagen ade - er hat nicht erkannt, wie die Mehrzahl der Bevölkerung über den Tisch gezogen wurde und es nicht ein dem deutschen Volk immanente Ausrottungswille, sondern weitgehend "Stimmungspolitik" war, die mir und dir das System mindestens erträglich, wenn nicht gar wünschenswert gemacht haben. Der in weiten Kreisen manifeste, zumindestens aber latent vorhandene Antisemitismus wurde weniger durch Neigung zur Gewalt als viel mehr durch den Willen zur ungerechtfertigten Bereicherung, also Neid aktiviert. Der heutigen Neidgesellschaft sei's ins Stammbuch geschrieben.
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meister der (gewollten) Provokation, 20. Mai 2005
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Götz Aly hat schon immer polarisiert und mit seinen provokanten Thesen Widerspruch nicht nur willig in Kauf genommen, sondern auch gefordert.
Zum Inhalt: Zentrale These des Buches ist die der "Gefälligkeitsdiktatur" oder auch "Wohlfühldiktatur". Dahinter steckt der Gedanke, dass sich Hitler seine Popularität, erstens, mit dem Ausbau von Sozialleistungen und zweitens mit Steuervergünstigungen, die er aus Zwangsenteignungen finanzierte, sicherte. Aly untermauerte seine These anhand eines riesigen Fundus von Zahlen und Fakten. Beispiel: 1938 waren erstmals alle Rentner in Deutschland krankenversichert und 1941 kam es zu einer erheblichen Rentenerhöhung.
Die Kritiker von "Hitlers Volksstaat" verdammen vor allem Alys monokausales Erklärungsmodell. Und das zurecht. Ein Buch, das den Anspruch stellt zu erklären, wie es zum Nationalsozialismus kommen konnte ohne Hitlers Ideologie zu erläutern, ohne sein persönliches Charisma zu erwähnen und ohne die bereits in der Kaiserzeit vorhandenen Grundbedingungen der völkisch-rassischen Weltsicht zu erläutern, muss sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen. Auch eine beeindruckende Menge an Quellenmaterial kann diesen Mangel nicht wettmachen.
Doch gilt es festzuhalten, dass Faktoren wie Ideologie oder das Persönlichkeitsprofil Hitlers (oftmals herabwürdigend als "Hitlerismus" bezeichnet) schon oftmals und in aller Ausführlichkeit Thema der Forschung waren (Haffner, Fest, Kershaw). Natürlich beschreittet Aly mit seinem Buch kein qualitatives Neuland, doch zumindest in der Ausführlichkeit ist "Hitlers Volksstaat" bis dato ohne vergleichbaren Vorgänger.
Aly kann nicht den Anspruch stellen ein allgemein gültiges Erklärungsmodell für den Nationalsozialismus zu liefern. Niemand kann das. Er behandelt nur einen Aspekt in aller Ausführlichkeit.
Bevor man anfängt, sich über dieses Buch schwarz zu ärgern, sollte man bedenken, dass Aly schon immer ein Meister der Provokation war. Das heisst, dass er seine Thesen mit Absicht so formuliert, dass sie wochenlang Thema in sämtlichen Medien sind.
Fazit: Bei aller Kritik ist festzuhalten, dass es immer positiv ist, wenn ein historisch so wichtiges Thema in einer breiten Öffentlichkeit jenseits von Knopp diskutiert wird. Daher vier Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heavy Stuff, 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (Taschenbuch)
Kein Buch, dass man mal eben so nebenbei und/oder in einem Rutsch durchliest. Vollgepackt mit Information und sicherlich einzigartig in der Erklärung, wie eine Diktatur dem Menschen Honig um den Mund schmiert. Dadurch wird es schwerer selbüberzeugt zu behaupten, man hätte sich sicherlich solch einem Unrechtssystem entgegengestellt. Schwierig bei so viel Indoktrination. Das ist sicher keine Entschuldigung für den Massenwahn, aber die bisher beste Erklärung, wie so ein Massenwahn entsteht.

Interessant für die Neuzeit, da unsere vier linken 'Volksparteien' langsam in eine ähnliche Richtung marschieren...der Sündenbock ist nun nur noch das 'Großkapital'
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27 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiges Buch, zur richtigen Zeit � mit Schlampereien, 4. Juli 2005
Von 
Gordian Ezazi (Troisdorf, Nordrhein-Westfalen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Die in Götz Alys Buch „Hitlers Volksstaat" aufgeworfene These, dass es sich bei dem NS-Staat um eine „Raubmaschine ohne Beispiel" gehandelt habe, ist so neu nicht und wurde schon von anderen Historikern, wenn auch nicht in dieser Ausführlichkeit, aufgegriffen. Aly deckt in „Hitlers Volksstaat" detailliert auf, wie sich der NS-Apparat mithilfe von sozialen Vergütungen und Steuerbelastungen für die besser situierten Bevölkerungsschichten und Großbetriebe das Gros des deutschen Volkes gefügig machte.
Er beschreibt den innenpolitischen Prozess während der zwölfjährigen Nazi-Herrschaft dabei als ständiges „Geben" und „Nehmen", mithilfe dessen sich Hitler und seine Entourage eine Zustimmungsdiktatur aufgebaut hätten.
Die Nazis werden so zu Hasardeuren stilisiert, deren ständiger Aktionismus, etwa die staatliche Enteignung des jüdischen Einkommens ab 1938, ein unablässiges Muss zur Kriegsfinanzierung und psychologischen Unterstützung seitens der „Volksgemeinschaft" gewesen wäre.
Die Beispiele und Rechnungen des Autors sind nicht immer verständlich, bei näherer Betrachtung aber quellentechnisch überaus gelungen untermauert. Nicht umsonst eilt Aly unter den Historikern der Ruf eines „Archivmäuschen" voraus.
Trotz der sprachlichen Eleganz, die dennoch weit entfernt bleibt von alten Schwergewichten wie Golo Mann oder Haffner, überzeugt „Hitlers Volksstaat" durch seine geballte Quellenoffensive und den von bisherigen Publikationen nur kaum beachteten Ansatz der erkauften Massenloyalität.
Ein unnötiger Fauxpas, der fast eine Art neuen Historiker-Streit ausgelöst hat, unterläuft Götz Aly nur in dem Punkt, als dass er den ideologischen Ansatz (Norbert Frei) und personellen Ansatz, respektive die Rolle der Persona Hitler (Hans-Ulrich Wehler), vernachlässigt.
Die Synthese aus beiden Aspekten, der ohnehin latent vorhandenen und erkauften ideologischen Überzeugung, bleibt deshalb aus.
Dennoch eines der wichtigsten und gelungensten Werke zur NS-Thematik, das in der letzten Zeit veröffentlicht wurde.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mehrheit der Nationalsozialisten stand LINKS, 12. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (Taschenbuch)
Das macht dieses wertvolle Buch deutlich. Und wie die Sowjets, waren auch die deutschen Sozialisten oder Hitleristen (nicht zu verwechseln mit Strasseristen) in spezifische Verbrechen und unglaubliche Verstrickungen verwickelt, die sie in den 40er Jahren, nach Hitlers militärischer Niederlage, zu vertuschen versuchten. Götz Aly begreift Hitler nicht wie der fehlgeleitete Mainstream als banalen Rechtspopulist, sondern als sozialistischen Verbrecher und links-revolutionären Mörder mit einem LINKEN Antisemitismus, der mörderischer war als der in Osteuropa. Ich habe mir zu dieser Lektüre noch das Buch "Anmerkungen zu Hitler" von Haffner und den Film "Die Sowjet-Story" gekauft und kann mich über die unzensierte ausgewogene Informationsflut, die die 68er Lehrer in der Schule HASSEN und verleugnen, NICHT beklagen. Und wen wundert es, dass viele Nazis ehemalige Kommunisten und sogar zum Teil gleichgeschlechtlich-orientiert waren wie z.B. Ernst Röhm, was nicht heissen soll, dass keine Verbrechen an diversen Minderheiten begangen wurden.

GÖTZ ALY zeigt es dem linken Spießer und setzt den Märchen-Missionaren endlich den Riegel vor. Ein leises Stöhnen dürfte damit durch diverse "Links"parteien im Bundestag gegangen sein, da die Märchen irgendwann wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Da hilft dann auch keine Klugschieterei mehr von Michail Iljitsch Romm, Nolte und anderen Wortverdrehern. Geschieht denen auch ganz Recht, denn die Märchen waren schon immer unlogisch und peinlich.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 17. März 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (Taschenbuch)
Götz Aly hat mit HITLERS Volksstaat eine neue Perspektive im Hinblick auf die NS-Geschichte eröffnet.
Er zeigt, wie es den Machthabern gelang, durch ein Füllhorn an sozialen Wohltaten im Steuer- und Wirtschaftsrecht, aber auch in der praktischen Sozialfürsorge im Alltag, gelang, die Bürger für das NS-System zu gewinnen. Mit teilweise populistischen Maßnahmen, die einer vernünftigen wirtschaftlichen Betrachtung widersprachen, gelang es dem Regime, das Bild der "Volksgemeinschaft" zu pflegen.
Aly macht an einigen Beispielen deutlich, dass dieses Bild manchen NS-Politikern, z.B. aus propagandistischen Gründen Göbbels, derart wichtig war, dass sie sogar die Kriegsanstrengungen hinter diesen Zielen zurückstellten.
Besonders perfide wird dieses Bemühen um die Volksgunst, wenn das Regime Wertsachen, Möbel und Haushaltsgegenstände der in den die Vernichtungslager Deportierten dazu nutzt, um ausgebombte und bedürftige "Volksgenossen" zu versorgen. Aly zeigt auf, dass unteren Dienststellen des NS-Bürokratie aber den den Empfängern der Leistungen, durchaus bewusst war, aus welcher Quelle diese Wohltaten des Regimes stammten. Mit der Annahme der Güter ergab sich so ein Gefühl der Mitschuld, dass sicher (neben anderen Umständen) zur Erklärung der Passivität der breiten Volksmasse gegenüber der Judenvernichtung beigetragen hat.

Alys Buch ist zu Recht eines der Standardwerke zum Thema NS-Regime geworden. Sein Ansatz ist neu und bietet Erklärungsansätze für das Verhalten der deutschen Bevölkerung, die man nachvollziehen kann. Damit leistet er meiner Meinung nach mehr zum historischen Verständnis als manche Faschismustheorie, die sonst gerne von dem linken Spektrum zugehörigen Historikern gepflegt werden. Es zeigt jedoch auch, das die von dem anderen politischen Spektrum gern gepflegte Behauptung, dass die deutsche Bevölkerung weitgehend passiv das NS-Regime mehr erduldete denn unterstützte, falsch ist. Nicht umsonst sind manche der damals eingeführten Wohltaten, wie z.B. die Lohnzuschlge auf Nachts- und Sonntagsschichten, heute immer noch Teil des heftig verteidigten sozialen Besitzstandes.

Fazit: Ob man Alys Thesen teilt, ist zweitrangig, aber man sollte sie auf jeden Fall kennen. Deswegen muss man, wenn man zum Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung qualifiziert mitreden will, Alys Buch gelesen haben.
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Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus
Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus von Götz Aly (Taschenbuch - 28. November 2011)
EUR 9,95
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